Kommerzialisierung? Ja mei ...

Alltagskommentar Nach Olympia ist vor Beginn der Fußball-Saison: Bei Sportgroßereignissen steigen die gezahlten Summen ins Schwindelerregende. Das zerstört aber nicht den Kern des Sports
Sieger und Verlierer: Manche Dinge ändern sich einfach nicht, auch wenn die Übertragungsrechte noch so teuer werden
Sieger und Verlierer: Manche Dinge ändern sich einfach nicht, auch wenn die Übertragungsrechte noch so teuer werden

Foto: Jack Guez / AFP / Getty Images

Im Sport regieren die Zahlen. In Deutschland wohl noch stärker als im Rest der Welt. Daran erinnerte das vergangene Wochenende. Während in London die wegen ihrer Leichtigkeit und guten Stimmung beeindruckenden Olympischen Spiele zu Ende gingen, diskutierte man hierzulande über Tabellen mit Zielvereinbarungen, über versprochene und gewonnene Medaillen – und übers Geld. Sportbürokraten hängen mit ihrer Förderung nach Gewinnquoten an jede deutsche Medaille ein Preisschild.

Überhaupt das Geld, es wird ihm ja für den Sport heute eine überragende Bedeutung zugeschrieben. Je nach weltanschaulichem Standpunkt ermöglicht es dabei überhaupt erst Spitzenleistungen – oder versaut dem „echten Fan“ den Genuss des Ereignisses so sehr, dass er sich zum Boykott genötigt fühlt. Die Debatte, wie viel Kommerzialisierung der Sport verträgt, entzündet sich gern an olympischen Großsponsoren wie McDonald’s oder Coca-Cola. Aber auch an Meldungen wie jener, dass die am 24. August startende Fußball-Bundesliga die TV-Rechte für die nächsten vier Spielzeiten für die Rekordsumme von 2,5 Milliarden Euro verkauft hat.

Unterstellt wird von den Kommerzkritikern, dass – wo solche Summen zirkulieren – der an sich reine Sport unwiederbringlich verfälscht wird. Die Vorstellung eines interessenfreien, nur dem Fair Play verpflichteten Kräftemessens ist aber so etwas wie Jean-Jacques Rousseaus Naturzustand: als Denkfigur ganz interessant, nur hat es das nie gegeben. Die Klage von der Dominanz des Geldes im Sport ist Teil jenes größeren Reflexes, der die Gegenwart immer nur als eine schlechtere, herabgesunkene Version der Vergangenheit wahrnimmt.

Immer mehr Geld, und dennoch ...

Die Spiele von London haben nämlich auch das gezeigt: Ja, es wird immer mehr Geld umgesetzt. Und nein, das macht den Kern des Sports nicht kaputt. Im Finale der Basketballer konnte man am vergangenen Sonntag beobachten, wie sich NBA-Star Kobe Bryant, der 52 Millionen US-Dollar pro Jahr verdient, wie ein Schuljunge über den Gewinn der Goldmedaille freute. Und wie er aus Respekt vor der Leistung seines spanischen Gegenspielers diesen minutenlang tröstend in den Arm nahm.

Und wenn Arjen Robben nun in der neuen Bundesliga-Saison im entscheidenden Spiel gegen Borussia Dortmund wieder den Ball auf den Elfmeterpunkt legt und anläuft, dann verdienen daran natürlich die Deutsche Fußball-Liga und der Pay-TV-Sender, der live übertragt. Aber das zerstört nicht die Magie des entscheidenden Moments.

Obwohl, eins ist jetzt auch schon klar: Robben wird es wieder versemmeln.

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