Joachim Gauck- kein Präsident aller Deutschen

Nachlese Abgesang auf einen, dem die Bildzeitung zur zweiten Chance verhalf
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Als die "Bild" der Meinung war, dass das Thema NSU aus den Schlagzeilen verdrängt werden müsse stürzte sie auf dem gewohnten Boulevard-Niveau einen weltoffenen Bundespräsidenten und eröffnete Joachim Gauck im zweiten Anlauf die Möglichkeit, dieses höchste Staatsamt zu bekleiden.

Während der Vorgänger mutig davon sprach, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre warb der ihm nachfolgende König der inszenierten Betroffenheit schonmal im Warm up um Toleranz für die kruden, rechtsextremen Thesen eines gescheiterten Politikers, den die SPD nicht los wurde.

In Amt und Würden konnte der eitle Gauck dann ausgibig seinem Lieblingsthema "Freiheit" frönen.

(zählen Sie mal mit, wie oft er diesen Begriff in einer Rede fallen läßt)

Freilich immer aus der einseitigen Sicht des gekränkten Ex-Pfarrers der Ex-DDR.

Und: Leider ohne wirkliche Empathie für die wirtschaftlich Abgehängten seiner so geliebten Bundesrepublik.

Gaucks Freiheits-Gedanke spielte eher den kapitalistischen Kräften in die Hände, die sich die zumeist ererbte Freiheit nahmen, weniger reich Beschenkte über Mietwucher und Lohndumping auszubeuten.

Wie kaum ein anderer verkörpert er die Überhöhung der BRD als Schlaraffenland und die Verachtung für den Unrechtsstaat DDR.

Das Problem ist nur: Anders als viele - auch nicht sozialistisch konditionierte - ehemalige DDR-Bürger ist er bis heute betriebsblind, wenn es um die Schattenseiten des brutal-existierenden Kapitalismus seiner Träume geht.

Ich bin sicher das, was man gemeinhin als "links" bezeichnet, aber dass die DDR kein Rechtsstaat war stelle ich nicht in Abrede.

Allerdings stünde es auch Herrn Gauck gut zu Gesicht, wenn er 27 Jahre nach dem Mauerfall seine verträumte BRD-Überhöhung einer kritischen Inventur unterziehen würde.

Gleichen wir doch vor dem Hintergrund des aktuellen Kenntnisstandes mal in aller Ehrlichkeit und Nüchternheit ab:

Wenig nachhaltige Planwirtschaft versus Privatisierungswahn. (wer es am billigsten macht bekommt heute den Zuschlag. Hauptsache, der Staat und die Kommunen sind aus dem Schneider!)

Staatssicherheit versus NSA und Datensammelwut von Google, Facebbok und Co.

Zwangsadoptionen von Kindern politisch Andersdenkender versus dubiose Adoptionsverfahren mit "überzähligen" Kindern von sogenannten Gastarbeitern.

Verfolgung, Diffamierung und Inhaftierung von politischen Gegnern versus Kommunistenjagd in der McCarthy-Zeit und Berufsverbot für Linke in der BRD.

Schussbefehl an der innerdeutschen Grenze versus "Frontex", Jerusalem und Mauerbaupläne eines Präsidentschaftskandidaten der USA.

Doping im DDR-Sport versus die lange unter Verschluss gehaltenen Aufforderungen des bundesdeutschen Innenministeriums, doch endlich mal was gegen die Übermacht der sozialistisch-kommunistischen Olympioniken zu unternehmen und diese mit ihren eigenen Waffen - sprich: "medizinisch" - zu schlagen.

Nicht zu vergessen: Die brutalen Methoden, mit denen der Busenfreund von Alt-Kanzler Schmidt, Henry Kissinger, einen durch freie Wahlen demokratisch legitimierten Sozialimus von Salvador Allende in Chile sabottierte und so die Tür für Diktator Pinochet öffnete.

Mit freundlicher Unterstützung von Pepsi-Cola!

Vielleicht nutzt Herr Gauck ja seine Frühpensionierung, um mit dem gebotenen Abstand doch noch einmal abzugleichen, wieviel Schein sich im Sein des wiedervereinigten Deutschlands verwirklicht hat.

Übrigens...

Herr Gauck war nicht so wirklich mein Präsident, aber immernoch eher als die vielen Nazis unter seinen Vorgängern (z.B. Scheel und Carstens)

Ein Grund mehr dafür einzutreten, dass AfD und Perfida auch da nicht so bald mitbestimmen dürfen.

09:03 21.10.2016
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Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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