Jana Hensel
Ausgabe 2514 | 20.06.2014 | 06:00 10

The winner is Zonen-Gaby

Zwischenbilanz 25 Jahre nach dem Mauerfall schauen ostdeutsche Frauen mit neuem Selbstbewusstsein nach vorn

Nun war man ja damals selbst nicht dabei, als in jenen anfangs lichten und dann sehr schnell sich verfinsternden Jahren nach dem Mauerfall westdeutsche Feministinnen und Frauen, die in der DDR im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann gestanden hatten, aufeinandergetroffen sind. Und doch stellt man sich vor, dass all diese Frauen arg aneinander vorbeigeredet haben müssen. Die aus der Bundesrepublik waren, und das sei hier wertfrei vermerkt, kampf- und diskurserprobt, theoretisch gewappnet und irre belesen; die aus der DDR wiederum kamen direkt aus der Produktion, hatten zu Hause Mann und Kind und Haushalt oder in immer größeren Zahlen nur Kind und Haushalt und konnten mit dem Wort Feminismus nicht viel anfangen. Wörter mit -ismus am Ende waren in diesem Teil des europäischen Kontinents damals ohnehin nicht sonderlich beliebt. Mehr noch werden sich viele gefragt haben: Was hat das bitte mit mir zu tun?

Und nachdem man gemeinsam erfolgreich gegen die Abschaffung des Paragraf 218 gekämpft hatte, der aus ostdeutscher Sicht freilich ohnehin ein Rückschritt gewesen war, war es das dann erst einmal mit dem gesamtdeutschen Feminismus. Für rund 20 Jahre. Aber auch sonst gab es ja nicht allzu viel Gesamtdeutsches, von der Super-Illu und den Tatsachen, dass Michael Ballack mal Kapitän der Fußballnationalmannschaft und Angela Merkel mal Frauenministerin war, abgesehen.

Gibt es eine D-Norm?

Insofern ist es wahrscheinlich eine gute Nachricht, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls zum Anlass nimmt, um im Rahmen einer Kurzkonferenz nun zu fragen: Gibt es eigentlich die D-Norm? Also: Wie haben sich weibliche Lebensentwürfe und feministische Debatten in Ost und West entwickelt? Und haben sich Einstellungen und Verhaltensmuster angeglichen oder nicht?

Bleiben wir noch ganz kurz bei den guten Nachrichten: Man redet also wieder miteinander. Oder nein, anders gesagt: Man versucht, wieder miteinander zu reden. (Und redet dann doch eigentlich noch immer aneinander vorbei. Aber dazu später.) Doch die Richtung hat sich geändert, die Temperatur, wenn Sie so wollen. Nun sind es nämlich die ostdeutschen Frauen, die überraschenderweise den Ton angeben. Sind es die ostdeutschen Wissenschaftlerinnen, die mit Selbstbewusstsein und erstaunlichen Zahlen die Geschichte einer ostdeutschen Gleichberechtigungsrealität erzählen, die in den 70er Jahren begann und bis heute reicht. Sind es junge Westdeutsche, die den Ostdeutschen einen „Emanzipationsvorsprung“ attestieren und mit Zahlen belegen können. Sind es junge Westdeutsche, die bemerkt haben, dass viele feministische Bloggerinnen und Aktivistinnen, ja, aus der DDR stammen.

Wenn man das sich auf der Konferenz ergebende Bild in einem Satz zusammenfassen möchte, könnte man sagen: Eines Tages wird man erkennen, dass von jenem ostdeutschen Ich-stehe-meinen-Mann-Feminismus für das vereinigte Land im Verhältnis mehr positive Emanzipationsimpulse ausgegangen sein werden als vom Alice-Schwarzer-Feminismus. Mehr als die meisten denken ohnehin. Aber, wie gesagt, auch absolut, denn das Bevölkerungsverhältnis ist ja bekanntlich 3,75:1.

Mit anderen Worten ist eingetreten, was vor 25 Jahren niemand vermutet hätte, und was auch nicht sein durfte: Zwar konnten damals die wenigsten DDR-Frauen (und Männer) eine Gurke von einer Banane unterscheiden, die Vorstellung aber, dass in der DDR Gleichberechtigung nur staatlich verordnet war und nicht gelebt wurde, diese zu einem beharrlichen Vorurteil gewordene Idee, kann nun endlich begraben werden. Von wegen keine Frauen im ZK! Im Westen gab es weder eine in der Verfassung festgeschriebene Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz, noch waren Frauen in Unternehmen oder demokratischen Institutionen oder Parteien in irgendwie relevanten Zahlen auf Chefsesseln.

Aber nun endlich zu den Zahlen: Ingrid Miethe – aus Sachsen stammend, Mitglied der DDR-Bürgerbewegung und heute in Gießen Professorin für Erziehungswissenschaften – hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Bildungsaufsteigern und Arbeiterkindern an deutschen Hochschulen befasst und einen Bruchteil der Ergebnisse ihrer Arbeit vorgestellt.

Zusammengefasst ihre Kernaussagen: In der DDR waren im Jahr 1970 mehr als 40 Prozent aller Hochschulabsolventen Frauen, in der BRD nur rund 30 Prozent. Im Jahr 1989 waren es knapp über 50 Prozent, in der BRD: knapp unter 40 Prozent. Im wiedervereinigten Deutschland ist dieser Spitzenwert dann erst 20 Jahre später wieder erreicht. Bei den Zahlen der Promotionen und Habilitationen ist es genauso; erst heute sind die Zahlen dort so hoch wie in der DDR bereits 1989. Auch weiterführende Bildung hatte im Sozialismus bereits für alle Nachkriegsgenerationen ein hohes Maß an Selbstverständlichkeit. Somit war zwar der Zugang zu oberen Positionen ähnlich schwer zu erreichen wie in der Bundesrepublik, auf der mittleren Ebene aber fiel er leichter und geschah häufiger.

Miethe stellt auch ganz deutlich heraus: „Viele Weiterentwicklungen traditioneller Geschlechterarrangements in Gesamtdeutschland gehen auch auf den Einfluss ostdeutscher Positionen zurück, wenn diese auch nicht als solche benannt werden (dürfen).“ Sie meint damit die Förderung von Ganztagsschulen, den Kita-Ausbau und die Diskussion über die Vereinbarkeit von Kind und Karriere.

Ihre Zahlen reihen sich in eine ganze Menge anderer ein: Die Frauenerwerbsquote ist, egal ob mit Kindern oder ohne, in den neuen Bundesländern höher als in den alten; die Anzahl der in Krippe und Kindergarten betreuten Kinder ebenfalls; der sogenannte Gender Pay Gap ist niedriger und die Ostdeutschen bekommen früher und unabhängig davon, ob sie nun verheiratet sind oder nur so zusammenleben, Kinder. (In Wahrheit bekommen sie in the long run auch mehr.) Der Altersunterschied beim ersten Kind beispielsweise ist für einen Laien klein, in Wahrheit aber ist er so groß, als handele es sich um zwei völlig verschiedene und sich völlig anders entwickelnde Länder Europas, sagte mir Michaela Kreyenfeld vom Rostocker Max-Planck-Institut für Demographische Forschung vor ein paar Jahren schon in einem Gespräch. Puh, wenn man all das auflistet, kommt man sich vor wie eine Klugscheißerin.

Aber es zeigt, wie hoch der Rechtfertigungsdruck in mir ist. Als könne man nicht einfach sagen, ost- und westdeutsche Frauen sind verschieden. Man muss das nachweisen, wie in einer Gleichung mit sehr, sehr vielen Unbekannten. Und dennoch werden hinterher die meisten sagen: Interessiert doch sowieso niemanden, völlig alter Hut, total überschätzt, dieses ewige Ost-West-Ding. Aber ich schweife ab.

Alte Kämpfe, alte Fragen

Zurück zur Tagung: Es gibt wenige Feministinnen, die diese Sprachlosigkeit zwischen Ost und West nach dem Mauerfall bedauern und das als eine große vertane Chance empfinden. Auf der Tagung jedenfalls war keine von ihnen und so wurde darüber auch nicht weiter gesprochen. Eher wurde es erneut praktiziert. Vornehmlich ältere Gewerkschafterinnen nutzten dann, als Fragen an die Referentinnen zu stellen möglich gewesen wäre, das Saalmikro für endlose Koreferate über alte Schlachten und vergilbte Heldentaten.

Die eigentliche Frage aber, wie es dazu kommen konnte, dass in der alten Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg eine derart anachronistische Geschlechterordnung etabliert wurde, sodass das Land in fast all diesen Fragen beinah zu einem Schlusslicht in Westeuropa wurde, diese Frage wurde nicht gestellt. Vielleicht sind Feministinnen auch die falschen Adressaten. Sie leben ja in der Vorstellung, diese Welt schon immer bekämpft und auch verändert zu haben. Und damit haben sie auch ein wenig recht. Ein wenig zumindest.

  

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 25/14.

Kommentare (10)

dame.von.welt 20.06.2014 | 08:22

Daß ***°Zonen-Gaby° die Gewinnerin ist, war außer den paar Alphatieren unter den West-Frauen dem ganzen großen Rest halbwegs klar denkender Frauen sonnenklar. Es liegt auf der Hand, daß eine staatlich durchgesetzte Gleichberechtigung inklusive Kinderbetreuung und sicherem auskömmlichem Arbeitsplatz andere Biographien ermöglichte als das ganze mühsame Gekämpfe im Westen. Der ganze große Rest geht aber ganz offenbar nicht auf Konferenzen und ist auch den Rechtfertigungsdruck für einen selbsternannten, steuerhinterziehenden, mediengeilen Lautsprecher gründlich leid.

Mich macht es wirklich traurig, daß ostdeutsche Frauen sich offenbar von westdeutschen Lautsprechern so sehr beeindrucken ließen, daß sie sich mundtot gemacht und ihres alten Selbstbewußtseins entledigt fühlten und freue mich sehr, wenn das jetzt wieder anders geworden ist. Angesichts des Rollbacks allerorten ist das auch bitter nötig.

°Als könne man nicht einfach sagen, ost- und westdeutsche Frauen sind verschieden.° Doch, das geht, ganz leicht sogar - über die Details ihrer Verschiedenheiten können Frauen sich gegenseitig erzählen und tun das auch, seit 25 Jahren (falls vor der Wende im Osten zu Besuch, schon länger). Nebenbei bemerkt erscheinen mir auch die etwas älteren Männer in Ost und West sehr verschieden, was ihren Umgang mit sich selbst und mit Frauen angeht.

Und hier kommt die schlechte Nachricht: der Osten wurde ruckzuck und sehr wenig freundlich übernommen. Die Ost-West-Verschiedenheiten spielen in Privatkontakten eine Rolle, in der Politik ist das nicht der Fall, die ist trotz ostdeutscher Kanzlerin und ostdeutschem Bundespräsidenten vor allem eins: westdeutsch, neoliberal, bellizistisch.

Es gibt viele im Westen, die sich eine viel längere kostbare Zwischenzeit nach der Wende gewünscht haben: um von und gemeinsam mit den Ostdeutschen lernen zu können (mal einen wehmütigen Blick auf den vom Runden Tisch erarbeiteten Verfassungsentwurf von April 1990 werfen?) Diese Zeit gab es aber nicht, aus Macht-, Wirtschafts- und Konsumerwägungen nicht, weswegen sich der Westen gleich blieb, während sich im Osten alles veränderte.

Mag sehr gut sein, daß auch aus dieser Veränderung in Kombination mit den in vielerlei Hinsicht freieren Lebensplanungen der DDR-Frauen zusätzliche Kompetenzen und Kräfte und auch selbstbewußtere Töchter herangewachsen sind. Die Durchökonomisierung von Lebensentwürfen scheinen mir allerdings nicht als der Weisheit letzter und einziger Schluß.

***Kam nie der Gedanke auf, daß selbst die Titanic zu etwas nahe an Scham und Wehmut über die wenig freundliche Übernahme imstande war? Mindestens in °im Glück (BRD)° scheint mir bitterböse Selbstironie zu liegen.

Aber den gleichen Humor und nicht bloß das gleiche Boot zu teilen - das wäre ja tatsächlich Einheit. Die wird aber wohl noch ein paar Generationen auf sich warten lassen.

Richard Zietz 20.06.2014 | 09:58

Hm … Auch diese Wahrheit hat (mindestens) zwei Seiten.

Zum einen die, dass die DDR überdurchschnittlich in Bildung, soziale Absicherung sowie Vereinbarkeit von Mutterrolle und Erwerbstätigkeit investiert hat. Alles in allem kann man sagen, dass das egalitärere Gesamtklima dort den Frauen nicht unbeträchtlich zugute gekommen ist. Das ist nunmehr zwar ein Vierteljahrhundert her. Allerdings scheint es, dass das klügere Geschlecht einfach auch das pragmatischere ist und aus den gegebenen Chancen das Beste gemacht hat.

Der zweite Punkt sind die sozialen Kollateralschäden der im Beitrag beschriebenen Entwicklung. Einerseits ist es zwar richtig, dass Frauen in der neuen Marktwirtschaftsökonomie besser Fuß fassen konnten. Anders gesagt: Die emanzipierten, gebildeten Ostfrauen haben den Absprung besser hingekriegt – entweder in die wenigen Zentren dort oder aber in den Westen (falls nicht gleich als Saisonkraft oder Auswanderin außerhalb des Landes). Der Gesamtpreis der beschriebenen Entwicklung ist allerdings weniger fortschrittsoptimistischer Friede-Freude-Eierkuchen. Sondern der, dass weite Regionen Ostdeutschlands sozial-infrastrukturtechnisch veröden. »Soziale Kostenfaktor« zwei ist ebenfalls bekannt: das grassierende rassistische, latent bis offen rechte (und natürlich mit dem entsprechenden Chauvinismus einhergehende) Milieus – getragen vor allem von der zurückgebliebenen, unbebildeten männlichen Bevölkerung.

Fazit: Sozial gesehen ist der Kapitalismus eine teure Angelegenheit. Sowohl für Männer als auch für Frauen.

Magda 20.06.2014 | 10:14

Aha, das war also die Konferenz.

Nun war man ja damals selbst nicht dabei, als in jenen anfangs lichten und dann sehr schnell sich verfinsternden Jahren nach dem Mauerfall westdeutsche Feministinnen und Frauen, die in der DDR im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann gestanden hatten, aufeinandergetroffen sind.

Ja, ich war da aber noch dabei. In der Berliner Projekteszene, zu der ich damals ein bisschen gehörte, war das sehr unterschiedlich. Und die Projektefrauen-West waren auch ganz kooperativ. Ich konnte manches an ihrer kämpferischen Haltung erst nach einiger Zeit verstehen, als ich mehr Westmänner kennenlernte.

Eines Tages wird man erkennen, dass von jenem ostdeutschen Ich-stehe-meinen-Mann-Feminismus für das vereinigte Land im Verhältnis mehr positive Emanzipationsimpulse ausgegangen sein werden als vom Alice-Schwarzer-Feminismus.

Ich fand Schwarzers Bücher immer sehr erhellend. Schon zu Ost-Zeiten hatte ich mal den "Kleinen Unterschied gelesen. Das war schon interessant. Irgendwann sind die Frauen-Ost aber einfach zur Tagesordnung übergegangen und haben sich ihren Weg gesucht. Das stimmt - und dies meist mit den Männern gemeinsam.

Miethe stellt auch ganz deutlich heraus: „Viele Weiterentwicklungen traditioneller Geschlechterarrangements in Gesamtdeutschland gehen auch auf den Einfluss ostdeutscher Positionen zurück, wenn diese auch nicht als solche benannt werden (dürfen).“ Sie meint damit die Förderung von Ganztagsschulen, den Kita-Ausbau und die Diskussion über die Vereinbarkeit von Kind und Karriere.

Aber, was für ein langer Weg blöder Verblendung.

Nebenher: Eine Weile wurden die neuen karrieregeilen konservativen Politikerinnen aus dem Osten in den Sattel gehoben. Erinnert sich noch jemand an Claudia Nolte (mit der Rüschenbluse) aus Thüringen? (CDU) Sie war von 1994-1998 Frauenministerin. Die war nach Angela Merkel - die komplett glücklos und unglücklich in dem Job war - im Amt. Kohl liebte die heiß und innig. Und die bestätigte gern alle Vorurteile, die es damals über den Osten und die Frauen-Ost gab. Ein echter Flop und überhaupt keine Repräsentantin der Frauen im Osten. Damals konnte man auch noch nicht über Vereinbarkeitsfragen reden. In den 90er Jahren machte eine sächsisch-bayrische Zukunftsstudie die starke Erwerbsneigung der Frauen im Osten für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich und intendierte Änderung. So blöde waren damals die Rezepte. Verantwortlich u. a. für die Studie - ein höchst konservativer Knochen namens Meinhard Miegel.

anne mohnen 20.06.2014 | 11:53

Auch wenn man Merkel zugute halten muss, dass sie als Familie- und Frauenministerin nur ein Restministerium leitete, so hat Merkel sich weder für Frauen noch für Kinder jemals aus dem Fenster gelegt. „Glücklos“, "unglücklich" erscheint mir deshalb zu einfach, zu euphemistisch, denn sie hat und hatte genug Gelegnheiten, sich "glücklicher" in der Angelegenjheit zu verhalten und zu entscheiden.

Zja, zur „Mutti“ konnte Merkel wegen schräger Männerphantasien mutieren!

Tja, da konnte sich Regine Hildebrandt bis zu ihrem allzu frühen Tod noch so sehr den Mund fusselig reden, auch gegen die eigenen SPD-Parteimitglieder. Sie war es, die keine Gelegenheit ausließ, für Kitas und Ganztagsschulen, ambulante Medizinzentren, die man sich heute zur Recht wieder flächendeckend in ganz Deutschland wünschte, zu plädieren; keine Talk-Show ausließ, um die „Karriere-Frauen" -inzwischen auch in D-Ost aufrüttelte, Kinder zu bekommen. Vergeblich - und schließlich musste auch einstecken, dass es unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander geben muss, kann und darf- inzwischen auch für Frauen.

25 Jahre nach der deutschen Einheit: „Zonen-Gabi“?

Ich komme aus dem tiefsten Westen und habe damals auch deutsche Zeitungen gelesen, als ich im Süden Deutschlands studierte und arbeitete, an „Zonen-Gabis“ kann ich mich nicht erinnern. Wohl so ne Titanic-Gurke, oder? Spricht das von Selbstbewusstsein, sich daran hochzuziehen. Oder geht’s um innerdeutsche Mythen?

Magda 20.06.2014 | 16:41

Merkel hatte mit dem Frauenministerium nix am Hut. Aber, sie wusste sicherlich, dass sie den Job nicht ausschlagen kann, wenn sie weiterkommen will.

Mensch ja, die Hildebrandt. Sowas konnte nur im Osten gedeihen. Die war von allem was: Die war bürgerlich, christlich, sozialistisch und konservativ im besten Sinne. Und hatte einen Mann, der da auch ohne Probleme mitgezogen hat.

und schließlich musste sie auch einstecken, dass es unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander geben muss, kann und darf- inzwischen auch für Frauen.

Ich glaube nicht,dass sie das "einstecken" musste, sowas hat die bestimmt toleriert.

Nebenher: "Zonen Gabi" war - das hat die Titanic mal ausgespuckt - ja auch eine tiefwestliche Dame, die da einfach aus Jux posiert hat.

anne mohnen 20.06.2014 | 17:16

Nach der Wende habe ich nur mit Ost-Frauen (und Männer) zusammengearbeitet. Im Grunde hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Wir haben viel diskutiert über das Gesundheitssystem. In allen haben meine Ost-Kollegen und Kolleginnen recht behalten, die zusehen mussten als die ambulanten Kliniken unsinnigerweise zerschlagen wurden.

Ich kann mich an eine sehr lustige Episode erinnern, als eine Kollegin, wir sind inzwischen „dicke“ befreundet, zu mir sagte: „Kannst Du dich noch an unsere FDJ-Zeit erinnern?“ In dem Moment, indemsie ausgesprochen hatte, musste wir beide „Tränen lachen“.

Nein, ich will nichts beschönigen. Wie auch Errungenschaften abgewickelt wurde, das war greifbar, sichtbar. Das haben wir alle mitbekommen.

Die Unsichtbaren Deutschen 22.06.2014 | 15:32

Die institutionellen Sozialisierungsunterschiede zwischen ostdeutschen und westdeutschen Frauen existieren. Nur hilft es den ostdeutschen Frauen wenig, solange sie ostdeutsche Löhne erhalten. Wenn sie in den Westen abwandern, werden sie mit den westdeutschen Frauen vermengt - weil man ihre Vorteilhaftigkeit als Arbeitskraft vor Vertragsabschluß nicht erkennen kann. Einen besonderen Diskriminierungsstatus als ostdeutsche Frau existiert nicht. So muss die ostdeutsche Frau sich die gleichen Verdachtsmomente gefallen lassen, mit der Statistiker die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit schätzen. Das geht jetzt sogar auf Strassenzugsebene. Makroökonomische Modelle werden immer noch mit männlichen Repräsentativhaushalten simuliert, und es wird so die Politik beraten. Junge Frauen sind stille Wesen in den Hörsälen. Das stört sie nicht. Aufstand - wozu ?