Das Märchen vom bösen Mietnomaden

Mietwucher Ein weiteres Beispiel für den Versuch, die Opfer-/Täterrolle zu pervertieren.
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Vor kurzem musste ich wiedermal den Mieterverein um Unterstützung bitten.

Die mehrfache Aufforderung an ehemalige Vermieter, die letzte Nebenkostenaufstellung vorzulegen wurde konsequent ignoriert.

Immerhin: Mit Nachdruck (Mieterverein) kam dann endlich eine Abrechnung, die allerdings keinerlei Verteilerschlüssel erkennen ließ und somit nicht den gesetzlichen Vorgaben genügte.

Was habe ich in 30 Jahren Mieterdasein nicht schon alles erlebt?

Einmal wurde die Kaution mit dem Argument: "Das mache ich immer erst mit der Schlussabrechnung" nicht innerhalb der vorgegebenen Frist rückerstattet, ein andernmal bezeichnete man mich als "asozial", als man feststellte, dass ich tatsächlich so wenig Vertauen aufbrächte und Mitglied im Mieterbund sei.

Dass dieses Misstrauen gerechtfertigt war konnte sich dann bei besagter Vermieterin in besonderer Weise bestätigt finden.

Sehr beliebt sind auch vertragsabweichende, mündliche Zusagen, die dann natürlich im Ernstfall nicht greifen. ("Also, das müssen wir doch nun wirklich nicht im Mietvertrag extra erwähnen! Da gebe ich Ihnen mein Wort!")

Wenn man als Mieter wenig Auswahl hat und noch 20 andere BewerberInnen im Treppenhaus stehen traut man sich dann natürlich nicht hartnäckig zu bleiben.

Vermieter selbst würden selbstverständlich nichts, was am Ende zum Vorteil des Mieters ausgehen könnte auf Vertrauensbasis regeln.

Wozu gäbe es sonst "Kautionen" und Bonitätsinstitutionen mit fragwürdigem Datenschutz?

Da fühlt man sich als Mieter wie ein Schwerverbrecher im Western.

Nun erinnere ich mich an eine Sendung im privaten TV, wo Folge für Folge um Sympathie für "arme", durch skrupellose "Mietnomaden" geschröpfte Vermieter gerungen wurde.

Es mag ja sein, dass es auch diese Fälle gibt, aber abgesehen davon, dass ich den angeführten Begriff gegenüber rechtschaffenen, in Zelten lebenden Völkern für eine Respektlosigkeit halte:

Mal ehrlich...

Auf wieviel Prozent der Mietverhältnisse in D mag das am Ende zutreffen?

Allein die Tatsache , dass jemand Wohneigentum hat macht ihn in der Regel bereits zum Gewinner.

Und in Zeiten ausufernder Mieten auch zum potentiellen Ausbeuter.

Ich mag statistisch nicht relevant sein, aber in den vielen Mietverhältnissen, die ich durchlitten habe waren die Vermieter alles andere als mittellos.

Da gab es die Frau, die als Einzelkind eine Villa auf 2000 qm in bevorzugter Wohnlage nebst einer fetten Lebensversicherung geerbt hatte. Arbeiten musste die nicht. Allerdings war es ihr dann auch zuviel Umstand, ordnungsgemäße Abrechnungen zu erstellen. Lieber werkelte sie in ihrem Englischen Garten und machte Großeinkäufe in der Feinkostabteilung für ihre ebenso faulen Söhne.

Als uns dann feierlich eine Mieterhöhung unterbreitet werden sollte gab´s statt der üblichen Steaks aber nur Fertig-Pizza.

In einem anderen Fall besaß die Vermieterin - ebenfalls durch Erbschaft - gleich eine Vielzahl von Wohnblöcken.

Zum vereinbarten Abnahmetermin erschien sie allerdings erst mit 45-minütiger Verspätung nach erneutem Telefonat. Sowas kann man sich dann natürlich erlauben.

Und im jüngsten, eingangs erwähnten Fall handelt es sich um eine Großbauernfamilie mit ausgedehnter Pferdezucht.

Da gibt sich die "Haute Volaute" die Klinke in die Hand.

Aber gegenüber einem kleinen Mieter ohne eindrucksvollen Stammbaum verschwendet man natürlich nicht seine gute Erziehung.

Da haben es die Pferde sicher besser.

Was ist nun die Quintessenz?

Ganz einfach! (und immer wieder gern; auch wenn es die Linkenhasser nicht hören und wahrhaben wollen)

Endlich mehr Mieterschutz und ein Ende moderner Feudalherrschaft.

Denn was hat sich eigentlich seit dem Mittelalter groß geändert?

Ausbeutung wird heute lediglich geschickter verpackt.

11:56 02.12.2016
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Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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