Jana Hensel
02.03.2012 | 12:00 13

Der Anti-Gauck

Im Gespräch Es ist leichter, Bundespräsident zu werden als ein richtiger Oppositioneller zu bleiben. Warum Hans-Jochen Tschiche Joachim Gauck für einen Falschspieler hält

Bruder Tschiche, wie Hans-Jochen Tschiche sich nennt, wenn er über sich in der 3. Person spricht, hat zwar noch kein biblisches Alter, aber ein sehr stattliches erreicht. Der 82-jährige ehemalige Pfarrer steigt deshalb nicht mehr jede Treppe hinunter, wenn es nicht sein muss. Stattdessen öffnet er das Fenster im ersten Stock und ruft mit fester Stimme den Gästen entgegen: „Die Tür ist offen, die ist immer offen. Auch nachts. Das macht man auf dem Dorf so.“ Nun, ob das hier in der Magdeburger Börde, genauer in Satuelle, wirklich jeder macht, weiß man nicht. Wahrscheinlich hat hier auch nicht jeder die Wohnung voller Bücher; der neue Götz Aly liegt neben dem Klo, Kathrin Passig auf dem Nachttisch. Bei der Arbeit im Garten, auf den man von hier aus blicken kann, helfen zwei aus der Haft entlassene Sexualstraftäter, für die Tschiche eine Art Patenschaft übernommen hat, erzählt er. Nachdem er auf freitag.de und in der Süddeutschen Zeitung schrieb, dass Joachim Gauck in der DDR kein Oppositioneller gewesen ist, steht sein Telefon nicht mehr still. So normal also ist Bruder Tschiche.

Der Freitag: Herr Tschiche, Sie sind also ein richtiger Bürgerrechtler.

Hans-Jochen Tschiche: Nein, da muss ich Ihnen widersprechen. Ich bin kein Bürgerrechtler. Diesen Namen haben sie uns im Westen gegeben, das Wort kannte ich zu DDR-Zeiten gar nicht. Wir haben uns damals als Opposition bezeichnet. Das brachte immer Ärger mit der Kirche. Als wir Anfang der 1980er Jahre, da war ich Leiter der Evangelischen Akademie in Magdeburg, das Netzwerk der Friedensgruppen gegründet hatten, ging es uns im Laufe der Zeit immer mehr darum, das Treibhaus der Kirche zu verlassen und die Freilandpflanzung der Öffentlichkeit zu erreichen. Die Kirche war immer eine Schutzmantel- Primadonna, aber sie hat uns auch domestiziert.

Wie ging das?

Irgendwann lief bei mir ein Kirchenfunktionär auf und sagte: Bruder Tschiche, wenn Sie sich in der Öffentlichkeit äußern, dann denken Sie daran, dass der staatliche Partner nicht sein Gesicht verlieren darf.

Aber Sie sind doch auch ein ­Kirchenfunktionär gewesen?

Ja schon, aber das war einer, der sich um den Erhalt der Organisation sorgte. Meine Vorgesetzten haben immer gemeint, der Bruder Tschiche, der riecht nicht richtig nach Kirche. Heute sage ich mir, die Chefetagen mussten natürlich versuchen, eine Großorganisation unter den damaligen Bedingungen über die Runden zu bringen. Wenn alle so gewesen wären wie ich, wäre ihnen der Laden um die Ohren geflogen. Wenn wir aber nicht gewesen wären, sähen sie heute schlecht aus.

Wann ist Ihnen denn das Wort „Bürgerrechtler“ zum ersten Mal passiert?

Ich muss gestehen, das ist mir erst in letzter Zeit richtig bewusst geworden. Durch die Kandidatur von Joachim Gauck höre ich es nun immerzu. Aber „Bürgerrechtler“ klingt für mich so, als hätten wir damals gewollt, dass alles so wird wie heute. Joachim Gauck versteht die Demokratie ja auch als ein System, das in erster Linie für Freiheit steht. Mit der Frage der sozialen Gerechtigkeit hat er Schwierigkeiten. Wir sind aber damals nicht nur für die Freiheitsrechte angetreten, sondern es ging uns um drei Dinge: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und wir vertraten eine grundsätzliche Kritik der modernen Industriegesellschaft.

Was ist denn eigentlich aus den Dissidenten von damals geworden?

In der Regel nüscht. Diese Leute passten und passen in kein Schema. Ich bin ja auch nach 1989 ein Oppositioneller geblieben, meine nächste Sünde war die von der PDS tolerierte Minderheits­regierung in Magdeburg.

Wann sind Sie Joachim Gauck zum ersten Mal begegnet?

1990 in der Volkskammer. Ich kannte ihn nicht, hatte ihn noch nie gesehen. Er gehörte keiner oppositionellen Gruppierung an. Unser Eckermann, also die Stasi, sagte ja, dass die Opposition damals rund 2.000 bis 3.000 Leute umfasste. Wir waren also nicht viele, aber wir waren doch einige.

Wie ist er Ihnen damals erschienen?

Ich war so ein Alternativnik, langer Bart, ungebügelte Hosen, ein zerknittertes Hemd, ein Typ mit linker Gesinnung. Mein IM schrieb damals in der Akte: „Der Tschiche sieht aus wie ein Strauchdieb.“ Gauck, mit dem ich damals sogar mal eine Nacht in einem Hotelzimmer schlief, war gut gekleidet, elegant, mit selbstbewussten Bewegungen. Er fuhr damals sofort in den Westen und besuchte dort irgendwelche Leute. Das heißt, da stießen zwei Welten aufeinander. Ich selbst wollte nie im Westen ankommen.

Haben Sie gedacht: Wo kommst du denn her?

Nee, ich fand ihn eigentlich ganz interessant. Er war anders als ich, aber ganz schön spannend. Jo­achim Gauck war so solide, die Verkörperung des in der DDR fast verschwundenen Bürgertums. Er hat als Pfarrer in Rostock ganz gewiss offene Worte innerhalb der Kirchenmauern gesagt, aber er hat die Grenzen der Gemeinde im Gegensatz zu uns nie überschritten.

Werfen Sie ihm das vor?

Nein, das kann man nicht. Aber man kann ihm vorwerfen, dass er dem, was man jetzt aus ihm machen will, nicht widerspricht und sagt: Leute, nun macht mal langsam. So ist es nicht gewesen.

Betreibt er Etikettenschwindel?

Ach, wissen Sie, bei Joachim Gauck kann man eine Art Schauspiel betrachten, das der kindlichen Eitelkeit. Es ist fast niedlich, wie eitel der Kerl ist. Ich beschimpfe ihn nicht, ich zähle nur auf, was ist. Aber ich sage auch, dass ich ihn für einen aufrechten Kerl halte. Nur das eine, ein Widerständler, das ist er nicht. Aber genau auf diesem Ticket erobert er nun die Sympathien der Westdeutschen.

Was glauben Sie, wofür steht Gauck?

Nun, er sagt ja selber, was er ist: ein linker, liberaler Konservativer. Das kriege ich in meiner Birne nicht zusammen. Er ist von Hause aus ein konservativer Mann, er ist wie unsere Angela. Er betrachtet die Bundesrepublik als alternativlos. Aber alternativlos, das sage ich Ihnen, ist nur der liebe Gott. Aber wo Menschen leben und arbeiten, gibt es Alternativen. Gauck sagt auch: Ich bin endlich dort angekommen, wo ich immer hinwollte. Aber ein Bundespräsident müsste fragen: Wie geht es morgen weiter?

Worin unterscheidet er sich von Ihnen oder von anderen ehemaligen Oppositionellen?

Wir wollten auf keinen Fall die DDR abschaffen, sondern einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Ich selbst war fünfzehn, als der Krieg vorbei war und mir wurde eingehämmert, wer an der Nachkriegsordnung, also an der Teilung Deutschlands, etwas ändern wollte, der provoziert den Dritten Weltkrieg. Das hat viele Jahre auch in der Bundesrepublik gegolten. Die deutsche Einheit ließ sich damals einfach nicht denken.

Sie haben in Ihrem Text „Gauck ist die falsche Person“ geschrieben: „Jetzt breche ich mein Schweigen“. Warum?

Manche sagen ja über mich, ich sei ein Querulant. Aber das bin ich nicht. Ich bin ein kritischer Zeitgenosse. Aber ich hatte einfach Hemmungen zu sagen, der Kaiser hat keine Kleider an. Weil ich Gauck ja mag. Das ist mein Problem, ich mag den Kerl eigentlich. Während der ersten Kandidatur habe ich meinen Mund gehalten. Da haben sie ihn ja nur geholt, um die Merkel zu ärgern. Aber nun, wo er tatsächlich gewählt wird, plagt mich mein Gewissen. Ich sage mir, Tschiche, wenn Du nicht den Mund aufmachst und zu dem Falschspieler was sagst, kannst Du auch später nichts mehr sagen. Außerdem bin ich sicher, dass es mit Gauck noch ordentlich Theater geben wird. Die Grünen werden noch bitter über all das weinen, was Gauck so von sich gibt. Mich wundert auch, dass nun zwei Ostdeutsche, die gelernt hatten, sich in der DDR anzupassen, nun als Trümmermann und Trümmerfrau für die Westdeutschen benutzt werden. Das ist doch interessant.

Aber Angela Merkel hat hat immer gesagt: Ich war FDJ-Sekretärin.

Sie hat sich nie zur Bürgerbewegung gezählt, das ist richtig. Auf dem Widerstandsticket ist Angela Merkel nie gefahren.

Wurde der Status des Bürgerrechtlers nach dem Mauerfall wie auf dem Schwarzmarkt gehandelt und Sie passen nun auf, wer wirklich dazu gehörte?

Nein, ich bin nicht der Kettenhund der Opposition, sondern es geht speziell um Gauck. Ansonsten ist mir völlig wurscht, wer sich den Status anheftet. Aber ich verlange von einem intelligenten Menschen, dass er unterscheidet, was er war und was nicht. Von mir aus kann Gauck ruhig sagen, dieser verrückte Haufen Oppositioneller war mir schon immer suspekt. Mit denen wollte ich nichts zu tun haben. Ich habe meinen Stiefel gemacht.

Aber wenn man Ihren Gedanken weiterdenkt, dass jetzt zwei Ostdeutsche das Land führen, die in der DDR ein angepasstes Leben geführt haben …

Ich würde es vorsichtiger formulieren: Angela Merkel und Joachim Gauck haben ein Leben geführt, das näher an der Anpassung als am Widerstand war. Das sagt vor allem, dass die westdeutsche Politik Leute braucht, die keine Kanten haben, eher glatt geschliffen und nicht besonders eigenwillig sind. Es gibt doch viele Leute, die gehen mit Idealen in die Politik und am Ende sehen sie aus wie ein abgelutschter Kieselstein.

Aber fügt sich Gauck nicht auch einem unsichtbaren Druck des Westens? Er spürt, dass er umso mehr geschätzt wird, je stärker er sich als Widerständler inszeniert.

Der Westen glaubt noch immer, dass wir ein falsches Leben geführt haben. Es könnte schon sein, dass das immer noch die Nachwehen des Kalten Krieges sind. Und Gauck profitiert davon. Obwohl ich natürlich weiß, dass das System des Stalinismus menschenverachtend war, aber Veränderungen in der Gesellschaft sind eigentlich immer von den Linken ausgegangen, nicht von den Konservativen.

Viele der ehemaligen Oppositionellen wirken oft wie Leute aus der Vergangenheit. Zu den aktuellen Problemen Ostdeutschlands äußern sie sich quasi nie.

Viele Opferverbände, also jene, die sich um die Aufarbeitung des DDR-Unrechts kümmern, sind in ihrem Hass gefangen und in der Gegenwart nicht angekommen. Für sie war die Anerkennung durch den Westen so etwas wie ein Adelsschlag. Damit haben sich viele zufrieden gegeben. Ich habe mal geschrieben: Ich habe einen angestammten Platz und der ist zwischen den Stühlen. Da fühle ich mich am wohlsten. Das ist meine Form von Konservatismus.

Das Gespräch führte

Jana Hensel

Ein kritischer Zeitgenosse, kein Querulant

Hans-Jochen Tschiche wurde 1929 in Kossa/ Sachsen geboren. Nach dem 2. Weltkrieg studierte er Theologie, damals noch in Ost- und Westberlin, dann arbeitete er als Pfarrer. Tschiches Leben lässt sich anhand der politischen Großereignisse des letzten Jahrhunderts erzählen: Bereits 1968 kritisierte er den Einmarsch der russischen Armee in Prag, als Leiter der Evangelischen Akademie in Magdeburg wurde er zu einem der Wegbereiter der DDR-Friedensbewegung. Im September 1989 gründete er das Neue Forum mit, später wählt man ihn in die letzte Volkskammer.

1990, zurück in Sachsen-Anhalt, baute er dort die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf. Als Fraktionsvorsitzender im Landtag erlangte er 1994 als Architekt des Magdeburger Modells deutschlandweit Bekanntheit. Wolfgang Höppners SPD bildete mit Tschiches Grünen eine Minderheitsregierung, die von der PDS geduldet wurde. Dieses Bündnis wurde scharf attackiert. Tschiche selbst bewies damit aber einmal mehr, dass er auch nach der Wiedervereinigung unbequem blieb und unkonventionelle Wege schätzt. Mittlerweile hat man ihm dafür das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Hans-Jochen Tschiche lebt heute in Satuelle bei Haldensleben, schreibt Bücher und engagiert sich noch immer in zahlreichen Vereinen. Für einen Homo Politicus wie ihn versteht sich das von selbst. JaH

Kommentare (13)

Nietzsche 2011 02.03.2012 | 13:48

„meine nächste Sünde war die von der PDS tolerierte Minderheits¬regierung in Magdeburg.“
Das war schon ein erstaunlicher Wandel. Als ich Tschiche in der Wendezeit erlebte – ich saß 1990 für DJ im Wahlkampfstab der Bürgerbewegungen Sachsen-Anhalt -, wirkte er auf mich wie ein „Kommunistenjäger“; voll pauschal gegen SED. Und dann wenige Jahre später die PDS toleriert.

Wer ein Foto von Tschiche im Jahre 1990 – „Strauchdieb“ – sehen möchte, dem sei „Anstiftung zur Gewaltlosigkeit“ (ImpulsVerlag) empfohlen.

Magda 02.03.2012 | 14:28

Prima Interview. Stimmt, die werden sich noch wundern, was der so von sich gibt. Oder ...er macht stromlinienförmig alles mit sich machen. Man darf gespannt sein.

@ Nietzsche 2011
"wirkte er auf mich wie ein „Kommunistenjäger“; voll pauschal gegen SED. Und dann wenige Jahre später die PDS toleriert."

Das erinnert mich an mich selbst. Ging mir genau so. Wir waren so in Zorn über die alten Genossen, aber das hat sich geändert, weil auch die sich geändert haben. Und man ja auch Erfahrungen gemacht hat. Ich bin heutzutage so links wie ich zu DDR-Zeiten nie gewesen bin.

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2012 | 15:40

Sehr gutes Interview! Man ahnte ja, was an Gauck nicht stimmt, jetzt weiss man es!
Wir werden also in Zukunft von 2 Mitläufern der ehemaligen DDR-Regierung regiert, die das natürlich in Abrede stellen. Ist schon peinlich, wie der Begriff des Bürgerrechtlers von solchen Leuten beschmutzt wird. Aber sie haben die Unterstützung und die Macht. Ihnen ging es damals gut - ihnen geht es jetzt gut!

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2012 | 16:51

"Nun, er sagt ja selber, was er ist: ein linker, liberaler Konservativer. Das kriege ich in meiner Birne nicht zusammen."

So schwer ist das doch nicht. Seine empathische Tiefe - sein politisches Kapital, das er sehr wohl gezielt einsetzt - machen Gauck zu einem Konservativen. Sein Selbstverwirklichungsdrang zu einem Liberalen. Und ein Linker? Ja, was denn sonst! Man ist nicht deswegen ein Linker, weil man sich nicht anzuziehen weiß. Gauck sitzt nicht mit schwarzer Zigarre im Herrenclub monarchistischer Bankiers.

Gold Star For Robot Boy 02.03.2012 | 18:46

Joachim Gauck war Referent des Veldensteiner Kreises ..., einer “Diskussionsrunde von Zeithistorikern, Politik- und Sozialwissenschaftlern, die sich der Erforschung von Extremismus und Demokratie in Geschichte und Gegenwart widmen”. Weitere Mitglieder dieses Kreises in dem die Totalitarismustheorie, also die Gleichsetzung von Linksextremismus und Rechtsextremismus, vertreten wird, sind u.a. Professor Eckhard Jesse (wissenschaftlicher Begleiter von Kristina Schröders Magazin “Demokratie stärken-Linksextremismus verhindern”) und Uwe Backes, stellvertretender Direktor des Hannah-Arendt-Instituts. Beide wurden vom Bundesverfassungsgericht als Gutachter im NPD-Verbotsverfahren bestellt, obwohl ihnen ein ziemlich unkritisches Verhältnis zur rechten politischen Szene nachgesagt wird, wie die Süddeutsche urteilte. 2002 hielt Jesse einen Parteiverbotsantrag auf Grund der “Bedeutungslosigkeit der NPD für unzweckmäßig” . In dem von Backes, Jesse und Rainer Zitelmann (ein Wortführer der Neuen Rechten) veröffentlichen Sammelband “Schatten der Vergangenheit”, forderte Jesse das Ende der “selbstquälerischen Form der Vergangenheitsbewältigung”. Jesse hatte 1999 den späteren NPD-Symphatisanten Bernd Rabehl in den Veldensteiner Kreis eingeladen. Neben dem ehemaligen Mitglied des SED-Politbüros Günter Schabowski referierte auch der frühere Chef des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz, Helmut Roewer im Veldensteiner Kreis. Roewer, heute Publizist, veröffentlichte im Grazer Ares-Verlag, der auch antisemitischen und rechtsextremen Autoren sowie Geschichtsrevisionisten eine Plattform bietet. Ungeklärt ist darüberhinaus seine Rolle als Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, im Zusammenhang mit der Unterstützung der Zwickauer Terrorzelle. Unter Roewers Verantwortung warb das Landesamt diverse V-Männer in der rechtsradikalen Szene Thüringens an, u.a. Tino Brandt, damals Anführer des Thüringer Heimatschutzes , dem auch die Rechtsterroristen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos angehörten. Brandt erhielt zwischen 1994 und 2001 über 200.000 DM für seine Arbeit – Geld, das nach seinen eigenen Angaben in den Aufbau des Thüringer Heimatschutzes floss. Der Thüringer Verfassungsschutz gewichtete die Gefährdung durch Linksextremismus unter Roewers Führung sehr viel höher als die Gefahren des Rechtsextremismus. So wurde in dem für den Schulunterricht gedrehten Lehrfilm “Jugendlicher Extremismus in der Mitte Deutschlands” aus dem Jahr 2000 die linke Autonome als gewaltbereit charakterisiert, während Aufmärsche rechter Kameradschaften ohne entsprechende Kommentare im Film gezeigt wurden. Die Aussage des Rechtsextremisten Tino Brandt: „Wir sind […] prinzipiell gegen Gewalt“, blieb ebenfalls unkommentiert. Roewers Behörde war es auch, die über Kontakte zu einem weiteren überzeugten Gegner der Linken und Referenten des Veldensteiner Kreises verfügte: Patrick Moreau. Dass Joachim Gauck, der am 25.2.2012 mit den Anghörigen der Neonazi Opfer sprach, im Veldensteiner Kreis aktiv war, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

apatit 02.03.2012 | 19:10

Einige die damals die DDR verlassen haben, wundern sich ( aber nicht nur die ) über so viel Gleichgültigkeit und Jubel bezüglich Herrn Gauck. Leider hat man wenig Gelegenheit auch die Schattenseiten des Bundespräsidenten – Kandidaten J.G. öffentlich kennen zu lernen – da funktioniert die Springer Pressen bzw. TV nicht, die doch soooo objektiv immer berichteten. Bleiben wie gehabt nur die Nischen – aber das kennen wir ja!

SiebzehnterJuni 04.03.2012 | 09:50

Wenn ich es richtig verstanden habe, ärgert sich Tschiche darüber, dass Gauck sich nicht mit seiner ihm eigenen Kraft des Wortes dagegen wehrt, dass er im Sinne der Westdeutschen kein Bürgerrechtler war.

Einiges zu der Kirche im Osten aus der Sicht eines Westdeutschen:

1. Ost-Pfarrer mitz Familie und mindestens 2 Kindern durften
auf Kosten der ev.Kirche (mindestens von NRW) zu
Weihnachten/Neujahr zu Besuch zu Pfarrerfamilien ihrer
Partnergemeinden im Westen fahren.
(Zu uns kam 5 Jahre lang der Pfarrer aus Luth.-Wittenberg
zu Weihnachten)
Diese Möglichkeit konnte genutzt werden, musste nicht!
Insofern hatte Westbesuch von Pfarrern nichts zu tun
mit Sonderbehandlung durch Stasi etc.

2. Ost-Pfarrergehältern wurde größtenteils durch die
ev.Kirche im Westen finanziert!

3. Fast alle Ost-Gemeinden hatten eine sog.WinterKirche,
d.h. um Kosten zu sparen, wurden die Gemeindehäuser
mit Westgeldern mit Orgeln und Altaren etc. versehen.
Viele Gemeinden haben daher meist zwei Qualitätsorgeln!

4. Die Ost-Kirchen haben sich aus nachvollziehbaren Gründen
extrem nach außen abgeschottet.
Das führte dazu, dass man nach der Wende - wenn man denn
als Westler in den Gottesdienst ging - wie ein Fremder, wie
ein Eindringling behandelt wurde. Man wollte unter sich
sein und bleiben.
Und so war und ist ein Werben um NeumitgliederInnen
ein Fremdwort in Ost-Deutschen ev.Kirchengemeinden.