Hätte Opel Insolvenz anmelden müssen?

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So oder ähnlich sollte inzwischen vermutlich die aktuelle Freitagsfrage der Woche lauten. Der Drops jedenfalls scheint gelutscht zu sein, seit klar ist, dass Opel "gerettet" werden soll. Nach langen hin und her und einigen paar Litern Kaffee konnten sich hiesige Politiker letzte Woche durchringen, die publikumswirksame Aktion in trockene Tücher zu bringen. Allerdings ergeben sich daraus und aus den Umständen dieser Rettung einige Fragen.

So wundert man sich dieser Tage z.B. über den Herrn von und zu Guttenberg. Dieser hatte offensichtlich mit Rücktritt gedroht, falls eine Rettung gegen seinen Willen durchgedrückt werden würde. Als großer Fan der Insolvenz, der gegen den miesen Ruf, den das wirtschaftliche Versagen in Deutschland immernoch hat, antrat, lieferte er sich das ein oder andere Verbalgefecht mit Herrn Steinmeier & Co. Nun, zurückgetreten ist er nicht, muss jetzt aber ein Konzept maßgeblich mittragen, hinter dem er nicht steht. Derweilen attestieren ihm einige Medien, das er fleißig gepunktet hätte. Klingt komisch, ist aber so.

Ähnlich befremdlich stößt einem der Fall Arcandor auf. Hier wird seitens der Bundesregierung durch die Blume kommuniziert, dass der angeschlagene Handelsriese ja auch ohne Krise wirtschaftlich schlecht dastehen würde, man deswegen etwaige Rettungsaktionen nicht in Betracht ziehe. Das klingt zunächst auch durchaus verständlich. Bis man sich eben Opel anguckt, eine Firma deren Anzahl verkaufter Autos zu Beginn der 90er noch mehr oder weniger auf Augenhöhe mit derer VWs war, danach aber einen Irrweg gen Abgrund antrat. Die Frage, ob man hier seitens der Regierung auf das richtige Pferd gesetzt hat, muss erlaubt sein. Fairness und freier Wettbewerb (vor allem die Kombination) scheinen zumindest je nach Thema keine größere Rolle mehr zu spielen.

Schlussendlich sei erwähnt, dass die Mehrheit unserer Freitag-User der Meinung ist, Opel hätte kontrolliert in die Insolvenz geführt werden sollen (68% pro Insolvenz am 2.6.09). Damit folgen sie überraschend deutlich Herrn Guttenberg und den kritischen Stimmen seitens der Medien, die eine Gesundschrumpfung des deutschen Traditionsunternehmens lieber gesehen hätten, als dass es neben dem Kohlepfennig in Zukunft für den deutschen Steuerzahler auch den Opelcent geben könnte; Ein Pfand für den künstlichen Erhalt eines totgeweihten Riesen, dessen Rettung am langen Ende nichts mehr als ein schlechter Werbe-Gag in Zeiten des Wahlkampfs sein könnte.

Opelaner und Politiker jedenfalls sollten sich nicht zu früh freuen. Das Thema Opel ist lebendig wie eh und je, dürfte dementsprechend in den nächsten Monaten, vermutlich sogar Jahren, die ein oder andere Spalte auch dieses Mediums füllen. Anlaß wird es zu Genüge geben.

10:03 02.06.2009
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