Jan Pfaff
16.02.2011 | 13:05 30

Der Plagiator

Plagiat Karl-Theodor zu Guttenberg soll Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben. Der Plagiatsskandal geht aber noch viel weiter, wie der "Freitag" enthüllt

Der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano will herausgefunden haben, dass Verteidigungsminister und Polit-Strahlemann Karl-Theodor von und zu Guttenberg bei seiner 2006 an der Universität Bayreuth eingereichten Doktorarbeit an mehreren Stellen abgeschrieben haben soll. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung an diesem Mittwoch. Während einige Freigeister Guttenberg nun schon als neuen Helden der Mash-Up-Kultur feiern,  verurteilen ihn andere hingegen als dreisten Plagiator. Der Skandal zieht aber noch viel weitere Kreise als bisher vermutet. Wie der Freitag nun enthüllt, beschränkt sich das Plagiieren bei zu Guttenberg nicht nur auf die Dokotorarbeit – es ist sein Lebensprinzip. Er eignet sich Teile anderer Persönlichkeiten (plagium, lateinisch für „Menschenraub“) systematisch an. Hier eine kleine Auswahl der dreistesten Plagiats-Fälle:

Franz Josef Strauß Niemand kann in der CSU Karriere machen, ohne sich mit dem Erbe des Größten CSU-Vorsitzenden aller Zeiten auseinanderzusetzen. Bei Karl-Theodor zu Guttenberg hat diese Auseinandersetzung allerdings geradezu zu einer Anverwandlung körperlicher Eigenschaften geführt, wie Fernsehbilder eindrucksvoll belegen. Guttenberg hat Straußs kleines Hüpfen während des Redens so vollendet plagiiert, dass selbst kritische Polit-Analysten schon davon sprechen, der Geist von FJS sei wahrhaftig in den Körper von KTzG gefahren. Aber sehen Sie selbst...

Kai Diekmann Irrtümlicherweise werden Guttenbergs zurückgegelte Haare oft mit zu häufigem Schauen von Wall Street I in seiner Jugend in Verbindung gebracht. Obwohl KTzG auch kurz im Finanzwesen aktiv war, ist aber nicht Gordon Gecko dafür verantwortlich, dass der Verteidigungsminister eine Frisur trägt, die auch an der afghanischen Front immer richtig sitzt – sondern Geckos deutscher Wiedergänger Kai Diekmann. Die Haare des Bild-Chefs und taz-Genossen zu plagiieren, bringt Guttenberg einen unschätzbaren Vorteil: Trotz des proletarischen Gestus seiner Zeitung hält Diekmann den Adligen für Seinesgleichen, was dem Freiherrn bei kleineren oder größeren Betriebsunfällen der Bundeswehr publizistische Schützenhilfe einbringt.

Helene Hegemann Im Jahr 1 nach Axolotl Roadkill kann natürlich niemand über den Plagiatsvorwurf nachdenken, ohne den Namen Hegemann sofort mitzudenken. Wer immer auch das Buch geschrieben hat (war es nun Blogger Airen, Papa Hegemann oder jemand ganz anderes?), das Prinzip Plagiieren hat Guttenberg jedenfalls von Helene Hegemann plagiiert. Wie viel Erfolg man damit haben kann, hat sie eindrücklich vorgeführt.

Frank Sinatra Einen seiner bleibendsten Auftritte hatte KTzG gleich zu Anfang seiner Zeit als Wirtschaftsminister. Auf einem USA-Trip posierte er für die Fotografen vor der Glitzer-Fassade des New Yorker Times Square. Die ikonografischen Bilder, die bei dieser Gelegenheit entstanden, sind natürlich – ohne allzu große Änderungen – von Frank Sinatra übernommen. Der sang sein New-York-schläft-nie-Lied wegen der höheren Gagen zwar am liebsten in Las Vegas, aber die Wüstenstadt glitzert im Dunklen ja mindestens genauso hell wie der Times Square.

Gustav Gans Am offensichtlichsten zu Tage tritt Guttenbergs dreistes Plagiieren aber bei einer Person aus Entenhausen. KTzG imitiert ganz frech Donald Ducks Vetter Gustav Gans. Dieser macht sich keine Sorgen über die Zukunft, strengt sich nicht besonders an und verlässt sich ganz auf sein Glück. Genauso wie Gustav Gans kann sich auch Guttenberg darauf verlassen, dass sich sein Schicksal immer wieder zum Guten wendet. Nachdem ihn etwa der Spiegel Ende 2009 als den "Entzauberten" auf den Titel hob, feierte das Magazin ihn knapp zehn Monate später dafür um so größer als neuen Bürgerkönig. Die Erfahrung lehrt also – auch aus den jetzigen Plagiatsvorwürfen wird Karl-Theodor von und zu Guttenberg nur noch stärker hervorgehen.

Kommentare (30)

Cassandra 16.02.2011 | 15:40

Passt ja hierzu, quasi als Antwort:

"Haben Sie sich nicht auch schon mal gefragt: Warum ist alles so perfekt an dem Mann? (...) Wir haben seit langem einen Verdacht: Das Supersternchen des Polit-Showgeschäfts, perfekt wie es ist, kann ken Mensch sein wie Du und ich. Der Mann ist wahrscheinlich höchstselbst ein Plagiat.

Beweisen allerdings können wir diese These nicht, denn zum Plagiat fehlt es an einer entscheidenden Voraussetzung: Zur Kunstfigur Guttenberg gibt es kein Original."

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Ehemaliger Nutzer 17.02.2011 | 00:53

@lisi stein
Da kein 2. juristisches Staatsexamen absolviert wurde, ist der Doc dringend angesagt. Mit dem1. Staatsexamen erhält man keine Zulassung als Anwalt, man kann nicht in die höhere Beamtenlaufbahn eintreten: ein Abschluss, der keiner ist.

Als seinerzeit der alte Flick erfuhr, daß einer seiner Enkel (oder beide?) Jura studieren wollten, war er entsetzt. "Jurist wird man nicht", hat er dem Vernehmen nach gesagt, "Juristen hält man sich."

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 17.02.2011 | 00:57

KTzG imitiert ganz frech Donald Ducks Vetter Gustav Gans. Dieser macht sich keine Sorgen über die Zukunft, strengt sich nicht besonders an und verlässt sich ganz auf sein Glück. Genauso wie Gustav Gans kann sich auch Guttenberg darauf verlassen, dass sich sein Schicksal immer zum Guten wendet.

In seinem Werk "Die Ducks - Psychogramm einer Sippe" weist der Autor Grobian Gans schlüssig nach, daß das sprichwörtliche Glück von Gustav Gans darauf zurückzuführen ist, daß er in Diensten des CIA steht, welche eventuell vor ihm auftauchende Hindernisse diskret beseitigt.

Ciao
Wolfram

Frank Linnhoff 18.02.2011 | 07:59

Dieser Freiherr ist ein perfektes Beispiel für den Marketingcharakter, wie ihn Erich Fromm beschrieben hat. Diese Menschen haben weder eine Identität noch sind sie kreativ tätig, sie passen sich allzeit, nach Art der Chamäleons, ihrer Umwelt an.

Problematisch wird es, wenn solch ein Mensch eine hohe Führungsposition in der Politik anstrebt. Dann darf er nicht als Nur-Chamäleon erkenntlich sein, er muss Vertrauen wecken.

Es sieht nicht gut aus für diesen Herrn.

Bernd Marnet 18.02.2011 | 11:38

Ich finde einige der Formulierungen des Hohnes und Spottes, denen der gegelte Minister nun gegenübersteht, sehr gelungen. Meine Favoriten sind "...vom Gladiator zum Plagiator" und Gustav Gans.
Abseits davon bleibt aber etwas zutiefst Ernstes. Wenn Leute, die ständig von Anderen Opfer abverlangen, Leistung einfordern und Einschnitte zumuten, selbst aber mit mehr als dubiosen Wegen ihre Posten ergattern, und das zu einem Massenphänomen wird, dann ist es sehr ernst.
Von Werten reden, sie dem Gegenüber (natürlich schlechter bezahlten und weniger einflussreichen Gegenübern) abverlangen, und sich selbst nicht an Werte halten - übel wird einem davon.

wilko0070 18.02.2011 | 13:58

Die "vergessenen" Gänsefüßchen

So wurde beispielsweise "'Aus vielem eines' – so lautete das Motto, unter dem vor rund 200 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden..." bei Guttenberg der Satz "'Aus vielem eines' – so lautete das Motto, unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden...", da Guttenbergs Dissertation nach dem FAZ-Artikel erschien.

Es ist auch erstaunlich, in welchen Bereichen die Plagiate auftauchen: u. a. in Abschnitten mit "Beurteilung" und "Stellungnahme" als Überschrift, wo Zitate überhaupt nicht hingehören. Und die "Krönung" ist natürlich der ganze kopierte Block aus der FAZ in der Einleitung!

Dass in den Abschnitten, in denen normalerweise die eigene Meinung des Autors dargelegt wird, die (kopierten) Ansichten von dritten Personen auftauchen, und dass Guttenberg trotz des fast 500 5eiten umfassenden Werkes keinerlei eigene Beurteilung und Stellungnahme vornimmt, lässt nur eine einzige logische Schlussfolgerung zu:
Die gesamte Dissertation ist höchstwahrscheinlich von einem Ghostwriter erstellt worden!

Asti 19.02.2011 | 10:09

Ich bin kein Fan von Herrn Guttenberg. Finde jedoch das ganze Theater etwas sehr aufgeblasen. Hier in der Schweiz ist das Thema Ghostwriter für Diplomarbeiten, Doktorarbeiten etc. ein aktuelles Thema in den Medien. Jeder der wissenschaftlich arbeitet und gearbeitet hat, weiss, dass es tatsächlich vorkommen kann, dass im Literaturverzeichnis mal etwas vergessen wurde. Da würde ich doch gerne die diesbezügliche Anlayse der Promotionsarbeiten anderer Politiker sehen. Hat dieses Land eigentlich keine anderen Probleme, die es zu lösen gilt?

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mandelbrot 19.02.2011 | 10:21

Naja Herr Guttenberg hat nicht "etwas vergessen" sondern an zahlreichen Stellen abgeschrieben- auch an Stellen wo man normalerweise nicht zitiert (Einleitung, eigene Schlussfolgerungen etc.). Zudem hat er die Zitate leicht abgeändert, was nicht dafür spricht das er die eigentlich nur zitieren wollte.

Es geht hier nicht um ein oder zwei Stellen wo man vergessen hat das Zitat anzugeben- das wäre ja vielleicht noch akzeptabel- wobei man sagen muss das auch hier normalerweise keine Toleranz gezeigt wird.

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Ehemaliger Nutzer 19.02.2011 | 10:47

@Asti
Jeder der wissenschaftlich arbeitet und gearbeitet hat, weiss, dass es tatsächlich vorkommen kann, dass im Literaturverzeichnis mal etwas vergessen wurde.

Du scheinst die ganze Geschichte von der Schweiz aus nur recht oberflächlich wahrgenommen zu haben.
Daß in einer längeren Arbeit Schnitzer (noch dazu solche formaler Art) vorkommen können, versteht sich. Es geht hier jedoch nicht um einige wenige Zitate, die versehentlich nicht als solche gekennzeichnet wurden, sondern um eine ganz unglaubliche Vielzahl dieser "Versehen".
Unter dem Link findest du eine kleine Graphik, in der jene Seiten der Arbeit mit schwarzen Balken gekennzeichnet sind, die solche nicht gekennzeichneten Anleihen bei anderen Autoren enthalten.
images4.wikia.nocookie.net/__cb20110218220806/guttenplag/de/images/d/dd/Plagiat_graphic.jpg
Genaueres über diese Übereinstimmungen findest du hier:
de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate

Es kommt hinzu: Wenn du eine wissenschaftliche Arbeit schreibst, um damit einen akademischen Titel zu erlangen, dann bist du normalerweise ganz wild darauf, jeden noch so kleinen Gedanken, den du bei einem anderen Autor gefunden hast, als solchen zu kennzeichnen. Damit signalisierst du ja nicht: "Leute, ich bin zu blöd, eigene Gedanken zu haben und diese zu formulieren", sondern "Leute, seht, was für ein belesener, hochgelehrter Mensch ich bin. Ich kenne die Schriften meiner Vorgänger, die früher bereits zu diesem Thema veröffentlicht haben."
Schau dir obige Graphik noch mal an. Wenn du zu den fremden Texten, die nicht als fremde Texte gekennzeichnet sind, noch jene dazu fügst, die gekennzeichnet sind, dann wirst du vermutlich kaum noch weiße Stelle in der Graphik haben.

Bemerkenswert ist ferner, daß diese anscheinend intellektuell sehr schmalbrüstige, von Verstößen gegen die akademischen Regeln nur so wimmelnde Arbeit mit der höchsten Stufe, also summa cum laude bewertet wurde. Bemerkenswert ist nicht zuletzt, daß ein so "gefährlicher" Text, stamme er nun (teilweise oder ganz) von einem Ghostwriter oder von Guttenberg selbst, vom Autor in einem wissenschaftlichen Fachverlag veröffentlicht und damit leichtfertig der öffentlichen Kritik ausgesetzt wurde.

Ciao
Wolfram

sport69 20.02.2011 | 18:09

Selbstverständlich kann man mal etwas vergessen. Selbstverständlich machen Menschen Fehler.
Man kann sich auch über Ghostwriting unterhalten.
Es ist aber nicht hinzunehmen, dass Teile einer Doktorarbeit vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages erarbeitet werden, der von meinen Steuern finanziert wird und ausschließlich dem Bundestag zur Verfügung steht. Das ist Betrug und damit ein erntshaftes Problem, was meiner Meinung nach so schnell wie möglich gelöst werden muss.

FreitagLeserGE 20.02.2011 | 20:26

Guttenberg-Dissertation: Mogelei, Fehler, Täuschung, Betrug? - -
Oberstufenschüler schreiben in NRW und anderen Bundesländern zur Einführung in wissenschaftliche Verfahren eine Facharbeit und werden dabei gezielt auf das Beurteilungskriterium „Selbständigkeit“ und auf exaktes Zitieren hingewiesen: Die wörtliche Übernahme fremder Textteile ist durch Zitatzeichen („…“) zu kennzeichnen, die paraphrasierende Übernahme oder Übernahme fremder Konzepte durch ein „Vgl.“ (= Vergleiche) oder „nach:..“ + Quellenangabe + Literaturliste; und man muss unterschreiben, dass keine anderen Hilfsmittel genutzt wurden. - Eklatante Verstöße werden als vollendete Täuschung eingestuft. Konsequenzen: „Bei einem Täuschungsversuch a) kann der Schülerin oder dem Schüler aufgegeben werden, den Leistungsnachweis zu wiederholen, wenn der Umfang der Täuschung nicht feststellbar ist, b) können einzelne Leistungen, auf die sich der Täuschungsversuch bezieht, für ungenügend erklärt werden, c) kann die gesamte Leistung für ungenügend erklärt werden, wenn es sich um einen umfangreichen Täuschungsversuch handelt. Wird eine Täuschungshandlung erst nach Abschluss der Leistung festgestellt, ist entsprechend zu verfahren.“ (NRW. APO-GOSt 2009. § 13.6) Ähnliches gilt für schriftliche Arbeiten im Studium. – Und dies sollte zu streng sein für eine Promotion?!!