Ungewisse Übertragungen

Welttag der Poesie Gestern war Welttag der Poesie. Die Stiftung Brandenburger Tor beging ihr Fest zu Ehren der Poesie im Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz.
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Kein Leichtgewicht - Marcel Beyer

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Das Gedicht entstand auf einer menschheitsgeschichtlichen Kreuzung zwischen Musik und Tanz als kultischer Gegenstand. Das erklärte Thomas Wohlfahrt, Chef im Berliner Haus für Poesie, in seinem Grußwort zum UNESCO-Welttag der Poesie im Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz. Vor den Fenstern zog der Abend mit Pauken und Trompeten auf und tauchte das Brandenburger Tor so fern der Ostsee in das baltische Licht.

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Wohlfahrt exponierte die Diskrepanz zwischen schwachen Lyrikbandverkäufen und einem überwältigenden Publikumsinteresse an Lyriklesungen. Der Impresario stellte fest: „Die Lyrik braucht den medialen Doppelauftritt. Die Stimme ist das Instrument der Poesie.“

Sollte wir noch im Kult sein und auf unsere säkulare Weise sakral ansprechbar geblieben sein als Anhänger*innen der Sprachmusik?

Die irakische Dichterin Nada Al-Khawam machte den Anfang mit einer Beschwörung Mesopotamiens, dem alten Zweistromland:

„Ich bin die Tochter der beiden Flüsse“ (Euphrat und Tigris)

„Ich bringe ein Volk von Gedichten hervor.“

An Al-Khawams „Seelenufern“ liegt „das zersplitterte Herz meines Landes“.

Nach den babylonischen Klageliedern kam Arild Vange mit skandinavischem Optimismus. Er weiß:

„Es ist nicht gut, immer derselbe zu sein.“

„Wir sind Bienen.“

Die israelische Dichterin Savyon ist zudem Tänzerin und Mathematikerin. Sie trat gemeinsam mit der kongenial dichtenden Regina Dürig auf, die ihre Bearbeitungen der Savyonischen Lyrik „ungewisse Übertragungen“ nennt.

Die Kollaborateurinnen erzeugten einen hebräisch-deutschen Sound. Die Klangcollage setzte sich auch zusammen aus:

„Ich bin das Gestern.“

„Schichten von Traurigkeit.“

… und dem schönen Wort Mammutmut.

„In der großen Schwärze kommen die Mammuts zurück.“

Ich habe sie im Berliner Tiergarten gesehen.

08:34 22.03.2019
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