janto ban

Problem zerkannt, Problem geBant.
janto ban
RE: Die Chancen der Linken | 25.05.2018 | 20:27

Nein! Ein Augstein, an dem ich nix rumzumeckern habe. Den darf es nicht geben.

Drum teile ich mit, dass mir der Satz "Leute wie Kühnert sind das Problem der deutschen Linken" nicht gefallen will. Mit dem so eingeleiteten Absatz (über die "Blindheit der Funktionäre") bin ich zwar auch einverstanden. Aber mit seiner ablehnenden Haltung ist Kühnert, als Vorturner der Jusos, erst mal ein Problem für #fairLand. Falls die Jusos ihm das so einfach nachturnen. Was ich erst glaube wenn ich es sehe. Dieser (klein aussehende, große) gedankliche Zwischenschritt sollte ihm schon zugestanden werden, dem @kühnikev, finde ich.

Häh..? Das ist doch nicht mein Kommentar. Da fehlt was. So, ist es vielleicht ein Tippfehler und sollte nicht "Kühnert" heißen, sondern "Leute wie Koester"..??

Ja, das ist gut.

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 24.05.2018 | 18:47

|| Sie sehen hoffentlich aber die Kehrseite dieser Medaille ... ||

Die sehe ich. Und schreibe sie - vorauseilend gehorsamst - doch schon immer mit dabei.

|| Ich glaube auch nicht wirklich, dass z.B. Frau Klatten über trinksauberes Wasser auf ihrer Haut sinniert. ||

Warum nicht..? Wenn ich morgen die 80 Million im Lotto gewinne, kann ich mir ein größeres, schöneres Bad bauen. Ach fünf oder zehn. Aber die Basics bleiben doch immer die selben. Ich brauche zu Fuß 15 Minuten in unsere City - und kann mir da bei 25°C einen schönen Tag machen, mit und ohne viel Geld in der Tasche. Wenn ich das nicht kann, wieso sollte ich das an der Binnen-Alster können oder in Dubai..?

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 24.05.2018 | 18:35

|| dein Argument war es, dass das [mit denen auf der anderen Seite reden] nicht geht, weil du es nicht aushältst, zurückhaltend zu formulieren ... ||

??? Das habe ich weder geschrieben, noch will ich es gemeint haben. Wo kommt das her..?

Ich hatte (woanders, glaube ich) geschrieben, dass ich nicht jede Meinung respektieren muss. Und meinte: Inhaltlich nicht respektieren muss. Vielleicht haben wir an der Stelle aneinander vorbeigeredet. Ich "respektiere" es natürlich, dass es (viele) andere Meinungen als meine gibt. Bleibt mir ja auch gar nichts anderes übrig. Aber ich muss dem Inhalt einer Meinung keinen Respekt zollen, um in ein (Streit-)Gespräch (= reden) einzutreten. Wenn ich über etwas entsetzt bin, das mein Gegenüber sagt oder schreibt, dann darf ich das doch kund tun. Muss ich das nicht vielleicht sogar..? Es hat doch auch was mit Ehrlichkeit zu tun, das Innere ein bisschen raushängen zu lassen beim Streiten. Und es verleiht doch auch Nachdruck.

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 23.05.2018 | 19:03

|| Ich bleibe dabei; wenn wir nicht mit denen reden, die auf der Schwelle zwischen den Welten der Humanität und des Faschismus stehen, drifften die auf die Seite derer, die mit ihnen sprechen. ||

"Schwelle zwischen den Welten der Humanität und des Faschismus"..??? Hatte ich erst gar nicht gelesen. Bitte hören wir doch auf, in Extremen zu denken und/oder so zu tun, als gäbe es nur zwei äußertste Extreme - und dazwischen nichts.

Dazwischen gibt es fast alles. Nahezu der gesamte, mit eigenen Ideen und Konzepten (bald auch mal !) zu erreichende Wähler*Innen-Pool liegt da. Und kaum jemand kippt mal eben so von einem Extrem ins andere. Jedenfalls nicht, wenn Welten dazwischen liegen. Universen fügar. "Humanismus", oh herre, das ist eine wesensbildende, grundlegende (Geistes-)Haltung. Und Faschismus das politische Gegenkonzept, meine Güte.

Will sagen: Haben wir es nicht vielleicht alles auch ein bisschen kleiner..?

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 23.05.2018 | 18:47

|| Mal ganz plakativ gefragt: Was machen wir, wenn die deutsche Wählerschaft mehrheitlich wieder in den Faschismus zurück will? ||

Keine Ahnung. Ich weiß aber, dass es eine stabile Mehrheit gibt, die das nicht will. Eine übergroße, stabile Mehrheit. Malen wir den Teufel bitte nicht an die Wand. Auch nicht auf's Plakat. Die Forderung nach aktiver Migrationspolitik und die Ablehnung von Stühlchenkreisen, in denen Schulkinder mal ganz angstfrei sagen, wie es um seine sexuelle Orientierung bestellt ist, sind alles, aber kein Faschismus. Wirklich nicht.

Ich erzähle es seit Jahren: Extremismus zur Linken produziert Extremismus zur Rechten. Dreht das Rad, leiere ich gebetsmühlenartig, aber überdreht es bitte nicht; sonst geht es kaputt. Aber es hört niemand auf mich. Wird für Papperlapapp gehalten. Dann kann ich nix tun.

Eigentlich braucht man nur ein ganz kleines bisschen psychologisches Feingefühl um zu ahnen, was passiert, wenn irgendwas um die 80% der etablierten Medien aus dem jubeln über einen 1a Kontrollverlust die eigenen Staatsgrenzen betreffend (2015/2016) nicht mehr heraus kommen. Wenn etwas so Offensichtliches wie dieser temporäre Kontrollverlust im Spätsommer 2015 nicht offen an- und durchgesprochen, sondern, tja, aus Angst vor Rechtsextremismus zur geplanten Wohltat zerstilisiert wird, dann fragen sich die Leute - und ich mich übrigens auch: What the fuck geht da eigentlich vor..?!

Die Kontrolle zu verlieren ist das eine. Blöd genug. Aber alle, die finden, dass so etwas, in dieser Größenordnung und Geschwindigkeit, so schnell nicht mehr vorkommen sollte, zu Nazis zu stempeln, ist etwas anderes. Etwas Dummes, das zum glatten Gegenteil von Willkommenskultur führt. Die Sache nicht frühzeitig offen und ehrlich an- und abzusprechen, sondern zu verklären - in Kombination mit der Unart der pol. Linken, generell immer viel zu viel des Guten zu fordern, an allen Umfragen und potentiellen (!!!) Mehrheiten vorbei, hat die AfD stark gemacht. Das behaupte ich hier.

Aber dagegen kann man etwas tun. Zum Beispiel nicht an jeder Ecke behaupten, es gäbe in D keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Denn es GIBT GleichbeRECHTigung. Frauen besitzen jedes verdammte Recht, wie ich immer sage, das Männer auch haben. Es gibt kein Gesetz, in dem steht, dass Frauen sich auf dem Arbeitsmarkt unter Wert verkaufen müssen und/oder in Lohnverhandlungen mit Chef oder Chefin nicht mal richtig was auffahren dürfen.

Und als Quotenschwuler darf ich mal sagen, dass ich Stunden, in denen alle mal ganz angstfrei über ihre sexuellen Präferenzen hätten plaudern sollen, geschwänzt hätte. Bis hoch zu Klasse 13. Was ich wem wann erzähle, hat meine Entscheidung zu sein und zu bleiben. Basta. Das, auch plakativ zu begreifen, einfach mal als Beispiel dafür, wie etwas, das bestimmt gut gemeint ist, ins genaue Gegenteil umschlagen kann.

Und es kommt einfach auch immer darauf an, wie Dinge kommuniziert werden. Wenn Frau Koester meint, es nützt der linken Sache, alles für illegitim und nationalistisch zu erklären, was nicht ihrer extremen Minderheitsmeinung entspricht, dann soll sie so weiter schreiben. Und der dF das weiter so veröffentlichen. Ich sage dazu hier nur noch ein Wort: Bärendienst.

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 23.05.2018 | 18:02

|| Man kann natürlich die Selbstverständlichkeiten von heute als Ungewissheiten von morgen anpreisen und es ist, zugegeben, eine höchast ökologiebewusste Sichtweise. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieses angstgetriebene Denken nicht eine neue Art von Opium fürs Volk darstellen sollte. ||

Sie verstehen mich völlig falsch. Das Duschen (oder irgend etwas anderes) einfach mal bewusst zu genießen, ist eben genau das: Genuß. Und der führt nicht zu Angst, sondern zum genauen Gegenteil von Angst. Eine positive Selbsterfahrung dann und wann und ein bisschen Wertschätzung für Dinge, die wir bei unserem täglichen Run durch dem Alltag zu Unrecht für selbstverständlich erachten. Nix angstgetriebenes Denken, nix Opium fürs Volk. Nur simple life. Politische Forderungen kann man deshalb aber immer noch aufstellen. Ich zum Beispiel fordere, dass ich morgen die 80 Millionen im Euro-Lotto gewinne. Und da lass' ich auch nicht mit mir reden. Liegestütze hin, Kniebeugen her.

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 21.05.2018 | 19:57

Habe das Thesen-Papier, dem von Frau Koester hier Contra gegeben wird, dann jetzt auch mal gelesen. Seitdem ist mir nicht nur schleierhaft, was politisch linke Personen daran großartig auszusetzen haben können, sondern auch, wie und warum der dF auf die Idee kommt, es müsse hierzu eine Contra-Position geben. Unbegreiflich. Das Rätselhafteste, das mir je untergekommen ist. Alles, was linker ist (oder sich linker wähnt) als dieses Papier, ist doch nicht ernstnehmbar.

Von mir jedenfalls nicht. Schon was im Papier steht, werden wir wohl nicht erreichen. Kein Plan was mit dem dF los ist. Soll die randständige 0,025%-Forderung nach "unregulierter Migration" von nun an auf Dauer dafür sorgen, dass die politische Linke insgesamt nie wieder auf einen grünen Zweig kommt..? Das kann und darf es doch wohl nicht sein, oder..?

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 21.05.2018 | 18:40

Ich bin aber kein Esotheriker. Ich bin Handwerker. So ziemlich das Letzte, um das es mir geht, ist Anleitungen zum Wegbeten von konstruktiver, zorniger Wut zu tippen, wonnich.

Aber mein Liebslings-Schwatt ist: "Glück ist Erwartungsmanagement". Ich werde bald 40, die man mir gar nicht ansieht. Stehe in Saft und Kraft und Brot und Arbeit (oder wie man das nennt). Und mir kommt halt manchmal der Gedanke, dass es mir vielleicht nie wieder so gut gehen wird, wie dieser Tage. Vielleicht ist das richtig, vielleicht falsch. Das spielt aber keine Rolle.

Die Momente, in denen ich mit mir, meinem Blick auf die eigene Lebenswirklichkeit und meinem Umfeld im Reinen bin, die nehme ich einfach mit, wa. Aber dass ich solche Momente überhaupt habe, erzählen wir nicht dem DGB und nicht der Linkspartei. Das behalten wir Zwei schön für uns, versprochen..? Sonst nennen die mich Verräter. Und Streikbrecher.

Was war hier eigentlich noch mal Thema..? Ach ja, Sozialpolitik und Abrüstung auf dem Rücken von Migrant*Innen. Richtig. Ja, blöde Sache. Find ich nicht gut, dass die Lafontaines (oder von wem der Schrieb ist) sowas machen wolen. Doof finde ich das. Und fies. Alles Rassisten, außer Mutti. Regulierung von Migration. Tss. Wo gibt's denn sowas..?

Nein, also, warum wählen die Leute AfD - und wie halten wir sie davon ab..? Tja. Mein Vorschlag ist halt die Erinnerung daran, dass nichts, aber auch wirklich gar nichts im Leben selbstverständlich ist. Bei jedem Duschen vielleicht mal kurz darüber nachdenken, was es für ein Luxus ist, das tun zu können. Sauberes Trinkwasser, das über die Haut rieselt. Herrlich. Klingt esotherisch, ist aber total pragmatisch. Wer das Geld für die Kalorien hat, kann auch Liegestütze und Kniebeugen machen. Imgrunde ist alles geeignet, was den Blick mal weg von anderen (z.B. Flüchtling*Innen und Macan-Fahrerz) lenkt. Und wenn es nur ganz kurz ist.

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 21.05.2018 | 18:05

Joh, pff, wir haben da irgendwie keinen Dissens. Erkenne jedenfalls keinen. Nur, dass ich mich auf eine generalisierende "Uns-Geht-Es-Gut-Position" nicht gestellt haben wollte. Ich hatte hier nur versucht, die ganze Sache mal kurz unabhängig von der Empirie zu beleuchten. Was ja geht. So in dem Geiste, der durch den Besinnungsaufsatz meines Vaters geweht sein muss, von dem er öfters erzählt hatte; den er mal schreiben musste, unter der vorgegebenen Überschrift "Finanzielle Armut - Fluch oder Segen?". Es war spät geworden letzte Nacht und ich war ins Philosophieren geraten. Vielleicht erklärt es das.

RE: „Unbeugsames Deutschland“ | 21.05.2018 | 16:28

|| Erinnert mich an eine Journalistin, die dem Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mal gesagt hatte: "Ich weiß nicht woher Sie Ihr Bild der Gesellschaft nehmen. Ich kann das, was Sie da schildern in meiner Umgebung nicht beobachten." ||

Verstehe nicht (ganz), wie das gemeint ist. Ist aber nicht schlimm. Ich kann eh nur aus der Beobachtung meiner (eigenen, kleinen) Umgebung berichten, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Und da stelle ich fest, dass das Bewusstsein für das Niveau wächst, auf dem wir jammern, wenn wir hier jammern. Damit habe und will ich nichts darüber gesagt haben, wer sich worüber zurecht oder zu Unrecht beklagt. Das ist nicht mein Punkt. Will nur sagen, dass das, was 24/7 an Nachrichten vom nächsten Krieg und den jüngsten Hiobsbotschaften auf's Handy tickert, bei denen, die sich den Nachrichten noch aussetzen, etwas bewirkt, das den Blick auf die eigene Lebenswirklichkeit durch Relativierung verändert. Ich meine das beobachtet zu haben. Sagen wir mal so.

|| (...) so richtig ge... und sollen es noch dafür danken. ||

Nee, "sollen" auf keinen Fall. Dankbarkeit kann man nicht erzwingen. Und Dankbarkeit unterscheidet sich in einem ziemlich wichtigen Aspekt vom "danken". Danken kann man immer nur JEMANDEM (für etwas). Dankbarkeit aber kann eine Geisteshaltung sein, die nicht notwendigerweise zielgerichtet sein muss. Sie kann eine/n überkommen, aus heiterem Himmel. Zum Beispiel beim Gucken der Tagesschau, auf der 800-Euro-Couch. Natürlich nur, wenn zwischen Angst, Wut und Verzweiflung noch Platz für eine vierte Emotion ist.

Aber mit der Dankbarkeit verhält es sich wie mit der Zufriedenheit. Mit ihr ist kein Arbeitskampf und auch sonst kein Kampf zu organisieren. Das geht nur mit Wut, der der Zorn noch hilfreich zur Seite steht, wie Georg Schramm immer gesagt hat. Aber zornige Wut (Angst, Verzweiflung, all das) will kanalisiert (beinahe hätte ich gesagt: betreut) sein, sonst spritzt sie in alle Richtungen - und u.a. in die rechte Ecke, die doch sauber gehalten werden sollte. Bildlicher hab' ich's heut' nich' mehr.