Die Dinge und die Eltern

Roman Janna Steenfatt hat ein Romandebüt vorgelegt, was beeindruckt. Darüber sollte man mit der Autorin sprechen
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Jan C. Behmann: Warum haben Sie so ein gutes Debüt geschrieben?
Janna Steenfatt: Es freut mich, dass es Ihnen gefallen hat. Ich habe mir sehr viel Zeit gelassen, vielleicht ist das der Grund.

Journalisten sollten nichts nacherzählen. Aber vielleicht helfen Sie uns mit einem kurzen Einblick?
In meinem Buch geht es um Ina, die mit knapp 30 konstant das Gefühl hat, dass das richtige Leben einfach nicht anfangen will. Bis plötzlich und einigermaßen unerwartet ihre Mutter stirbt, mit der sie viele Dinge nun nicht mehr klären konnte, unter anderem das Geheimnis um ihren abwesenden Vater, den sie daraufhin aufsucht, sich in die Peripherie seines Lebens schleicht, um ihn kennenzulernen und etwas über ihre eigene Geschichte zu erfahren.

Wie, wo und in welchem Zeitraum haben Sie geschrieben?
Wie: meistens Haare raufend, wo: erste Notizen handschriftlich in Notizbücher und auf Zettel, in Cafés, doch meistens am Schreibtisch, am Laptop, in welchem Zeitraum: die erste Idee entstand 2009, das Manuskript abgegeben habe ich 2019, dazwischen habe ich manchmal Monate, Jahre lang gar nicht geschrieben, Anderes geschrieben, wieder ganz neu angefangen

„Ohne Kaffee geht nichts“

Haben Sie Schreibrituale?
Ohne Kaffee geht gar nichts. Außerdem brauche ich, wenn ich über die Phase des Suchens und Sammelns hinaus bin, absolute Ruhe (keine Musik) und ich muss mich allein im Raum befinden, weil ich oft Stellen laut lese (kommt z.B. in Bibliotheken nicht so gut an)

Wie fand Ihr Manuskript in einen Verlag?
Durch meine Agentin.

Was haben Sie beim Schreiben Ihres Werks über Ihr eigenes Schreibhandwerk gelernt?
Alles.

Welche Grenzen hat Ihr Schreiben?
Schreiben hat keine Grenzen. Aber meine Geduld hat welche, meine Zeit und meine Lust.

Welche Nerven hat Sie das Lektorat gekostet?
Nicht viele. Da ich so lange an dem Buch geschrieben habe, war es schon recht fertig und ich war eher verwundert, wie knapp das Lektorat ausgefallen ist.

Ohne Nebenjob geht es – noch – nicht

Bedeutet ein Debüt ein nächstes Buch?
Idealerweise, aber sicher nicht zwingend. Ich schreibe aber bereits am zweiten und kann mir ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen.

Ist es vermessen, von der Veröffentlichung von Romanen leben zu wollen?
Nein, natürlich will man das. Es ist aber schwierig.

Und, wollen Sie es?
Das Problem ist die Unsicherheit, denn jede*r Autor*in kann von der Veröffentlichung des Romans leben, fragt sich nur wie lange. Wenn man einen Vorschuss bekommt, hält der so lange, wie man ihn nicht ausgegeben hat. Wenn ich keinen Nebenjob hätte, würde ich doppelt so viel von meinen freiberuflichen Einnahmen verleben und dementsprechend kürzer würde das Geld reichen. Andererseits hätte ich dann doppelt so viel Zeit zum Schreiben und womöglich schneller einen neuen Roman fertig, der dann idealerweise auch wieder Geld bringt. Aber man kann sich nie darauf verlassen, deshalb spart man Nerven, wenn man einen Job hat, der wenigstens die Miete zahlt.

Janna Steenfatt: Die Überflüssigkeit der Dinge, Hoffmann & Campe, 22€

14:56 21.09.2020
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