Jakob Augstein
Ausgabe 0817 | 27.02.2017 | 06:00 44

„Alles ist angreifbar“

Interview Die Chefin der europäischen Grünen-Fraktion, Ska Keller über den Niedergang der Demokratie und die Frage, ob die Grünen links oder rechts sind

„Alles ist angreifbar“

„Die Idee von Europa erlebt ein Revival – durch einen Schock“

Foto: Marc Beckmann für der Freitag

Mal teilen die Grünen die Macht mit den Schwarzen, mal mit den beiden Roten. Die Partei ist offen für viele Farbkombinationen. Das sei aber keine Beliebigkeit, sondern die Möglichkeit, zu gestalten. Heißt es bei den Grünen. Jakob Augstein wollte im Freitag-Salon von der Europa-Politikerin Ska Keller wissen, welche Koalition ihr die liebste wäre.

Jakob Augstein: Frau Keller, der neue Supersozialdemokrat Martin Schulz schlägt alle Rekorde. Sie kennen Schulz aus Brüssel – ist der wirklich so gut?

Ska Keller: Schulz hat im Europaparlament manchen Schaden angerichtet. Er hat den Untersuchungsausschuss verhindert, der die Rolle Jean-Claude Junckers bei den umstrittenen Steuerpraktiken Luxemburgs untersuchen sollte. Das hat uns nicht gefallen.

Würde Sie das daran hindern, mit Schulz eine rot-rot-grüne Regierung einzugehen?

Zunächst einmal hätte ich gerne starke Grüne im Bundestag.

Die aber unter Umständen auch mit Angela Merkel koalieren – und dann Horst Seehofer im Schlepptau haben.

Das ist das Problem mit den Konservativen. Wir kriegen in Brüssel immer gesagt, dass die Merkel so nett ist. Mag ja sein, ich kenne sie nicht persönlich. Aber wer Merkel wählt, der kriegt halt Seehofer. Das kann ich mir schlecht vorstellen.

Na, eine geradezu klare Koalitionsaussage – für eine Grüne!

Vielleicht lässt Merkel ja Seehofer noch links liegen. Also mal gucken. Ist vieles möglich in diesen Tagen.

Ich weiß immer nicht genau, mit welchen Grünen ich es gerade zu tun habe. Sind das jetzt so Neurechte, also CDU-Politiker mit Insektenschutzprogramm ...

... Insekten sind furchtbar wichtig.

Zur Person

Ska Keller, 35, ist Ko-Vorsitzende der Grünen im Europaparlament. Mit 27 wurde die Islamwissenschaftlerin und Judaistin aus Guben erstmals nach Straßburg gewählt. Keller befasst sich mit Migration und Handel

Gut, aber mit welchen Grünen haben wir es im Herbst zu tun? Mit den Realo-Grünen, die jetzt die Urwahl gewonnen haben und auf Schwarz-Grün zurasen, oder doch mit den Trittin-Grünen, die lieber Rot-Rot-Grün wollen?

Sie haben es mit Grünen zu tun, die stark und geschlossen für ihre Ideen und Projekte antreten.

Sind Sie eine linke Grüne?

So können Sie mich nennen, ja.

Aber Winfried Kretschmann nimmt Sie nicht ernst, oder? Der derzeit erfolgreichste Grüne sagt, dass die Linken im Niemandsland leben. Eine rot-rot-grüne Koalition bedeutet also zwangsläufig eine Zerreißprobe.

Also wir Grünen entscheiden Koalitionsfragen immer nach Inhalten. Das ist ganz furchtbar wichtig, und so ergeben sich eben ganz unterschiedliche Farbspiele: Wir sind jetzt gerade erst in Berlin eine linke Gestaltungskoalition eingegangen, auch in Thüringen machen wir das. Und wir haben auch eine schwarz-grüne Koalition in Hessen und eben Kretschmann in Baden-Württemberg. Es geht also nicht um Farben, sondern um Themen und um Gestaltung.

Sie haben in der Türkei studiert. Ist das heute noch das Land, das Sie kennengelernt haben?

Als ich vor rund 10 Jahren in Istanbul lebte, gab es eine regelrechte Aufbruchstimmung. „Wir gehen voran, es wird Fortschritt geben“, das war das Lebensgefühl. Jetzt haben die Menschen in der Türkei Angst. Angst, weil jeder jederzeit eingesperrt werden kann, weil man nicht weiß, wie es morgen weitergeht. Angst vor Terror, Angst vor Erdoğan, Angst vor allem.

Können Sie beschreiben, wie eine doch irgendwie funktionierende Demokratie in einen autoritären Staat umgebaut wird?

Das war gar nicht so einfach für Erdoğan. Er hat den Konflikt im Südosten mit den Kurden wieder befeuert. Das war das Element, mit dem er seine Macht stabilisieren konnte. Die Leute haben gesehen: Oho, bewaffneter Konflikt, dafür braucht es jetzt eine starke Hand! Es gab unglaublich viele Terroranschläge in der Türkei, die kann man kaum mehr zählen.

„Wer hätte gedacht, dass die liberale Demokratie per Dekret abzuschaffen sei“, haben Sie über Donald Trump gesagt. Können wir aus dem Vergleich USA und Türkei etwas lernen?

Das Gemeinsame ist meines Erachtens, dass es echt schnell gehen kann. Wenn ein Machtsystem auf eine Person zugeschnitten ist, dann kann diese Person per Dekret Verfügungen aussprechen.

Kann uns das auch passieren?

Ich glaube, dass das überall passieren kann. Wir sollten nie in die Falle laufen, zu denken: Ach, das wird schon nicht so schlimm. Wir können nur selber was dagegen tun. Es ist alles angreifbar. Wir merken gerade: „Hoppla, das ist ja tatsächlich so, dass jeder Fußbreit der Demokratie verteidigt werden muss.“

Glauben Sie denn, dass den Menschen diese Rechte wichtig sind?

Das merkt man erst, wenn man sie verliert. Ich bin in Guben aufgewachsen, an der deutsch-polnischen Grenze. Damals konnte man da nicht einfach durchgehen, so wie heutzutage. Für uns ist es Normalität, in Europa Grenzen ganz einfach zu überschreiten. Ich fahre morgen nach Belgien, überhaupt kein Problem. Andere wohnen in Kopenhagen und gehen in Malmö zur Arbeit – wie selbstverständlich. Aber so selbstverständlich ist das gar nicht. Die Grenzen können jederzeit dichtgemacht werden.

Der amerikanische Präsident Trump wird gerne Lügner geschimpft. Sagen Sie die Wahrheit?

Ich gebe mir zumindest sehr Mühe, nichts Falsches zu sagen. Ich glaube, man kann sich dafür auch entscheiden. Das bedeutet zugleich, dass man sagen können muss: „Sorry, aber darauf kann ich Ihnen keine Antwort geben.“

Trump bei Twitter zu folgen, das übt eine Art von perverser Faszination aus. Wenn er über die „New York Times“ schreibt, setzt er in Versalien „Fake News“ dazu. Dadurch prägt er eine neue Marke. Weil er 25 Millionen Follower hat, bleibt da bestimmt was hängen. Das ist schon irre.

Deswegen ist das so unglaublich gefährlich. Das gilt auch für den „Lügenpresse“-Begriff. Ziel ist, unser Denken zu verändern. Begriffe können sehr effektiv sein. Wir Grünen kennen das, wir reden ganz bewusst von „Bürgerinnen und Bürgern“. Damit können wir im Denken festlegen, dass wir nicht alle nur Männer sind. Wir tun das, weil wir wissen: Sprache verändert auch das Denken.

Glauben Sie – generell gefragt –, dass wir in einer politischen Zeit leben, in der die Leute Interesse an Politik entwickeln? Oder ziehen sie sich gerade zurück.

Ich sehe das anders. Mir macht es Mut, dass sich unglaublich viele Leute politisch engagieren. Wenn wir angucken, was in Rumänien gerade passiert, wo hunderttausende Menschen gegen Korruption auf die Straße gehen. Oder die Polen, die sich dagegen wehren, dass die Regierung ihre Rechte unglaublich beschneidet.

Erst wählen sie die falsche Regierung – und dann protestieren sie.

Sie dürfen die Gruppen nicht durcheinanderbringen. Mir ist die neue Ära des Aktivismus wichtig. Menschen, die das Schicksal in die eigene Hand nehmen, sind sehr wichtig für uns. Ohne das kann halt einfach nichts Gutes werden.

Ist das europäische Parlament noch „Austragshäusel“ für abgehalfterte Bundespolitiker?

Im Gegenteil, wir schicken gerade erfolgreiche PolitikerInnen nach Berlin zurück. Früher hieß es: Haste einen Opa, schick ihn nach Europa. Heute ist das anders.

Meiner Ansicht nach sind die europapolitischen Träume der Vergangenheit vorbei: Der Brexit kommt, Rechtspopulisten in Frankreich, Niederlande stehen vor einem möglichen Sieg.

Wir müssen uns jetzt echt überlegen, wie wir dieses Europa zusammenhalten, was wir damit noch vorhaben und wie wir Leute dafür begeistern.

Die Vereinigten Staaten von Europa? Daran glaubt doch kein Mensch mehr.

Da haben sie recht. Aber wollen wir das wirklich?

Ich muss als Journalist die Sachen so beschreiben, wie sie sind. Sie sind Politikerin und sollen dafür sorgen, dass die Sachen nicht so bleiben, wie sie sind.

Ich glaube, die Idee von Europa erfährt gerade auch ein Revival und zwar durch negative Schocks. Wollen wir Europa wirklich den Orbáns und den Kaczynskis überlassen? Wäre es nicht viel besser, wenn wir Europa zum Gegenmodell zu Trump ausbauen? Das wäre doch großartig.

Sie wollen größere Flüchtlingsgruppen zusammen in ein Land schicken – beispielsweise ein ganzes syrisches Dorf nach Lettland?

Wir Bündnisgrünen haben ein umfassendes Konzept dafür erstellt: das präferenzbasierte Verteilungssystem. Die Idee ist, dass es erstens eine faire Verteilung gibt und dass sie, zweitens, auf objektiven Kriterien fußt.

Ich bin gespannt.

Man guckt dabei die Flüchtlinge nicht mehr wie Pakete an, die man quer durch Europa verschickt. Sondern fragt: Wo wollen die Leute eigentlich hin? Haben die irgendwo Familie? Oder: Können die irgendeine Sprache? Es würde ja Sinn machen, jemanden, der bereits Französisch spricht, dann eher nach Frankreich zu schicken als nach Lettland. Und es macht aus Integrationsgründen auch Sinn, zu gucken, wo haben die Flüchtlinge eher ein positives Gefühl, also: Wo wollen die gerne hingehen. Das UNHCR macht das schon länger – mit großem Erfolg.

Das haut doch nicht hin, wenn Polen und Ungarn sagen: Ist uns egal! Die wollen die Flüchtlinge einfach nicht haben, Ende der Durchsage.

Wenn Länder sich dem komplett verweigern, dann ist die Konsequenz ganz einfach: So funktioniert das nicht. Es gibt europäisches Recht, das müssen alle anwenden. Basta.

Kann es nicht sein, dass die noch 25 bis 30 Jahre brauchen, bis ihre gesellschaftlichen und politischen Systeme so weit sind? Nur haben wir die Zeit nicht.

Man muss den Ländern, die bisher überhaupt keine Erfahrung haben, Geflüchtete aufzunehmen, Zeit lassen und sie unterstützen. Trotzdem muss man jetzt anfangen. Viele dieser Länder sind unglaublich attraktiv. Zum Beispiel mit ihren Arbeitsmärkten.

Info

Der nächste Radio Eins und Freitag Salon findet am 6. März statt. Gast ist der Soziologe Heinz Bude

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 08/17.

Kommentare (44)

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Ehemaliger Nutzer 27.02.2017 | 09:40

Kompetente Fragen zwar aber dennoch: Schongang.

Warum einer "Repraesentantin" nicht auch mal auf den Zahn fuehlen, welchen Gesellschaftsaenderungen die oder sie persoenlich eigentlich nachhaengen? Oder will/wollen die nur einfach weiter so?

Auch das kann entlarven, womoeglich sogar werben?

Paria 27.02.2017 | 17:54

„Wir gehen voran, es wird Fortschritt geben, das war das Lebensgefühl.“ Anno 2007 war der gute Herr Erdogan also der Garant einer goldenen Zukunft für Frau Keller. Nicht, dass sie die einzige gewesen wäre, die sich den Mann aus realpolitischer Überzeugung schön geredet hätte (vgl. z.B. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahltriumph-in-der-tuerkei-europa-verlangt-mehr-ehrgeiz-von-erdogan-a-495956.html), aber wo bleibt heute mit 10-jährigem Abstand die Reflexion? Nein, das Prinzip lautet, „was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an“, „wählt mich, denn ich bin die fleischgewordene Wahrheit“.

Wir gehen voran, es wird Fortschritt geben, das war das Lebensgefühl auch anno 1933/34 unter den Herrschaften die hernach schon immer dagegen gewesen waren und von nichts gewusst hatten. Aber was soll‘s, egal ob Kriegshetze, humanitäre Bombardements, direkte Demokratie, ethnische Säuberungen, globale Ausbeutung von Mensch und Umwelt, Sozialabbau, Finanzspekulantentum, Rechtsstaatlichkeit, freie Meinungsäußerung, bei den deutschen Grünen, der Moralpartei, findet heute wirklich jeder von Links- bis Rechtsaußen eine im Brustton der Alternativlosigkeit vorgetragene unabänderliche Wahrheit, die ihm genehm sein darf.

Alles ist angreifbar? Nur die Grünen nicht, denn die lassen sich auf nichts festnageln. Brauchen sie auch nicht, weil ihre gläubigen Anhänger ohnehin keinen Wert auf Vernunft legen, wo es auch der Gut-Böse-Dualismus tut. Die Grünen, da weiß man was man hat glaubt.

Richard Zietz 27.02.2017 | 18:24

Das Ganze sind doch vorgestanzte Sprechhülsen – Sprachregelungs-Sprech mit Nullaussage, garniert mit den üblichen Plattitüden und Selbstbeweihräucherungen. Ich habe keine Ahnung, für was diese Frau steht, für was sie eintritt oder welche Schwerpunkte ihr besonders am Herzen liegen – abgesehen dafür, dass ihre Partei möglichst viel Stimmen/Mandate bei der BTW einheimst.

Dass sie nebenbei ein paar unsubstanzielle Seitenhiebe gegen Schulz austeilt nach dem Motto »Etwas wird schon hängen bleiben«, mag dabei seine Logik haben. Seitdem die SPD jemand hat, der Klartext zu reden vermag, sind die Grünen im Sinkflug. Sieben Prozent minus X: Eine CDU mit mehr Insektenliebe wird parteiprofilingstechnisch vermutlich auch nicht helfen.

karamasoff 27.02.2017 | 19:39

„Alles ist angreifbar“

Weil niemand mehr für irgendetwas steht und für nichts mehr verantwortlich, also angreifbar ist.

Wenn es etwas gibt was endgültig symbolisch für unsere Zeit und unser Denken stehen kännte, dann ist es die Lampe mit einem Schirm aus tätowierter Haut, dem Sinnbild vom kapitalistischen Endzustand menschlichen Denken und Handelns. Alle sind dem Mehrwert unterworfen. Der kennt weder, noch benötigt er noch, "rechts" oder "links". Im übrigen benötigt er auch weder Lüge noch Wahrheit als Maßstab oder Instrument der Verwertung.

Magda 27.02.2017 | 20:13

Der reine Kindergarten ist hier zu besichtigen. Sicher, sicher, man kann sich mal vertun, aber so ein Video spricht Bände.

Und diese Namenskreativität: Ska statt Franziska - das ist auch mehr so aufs eigene Ego ausgerichtet. Wer mit der Ausgestaltung der eigenen Erscheinung so pusselig umgeht, bietet auch Potenzen zum Spott.

Che Nie 27.02.2017 | 20:15

Wenn man Marieluise Beck oder Rebecca Harms ernst nimmt, die beide, für die Grünen eigentlich untypisch, mehrfach eine militärische Unterstützung für die Ukraine gefordert haben - Frau Beck Waffenlieferungen, Frau Harms gar eine militärische Intervention - dann ist es, zumindest mir, unmöglich die Grünen überhaupt noch als "links" einzuordnen.

Richtig krass wird es dann wenn man sich die Grünen somit als faktische "Waffenbrüder" und "-händler" des ukrainischen Azov Freiwilligenbattalions vorstellt, in dem bekanntlich massenhaft echte, ultraradikale Neonazies kämpfen und morden dürfen.

Markou Spyros 27.02.2017 | 22:43

" Der Niedergang der Demokratie " , Frau Keller, der ist schon "vollzogen" , seit 8 Jahren, in Griechenland, zum großen ...Ruhm Europas !

Es gibt keine Demokratie mehr, keine Regierung , gar nichts, gibt es in dem Lande, in dem die Demokratie geboren ist !

Die Troika, also die... "Retter" haben dafür gesorgt !

-Die Geier, also die Raubtiere des IMF, zusammen mit dem WOLF-gang, entscheiden über alles und überall und jede Sekunde:

Sie sagen dem Griechen, jeden Tag, sogar:

-" Ich werde deine Frau ficken, wann ich will und mir ist egal., ob es dir gefällt oder nicht!! Du mußt machen, was ich dir befehle!!"

( Ich bitte den Leser um Verständnis für diese Wortwahl. aber es kann nicht anders ausgedrückt werden, was für Verhältnisse wir hier und jetzt-in Friedenszeiten- erleben !

Tausendmal hätten wir Krieg !!! So sagen die Bürger heute, dann wußten wir wenigstens zu kämpfen, als Mann zu Mann !!! )

So fühlt sich heutzutage der Grieche, im übertragenen Sinne machen diese grauen Eminenzen, 8 Jahre schon, das:

-Sie versuchen, jeden Tag, das Griechische Volk, zu entehren und zu entwürdigen !! Das ist ihr Ziel und wir wissen es...

-Obwohl es keine Schuld daran hat, genauso, wie das Deutsche Volk keine Schuld an den Nazi-Verbrechen hatte...

Sie haben auf uns Bürger, die Milliarden-Schulden der Banken

"umgeladen" und nennen es ..."Rettungs"program..., seit 2010 !

Was hat das Europarlamet getan? Gar nichts ! Wo sind die Menschen-Rechte geblieben ?

-Wir werden für 100 Jahre wie Sklaven arbeiten, bis die Räuber und VAMPIRE mit unserem Blut und dem Blut unserer Enkelskinder sich gesättigt haben werden !!

Das ist das Europa 2017 !!

weinsztein 28.02.2017 | 02:25

Gemessen an Hardlinerinnen wie Marieluise Beck oder Rebecca Harms in der grünen Fraktion des EU-Parlaments ist Ska Keller durchaus irgendwie links.

In diesem Freitag-Salon scheint es Jakob Augstein nicht irritiert zu haben, wenn Ska Keller plattitüd geantwortet hatte. Schade, Augstein ist doch ein erfahrener Journalist.

So lesen wir eine Plauderei, wischiwaschi zum Interview verarbeitet, weil nicht hinterfragt wurde. Da bleiben Ska Keller und Jakob Augstein weit unter ihren Möglichkeiten.

Querdenker 28.02.2017 | 07:26

"Wenn Länder sich dem komplett verweigern, dann ist die Konsequenz ganz einfach: So funktioniert das nicht. Es gibt europäisches Recht, das müssen alle anwenden. Basta."

Und weil alle Länder Basta, Basta sind (außer Deutschland, die sind Balla, Balla) und europäisches Recht einhalten, haben wir auch keine Euro-Krise, keine Asylkrise und auch sonst haben sich alle lieb. Die Frau ist "Chefin der europäischen Grünen-Fraktion"?

Richard Zietz 28.02.2017 | 08:50

»Der reine Kindergarten ist hier zu besichtigen. Sicher, sicher, man kann sich mal vertun, aber so ein Video spricht Bände.«

In der Tat: »Pubertär« wäre da bereits ein Fortschritt. Die sind in ihrer Socialmedia-Bubble derart selbstgenügsam-selbstverliebt, dass selbst bei mir Fremdschäm-Impulse hochkommen. Andererseits: Vielleicht kriegt man es in der Straßburger Krabbelstubenabteilung nicht richtig mit, dass Europa gerade abraucht.

sch123 01.03.2017 | 18:50

Oh, die olle Kamelle, oh Grünen-Bashing,.., wie originell?

Ja, das Video ist peinlich, aber der "Kindergarten" hat schon Dinge bewegt und erreicht, die Sie und andere Nörgler hier im Leben nicht erreichen und bewegen werden, geschweige denn mit Anfang 30 schon haben.

Da gibt man sich immer gerne links und alternativ, tolerant, humanistisch und in Ihrem Fall feministisch, aber kaum treten mal ein paar junge PolitikerInnen in Erscheinung, die nicht so recht in die Norm passen -Auweh ein Spitzname, wie kann sie nur!?- wird unreflektiert mitgebasht...

sch123 01.03.2017 | 18:58

Unreflektiert und selbstverliebt sind vor allem Sie und zum fremdschämen ihr billiges Grünen-/Junge-Leute-Bashing. Wie ich bereits in Richtung Magda schrieb: der "Kindergarten" hat für Europa mehr bewirkt und erkämpft als Sie jemals werden. Ein bisschen Bescheidenheit könnte man da erwägen.

Und würden Sie sich, anstatt zu nörgeln und zu pöbeln, einfach mal informieren, wüssten Sie nicht nur das, sondern auch, zu welchen Themen z.B. Frau Keller arbeitet. Ihre Seite ist nicht schwer zu finden. Im Interview kann sie ja nun nur auf die Fragen antworten die gestellt werden.

Magda 01.03.2017 | 19:50

Und gleich mal noch was anderes. Frau Keller schreibt über ein Papier, das "geleakt" sei und von dem angenommen werde, das es aus Deutschland oder Frankreich komme. Es ginge darin um die "Komplettabschottung" der EU.

Und das stimmt so einfach nicht, wenn man das Papier liest. Abschottung ist sicherlich ein Aspekt, der dabei eine Rolle spielt und es ist sicherlich auch kritikwürdiges. Aber Frau Ska "skandalisiert" das sofort politikerprobt und macht daraus eine politische Waffe, obwohl das Ganze ja noch überhaupt nicht umgesetzt ist, sondern ein Papier.

Richard Zietz 01.03.2017 | 20:30

»(…) der ›Kindergarten‹ hat für Europa mehr bewirkt und erkämpft als Sie jemals werden.« usw.

Normalerweise hätten Sie für den Satz eine Antwort an der Backe, die hier nicht ohne weiteres rezitierbar ist. In Anbetracht der Tatsache, dass wir alle mal Fans von irgendwas waren, schreibe ich’s einfach mal Ihrer Jugend zu.

Nur kurz was zur Informationspflicht: Wenn ich in die Politik gehe, bin zuförderst ich dafür verantwortlich, dass die Leute mitkriegen, was ich dort auf die Beine stellen will. Nix mit: Ihr könnt mal bittesehr auf meine Webseite gehen und euch da kundig machen. Den »Kindergarten« kann ich, wenn’s der Wahrheitsfindung dient, gern konkreter machen. Das Clipchen kommt so rüber, als hätten die drei Mama und Papa und dem Rest der Verwandschaft mitteilen wollen, wie toll sie sind und was für einen coolen Job sie in Straßburg an Land gezogen haben. Schön, wenn die drei eine Beschäftigung gefunden haben – Glückwünsche auch von mir. Aber dass mich das mehr kratzen soll als ein umgefallener Sack Reis in China – wird sicher nicht passieren.

sch123 01.03.2017 | 21:22

Das kann ich nachvollziehen, dass Sie das nicht gerne hören, ändert aber nichts an der Tatsache.

Ich bin auch kein ausgesprochener Grünen-Fan, mich ärgert einfach dieses unreflektierte Grünen-/ "Kinder-" Bashing von Ihnen und Magda.

Und das Video ist peinlich, ja, und uralt. Hat aber nichts über die Qualitäten der Beteiligten als Politiker zu sagen. Mir sind ein paar junge Leute im EP allemal lieber als eine reine Altherrenbesetzung a la Elmar Brok etc...

Grenzpunkt 0 03.03.2017 | 17:11

Ich habe mich bei einem Grünen erkundigt, der es wissen muss. Die erste Reaktion war totale Ablehnung der Frage, nach dem Motto "dieses unreflektierte Grünen-/ "Kinder-" Bashing".Das Video ist mit voller Absicht "in Anlehnung an einen Youtuber wie BibisBeautyPalace gemacht worden. Um Aufmerksamkeit zu generieren, hat das damals nicht schlecht funktioniert, auch wenn es schon damals Spaß-befreite Reaktionen gab. Lange Rede, kurzer Sinn - was ich dazu sage: auch wenn der Ernst der Lage es nicht vermuten lässt, Politik kann auch Spaß machen und will vermittelt werden, auch der jüngeren Generation, die zwar LeFloid kennen, aber wahrscheinlich nur dann die Tagesschau gucken, wenn sie ihre Eltern im Wohnzimmer besuchen, weil sie ihr Taschengeld abholen..."

Offensichtlich war jedoch der Gegenwind damals so scharf, dass das zweite Video wie ein missglückter Versuch einer Schulklasse wirkt, die Tagesschau zu imitieren. Als wenn die Macher noch nie etwas von Inhalt und Form gehört hätten, die zueinander passen sollten, oder von Authentizität?

Die Kommentare unter dem ersten Video zeigen auch, dass die Zuschauer wesentlich intelligenter sind, als sie von den drei Akteuren gehalten werden.

Magda 03.03.2017 | 19:39

Vielen Dank. Das war sicher abzusehen, dass die daran nicht mehr so gern erinnert werden wollen. Der zweite Versuch hat nun endgültig was von Trotzköpfchen im Parlament.

Nachdem ich aber nun weiß, dass Frau Keller mit 30 Jahren Dinge erreicht hat, die ich in meinem ganzen Leben nie erreichen werde (Buhu:-((( , habe ich mich wieder beruhigt und stelle fest: Das stimmt ja auch. Sowas habe ich nicht geschafft.

Diese Terry ist sogar noch'n Zahn schärfer als Ska Keller.

sch123 05.03.2017 | 20:43

Wenn es Ihrem Seelenheil gut tut und so wichtig ist kann ich Ihnen auch gerne noch 10 x bestätigen, dass das Video Panne ist.

Ich denke aber Sie haben meinen Punkt schon verstanden.

Aber auf irgendwelchen uralten Videos rumreiten ist freilich bequemer als sich mal differenziert mit Inhalten zu beschäftigen...und seien es nur die in den Videos.

Zumindest teile ich Ihre Abneigung gegenüber Terry Reinke...

sch123 05.03.2017 | 20:57

Haha, das zweite Video ist echt geil... Immerhin nur langweilig und nicht peinlich wie das erste.

Wie gesagt, mich muss keiner überzeugen, dass das mit diesen Videos von Anfang an eine Sch*** Idee war. Nichtsdestotrotz sind Ska Keller und Jan Philip Albrecht wertvoller im Europaparlament als viele andere. Und würden Sie, Magda und andere hier sich wirklich mal mit deren Positionen auseinandersetzen, fänden Sie sicherlich auch an der einen oder anderen Stelle Zustimmenswertes.

Stattdessen wird Politik oberflächlich und personenzentriert begutachtet, um sich dann gern auch mal an anderer Stelle darüber zu beschweren wie oberflächlich und personenzentriert Politik geworden ist.

Grenzpunkt 0 08.03.2017 | 08:54

"Stattdessen wird Politik oberflächlich und personenzentriert begutachtet..."

Mit dieser Schlussfolgerung wagen Sie sich sehr weit auf sehr dünnes Eis.

Aus den Videos und aus dem Interview geht für mich nicht hervor, dass die beteiligten Personen irgendeine für andere nützliche Strategie verfolgen. Ich sah Null Informationen. Deshalb bin ich auch an den Personen überhaupt nicht interessiert.

Was die Politik der Grünen betrifft, werden sie für mich erst wieder interessant, wenn sie die, aus meiner Sicht, beiden Kardinalfehler (Kriegseintritt im Balkan usw. und Agenda 2010) nicht nur zugeben, sondern substantiell verändern wollen. Bis dahin nehme ich zur Kenntnis, dass es für sie wichtiger Dinge, wie z.B. "Autofasten", gibt.

gelse 08.03.2017 | 10:36

>>Was die Politik der Grünen betrifft, werden sie für mich erst wieder interessant, wenn sie die, aus meiner Sicht, beiden Kardinalfehler (Kriegseintritt im Balkan usw. und Agenda 2010) nicht nur zugeben, sondern substantiell verändern wollen.<<

Das werden sie wohl kaum ernsthaft wollen.
>>...dass es für sie wichtigere Dinge, wie z.B. "Autofasten", gibt.<<
Man sollte aber das Eine nicht gegen das Andere ausspielen: Ein Umstieg auf Schienenverkehrsmittel ist auf jeden Fall sinnvoll, nicht nur wegen der Energieeffiezeinz, sondern aus mehreren Gründen...

Grenzpunkt 0 08.03.2017 | 11:09

"Man sollte aber das Eine nicht gegen das Andere ausspielen: Ein Umstieg auf Schienenverkehrsmittel ist auf jeden Fall sinnvoll, nicht nur wegen der Energieeffiezeinz, sondern aus mehreren Gründen..."

Das ist das Dilemma unseres Wahlsystems. Man hat nur eine Stimme (ok 2), die dem ganzen Programm zugeschlagen wird. Ob es dann umgesetzt wird oder nicht, ist eine ganz andere Sache. Deshalb wäre ich dafür, jeden Wahlberechtigten vor den Wahl-o-Mat zu setzten und nach der Übereinstimmung seiner Antworten mit den Wahlprogrammen den Parteien die Anteile seiner Stimme zukommen zu lassen.

gelse 08.03.2017 | 12:06

>>Die Parteien würden sich sehr viel mehr bemühen, wenn plötzlich 40 % weniger Abgeordnete an den Fleischtöpfen Platz finden würden.<<
Aber für die an den Fleischtöpfen, (vor Allem auch den Töpfen des Privatprofitlobbyismus) ist es bequemer, wenn die Enthaltungen nicht mitgezählt werden.* Also werden sie so etwas niemals beschliessen.
Da zeigen sich eben die Grenzen des bürgerlichen Parlamentarismus.
Das ist wie mit dem Frauenstimmrecht im schweizer Kanton Appenzell-Innerrhoden: Solange die Männer unter sich waren, haben sie immer ganz demokratisch entschieden, dass Frauen kein Stimmrecht haben. Gekippt wurden diese demokratischen Beschlüsse erst von aussen: Durch ein Urteil des Bundesgerichtes.

*Deswegen bin ich strikt gegen Wahlenthaltungen. Die mit der grössten Übereinstimmung zu wählen ist besser als nichts.