Teufel und Beelzebub

Rechtspopulismus Warum die Entscheidung, selbst Fakten zu frisieren die Faktenfrisöre nur stärken wird
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Herr Höcke ist ein Despot.

Seine Wortwahl - auch die vom vergangenen Dienstag - spricht für sich.

Eigentlich macht sie jeden Kommentar von außen überflüssig. Ein vernunftbegabter, intelligenter Mensch wird dem nicht auf den Leim gehen.

Umso problematischer ist es, wenn die seriöse Berichterstattung (in Kreisen der Postfaktiker gern "Lügenpresse" genannt) jede Provokation als Herausforderung ansieht, den ohnehin schon ausreichend unterirdischen O-Ton durch Sinnumstellungen und Interpretationsmuster "eindeutiger" zu machen.

Natürlich kann kein Journalist jedes der rechtslastigen Bücher und Artikel, die den Literaturmarkt überschwemmen vollständig lesen, kann nicht jede ungekürzte Internet-Verbreitung von sämtlichen rechtspopulistischen Kommunaltreffen verlinken.

Erst recht können seriöse Medien den RezipientInnen dies nicht zumuten und uns dann am Ende selbst noch nicht endende Pamphlete eigener Gesamtdarstellungen um die Ohren hauen.

Als Klavierlehrer gehe ich auch nicht hin und drücke den Kids in der ersten Stunde die Gesamtheit der Klavierliteratur in die Hände, nebst allem, was sich so an notenfreier Klaviermusik im Netz aufrufen läßt.

Es ist Teil meines Berufs, eine Auswahl zu treffen und den Spagat hinzubekommen, allen zugleich auch einen autonomen und individuellen Weg zu eigenen Entscheidungen zu ebnen.

So müssen auch professionelle Journalisten eine Auswahl treffen, und das trotzdem möglichst ohne die Meinungsbildung zu steuern.

Eine gute Meinung kann man sich im Wortsinn erst "bilden", wenn man über ausreichend viele und ausgewogene Informationen verfügt.

Sonst ist die Mündigkeit dahin.

Auch, wenn wir es mit zusammengebissenen Zähnen ertragen müssen, dass uns gerade die, denen Fakten am A.... vorbeigehen Fehlinterpretationen und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate vorwerfen:

Der Trend, die Substanz einfach bequem und unhinterfragt bei DPA und Reuters abzuschreiben ist tatsächlich auch in den seriösen Medien gefährlich verbreitet.

Ebenso im Kommen ist die stichpunktartige "Zusammenfassung" unter Artikeln für LeserInnen mit wenig Zeit.

Doch am Ende kann auch die Wahl der Stichproben eine weitere Potenzierung der subjektiven Lenkung sein.

Machen wir uns aber bitte vor allem immer klar, was Populisten fordergründig wollen:

Arbeitsplätze schaffen? Nein!

Autobahnen bauen? Nein!

Steuern abschaffen? Nein! (...)

Kann sein, dass sie dies alles tatsächlich berechnend taten und tun, aber das "Endziel", dem diese scheinbaren Volkspräsente untergeordnet waren war und ist die totale, autoritäre Macht.

(oder glaubt allen Ernstes noch jemand, Hitler habe die vielen Arbeitsplätze gerade in der Rüstung geschaffen, ohne dabei ausschließlich an seinen "totalen Krieg" zu denken?)

Da tun sich die Moussolinis, Hitlers, Stalins (...) ebensowenig, wie die Putins, Trumps und Erdogans.

Am Ende stand und steht keine nachhaltige Politik für alle Bevölkerungsgruppen, sondern die kurzatmige Überhöhung des narzistischen Egos eines Diktators.

Der weiß nämlich trotz seiner selbstkrönenden Gleichsetzung mit Gott pragmatischerweise, dass er sterblich ist und nicht über seine Lebenserwartung hinaus denken muss.

"Nach mir die Sintflut!"

14:58 23.01.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
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