Erhebungen - was sie aussagen und was nicht

Statistiken Nur wer zwischen den Zeilen liest kann Erkenntnis gewinnen
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast."Wir alle kennen diesen etwas ironischen Satz.

"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst in Auftrag gegeben hast." So formuliert ist es nicht minder zynisch, trifft es aber sicher besser.

Wieviele "Steuersparmodelle" der Upper Class - auch "Stiftungen" genannt fluten die Gesellschaft mit Zahlen zu allen erdenklichen Themenfeldern.

Nun ist es sicher vernünftig, die Auftraggeber und deren verdeckte Interessen zu kennen.

Schon die Frage, welche Daten im Vorfeld als relevant erachtet werden und welche möglicherweise besser von vornherein auszublenden sind, da sie das Wunschergebnis irritieren könnten ist prekär.

Auch kann eine Statistik , die zur Untermauerung von dubiosen Thesen herangezogen wird heillos veraltet und aller Vermutung nach längst durch aktuellere Daten widerlegt sein. (siehe z.B. die überflüssigen Bücher von SPD-Politikern mit Rechtsdrang)

Doch selbst dann, wenn alles mit rechten Dingen zugeht stehen dort am Ende oft nur nackte Zahlen.

Die Menschen und jede Form des menschlichen Faktors, der zu diesen Zahlen führt bleiben auf der Strecke.

Wenn eine Statistik besagt, dass ein vergleichsweise hoher Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien die Schule vor einem Abschluss abbricht fragt niemand, ob oder warum sie sich dafür entschieden haben.

Dass es an bornierten, von Vorurteilen und Verallgemeinerungen geprägten PädagogInnen gelegen haben könnte, die ihnen keine Chance gegeben haben sagt keine Erhebung. Denn wie das Wort "Erhebung" schon verrät erhebt sich der Statistiker über den Menschen.

Stattdessen wird in der Analyse einer noch so akribisch durchgeführten und ausgewerteten Statistik oftmals wieder wie selbstverständlich auf den schon ausgetretenen Pfaden von Klischée und Pauschalisierung gewandelt.

Da sind es dann die "bösen" muslimischen Eltern und die "Macho-Brüder", die als Sündenbock für verfehlte Bildungspolitik herhalten müssen.

Wenn einige dann gar in die Kriminalität abgleiten, weil ihnen in der Schulbildung nur eine Vorbereitung auf HartzIV oder den Knochenjob mit schlechter Bezahlung offeriert wurde heißt es: "Wir haben es ja schon immer gewusst!"

Im Englischen nennt man das "selffulfilling prophecy".

Rede einem Menschen nur eindringlich und hartnäckig genug ein, dass er nichts taugt- am Ende ist sein Selbstwertgefühl so weit unten, dass er genau zu dem Versager wird, den man dadurch hervorbringen wollte.

selffulfilling prophecy leitet sicher auch so manche Studie bereits in der Vorbereitung. (s.o. Was soll möglichst dabei heraus kommen?).

Soll dieser Artikel den Wert und die Ergebnisse von Statistiken allgemein in Zweifel ziehen?

Nein.

Wir sollten nur die mit den Zahlen vorgekauten Erkenntnisse mit der gebotenen Gründlichkeit und einem kritischen Blick von unterschiedlichen Standpunkten aus Hinterfragen. Auch von Standpunkten, die nicht so ganz in unser Weltbild oder das der Auftraggeber passen.

12:32 03.11.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
Avatar

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare 3