...Christian Wulff

Sieben Sachen für... Nun hat er es geschafft: Der unscheinbare Mann aus Hannover wird Bundespräsident. Nur wie wird er jetzt noch sein Langweiler-Image los? Zum Beispiel mit diesen Dingen

Voltaire-Gesamtausgabe: Durch die Wahl zum Bundespräsidenten wird man nicht zum Universalgenie – das hat Christian Wulff schon ganz richtig erkannt. Deswegen will er sich geistigen Beistand bei Künstlern und Intellektuellen holen, Schloss Bellevue in eine "Denkfabrik" verwandeln. "Denken Sie an Friedrich den Großen und seinen Berater Voltaire", sagte er in einem Bild am Sonntag-Interview. Da würden wir doch raten, besser gleich beim Original nachzulesen. Sonst kommt am Ende noch der unvermeidliche Günter Grass in Bellevue vorbei – das kann so ein strammer CDU-Mann nun wirklich nicht wollen.

AC/DC-T-Shirt: Außerdem verriet der Präsident in spe im Interview – ganz vor sich hinmenschelnd –, dass er seiner Frau zu Weihnachten (!) Karten für ein U2-Konzert im August in Hannover geschenkt hat. Das geht natürlich gar nicht, wenn man eine richtig coole Sau sein will. U2, dieser Konsensrock der Neunziger, und Bono mit seinem Weltretter-Anspruch – Distinktions- oder Sympathiegewinne erzielt man so nicht. Dabei geht es doch so einfach: Wie sich Gel-Frisur, Konservatismus und Rocker-Image verbinden lassen, hat schließlich Karl-Theodor zu Guttenberg vorgemacht. Einfach ein AC/DC-T-Shirt über das weiße Button-Down-Hemd streifen und dann aus voller Brust: I'm on the Highway to Hell...

Pilotenhelm mit Ohrenschützern: Wie Rainald Grebe beobachtet hat, ist es ja die Hauptaufgabe des Bundespräsidenten im "Heli über unser schönes Land zu fliegen". Schließlich gibt es immer irgendwo eine Fähre zu taufen und den Satz zu sagen: "Ich grüße alle Herzpatienten!" Damit Wulffs Ohren bei der ganzen Heli-Fliegerei keinen Schaden nehmen, braucht er diesen Flughelm "mit hochwertigem Peltor Gehörschutz".

Langenscheidt Englisch-Intensivkurs: Spätestens seit Guido "Westerwave" Westerwelles Amtsantritt dürfte jeder Spitzenpolitiker wissen, wie wichtig eine zumindest eingermaßen verständliche Aussprache des angelsächsischen Idioms ist. Und Christian Wulff hatte da in seiner Schulzeit einige Defizite, wie er Schülzeitungsredakteuren seines ehemaligen Gymnasiums in Atter, Osnabrück verriet: "Der Fremdsprachen-Unterricht wurde mir schon in der fünften oder sechsten Klasse vergrault, weil die Aussprache immer korrigiert und kontrolliert wurde." Dear Christian Woolf, although you're the sieger of the boundpresidentwhale, please get you a Langenscheidt course with some audio CDs, so you can train yourself a little bit and embarass us long-travelled Party-Germans a little bit less in all the foreign countries.

Brille von ic! Berlin: Wulffs Brille verströmt Fielmann-Langeweile: "Bloß nicht auffallen", lautet das Motto, wenn man sich so etwas auf die Nase setzt. Um ein bisschen hipper zu werden, sollte er sich mal ein Modell von ic! Berlin gönnen. Immerhin gehören zu den Kunden dieser Berliner Brillenfirma so illustre Show-Größen wie Madonna und Alicia Keys. Mit dem Modell "Oleg P." läge Wulff schon ziemlich weit vorn.

Babyphone-Direktleitung nach Prenzlauer Berg: Für Christian Wulff ist Kinderlärm erklärtermaßen Zukunftsmusik. Weiß der Mann, was er da redet? Wie nervtötend das Dauergenörgel der Blagen sein kann? Dann sollte man ihm zum Amtsantritt eine Babyphone-Direktleitung von einer Prenzlauer-Berg-Kita in sein Bellevue-Büro legen.

Gutschein für uSocial: Obwohl er nach eigener Aussage noch nie auf Facebook oder einer Twitter-Seite war, hat Joachim Gauck seinen Konkurrenten im Internet klar ausgestochen. Wenn die Netzgemeinde den Bundespräsidenten hätte wählen können, hätte Wulff erst gar nicht antreten brauchen. Damit das nicht so bleibt, braucht der neue Bundespräsident dringend einen Gutschein für uSocial. Die Firma verspricht, gegen Bezahlung ihren Kunden eine beliebige Zahl Twitter-Follower zu beschaffen. 100.000 Follower soll es hier schon zum Schnäppchenpreis von 3.479 US-Dollar geben. Das kann man sich zum Amtsantritt schon mal gönnen.


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21:05 30.06.2010

Ausgabe 42/2021

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