Verwaltete Waise

#Leben Die Republik Jarðarberstan teilt ihren verwalteten Waisen die Identität der biologischen Eltern mit, sobald die Zöglinge volljährig sind
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Die Republik Jarðarberstan teilt ihren verwalteten Waisen die Identität der biologischen Eltern mit, sobald die Zöglinge volljährig sind. Dies geschieht auch dann, wenn die Eltern im Gefängnis sitzen. Drakonische Fürsorger:innen informieren strammstehende Zitteraale.

Hækkaði erfährt, dass ihr Vater ein Häftling der blaugrünen Kategorie ist, und die Mutter eine neue Familie gegründet hat. Sie verstummt auf der Stelle. Fortan steht ihr die Entwertung ins Gesicht geschrieben.

Hækkaði bewegt sich wie unter Wasser. Widerstandslos lässt sie sich vermitteln. Nun arbeitet sie als Küchenhelferin in einem Schnellrestaurant. Sie packt ein, was auf den Tellern zurückkommt; eine Abfallkonsumentin zum Anschreien. Sie haust Busstunden entfernt von ihrem Arbeitsplatz in dem Gecekondu von Dúkkuhús. Der Slum frisst sich in eine Prärie. Verkehrsgeräusche reißen die Ohren auf. Die Akustik kracht wie ein permanenter Auffahrunfall.
Hækkaði nimmt wenig wahr. Stets steht sie so da, als sei ihr Stillstehen befohlen worden. Zuhause ist sie in einem Verschlag. Den teilt sie mit ihrer schwer kranken Nennschwester Öldungú. Die „Schwestern“ kennen sich aus dem Heim ihrer Kindheit und Jugend. Als Illegale kann Öldungú nicht zum Arzt. Hækkaði versorgt sie mit ihren Abfällen, doch Öldungú ist nicht mehr zu helfen. Hækkaði verliert die einzige Bindung. Ratlos besucht sie ihre Mutter, eine bäurische Person, die sie nie zuvor bewusst gesehen hat. Hækkaði wird abgewiesen. Die Frau jagt das Mädchen fort.

Gleich mehr.

09:28 15.06.2021
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