Wie alles anfing

Die Kasseler Zwillinge Weiss erzählte mir zum ersten Mal von den Kasseler Zwillingsschwestern Gisela Getty und Jutta Winkelmann. Ihre Geschichte sei interessant, aber nicht leicht zu haben.
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Alle wollten zu ihm. Seine Gefolgsleute überstrahlten den Rest des Betriebs.

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1998 fand im Frankfurter Literaturhaus (damals noch an der Bockenheimer Landstraße) eine hervorragend besuchte Veranstaltung mit Feridun Zaimoglu und mir statt. Das Publikum schien sich auch noch in den Aufgängen zu stapeln. Es war vor allem jung und weiblich und ausschließlich wegen Feridun im Haus. Das musste nicht jedem klar sein, viele Routiniers der Branche hatten eben erst Witterung aufgenommen, soweit es das Phänomen Zaimoglu betraf. Nach dem Ereignis wurde mein Freund von Fans kreisförmig eingeschlossen. Deshalb hielten sich manche, die mir Anteile am Erfolg des Abends zurechneten, oder schlicht und ergreifend Auskünfte von dem Journalisten Tuschick einholen wollten, kurzerhand an mich. So kam ich zum ersten Mal mit Rainer Weiss ins Gespräch, sowie mit Wolfgang Schneider, meinem späteren Lektor bei Suhrkamp. Ich hatte Jahre gebraucht, um auch nur im Vorschauverteiler von Suhrkamp aufgenommen zu werden, nun stand ich vor Leuten, die in der Champions League der Literatur mitspielten. Ich empfahl mich auf der Stelle, den Glanz der Stunde nutzend. Dass wegen mir keine zwanzig Leute gekommen wären und bestimmt nicht eine dieser gerade im Dutzend auftretenden Starschnittgäste auf High Heels, wusste außer mir keiner. Ich beließ es dabei. Umgehend legte ich Weiss und Schneider Texte zur Veröffentlichung vor. Schneider reagierte mit mehr Zug und daraus ergab sich das Weitere. Weiss nahm ich als jemanden wahr, der sich nicht direkt festlegen wollte. Er machte mir keine Versprechungen, ließ mich im Vagen Hoffnung schöpfen. Ich war schon zu lange auf meinem Beobachterposten, um seine Ansagen für aussichtsreich halten zu können. Während meiner Zeit bei Suhrkamp machte Weiss Karriere, er hielt sich kaum je mit mir auf. Ich verfolgte seine Schritte und achtete auf jede Geste in meinem Blickfeld. Stets war ein Raunen um ihn und er bei den Bedeutenden. Wie er sich mit Muschg separierte, auf Meinecke zuging, sich von der Witwe zur Seite nehmen ließ, einen Kollegen überging: das faszinierte mich als mitschreibenden Teilnehmer des Frankfurter Kulturbetriebs. Dann war er nicht mehr der erste Mann im besten Haus. Sofort bemühte ich mich um einen Interviewauftrag, doch vergeblich. Weiss trat in den Vorstand des Literaturhauses ein. Ich schloss daraus, dass er in Frankfurt zu bleiben beabsichtigte. Ich unterstellte Weiss bereits Verlagsgründungsabsichten, als er noch vorgab, beruflich alles Mögliche zu erwägen. Unsere erste ausführliche Unterhaltung hatten wir im Dezember 2006 in einer Westendbar, da ging es vor allem um seine Frau Elvira, die ihre DJane-Vergangenheit wieder aufleben lassen wollte. Im Januar 2007 saßen Weiss und ich uns in einem Büro (in der Siesmayerstraße) gegenüber - dem räumlichen Entstehungsort von weissbooks. Weiss erzählte mir zum ersten Mal von den Kasseler Zwillingen Gisela Getty und Jutta Winkelmann. Ihre Geschichte sei interessant, aber nicht leicht zu haben. Ich konnte mir die Schwierigkeiten nicht vorstellen, die Weiss andeutete. Anfang Februar fuhren wir gemeinsam zu den Schwestern nach München. Giselas Penthouse wurde zum Schauplatz einer Schlüsselszene der Verlagsgründung. Weiss und ich waren uns schon einig, dass mit der Schwesternstory Furore zu machen sei ... und Jutta und Gisela sahen genug Vorteile auf ihrer Seite, um sich mit uns ins Zeug zu legen.

Morgen mehr.

07:47 05.06.2018
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Ausgabe 25/2018

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