Verdrängung als kommunale Imagepflege

Rechtsextremismus Warum die Eitelkeit von Politikern und anderen Gemeindevertretern den idealen Nährboden für Fremdenhass bietet
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Nehmen wir einmal an, es stünde ein Wohnortwechsel bevor und ich dürfte mir aussuchen, wo ich neue Wurzeln schlage...

Würde ich einen Ort aussuchen, wo man mir seitens der Offiziellen eine rechtsextremismusfreie Zone garantiert?

Ganz im Gegenteil!

Gerade dort nämlich können sich die rechten Gesellen besonders sicher sein, dass sie unbehelligt ihre krude Weltanschauung ausleben können. Was immer nämlich von ihren Gedanken und Taten nach außen dringt würde umgehend unter den feinen Teppich des makellosen kommunalen Ansehens gekehrt.

Da werden prekäre Äußerungen im Schützenverein ebenso vertuscht wie Brandanschläge auf Asylunterkünfte.

Illegale Verhinderung von Straftataufklärung im Sinne des "Gemeinwohls".

Initiativen gegen Rechts sind zwar gern gesehen; damit zeigt man ja, dass man sich engagiert. Aber den Finger in die Wunde legen? Das ist lokalpatriotischer Verrat!

Ein Bekannter von mir hatte bereits in den Nullerjahren in seinem Geburts- und Wohnort ein "Bündnis gegen Rechts" in´s Leben gerufen.

Viele VertreterInnen aus Politik, Kirche, Jugendamt und Vereinen kamen zahlreich zu den ersten Sitzungen. Als er aber konkrete Missstände thematisieren wollte drohte man ihm indirekt sogar mit Abmahnung. (er hatte eine Stelle im Öffentlichen Dienst der Gemeinde)

Zu den weiteren Terminen erschienen nur noch Vertreter der Linken. Die Sache löste sich schließlich schnell in Wohlgefallen auf.

Blos nichts an die "große Glocke" hängen. Das verunsichert schließlich nur Investoren und neue Gemeindemitglieder.

Und so zeigt man lieber mit dem Finger auf "die im Osten" oder im dortmunder Norden. Ja, natürlich! Die hätten tatsächlich ein Problem mit Rechten. Aber wir doch nicht!

Selbst in Israel gab es vor einigen Jahren ein Problem mit faschistischen Jugendlichen aus der russischen Einwandererszene. Auch hier versuchte man, lieber alles geheim zu halten- und machte es dadurch erst recht gefährlich.

Wie sähe das denn aus!?

Faschisten im gelobten Land? Im Zufluchtsort von Holocaustopfern? Auch da konnte eben nicht sein, was nicht sein darf.

In der Primetime wurde darüber allerdings nicht berichtet. Es war eine Fußnote in weniger verbreiteten Medien. Mehr nicht.

Und so breitet sich das lang ausgetreten geglaubte Feuer des Faschismus weiter aus.

Nicht nur, aber eben gerade auch da, wo man es am wenigsten vermuten würde.

10:39 23.09.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jamey

Traue nur deiner Aufmerksamkeit und verlasse dich nicht auf Erfahrungen. (schon gar nicht auf die anderer)
Avatar

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare 4

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar