Auf den neoliberalen Zahn gefühlt

Neoliberalismus Warum Freiheit ein relativer Begriff ist
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Die FDP erlebt gerade ein Revival.

In Zeiten erstarkenden Neoliberalismus wäre alles andere eingentlich ja auch peinlich.

Eine ebensolche Renaissance genießt die Ein-Mann-Politik.

Köpfe statt Programme! (und das reicht von Radikalen wie Trump und Erdogan bishin zu Liberalen wie Macron)

Sowas gab es hier zuletzt mit Macho-Narzissten wie Joshka Fischer und Gerd Schröder. (naja... lassen wir Die CSU und alles rechts davon mal außen vor)

Auch die FDP setzt auf dieses Ein-Mann-Prinzip. Lindner ... und dann lange nichts. Das riecht dann eher nach Neo-Monarchie als nach Neoliberalismus. Aber sei´s drum.

Die entscheidende Frage ist: Was ist - außer Magenta und Headmikes vor angemessen kleinem Publikum eigentlich neu- also "neo"?

Muss der vielzitierte Satz: "Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" nicht im Neoliberalismus eigentlich lauten: "Die Freiheit ist immer die Freiheit des Wohlhabenden"?

"Liberal ist liberal. Es gibt kein wirtschafts-liberal oder links-liberal!" (Zt. Lindner)

Um dem auf den Zahn zu fühlen will ich eine Vision voranstellen:

Schließen wir mal für einen Moment die Augen und stellen uns eine Welt vor, in der Kampfbegriffe wie "Erbschaftssteuer" schlicht überflüssig geworden sind, weil niemand mehr etwas vererben kann und das erwirtschaftete Vermögen eines Verstorbenen der Allgemeinheit zufließt.

Eine Welt, in der tatsächlich alle von der gleichen Startlinie aus ins Leben laufen, alle ihren tatsächlichen Interessen und Talenten entsprechend gefördert und nicht in Jobs hineingedrängt werden.

Eine Welt, in der ein Arzt oder Jurist für seine Arbeit nicht besser bezahlt wird als der ebenso hochstudierte Kulturschaffende oder der hart trainierende Diskuswerfer und in der eben auch ein Arbeiterkind die gleichen Chancen hat, Arzt zu werden und eine Praxis zu eröffnen statt nur die, die Papas Praxis oder die des rechten Verbindungsvaters übernehmen können?

Eine Welt, in der tatsächlich Fleiß und Leistungsbereitschaft über Aufstiegschancen entscheiden, und in der nicht perfiderweise diejenigen als "Leistungsträger" tituliert werden, die nur aus Steuergründen auf dem Papier ein ererbtes Familienimperium weiterführen und sich in Wahrheit gelegentlich und wenig ehrgeizig als talentarmer Rennfahrer, Fotograf oder Soap-Star ein schönes Leben machen?

Oberflächlich betrachtet sind solche Visionen gerngenutzte Vorlagen für ideologische SiFi-Drehbücher des Kapitalismus.

In dem Fall natürlich als blankes Horrorszenario und brav angedeutete Sozialismuskritik.

Aber wer genau hinschaut wird feststellen: Mit Sozialismus hat das nicht viel zu tun. Im Sozialismus werden Menschen oft instrumentalisisiert. Ihre individuellen Wünsche werden dem gesellschaftlichen Nutzen untergeordnet.

Mit anderen Worten: Es ist genau das gleiche, wie im Kapitalismus, nur, das es da geschickter verschleiert wird.

Ich bin ein absoluter Freund einer Leistungsgesellschaft. Ergänzt um den sozialen Aspekt, dass Menschen mit körperlichen und geistigen Erkrankungen entsprechend diesen Einschränkungen andere Maßstäbe zugestanden bekommen. (seelische Erkrankungen würden dagegen - da bin ich mir sicher - extrem nachlassen.)

Aber bei einer so konsequenten und gerechten Liberalität sind Herr Lindner und andere "Liberale" leider noch nicht angekommen.

Neo hin oder her.

Übrigens...Sie glauben gar nicht, wieviel Geld dann plötzlich flexibel verfügbar wäre. (Das nur für alle die, die immer fragen: Wer soll das bezahlen?)

Aber das ist ja alles utopisch... (?)

12:33 23.06.2017
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Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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