Das Duell der Trash-Helden

Werbekritik Alice Cooper gegen Mario Barth: die Elektronik-Giganten Saturn und Media Markt rüsten zum vorweihnachtlichen Showdown. Doch nur die Saturn-Kampagne hat Witz und Ironie

Für die Elektronikhändler beginnt mit dem Vorweihnachtsgeschäft die wichtigste Zeit des Jahres. Deshalb rüsten die großen Ketten werbetechnisch noch mal richtig auf. Neue Kampagnen müssen her, frische Slogans und vor allem: Stars. Media Markt und Saturn liefern sich gerade so etwas wie ein Duell der, nun ja, Trash-Helden. Auf der Media-Markt-Seite tritt Mario Barth in den Ring. Ein Comedian, dessen Humor sich kulturanalytischen Mitteln weitestgehend entzieht. Als er im Juli 2008 mit seiner Show 70.000 Menschen ins Berliner Olympiastadion lockte und damit einen Weltrekord in der Sparte „Live-Comedian mit den meisten Zuschauern“ aufstellte, konnte man in den Feuilletons lange Texte finden, die vor allem eines ausdrückten: Fassungslosigkeit darüber, wie man mit so einfachen Witzen so viele Menschen zum Lachen bringen kann.

Ein Barth-Gag funktioniert so: „Meine Freundin sagt: Ich will ein Kind.“ Kopfschütteln. „Ich sag: Kinder? Du kriegst ­einen Hund.“ Worauf sich Barth vor ­Lachen schüttelt. Die Media-Markt-Clips sind Kurzversionen der Shows. Er rennt über eine Bühne mit riesigen Bildschirmen, auf denen Paare beim Elektronik-Shoppen zu sehen sind. Kein weibliches Geschlechterklischee wird dabei ausgelassen, es gibt Frauen, die „Blue Ray“ für einen Schauspieler halten und jene, die sofort vom Kauf einer Videokamera überzeugt sind, weil man „damit ein Hochzeitsvideo drehen kann“. Am Ende brüllt Barth in die Kamera: „Das ist mein Laden.“ Man glaubt es ihm, nur einkaufen will man dort irgendwie nicht mehr.

Für die Saturn-Märkte tritt Alice Cooper an, der in den Siebzigern und Achtzigern auch Stadien mit seinen Shows füllte, den Begriff des „Shock-­Rockers“ prägte und über den kolportiert wird, er habe einmal auf der Bühne ­einem lebenden Huhn den Kopf abgebissen. Dieses freakige Image nimmt die Kampagne auf und macht Cooper mit dick schwarz umrandeten Augen zum Barkeeper in einer Weltraum-Bar. Da sitzen die Außerirdischen dann am Tresen und beschweren sich über den Fernseher, der nicht richtig funktioniert, oder die Lampe, die flackert. Der Rocker rüttelt und schüttelt, bis es wieder geht und sagt: „Alles einer Frage der Technik.“ Der neue Claim lautet: „Sternhagelgünstig.“

Im direkten Vergleich hat die Saturn-Kampagne einen großen Vorzug: Sie ist selbstironisch. Während Barth nur über andere lacht, spielt Cooper mit seinem Aussehen und Image. Im Netz gibt es ein Making-of, bei dem man ihn sieht, wie er sich über seine Versuche, das deutsche Wort „Technik“ auszusprechen, kaputt lacht. Soviel Witz müsste Mario Barth erstmal aufbringen.

Mit dem Freitag durchs Jahr!

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Geschrieben von

Wissen, wie sich die Welt verändert. Testen Sie den Freitag in Ihrem bevorzugten Format — kostenlos.

Print

Die wichtigsten Seiten zum Weltgeschehen auf Papier: Holen Sie sich den Freitag jede Woche nach Hause.

Jetzt sichern

Digital

Ohne Limits auf dem Gerät Ihrer Wahl: Entdecken Sie Freitag+ auf unserer Website und lesen Sie jede Ausgabe als E-Paper.

Jetzt sichern

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden