Jan Jasper Kosok
Ausgabe 0914 | 26.02.2014 | 14:00 27

Darum braucht es Blogs

Abgesang Blogs könnten sterben gehen, postulierte unlängst Wolfgang Michal von Carta. Die alten Medien hätten aufgeholt und die Blogosphäre längst überflügelt. Soso. Eine Replik

Wolfgang Michal, Mitherausgeber von Carta, einem der bekanntesten Blogs Deutschlands, das in der Unterzeile gänzlich unbescheiden „digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie” für sich behauptet, hat unter dem Titel „Braucht es uns noch?“ einen Abgesang auf sein ureigenes Medium geschrieben. Das Blog könne sterben gehen, die alten Medien hätten aufgeholt, dazugelernt, ach was, die Blogosphäre längst überflügelt. Wer heute etwas über digitale Dinge wissen wolle, könne sich getrost bei der alten Riege – FAZ, Zeit, Süddeutsche und wie sie nicht alle heißen – informieren. In den Blogs würde man inzwischen eh nur wiederkäuen, was auf den Startseiten der Verlagshäuser ehemals frisch und knackig war.

Michal. Blogs. Sterben. Das muss man erst mal sacken lassen. Sollte es sich bei dem Betreiber des heiß geliebten Aggregats der hiesigen Netzwelt etwa um einen verkappten FC-Bayern-Fan handeln? Einen, der plötzlich da stehen will, wo oben ist?

Natürlich hat Michal auch Recht. Die Portale der Zeitungen haben unendlich mehr Feuerkraft als es die meist aus persönlichem Antrieb heraus gestalteten Blogs jemals haben werden. Technisch haben sie den zusammengeschusterten Webseiten alles voraus. Dort, wo Know-How fehlt, wird es dazugekauft. Man gönnt sich auch mal einen Sascha Lobo. Oder eine Batterie schreibender Mitarbeiter, die fleißig übersetzen was internationale Netzmedien vorbeten. Selbst für aufwendige Recherchen ist Zeit, Geld und Personal vorhanden. Und die re:publica, Hort der deutschen Netzbewegung? Längst fest in der Hand der alten Medien.

Warum also dagegen anschreiben? Ist man als Blogger doch eh langsamer, unterbezahlter und zu guter Letzt noch ungelesener. Erfolg ist – das wissen wir nicht erst seit Uli Hoeneß – käuflich. Und sexy. Das gilt nicht nur für den wiedererstarkten Stern des Südens, sondern auch für die Journaille.

Ungeachtet dessen lieferte Michal die Antwort auf das Warum unlängst selbst. Verlage sind Tendenzbetriebe mit Blattlinien, die dem Streben nach Wahrheit nicht selten im Weg stehen. Das sah man anschaulich an der Debatte um das Leistungsschutzrecht. Nicht im Leben hätte man im Gros der Redaktionen daran gedacht, gegen etwas anzuschreiben, dessen gesamtgesellschaftlicher Nutzen – vornehm ausgedrückt – zweifelhaft, das dem eigenen Überleben aber durchaus dienlich ist. Pluralismus ist seit jeher ein hohes Gut. Solange genug für alle da ist und man selbst am sattesten wird.

Der Netzphilosoph Clay Shirky sagte einst, Publizieren sei kein Job und auch keine Industrie mehr, es sei viel mehr nur noch ein Knopf. Es ist wichtig, dass alle diesen Knopf drücken können. Und dies auch tun. Ob es sich nun um Journalisten, Blogger oder Trolle handelt. Eine liberale, aufgeklärte und pluralistische Gesellschaft muss sich dies sowohl leisten können als auch wollen.

Der Leser, dieses mystische Wesen, wird immer Orte brauchen, an denen ihn Publizisten wie Wolfgang Michal fernab des Mainstreams mit der Nase auf Dinge stoßen, die vielleicht nicht so leicht verdaulich, dafür aber wahrhaftig sind. So wie es zum Beispiel Carta während der perfiden Leistungsschutzrecht-Kampagne getan hat (und tut). Selbst wenn diese Orte nicht mehr Blogs heißen sollten, ist es unverzichtbar, dass es Menschen gibt, die weiterhin ihren Knopf drücken. Der Leser wird es danken. Und der FC Bayern wird nicht jedes Jahr Deutscher Meister.


AUSGABE

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 09/14.

Kommentare (27)

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Ehemaliger Nutzer 26.02.2014 | 15:18

Vielfalt statt Einfalt - darum braucht es (auch) Blogs.

Ist ja nicht mehr wie früher, als man noch ein Blatt abonniert hatte und den Rest nicht kannte. Alle sind sie auch Online lesbar, und es gibt immer wieder Sites mit Spezialinformationen.

Richtig ist, dass hier die alten Medien auch vertreten sind und schon aufgrund der Bekanntheit viele anziehen? Aber warum?

Da sind einmal die, die nix anderes kennen (das dürften aber immer weniger werden.

Dann die, die in den Artikeln auch nach Links und Querverweisen suchen - zu Originaldokumenten z.B. oder so erwähnten Meinungsäußerungen auf Blogs.

Dann die, die sich auch die Kommentare ansehen. Und dort, neben dem Inhalt, findet auch der eigentliche "Tippmarkt" für unbekanntere Blogs statt, die man dadurch kennen und vielleicht auch schätzen lernt.

Daneben gibt es sowas wie die Nachdenkseiten, die täglich in der Hauptsache auf aus deren sicht relevante Artikel eben nicht nur in den Mainstreammedien verweisen.

Es gibt also durchaus einen Marktplatz des Austauschs allenthalben - nicht zuletzt AUCH in Blogs. Dass daneben manche Blogs nur der persönlichen Freude, sich selbst auf dem BS zu lesen, befriedigen mögen - so what?

Ich jedenfalls sehe kein Ende dieser Kommunikationsform, und ich bin auch nicht dafür, sie zu beenden. Aus der Vielfalt und dem zunehmend vernetzten Denken entsteht erst ein differenziertes Gesamtbild - immer noch begrenzt freilich, aber weitaus nicht mehr so, wie früher die auf die Tageszeitung angewiesenen Generationen.

koslowski 26.02.2014 | 15:59

Den Appell Michals an die Netzgemeinde "Geht sterben!" hat der Blogger Doriasn Gray auf Carta meiner Meinung nach treffend kommentiert:

"Blogs haben eine andere Aufgabe zu erfüllen als die grossen Altmedien: Sie sollen prägnante, kritische, phantasievolle Angebote zu Nischenthemen sein oder sich stilistisch/im Format von der Berichterstattung in den grossen Zeitungen abheben. Dann haben sie auch weiterhin eine Daseinsberechtigung."

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Ehemaliger Nutzer 26.02.2014 | 16:25

Meiner Meinung nach ist es sowohl befremdlich, wenn einerseits einzelne Personen einen Sterbegesang über mehr als das Ihre anstimmen, mag Herr Michal doch über das Sterben seines Blogs berichten. Auf der anderen Seite ist es ebenso befremdlich, wenn nun andere wieder darüber befinden, was Blogs zu haben haben, sollen müssen oder tuten tüten.

Beides widerspricht meiner Meinung nach der Grundintention des Blogs, dem Recht auf induviduelle Sicht, auf was auch immer.

Es scheint eine Eigenart bestimmter Personen- und Berufskreise zu sein, oberlehrerhaft über mehr als das Eigene zu befinden. Auch manche Blogger neigen dazu, vielleicht sogar doppelt, einerseits aus ihrer verinnerlichten Oberlehrerhaltung, die nun noch auf das Bloggerdasein übertragen wird.

So wird schnell aus gekonnter Rechtschreibung normatives Vermögen abgeleitet, welches dann anderen auch noch übergestülpt werden soll.

Kurz:

Meiner Meinung nach lautet die Kernforderung des Blogs:

Mach mal, auf deine Art, Tat Tvam Asi ...

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Ehemaliger Nutzer 26.02.2014 | 17:07

... und bezüglich "Wer heute etwas über digitale Dinge wissen wolle, könne sich getrost bei der alten Riege – FAZ, Zeit, Süddeutsche und wie sie nicht alle heißen – informieren." habe ich in den letzten Tagen in einem ->Blog<- gefühlt 33 Millionen Beispiele kommentiert, die belegen, dass genau das eben nicht der Fall ist, dass es Blogs unbedingt weiterhin bedarf. Von wegen Wiederkäuer, Mistkäfer bei der Arbeit ...

http://www.kapstadt-touren.de/sa_feb00/ga_41.jpg

Bild: MopperKopp räumt den medialen Dung weg ...

hest 26.02.2014 | 17:10

Vielleicht gibt es noch eine andere Lesart des Michalamentos: Wo ist bei „den Bloggern“ der zwischendurch mal so stark ausgeprägte Drang zu Professionalität und wirtschaftlicher Autonomie abgeblieben?

Diese Lesart aufgreifend könnte man fragen: Wenn dieser Drang noch lebt – könnte man ihn nicht ganz neu bündeln? Etwa in einer, ja, doch, kommerziell agierenden Special Interest Nachrichtenagentur für Digital- und Netzthemen?

Es gibt ja beispielsweise den „Sport Informationdienst“, kurz SID. Wie wäre es also mit einem Pendant, dem – Achtung, Arbeitstitel – „Nerd Informations Dienst“, kurz NID. Ein professionelles Netzwerk aus bestens informierten Experten und Superfrühbescheidwissern, international aufgestellt und technisch immer ganz vorne?

Diesbezügliches Potenzial, das unter anderem Carta, Netzpolitik, Netzpiloten, Netzaktivisten, D64, DigiGes, sowie viele, viele, weitere Teams, Kollektive und Personen als „Zelltiere des Schwarms“ (entwickelt) haben, wird derzeit in einem – von außen betrachtet – ziemlich skurilen „wir haben es zuerst gemeldet“-Rennen verpulvert. Das geht doch bestimmt geeinter, professioneller.

Klar sind SZ, FAZ, Spiegel, Zeit, Welt und andere Großmedian besser ausgerüstet, aber sie beziehen nach wie vor einen Großteil ihrer Informationen von Zulieferern, darunter eben auch Agenturen. Warum sollten diese derzeit so überlegenen Wettbewerber dann nicht auch Kunden einer professionellen NetzDigitalDaten-Agentur werden?

Die bloggenden, postenden und tweetenden Digital-, Netz- und Daten-Publizisten sind mit ihren Anliegen und Themen, mit ihrer Versiertheit und ihrer Bedeutung nunmehr an einem Punkt angekommen, der in gewisser Weise nach Monetarisierung ruft.

anne mohnen 26.02.2014 | 17:16

„Der Leser, dieses mystische Wesen, wird immer Orte brauchen, an denen ihn Publizisten wie Wolfgang Michal fernab des Mainstreams mit der Nase auf Dinge stoßen, die vielleicht nicht so leicht verdaulich, dafür aber wahrhaftig sind“: Vielleicht nicht immer wahrhaftiger, aber nicht selten origineller , auf jeden Fall verdammt gut informiert und anspruchsvoller geworden und schließlich noch: Michal (wieder) und Lobo sind ja in den Print-medien angekommen ;)

Columbus 26.02.2014 | 17:58

Da hat sich Herr Michal aber ein wenig verblockt. Gut, JJK, dass Sie passend antworten.

Mir geht allerdings nicht recht ein, warum überhaupt seit Zeiten schon, Blogger die Presse und die Presse die Blogger abschaffen möchten. - Liegt es am Bias, dass solche regelmäßig wiederkehrenden Provokationen bestens zünden? Das ist doch Kinderlach.

Mit Qualitätsunterschieden können Journalisten nicht argumentieren, denn viele Blogger schreiben besser und sind, zumindest wenn sie zu ihren Sachen schreiben, häufig auch kompetenter. - Gut, sehr viele schreiben halt auch gar nicht mit dem Bemühen um Qualitäten, vielleicht eher mit dem Gefühl, sie müssten sich einfach irgendwie ausdrücken.

Auch das ist Realität, wie jene Journalisten, die sich für Schriftsteller halten und solche, die gar unbedingt Politik machen wollen oder jene, die einfach nur eine Möglichkeit suchen, gut über ihre persönlichen Interessen schreiben zu können, die nicht wenig zahlreich unterwegs sind. - All´ das gibt es und es stört nicht wirklich, wenn es auch nervt.

Einziges Feld, auf dem, cum grano salis, die Professionellen punkten können, sind ihre Regeln der guten journalistischen Praxis. Ich würde sie Wahrhaftigkeitsregeln nennen. - Darin liegt die Würde der Profession.

Alle anderen Eigenschaften teilen bezahlte Journalisten, deren Berufsfeld ja sogar absichtlich und notwendig als offen für jedermann zu gelten hat (in der Realität werden natürlich Hindernisse, Bildungsvoraussetzungen und Ausbildungshürden, aufgebaut), mit jedem anderen Bürger der an der Öffentlichkeit teilnimmt.

Ob allerdings ausreichend Geld für aufwendige Recherchen vorhanden ist, mag ich doch bezweifeln. Ausreichend Geld ist offenbar für Sparten und Exklusivitäten vorhanden, zu denen die Teilnehmer gar nicht oder sehr wenig recherchieren. Die Meinung, die es an jeder Ecke fast gratis gibt, sie ist paradoxer Weise vielfach teurer eingekauft, als die Recherche. Meinende verdienen im Journalismus auch regelmäßig mehr und wandern, über alle Medien, als Prominenz in die Öffentlichkeit. Da wäre ein wenig mehr Bescheidenheit angebracht.

Was so verwunderlich ist: Obwohl das Web sich global erweiterte, haben vor allem Presseorgane und auch die immer noch dominanten TV-Medien, Schwierigkeiten, zum Besipiel eine nur rudimentäre und komplementäre Berichterstattung aus den neun Nachbarländern Deutschlands zu gewährlleisten. - Berichterstattung die tagesaktuell den Standpunkt der Partner und Freunde erfasst und nicht versucht ständig Bewertungen abzugeben.

Es gibt noch andere Gründe:

So lange z.B. unter oder neben Artikeln in der Südeutschen, wenn sie Gäste schreiben lassen, deren Funktionen, Verantwortungen und Hauptinteressen nicht offen gelegt werden, solange es der Industrie gelingt, Lobbyisten, z.B. zur Waffentechnolgie, in Fernsehtalks und Zeitungen zu platzieren, ohne den Lobbyismus zu benennen und die Presse das nicht korrigiert, braucht es Blogs und Blogger, die das aufdecken und anmerken.

Zum Ende: Am meisten kränkt aber, dass gebildete Leute sich tatsächlich mit der These in die Öffentlichkeit wagen, einen Teil derselben für überflüssig zu erklären. Das ist intellektuell eher verzwergend, weil es sich so offensichtlich gegen die Realität richtet und sie trägt durchaus ein autoritäres Geschmäckle mit sich.

Was keinesfalls zutrifft, dass Journalisten schneller seien. Vielmehr ist es so, das galt übrigens auch schon in der Ära vor dem Internet, man könnte sagen, es ist eine Einstein-Regel für Kommunikation, dass die Tatsachen und die Lügen immer so schnell mitgeteilt oder verbreitet werden, wie es das technologisch fortgeschrittenste Medium zulässt. - Das heißt, die Dinge werden heute, wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft (Finanztransaktionen), annährend in Echtzeit weitergeben und über alle schnellen und langsamen Kanäle verteilt. - Ein Zeitungs- und Medienkundiger müsste das glauben können. - Allerdings ist mit dem Maß der Verbreitungsgeschwindigkeit keine Aussage über die Qualität verbunden.

Was allerdings stimmt und schmunzeln lässt: Professionelle Journalisten haben Vorwegnahme- und Gerüchttaktiken über langen Zeiten ihrer Alleinherrschaft erfunden, die sie bald selbst in die Irre führten. Die Ente lernte bei den Profis das Laufen, als sie noch recht exklusiv das Zuchtrecht besaßen! Die meinungsstarke Mutmaßung und die Kolportage sind die schon historisch alten Werkzeuge des Profis, die für Verschwörungstheorien und Mythologien aller Art erst das Brennmaterial liefern.

Einziger Fehler so mancher Bloggerwelt, der mir, als Teilnehmer an einer bloggenden Öffentlichkeit, auffällt: Manche Mitreisende offenbaren ein grandioses Selbstbewusstsein. Sie sind sich ihrer Sachen immer so sicher, dass ich da einfach nur staunen kann. - Ist das aber spezifisch für Blogger? Nein. Die beruflich organisierte Öffentlichkeit liefert auch dafür alle Rollenmodelle, alle Vorbilder.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Jan Jasper Kosok 26.02.2014 | 21:50

Danke für den ausführlichen Kommentar. Ich denke, dass man nicht mehr zwischen Bloggern und Journalisten generell unterscheiden sollte. Am langen Ende handelt es sich um Schreibende, die auf verschiedene Wege publizieren. Lediglich ist durch das Netz die doch elitär anmutende Limitation auf Seiten und Zeichen in Blättern mit Reichweite gefallen. Diese Ränder werden durch Blogs, Social Media etc aufgefüllt.

Daher auch häufig das Postulat, Blogger würden Nischen auffüllen. Dem würde ich aber widersprechen wollen. Schreibende im Netz durchdringen alle Medien und Themen. Diese vermeintlich klaren Grenzen in Themen, Medium, Beruf, Verdienst, Relevanz, etc pp aufrecht zu erhalten, ist schlichtweg Unsinn.

Es handelt sich viel mehr um die gute alte Demokratisierung der Produktionsmittel, die einen Prozess anstößt, der eben gerade diese Grenzen ad absurdum führt und auflöst.

Dass der ein oder andere 'Blogger' sich unter Wert verkauft vorkommt (vielleicht Michal), wird wohl nicht selten vorkommen. Es ändert aber nichts daran, dass man sowohl als Schreibender als auch als Leser eine Menge Gewinn aus dieser Entwicklung zieht. Im Schnitt.

Besten gruß und schönen Abend

JJK

Jan Jasper Kosok 26.02.2014 | 21:56

Nun, Konzentration birgt sicher Chancen, aber eben auch Risiken. Vielleicht wird man mehr gelesen, vielleicht verdient man besser. Vielleicht kann man aber eben auch nicht mehr schreiben, was man will. Oder eben erst gar nicht mitmachen.

Vielleicht muss man die eigene Erwartungshaltung auch einfach etwas zurückschrauben. Das Netz ist schließlich kein Goldesel.

(Was im übrigen der Idee nicht widerspricht. Ich möchte nur sagen, dass wer sich verkauft, sich verkauft. ;) )

LG JJK

Columbus 27.02.2014 | 00:57

Ja, "Schreibende im Netz durchdringen alle Medien und Themen.", dem würde ich voll zustimmen. - Blogger sind nicht beschränkt darauf, in den Themen zu wühlen, die die Presseleute liegen lassen.

Blogger können sich auf allen Ebenen und in fast jeder Form ausdrücken und keinesfalls, -leider wird das auch immer wieder auch von Online-Kommentatoren und Bloggern selbst gefordert-, kann es eine Vorschrift geben, Blogger sollten z.B. das persönliche Element besonders betonen, bevorzugt ihren Alltag abbilden oder ihre Emotionen. - Sie können, dürfen und sollen ohne thematische und formalen Zwänge schreiben, Bilder produzieren und eventuell sogar Töne.

Wer sich allerdings mit Presseausweis und angestellt, im Auftrag oder frei, für sein Einkommen in anerkannten Pressemedien bewegt, der sollte die Berufsregeln streng einhalten.

JournalistInnen erhalte ja auch Privilegien, was den Zugang zu Informationen angeht. Sie tragen Verantwortung für die Informanten und ebenso für die Personen und Themen die sie abbilden. Das muss stimmen und muss gelten. Zumindest sollte bei Profis die Absicht erkennbar sein, genau das zu erreichen.

Eine Journalistin und erst Recht eine Redakteurin, trägt Verantwortung, belegen zu können, was sie behauptet. Ihre Sorgfaltspflichten sind höher, auch wenn mir bewusst ist, dass es einen guten Anteil Presseleute gibt, die darauf schlicht...pfeifen.

"Es handelt sich viel mehr um die gute alte Demokratisierung der Produktionsmittel,..." - Das halte ich für eine zu weit gehende These, denn es stellen sich sehr schnell wiederum Hierarchien und Bevorzugungen, selbst bei den Produktionsmitteln, ein, die den schon bekannten Mustern aus der Analogwelt und der professionellen Digitalwelt der Presse völlig entsprechen.

Bsp.: Zeit ist Geld. Wer viel bloggt muss diese Kalkulation machen, sonst schadet er sich. Wer freigestellt ist, aus welchen Gründen auch immer, hat immer Platzvorteile, auch bei der Anwendung der Technik und bei der Art und Weise der Verbreitung seiner Angebote. Noch mehr Vorteile entstehen, sind ausreichende Kapitalmittel vorhanden, die auch von Marktzängen entlasten und den materiellen Rahmen für den öffentlichen Auftritt erweitern. Usw.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Jan Jasper Kosok 27.02.2014 | 09:01

Zum Punkt der Demokratisierung: Natürlich spreche ich nicht von einem vollkommenen und abgeschlossenen Idealzustand, jedoch hat das Netz das steife Korsett der alten Medien deutlich aufgelockert. Die Produktionsmittel sind sozusagen "demokrtischer" geworden.

Dass dabei alles immer ein wenig (oder ein wenig mehr) nach bekannten Mustern strebt, ist mitunter bedauernswert, aber völlig richtig.

Beste Grüße

JJK

JR's China Blog 03.03.2014 | 20:36

Für einen Teil der Blogger mag der Bedarf nach Bündelung empfunden werden. Mir genügen allerdings die informellen Netzwerke - sich gegenseitig auf ein Thema aufmerksam machen, weitere Auskünfte per Email, usw.

Wenn man als Blogger an einem Thema oder einer Themengruppe wirklich dranbleiben will, braucht man meiner Erfahrung nach nicht einmal "soziale Medien". Nur Gesprächspartner.

anne mohnen 05.03.2014 | 18:33

Hm, das will ich doch meinen ;

Jeroen van Loon hat ein wunderbrares anthropologisches Projekt gestartet.In „Life needs Net“ -From Digital to Analog“ http://www.lifeneedsinternet.com/ lässt er weltweit Menschenin handschriftlichen Briefen darüber nachdenken, ob und wie das Internet ihr Leben verändert. Für Jeroen ist das Internet ein riesigesGedächtnis. Weil ich das auch so sehe, kann es nicht um die die Frage „für oder wider das Netz“ gehen,gar um einen Abgesang auf das Netz, vielmehr um Frage der der Optimierung auf allen möglichen Ebenen, wie ich/man es besser nutzen kann. Probleme von Urheberrecht, Digitalisierung von tradierten Gedächtnisspeichern z.B. das Buch etc. undArchivierung des Netzes sind gerade einmal die medial am häufigsten bedachtesten Themen.

Ich kann mir eine bestimmte Kunstszene, ob Bildende Kunst oder Musikszene, die genuin ihren Ausgangspunkt im Netz hat, gar nicht mehr wegdenken, ganz zu schweigen von all den interessantenBlogs, insbesondere den Kommentaren bei denen es sich um Kunst, Literatur, Philosophie, Wissenschaft oder deren Vernetzung dreht.

Hier ein schöner alter Beitrag aus 1981 ;)))

LG am