Darf's ein bisschen größer sein?

Imagekritik Beim FC St. Pauli feiert man den Aufstieg und das vermeintliche Anderssein. Trikotsponsor Dacia will auch die Oberklasse aufmischen - und baut deswegen jetzt Geländewagen

Als Underdog stilisiert sich der FC St. Pauli, der nun seinen Wiederaufstieg in die Erste Liga feiert, gern. Man ist ja ach so unangepasst am Millerntor. Die Fans bejubeln sich als „asoziale Zecken“, schwenken Fahnen mit Totenkopflogo und verachten alles, was nur entfernt nach Kommerz und Geldverdienen aussieht. Die Spieler laufen in einem Braun auf, von dem Wohlgesinnte sagen, es biete einen Distinktionsgewinn gegenüber den bunten Leibchen anderer Fußballklubs. Kritischere Geister meinen, es sehe einfach scheiße aus.

Klar, dass in diesem Umfeld der Sponsor mit Bedacht gewählt sein will. Am besten kein Riese, der alle anderen platt macht, sondern ein kleiner ­Kuschel-Konzern, mit Geld zwar, aber auch mit Underdog-Image. Eigentlich logisch, dass man da auf den rumänischen Autobauer Dacia kam. Der gehört zwar zum großen Renault-Konzern, als eigene Marke hat Dacia aber ein positives Image. Mit dem Kleinwagen Logan für knapp 8.000 Euro bot man bisher ein unschlagbar billiges Auto an, reduziert auf das Wesentliche, kein Schnickschnack, ehrlich halt, also irgendwie so wie Pauli auch sein möchte.

Zeitgleich mit dem Aufstieg will nun Dacia die automobile Oberliga aufmischen. Deswegen bieten die Rumänen einen Geländewagen an, den Dacia Duster. Für 11.900 Euro, normalerweise beginnen die Preise für solche Wagen jenseits der 50.000-Euro-Grenze. Nur: Billiger allein bedeutet ja nicht, dass man auch anders ist. Ein Geländewagen ist blechgewordenes Statusgeprotze. Daran ändern ein ironischer Werbespot und eine Totenkopf-Fahne am Heck dann auch nichts mehr.

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