RE: Hic Salta | 22.09.2018 | 21:49

Ich persönlich bin der Meinung, dass alle Koalitionen seit 1998 die Politik für ca 40% der Bevölkerung betrieben haben. Erstaunlichwerweise, oder auch nicht, besteht da grundsätzlich fast kein Unterschied zwischen Rot-Grün, Schwarz-Gelb und GroKo. Letztendlich war die SPD an 5 der letzten 6 Regierungen beteiligt. Alle schauen zurück auf die Zeit der Agenda-Reformen, vergessen aber, dass dann viele kleinere Schritte kamen, die letztendlich helfen eine 2/3-Gesellschaft in eine 50-50-Gesellschaft umzugestalten. Paradebeispiel ist eine zu niedrige Festsetzung vom Mindestlohn, dessen relative Höhe jetzt mit dem Hinweis auf die Autonomie der Kommission sozusagen festgefroren ist. Rente, Steuern, Gewerkschaftsrecht, "Fortentwicklung" von Hartz IV, Wohnungspolitik, Leiharbeit - Beispiel gibt es en masse. Nun, man muss natürlich ab und dann ein Schritt zurück, um es dann dem Publikum als Verbesserung der sozialen Situation hierzulande zu verkaufen. Die Wahrheit ist einfach, und ich hab mir mal die Mühe gemacht das auszurechnen, dass in den letzten 20 Jahren ca. 150-175 Mrd. brutto *jährlich* von den unteren 50% zu den oberen 50% "transferiert" wurden - netto dürfte es sich immer noch um etwa 100 Mrd. *jährlich* handeln. Würde mal gerne Maßnahmen sehen, die es nur im Ansatz zurückzudrehen versuchen.

Nun, ich gehe davon aus, dass sämtlichen Regierungen diese Einseitigkeit nicht nur bewusst war, sondern, dass sie sozusagen zum politischen Prinzip gehörte. Man hat sich einfach ausgerechnet, dass die obere Hälfte einfach 15-20% mehr Wahlbeteiligung aufweist als die untere und nicht "extrem" wählt. Somit bekamen wir eine auf diese Gruppe ausgerichtete Homogenisierung der Politik. Sie sagen jetzt, das wäre das Beste, was uns pasieren könne und was gewönne an mit dem Zusammenbruch dieses Systems? Fragen sie die Menschen, deren Reallohn in den letzten 25 Jahren so gut wie gar nicht gestiegen ist (und das betrifft fast die gesamte Dienstleistung), obwohl der BIP in der Zeit um 40-45% zugelegt hatte.

Einer der für ganz große GroKo hoffentlich Nichtwähler hat es mal so gesagt: "Die obere Hälfte in Deutschland frisst sich halt an uns satt und wir haben wenig davon. Natürlich sollte jeder wählen, aber es würde eh nichts bringen." Die politische Welt wo es kein Rechts und Links mehr gibt, wo es keine alternative Entwürfe mehr gibt hat diese Menschen so eingelullt. Jetzt haben sie AfD entdeckt und wachen auf. Schuld sind nicht sie und wohl auch nicht die Alternative.

RE: Schwanger und nicht schwanger im Kapitalismus | 22.09.2018 | 08:49

"Wenn der Abwehrkampf gegen Rechts im Vordergrund steht, droht der progressive Diskurs über Frauenrechte zu verkümmern"

Der "progressive Diskurs" über soziale Rechte ist schon längst verkümmert und wird abwechselnd vom Abwehrkampf gegen Rechts oder dem Diskurs über Frauen- bzw. LGBTQI-, bzw. Tier- bzw. Minderheiten-... überlagert.

BTW, jeder Frau in der Dienstleistungbranche, und das sind viele Millionen, ist mit einem ordentlichen (Mindest)Lohn mehr gedient, als mit der Diskussion um die Quoten in den Aufsichtsräten oder das Recht auf Werbung für Schwangerschaftsabbrüche.

RE: Hic Salta | 21.09.2018 | 22:38

"Mütterrente, der Rentengarantie und dem Guten Kita Gesetz"

Ausweitung der Mutterrente war CSU Idee, Rentengarantie gleicht für viele der Armutsgarantie und was GKG betrifft - da werden gerade maximal ca. 3% der Länderkosten vom Bund getragen mit ungewissem und schwamigem Ergebnis.

Besseres Beispiel für soziales Engagement der SPD zeigt eher der "Wohngipfel" - der Berg kreißte und gebar eine Maus.

RE: Hic Salta | 20.09.2018 | 08:21

Die SPD stärkt nichts. Sie ist einfach nur korrumpiert, völlig abgetrennt von ihrer (ehemaligen) Wählerschaft und, wie sich jetzt zeigt, noch dazu dumm. Auf dem Feld "Soziales" erwartet wohl niemand mehr etwas von dieser Partei, das ist den Sozis auch bewusst und entsprechend sieht da deren Politik aus.

Bin eigentlich kein Anhänger der Verschwörungstheorien - das aber hier gibt schon bisschen zu denken:

AfD als "Chance für die Union"?

und das Papier...

DIE AfD ALS CHANCE FÜR DIE UNION

RE: Wohnen ist die neue soziale Frage | 19.09.2018 | 07:21

Wohnen ist zwar immer noch für die Mehrheit der Bürger mit einer monatlichen Ausgabe verbunden, aber für einige halt ist es Vermögen und Einkommen. M.E. handelt(en) die Bundesregierung(en) in völliger Klarheit, dass sie auf Kosten vieler die Vermögens- und Einkommensmaximierung für einige, obwohl nicht wenige, betreibt.

In unserem Haus (zw. Köln und Bonn) hatte eine 3ZKDB-Wohnung (80 qm) in den letzten 10 Jahren 3mal den Besitzer gewechselt (alles Selbstnutzer): 2008: 90.000 € (Zwangsversteigerung), 2013: 165.000 €, 2017: 250.000 €. Zumindest B und C haben sich bestimmt nicht an der Wohnungspolitik gestört...

RE: Hase, du bleibst hier | 19.09.2018 | 06:59

Da drehen Sie sozusagen die Kausalität der Autorin um - Rechtsruck verursacht Frauenflucht, statt Frauenflucht verursacht Rechtsruck.

Ich dagegen bin eher der Meineung, dass es zwei verschiedene Phänomene sind, die durchaus gemeinsame Ursachen haben.

RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 20:00

Meine Erfahrung ist eher, dass auf einem bestimmten Niveau (Büro, Dienstleistung, Handel, untere bis mittlere akademische Qualifikation) die Frauen bevorzugt werden. Schwer zu sagen, ob sie auch genauso bei den Bewerbern dominieren. Mann kann bei Google Bildersuche z.B. "unser Büroteam" eingeben und dann versteht man, was ich meine.

RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 09:57

So, jetzt antworte ich mir auch mal selber ;)

Die Gründe für die gendermäßig ungleiche Auswanderung, könnten in der Struktur des Arbeitsmarktes liegen, der in den letzten Jahrzehnten, trotz der oft beklagten Lohnlücke, scheinbar doch den Frauen (mehr?) Chancen bietet. So stieg deren Erwerbstätigenquote in dieser Zeit von ca. 55% auf ca. 70%. Die der Männer blieb konstant. Vielleicht sollte man sich Fragen, warum diese Chancen nicht vor Ort im Osten vorhanden sind?

RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 07:43

Vielleicht ist nicht der Mangel an Frauen der Grund für den "Rechtsruck", sondern die Gründe für diesen Mangel?

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 17.09.2018 | 18:12

Die Ergebenisse der linken "Mehrheit" der letzten 4 BW-Wahlen: 2005: 51%, 2009. 45,6%, 2013: 42,7%, 2017: 38,6%. Die Verluste gehen, grob gesehen, gänzlich auf die Kappe der SPD, die in den letzten 20 Jahren die Hälfte (absolut und prozentual) der Wähler verloren hat. Ich glaube 2013 war das Jahr, wo man noch seriös von RRG hätte denken können. Jetzt macht sich wohl jeder unseriös, der mit dieser SPD solche Konstellation einzugehen vermag. Dass sich jetzt Seeheimer um ein "progressives rot-rot-grünes Bündnis" sorgen - dabei kann es sich nur um eine Farce oder ein schlecht gespieltes politisches Täuschungsmanöver handeln.