Armutsbericht und Interpretation der Bonzen

Gerechtigkeit Die Reichen wollen die Symbolkraft ausblenden.
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"Deutschland geht es gut!"

Diesen Satz kann kein halbwegs intelligenter Mensch mit sozialem Gewissen mehr hören.

Jener wird dann aber gleich als "Sozialneider" verunglimpft.

Dabei kann man nur auf jemanden neidisch sein, der etwas erreicht hat, was auch jedem anderen mit Fleiß und Durchhaltevermögen möglich gewesen wäre.

Wieviel % der Oberen haben es tatsächlich auf ehlriche Weise vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft? Jetzt sind Sie dran!

Was nützt es, wenn ein Land in der Summe viel Vermögen hat, dieses aber pervers ungleich verteilt ist?

Nun argumentieren die Reichen und ihre tatsächlich mal gut bezahlten Speichellecker in ihren Stiftungen, es mache ja einen Unterschied, ob jemand weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verdiene oder wirklich vom Hunger- oder Seuchentod bedroht sei.

Soll heißen: "Es geht immer noch schlimmer! Also haltet mal alle die Füße still!"

Und das ist das Todschlagargument schlechthin; egal, in welcher Debatte, und wird gerade noch von "Jeder kehre erstmal vor seiner eigenen Türe" oder dem feudalherrschaftlichen "Im Himmelreich werden alle entlohnt" getoppt.

Tatsächlich leben wir faktisch nicht in einer Demokratie und auch nicht in einer Leistungsgesellschaft.

"Neo-Feudalismus" würde es besser treffen.

Ähnlich zynisch wie der Eingangssatz dieses Artikels wirkt die gebetsmühlenartige Wiederholung von "Noch nie waren soviele Menschen in Arbeit!".

In Zeiten der Sklaverei und Leibeigenschaft mag es auch "Vollbeschäftigung" gegeben haben. Fragt sich nur immer, wer am Ende tatsächlich davon profitiert.

Der Mindestlohn wird vielfach längst umgangen.

Und damit komme ich zur Symbolkraft.

Selbst wenn mir 1000 oberschlaue Rechner beweisen würden, dass eine Umverteilung am Ende für den Einzelnen kaum etwas brächte:

Wie kann man morgens mit der Unanständigkeit in den Spiegel sehen, das 150-fache von einem "einfachen" Arbeiter der gleichen Firma einzukassieren? (alos einem Kollegen!)

Wie kann man ruhig schlafen, wenn man hunderte Hekta Land besitzt und weiß, dass in der gleichen Gesellschaft andere kaum eine bezahlbare Wohnung finden?

Irgendein Bekannter von mir hat mal gesagt, er würde sich nicht wundern, wenn bald wieder die Guilloutinen rausgeholt und die Absahner an Bäumen aufgehängt würden.

Sowas entspräche allerdings nicht meiner gewaltfreien Grundhaltung.

Wenn aber die Einsicht nicht freiwillig kommt muss der Staat durch harte Maßnahmen die Wogen glätten, bevor es zu einem gewaltsamen Klassenkampf kommt.

Aber dann wird es wieder heißen: "Wenn wir die Oberschicht verprellen geht sie mit ihrem Kapital und der Produktion ins Ausland!"

Wieder so ein Todschlagargument.

10:43 03.03.2017
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Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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