Überflieger unter sich

Hillary Bei der ersten Begegnung mit Bill Clinton „muss (sie) unwillkürlich an einen Löwen denken“
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
*
Ihre Generationskohorte und deren Ausbilder:innen macht sie bei jeder Gelegenheit zum Publikum. Hillary liebt den Vortrag als Garanten von Aufmerksamkeit und klaren Machtverhältnissen. Selbstgewiss zum Besten Gegebenes ist ihr Markenzeichen. Dabei unterschlägt die Ehrgeizige nicht ihre altbackene Seite. Gern zitiert sie Winston Churchill, der einmal sagte: „Eine gute Rede sollte wie der Rock einer Frau sein: lang genug, um das Wesentliche abzudecken, aber kurz genug, um Interesse zu wecken.“

Elizabeth Curtis Sittenfeld, „Hillary“, Roman, aus dem Englischen von Stefanie Römer, Penguin Verlag, 24,-

Heute würde diese Ansage jede gute Wirkung verfehlen. Die Erzählung hebt aber in den 1970er Jahren an. Hillary Rodham erscheint als Premiumprodukt des weißen US-Mittelstandes. Sie verkörpert die tadellose Debütantin mit eben jenem Vorwitz, den manche charmant und viele nervend finden.

Noch weiß Hillary nichts von Niederlagen.

Sie geht mit einem Typen aus Arkansas aus; einem Aufschneider, der gern über die Melonenplantagen seiner Heimat redet. Sein Selbstbewusstsein scheint grenzenlos.

Das Überflügelnde zieht die Überfliegerin an.

Destillierte Bereitschaft - Was zuvor geschah

Am Anfang erwähnt die Heldin die Exklusivität einer Einsamkeit, die ihrer Exzellenz geschuldet sein soll. Folgt man Elisabeth Curtis Sittenfeld, dann entschleiert sich Hillary Rodhams von Ehrgeiz und Selbstgewissheit aufgetriebener Charakter im Bild einer Debütantin, die sowohl den prominenten Anti-Vietnamkrieg-Aktivisten Eugene McCarthy als auch einen republikanischen Hardliner namens Barry Goldwater zu unterstützen die (in mannigfaltigen inneren Gremien und Instanzen destillierte) Bereitschaft fand. Im Gegenzug zeigt sich Bill Clinton in der Rolle des studentisch-stürmischen Verehrers dazu aufgelegt, den von der progressiven Geschichtsschreibung verdammten Konquistador Hernando de Soto als Referenz anzuführen, sobald es darum geht, seine Heimatstadt Hot Springs zu feiern.

Der Roman erfüllt die Bedingungen, die man klassisch an einen Plot stellt. Er lässt sich in drei Sätzen darstellen. Sittenfeld erzählt eine Was-wäre-gewesen-wenn-Geschichte. Was wäre gewesen, wenn Hillary den Schwadroneur aus dem Baumwollsüden (und zukünftigen Präsidenten Bill Clinton) nicht geheiratet hätte.

Königliche Konnotation

Bei der ersten Begegnung „muss (Hillary) unwillkürlich an einen Löwen denken“. Die königliche Konnotation reicht nicht, um die Überschüsse einer Person zu benennen, deren Gravitation so anziehend wie abstoßend wirkt. Hillary erlebt Bill Clinton als „attraktiven Löwen“. Rasch weichen die Benommenheit und das Begehren einer Reserve, die daher rührt, dass der Stipendiat aus Arkansas, der im Übrigen seinen Bundesstaat für den Nabel der Welt hält, gnadenlos „von sich selbst eingenommen“ ist.

Aus der Ankündigung

Jung, politisch erfolgreich und leidenschaftlich verliebt – Hillary Rodham und Bill Clinton sind das romantische Traumpaar der 70er-Jahre. Ihre Pläne für die gemeinsame Zukunft kennen daher auch nur eine Richtung: ganz nach oben. Doch als Bill um Hillarys Hand anhält, lehnt sie ab. Ein Nein, das ihr Leben für immer verändern wird … US-Erfolgsautorin Curtis Sittenfeld gibt der Weltgeschichte in ihrem gefeierten New-York-Times-Bestseller einen überraschenden neuen Lauf. In »Hillary« erleben wir das politische Amerika, wie es noch nie jemand erzählt hat: hautnah und aus der Perspektive einer Frau, die für ihren Lebenstraum alles gibt. So unterhaltsam wie scharfsinnig beleuchtet Sittenfeld die Abgründe einer Frau, über die wir eigentlich alles zu wissen glaubten. »Sittenfelds Hillary ist beides: Mitwirkende im Game of Thrones, romantische Romanheldin und wunderbar knallharte Frau.«O: The Oprah Magazine

»DerNew York-Times-Bestseller ist der angemessene Lesestoff zum Start der Ära Kamala Harris.« DONNA (03. Februar 2021)

Zur Autorin

Curtis Sittenfeld wurde 1975 in Cincinnati geboren und studierte in Stanford Creative Writing. Ihr literarisches Debüt »Eine Klasse für sich« wurde von der Presse hochgelobt. Seitdem veröffentlichte sie sechs weitere Romane und Erzählsammlungen, die in 30 Sprachen übersetzt wurden und alle auf der Bestsellerliste standen. Das Leben von Frauen an der politischen Spitze beschäftigte Sittenfeld, die auch für Magazine schreibt, schon mehrfach: 2008 interviewte sie für das Time Magazin Michelle Obama. Ihr Roman »Die Frau des Präsidenten« (2008) zeichnet ein fiktives Porträt der ehemaligen First Lady Laura Bush. In ihrem jüngsten Buch »Hillary« (2020) erzählt sie das Leben von Hillary Clinton neu.

07:37 15.04.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare