Auf die Auswahl kommt es an

Koch oder Gärtner Wenn man im nächsten Jahr keine böse Überraschung erleben will, sollte man die Blumenzwiebeln sehr gezielt aussuchen. Bei der Auswahl gilt es einiges zu beachten

Liebe Gartenfreunde, was für herrliche Tage. Manchmal muss man innehalten und sich daran erinnern, warum wir das alles überhaupt tun. Nehmen Sie sich jetzt noch einmal Zeit dafür. Bald kommt die große Dunkelheit. Aber noch begleiten uns Herbst­annemonen, Geranium psilostemon und alle Arten der Fett­henne durch diese wunderbaren Spätsommertage liebenswürdig in Richtung Herbst.

Und die Hortensien sorgen von ganz allein dafür, dass aus ihren prächtigen Blütenköpfen die mild leuchtenden Trockenblumen werden. Die Funkien haben das Jahr leidlich gut überstanden und den Schnecken getrotzt, so gut sie konnten. Es gibt auch regelrecht ­schnec­kenresistente Arten, Hosta sieboldiana „Frances Williams“ etwa, die an den Blatträndern gold-gelb panaschiert ist. Es stehen davon zwei, drei in meinem Garten und tatsächlich haben sie sich gut gehalten. Aber das ist keine Entschädigung für das müde Gelb der Blätter. Wählen Sie lieber die blaublättrigen Sorten, sieboldiana „Elegans“ oder „Blue Angel“. Die sind wunderschön und widerstehen ihren Feinden auch recht gut. Bei älteren Pflanzen werden die Blätter so kräftig, dass die Schnecke kaum zum Kauen kommt!

Ich werde in den nächsten Tagen die Zwiebeln für das kommende Jahr zusammenstellen. In der neuen Ausgabe des Hoch-Katalogs, den treue Leser dieser ­Kolumne bereits kennen, finde ich eine neue Sorte, die mir bislang unbekannt war: Ipheion, der Frühlingsstern. Das sind ganz besonders hübsche kleine Blumen, die offenbar von März bis Mai, in der Sorte uniflorum „Wisley Blue“ sogar bis Juni, blühen. Sie sind zwischen zwölf und dreißig Zentimeter hoch und ihre Blüten sind von großer Klarheit und Schönheit. Ich werde es einmal mit den Sorten „Rolf Fiedler“ und uniflorum „Album“ versuchen, die zartblau, beziehungsweise reinweiß sind.

Was die Narzissen angeht, nehmen Sie unbedingt die Sorte „La Riante“. Sie ist weiß und in der Mitte mit orangefarbenen Blütenständen. „Jet Fire“ und ­„Peeping Tom“ sind unverzicht­bare gelbe Sorten, und „Midget“ ist, was Gärtner eine „treue Sorte“ nennen – absolut zuverlässig und übrigens die früheste Narzisse von allen. Mit dieser kleinen Auswahl kommen Sie gut durch den Frühling. Bis die ersten Tulpen sich melden.

Ich mag in meinem Garten ab Mai kein Gelb mehr ­sehen und dulde es vorher auch nur, weil es sehr schwierig ist, den frühen Frühling ohne diese Farbe zu gestalten. Danach kann ich darauf verzichten. Also empfehle ich Ihnen nur weiße und rote Tulpen – und alle Schattierungen dazwischen. Ich schwöre auf "Clara Butt", eine im Mai blühende etwa 40 Zentimeter hohe samtrosafarbene Schönheit aus dem späten neunzehnten Jahrhundert. „Spring Green“ ist eine wunderschöne weiße Tulpe mit ein grünlichen Streifen in der Blüte. „Miranda“ ist eine knallrote Tulpe, die so üppig gefüllt ist, dass man meinen könnte, eine Pfingstrose vor sich zu haben. „Esperanto“ ist eine etwas niedrigere, auffällige Tulpe mit schwärzlich roter Blüte, deren Blätter grünlich-weiß sind.

Und ganz gleich wie groß oder klein Ihr Garten ist, halten Sie sich einen Ort für die Tulipa kaufmanniana frei. Das ist eine erst sehr spät nach Europa importierte Wildtulpe, die bereits im März und April blüht. Sie sieht aus wie eine Seerose.

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Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin

Jakob Augstein

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