Janine Engeleiter

Janine Engeleiter ist Yoga-Lehrerin, freie Journalistin und Nomadin. Themen: Menschenrechte, Natur, Kultur, Wissenschaft, Ethik, Weisheit - die Welt
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Janine Engeleiter
RE: Verdrängt, vergessen, erinnern | 23.02.2015 | 18:57

Da ich eine Freundin der Transparenz bin, möchte ich Sie in mehreren Hinsichten aufklären:

1. Der Text liegt schon seit November und sollte mit dem Jubiläum des Mauerfalls veröffentlicht werden. Und natürlich ist er aus dieser Feder eindimensional. Natürlich sehe ich es ebenfalls als notwendig an die Seite der BRD darzustellen. Das ist eine Aufforderung, die nicht nur mir gilt.

2. Durchaus sind die im Text erwähnten Sportler Hochleistungssportler der DDR gewesen.

3. Auch ich war des DDR-Themas müde, vor allem im Sport. Seit langer Zeit recherchiere ich im Bereich DDR-Basketball. Um dieses Thema zu verstehen, sackte ich tiefer und tiefer in den DDR-Sport, traf auf Menschen, die heute noch darunter leiden, was damals gegen sie gerichtet getan worden ist. Diese Menschen verdienen wie andere unter vielen anderen Umständen gesehen und nicht ignoriert zu werden. Wir leben in einer ignoranten Welt. Ich wollte das mit dem anderen Kommentar verdeutlichen. Nur weil eine Seite beleuchtet worden ist, heißt das nicht, dass die andere Seite ignoriert wird. Überhaupt nicht. Schritt für Schritt gehen wir unsere Wege. Das bezieht sich auch auf den Journalismus.

4. Ja, das Wort "kollaboriert" bezüglich des Deutschlandfunks ist falsch. Wie und warum das Thema Doping stark präsentiert wird beim Deutschlandfunk, überlasse ich Ihrer Recherche.

5. In dem Feld Doping arbeite ich keineswegs mit dem Recherchebüro CORRECT!V zusammen. Diese Kollaboration bezieht sich allein auf das von mir gewählte Thema "Häusliche Gewalt" und ist erst wenige Wochen alt. Ich habe darüber hinaus nichts mit dem Büro zu tun. Ich bitte Sie darum sachlich zu bleiben.

6. Zum Faktor Geld kann ich Ihnen sagen: Pfui.

Ich lade Sie ein, einen eigenen Text zu verfassen. Sie zitieren diverse Quellen bezüglich des Dopings in der BRD. Ich lerne gern dazu und bin der Meinung, dass Journalismus etwas dazu beitragen kann.

Vielen Dank!

RE: Verdrängt, vergessen, erinnern | 22.02.2015 | 18:58

Danke für die Hinweise und Kommentare. Der Deutschlandfunk kolaboriert schon einige Jahre mit dem Doping-Opfer-Hilfe-Verein und setzte das Thema Doping weit oben auf die eigene Agenda. Sowohl die DDR-Problematik als auch die der BDR sind dort bekannt. Der DOH setzt sich für beide Seiten ein, auch wenn seine Vereinsvorsitzenden alle aus dem ehemaligen Stasi-Staat stammen.

Gern wird auch bei den Aufarbeitungen zur BRD der Schirm der Ignoranz gehalten. Immerhin ist die Kenntnis aus den 80ern vorhanden. Sofern ja, Apatit, darf die Seite nicht vernachlässigt werden. Ebenfalls sind die Zusammenhänge zwischen Ost und West noch nicht geklärt. Mediziner trafen sich international und tauschten sich aus. Der Westen soll Aufträge bezüglich der Produktion "Unterstützender Mittel" an die DDR gegeben haben. Dass in der DDR diverse Produkte nach Westen hin bzw. in die BRD verkauft worden sind (wie von Strafvollzugsinsassen genähte Kleidung), ist kein Geheimnis. Wir dürfen nicht vergessen, dass die BRD ebenfalls ein Interesse an den (olympischen) Siegen hat. Die Siege der ehemaligen DDR-Sportler zählen heute in den gesamtdeutschen Spiegel. Wer hier also aufwirbeln möchte, hat es schwer. Das bewies Hajo Seppelt beispielsweise. Wer den Sportlern an den Drink will, darf die gehisste Fahne nicht übersehen.

Eine der wirklich großen Entschleierungen war der Skandal um die Unversität Freiburg, an der seit den 80ern die Doping-Forschung voran getrieben worden sein soll. Stimmen hierzu finden sich zumeist nur ohne Rückhalt. Es fehlen die Beweise, die Unterlagen, die haltbaren Zusammenhänge. Und auch wenn Akten vorliegen, bedeutet dies nicht, dass sich einfache Zusammenhänge mit klaren Verstand zu Anschuldigungen formulieren lassen.

Leider konnten viele Akten während der Wendezeit zerstört oder entwendet werden. Cornelia Reichhelms Akte im Bootshaus in der Nixenstraße beispielsweise ist verschwunden. In der Bundesstelle für Stasiaufarbeitung werden noch immer vernichtete Akten zusammengesetzt - Schnipsel für Schnipsel.

Die Wahrheit tut weh" und der Weg zur Wahrheit ist lang. Und noch länger, weil sie individuell zu betrachten ist. Darauf wird sich auch bei diversen Rentenanträgen gestützt. Ohne Beweise keine Rente. Wer sich nicht nur mit den Fällen, sondern auch mit den Menschen bschäftigt, ihnen in die Augen sieht, die Tränen versteht vor physischem und psychischem Schmerz, blickt anders auf die Situation. Diese Menschen benötigen jede Unterstützung für ein normales und respektiertes Leben.

Wenn man sich diese Schicksale vor Augen hält, kann man sich kaum vorstellen, dass es Jugendliche und Erwachsene gibt, die den Warnungen trotzen und meinen es aufgrund ihrer Community besser zu wissen. Da private Nutzer von Dopingsubstanzen nicht wissen, welche Schäden sie ihrem Körper auf Dauer zufügen, ist es wichtig, nicht nur mit der Vergangenheit sondern auch für die Zukunft aufzuklären. Wasser in Lungen und Beinen, Krebsgeschwüre und Impotenz treten auch bei den Sportlern bzw Sportlerinnen auf, die nicht auf Podesten stehen, die nicht den Traum eines Bodybuilders leben, sondern einem Ideal alltäglicher Betrachtung nacheifern. Das ist nun weit ab vom eigentlichen Thema des DDR-Sports. Ich möchte damit nur noch einmal verdeutlichen, dass nicht allein die Aufarbeitung von DDR- oder BRD-Doping relevant ist, sondern dass wir diese Aufarbeitung für die Gegenwart nutzen können. Doch wie aufarbeiten, was blockiert wird?