Gelernt ist gelernt!

Establishment ...manchmal zu Unrecht verteufelt
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ich weiß: "Vergleiche hinken."

Aber auch diesen Beitrag eröffne ich mit einem solchen.

Stellen Sie sich vor, im Krankenhaus Ihrer Stadt ist die Stelle des Chefarztes (heute leitender Oberarzt genannt) der Chirurgie vakant.

Wer wird sich da bewerben?

Hoffentlich nicht nur "Interne". Die haben dann meist die Hypothek der Polarisierung im Gepäck. Wer von außen rein kommt ist erstmal frei von Freund und Feind im Kollegium.

In jedem Fall werden es aber Leute sein, die - Überraschung - Medizin studiert haben.

Man kann das jetzt auf alle möglichen Berufsfelder übertragen.

Na gut! Es gibt Ausnahmen mit entsprechenden Gegenargumenten.

Franz Beckenbauer hat ohne Trainerlizenz den WM-Titel geholt. Allerdings: ein völliger Fußballlaie war er ja nicht. Und: Er war nur "Teamchef". Den Begriff Trainer vermied man bewusst. Auf der Bank saßen immer lizensierte Kollegen beratend neben ihm.

In der Politik haftet dem Begriff "Establishment" aber eine besonders dissonante Klangfarbe an.

Grund: Wer dort schon länger unterwegs ist, dem werden umso mehr Verstrickungen in undurchsichtige Lobby-Seilschaften und sonstige Unappetitlichkeiten unterstellt; nicht selten bestätigt sich dieses Misstrauen.

Aber: Auch in der Politik muss man sein Handwerk erlernen, bevor man größere Verantwortung übernimmt.

Fehlt diese Erfahrung, so ist man umso mehr auf gute BeraterInnen angewiesen. Allerdings sollte man dann auf diese auch hin und wieder hören.

Mister Trump brüstet sich damit, nicht dem politischen Establishment zu entstammen, was nach seinem einfachen Gemüt gleichbedeutend ist mit "unabhängig".

Haha! Fügen wir dem mal einen anderen Aspekt hinzu:

Trump kungelt nicht mit der Lobby- er IST die Lobby.

Als milliardenschwerer Unternehmer war und ist er sicher Profi und somit Teil eines anderen Establishments, kokettiert gern mit dem Image des "selfmade-millonaire". (Tatsächlich bekam er von Daddy eine Million als Starthilfe. Damit wäre ein Mythos schonmal enttarnt.)

Genauso "etabliert" verhielt er sich gegenüber so manchem braven Handwerker, dessen Zeche er schlicht prellte.

In "Atlantic City" zog er nach tosendem Baubeginn den Schwanz ein als er einsehen musste, dass seine vollmundigen Versprechungen sich nicht erfüllen würden.

Er verließ das sinkende Schiff.

Auch ein Donald Trump hatte eben nicht immer nur einen guten Lauf als Geschäftsmann, aber: Den Job hatte er immerhin von der Pike auf gelernt.

Nun regiert er die USA und ist wohl der mächtigste Mann der Welt.

Schlimm genug, wenn studierte und etablierte Ärzte "Kunstfehler" machen (ein Begriff, denn ich als echter Künstler ebenso ablehne, wie aufgrund des darin enthaltenen Zynismus).

Trumps "Kunstfehler" als Polit-Azubi mit Lernresistenz haben schon jetzt weit fatalere Folgen, und demütigen, diskriminieren und töten gleich multipliziert.

Aber wen wundert´s?

Trump denkt eben grundsätzlich gern "groß".

11:40 03.02.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
Avatar

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare