Kommentare von Jan Pfaff

Jan Pfaff 21.06.2017 | 09:23

Genaues Lesen hilft!

Viele der großen Themen, die bei der zweitägigen Veranstaltung diskutiert werden, wurden zuerst 2015 von Kathleen Richardson im Rahmen ihrer „Kampagne gegen Sexroboter“ aufgebracht. Die Anthropologin und Roboterwissenschaftlerin vertritt die Auffassung, der Besitz eines Sexroboters sei vergleichbar mit dem Besitz eines Sklaven: Er würde Menschen in die Lage versetzen, sich nur noch um sich selbst zu kümmern. Dadurch verkümmere die Fähigkeit zur Empathie, und weibliche Körper würden noch weiter verdinglicht. Da der Sex mit Robotern nicht auf Gegenseitigkeit beruhe, sei er Teil einer rape culture, einer Vergewaltigungskultur.

Jan Pfaff 11.11.2016 | 18:26

Hm, Sie schreiben schon über den Mann, der Waterboarding wieder einführen will, den Iran-Deal "neu verhandeln will", und sich fragt, warum die USA ihre Atomwaffen eigentlich nicht einsetzen?

Aber klar, jedem seine Meinung. Wegen Kritik an Clinton wird hier keiner gesperrt, so ein Blödsinn. Man muss nur dann auch selber Kritik aushalten und nicht immer gleich über Zensur schwadronieren.

Jan Pfaff 11.11.2016 | 11:14

Lieber Janto Ban,

ich würde nicht jeden einen Putin-Troll nennen, der nicht meiner Meinung ist. Und die Kandidatur Clintons kann man ja auch aus sehr guten Gründen kritisieren. Ein guter Grund wäre zum Beispiel, dass sie das Ding einfach nicht gewonnen hat. Die Gründe dafür sind meines Erachtens vielschichtig, aber ihre starke Eingebundenheit in das Establishment spielte zweifellos eine große Rolle.

Aber eins muss man hier auch ganz klar sagen: Wer der Ansicht ist, dass Trump die bessere Wahl ist als Clinton, oder die "weniger gefährliche", weil er einem zunehmend neo-imperial agierenden Russland freie Hand lassen will. Wer das Prahlen mit sexuellen Übergriffen zum "Altherrenwitz" kleinredet, wer Rassismus und den Hass auf Andersdenkende als "Nebenwiderspruch" abtun will, oder wer meint, das Bauen von Mauern sei eine Lösung für die Probleme dieser Welt, der ist alles Mögliche, aber er ist nicht links.

Jan Pfaff 04.11.2016 | 12:23

Liebe Magda, was ist das Problem mit Whataboutism?

Erstens, wie es bei Wikipedia und Co. auch schon steht: Whataboutism lenkt die Diskussion und Kritik vom eigentlichen Gegenstand ab, in dem er einen Teil der Aufmerksamkeit woandershin verschiebt.

Zweitens: Vergleichen geht nur bei einem gewissen Niveau der Abstraktion. Das bedeutet aber, dass es zu Lasten des konkreten Kontextes, der Betrachtung der jeweiligen Umstände des ursprünglichen Gegenstands geht.

Und drittens, und meines Erachtens am wichtigsten: Das Hinweisen auf Doppelstandards anderswo zielt in der Argumentation darauf ab zu sagen: "Ist halt so. Es haben alle Dreck am Stecken, also Schwamm drüber." Damit wird der Doppelstandard aber zum neuen Standard erklärt – und darauf sollte man sich nicht einlassen.

Jan Pfaff 06.07.2016 | 18:20

Wir haben zur Reform des Sexualstrafrechts einen Leitartikel auf Seite 1, der neuen Ausgabe. Kostet natürlich Geld: https://digital.freitag.de/#/artikel/ein-nein-ist-ein-nein Dieser Text beschäftigt sich stattdessen tatsächlich nur mit der sexistischen Polemik Fischers, mit nichts anderem. Und er wird deshalb persönlich, auch aufs Körperliche anspielend, um zu zeigen, auf welcher Ebene Fischer sich da bewegt. Da sollte man doch bitte nicht Ursache und Wirkung verwechseln.

Jan Pfaff 28.06.2016 | 14:44

Lieber Christoph Leusch,

wieder ein breiter Strauß von Themen in Ihrem Kommentar. Ich will nur kurz antworten. Zur Politikwissenschaft: Je komplizierter die Zeiten, desto stärker das Verlangen nach Deutung und Analyse. Und da denke ich, wäre mehr Einmischung von Politologen in den öffentlichen Diskurs unbedingt wünschenswert (ganz unabhängig von der Frage nach der Wirksamkeit, auf die Sie berechtigterweise hinweisen). Wobei Sie sicher auch Recht haben, dass sich die Ideengeschichte da leichter tut, weil Sie einfach qua Gegenstand einen einfacheren Zugang zu den Feuilletons hat. Für die Interessierten hier möchte ich auch noch auf diesen Blog hinweisen: theorieblog.de, auf dem es eine interessante politikwissenschaftliche Debatte um Müllers Buch gibt, samt Antwort des Autors.

In einem der Beiträge da finden Sie auch die Kritik an einer zu einfachen Gleichsetzung von rechtem und linken Populismus. Unterschiede gibt es, ganz klar, und mit "Extremisforschung" kann Müller auch nicht viel anfangen, aber es gibt beim Populismus auf beiden Seiten eben auch diese Parallele im Anspruch, "das Volk" zu vertreten.

Und zu den Medien: Unbedingt ja, wenn sie ihren Job nicht richtig, sprich verantwortungsvoll machen und Stimmungen einfach der höheren Auflage oder Klickzahlen wegen anheizen, ist das ein Brandbeschleuniger für Populisten bzw. gibt dem Populismus erst seinen richtigen Punch. Das belegt das Brexit-Referendum gerade in trauriger Deutlichkeit. Der Economist hat dazu eine Statistik veröffentlicht: https://twitter.com/SimonHurtz/status/746278867564904448

Beste Grüße, JP

Jan Pfaff 27.06.2016 | 13:08

Ah, jetzt verstehe ich: Der Satz an sich klingt tatsächlich, als sei das die einzige Erklärung für Misstrauen gegen Medien. So war das aber nicht gemeint, sondern der Satz steht in dem Kontext, dass es die ganze Zeit um Populisten geht – deshalb war er rein auf diese bezogen. "Unter anderem" könnte man aber natürlich genauso gut sagen, wenn man den Blick auf Medienmisstrauen allgemein weiten will.

Jan Pfaff 24.06.2016 | 16:18

In GB spricht man von „the continent“ und „Europe“, wenn man die Fähre aufs Festland nimmt. Sie haben sich nie als Europäer gesehen und wenn man außerhalb der gebildeten Schicht mit einfacheren Leuten sprach, dann zeigte sich, dass sie weder Kenntnisse noch Interesse am Rest unseres Kontinents hatten.

Das ist genau auch meine Erfahrung. Und deshalb greifen alle Erklärungen, die nur auf die außer Rand und Band geratene Exit-Kampagne der vergangenen Monate vor dem Referendum abheben zu kurz. Es hat schon viel mit Identitätsfragen und Selbstverständnis zu tun. Trotzdem hat Farage mit seinem Wahlkampf auch gezeigt, wie erfolgreich sich Anti-EU-Stimmung und Ausländerfeindlichkeit vermischen lassen. Das macht dieses Ergebnis um so bitterer.

Jan Pfaff 04.05.2016 | 14:09

Ehrlich gesagt, ja, ich habe da vorher viel drüber nachgedacht, weil man dem natürlich nicht entkommt, wenn man – auch kritisch – darüber schreibt. Bis Montagmorgen war ich entschlossen, nichts dazu zu machen, um die Sache nicht noch größer zu machen. Aber nach der Rücktrittserklärung waren die Meldung dazu sowieso überall, weshalb Zurückhaltung seitens des "Freitags" keinen Unterschied mehr gemacht hätte. Und da mir dieses Zusammenspiel zwischen Klatschpresse, Facebook und SZ/FAZ in diesem konkreten Fall symptomatisch für eine Entgrenzung im größeren Stil scheint, habe ich dann diesen Text geschrieben.

PS: Die SZ kommentiert heute übrigens auf ihrer Meinungsseite zu den Gründen für Bondes Rückzug: "Die Welt geht es nichts an." Eine, nun ja, zumindest bemerkenswerte Binnenpluralität in dieser Zeitung.

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