Mit ein bisschen Hilfe von Netz-Freunden

Netzgeschichten Das Verhältnis zwischen Journalisten und Netzgemeinde ist schwierig. Aber einige Internet-Projekte suchen eine sinnvolle Verbindung zwischen Presse und Schwarmgeist

Das Verhältnis zwischen Internet­gemeinde und Journalisten ist bekanntlich nicht ganz einfach. Während sich die einen durch Gratiskultur und Blogger oft in ihrer beruflichen Existenz bedroht fühlen, misstrauen viele Internetbegeisterte den traditionellen Medien. Mittlerweile gibt es aber vor allem in den USA mehrere Netz-Projekte, die statt wenig ergiebiger Fehden lieber eine sinnvolle Verbindung zwischen Journalismus und Weisheit der Vielen versuchen.

Die Seite hacktweets.com will Journalisten helfen, Twitter als Recherchemittel zu benutzen. Zu bestimmten Themenfeldern hat Hacktweets eigene Twitter-Gruppen eingerichtet. Wer etwa zur Gesundheitspolitik eine spezielle Frage hat, kann sie über Twitter an Fachkundige stellen und erhält schnell eine Antwort. Als Erfolgsgeschichte bei der Verbindung von Journalismus und Web 2.0 gilt spot.us. Dort können freie Journalisten durch Mikrospenden Geld für Rechercheprojekte sammeln. Die Reporterin Lindsey Hoshaw brachte so 10.000 Dollar für eine Reise in den Nordostpazifik zusammen. Ihr Text über die Folgen von Müllverklappung im Ozean erschien in der New York Times. Die Spenden musste sie nicht zurückzahlen.

Auch die Betreiber der Seite mediabugs.org wollen ihr Projekt keineswegs als Journalistenpranger verstanden wissen. Die Idee der drei Männer aus San Francisco: Die positiven Erfahrungen aus der Programmierung von Open-Source-Software auf den Journalismus übertragen. Bei Software ist es üblich, dass die Nutzer auf einer Webseite Fehler melden und diese dann behoben werden. Warum sollte das im Journalismus nicht auch möglich sein? Schließlich, zitieren die Mediabugs- Macher eine Studie, enthalten bis zu 59 Prozent aller journalistischen Texte Fehler – nur knapp zwei Prozent werden korrigiert. Weil aber viele Redaktionen kaum zugänglich sind, soll die Seite als Forum den Austausch von Journalisten und Öffentlichkeit fördern. Vorerst will man sich dabei auf die Berichterstattung rund um San Francisco beschränken.

Etwas schwer tut man sich noch mit der Abgrenzung, was ein Fehler ist, der einen eigenen Post verdient. Rechtschreibfehler und Beschwerden über parteiische Berichterstattung möchte man nicht auf der Seite. Die Kritik soll sich auf handwerkliche Fehler konzentrieren: Unverständlichkeit, unterschlagene Fakten, unzureichende Recherche. Der Journalismus soll besser werden. Und dabei, so sind die Mediabugs-Macher überzeugt, kann das Netz ganz gut mithelfen.

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