Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein
RE: Kennzeichnungspflichtig | 12.07.2014 | 20:44

Liebe FC,

wir werden die Community-Beiträge sogar noch ein bisschen deutlicher kennzeichnen, als die Kollegen vom Community-Ressort es hier vorschlagen. Doppelt hält besser.

Wir wollen unbedingt dabei bleiben, Community-Beiträge ohne vorherige Freischaltung zu veröffentlichen.

Leider missbrauchen manche Nutzer das um hier rassistische, antisemitische, menschenverachtende Beiträge einzustellen.

Jeder, der den Freitag und seine Redaktion kennt, weiß, dass solche Beiträge nicht unsere Billigung finden. Und wir reagieren darauf so schnell wir können. Aber wir können beim besten Willen nicht in jedem einzelnen Fall verhindern, dass schnell um Mitternacht ein Screenshot gemacht wird ... Und wir können auch nicht verhindern, dass solche Screenshots aus durchsichtigen politischen Motiven gegen den Freitag eingesetzt werden - eine linke Wochenzeitung macht sich nicht nur Freunde.

Eine von außen deutlicher wahrnehmbare Trennung von Community- und Redaktionsbeiträge ist darum unerlässlich.

Ihr JA

RE: °Wir° wollen eine Stadt bauen? | 27.04.2014 | 19:36

Liebe Damen von Welt,

den geldwerten Wert der geldwerten Leistung, von der Sie sprechen, würde ich nicht überschätzen :)

Aber darum geht es hier auch nicht, finde ich.

Ich habe für die "Montagsdemonstranten" keine Sympathien, wie Sie sich vielleicht denken können. Die Propaganda - oder sagen wir zurückhaltender: der Argumentationsmix der da betrieben wird, ist mir zu krude. Warum der Artikel des Kollegen Hallaschka von der Seite genommen wurde, kläre ich und sage Ihnen dann gerne meine Haltung dazu. Erst einmal habe ich viel Vertrauen in unser Community Management. Die Kollegen machen das nämlich schon sehr lange und sehr gut, sie haben viel Erfahrung und vor allem ein gutes Gespür.

A plus tard

JA

RE: Schluss mit kostenlos | 31.05.2013 | 17:43

Liebe Alle,

Danke für die Debatte, Und Danke für die Kritik.

Aber bitte nehmen Sie es mir nicht übel, zwei Fragen bleiben hier konsequent offen:

Wo soll der Geld herkommen?

Und wer übt die Macht der 4. Gewalt aus?

Das sind die beiden sehr einfachen und wichtigen Fragen und ich finde hier keine Antwort. Nach alle den Jahren des freien Netzes und der Entwicklung des Bloggertums funktioniert die Medienöffentlichkeit immer noch ganz genauso wie früher: Hans Leyendecker deckt irgendetwas auf und die Regierung muss sich warme Socken anziehen.

Lachen Sie darüber? Ist Ihnen das egal? Ich nicht. Mir nicht.

Das ist die Funktion der Presse. Erinnern Sie sich, was wir dieser Funktion verdanken. Das geht uns alle an. Buchstäblich.

Sie alle hier sind eine Minderheit, ich bin eine Minderheit, wir diskutieren hier in einem Minderheitenforum. Die Funktion der Presse wird aber nur erfüllt, wenn die Leute da draußen, die Mehrheit, die Masse, sich bereitfindet, wieder zu zahlen. Oder sagen wir: weiterhin zu zahlen. Noch zahlen sie für die Zeitungen in Papier. Aber das lässt nach, wie es bei Asterix heisst ....

Und, bei allem Respekt, wie steht es mit Ihrem eigenen Zahlungswillen? Ich finde es ja rührend, wenn immer mal wieder der eine odere andere sagt, er sei doch bereit zu zahlen, aber nur für einen Artikel, den er auch wirklich gut findet.

Also erst lesen und dann zahlen? Im Restaurant würde das bedeuten, erst essen, dann zahlen.

Bei allem Respekt: es gibt dann doch zu viele Leute draußen, die man wohl Trittbrettfahrer nennen muss. Jeder wird einen Grund finden, warum gerade er jetzt doch nicht so viel zahlen möchte. Das Freiwilligenmodell wird nicht funktionieren. Fragen Sie mal die taz, wieviel Geld sie aus ihrer ziemlich gut gemachten Aufforderung erhält, für einen Artikel auch zu zahlen. Fragen Sie andere Seiten, wieviele freiwillige Beiträge sie bekommen. Die Summen sind ein Scherz.

Freunde, was wir brauchen ist ein allgemeines Umsteuern. Wir hier beim Freitag arbeiten daran. Aber das dauert bei uns - wie alles netzmässige - sehr, sehr lange. Weil die Technologie sehr kompliziert ist. Allein, wir sind ein winziges Medium. Wir werden doch nicht den Kulturwandel einleiten, der notwendig ist. Das können nur die Marktführer leisten.

Hier werden die falschen Gefechte gekämpft. Es geht nicht um Springer. Es geht nicht um die freien Blogger. Es geht nicht um das Leistungsschutzrecht (das wirklich irre ist!). Es geht nicht um die Würde des Netzes. Es geht um die Standfestigkeit einer Säule der westlichen Demokratie. Nichts weniger, nichts mehr.

Nuff said.

RE: Schluss mit kostenlos | 30.05.2013 | 13:52

Na, da habe ich ja was angerichtet. Mich schön mit allen angelegt.


Aaaaaalsooooo: Ich finde seit ungefähr 150 Jahren, dass Blogger und prof. Journalisten Hand in Hand arbeiten sollen. Die einen verdienen ihr Geld mit diesem und jenem. Die anderen mit Journalismus. Das Geld muss irgendwoher kommen. Der Vorteil ist: sie machen nichts anderes. Sie haben Kenntnis. Und Zugang. Und weil sie unabhängig sind und weil die Mächtigen Angst davor haben, bloßgestellt zu werden, kontrollieren sie Herrschaft. Im besten Fall. Im schlechten Fall sind sie korrupte Büttel der Macht.


Die Wirklichkeit liegt irgendwo dazwischen, je nach Zeitung mehr in die eine als in die andere Richtung. Aber dass ich an den Journalismus als demokratische Institution glaube, das wird hier niemanden überraschen.


Was die Paywall angeht - das Wort ist irreführend. Es geht nicht um eine Mauer, hinter der etwas versteckt werden soll. Das wäre ja unsinnig. Es geht darum, wie die Verlage im Netz Geld verdienen können. Ich glaube aber - und da fängt eben der Bereich des Glaubens an, ich weiß es ja nicht - dass es ein mühsamer Prozess sein wird, den Leuten beizubringen, dass sie für etwas zahlen müssen, was sie zuvor kostenlos erhielten. Das nenne ich einen Kulturwandel. Ich bin sicher, dass es dazu kommen wird. Absolut sicher. Aber es wird schwierig. Ein großer Verlag, der über viel Geld und viel Marktmacht verfügt, kann der Propagandist eines solchen Kulturwandels werden.


Wer soll das sein außer Springer?


Ein Wort zu Springer: Mir geht es um die Kulturtechnik des Zahlens. Die Inhalte sind mir jetzt gerade bei diesem Thema gleichgültig. Was die Blätter dieses Hauses angeht: die Welt ist Trash und aus dem Blatt wird auch nichts mehr werden. Für ein blindes Bild-Bashing bin ich aber nicht zu haben. Ich habe dazu viele Artikel geschrieben und mich sehr gründlich mit der Bild befasst. Meine Haltung ist: die Zeitung ist zu groß als dass man es sich leisten kann, sie einfach zu ignorieren. Im Gegenteil, man muss sie angreifen, wo sie Schwächen hat – so wie Niggemeier es seinerzeit mit dem Bild-Blog getan hat. Und man muss sie ermutigen, wo sie das richtige tut – zum Beispiel beim Euro, wo sie eben nicht den rechtspopulistischen Euro-Hass der Rechten unterstützt.


Ach so, und noch ein Wort zu den Bloggern. Was ist die Aufgabe der Blogger? Sie führen die demokratische Bürgerdebatte, in aller Öffentlichkeit. So wie wir es hier gerade machen. Das ist exemplarisch, weil die Positionen verhandelt werden. Und zwar nicht wie in manchem Forum, wo Leute einfach ihre schlechte Laune loswerden, sondern als Gespräch.


Die Journalisten sollen die Mächtigen kontrollieren und die Blogger sollen die Journalisten kontrollieren. Das macht Sinn.


@Magda: mir ist auch aufgefallen, dass sich die Qualität der Texte und die Stimmung hier in der Com in den vergangenen Monaten deutlich verbessert hat. Das ist schön!

RE: Schluss mit kostenlos | 29.05.2013 | 17:04

Die Debatte, ob Blogger professionelle Journalisten in der Ära des Netzes ersetzen oder ergänzen hatte ich für beendet gehalten. Die Antwort lautet: ergänzen. Und das ist auch gut. Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten.

Den wird Springer auch nicht leisten. Aber die anderen, FAZ, SZ, Spiegel - und auch ein bisschen der Freitag. Springer kann aber durch seine schiere Größe dabei helfen, einen Kulturwandel einzuleiten. Und einen technischen Standard zu etablieren.

Warum haben sich die großen Verlage noch nicht zu einem gemeinsamen Bezahlmodell zusammengerauft? Weil sie wie italienische Stadtstaaten agieren. Es braucht einen Marktführer, der vorangeht, der eine funktionierende Technologie entwickelt, der sich die anderen anschließen können.

Bei allen Schwierigkeiten und bei aller Kritik am Haus Springer, zu der ich nun wirklich keine Nachhilfe brauche – das ist ein lohnendes und spannendes Projekt, von dem unsere ganze Zunft profitieren kann.

Insch'Allah.

RE: Habermas, Raab und Augstein im Gespräch | 20.02.2013 | 08:42

Das ist ja alles ganz lustig. Wirklich.

Aber vor allem scheint es hier ein Feld für Berufszyniker zu sein. Fernsehen ist vermachtet, Politik ist vermachtet, alles im Arsch, keine Chance, Schluchz, früher (wann?) war alles anders und besser ... Unsinn. Wir haben die Öffentlichkeit, die wir haben so lange, bis wir eine andere haben. Man kann ihr den Rücken zukehren und sagen: macht euren Mist ohne mich. Dann machen die das tatsächlich. Oder man sagt: das geht mich was an. Dass Politik auch Theater ist, ist nun wahrhaftig keine neue Erkenntnis. Noch mal Plato nachlesen ... Gorgias Dialog meinetwegen ... Es gibt im deutschen Diskurs eine merkwürdige Abneigung gegen den Streit in der Politik, gegen das gesprochene Wort. Das ist dann die "Quasselbude", da wird nur geredet, das ist alles nicht echt, nur Handlungen zählen, oder wahre Überzeugungen. Ich halte das alles für ein Missverständnis politischer Kommunikation und für eine deutsche Politik-Feindschaft, eine romantische Sehnsucht nach der Überwindung des Streits.

RE: Öffentlichkeitsauftritt in schwierigen Zeiten | 26.01.2013 | 20:24

Ich entschuldige mich für die flappsige Antwort (schreibt sich das mit Doppel-P?) Aber das Ansinnen ist sonderbar und – entschuldigen Sie bitte - in Unkenntnis tatsächlicher Verhältnisse in einem Verlag formuliert.

Ich weiß gar nicht, ob das im Interesse der Kollegen wäre

Alos, nein, das werden wir sicher so nicht machen.

RE: Öffentlichkeitsauftritt in schwierigen Zeiten | 24.01.2013 | 20:05

Das Problem ist, dass ich einfach nicht mehr weiß, wohin mit der ganzen Kohle, die ich aus dem Freitag herauspresse. Die Keller quellen über, auf dem Dachboden ist auch kein Platz mehr. Es ist zum Haareausreißen ...

Kapitalismus ist schon was Tolles!

(Ich muss allerdings sagen, dass ich mich echt darauf freue, wenn wir die Community irgendwann kostenpflichtig machen. Hihi. Das dauert noch eine Weile weil es technisch für uns aufwendig ist. Aber eines Tages wird das kommen. Weil es einfach zwangsläufig so kommen muss. TINA, you know ... Und dann wird man sehen: When the going gets tough the tough get going!)

RE: Die Augstein-Broder-Debatte deprimiert mich | 09.01.2013 | 22:09

Lieber MA, ich finde es spricht für Sie, dass Sie deprimiert sind.

Wenn man mal allen Irrsinn und alle Brutalität beiseite wischt, und alle Interessen, dann bleibt doch eine Frage übrig: muss man als deutscher Journalist mit besonderer Behutsamkeit schreiben, wenn man über Israel schreibt?

Ich glaube, darum geht es in Wahrheit.

Das meint wahrscheinlich auch Annetta Kahane in ihrem Artikel in der Berliner Zeitung. Ich kenne sie. Das ist eine kluge Frau. Die hat keinen Schaum vor dem Mund.

Also Behutsamkeit.

Ja. Das müsste man wohl. Aber ich spüre gleichzeitig, wie schwer mir das fällt angesichts der imperialistischen Politik, die Israels Regierung betreibt. Mir fällt kein anderes Wort ein als dieses etwas ausgeleierte ... Also, ich wäre gerne behutsam und empathisch. Aber ich ärgere mich so. Was soll ich denn dann machen? Das ist eine double bind situation. Die führt doch in die Persönlichkeitsspaltun: Als Deutscher bin ich behutsam und als Journalist scharf-kritisch.

Da betseht sozusagen ein Rollenkonflikt. Soll ich denn immer eine salvatorische Klausel dazuschreiben: "Und außerdem bin ich für das Existenzrecht des Staates Israel und habe nichts gegen Juden." Das ist dann der neurotische Journalismus. Herzlichen Glückwunsch.

Wenn ich anfange, Rücksichten zu nehmen - auf wen oder was auch immer, dann geht es schief. Das hat dann tatsächlich was mit Berufsethos zu tun. Ich kann tatsächlich entweder nur so schreiben, wie mir die Feder gewachsen ist oder eben gar nicht.

RE: Der „Freitag“ muss sparen | 28.12.2012 | 13:30

Was die Qualität der Kommunikation angeht: nach drei Jahren Erfahrung im Netz, mit einer Community, mit Leser-Beiträgen und -Kommentaren bin ich absolut sicher, der vernünftigste Weg besteht darin, dass jeder seine eigenen Blogs moderiert. Ich hatte das schon ein paar Mal gesagt. Jeder findet immer irgendwelche Gründe, auf Zivilität zu verzichten. Die Wut, die sich aus eigenen Quellen speist, findet ihren Weg ins Netz. Das stört die Verständigung. Die Regeln des Zuhörens, des Verstehenwollens, des Anstand, wie auch immer man das nennen will, kommen unter die Räder. Wenn jeder selber entscheiden kann, welche Stimmung und welche Stimmen er duldet, dann ist das die fairste Methode. Denn dann können sich die Rüpel zusammenfinden und die anderen, wie es ihnen passt. Ich hoffe, dass wir bald soweit sein werden, das umzusetzen.