Scheiß drauf!

Eventkritik In Berlin stellte Bud Spencer seine Autobiographie vor. Er plauderte über Terence Hill, seine Film-Karriere und sein Lebensmotto. Nur von Politik wollte er nichts wissen

Die Straße am Gendarmenmarkt ist abgesperrt, Polizisten in Zweier-Teams patrollieren, ein Hubschrauber dröhnt über den Häusern – das alles für ihn? Ganz so viel Aufwand wird für den Berlin-Besuch von Bud Spencer dann doch nicht getrieben. Die Sicherheitsmaßnahmen gelten dem Treffen der Nato-Außenminister. Zur Bud-Spencer-Pressekonferenz am Donnerstagvormittag gelangt man ohne Sicherheitschecks. In der Lobby eines feinen Berlin-Mitte-Hotels haken zwei Pressefrauen des Verlags, in dem gerade seine Autobiographie (Mein Leben, meine Filme Schwarzkopf Schwarzkopf) erschienen ist, die lange Liste der Journalisten ab, die sich akkreditiert haben, um Mücke, Banana Joe, Plattfuß oder einfach: Buddy zu treffen.

Der Pressekonferenz-Saal ist im Stile eines Barock-Schlosses eingerichtet. Täuscht es oder drängen sich in dem vollen Raum tatsächlich mehr Dicke, als man sie sonst auf ähnlichen Veranstaltungen trifft? In der Reihe vor einem sitzt ein Mann, der vor Umfang an Ottfried Fischer gemahnt. Auf dem kleinen Podest wuselt ein dicker Mann in weitem Anzug herum. Am Tisch, an dem es Kaffee gibt, plaudern zwei korpulente Frauen. Unter die Presse haben sich auch einige Hardcore-Bud-Spencer-Fans gemischt, der Verlag dankt im Buch ausdrücklich einem Bud-Spencer-Fanprojekt für die Mitarbeit.

Hemmungslose Verehrung

Das Auftreten der Stämmigen erklärt schon ein Stück weit die Popularität, oder besser hemmungslose Verehrung, die Carlo Pedersoli alias Bud Spencer in Deutschland entgegenschlägt. Dieses wohlige Buddy-Gefühl, eine Mischung aus Kindheitserinnerungen an unzählige Stunden mit Bud Spencer und Terence Hill – und dem Bruch mit Konventionen, die einem vorschreiben, wie man auszusehen und sich selbst zu disziplinieren habe. Bud Spencer steht mit seiner Leibesfülle und den unzähligen Fress-Szenen gleichzeitig für Exzess und Gemütlichkeit. Er ist ein Star aus jener Zeit, als Dicke noch nicht als willensschwache, sondern als besonders gutmütige Zeitgenossen galten.

Dann betritt er den Raum. Auf einen Stock gestützt, besteigt er das Podest. Für einen Moment denkt man, der Maskenbildner hat ganze Arbeit geleistet und Bud Spencer auf alt geschminkt, bevor man sich daran erinnert, dass da tatsächlich ein 81-Jähriger für die Fotografen posiert. Es wird gedrängelt, geschubst, die Kameras klicken. "Buddy, Buddy, please look this way."

Spencer nimmt Platz, zu seiner Rechten sein deutscher Verleger, zu seiner Linken die Übersetzerin. Er beginnt mit tiefer Stimme (wenn auch nicht ganz so tief, wie sein deutscher Synchronsprecher Wolfgang Hess) auf Italienisch zu erzählen. Er sagt, dass er sich nicht als Idol, sondern als ganz normaler Bürger sehe. Dass Terence Hill immer noch ab und zu bei ihm in Rom zum Essen vorbeikomme und er dann mal eine richtige Portion Spaghetti bekomme. "Seine Frau gibt ihm ja nichts zu essen, weil er schlank bleiben soll."

Er erzählt, dass er zufällig zur Schauspielerei gekommen sei, dass er auch mal Regie geführt habe, dass es überhaupt nur zwei Dinge gebe, die er nicht könne: "Ballett und Reiten". Außerdem laute sein Lebensmotto Futteténne – scheiß drauf! Wenn einem etwas Schlechtes widerfahre, man Sorgen habe oder auf jemanden neidisch sei – scheiß drauf! So einfach kann die Welt sein, wenn man sie durch die Augen von Bud Spencer sieht.

Forza Italia?

Die Journalisten fragen nach seiner Freundschaft mit Terence Hill, ob wirklich alles so einfach gewesen sei in seinem Leben und was er nach der Autobiographie denn nun so vorhabe. Der taz ist das Ganze dann aber doch zu unpolitisch. Wie das denn mit seiner Kandidatur bei den italienischen Regionalwahlen für Forza Italiagewesen sei? Ob er das bereue? Spencer spricht davon, dass er Berlusconi zwar kenne, aber auch alle Politiker der Linken. Er gehöre keiner Partei an. Aber wie war das nun mit der Kandidatur, hakt der taz-Redakteur nach. Er habe nie für Forza Italia kandidiert, sagt Spencer. Nicht nur sein Wikipedia-Eintrag sagt etwas anderes, auch in einem älteren Interview hatte er von der Kandidatur erzählt.

Aber ist das überhaupt die richtige Kategorie, mit Bud Spencer über Politik zu diskutieren? Verändert es seine Filme, ja sein Werk, zu wissen, dass er 2005 mal für Forza Italia kandidierte und heute davon nichts mehr wissen will? Alles also doch nicht eine so ungebrochene, anstrengungslose Erfolgsgeschichte, wie er es in seiner Autobiographie erzählt? Am Denkmal zu kratzen, gehört natürlich genauso wie die bedingungslose Verehrung zum Helden-Diskurs. Bud-Spencer-Terence-Hill-Filme seien eben auch "Früchte der Regression", schrieb die Zeit unlängst. Dazu könnte man nun wieder viel sagen – vorrechnen, wie oft die Mächtigen und Reichen in den Filmen verdroschen werden ... Aber ach, Futteténne!

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16:55 14.04.2011

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