Wer sich zuerst bewegt...

Showdown Das TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und ihrem Herausforderer Steinmeier verspricht vor allem eins: Langeweile. Dabei können Duelle so unterhaltsam sein. Eine Auswahl

Es ist ein uraltes Muster, um Spannung zu erzeugen: Das Duell, die Konfrontation zwischen zwei Gegenspielern, verspricht Anspannung, Abwechslung, geistreichen Schlagabtausch, kurzum: beste Unterhaltung. Bei dem Showdown zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier ist allerdings nichts von alldem zu erwarten. Dabei gibt es viele Beispiele, die zeigen, wie man die Zuschauer fesseln könnte. Eine kleine Auswahl

Das Western-Duell

Von Hollywood in unzähligen Varianten erzählt, prototypisch in dem legendären Aufeinandertreffen zwischen Henry Fonda als Schurken und Charles Bronson als Rächer in eigener Sache in Spiel mir das Lied vom Tod. Wichtig: Überhöhung des Showdowns durch pathetische Musik, die zum richtigen Zeitpunkt in absolute Stille wechseln muss. Weiter wichtig: lange Kameraeinstellungen, ruhige Bewegungen, ausdrucksloses Gesicht – wer zuerst zuckt oder eine Grimasse zieht, verrät Nervosität und wird deshalb immer verlieren. Seine besondere Spannung bezieht das Western-Duell natürlich daraus, dass es hier um alles geht, um Tod oder Leben. Das möchte man den Kombattanten Merkel und Steinmeier nun nicht zumuten, aber die Spannung würde es unweigerlich erhöhen, wenn die Bürger den Eindruck hätten, dass es um etwas mehr ginge als um die Wahl zwischen Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot.

Was die Politiker hier lernen können? Immer Augenkontakt halten.

Das Star-Wars-Duell oder wenn der Gegner zu ähnlich ist

Dass Darth Vader drei Star-Wars-Folgen lang versucht, Luke Skywalker auf die Seite des Bösen zu ziehen, wäre nicht so wirklich spannnend, wenn nicht, ja, wenn sich die beiden nicht so ähnlich wären. Skywalker muss schließlich nicht nur gegen einen bösen Mann mit Atemmaske und schwarzem Umhang kämpfen, sondern zugleich auch gegen seinen Vater und damit gegen einen Teil von sich selbst, gegen seine dunklen Sehnsüchte. Egal, ob man nun Merkel oder Steinmeier auf der dunklen Seite der Macht verortet, ist offensichtlich, dass in dieser Ähnlichkeitskonstellation für das Aufeinandertreffen ein gewisses Potenzial steckt. Wenn Merkel etwa dem Herausforderer anbieten würde: "Frank-Walter komm mit mir, zusammen können wir die Galaxie beherrschen."

Was die Politiker hier lernen können? Immer auf die Hände achtgeben.

Das Kojote-Roadrunner-Duell

Es ist ein endloses Duell, hingezogen über unzählige Teile der legendären Zeichentrickserie. Willi E. Coyote hat den Roadrunner zum Fressen gern und jagt ihn deshalb durch die Wüste. Dabei wird unnachahmlich gezeigt, wohin es führen kann, wenn man etwas blind hinterher hetzt. Der Kojote ist dem schnellen Vogel hoffnungslos unterlegen – und läuft tollpatschig gegen Felswände oder über einen Abgrund, dort bleibt er einen Moment in der Luft stehen, bevor er abstürzt. Die Verbissenheit des Kojoten gibt dem Duell aber seinen speziellen Drive, ein unbedingter Siegeswille, dem man Herausforderer Steinmeier nun wirklich nicht nachsagen kann.

Was die Politiker hier lernen können? Vorsicht vor dem Abgrund.

Das Brandt-Kohl-Duell oder: Auch mal aus der Haut fahren

Heute sind Spitzenpolitiker durch viele Stunden Medientraining gegangen, bevor sie in das Licht der Fernsehscheinwerfer treten. Berater haben ihnen erklärt, wie sie sich vor der Kamera zu geben haben, wie sie Attacken kühl parieren können, wie sie ihre Nervosität und ihren Unmut über den politischen Gegner geschickt verstecken. Das war nicht immer so. In alten Fernsehaufzeichnungen kann man sehen, dass Politiker einst noch richtig ausflippen konnten. Berühmt-berüchtigt etwa der "Kanzlerstreit" zwischen dem damals amtierenden Kanzler Kohl und dem ehemaligen Kanzler Brandt. Besonders schön, wie Brandt darauf beharrt, auch den Bundeskanzler "anbrüllen zu können, wenn er die Unwahrheit sagt". Damals war die SPD aber auch noch die stärkste Partei in Nordrhein-Westfalen, tja....

Was die Politiker hier lernen können? Ausflippen kann auch ganz sympathisch sein.


Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

12:10 13.09.2009

Ausgabe 42/2021

Hier finden Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe

3 Ausgaben kostenlos lesen

Der Freitag ist eine Wochenzeitung, die für mutigen und unabhängigen Journalismus steht. Wir berichten über Politik, Kultur und Wirtschaft anders als die übrigen Medien. Überzeugen Sie sich selbst, und testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos!

Kommentare 7

Avatar
anna- | Community