100 Jahre Ost-West-Konflikt

Westarroganz Wie der Westen die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten beschwor
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Das Osmanische Reich ist Geschichte.

Was allerdings viele nicht wissen:

In Sachen friedliches und tolerantes Neben- und Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen war es seiner Zeit weit voraus.

Um den Artikel nicht ausufern zu lassen mache ich jetzt einen Sprung in die Geschichte der letzten 100 Jahre.

Kaiser Wilhelm sah im arabischen Raum gute Optionen, Stellvertreterkonflikte mit den verhassten Franzosen und Engländern auszutragen.

Auf dem Rücken der Verbündeten (und Verblendeten) des Morgenlandes wiegelte er gegen die Feinde des eigenen Kontinents auf.

Das Ergebnis war, dass Engländer und Franzosen nach gewonnenem 1. WK Syrien, Lybien und Irak auf der Landkarte neu vermaßen und in Abwägung eigener Vorteile großzügig untereinander aufteilten. (Kurdistan? Fehlanzeie.)

Wilhelm dagegen schmollte nur auf hohem Niveau im bequemen Exil.

Es folgten arrogante und demütigende Verwestlichungsmaßnahmen, die den Hass auf die Eroberer schürten.

Jungen Frauen wurden gegen ihren Willen die Kopftücher entrissen; ihre Körper wochenschauwirksam in Badeanzüge gezwungen. Initiiert von "Befreiern", die sich selbst in ihrer westlichen Heimat stockkonservativ und antifeministisch gebärdeten.

Ein okziphiler Ex-General der türkischen Armee stülpte seinen eigenen Landsleuten autoritär und mit der Brechstange eine Republik über, die radikal ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen durch ein republikanisch-nationalistisches Türkentum ersetzte.

Männer, die sich weigerten die traditionellen Kopfbedeckungen durch westliche Hüte zu ersetzen wurden aufgehängt. Jede Regung eigenständig-traditioneller Kulturpflege wurde im Keim erstickt.

Vortan gab es nur noch "die" Türken und nicht mehr die Vielfalt der alten Tage, die gut und friedlich funktioniert hatte.

Sogar eine neue türkische Sprache wurde eingeführt.

Das Sprechen anderer (wie kurdisch) ebenfalls verboten.

Irgendwann mischte dann auch die Sovjetunion mit. (beispeilsweise in Ägypten)

Den Iranern wurde ein infantiler König nach westlichem Duktus vor die Nase gesetzt. (...)

Es folgten die Kriege in Afganistan (zuerst Russland, dann die USA), Tschetschenien, im Irak, jetzt Syrien.

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Unterdrückung von kultureller und religiöser Identität das individuelle Bekenntnis zu diesen nur umso stärker und oft sogar radikal-fundamentalistisch werden läßt. Meist trotzig rückwärts gewandt.

Wenn dir etwas genommen oder vorenthalten wird beginnst du erst, es zu vermissen und wertzuschätzen.

Es ist der berühmte Kampf um die Schüppe im Sandkasten.

Der is rekrutierte sich vorwiegend im Lager der gestürzten EX-Generäle Saddams. Die fanden in westlicher Gefangeschaft beste Vernetzungs- und Rekrutierungsmöglichkeiten vor.

Dies ist kein Pamphlet für Rückständigkeit und "Alles war früher besser und hätte bleiben sollen wie es war".

Auch Religionen und Traditionen müssen sich mitunter dem Fortschritt beugen.

Wird dies jedoch von außen- und oben herab diktiert darf man im günstigsten Falle nur eine mimosengleiche und im ungünstigsten eine aggressive Reaktion erwarten.

Und:Was die selbsternannten Missionierer (wie z.B. der Westen) für Fortschritt halten muss noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Jeder ist am Ende durch die eigene Herkunft und Geschichte konditioniert un hält jeweils das für das Maß der Dinge, was ihm anerzogen wurde.

Humanismus, Aufklärung und Studentenbewegung haben den brutalexistierenden Kapitalismus als Feudalherrschaft im neuen Gewand nicht verhindern können, und der Sozialismus brachte eine Reihe korrupter Diktatoren hervor (Ausnahme Allende in Chile, dem nach aggressiver Intervention der USA dann allerdings doch ein allerdings gänzlich unsozialistischer Diktator namens Pinochet folgte).

Am Ende haben die einen einen milliardenschweren Rassisten und Chauvie namens Trump zu ihrem Messias gekrönt und die anderen Putin heraufbeschworen.

Und Despot Erdogan ist die späte Rache der Islamisten an Atatürk.

Noch Fragen?

08:45 16.12.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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