Die Polizei in Deutschland

Staatsdiener Warum auch dieses Thema kontrovers diskutiert werden sollte
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Zwei Herzen schlagen in meiner Brust, wenn ich an die Polizei denke.

Einerseits bin ich gegen inflationäre Privatisierung, andererseits habe ich auch im Hinblick auf verbeamtete Ordnungskräfte so meine diversen Bedenken.

Argumente pro Polizei:

Was passiert, wenn man dubiose Gestalten von Security-Firmen zur Bewachung von Asylunterkünften oder als "Ersatz-Sherrifs" in U-Bahnen patroullieren läßt ist wohl hinlänglich bekannt.

Auch der von den Polizeivertretern heftig abgewehrte Einsatz der Bundeswehr ist verständlich und richtig.

Gemessen an ihrer Arbeit und den Risiken sind Polizistinnen und Polizisten sicher unterbezahlt und oft wohl auch unterbesetzt.

Verglichen mit anderen Ländern hat die Polizei in Deutschland sicher zu Recht einen eher guten Ruf und genießt weitgehend Vertrauen in der Bevölkerung. (...)

Alles in allem sieht das nach einer positiven Bilanz aus.

Ein "ACAB"-Grafitti ("all cops are bastards") ist in jedem Fall eine geschmacklose Geste. Egal, ob es von Linksradikalen oder - wie inzwischen häufiger - von Rechtsextremen abgesondert wird. (Rechts kopiert ja gern. Für eigenständige Ideen fehlt denen die Fantasie.)

Aber wo Licht ist ist auch Schatten, und was im Ganzen gute Noten verdienen mag ist trotzdem an der ein- oder anderen Stelle verbesserungswürdig.

Polizisten aus meinem Bekanntenkreis bestätigen hinter vorgehaltener Hand so manche Schwachstelle.

Ein paar Beispiele aus meinem eigenen Erfahrungsschatz, der aber zu keinerlei Verallgemeinerung Anlass geben soll.

Bei "Aktenzeichen XY" steht regelmäßig ein Vertreter in Sonntagsuniform vor der Kamera und sagt eindringich und vertraueneinflößend:

"Liebe Bürgerinnen und Bürger, meldet euch lieber einmal zuviel als einmal zuwenig, wenn euch etwas komisch vorkommt!"

Ruft man dann 110 meldet sich dort erstmal niemand mit Namen. (dabei sind Beamte allgemein dazu verpflichtet!)

Als ich mal nachfragte bekam ich die respektlose Antwort:"Mein Name ist Polizeistation!"

Will man hingegen selbst anonym bleiben (wofür es mitunter in der jeweiligen Situation ja gute Gründe geben kann) wird man nicht selten - und rechtswidrig - belehrt: "Also, wenn Sie Ihren Namen nicht nennen können Sie auch nichts anzeigen!"

Ich stelle mir dann vor, eine Frau, die gerade vergewaltigt wurde wird derart unpersönlich und dreist "begrüßt".

Auch hatte ich bei meinen bisherigen Kontakten zu Ordnungshütern meist den Eindruck, dass es ihnen gerade so gar nicht passte, dass ich ihren Dienst nach Vorschrift (oder den Kaffeegenuß) störte.

Gern wurde deligiert.

In einem Fall meldete ich rechtsradikale Grafittis im Ort dem "Dorfsheriff", der dann ungehalten meinte: "Wieso haben Sie nicht 110 angerufen oder melden es dirket dem Staatsschutz?"

Mit 110 hatte ich inzwischen hinlängliche "Erfahrungen" gesammelt.

Mit dem Staatsschutz sind die Erlebnisse zumindest deutlich positiver.

Fälle von Verfehlungen einzelner BeamtInnen finden nur selten das Licht der Öffentlichkeit.

Mag sein, dass in D nicht regelmäßig Dunkelhäutige erschossen werden. Dennoch ist bekannt, dass viele OrdnungshüterInnen lieber einen Türken oder Araber als den offensichtlich Rechten mit Staffort-Terrier, Springerstiefeln und Nazi-Codes (Thor Steinaer, 88, 14, 18 etc.) checken.

Auch bei Gegendemos gegen rechte Aufmärsche hatte ich regelmäßig das Gefühl, dass die Mehrheit der Einsatzkräfte einen weit größeren Hass auf uns, als auf die Nazis hatte.

"Warum seid ihr überhaupt hier? Lasst die Idioten doch in Ruhe ihre Route laufen. Dann haben wir auch einen angenehmeren Job!" schallte es mir mal entgegen.

Ein Bekannter von mir, der tatsächlich sehr afrikanisch aussieht und Rastas hat wurde bei einer Kontrolle mal mit dem Satz abgefertigt: "Sieh an! Und ´nen deutschen Pass hat er auch noch!"

Manche Polizisten maßen sich noch ganz andere Dinge an, die ich hier nicht erwähnen möchte. (...)

Wie schon erwähnt: Es gibt halt immer (mindestens) zwei Seiten.

Polizeivertreter sehen sich lieber als Opfer verfehlter Politik. (und wiedermal fehlt angeblich ja das liebe Geld für mehr Stellen und bessere Transparenz und Kontrolle).

Aber im ein- oder anderen Fall sind sie eben auch Täter.

09:35 10.12.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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