Es geht um Menschen!

Irak Wie in Deutschland eine Diskussion geführt wird, in der es um Menschen geht, aber zu wenig über Menschen und ihrem möglichen Schicksal geredet wird.
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Seit nunmehr als einer Woche wird in heftigster Weise über mögliche Waffenexporte Deutschlands in den Nordirak diskutiert. Besonders über die rechtlichen Voraussetzungen, die politische Wirksamkeit, mögliche Risiken und vieles mehr aber der Mensch gerät leider in dieser Diskussion in den Hintergrund, wie es sooft bei kontroversen Themen dieser Art geschieht. Wahrscheinlich weil der Krieg mit seiner geballten Grausamkeit so weit von uns entfernt ist. Deshalb möchte ich einen neuen Ansatz finden, um die Frage nach Waffenexporten an die kurdische Peschmerga zu klären, jedoch möchte ich vorneweg ankündigen, dass es keine universale Lösung sein soll. Nur ein neuer Ansatz des Denkens bei dem Mensch in den Vordergrund der Diskussion gerückt wird.

Man muss sich nicht lange mit der momentanen Irak-Krise auseinandersetzen, um zu merken, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) einen Massenmord an allen andersdenkenden Menschen vornimmt, egal ob es sich um nicht islamistische Muslima und Muslime handelt, um Christen, Juden und alle anderen Gruppierungen, die nicht ihrem kranken Denken verfallen sind. Besonders stark wurden die Jesiden von der IS-Propaganda getroffen, indem sie vom sogenannten "Kalifen" als Teufelsvereherer denunziert worden sind und damit für alle IS-Anhängerinnen und Anhänger zu Vogelfreien erklärt worden sind, was einen von der IS heraufbeschworenen Völkermord bewirken soll. Von der Panik das eigene Leben zu verlieren, sind zehntausende Jesiden in die Autonome Region Kurdistan geflohen, wobei tausende Jesiden bereits auf dem Weg dorthin starben. Die Kurden, selber Opfer der IS, haben den Jesiden die Solidarität erklärt und fragen Deutschland um Waffen, die sie dringenst brauchen, um sich verteidigen zu können.

Aber Deutschland hat sich selber eine Grenze gegeben, nämlich keine Waffen in Krisenregionen zu entsenden, was im grundsätzlich auch als sinnvoll erscheint. Deshalb wird von den Gegnern der Waffenexporte besonders diese juristische sowie politische Grenze hochgehalten und mit ihr dagegen argumentiert, aber was wären die Konsequenzen aus einem Nichtliefern? Wir sorgen dafür, dass sich vielleicht zehntausende Menschen nicht ausreichend verteidigen könnten und damit würden wir fährlassig mitangucken müssen wie ein Volk vernichtet wird, während wir uns in zahlreichen Talkshows die Münder blutig diskutieren. Der Mensch steht über den Grenzen! Was man besonders an der Sturmflut 1962 in Norddeutschland erkennen kann. Der damalige Hamburger Innensenator Helmut Schmidt (SPD) hat die politischen Grenzen gebrochen und die NATO zur Katastrophenhilfe herbeigezogen, wenn nicht wären tausende Hamburger ertrunken.

Jedoch weiß ich auch, dass die Gefahr besteht, dass die Waffen in die falschen Hände geraten könnten. Aber die momentane Situation kann nicht mehr viel schlimmer werden, nämlich das wir vor einem Genozid stehen. Ein Menschenleben steht über diese Vorbehalte! Schließlich wird die Verteilung auch über den zuverlässigen NATO-Partner Türkei geregelt.

Es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass ich bedingungslos für diese Waffenexporte bin, da ich beide Möglichkeiten, Waffen zu liefern oder nicht, nicht für einwandfrei halte. Ich bin mir bewusst, dass wir uns durch die Lieferung schuldig daran machen, dass Menschen mit diesen Waffen getötet , wiederum bin ich mir außerdem im Klaren darüber, dass wir uns bei nicht liefern schuldig machen, weil wir dann einem Völkermord zusehen, der vielleicht durch unsere Exporte verhindert hätte werden können. Nun sollte jeder für sich entscheiden, was von beidem die geringere Schuld wäre. Ich habe für meinen Teil entschieden, dass die Lieferung von Waffen die geringere Schuld wäre. Daher muss dies getan werden, um eine größere Schuld zu verhindern!

Dieser Lösungsansatz zu der Waffenexport-Frage soll wie gesagt kein universaler Ansatz für alle Menschen sein, die sich über diese Frage bisher den Kopf zerbrochen haben, aber ich finde ihn sehr wichtig, da er keine politischen Interessen oder anderes in den Vordergrund stellt, sondern schlicht und ergreifend den Menschen und die unmenschlichen Konsequenzen des Nichtstuns.

18:32 21.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Jan Mücher

Freies Denken - Prinzipientreue - Tierschutz - Menschen. Das sind die vier Dinge, die ich auf meine persönliche Agenda geschrieben habe. 18 J alt
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