Brandstifter im Schutz des Tabus

Rechtspopulismus paradoxe Seilschaften in der Islamophobie
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Kennen Sie Herrn B.? Nun, hier ein kleiner einleitender Tipp. Herr B. hat - soviel sei angedeutet - Herrn Augstein kürzlich zum Intimfeind ernannt, weil dieser seiner Ansicht nach eine antisemitische Äußerung von sich gegeben hatte. (Es ging um die Hörigkeit der deutschen Politik gegenüber Israel). Freilich war Herr B. mir nicht unbekannt. Er tummelt sich - wie alle selbstverliebten Zeitgeister - in nahezu allen Formaten jeglicher Färbung. (man könnte es auch platt Marketing nennen). Herr B. verkörpert dabei eine nicht mehr ganz so neue Spezies von Opportunismus-Seilschaftlern, die zur offensiven Verbreitung ihrer zumeist eher von persönlichen Frustrationen als von weisen Einsichten geprägten Biographie und Weltanschauungsentwicklung auch vor dubiosen Denk-Kooperationen mit denen nicht zurückschreckt, die B. eigentlich schon aufgrund seiner eigenen Herkunft zutiefst verachten sollte. Das Zauberwort dieser Kooperation: Islamophobie. Wie seine "Partner" bedient er sich einer plumpen, von Vorurteilen und Verallgemeinerungen geprägten Rethorik. So spricht er von einer "europäischen DNA" , in der der Antisemitismus tief verwurzelt sei. Juden, Moslems und Deutsche nennt er pauschal seine "Problemvölker". Beachtenswert - oder besser: verräterisch - ist dabei die Vermengung von religiösen und nationalen Gruppierungen. Schon da beißt sich die Katze seiner privaten Logik gehörig in den Schwanz. Auch glaubt er sagen zu können, was "das" Judentum, "das" Christentum und "den" Islam unterscheide. Wenig verwunderlich ist, dass er lediglich dem Islam hier einen negativen Stempel aufdrückt. (Zt. "Der Islam ist die Religion der Unterwerfung!") Wer einmal Grenzkontrollen israelischer Soldaten und deren Umgang mit Moslems beobachten konnte wird wissen: Das Unterwerfungsgebahren ist auch Menschen jüdischen Glaubens nicht so fremd.

Ähnlich verhält es sich mit der Siedlungspolitik.

Aber Kritiker israelischer Politik werden von B. bequem über den Kamm des Antisemitismus geschoren. (s.o.) Interessant: Von allen anderen erwartet B. demgegenüber gewissenhafte Differenzierung. So besteht er auf der Unterscheidung der Begriffe "Vorurteil" und "Resentiment", womit ich mich im übrigen vollkommen einverstanden erkläre. Seine Inkonsequenz zeigt sich auch darin, dass er - wieder vollkommen zu recht - auf die geschichtliche Belastung des Auspruchs "jedem das seine!" hinweist (stand wie "Arbeit macht frei!" zynisch über einem KZ-Tor), andererseits NS-Vokabeln wie "Gutmensch" nutzt um - gleich den Nazis - Zeitgenossen herabzuwürdigen, die sich für Schwächere einsetzen. Provokation ist für ihn Selbstzweck. Frei nach dem Motto: "Was schert mich die Wertigkeit meiner Argumente. Hauptsache: ich kann jemanden aufregen!" Auch hier erkennt man wieder die zwei Maßstäbe. Für sich selbst nimmt Herr B. in Anspruch, beleidigt sein und psychosomatisch auf abscheuliche Ereignisse wie nine-eleven reagieren zu dürfen. Wie andere auf seine kruden Provokationen reagieren schert ihn nicht. B. gibt die These preis, er habe eingetlich alle Vorbedingungen für eine Terroristen-Ausprägung, sei aber glücklicherweise keiner geworden.

Ein Brandstifter ist er allemal.

12:00 09.09.2016
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Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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