Der gebrauchte Wandel

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"Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, ist dem Vernehmen nach bis Montag Wunschkandidat des linken Flügels gewesen. Sein eigener Landesverband hat ihn jedoch mit der Forderung, die gesamte Führungsspitze der Partei abzusetzen, als Anwärter untragbar gemacht. Er hätte wohl arg mit dem Ruf des Putschisten kämpfen müssen." SpOn

So schreibt der Spiegel über die fehlgeschlagenen Ambitionen des ersten Berliners, eine tragende Rolle in der sich konsolidierenden SPD zu übernehmen. Nicht, dass man ein großer Fan des Oberbürgermeisters unserer Hauptstadt sein müsste, wundern sollte man sich jedoch schon. So war in den letzten Tagen eigentlich medial nichts anderes zu hören, als dass die Tage der Parteispitze gezählt wären und dass es jetzt endlich an der Zeit wäre, einen Neubeginn ohne die altbekannten Gesichter zu wagen. Nur so komme man als Partei aus der Krise.

Soweit so gut, alle schienen verstanden zu haben. Offen aussprechen durfte man dies augenscheinlich in den Gremien des wankenden, roten Riesens nicht. Anders ist das Wort "Putschist" im Zusammenhang mit der Forderung nach personellen Konsequenzen zumindest nicht zu erklären. Was jetzt stattdessen passiert, gleicht einer Farce. Fraktionschef wird Steinmeier, Gabriel und Nahles, bewerben sich um die restlichen Plätze. Dabei handelt es sich mit Nichten um Mitglieder, die nicht ihren Teil zur Wahlkatastrophe des letzten Sonntags beigetragen hätten. Ganz im Gegenteil.

Die Frage, die sich zwangsläufig aufdrängen muss, ist, ob sich die SPD denn wirklich so lernresistent gebaren will. Ist es ihr trotz des Winks mit dem Zaunpfahl, der sich irgendwo zwischen schwerer Körperverletzung und versuchtem Totschlag einordnen lassen dürfte, nicht möglich, Schlussstriche und Konsequenzen zu ziehen, geschweige denn sich einzugestehen, dass es so nicht mehr geht?

Offenbar. Denn anders ist nicht zu verstehen, warum sich ein Landesverband und dessen Chef Putschisten schimpfen lassen müssen, obwohl sie nichts anderes taten, als wiederzugeben, was das Wahlvolk und große Teile der eigenen Basis dachten, als am vergangenen Sonntag kurz nach 18 Uhr die ersten Prognosen eintrudelten. Und das vermutlich nicht gänzlich zu Unrecht. Die Wichtigkeit von Karrieren aber scheint dem System SPD immer noch immanenter als der Fortbestand der eigenen Partei. Ganz zu schweigen von ihrer politischen Relevanz.

11:14 30.09.2009
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anna- | Community
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