Gysi und die irren Israelhasser

Linke Antisemitismus Der Vorfall auf der Bundestagstoillette ist keine Attacke irrer Israelgegner, sondern ist Ausdruck einer Sprachlosigkeit der Linken.
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Viele Reden von Herrn Gysi sind für mich Sternstunden des Parlamentarismus. Er würde im Bundestag sehr fehlen. Als ich die Meldung gelesen habe, dachte ich zuerst hier haben ein paar Teenager einen üblen Scherz gemacht. Auch kamen mir Gedanken hier haben fanatische Hamas-Fans Herrn Gysi bedrängt. Ich interessierte mich für den Hintergrund. Interessant ist, daß keine Zeitung auf die Personen einging die Herrn Gysi im Bundestag gestalkt haben. Das es sich hier um Stalking handelt steht außer Zweifel. Interessant wird die Sache, wenn man nachschaut wer hier gestalkt hat. Max Blumenthal ist ein Journalist, der für die New York Times oder viele andere Zeitungen geschrieben hat und zwei Bücher veröffentlicht hat. Ein Buch beschäftigt sich mit der Konservativen Partei, das andere ist für die Thematik interessanter: Es heißt Life and Loathing of Greater Israel und beschäftigt sich laut Wikipedia mit der Finanzierung Israel durch amerikanische Lobbyisten. David Sheen ist ein Journalist, der von mir sehr geschätzten Zeitung Haaretz. Der einzigen verbliebenen liberalen Zeitung Israels. Um mich mehr zu informieren, habe ich nach Interviews auf You Tube gesucht und bin fündig geworden. Leider nicht bei Panorama oder bei Spiegel Tv , sondern bei Russian Television. Blumenthal zeigte in diesem Interview keine Reue, sondern fühlt sich als Opfer der Medien und der Zensur von Herrn Gysi. Er macht ihn dafür verantwortlich, daß eine Veranstaltung nicht in der Volksbühne stattfinden konnte, sondern in ein kleines Szenecafe verlagert werden mußte. Ich begann den Namen Blumentahl zu googeln. Für mich stellen sich hier einige Fragen. Viele Worte von Herrn Blumenthal sind starker Tobak. Er wirft Israels Regierung der Föderung von Rassismus vor. In einem Artikel über die Veranstaltung werden extreme Thesen zitiert. So sollen dort Vergleiche zu den Nürnberger Gesetzen gezogen worden sein. Rechte in Israel wollen angeblich Ehen zwischen Muslims und Juden verhindern. Solche unseligen Vergleiche haben leider eine lange Tradition. Dann las ich die Liste der schlimmsten Antisemiten und war geschockt. Ist die Reaktion des Wiesenthal Centers ihn zu einem der 10 schlimmsten Antisemiten der Welt zu erklären angemessen? Ich kann mir das nicht vorstellen, auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe. Die Liste seiner Journalistischen Tätigkeiten zieht sich durch die ganze linksliberale Presse. Der Vater ist ein Berater von Frau Clinton. Irgend etwas paßt hier nicht zusammen. Eigentlich eine Aufgabe unserer Presse, diese Frage zu klären. Doch hat man die beiden einfach zu Irren und Psychophaten erklärt. Die zweite Frage ist: Rechtfertigt so etwas eine Ausladung oder wäre es nicht sinnvoll gewesen, wenn Frau Pau, Gysi und Volker Beck sich direkt den beiden gestellt hätten. Es kam anders. Hier stehen nun die Linken Abgeordneten in der Kritik, die die beiden eingeladen haben. Die Medien versuchen hier eine Kumpanei der Abgeordneten mit den beiden zu kontruieren. Auch hier stellt sich die nächste Frage, ob man als Abgeordneter nicht auch Leute einladen kann, deren Meinung man nicht teilt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Schließlich ist nicht jeder Abgeordnete für seine Besucher verantwortlich. Ich kann mich noch an einen Vorfall im Bundestag in den 80er Jahren erinnern, als der Abgeordnete Reents eine Gruppe Punker aus der Hafenstraße eingeladen hatte, die im Bundestag Stühle demolierten. Damals hat die Presse den Abgeordneten als naiv hingestellt und nicht behauptet er hätte sich an der Randale beteiligt. So aber wurde die Sache in der Presse dargestellt. Die einladenden Abgeordneten hätten mitgemacht und Gysi auch bis zum Klo verfolgt. Für mich sahen die beiden auf dem Video eher sehr hilflos aus. Der Vorfall zeigt auch, daß wir in eine Kultur der Vereinfachungen und Feindbilder geraten, die der kritischen Auseinandersetzung mit Israel nicht gut tut. Leute die Nazivergleich hier anstellen, muß die rote Karte gezeigt werden. Doch Dialog ist trotzdem wichtig. Verhinderung von Veranstaltungen und Ausschlußforderungen gegen Abgeordnete sind fehl am Platze. Außerdem würde sich mir wünschen, wenn der Freitag eine kritsche Rezension des Buches von Herrn Blumenthal abdruckt. Gerne auch von Herrn Gysi.

20:42 03.12.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

jan Stephan

Mich interessiert Arbeitsmarkt, Außenpolitik und die Bundeswehr. Doch ich schreibe auch gerne über Film und Fernsehen
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