Jan Pfaff
24.05.2012 | 07:00 23

Der gefährlichste Mann Europas?

Aufbruch Vielleicht hat Griechenland ja nur auf einen wie Alexis Tsipras gewartet – einen selbstbewussten jungen Mann, der keine Angst davor hat, die Welt zu verändern

Die gute Laune von Peter Altmaier kann an diesem Mittag eigentlich nichts trüben. Vor zwei Stunden ist er zum Bundesumweltminister ernannt worden, gerade hat er im obersten Stock des Reichstages ein paar Sätze dazu in Fernsehkameras gesprochen, nun gratulieren ihm die Parlamentskorrespondenten. Jeder einzeln und mit Handschlag. Er steht mit seinen Mitarbeitern in einem schmalen Gang, der zu Arbeitszimmern der Parlamentarier führt. Plötzlich kommt ein Grüppchen auf ihn zu. Man suche „für zehn Minuten einen Raum für den Griechen“, wird ihm zugerufen und Altmaiers Lächeln verschwindet. „Wie? Ich soll jetzt mit dem Griechen reden? Davon weiß ich gar nichts.“ Nein, nein, die Gruppe gehöre zur Konkurrenz. Mitarbeiter der Linkspartei suchen einen Ort, an dem Alexis Tsipras kurz seinen Laptop aufklappen kann. Der neue Bundesumweltminister entspannt sich sichtlich.

Das Erschrecken Altmaiers verrät einiges über die Berührungsängste der CDU – und noch viel mehr über den Ruf, der Alexis Tsipras vorauseilt, seit er bei den griechischen Parlamentswahlen Anfang Mai sein Linksbündnis Syriza zur zweitstärksten Partei machte. Zuvor dümpelte es im Parlament mit 4,6 Prozent eher vor sich hin, Tsipras’ Name war bis zur Wahl außerhalb Athens kaum jemandem ein Begriff. Ein Stimmenzuwachs auf 17 Prozent und eine gescheiterte Regierungsbildung später hat sich das gedreht. Bei den Neuwahlen am 17. Juni könnte Tsipras’ Bündnis stärkste Kraft werden, der 37-Jährige womöglich nächster Ministerpräsident. Und diese Aussicht versetzt Europa in Unruhe. Vorsichtig ausgedrückt.

Ein tapferer Junge ...

Wenn er an die Macht komme, werde er als erstes die Schuldenzahlungen stoppen und die mühsam verhandelten Sparpakete für illegitim erklären, lautet Tsipras’ Versprechen an die griechischen Wähler. Außerdem kündigte er an, einen Großteil der griechischen Schulden ganz abzuschreiben und die Banken zu verstaatlichen. Linken Populismus werfen ihm seine Kritiker vor, diese Politik wäre unweigerlich das Ende Griechenlands im Euro, mit unabsehbaren Folgen für das Land und die europäische Gemeinschaft. Für Austeritätsanhänger ist Alexis Tsipras daher schlicht der „gefährlichste Mann Europas“.

In Griechenland, wo ein großer Teil der Bevölkerung durch die Krise an die Grenzen seiner Leidensfähigkeit geführt wurde, wird Tsipras hingegen als Held gefeiert – einer, der es wagt, sich gegen die als Diktat wahrgenommenen Beschlüsse aufzulehnen. Tsipras sieht gut aus und die Wähler lieben seinen jugendlichen Charme, das Unverbrauchte und die klaren, eindeutigen Ansagen. Er ist, was die Griechen einen „Pallikari“ nennen, ein tapferer Junge, der sich keiner Autorität beugt. Seine Sprache changiert dabei zwischen Klassenkampf-Rhetorik und diplomatischen Formulierungen. Er spricht vom „Krieg zwischen den Märkten und den Völkern“ – aber verweist auch kühl auf die Ineffizienz der bisherigen Sparmaßnahmen, die nur einen endlosen Schuldenkreislauf generiert haben. Bis weit in die Mitte haben die Griechen dem Linksbündnis Syriza daher ihre Stimme gegeben. Teils allerdings auch mit dem Hinweis, Tsipras bluffe mit seinen Aussagen doch nur, um bei eventuell neuen Verhandlungen das bestmögliche Ergebnis herauszuschlagen. Denn die Zukunft Griechenlands im Euro stellte Tsipras, anders als manche Linksradikalen in seinem Wahlbündnis, zu keinem Zeitpunkt grundsätzlich in Frage.

Dafür weist er gern darauf hin, dass auch Angela Merkel wiederholt betont hat, man könne Griechenland nicht fallenlassen, weil die Märkte dann gegen die nächsten Sorgenkinder der Eurozone wetten würden. Es ginge ihm nicht um Erpressung, er sorge sich vielmehr um die europäische Idee, fügt er diesem Satz hintersinnig hinzu.

Dass er an diesem Dienstag im Anschluss an einen Besuch in Paris nach Berlin gekommen ist, kann man als Demonstration seines Selbstbewusstseins betrachten. Auf Einladung der Linkspartei will er in jenem Land für seine Ideen werben, das sich wie kein anderes der Austeritätspolitik verschrieben hat. Die CDU signalisierte im Vorfeld hastig, dass man keinen Bedarf an einem Gespräch mit dem neuen Star der Linken habe, die SPD war unschlüssig.

Tsipras bekommt auch so genug Aufmerksamkeit – und er liebt das Spiel mit den Medien. Sobald an diesem Mittag im Reichstag Kameras in der Nähe sind, setzt er ein breites Lächeln auf, eines, das fürs normale Leben ein wenig zu groß erscheint, aber sehr einnehmend auf Bildern wirkt.

Vor dem Fraktionssaal der Linken wartet eine Traube Fernsehjournalisten. Gregor Gysi stürmt auf den griechischen Gast zu. Er versucht einen Witz zur Begrüßung: „Wir haben heute ja nicht nur den besten Politiker Griechenlands zu Gast, sondern auch den schönsten. Wegen mir kommen nicht so viele Kameras.“ Tsipras steht daneben und lächelt, er versteht ohne seine Dolmetscherin sowieso kein Wort.

Als er den Saal betritt, gibt es lang anhaltenden Applaus – einen Linken, der bei Wahlen erfolgreich ist, hat man hier länger nicht gesehen. In das Klatschen hinein murmelt nur ein älterer Mann mit grauem Backenbart etwas Kritisches: „Wir sollten nicht immer einzelne Personen abfeiern, das tut uns nicht gut.“ Tsipras bedankt sich höflich für den Empfang. Er spricht von der Solidarität unter den Völkern, sie dürften sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. „Wir kämpfen diesen Kampf auch für die deutschen Arbeitnehmer“, ruft er und bestätigt damit seinen Ruf als brillanter Redner, der seine Rhetorik genau dem jeweiligen Anlass entsprechend verändern kann.

... und junger Funktionär

Wie aber ist dieser Alexis Tsipras überhaupt zur Politik gekommen? Geboren wird er 1974 in Athen, vier Tage nach dem Ende der griechischen Militärdiktatur. Seine Familie, heißt es, sei nicht besonders politisch gewesen. Er selbst fällt bereits als 17-Jähriger mit der Organisation von Schülerprotesten auf. „Er schaffte es, sich vor ein paar hundert Kinder zu stellen, die eigentlich nicht wirklich wussten, wofür sie demonstrieren sollten“, erinnerte sich ein damaliger Mitstreiter in einem aktuellen BBC-Beitrag. Tsipras macht damals nicht nur eine professionelle Medienarbeit und gibt Fernsehinterviews, sondern verhandelt auch hartnäckig mit dem Bildungsminister. Dass es den Schülern gelingt, der Regierung schließlich Zugeständnisse abzutrotzen, hat bei ihm wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Er schreibt sich für ein Bauingenieursstudium ein und macht weiter Politik: in Studentenvereinigungen an der Universität und als Jugendfunktionär von Synapismos, einem Bündnis der Kommunistischen Partei und der Griechischen Linken. Auf einem Foto aus jener Zeit sitzt Tsipras auf einem Hügel, die schulterlangen Haare wehen ihm von hinten ins Gesicht – und er lacht mit dem unerschütterlichen Optimismus eines jungen Menschen in die Kamera, der fest davon überzeugt ist, dass die Welt nur darauf wartet, von ihm gerettet zu werden. In den Neunzigern protestiert er gegen die Globalisierung und neoliberale Wirtschaftsreformen. Mit dem Beistand seines politischen Ziehvaters Alekos Alavanos, dem ehemaligen Vorsitzenden von Synaspismos, verläuft die weitere Polit-Karriere schnell. 2006 wird er in den Stadtrat Athens gewählt, wo er sich als bürgernaher Politiker einen Namen macht, der auf keinem Nachbarschaftsfest fehlt. 2008 folgt die Wahl zum Parteichef von Syriza, 2009 zieht er ins Parlament ein.

Der Mann der Stunde

Und dennoch: Er wäre wohl weiterhin ein weitgehend unbekannter griechischer Politiker, wenn seine Überzeugungen nicht gerade in diesen Monaten auf eine besondere Situation stoßen würden. Im vergangenen Jahr, als die Griechen noch nicht in diesem Ausmaß vom Sparen zermürbt waren, schreckten Tsipras’ radikale Forderungen viele Wähler noch ab. Aber nicht nur das hat sich geändert. Hinzu kommt ein Wandel des politischen Klimas in Europa insgesamt – sichtbar geworden vor allem im Sieg François Hollandes in Frankreich. Tsipras’ Aufstieg erklärt sich zu einem nicht geringen Teil daraus, dass er einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist.

Vor seinem Abflug nach Berlin betonte Tsipras in einem Interview, dass Merkel mit ihrer Sparpolitik in Europa gerade „extrem isoliert“ sei. In der New York Times empfahl er ihr, sich doch eher an Obama und seinen Konjunkturprogrammen zu orientieren. So bereitet er mögliche Neuverhandlungen mit einer breiten internationalen Medien-Offensive vor. Selbst die konservative Tageszeitung Die Welt musste ihm angesichts dieser Chuzpe zugestehen, dass er etwas Wichtiges verstanden habe – nämlich „dass es im schönen neuen Europa keine Innenpolitik mehr gibt, dass man europaweit denken muss, wenn man seine Politik im eigenen Land durchsetzen will“.

Nach dem kurzen Auftritt in der Linksfraktion geht es eiligen Schritts weiter. Parteichef Klaus Ernst und Fraktionschef Gysi wollen ihren Gast der Hauptstadtpresse präsentieren – der Wunsch, dass ein wenig von seinem Glamour auf die strauchelnde deutsche Linke abfallen möge, ist groß. Vor der blauen Wand der Bundespressekonferenz nehmen Ernst und Gysi Tsipras in die Mitte. Es wirkt, als ob die Verantwortlichen eines Fußballklubs die Verpflichtung eines neuen Superstars verkünden. „Ich bin kein Protagonist“, beginnt Tsipras demütig. „Meine Partei ist es auch nicht, sondern das griechische Volk ist es.“

Die Auswirkungen der Sparpakte seien desaströs, es gelte eine Katastrophe in Europa abzuwenden. „Wir bitten um die Solidarität der Völker in Frankreich und Deutschland“, sagt er – und bietet den Deutschen ein Argument an, das in ihrem eigenen Interesse ist: „Wie lange wollt ihr Deutschen das Geld noch in ein Fass ohne Boden werfen?“ Was wie ein Satz von Thilo Sarrazin klingt, hat bei Tsipras aber die umgekehrte Stoßrichtung. Von der jetzigen Politik profitierten nur Banken, an den Menschen ginge die Hilfe vorbei. Er würde nicht um mehr Geld bitten, sondern für eine andere Verteilung plädieren.

Wie denn die Reformen in Griechenland aussehen würden, wenn er an die Macht käme? „Ich glaube, dass die Bekämpfung der Steuerhinterziehung keine Sache der Gene ist. Genauso ist die Schattenwirtschaft nichts Gottgegebenes.“ Er wolle das Steuersystem gerechter machen und höhere Einnahmen erzielen. „Die Medien beschreiben uns oft als Partei, die Europa zerstören will, aber wir sind europafreundlich. Es sind die jetzt führenden Kräfte, die eine europafeindliche Politik machen.“

Tsipras bezeichnet die Deutschen als „große Brüder“ und bittet darum, dass sie weiter im Sommer Urlaub in Griechenland machen – aber er bleibt hart in der Sache. Keine Tilgung der Schulden zu diesen Bedingungen. Nach knapp einer Stunde ist die Fragestunde vorbei. Tsipras läuft zusammen mit Gysi zur Limousine vor der Tür. Die Zeit drängt: Sigmar Gabriel hat sich doch noch zu einem Treffen bereit erklärt.

Am Abend lässt Gabriel verlauten, er habe Tsipras im Gespräch versichert, dass es die freie Entscheidung des griechischen Volks sei, ob es in der Euro-Zone bleiben wolle oder nicht. Nur getroffene Vereinbarungen müssten eingehalten werden. Tsipras hat ihm da gewiss widersprochen.

Mitarbeit: Richard Fraunberger

Kommentare (23)

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Ehemaliger Nutzer 24.05.2012 | 16:09

Mir gefällt Tzipras! Und er hat Recht!
Das Geld aus Europa für Griechenland geht an die Banken - kein normaler Grieche hat etwas davon. Die Angst im Westen (vor allen Dingen bei Merkel) ist jetzt nur, dass die Griechen tatsächlich ernst machen, und die Banken ihr Geld verlieren. Dafür dürfen dann vermutlich wieder wir einen Rettungsschirm für "unsere wichtigen" Banken aufmachen! Es muss ja nicht Griechenland geholfen werden, sondern unseren Banken.

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Ehemaliger Nutzer 24.05.2012 | 16:10

Mir gefällt Tzipras! Und er hat Recht!
Das Geld aus Europa für Griechenland geht an die Banken - kein normaler Grieche hat etwas davon. Die Angst im Westen (vor allen Dingen bei Merkel) ist jetzt nur, dass die Griechen tatsächlich ernst machen, und die Banken ihr Geld verlieren. Dafür dürfen dann vermutlich wieder wir einen Rettungsschirm für "unsere wichtigen" Banken aufmachen! Es muss ja nicht Griechenland geholfen werden, sondern unseren Banken.

freedom of speech? 24.05.2012 | 17:32

Es reicht das Reizwort Banken. Und schwupps setzt der Verstand aus.

Tsipras arbeitet geschickt mit den emotionalisierten Begriffen der Linken.

Dabei geht völlig unter, was eigentlich sein Ziel ist.

Die anderen Euroländer sollen dauerhaft den griechischen Wohlfahrtsstaat finanzieren.

Er will niedrige Zinsen, damit Griechenland weitermachen kann wie bisher.

Mit einem Heer von aus europäischen Steuergelder bezahlten unproduktiver Beamten und Frührentnern.

Die Blauäugigkeit hier macht fassungslos.

freedom of speech? 25.05.2012 | 18:30

@FKritik

Bitte unterlassen Sie die persönlichen Angriffe.

Zur Sache:

Die Euphorie, die hier im Beitrag und den Kommentaren zu Tage tritt, ist bezeichnend.

Tsipras der Held.

Schon als kleiner Junge tapferer Kämpfer für Gerechtigkeit.

Mutig lehnt er sich gegen die Finanzmacht auf, sein Leben ist gefährdet.

Unverbraucht, nicht so wie Hollande.

Ein Modell und Vorbild für andere europäische Staaten.

Ein Charismatiker, der sprachgewandt Banken und Hochfinanz das Fürchten lehrt und Korruption und Filz im eigenen Land bekämpfen will.

Aber er will nicht nur Griechenland, er will auch Europa retten. Selbst für die deutschen Arbeitnehmer ist er da.

Tsipras bleibt bescheiden. Er ist kein Protagonist sondern das griechische Volk ist es.

Und ein schöner Mensch ist er auch noch.

Der einzige Satz, der mir im Artikel wirklich gefallen hat, ist der:

"...In das Klatschen hinein murmelt nur ein älterer Mann mit grauem Backenbart etwas Kritisches: „Wir sollten nicht immer einzelne Personen abfeiern, das tut uns nicht gut.“ ..."

Warum?

Das ist Personenkult von Feinsten, der hier ungeniert betrieben wird.

(history will teach us nothing, Sting)

weinsztein 27.05.2012 | 04:49

@freedom of speech?

Auf Ihre Art haben Sie völlig recht. Dieses joviale Porträt von Alexis Tsipras bietet Ihnen gute Gelegenheiten, ungehemmt vom Leder zu ziehen, um hier Ihren rechten Stuss zu verbreiten. Ich schätze, per Ihrem siebten Nickname.

Ich lese so etwas sehr gerne, Sie sorgen für mehr Community-Content und bringen Stammtische hier ein. Das braucht der Freitag.
Danke.

freedom of speech? 27.05.2012 | 20:22

Und wieder einmal: "Herabwürdigung statt Inhalt"

Ich lese so etwas zwar nicht gerne. Aber wenn es Ihnen hilft, OK.

Letztlich ist diese "Taktik" aber ein Symptom dafür, in welch desolater Verfassung ein Teil der Diskutanten in Sachen Tsipras hier ist.

Zum Inhalt:

Es könnte sein, dass der Autor den Artikel jovial im Sinne von wohlwollend herablassend gemeint hat. Er hat immerhin ein Fragezeichen angebracht.

Die Reaktionen auf Tsipras in der Linken sind jedenfalls schon einigermaßen erstaunlich. Tsipras erklärt offen zum Ziel: presstext.wordpress.com/2012/05/22/tsipras-abfuhr-in-der-eu/

- Im Euro bleiben
- Nicht sparen
- Weiter Geld drucken (Lender of last resort iVm Moral-Hazard-Effekt)

Applaus, Applaus

Das ist aber leider so ziemlich genau die Wunschvorstellung in manchen angloamerikanischen Kreisen, der von zyklischen europäischen Blasen profitiert.

Es ist Grundlage der Taktik, mit der Hedge Fonds den Euro auf Parität drücken wollen. www.handelsblatt.com/finanzen/fonds/nachrichten/geheimes-treffen-hedge-fonds-nehmen-euro-ins-visier/3378510.html

Für diese Leute sind Tsipras und seine linken Freunde nur nützliche Idioten.

claudia 30.05.2012 | 08:19

In der Tat, es tut sich was in Griechenland, das hierzulande zur Zeit noch schier unvorstellbar ist. Nach zwei Jahren mit grossen Demos und Streiks wurde ein korruptes Regime fast abgewählt, und die Neuwahl könnte ergeben, dass die alten Kader, die das Land in den Abgrund zogen, endgültig am Ende ihrer Regierungszeit angekommen sind.

Was dann passieren wird, wissen wir nicht so genau. Wenn Griechenland nicht in der EU wäre, dann hielte ich einen Militärputsch für wahrscheinlich, der von den Massenmedien hierzulande als "Wiederhestellung der Freiheit" gefeiert würde. So aber werden die Mittel subtiler sein und die Griechen haben, wenn sie es klug anstellen, wohl eine reale Chance etwas zum Besseren zu wenden für sich.

Es wird sicher nicht das Ende der alten Mächte sein, schon weil im Rest der EU alles weiter läuft wie bislang. Die neue Regierung wird es schwer haben und könnte unsere Solidarität gut gebrauchen.

Auf keinen Fall solten wir erwarten, dass die Griechen dann unsere Kartoffeln aus dem Feuer holen werden: Erstens haben sie genug eigene Probleme zu bewältigen, zweitens werden wir für uns nur etwas erreichen, wenn wir uns selber bewegen.
Auch ein "Erdrutschergebnis" für die Korruption bei unserer Wahl im nächsten Jahr könnte etwas weiter in die richtige Richtung bewegen. Das wäre die beste Form von Solidarität, die wir zur Zeit aufbringen können. Für mehr als ein Wahlkreuzlein gegen die Geschäftspartner bisheriger griechischer Regimes haben wir nicht die Kraft, da sollten wir uns schon realistisch einschätzen. Aber das wenigstens wäre möglich.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2012 | 22:54

winfired schrieb am 30.05.2012 um 20:36

"Solange er das System nicht verändern will, fürchtet ihn die Hochfinanz gar nicht. Sollte er auf einmal von einer neuen Währung ohne Zentralbank sprechen oder sich gegen den Zinseszins aussprechen dann ... aber er ist nur ein Salonkommunist!"

Man wird Tsipras an seinen Taten messen! Und er sollte gut auf sich aufpassen, falls er seine Worte in Taten umsetzen will.

alexbln 31.05.2012 | 02:43

nil halluziniert auch gern mal von ner bachblütenrevolution und spricht bei assange von "authentischem" (würg) journalismus. so viel peinlicher kitsch ist kaum zu ertragen. - aber egal.

das problem liegt in der ägäis.
da stellt sich ein linkspopulist vor sein! volk und nimmt die restliche eu in geiselhaft. wenn die griechische gesellschaft ihr finanzsystem nicht umbaut ist die gemeinschaftswährung gefährdet. doch anstatt diesen verantwortungslosen umgang zu kritisieren, kitscht sich die linke mal wieder in klassenkampfrethorik ein. und das bei einem wahlvol dass zu 20% nationalsozialisten gewählt hat.

der hang der deutschen linken zu demagogen, populisten und antiliberalen ist seit 90 jahren ungebrochen.

j.kelim 31.05.2012 | 17:25

Unverheiratete oder geschiedene Töchter von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes erhalten nach dem Tod ihrer Eltern deren Pension.

…Die Staatsbediensteten genießen nicht nur Kündigungsschutz, sondern können auch schon vor Erreichen des 50. Lebensjahres in den Ruhestand gehen und eine Pension beziehen…

Staatsbedienstete können durch diverse Boni bis zu 1300 Euro pro Monat hinzuverdienen.
Extrageld gibt es beispielsweise für die Nutzung eines Computers, das Beherrschen einer Fremdsprache oder das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz.
Forstbedienstete erhalten einen Bonus für das Arbeiten im Freien. Alle Beschäftigten in Griechenland beziehen 14 Monatsgehälter. Ein halbes Monatsgehalt gibt es zu Ostern obendrauf, ein weiteres im Sommer. Das 14. Gehalt bekommen die Staatsbediensteten zu Weihnachten, wovon ein Teil der Wirtschaft profitiert: Taxis, Restaurants und Friseure dürfen dann legal eine Sondergebühr als „Weihnachtsgeschenk“ erheben.

www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/athener-ausgaben-wie-griechenland-das-geld-verschwendet-1981513.html

Eine Krankengymnastin die in Deutschland eine Ausbildung absolvierte und nach Griechenland ging verdiente dort, das dreifache an Gehalt, gegenüber dem Gehalt, was sie in Deutschland bezog.

Schön wäre es, wir würden dafür einstehen in Deutschland ebenfalls eine derartig großzügige Entlohnung zu bekommen.

Ich denke da ist viel Neid in der Kritik, was das Auskommen und die Gehälter der Griechen betreffen.

Immerhin arbeiten 24 Prozent der Arbeitnehmer, im öffentlichen Dienst,
Staatsbetriebe oder sind Beamte

Ich weiß ja nicht, wie das in Deutschland ist. Was ich weiß, ist, dass die Beamtenpensionen in Deutschland demnächst, die Hälfte des Sozialetats verschlingen werden und niemand regt sich darüber auf.

j.kelim 31.05.2012 | 17:44

“Kürzlich machte Manuela Rottmann durch ihre Ruhestandsankündigung von sich reden und lieferte ein aktuelles Beispiel für die Regelung der Altersversorgung von kommunalen Wahlbeamten. Die Frankfurter Stadträtin und Umweltdezernentin will im kommenden Juli in den politischen Ruhestand treten und sich wieder ihrem Beruf als Juristin widmen. Da sie als Wahlbeamtin laut Innenministerium kein Mindestalter erreicht haben muss, um in den Genuss von Versorgungsleistungen zu kommen, stehen Manuela Rottmann bereits im Alter von 40 Jahren knapp 2.200 Euro Ruhegehalt zu – sofort und auf Lebenszeit.“

www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=70666=standard_document_43210832