Es war nicht umsonst

Scheidung Ganz ohne Häme muss man sagen, dass das Ehepaar Wulff erst im Moment seiner Auflösung zu seiner wahren Bestimmung fand
Es war nicht umsonst
Umzugswagen vor Christian Wulffs neuer Mietwohnung in Hannover
Foto: Getty Images

Was unterscheidet eine moderne Ehe von einer traditionellen? Richtig. Ihre Dauer. Sie ist irgendwann vorbei.

Da ja die kurze Amtszeit des Präsidentenpaars Wulff vor allem von jenen Blättern, die im Zweifel gegen den Fortschritt sind, zu einer Verjüngungskur fürs Schloss Bellevue und das ganze Land, zu einer Coolness-Welle, einem Patchwork-Paradies, kurzum zum Himmel auf Erden im 21. Jahrhundert hochgeschrieben wurde, könnte man jetzt, da Bettina und Christian Wulff wieder getrennte Wege gehen, ohne Übertreibung sagen, dass dieses Paar erst im Moment der Auflösung zu seiner wahren Bestimmung fand. Ohne Häme.

Ohne Trennung kein Patchwork, ohne Ende kein Anfang, ohne Zäsur letztlich keine Erfahrung. Nur eine kurze Ehe ist eine gute Ehe. Das wusste schon Tolstoi.

Man muss sich ja am Frühstückstisch noch in die Augen blicken können. Wie viele Paare kennen Sie, die das noch, sagen wir, einfach so können? Aus jener allseits gelebten Praxis der disharmonischen Symbiose, die viele für Liebe halten, haben die beiden nun den Befreiungsschlag gewagt. Dafür muss man ihnen Respekt zollen. Es hätte günstigere Zeitpunkte als zu Beginn des neuen Jahres gegeben, noch bevor der Rücktritt von Christian Wulff mehr als ein Jahr zurück lag. Der Spott der anderen ist den beiden sicher. Andererseits: Den richtigen Moment für eine Trennung gibt es nicht.

Streng genommen war nun alles umsonst. Sie erinnern sich, mit dem faulen Kredit für das neue Heim in Großburgwedel, dass die beiden frisch Verliebten nach der Trennung von Christian Wulffs erster Familie bezogen hatten, fing alles an. Dadurch war jener Stein ins Rollen gekommen, der dann auch noch die kostenlosen Urlaube, die bis heute nicht ganz geklärte Akquise von Sponsorengeldern für den Nord-Süd-Dialog, die Sache mit dem Rubikon und so weiter und so weiter ans Tageslicht brachte. Aber da es in einer Patchwork-Realität keine große Moral der Geschichte mehr gibt, sondern nur noch Splitter, Fasern und einzelne, ungeordnete Elemente, muss man nach dieser auch nicht mehr fragen. So gesehen, nein, umsonst war all das nicht.

09:00 12.01.2013
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