Jana Hensel
17.11.2011 | 07:00 90

Raus aus dem Untergrund

Zwickauer Zelle Wie die drei Neonazis in den Terror ­abglitten – diese ­Geschichte wird nicht erzählt. Denn sie rührt an Ost-West-Tabus

Noch ist es nicht viel, was wir über die drei aus Thüringen stammenden Rechtsradikalen Beate Z., Uwe M. und Uwe B. wissen. Und doch stelle ich es mir so vor: Käme ich vom Land und nicht aus der Stadt, wäre nicht nur mein Vater, sondern auch meine Mutter nach der Wende abgestürzt, hätten die harten Jungs in meiner Schule ihre Springerstiefel mit weißen statt mit roten Schnürsenkeln zugebunden, hätten ihre großen Geschwister, statt in Leipzig-Connewitz Häuser zu besetzen und Galerien zu eröffnen, Ausländer an Bushaltestellen zusammengeschlagen – vielleicht wäre ich auch auf jene schiefe Bahn gelangt, die in den meisten Fällen harmlos beginnt und dennoch in der Katastrophe enden kann. Nun wurden zehn Menschen getötet.

Und so werde ich das Gefühl nicht los, dass nur wenig mehr als ein schmaler Grat meinen Lebenslauf von denen der drei gewalttätigen Neonazis trennt. Sie sind ungefähr so alt wie ich. Und das Leben in der Mitte der neunziger Jahre in Ostdeutschland war so. Irgendwie rau, irgendwie zynisch, ohne Halt. Als hätte die Lethargie, die Sinnlosigkeit und Scheinheiligkeit der Achtziger in der DDR gemeinsam mit den Enttäuschungen der Nachwendezeit in uns Heranwachsenden eine Form gefunden.

Bereits als Schüler hatte man sich nach dem Mauerfall zu entscheiden, ob man links oder rechts war. Mehr Sinn war nicht zu haben. Dementsprechend kleidete man sich, ging in Kneipen und Clubs, nahm an Demonstrationen teil. Und man kannte die von der anderen Seite, aus der Unterstufe, aus dem Sportverein, ein Sohn oder eine Tochter eines ehemaligen Kollegen der Eltern. Hast du schon gehört, der auch? So hieß es dann. Man kannte nicht wenige, die schon einmal ein Auto geklaut oder in einem leerstehenden Haus Feuer gelegt hatten, Drogen vertickten, eine Waffe unter dem Bett versteckten. Der Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer hat diese Zeit in seinem Roman Als wir träumten präzise beschrieben. Er wurde von der Kritik für seine Darstellung der sogenannten Unterschicht gefeiert. In Wahrheit waren viele von uns so. Mit Unterschicht hatte das wenig zu tun, eher mit einem Verlorensein, das größer war als das Gefühl eines einzelnen.

Die Debatte über Ostdeutschland ging schon oft schief

Die Harmloseren unter uns zogen in die Innenstadt und klauten dort Klamotten oder Fahrräder. Das war natürlich pubertär. Aber es kann bis zu einem Punkt gehen, an dem man alles Maß verliert: Im September 1997 legten die drei damals noch in Jena wohnenden Täter ihre erste Bombe. Vor dem dortigen Theater fand die Polizei eine Rohrbombe, gefüllt mit zehn Gramm TNT. Nur der Zünder fehlte.

Es ist eigenartig, dass diese doch einfache Geschichte des Abgleitens jetzt nicht erzählt wird. Dass nicht gefragt wird, unter welchen Bedingungen sich diese Jugendlichen derart radikalisieren konnten, dass ihnen sogar die Bezeichnung „Untergrund“ legitim erschien. Diese Fragen jedoch würden ins Zentrum einer Debatte über Ostdeutschland weisen, derer wir über die Jahre immer überdrüssiger geworden sind. So oft ist sie schon schiefgegangen: Statt sie offen und selbstkritisch in beiden Teilen des Landes zu führen, fanden gegenseitige Schuldzuweisungen statt, kämpften Ost gegen West und umgekehrt, ging es eher um Ideologien statt um Biografien, lag darin immer so etwas wie Herkunftsrassismus. Erinnert sei nur an den falschen Alarm von Sebnitz. Nun wird bei der „Zwickauer Zelle“ das, was offensichtlich zutage liegt, zu einem Tabu: Man fragt nicht mehr, warum neun der zehn Opfer auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik zu Tode kamen. Ob das mehr als nur ein Zufall war.

An welcher Stelle sind sie uns verloren gegangen?

Stattdessen diskutiert man über das Versagen der Sicherheitsorgane. Das muss geklärt werden, keine Frage. Aber haben nicht die Lehrer, die Eltern, die Freunde, die Politik, die Institutionen, haben die alle nicht auch versagt? Gilt es nicht mit gleichem Recht zu fragen: An welcher Stelle, zu welchem Zeitpunkt sind uns diese Kinder verloren gegangen? Kinder, von denen wir gern annehmen, dass sie jener Generation angehören, die aus der Einheit als Gewinner hervorgegangen ist.

Aber mit der Bezeichnung „Braune Armee Fraktion“ ist schon ein Name gefunden, ein Label, das die Diskussion beendet, bevor sie beginnen kann. Nun erscheinen die ostdeutschen Neonazis als Kinder einer westdeutschen Bewegung, mit der sie überhaupt nichts verbindet. Die Bezeichnung „Braune Armee Fraktion“ ist kein Zufall, vielmehr entlarvt sie mal wieder die immer gleiche Perspektive: Es ist auch diesmal die Geschichte der alten Bundesrepublik, die ins Zentrum der Betrachtung drängt und die Vergleichsmaßstäbe setzt. Die Geschichte der RAF, die sich nun zwar in einer Art neuerlichen Eskalation präsentiert, darf sich doch nur als ostdeutsche, braune Varianz wiederholen. Aber ist es wirklich ein Generationenkonflikt, der den gewaltsamen Taten der Gruppe zugrundeliegt? Trennt die westdeutschen Nachkriegseltern von den ostdeutschen Nachwende­eltern nicht viel mehr, als sie eint?

Auf all diese Fragen aber werden wir keine Antworten bekommen, wenn wir nicht langsam anfangen, an einen eigenen ostdeutschen Geschichtsverlauf, der früher als 1989 beginnt und mehr als nur die Wiedervereinigung betrifft, zu glauben. Wenn wir beginnen, auch diese Geschichte zu erzählen und damit neue gesellschaftliche und politische Realitäten schaffen. Das wäre dann das Gegenteil von Untergrund.

Kommentare (90)

Magda 17.11.2011 | 13:14

Man sitzt im Osten in der Falle bei solchen Debatten - es ist ja auch ekelhaft und erschreckend, was da passiert ist.
Und auch ich habe genau hingegeguckt: Wo kommen die Täter her?

Und so werde ich das Gefühl nicht los, dass nur wenig mehr als ein schmaler Grat meinen Lebenslauf von denen der drei gewalttätigen Neonazis trennt.

Nee, also das finde ich zu viel Empathie. Und es stimmt auch so nicht. Das sind nicht alles "arme Schweine", die sich da jetzt betätigen. Wurde ja auch in den Berichten ganz deutlich.

Nun wird bei der „Zwickauer Zelle“ das, was offensichtlich zutage liegt, zu einem Tabu: Man fragt nicht mehr, warum neun der zehn Opfer auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik zu Tode kamen. Ob das mehr als nur ein Zufall war.

Natürlich ist das kein Zufall. Aber was liegt denn zutage? Frage ich mich. Eine Art rechtsradikaler Racheakt der Ossis stellvertretend und tödlich expliziert an den Mitbürgern mit Migrationshintergrund? Kann ja schreckliche Wahrheit sein.

Auf all diese Fragen aber werden wir keine Antworten bekommen, wenn wir nicht langsam anfangen, an einen eigenen ostdeutschen Geschichtsverlauf, der früher als 1989 beginnt und mehr als nur die Wiedervereinigung betrifft, zu glauben.

Das ist doch schon - mit höchst misslungenen Schlussfolgerungen und Zuweisungen - geschehen.
Die Ossis, durch ihre Geschichte nach wie vor anfällig für starke Männer und Diktaturen, obrigkeitsgläubig und mit Nachholebedarf an Aufarbeitung, weil zu DDR-Zeit einseitig und ideologisch verbogen. Der DDR-Antifaschismus - ein Mythos and so on. Das ist doch eine Endlosschleife der Delegitimierung geworden.
Was will man da erzählen. Es endet wieder bei einer Verschiebung in Richtung Osten.

Und da kriege ich auch immer so reflektorische Verteidigungsschübe.
Mir fällt dann ein, dass sich viele "Ossis" - sehr allgemein - nach der Wende an jene "starken" Leute West hielten, die Meinungs - und Handlungsfreiheit vor allem für ihre rechtsextremistischen Ideen einforderten, die ständig postulierten, dass sich daran die Wahrhaftigkeit von Demokratie erweise. Und so ist es dann wohl gekommen,dass die Polizisten, weil sie Demokraten sein wollten, rechte Aufmärsche besonders geschützt haben bis auf den heutigen Tag.

Und noch was: Es gibt auch in den alten Bundesländern starke rechtsextreme Zentren. Rechtsextreme Straftaten werden aber sehr schnell aus dieser Schublade hinausdefiniert. Beispiele habe ich mal angefangen zu sammeln, aber habs aus dem Blick verloren.

Der mediale Fokus geht immer nach Osten. Vielleicht, weil sich da so ungeschminkt und roh zeigt, was man in den alten Bundesländern etwas eleganter vorzeigt, auch die Neonazis "bürgerlich" wirken können,wenn sie wollen (im Osten nie).

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 13:20

>>>Stattdessen diskutiert man über das Versagen der Sicherheitsorgane.

Ja worüber denn sonst? Zwei Worte in dieser Frage würde ich aber zuvor noch einer Kritik unterziehen: "Sicherheitsorgane" und "Versagen".

>>>An welcher Stelle, zu welchem Zeitpunkt sind uns diese Kinder verloren gegangen?

Welche Motive haben diese Menschen gehabt? Von welchen Mitteln haben diese Menschen 13 Jahre lang gelebt? Warum haben sie ihre Motive nicht öffentlich gemacht? Welchen "Sinn" hat denn der politische Terror, wenn er nicht öffentlich gemacht wird.

Wenn Jana Hensel schon über die Biografien der Täter schreiben will, soll sie einfach nach Jena fahren und recherchieren. Jena ist eine kleine Stadt und viele Leute wissen etwas über die Biografien - das ist überhaupt kein Geheimnis. Statt als Journalistin zu arbeiten und mir als Leser Substanz zu liefern, liefert sie einen Text ab, den jeder Sofablogger schreiben könnte. Ärgerlich!

apatit 17.11.2011 | 14:05

“Und so ist es dann wohl gekommen, dass die Polizisten, weil sie Demokraten sein wollten, rechte Aufmärsche besonders geschützt haben bis auf den heutigen Tag.“ Dieser Einschätzung muss ich zustimmen! Selbst die Regierungserklärung von Frau Lieberknecht, wegen den Morden der Rechts – Terroristen, spricht die MP `in von den Sicherheitsbehörden also auch Polizei. Und man braucht nicht groß googeln z.B. Mut gegen rechte Gewalt und Suchbegriffe wie Thüringen/ Braunes Herz Deutschland usw. oder Mobit. Was da Teile der Polizei für Ansichten hat und hatte. Auch ein Prof. aus Jena wird da sehr deutlich, Zitat: “ Es gibt keinen rechtsextremfeien Raum – weder bei Polizei noch beim Verfassungsschutz “ Das ist zu klären - ohne ansehen der Person!

lisi stein 17.11.2011 | 14:10

@Madga
Anbei ein Paradebeispiel aus dem Westen, angesiedelt in einer wirtschaftlich immer aufstrebenden Region: Oberschwaben. Dort pflegen Heilwig Holland + Familie + Öko-Hof seit Generationen kontinuierlich die NS-Ideologie weiter. Und glauben sie ja nicht, dass das dies zu Diskussionen führen würde: weder Mitbürger, noch die Presse finden dies einen "Aufreger". Der Ökohof ist ein gutes Deckmäntelchen. Milch kann nicht nationalsozialistisch sein. Frau Holland verteidigt selbstverständlich via TAZ-Leserbrief Will Vesper und bedauert den unglücklichen Werdegang des Sprößlings Bernward!

www.schutzbund.de/25_jahre.htm
www.hofgut-holland.de/

Jana Hensel 17.11.2011 | 14:51

Liebe Magda, danke für den ausführlichen Kommentar. Ich bin da ganz bei Ihnen, allein empathisch, nein, empathisch habe ich meinen Text nicht gemeint. Eher wollte ich zeigen, wie einfach die Dinge manchmal liegen können. Wie wahrscheinlich solche Entwicklungen in gewissen historischen, sozialen und politischen Zeiträumen sind.
Und dann, wenn Sie schreiben, dass Polizisten damals im Osten ihre Demokratiefähigkeit unter Beweis zu stellen glaubten, in dem sie ausgerechnet rechte Aufmärsche besonders schützten, dann ist das doch ein Splitter in jener ostdeutschen Nachwendeerzählung, die ich meine und von der ich glaube, dass wir sie erzählen müssen. Wo, wenn nicht hier beim Freitag. Ihre Jana Hensel

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richard-der-hayek 17.11.2011 | 15:31

Eigenartig, obwohl die doch so vorbildlich von der SED und ihren Ausführenden aufgeklärt und zum neuen, sozialistischen Menschen hingeführt wurden.

Magda, Matto Co bestehen natürlich darauf, daß die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit in der DDR ohne Fehl und Tadel war. Weil es bei ihnen wirkte.

Aber daß man selber nicht als Beweis dienen kann, wenn es sehr viele andere gab, bei denen es nicht wirkte, kapieren die nicht: was soll sonst das Urteil sprechen als die konkrete Gesamtwirkung ?
Und die war lange nicht so gut wie die behaupten.
Nach dem Motto: bei uns hats gereicht, und die anderen sind selber schuld, die machen das mit Absicht.

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 15:38

@ Magda schrieb am 17.11.2011 um 13:23

>>>Auch eine sehr interessante Frage

Sie stellt die Story vom "rechtsextremen politischen Terror" vollständig in Frage.

Es stellt sich vielmehr die Frage nach "Staatsterror".

Jana Hensels Fragen nach dem biografischen Hintergrund der Täter, als diese 15....20 Jahre alt waren, erweist sich als völlig nebensächlich gegenüber der Frage, nach der Biografie der Täter zwischen ihrem 20 und 34. Lebensjahr.

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 15:49

@ Jana Hensel schrieb am 17.11.2011 um 13:52

In Jena wird sehr viel darüber gesprochen. Es ist übrigens völlig falsch Jena als eine "rechte" Stadt zu bezeichnen, wie es dummerweise der "Stern" tut.

www.stern.de/panorama/report-jena-reagiert-peinlich-beruehrt-1751975.html

Ohne die vielen "rechten" Erscheinungen in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern zu ignorieren, das Klima in der Stadt ist offen, freundlich, liberal - Jena gilt eher als "links". So ist zumindest auch die Zuschreibung in der Fußballszene.

Es bringt überhaupt nichts, mit solchen Klischees wie Ost-West zu arbeiten. Zwickaus größtes politisches Problem, wo ja die Täter lebten, ist z.B. nicht links oder rechts sondern "Scientology".

Bitte recherchieren Sie und unterlassen Sie vorerst alle Verallgemeinerungen.

Columbus 17.11.2011 | 16:06

Es ist davon auszugehen, dass selbst die beste Aufklärung bei ca. 10%, ´mal mehr, ´mal weniger, nicht greift. Da entwickelt sich das, was früher einmal der autoritäre Charakter genannt wurde. Der kann nicht, weil es seinem persönlichen Zusammenbruch nahe käme, davon ablassen. Wer gerade die Nation politisch führt, das spielt da gar keine große Rolle. Gut, in autoritären Regimen und Diktaturen ist der Staatsterror, wenn er auch noch ausreichend Personal rekrutiert, schon genug Auffangbecken.

Das "Übergleiten" in den Terrorismus, -Es gibt Beobachter die das an den Vortaunushöhen-Kreisen oder im Rüsselsheim der späten 60er Jahre des letzten Jahrhunderts für RAF, 2. Juni u.a. genau so beschrieben haben.-, das geschieht erstaunlich oft bei ähnlichen Persönlichkeitsstrukturen und nach schweren Kränkungen, ob von links oder von rechts.

Terrorismus funktioniert aber nur dann, wenn man bereit ist, die Frage nach der eigenen Schuldhaftigkeit bei Taten ganz auszublenden (dabei innerlich wenig zu verspüren) und vom "Schweinesystem" oder von der im Grunde schon zu "99%-verderbten, linken Gesellschaft" zu fantasieren. Das ist nun einmal tatsächlich etwas für ein Prozent oder weniger.

Strafverfolgung, Polizei, Verfassungsschutz:

Die Blindheit rechts, ein altes Leiden der Bürgergesellschaft und ihrer Ordnungsbürokratie.

Warum mehr Opfer im Westen (Magda)? Einfache Antwort, viel mehr einfache Ziele für die Verwirrten (mehr Türken, mehr fremde Haare, Nasen und Kleider), denen zudem noch grundsätzlich unterstellt werden konnte, sie seien irgendwie selbst für ihren Opferstatus verantwortlich (Türkenmafia, Blutrache, Familienfehde). Dazu: Altes Terrorprinzip, die Zentrale durch absolut unauffällige Umgebung zu tarnen, und die Akte weit weg an je anderen Orten stattfinden zu lassen.

LG
Christoph Leusch

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richard-der-hayek 17.11.2011 | 16:07

Genau darum geht es ja.
Auch wenn 70% Bürgerrechtler sind, können trotzdem 15% verkappte Neonazis darunter sein, die auf ihre Gelegenheit warten.
Auch wenn einige Hunderttausend bis ein paar Millionen dem Honecker echt zugejubelt haben, wollten es 14 Millionen nicht, und bei sehr vielen wurde die Aufarbeitung des NS-Regimes versäumt.
Die liefen in den gesteurten Aufmärschen mit, was sollten sie auch sonst tun, aber wirklich aufgeklärt wurden sie nicht.
Es war doch sehr viel Schein in der DDR.

Jana Hensel 17.11.2011 | 16:16

Sind Sie aus Jena? Bloggen Sie doch bitte dazu! Fände ich toll, zumal ich Jena ja eher als die einzige wirkliche Boomtown des Ostens empfinde. Salopp formuliert, wer wissen will, warum die Leute 1989 auf die Straße gegangen ist, der muss nach Jena fahren!
Was wir hier in der Redaktion nämlich auch überlegen ist, nochmal etwas über Thüringen zu machen, das Portrait eines arg gebeutelten Landes. Vor neun Jahren der Amoklauf in Erfurt, jetzt die drei Neonazis. Beschäftigt das die Menschen in Thüringen besonders?

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 16:26

@ Richard der Hayek/ Saxman

Es gab in der DDR "Nazis". Es gab auch welche in Jena. Mit dem "Nicht aussteigen" bringen Sie aber etwas durcheinander. Diese Formulierungen gab es erst nach der Wende.

Mir ist aber unklar, was Sie damit erklären wollen. Meinen Sie, dass das Agieren dieser Truppe von Mördern kausal aus der Sozialisation in der DDR hergeleitet werden kann?

Es ist falsch, aus diesem Thema eine Ost-West-Dikussion zu machen.

Daniel Domeinski 17.11.2011 | 16:31

Ich finde es auch verkürzt, den Neonazismus nach 1989 nur aus der "Ost-Sozialisation" zu erklären. Etliche Verantwortliche für die rassistischen Gewaltexzesse aus Politik, Justiz, den Sicherheitsbehörden und den Medien waren "Wessis".
Zwischen den Neonaziszenen in Ost und West kam es schon frühzeitig zu kooperationen. So hatte der aus Baden-Baden stammende NPD-Kader Michael Andrejewski vor den Auschreitungen in Rostock-Lichtenhagen die Aktion "Rostock bleibt deutsch“ ins Leben gerufen und massenhaft Flugblätter mit der Überschrift "Widerstand gegen die Ausländerflut“ verteilen lassen. Zudem waren Christian Worch, ein langjähriger Mitstreiter von Michael Kühnen und etliche andere Neonazis aus den "alten Ländern" vor Ort. Unter den festgenommenen Randalierern befanden sich immerhin 110 Personen aus den alten Bundesländern, 217 aus MV und 37 aus anderen neuen Ländern. (siehe de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_von_Rostock-Lichtenhagen )

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richard-der-hayek 17.11.2011 | 17:02

Was heißt kausal ?
Ohne entsprechendes Umfeld, das lange vorher schon da war, wird keiner so leicht zum Nazi.
Man muß sich das vor Augen halten: aus einem integren Elternhaus kommt kaum einer zu solcher Ideologie.
Mir geht es mal wieder um die DDR-Verklärung hier.
Da könnt Ihr euch ein bischen an die eigene Nase fassen: so rosig war das auch nicht, auch nicht im antirassistischen Sinne, wie ihr manchnal hier tut.

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 17:02

@ Jana Hensel schrieb am 17.11.2011 um 15:16

>>>Sind Sie aus Jena?

Ich bin aus Schnauderhainichen.

>>>Bloggen Sie doch bitte dazu!

Wozu? Zu Jena? Es geht doch hier ausschließlich um die Täter, deren biografische Hintergründe Sie kennenlernen wollen. Das hat mit einem "allgemeinen Jena" nichts zu tun. Das sind konkrete Orte, konkrete Menschen - die sollten Sie selbst kennenlernen.

>>>Vor neun Jahren der Amoklauf in Erfurt, jetzt die drei Neonazis. Beschäftigt das die Menschen in Thüringen besonders?

Nicht mehr als andere Katastrophen meine ich. Alle diese Katastrophen werden solange durch die Medien verwurstet, bis an Erschütterung nur der neugierige Gang an den Ort des Geschehens übrig bleibt. Gut macht es sich, wenn eine Kamera in der Nähe ist, sich dunkel zu kleiden und eine Kerze aufzustellen.

Es wird so viel schwadroniert und verallgemeinert, es wird so wenig sorgfältig recherchiert und politisch gehandelt, dass es nur noch zum Abschalten ist. Der gemeine Thüringer Schütze hat noch genausoviele Wummen im Schlafzimmerschrank wie vor Erfurt. Matschi und Lieberknecht posteln genauso rum, wie Althaus und irgendwann kriegen die auch einen gut bezahlten Posten wie ihr Vorgänger.

Es ist hier genauso, wie überall in Deutschland.

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 17:31

>>>Man muß sich das vor Augen halten: aus einem integren Elternhaus kommt kaum einer zu solcher Ideologie.

Aha. Der Vater von Uwe Mundlos ist Professor für Informatik. Stellen Sie mal die Zusammenhänge her? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

>>>"Da könnt Ihr euch ein bischen an die eigene Nase fassen".

Wer ist "Ihr"? Wer soll sich wegen der 3 Mörder "an die eigene Nase fassen"?

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richard-der-hayek 17.11.2011 | 17:38

Aha. Und Sie haben diese Bücher gelesen, und deshalb wissen Sie jetzt so gut Bescheid über die DDR ? Gratulation.

Ich bin knapp nach den 68ern aufgewachsen. Es gab alle möglichen Meinungen, zu den RAFs, zur DDR, zu den USA. Keine Einheitsdiskussion.
Da lernte man, verschiedene Gesichtspunkte abzuwägen.
Das nennt man auch Pluralismus.

Um erhrlich zu sein, ich hatte ein etwas tragische Sozialisation. Bis zum 35ten Lebensjahr hatte ich eigentlich von kaum was echte Ahnung.
Aber so allmählich, Gott sei Dank, ist doch ein bischen was zusammengelaufen.

Aber was solls.
Viel Spaß noch, und angenehme Empörungen.

lisi stein 17.11.2011 | 17:53

Ist es nicht so, dass die Rechten die 5 neuen Bundesländer auch als willkommenes Erweiterunsggebiet für ihre Aufmärsche, Krawalle etc. nutzen konnten?. Und vor allem in der Gemengelage zu Wendezeiten konnte man sich auch im Osten erst einmal unbehelligt niederlassen. Götz Kubitschek zum Beispiel, Schlossbesitzer, Verleger, geistiger Brandstifter hat sich in Sachsen-Anhalt niedergelassen, er wird wissen warum.

www.sezession.de/autoren/kubitschek

wwalkie 17.11.2011 | 18:32

Ich finde den ersten Teil Ihres Textes gerade wegen seines lakonischen Duktus sehr gelungen (den zweiten weniger) Es ist gerade die Geschichte des "Abgleitens", die (zumindest mich) interessiert.

Als ich die ersten Bilder der Täter und die Verbiegungen unseres potenten Innenministers sah, bis sich endlich das Wort "Rechtsterrorismus" aus ihm befreite, und erste Informationen über die Kollaboration unserer Staatssicherheitsorgane mit den "Nazikillern" (Bild) einsickerten, dachte ich sofort an den grandiosen Roman "Das Spinnennetz" von Joseph Roth, in dem nach dem ersten Weltkrieg der kompasslose Leutnant Theodor Lohse als Spitzel in das Spinnennetz der Freikorps und Nazis, der Polizei und der Reichswehr "abgleitet".

"Theodor hörte mit tausend Ohren. Tausend Arme hätte er bereithalten können. Er entsann sich jener Spinne ... So saß er jetzt selber, zum Sprunge entschlossen. Er hasste diese Menschen, wusste nicht, weshalb und führte für sich selbst Gründe dieses Hasses an. Sie waren Sozialisten, Vaterlandlose, Verräter. In seiner Gewalt waren sie ..."

"Er instruierte, rüstete aus, bestrafte Feiglinge, belobte Mutige, ein kleiner Gott war er." Und am Ende wird er Chef des Sicherheitswesens. Zumindest dieses wäre wohl heute undenkbar. Muss man sich schon darüber freuen?

Magda 17.11.2011 | 18:40

Es gab in der DDR Ausländerfeindlichkeit. Ich kenne es - abgemildert - in Leipzig, wo viele Ausländer studierten. Es gab sie später auch dort, wo Arbeiter aus Kuba oder Vietnam in den Fabriken lernten und arbeiteten. Vor Ort waren es die unausweichlichen Konflikte, wenn sich verschiedene Mentalitäten zusammenraufen müssen.

Aber das wandeltes ich in die sattsam bekannten Sätze: "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber die sollen dort bleiben, wo sie zu Hause sind." Und solche Sachen.

Und - wiedermal wurde - wie immer in der DDR, nicht über die Konflikte geredet.
Warum das mit Jena so war, kann ich nur sinnieren: Möglicherweise waren dort ausländische Studenten und die eigneten sich als Projektionsfläche für Frust.
Ich kenne das von meinem eigenen Bruder noch aus meiner Leipziger Zeit. Schlichter Sexualneid spielte da eine Rolle.

Columbus 17.11.2011 | 18:40

Genau, da war es einfach spottbillig und es gab Platz.
Grüße Christoph Leusch

PS: zu Frau Heilwig Holland

Frau Heilwig Holland, das ist eine Altpflanze (Jahrgang 1941). Die denkt schon seit Olims Zeiten, die Deutschen sterben aus und hasst besonders Inder, Kinder aus der Fremde, den roten Dani, usw. - Aber Terror droht von dieser alten Rechtradikalen nicht.

Das Hofgut , keine Ahnung ob da noch die Altvorderen was zu sagen haben, arbeitet nach strengen Bio-Richtlinien, hat einen guten Webauftritt und nirgendwo einen Hinweis, was eher ungewöhnlich ist für solche rechten Geisterhöfe, wes´ Geistes Kind eine der Älteren dort ist.

Sippen- oder Familienhaft ist natürlich nicht drin, weder für Antifa- noch für sonstige Aufklärer.

Der Webauftritt des "Schutzbundes" wirkt irgendwie ziemlich ausgezehrt und schwachbrüstig. Immer die gleiche Soße. Es gibt ja auch noch diese "Gesellschaft für Freie Publizistik" zu der ein verdienstvolles Wiki.de Auskünfte erteilt. Da ist fast alles Rechte aus dem Schwabenland und Süddeutschland aktiv. Die verleihen auch noch einen Ulrich von Hutten-Preis an ganz Stramme und Vorbilder:

de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Freie_Publizistik

Aber Terroristen werden das nicht mehr. Sie sind so schon kaum erträglich.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Columbus 17.11.2011 | 19:22

ad
Jörn Kabisch schrieb am 17.11.2011 um 15:04

Ja, das ist ein wirklich gutes Interview. Herr Kabisch.

Verrückt, dass die Akte Ramelow wahrscheinlich mehr Material enthält und aktueller "eingepflegt" ist, als die der Mordbuben und ihrer Schwester, die damals schon Angst und Schrecken verbreiteten.

Im Interview wird ja auch ein Name, Manfred Roeder, genannt, der maßgeblich am Aufbau rechter Strukturen im Osten beteiligt war und gut belegt, dass in diesen Dingen kein Ost-West Gegensatz aufgebaut werden kann. Der gebürtige Berliner trieb sein Unwesen lange an der hessischen Bergstraße.

Grüße
Christoph Leusch

FrWeichelt 17.11.2011 | 20:25

Liebe Frau Hensel,

leider wiederholen Sie in Ihrem Artikel die guten alten Klischees über die verlorene Generation im Osten, die nichts anderes zu tun hat, als nach dem verordneten Antifaschismus in der DDR nun endlich mal ihre wahren Gefühle rauslassen kann. Lehrer, Polizisten, Eltern - alles Versager. Zu kurz gedacht: Was erwarten wir von Lehrern, die zugleich Evaluationen im vereinten Deutschland über sich ergehen lassen müssen, deren Autorität permanent unterminiert wird, weil sie nun auch mal in der DDR Lehrer waren. Das Misstrauen traf doch nicht nur Geschichts- und Staatsbürgerkundelehrer, sondern jeden. Polizisten ging es nicht viel besser und ganz zu schweigen von Eltern, die sich zumeist selbst im schönen neuen Deutschland beruflich orientieren mussten, um zu über leben.

Zum anderen: 1989/90 habe ich aktiv an den Montagsdemonstrationen in Leipzig teilgenommen. Ab Ende November/Anfang Dezember 1989 waren sie da, mit ihren Fahnen, mit Flugblättern - NPD und DVU aus dem Westen. Nicht abzustreiten, dass beide Parteien in der allgemeinen Verunsicherung auf fruchtbaren Boden trafen bis heute, weil sich einfach auch an vielen Stellen im Osten nicht politische Unkenntnis, dafür aber mangelnde Perspektive fortgeschrieben hat. Hinzu kommt, dass sich die anderen politischen Parteien, die jetzt die Krokodilstränen weinen über den "braunen Terror", aus der Fläche zurück gezogen haben. Da kann ich nur dem Vorschlag eines der Vorredner folgen: Fahren Sie mal in die Provinz und suchen nach SPD, CDU, Grünen und Linken. In Brandenburg oder Mecklenburg werden Sie sehr oft nur noch die NPD treffen, wenn es darum geht, das Postamt oder die Schule zu erhalten.

Und Übrigens: Auch heute kommen die Führungskader der NPD aus dem Westen: Holger Apfel aus Hildesheim, Udo Pastörs aus Mönchengladbach, Udo Vogt aus Viersen. Und meine Frau, die aus Niedersachsen stammt, dort in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen ist, berichtet mir immer wieder, wie dort rechtes Denken verankert war und ist, es sich vielleicht nicht immer in Wählerstimmen ausgedrückt hat, weil es nicht zum guten Ton gehörte, sieht man mal von den Ausschlägen für die NPD Ende der 60er und die Republikaner in den 80ern ab.

Fazit: Rechtsradikalismus war und ist ein gesamtdeutsches Problem! Das ist das Problem! Da muss nichts raus aus dem Untergrund!

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 20:59

@ Columbus schrieb am 17.11.2011 um 18:22

>>>dass in diesen Dingen kein Ost-West Gegensatz aufgebaut werden kann

Das dürfte ja nun Konsens hier im Thread sein, wenn man mal von Hijackers Einwürfen absieht, die jedoch argumentativ ohne Belang sind.

In den Medien habe ich eine Thematisierung Ost/ West bis jetzt noch nicht so stark wahrgenommen. Um so sonderbarer erscheint es mir, dass ich hier im Freitag auf Seite 1 zum ersten Mal diesen Betrachtungswinkel vorgestellt bekomme.

Das ist also der erste Beitrag des Freitag, wenn ich jetzt nur die Printausgabe betrachte, zur politischen Diskussion dieses Vorfalls. Verstehe ich nicht! Völlig falscher Schwerpunkt!

Jana Hensel 17.11.2011 | 22:05

Lieber FrWeichelt, da verstehe ich Ihren Vorwurf nun doch leider nicht: ich sage an keiner Stelle im Text, dass meine Generation, wie sagen Sie, "nichts anderes zu tun hatte, als nach dem verordneten Antifaschismus nun endlich mal ihre wahren Gefühle" rauszulassen. Das haben Sie frei erfunden, mit Verlaub. Käme mir auch nie in den Sinn zu behaupten, wäre ja auch Schwachsinn.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren hier im Thread halte ich aber den Rechtsradikalismus für eine Maskierung, für eine Chiffre, die die Jugendlichen benutzen, weil, ja, weil sie ihnen angeboten wurde, sie frei war, zur Provokation taugte etc. Sie schreiben selbst über die "braunen Gäste" auf den Montagsdemonstrationen. Damit will ich die Sache nicht verharmlosen, aber eine alleinige Debatte über Rechtsradikalismus halte ich für zur kurz gegriffen.
Die Rolle der anderen Parteien in der Nachwendezeit hingegen, wie Sie schreiben, das wiederum finde ich einen spannenden Punkt, einen, über den es in der Tat noch viel zu sagen gäbe, über den es nachzudenken gälte. Ihre JH

Jana Hensel 17.11.2011 | 22:05

Lieber FrWeichelt, da verstehe ich Ihren Vorwurf nun doch leider nicht: ich sage an keiner Stelle im Text, dass meine Generation, wie sagen Sie, "nichts anderes zu tun hatte, als nach dem verordneten Antifaschismus nun endlich mal ihre wahren Gefühle" rauszulassen. Das haben Sie frei erfunden, mit Verlaub. Käme mir auch nie in den Sinn zu behaupten, wäre ja auch Schwachsinn.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren hier im Thread halte ich aber den Rechtsradikalismus für eine Maskierung, für eine Chiffre, die die Jugendlichen benutzen, weil, ja, weil sie ihnen angeboten wurde, sie frei war, zur Provokation taugte etc. Sie schreiben selbst über die "braunen Gäste" auf den Montagsdemonstrationen. Damit will ich die Sache nicht verharmlosen, aber eine alleinige Debatte über Rechtsradikalismus halte ich für zur kurz gegriffen.
Die Rolle der anderen Parteien in der Nachwendezeit hingegen, wie Sie schreiben, das wiederum finde ich einen spannenden Punkt, einen, über den es in der Tat noch viel zu sagen gäbe, über den es nachzudenken gälte. Ihre JH

Jana Hensel 17.11.2011 | 22:05

Lieber FrWeichelt, da verstehe ich Ihren Vorwurf nun doch leider nicht: ich sage an keiner Stelle im Text, dass meine Generation, wie sagen Sie, "nichts anderes zu tun hatte, als nach dem verordneten Antifaschismus nun endlich mal ihre wahren Gefühle" rauszulassen. Das haben Sie frei erfunden, mit Verlaub. Käme mir auch nie in den Sinn zu behaupten, wäre ja auch Schwachsinn.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren hier im Thread halte ich aber den Rechtsradikalismus für eine Maskierung, für eine Chiffre, die die Jugendlichen benutzen, weil, ja, weil sie ihnen angeboten wurde, sie frei war, zur Provokation taugte etc. Sie schreiben selbst über die "braunen Gäste" auf den Montagsdemonstrationen. Damit will ich die Sache nicht verharmlosen, aber eine alleinige Debatte über Rechtsradikalismus halte ich für zur kurz gegriffen.
Die Rolle der anderen Parteien in der Nachwendezeit hingegen, wie Sie schreiben, das wiederum finde ich einen spannenden Punkt, einen, über den es in der Tat noch viel zu sagen gäbe, über den es nachzudenken gälte. Ihre JH

Jana Hensel 17.11.2011 | 22:14

Und ich dachte immer, lieber Rapanui, im Freitag sollten Sachen stehen, die die anderen nicht schreiben. Nun mit dem Verweis auf den Mainstream eine Diskussion anzuzweifeln, nun gut, wenn Sie das so sehen...

Aber ganz recht haben Sie auch nicht. In der ZEIT für Sachsen stand heute von Andrea Hünniger auch ein Text dazu: www.zeit.de/2011/47/S-Wendekinder.

Wenn es Sie interessieren sollte. Ihre JH

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Ehemaliger Nutzer 17.11.2011 | 23:01

@ Jana Hensel schrieb am 17.11.2011 um 21:14

Vielleicht ist mein Satz: "Das ist also der erste Beitrag des Freitag, wenn ich jetzt nur die Printausgabe betrachte, zur politischen Diskussion dieses Vorfalls." etwas missverständlich.

In der Online-Ausgabe des Freitag hatte ja Tom Strohschneider schon zum Thema geschrieben - und das auch in der mir bedeutsamen politischen Dimension. Ihr Artikel steht auf Seite 1 der Printausgabe des heutigen Freitag und ist hier der Leitartikel zum aktuellen Thema "Rechte Gewalt" und es ist auch der erste Artikel, den jemand der nicht Online liest, im Freitag zum Thema findet.

Das Thema aus dem Blickwinkel Ost/ West anzugehen halte ich für die Seite 1 für den falschen Schwerpunkt. Das Thema hat natürlich auch eine Ost/ West Dimension - aber die ist nebensählich. Vielleicht ist die für die nächste Woche, oder für den Innenteil - aber heute auf Seite 1, nein!

>>>Aber ganz recht haben Sie auch nicht.

Ich habe schon recht, was meinen Eindruck anbelangt, auf mehr erhebe ich keinen Anspruch. Dank für den Verweis auf die ZEIT.

Ich höre viel DLF, checke die Website von Tagesschau und SPON, sehe die Titelseite BILD beim Bäcker - mir fiel eben auf, dass es dieses mal kaum um Ost/ West ging. Das erstaunte mich. Und dann halte ich den Freitag in den Händen und Sie fangen damit an.

Es ist jetzt oberste journalistische Pflicht, diese Geschichte zu recherchieren, die ich im Radio höre. Wenn die Recherche, wovon man ausgehen muss, sehr schwierig ist, können Sie wenigstens ein paar Fragen stellen.

Die Frage "zu welchem Zeitpunkt sind uns diese Kinder verloren gegangen?" ist ja gar nicht so schlecht.

Leider aber äußern Sie sich nicht in den hier angemessenen Begriffen wie der Illegalität, der Konspiration oder den Decknamen der Täter, sondern wie Frau von der Leyen zu ihrer Zeit als Familienministerin.

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helena-neumann 17.11.2011 | 23:01

Liebe Magda,

"Und noch was: Es gibt auch in den alten Bundesländern starke rechtsextreme Zentren. Rechtsextreme Straftaten werden aber sehr schnell aus dieser Schublade hinausdefiniert. Beispiele habe ich mal angefangen zu sammeln, aber habs aus dem Blick verloren. "

Dann erlaube ich mir mal ein wenig "Schützenhilfe" dank FB: Ein Blick auf NRW:...ProKöln, ProNRW...Naziaufmärsche in Essen, Hamm, Dortmund, Wuppertal, Stolberg etc. Diese überaus überzeugten und gefährlichen Neonazis (siehe Kameradschaft Aachener Land als Beispiel) kommen nicht aus irgendeinem Dorf in Sachsen! Hier noch eine "schöne" Doku zu Rechtsradikalismus in NRW: www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8736856=message

Ein etwas älterer Beitrag aus 2006, aber durchaus lesenswert!
www.birgit-rommelspacher.de/pdfs/RexOuWFESOkt20062.pdf

Salut
Helena

Magda 17.11.2011 | 23:09

@ Rapanui - "mir fiel eben auf, dass es dieses mal kaum um Ost/ West ging. Das erstaunte mich. Und dann halte ich den Freitag in den Händen und Sie fangen damit an."

Ging zwar nicht an mich - aber ich habe das auch beobachtet und gegrübelt, warum das diesmal vermieden wird. Manchmal habe ich das Gefühl, es gibt bei den wesentlichen Medien auch so eine Art "Linie" und die verordnet, dass das ein gesamtdeutsches Problem ist und ich finde das auch.

billie 17.11.2011 | 23:40

Ich fand den Artikel eigentlich gut und ich finde, dass er wichtige Fragen aufwirft. Mir scheint auch, dass in der Diskussion verschiedene Sachen zusammengeworfen werden:

Zum einen ist freilich die Frage nach den Verstrickungen von allen möglichen Behörden - in erster Linie freilich dem VS. In gewisser Hinsicht ist diese Geschichte ebenso schockierend, wie wir es alle hätten wissen oder bestenfalls ahnen müssen. Hierzu gehören auch so viele Politiker, mit ihren Kampagnen und Büchern und Reden (und Taten); hierzu gehören die Medien, die die These von den kriminellen Ausländern in diesem und in anderen Fällen bereitwillig schluckten. Und hierzu gehört eigentlich die ganze gesamt-bundesdeutsche Mainstream-Öffentlichkeit, welche die Mordserie auch noch als 'Dönermorde' bezeichnen (wo überdies nur einer der Morde vor einer Dönerbude passierte).

Allerdings gibt es auch den anderen Aspekt, der - und hier teile ich wirklich die Meinung der Autorin - in den Debatten meistens ignoriert wird: nämlich die Frage, wie es so weit kommen konnte und warum gerade hier? Und damit meine ich nicht die Frage nach Politik und Behörden und Medien. Es geht um die Alltagswelten, in denen wir alle leben.
Was ist mit diesen Menschen geschehen? Es ist ja nicht so, dass es sich um ein paar verirrte Ausnahmen handelt. Klar, nicht die Mehrheit der Ossis ist im Grunde ein Nazi - absolut nicht. Aber bei der Kombination von "gewaltbereit" und "Nazi" reichen halt schon ein paar Prozent, um ein Problem zu sein. Und klar gibt es im Westen auch Rechte - aber die haben wohl meist mehr zu verlieren. Ausserdem sollte das kein Wettbewerb sein, nach dem Motto, wer hat mehr und wer ist schlimmer. Wie schon gesagt - eine handvoll gewaltbereiter Nazis reicht doch wohl.
Ich zumindest fragte mich schon länger, wie es so weit kommen konnte - zumindest immer dann, wenn ich mit meinem Freund in der Regionalbahn nach Hause fahre und Angst um ihn habe, nur weil er Inder ist. In den beinah leeren Abteils, wenn man an zerbrochenen Industrieruinen vorbeifährt und in irgendeinem gottverlassenen Dorf anhält, wo vielleicht gerade ein Dorffest oder was auch immer gefeiert wird - wer weiss. Und wenn man sich die Landschaften so ansieht und dann auch noch konkreter über die Verstrickungen von Behörden mit diesen Netzwerken erfährt (und wie sie obendrein jene, die links-demokratisch sind und waren, verfolgt haben), dann kann man sich vieles denken. Aber reicht das wirklich?
Sollte man nicht auch nach den Umständen fragen, nach den Millieus und nach den Lebenswelten, in denen Menschen immer wieder unter zu gehen scheinen? Ich glaube fast, dass die ständigen Anschuldigungen, von wegen Nazis im Osten, die können keine Demokratie etc. dazu führen, dass "Ossis" die Debatte um die Ursachen in der eigenen Gesellschaft (und nicht nur beim Staat und dem großen Mainstream) gar nicht mehr führen wollen. Und ich befürchte, wenn das so weitergeht, dass wir dann in eine Richtung tendieren, wie in der alten Bundesrepublik, wo es ja vielerorts kein Problem gibt (und wenn dann erst neuerdings).
Und ich finde durchaus, dass dies eine Ostdeutsche Debatte sein sollte - wie sollte das bitte auch in einer "gesamtdeutschen" Debatte passieren - doch nur in einer Reihe von sinnlosen Belehrungen und Anschuldigungen darüber, wie es früher war, und was wir lernen mussten (und müssen) und wie toll es uns eigentlich geht. Wo würde in einer solchen Debatte die Alltagsrealität aus dem Osten bleiben?

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Ehemaliger Nutzer 18.11.2011 | 00:14

@ Magda schrieb am 17.11.2011 um 22:09

>>>es gibt bei den wesentlichen Medien auch so eine Art "Linie" und die verordnet, dass das ein gesamtdeutsches Problem ist und ich finde das auch.

Zur "Linie": "gesamtdeutsches Problem", gehört für mich auch, dass es ein Problem mit dem "rechten Terrorismus" sei.

Was ist denn der rechte Terrorismus in Deutschland? Das sind mehrere hundert gewaltbereite, gewaltausübende und fest organisierte Personen, die sich aufgrund ihrer Kollaboration mit den "Verfassungsorganen" sicher sein können, dass ihnen strafrechtlich nichts passiert. Ein "Versagen" der Verfassungsorgane zu unterstellen gehört offensichtlich auch zur politischen Linie.

Warum aber soll man dieser Aussage vertrauen? Das "Versagen" als eine normale Begleiterscheinung der Arbeit von Führungsoffizieren mit ihren rechtsradikalen IMs zu sehen, ist die viel interessantere Ausgangsthese für eine politische Diskussion.

Dann stellte sich die Frage, welches Ziel dieser Struktur könnte es wert sein, sich dem Verdacht des "Versagens" auszusetzen. Das Versagen ist für einige Chargen in den Diensten ja durchaus mit einem beruflichen Risiko verbunden.

In der journalistischen Aufklärungsarbeit die Verhältnisse dieser Strukturen zu untersuchen und offen zu legen, können die in der Stasiaufklärungsarbeit gestählten Jouranlisten von Spiegel, Zeit und monitor jetzt neuen Ruhm erwerben.

jesper mikkel kjaer 18.11.2011 | 00:23

Danke für die Anregung zur Erweiterung des Blickfeldes. Auf einen Teil Deutschlands, den es seit 1989/90 historisch nicht mehr gibt, welcher sich seitdem aber hartnäckig weigert damit aufzuhören weiter deutsche Geschichte(n) zu schreiben. Das Bild der "Braunen Armee Fraktion" kann so in der Tat nur durch eine Gegenüberstellung innerhalb eines alten bundesrepublikanischen Kontextes entstehen. Diese einseitige Perspektive scheint heute derart dominant, dass es einem vorkommen kann als wäre mit der Ost-Mark gleichsam jede Möglichkeit einer davon abweichenden Betrachtungsweise jüngerer deutscher Geschichte und damit auch diverse Interpretationsmuster solch besorgniseregender Gegenwartserscheinungen verschwunden.

LarsG 18.11.2011 | 01:12

Ursprünglich wollte ich hier im Freitag nicht mehr kommentieren, da immer unendliche, themenferne Verläufe angezettelt werden. - Ich versuche nur, Frau Hensels Erinnerungen etwas anekdotisch die meinen hinzuzufügen. Wir sind ungefähr gleich alt.
1992, Eisenhüttenstadt: Ich traf mich täglich mit einigen Gleichaltrigen aus mir heute nicht mehr ganz klaren Gründen auf einem Wohnhof an einer Parkbank. Ein paar Gymnasiasten mit Akademiker-Eltern wie ich, ein paar Gesamt- und Realschüler, ein paar Lehrlinge. Mehr Jungs als Mädchen. Zeitgleich wurde das Erst-Aufnahmeheim für Asylbewerber im allg. Trend des "Asylantenheim-Belagerns" von meist sich selbst als "rechts" sehenden Jugendlichen umlagert, es gab provokante Auseinandersetzungen mit der Polizei, "Ausländer raus"-Rufe etc. Ein paar der Cliquen-Kumpel waren wohl auch öfter mal dort, sie prahlten mit Geschichten. Ich sah mir die Sache eines Abends in einer Gruppe von ungefähr 5 Leuten auch von Ferne an und hatte ein glühendes Gesicht, aus diffuser Aufregung. Ich bin nur 1x dort hingegangen. Die Clique war übrigens nicht besonders hermetisch, es kamen manchmal Bekannte hinzu, manche kamen nur sporadisch. Ein paar dieser Jungs grüßten sich tagsüber öffentlich mit dem Hitler-Gruß, sangen Nazi-Abwandlungen von Popliedern, erzählten eklige Juden"witze", die andern lachten, grinsten oder sahen nicht weiter hin. Aus dieser Gruppe stahlen manche offenbar aus Sportsgeist immer mal Autos, am leichtesten ging das wohl mit dem Opel Kadett. Kampfsport, Türsteherjobs etc. waren auch Teil der Sache. Niemand kam auf die Idee, wegen der Autos oder der Nazisachen sich an die Polizei zu wenden, die ungefähr 100 m weiter ihre Zentrale hatte. Gleichzeitig hatte man mit Markenkleidung, Mädchen und Coolness eh schon genug Probleme. - Ich habe das Nazithema beiläufig erwähnt, denn so war dmeine allg. Empfindung. - 2 Jahre später war ich meilenweit weg von jenen Leuten, flüchtete vor prügelwütigen rechten Hooligans, diskutierte mit Freunden über die gefährliche Naziszene der Stadt, versuchte, die Gefahrenorte zu meiden. - Ich glaube auch, dass Frau Hensel nicht so unrecht hat, dass man halt drumrum gekommen ist, nur einer glücklichen Fügung wegen nicht doch an irgendeinem Scheiß mitgewirkt hat. - Meine Eltern haben übrigens immer eine klare Haltung gehabt: Es gibt keine Menschen zweiter Klasse. Wer dort künstlich Unterscheidungen trifft, ist dumm. Für mich war das Elternhaus in dieser Frage sicher der wichtigste Richtungsweiser. -
Was das mit Ost und West zu tun haben könnte? Die Gesellschaft war noch stark gemischt, die Einheitsschule gerade erst aufgelöst, die alten Hierarchien aber komplett zerstört, ohne neue Autoritäten etabliert zu haben. Alles war immer noch im Nachhall der Wende/Revolution: Unangemeldete Demonstrationen '91 gegen Irakkrieg Nr. 1, Plünderung eines Supermarkts zu Silvester, und eben auch mit Baseballschlägern Widerliches rufend durch die Stadt marodieren. -
Ich glaube nicht an die einfachen sozialpsychologischen Klischees von Töpfchenzwang usw. -
Ich glaube aber wohl, dass die Erfahrung, ungestraft sich über Andere erheben zu können, ausländerfeindliche Reden zu schwingen ohne Sanktionen und gar ungestrafte Verfolgungen, Körperverletzungen und Mordversuche an Ausländern, Behinderten, Obdachlosen etc. die Akteure zu sehr bestärkt hat in ihrem Tun. Als Nazi kann ich mich in mehrfacher Hinsicht als Systemopfer gerieren und gleichzeitig kann ich meine Machtlust halbgeduldet an Schwachen ausleben. Eigentlich eine befriedigende Konstruktion, wenn man sonst nicht viel erwartet...

attika 18.11.2011 | 12:10

Da taucht sie wieder auf, diese ostdeutsche Identitäts- und Biografieduselei. Leute, ich hab auch die 90er im Osten verbracht, war in der Antifa aktiv. Aber die Frage, ob ich ein faschistischer Massenmörder werden will, hat sich mir einfach nicht gestellt. Ich finde es obszön, einer ganzen Generation diese Indefferenz unterzujubeln. Ein paar pathologische Massenmörder sagen nichts über eine Generation aus. Die Folgen der Vereinigung zeigen sich in Armut, Elend und Perspektivlosikeit. Ein paar schießwütige Gangster sind wohl eher eine Randerscheinung. und das der Verfassungsschutz die Nazilogistik betreibt ist auch keine Neuigkeit.

goedzak 18.11.2011 | 14:42

Der Vorwurf, mit diesem Artikel würde das Thema zu einem Ost-West-Thema umgefälscht, ist nicht berechtigt. Die Frage nach der ganz konkreten Sozialisation der Täter, die nun mal Wende-Kinder (oder Wende-Teens) waren, ist legitim. Vielleicht betont die Autorin an einigen Stellen zu sehr die Unterschiede ("Trennt die westdeutschen Nachkriegseltern von den ostdeutschen Nachwende­eltern nicht viel mehr, als sie eint?") und erweckt damit den Eindruck, den vielen DDR-Ferndiagnostikern (und Demagogen-Knaben) zuzustimmen, die suggerieren, nur zuviel Rotlicht mache braun.
Aber, wie gesagt, die Frage nach den konkreten lebensgeschichtlichen Hintergründen muss gestellt werden dürfen. Vielleicht hilft ein Blick auf die Tendenzen der Rechtsradikalisierung von Jugendlichen weiter westlich und ein paar Jahre vorher. Die Fascho-Skin-Welle der früheren Achtziger in der alten BRD betraf die "Kinder der 'geistig-moralischen Wende'" der Kohl-Jahre, und muss immer im Zusammenhang mit der Migrantenpolitik dieser Jahre gesehen werden. Die Rechtsradikalisierung der proletarischen, bis dahin unpolitischen Skinhead-Bewegung in Großbritannien seit 1979/80 (Blood, rechtsterroristische Gruppen wie Combat18) geschahen im Umfeld der radikal neoliberalen Reformen der Thatcher-Zeit. Immer stecken persönliche Lebensumstände, Familiensituationen usw. dahinter. - Die Fragen sind richtig!

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Ehemaliger Nutzer 18.11.2011 | 16:56

Der Artikel entsetzt mich doch ein wenig, weil er einfach nicht stimmt.
Wer Beckmann gesehen hat von Herrn Jürgs (Stern) erfahren, dass 90% der Nazis 1989 aus dem Westen kamen und sich im Osten gut eingenistet hatten. Ich selbst hatte eine Erfahrung, die das auch bestätigt.
In unserem Wohngebiet tauchten plötzlich zwei Fahrzeuge mit aufgemalten Wolfskrallen (Hakenkreuzen) auf. Ich rief bei der Polizei an und die wollten sich auch sofort darum kümmern. Nach 14 Tagen standen die Fahrzeuge immer noch dort (sie wurden auch bewegt). Diesmal sagte man mir, dass man nichts dagegen machen könnte, man müßte erst warten, was die Politik meint. Seit diesem Zeitpunkt habe ich erkannt, was uns im Osten blühen wurde und ich habe mich nicht geirrt. Die BRD war vor der Wende auf dem rechten Auge blind und nach der Wende erst recht. Eigentlich gehört dieser Staat vor die UNO!

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Ehemaliger Nutzer 18.11.2011 | 16:57

Der Artikel entsetzt mich doch ein wenig, weil er einfach nicht stimmt.
Wer Beckmann gesehen hat von Herrn Jürgs (Stern) erfahren, dass 90% der Nazis 1989 aus dem Westen kamen und sich im Osten gut eingenistet hatten. Ich selbst hatte eine Erfahrung, die das auch bestätigt.
In unserem Wohngebiet tauchten plötzlich zwei Fahrzeuge mit aufgemalten Wolfskrallen (Hakenkreuzen) auf. Ich rief bei der Polizei an und die wollten sich auch sofort darum kümmern. Nach 14 Tagen standen die Fahrzeuge immer noch dort (sie wurden auch bewegt). Diesmal sagte man mir, dass man nichts dagegen machen könnte, man müßte erst warten, was die Politik meint. Seit diesem Zeitpunkt habe ich erkannt, was uns im Osten blühen wurde und ich habe mich nicht geirrt. Die BRD war vor der Wende auf dem rechten Auge blind und nach der Wende erst recht. Eigentlich gehört dieser Staat vor die UNO!

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Ehemaliger Nutzer 18.11.2011 | 21:59

Richard der Hayek,
viel wissen Sie nicht, aber davon beträchtlich viel. Wer hat den Oberländer in der alten BRD aufgedeckt?
Wer Beckmann gesehen hat von Herrn Jürgs (Stern) erfahren, dass 90% der Nazis 1989 aus dem Westen kamen und sich im Osten gut eingenistet hatten. Er sagte weiter, dass vom Anfang an im BND und im Verfassungsschutz lauter belastete Nazis saßen. Ganz nebenbei saßen im 6.Bundestag mehr IM's, als die Fraktion der FDP.
Ich selbst hatte eine Erfahrung die bestätigt, dass im Westen Nazis sich frei zeigen konnten.
Mein eigener Vater, Träger der faschistischen Totenkopfuniform der Waffen-SS, ist 1945 in den Westen geflohen. Erst als Globke Staatssekretär wurde, ließ sich mein Vater finden. Mit einem großen Schild an seinem Auto fuhr er bis 1995 durch die BRD worauf stand, dass er stolz darauf sei, daran teilgenommen zu haben. Alle haben es gesehen, keiner hat etwas dagegen getan.
In unserem Wohngebiet tauchten nach der Wende plötzlich zwei Fahrzeuge mit aufgemalten Wolfskrallen (Hakenkreuze) auf. Ich rief bei der Polizei an und die wollten sich auch sofort darum kümmern. Nach 14 Tagen standen die Fahrzeuge immer noch dort (sie wurden auch bewegt). Diesmal sagte man mir, dass man nichts dagegen machen könnte, man müßte erst warten, was die Politik meint. Seit diesem Zeitpunkt habe ich erkannt, was uns im Osten blühen wurde und ich habe mich nicht geirrt. Die BRD war vor der Wende auf dem rechten Auge blind und nach der Wende erst recht. Eigentlich gehört dieser Staat vor die UNO!

Tiefendenker 19.11.2011 | 02:02

Ich kann mich noch gut an die Krawalle in Rostock-Lichtenhagen erinnern, was damals ja durch die Medien ging. Kurz nach Beginn der Ausschreitungen konnte man plötzlich zahlreiche Fahrzeuge mit westdeutschen Autokennzeichen beobachten. Die Nazis eilten freudig erregt herbei, um bei der Randale gegen Ausländer dabei zu sein. Die Deppen aus dem Osten hatten ihre Westkontakte schnell mobilisiert. Und damals hatten die meisten noch kein Handy, viele nicht mal ein normales Telefon...

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Ehemaliger Nutzer 19.11.2011 | 22:00

@Richard der Hayek,

Rechtsextremismus ist nach Einschätzung von Uwe-Karsten Heye kein typisch ostdeutsches Problem. NPD, Republikaner und DVU seinen „Blüten aus dem braunen Sumpf des Westens“ sagte der Vorsitzende der Initiative „Gesicht Zeigen!“, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzt. „Von daher gibt es keinerlei Grund, einseitig in Richtung Osten zu schauen“. In beiden Teilen Deutschlands gebe es das gleiche Problem: virulente und zunehmende Minderheiten mit extremistischen Einstellungen. Das sein durch wissenschaftliche Forschung belegt. Menschen mit rechtsextremistischer Gesinnung seien demnach nicht zwangsläufig, aber fast immer „bildungsfern“. „Es ist auch ein soziales Problem“, so der ehemalige Regierungssprecher Heye. „Ich glaube, wir haben viel aufzuarbeiten“. Das gelte für Ausländerrecht, das auf Abwehr angelegt sei und für die fehlende Empathie für Einwanderer, denen man nicht das Gefühl gebe, dass sie wirklich willkommen seien. „Das alles schlägt sich in solchen zuspitzenden Äußerungen wie „Dönermorde“ nieder“. Zur Debatte um ein NPD-Verbot sagte Heye: „ Das lenkt zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig ab“. Erst sollte geprüft werden, ob es hilfreich ist, V-Leute in den rechtsextremistischen Bereich einzuschleusen.
Quelle.dpa

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2011 | 11:05

@ luddisback schrieb am 18.11.2011 um 20:01

Dank für den Link. Im Vergleich damit sieht der Artikel von Frau Hensel noch schlechter aus.

Auf die Titelseite des Freitag gehört - das Titelfoto zum Artikel von Tom Strohschneider geht ja schon mal in die richtige Richtung - ein Artikel, der sich mit der Organisation des Rechtsterrorismus, der rechten Parteien und der Position der Staatsorgane dazu befasst.

Das ist das eigentliche gesellschaftliche Problem und nicht dieser politisch unergiebige Ansatz "Ost/West" von Frau Hensel.

luddisback, wir hatten uns letztens in der FC getroffen, weil wir uns über den Artikel von Ulrich Schäfer im Freitag austauschten. Hier ist wieder ein Artikel, der zeigt, dass an der politischen und journalistischen Profilierung des Freitag noch manches zu tun ist.

Columbus 21.11.2011 | 15:17

So, wie Sie das hinschreiben, müssen Sie es belegen, Lisi Stein. Das mit der folgenden Generation und dem Übergang des nationalsozialistischen Saatgutes (sic!).

Die Webseiten des Hofgutes geben das jedenfalls nicht her. Ebenso nicht, weitere, zahlreiche Webseiten, die belegen, dass der Hof von anderen Hollands geleitet wird und zudem überhaupt nicht isoliert ist.

Ich finde, man sollte nicht in Denunziations- und Sippenhaft-Rhetorik verfallen, die doch auf dem Niveau dessen liegt, was man vorgibt kritisieren und bekämpfen zu wollen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Daniel Khafif 21.11.2011 | 15:36

Liebe Jana Hensel, ganz herzlichen Dank für diesen Beitrag, der diese traurige Entwicklung mal von einer zeitgeschichtlichen Perspektive betrachtet. Hat mich zu einem Kommentar inspiriert, der ebenfalls hier in der Community des Freitag zu lesen ist. Wünschenswert wäre, daß eine tiefere und philosophische Diskussion der politischen Debatte zum Thema folgt. Mit besten Grüßen: Daniel Khafif

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lyzis-welt 21.11.2011 | 16:09

Ich glaub, es hackt.

"An welcher Stelle sind sie uns verloren gegangen?"

-> Uns? Sind Sie Neonazi? Oder soll das "uns" bedeuten, dass Sie gerne in Gemeinschaft mit Faschisten leben?

"Wie die drei Neonazis in den Terror ­abglitten"

->Tja, wie wohl. Wie konnte der Massenmörder Hitler bloß in den Massenmord "abgleiten"! Wer schon unten ist, der muss nicht mehr sinken, Frau Hensel.

"Was bedingt Radikalisierung? Im Fall der Zwickauer Zelle wird die Frage nicht mehr gestellt"

Es handelte sich um RechtsRADIKALE, Neonazis. Da bedeutet Terrorismus nicht "Radikalisierung", sondern Folgerichtigkeit.

Selten soviel Mist gelesen - außer natürlich in der Printausgabe des "Freitag".

Magda 21.11.2011 | 16:50

Lieber goedzak, welche Fragen denn? Sie stellt keine. Sie sinniert und lässt offen:

"Nun wird bei der „Zwickauer Zelle“ das, was offensichtlich zutage liegt, zu einem Tabu: Man fragt nicht mehr, warum neun der zehn Opfer auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik zu Tode kamen. Ob das mehr als nur ein Zufall war."

Was soll man denn dazu sagen?
Davor stellt sie fest, wie missglückt die Debatten über Ostdeutschland sind. Es bleibt wohl nichts, als andauernd "richtige" Fragen stellen. Hast Du eine Antwort auf die gestellte Frage? Ich habe eine oben wohl versucht - bin jetzt zu faul, zu scrollen.

Die Antworten über ostdeutsche Fragen kriegen wir von Augstein und Blome. Ich bitte Dich.

Diese Debatte kann nur missglücken.

Jana Hensel 21.11.2011 | 22:10

Liebe Magda, warum so harsch? Ich bin ungern rechthaberisch, – und eine der von mir gestellten Fragen zitieren sie selbst –, aber bitte:

"Aber haben nicht die Lehrer, die Eltern, die Freunde, die Politik, die Institutionen, haben die alle nicht auch versagt? Gilt es nicht mit gleichem Recht zu fragen: An welcher Stelle, zu welchem Zeitpunkt sind uns diese Kinder verloren gegangen?"

Und: "Aber ist es wirklich ein Generationenkonflikt, der den gewaltsamen Taten der Gruppe zugrundeliegt? Trennt die westdeutschen Nachkriegseltern von den ostdeutschen Nachwendeeltern nicht viel mehr, als sie eint?"

Sind das keine Fragen? Ihre Jana Hensel

hadie 21.11.2011 | 22:51

J. H. fragte: "An welcher Stelle, zu welchem Zeitpunkt sind uns diese Kinder verloren gegangen?"

Letzlich als drittklassige Karrieretypen aus dem Westen (wie der thüringer Verfassungsschutz-Panzeroffizier) auf sensibele östliche Machtpositionen gehievt wurden.

J. H. fragte: "Trennt die westdeutschen Nachkriegseltern von den ostdeutschen Nachwendeeltern nicht viel mehr, als sie eint?"

Sie trennen etliche tausend Euro Jahreseinkommen und die Erfahrung ständiger Demütigungen durch die Hartzschen Armutsverwaltungen.

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2011 | 00:26

@ hadie schrieb am 21.11.2011 um 21:51

>>>Sie trennen etliche tausend Euro Jahreseinkommen und die Erfahrung ständiger Demütigungen durch die Hartzschen Armutsverwaltungen.

Zum Pokalspiel Dynamo Dresdens gegen Borussia Dortmund sind mitten in der Woche 15...20.000 Fans gereist. Diese zogen vom Bahnhof zum Stadion durch die Straßen Dortmunds und brüllten rhytmisch: "Ihr sei Wessis und wir nicht!".

Warum tun die das? In erster Linie aus Dummheit. Aber auch, um ihre Erniedrigung zu kompensieren.

DerHans 24.11.2011 | 11:34

Zum letzten Absatz: Wer, bitteschön, glaubt denn nicht an einen eigenen ostdeutschen Geschichtsverlauf? Ich (geborener Bürger der „selbständigen politischen Einheit Westberlin") habe mich nach dem Mauerfall intensiv mit der Geschichte der DDR beschäftigt, weil mich die Siegermentalität und Denkmalsstürzerei anwiderte.
Diese Vorgeschichte und die Verhältnisse im Anschlußgebiet können aber allenfalls die Radikalität der Ausprägung erklären; die verlorene Jugend ist ein gesamtdeutsches Phänomen – zum Glück für den Staat äußert sich das bei den meisten nur in gewöhnlicher Delinquenz. Bei der Treberhilfe habe ich die (West)berliner Variante deutschstämmiger Unterschicht kennengelernt. Die Abneigung gegenüber (als Konkurrenten um Sozialleistungen empfundenen) Ausländern ist dort die Regel. Für diese Randständigen setzt sich jedoch keine einflußreiche Spezial-Lobby ein; Obdachlose und Alkoholiker gelten vielen Rechtsradikalen als legitimes Objekt zum Abreagieren.

Torsten Zeiß 02.12.2011 | 17:32

Ich finde die Frage nach der Motivation der Täter berechtigt. In meinem neuesten Blogpost habe ich versucht, eine Antwort aus der anthropologischen Perspektive René Girards zu geben. Dessen mimetische Theorie lehrt, dass Gewalt aus Ressentiments entsteht, die wiederum ihre Wurzeln im mimetischen, also nachahmenden Charakter des menschlichen Begehrens haben:

dasrettende.wordpress.com/2011/11/29/die-wurzeln-des-terrors

Viel Spaß bei der Lektüre!

SiebzehnterJuni 03.12.2011 | 22:08

Ich danke Jana Hensel für diesen Artikel. Ich bin beeindruckt, dass sich Jana Hensel der Diskussion stellt. Außer Lutz Herden hat das in diesem Ausmaß kaum jemand gemacht.

Das macht diesen Aufsatz noch inzeressanter und lebendiger.

Ich danke Magda für die wunderbaren Beiträge und stelle fest, dass in bestimmten Fragen doch eine große Übereinstimmung gibt.

Einige Gedankensplitter zu diesem Thema:

1.70er Jahre: Fahre vom Chemischen Institut von Heidelberg nach Hause. Damals erster RAF-Mord!
Auf einem Feldweg STOP durch Polizei, MGs in Anschlag, Kontrolle des Ausweises,
keinen dabei, Studentenausweis – reicht auch. Halbe Stunde Autokontrolle, Weiterfahrt, Zittern,
Angst. Der Staat im Ausnahmezustand.

2. CDU 1977 "Der Weg in die Gewalt". Kongress "Geistige und gesellschaftliche Ursachen des
Terrorismus und seine Folgen" ( Implizit ging es um linken Terrorismus!!!)
Vorschlag: gleiches Thema jetzt 2011 !!

3. 2001 – jetzt über 180 Morde durch Rechtsterroristen – Der Staat zeigt seit 20 Jahren nicht die
Macht gegenüber rechts, die er zeigen könnte. Es geht darum, den rechten Typen mit aller
Staatsmacht entgegen zu treten – überall jeden Tag und jede Nacht!

4. 1993 nach ein paar Tagen in Potsdam tagt eine kleine Gruppe der B90Grünen in der Nähe des
Rathauses. Mit dabei Platzeck, Mathias und Ute, Nooke, .. Es wurde über ein Ausländerprogramm
gesprochen. Dieses Traktat war so ausländerfeindlich, dass ich nicht wusste, wo ich gelandet war.
Heute sind alle damals Beteiligten inhaltlich nahezu entgegengesetzter Auffassung – Gott sei
Dank. Heute kann ich dies alles verstehen.

5. Dolgenbrodt – Ausländerwohnheim wird abgefackelt. Ein Freund sagte damals: Mensch, jetzt
sind doch wir die Asylbewerber, ihr habt uns Asyl gewährt, ihr habt uns aufgenommen. Und
Was macht ihr? Ihr schickt uns Asylbewerber her, um Eure Probleme los zu werden, uns neue
Probleme aufzudrücken, obwohl wir doch schon massig genug haben. Wir – so mein Freund –
haben den Eindruck, dass Euch von Eurem Innersten mehr an den Asylbewerbern liegt als an uns.
Sie stehen für Euch moralisch höher. Irgendwie fühlen wir das. Heute würde ich sagen: Ja, Ja es war irgendwie so!

6. Dolgenbrodt – 2000 habe ich die Straßenbeleuchtung planen dürfen. Ein gespenstischer,
schöner Ort. Tagsüber Totenstille, kein Mensch zu sehen, nur hinter den Gardinen bewegt
sich was. Dort ein Asylbewerberheim zu platzieren war sicher eine absolut abstruse Idee.

7. Die Rechtsterroristen waren zur Zeit der Wende 14 Jahre - V I E R Z E H N J A H R E!!
Was war da in den ostdeutschen Familien los. Ich kann und will nicht verallgemeinern. Aber
die Wende hat Millionen bei Menschen Unsicherheit und Angst hervorgerufen – sicher auch
Freude! Aber in der Schule, in den Universitäten, in den Betrieben brach alles zusammen,
was Struktur und Halt gab.
Diese Lage beschreibt Clemens Meyer in „Als wir träumten“ wunderbar. So ging es vielen
Jugendlichen damals. Eltern – räumlich weg oder kommunikativ absolut nicht erreichbar.
Horte geschlossen, kaum Mittagessen in den Schulen.
Nahezu alles, was die DDR der Jugend bot - wie auch immer das inhaltlich bewerten mag –
War weg. Meine Brieffreundin schickte ihren Sohn von der Geigenschule an die ALDI-Kasse!

8. Aber alle Jugendlichen von damals sind nicht – noch nicht - Rechtsradikale oder gar Rechtsterroristen
geworden. Jede Familie hat die Wende sehr individuell bewältigen müssen. War allein. Das, was
früher Zusammenhalt war, war schnell zerronnen.

9. 1993 – eine Bekannte aus Erfurt sagte: Ihr denkt Euch „Dächer gut, alles gut“ – aber Ihr
werdet Euch noch wundern!!

10. PLUS- Markt Potsdam (1993) hat doppelt so große Alkoholregale wie im Westen – besonders die
die hochprozentigen Sachen findet man massenhaft. Es fiel mir schon in den ersten
Woche auf.

11. Dortmund entwickelt sich zum Zentrum der Rechten im Westen. Ich bin in Dortmund geboren.
Ich begreife das nicht. Oder doch ein wenig. Hier ist auch eine ganze Industrie zusammengebrochen,
von der die Stadt seit 1847 gelebt hat. Die Universität hat akademische Arbeitsplätze geschaffen,
die Klassengegensätze in der Stadt verschärft. Viele Kumpels in den ehemaligen Zechen waren
zum Schluss türkischstämmig und sind jetzt arbeitslos. Jetzt teilen sich die ca. 20% Arbeitslosigkeit
deutschstämmige und türkischstämmige Deutsche. Es ist eine brisante Situation entstanden.
Aber das muss doch nicht zu solcher Gewalt führen, dass schon linke Lehrer die Stadt verlassen,
um woanders sicher zu sein.