Brave Jeans

Werbekritik Levi's wollte mit revoltierenden Jugendlichen werben. In Großbritannien zog die Firma ihren Spot nun aber schnell zurück. So ernst war das dann doch nicht gemeint

Werbung möchte gern ein wenig ihrer Zeit voraus sein. Nur blöd, wenn die in einem Spot antizipierten Ereignisse plötzlich im echten Leben mit dem Start der Kampagne zusammenfallen. Diese Erfahrung macht in Großbritannien gerade die Jeansfirma Levi’s. Sie hat einen Spot drehen lassen, der jung, wild, und ja, auch ein wenig widerständig sein soll – solange die Protagonisten die richtigen Hosen tragen.

Zu den Zeilen eines Gedichts von Charles Bukowski sieht man junge Menschen in Jeans durch Großstadtstraßen rennen, in der Menge einer Demo mitmarschieren, rote Rauchschwaden vernebeln die Sicht. Dazwischen sind Naturimpressionen geschnitten, Jeansträger am Strand oder beim Betrachten des Sonnenaufgangs. Gegen Ende sieht man einen jungen Mann, der bei einer Demo mit konfrontativen Gesten auf eine Kette von Polizisten zuläuft. Wegen dieser Sequenz hat Levi’s den Spot in Kinos und auf Facebook-Seiten in Großbritannien nun gestoppt – aus Sensibilität gegenüber Opfern der Ausschreitungen und Plünderungen der vergangenen Woche, heißt es.

Eigentlich gehe es bei der Kampagne um Optimismus und positive Aktionen, sagte ein Levi’s-Sprecher dem Guardian, keineswegs um eine bestimmte Bewegung oder gar ein politisches Programm. Die Zielgruppe soll ruhig für irgendwas demonstrieren, aber bitte hinterher nicht den Levi’s-Store plündern, lautet da wohl die Botschaft. Nur in einem Fall würde Levi’s sicher gezielt zu Protesten aufrufen: Wenn eine Demo für Diesel-Jeans durch die Straßen marschierte.

Die Anregung zu dieser Werbekritik verdanken wir Freitag-Blogger Gold Star for Robot Boy, der den Spot in einem Blog-Beitrag hier zuerst vorstellte.

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