Religiosität und Vernunft

Religionskritik ein vielfach gelebter Widerspruch
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Religion an sich ist im 21. Jh. schon problematisch genug.

Wieviele intelligente und aufgeklärte Menschen leben die Schizophrenie des vernunftbegabten, nach Erkenntnis strebenden modernen Individuums auf der einen, und des (gut-)gläubigen, devoten und naiven Mitglieds einer Religionsgemeinschaft auf der anderen Seite.

Während ein gewissenhafter Arzt ständig Fortbildungen und Fachzeitschriften konsumiert um den Anschluss an die neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften nicht zu verpassen geht er Sonntags in die Kirche und läßt sich ein jahrtausende altes Buch als allein- und ewig gültige Wahrheit verkaufen.

Nicht wenige Moslems sehen auch heute noch in der Shariah ein modernisierungs- und korrekturresistentes Rechtssystem.

Besonders prekär und perfide wird die Sache aber, wenn Religion und Nationalismus einen Pakt eingehen.

In Myamar gibt es eine Organisation von buddhistischen Mönchen, die allen Ernstes vor der Vereinnahmung ihres Landes durch eine islamische Minderheit warnen und durch bewusst gestreute fakenews der Vertreibung dieser Moslems vorschub geleistet haben.

Der Kukluxklan begründet(e) seinen absurden Rassismus und die Abschlachtung der Native Americans auf christlichen Werten zur Rechtfertigung des Anspruchs auf die "Neue Welt".

Der "Islamische Staat" will - wie der Name schon sagt - ein religös vereinheitlichtes Territorium auf dem Fundament anachronistischster Koranauslegung errichten.

Und Israel?

Leitet Eroberungs- und Besiedlungsansprüche aus - Na? Genau! - dem Alten Testament ab.

Wie sagte Dieter Nuhr neulich so richtig:

"Die Bibel ist KEiN Geschichtsbuch, sondern lediglich ein Buch mit Geschichten!"

Diese Geschichten können sehr tiefsinnig und - auch heute noch - sehr anregend sein.

Aber sie können eben nicht eins zu eins für bahre Münze gehalten und in unsere Zeit übertragen werden.

Für den Koran gilt ähnliches.

In Zeiten der fakenews-Diskussion müssen wir sogar ertragen, dass die wissenschaftliche Erkenntnis von gestern heute von einer neuen pulverisiert wird. (siehe Herkunft und Alter des ersten Menschen)

Wer will da allen Ernstes noch an etwas glauben, was längst durch Wissen revidiert wurde?

Und:

Zur Zeit der Enstehung einer neuen Religion mögen ihre Begründer revolutionäre und gutgemeinte Alternativen gesellschaftlicher Systeme im Sinn gehabt haben.

Doch nur allzu schnell haben jeweils die Mächtigen und Skrupellosen sie als Werkzeug zur leichteren Unterwerfung des gemeinen Volkes zweckentfremdet.

Insofern darf auch heute die Aufrichtigkeit eines machen bekennenden Gläubigen mit prall gefülltem Geldbeutel bezweifelt werden.

Manch ein gläubiger Unternehmersohn wird wissen, dass das Familienimperium mal auf dem ausgebeuteten Rücken der mit Himmelreichsversprechungen vertrösteten Angestellten aufgebläht wurde.

Und in den Südstaaten der USA erkannte man den schwarzen Sklaven schlicht den Titel "Mensch" ab, um diese so - im harmonischen Einklang mit der Bibel - zur Gewinnoptimierung zu missbrauchen.

Als Dreingabe christianisierte man die afrikanischen Heiden dann, um sie noch gefügiger machen zu können.

"Missionieren oder massakrieren!" (wieder ein Nuhr-Zitat)

Das war in der Geschichte des Christentums eine lang gepflegte Tradition zur Rechtfertigung von Kolonialisierung.

Und jüdische Fundamentalisten in Israel?

Planieren auch jetzt wieder von muslimischen Palestinänsern seit Urzeiten bewohnte Häuser und demütigen sie bei Grenzkontrollen.

Nein! Das ist kein Antisemitismus. Es ist eine begründete Kritik an israelischer Politik zur Ruhigstellung jüdisch-gläubiger Radikaler.

Allgemein - und nicht verallgemeinernd - denke ich:

Moses, Mohamed, Jesus und Buddah würden sich wohl im Grabe herumdrehen, wenn sie diese faulen Früchte ihrer Ideen heute ernten müssten.

13:21 22.06.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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