Jakob Augstein
30.06.2011 | 12:00 33

Das Panik-Orchester

Medien Die Zeitungsverlage kämpfen gegen Blogger und öffentlich-rechtliche TV-­Sender. Es geht ihnen um die ­Privatisierung des Internets

Mathias Döpfner steckt in einem Dilemma. Der hagere Mann, still und kultiviert, ist Chef des größten europäischen Zeitungsverlags und seinem Unternehmen geht es – einerseits – glänzend. Ein paar Zahlen? Die Rendite im Zeitungsgeschäft liegt bei 22 Prozent, der Konzernumsatz ist in den ersten drei Monaten des Jahres um elf Prozent gewachsen, das Konzernergebnis um 6,5 Prozent, und allein die Erlöse aus dem digitalen Segment haben um 26 Prozent zugelegt. Das ist alles sehr beeindruckend, und da die Axel Springer AG den strengen Veröffentlichungskriterien des Aktiensrechts unterliegt, muss sie die schönen Zahlen auch öffentlich verkünden.

Andererseits sieht sich Döpfner dazu gezwungen, aus strategischen Gründen Untergangsstimmung zu verbreiten. Springer hat gerade im Verbund mit anderen großen Verlagen Klage gegen die ARD erhoben. Vor dem Kölner Landgericht wenden sich die Verlage gegen eine Computer-Anwendung, mit der man von der Tagesschau-Redaktion erzeugte Inhalte kostenlos auf mobilen Geräten empfangen kann. Mit der Tagesschau-App hätten die Öffentlich-Rechtlichen eine „rote Linie“ überschritten, sagt Döpfner. Die Verlage streiten seit geraumer Zeit um die Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen im Netz. Die Klage ist eine Eskalation. Entsprechend muss auch die Rhetorik eskalieren. Als das Handelsblatt im vergangenen Herbst mit Döpfner über den Strukturwandel der Medien sprach, sagte der Springer-Chef: „Im ersten Halbjahr haben wir den höchsten Gewinn in der Konzerngeschichte erwirtschaftet. Das Unternehmen ist für diesen Transformationsprozess bestens gerüstet.“

Jetzt muss ein anderes Bild her. Der Süddeutschen Zeitung gab Döpfner unlängst ein Interview, das vom Geist der Panik durchweht ist. „Wir kämpfen um unsere Existenzgrundlage.“ Wenn der Springer-Chef derart aufdreht, muss viel auf dem Spiel stehen. So ist es auch. Und dabei ist Döpfners Schlacht gegen die Netzaktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender nur Teil eines viel größeren Feldzugs. Es geht aber nicht um das Überleben der Verlage. Es geht um die Vorherrschaft im Internet. Um die Frage, ob das Netz öffentlich bleibt oder privatisiert wird.

Kontaktgeschäft

Das herkömmliche Geschäftsmodell der Verlage ist beschädigt. Auf das Internet ließ es sich bislang mehr schlecht als recht übertragen. Springer-Mann Christoph Keese, Döpfners Sekundant im Kampf ums Netz, schreibt: „Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften machen in Deutschland rund 12 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Die Webseiten dieser Verlage bringen es in der Summe auf weniger als 250 Millionen Euro.“ Dass die Verlage im Netz alle darben, stimmt darum nicht. Schon jetzt macht Springer dort ein Viertel seines Umsatzes. Nach Döpfners Aussage soll es in sieben Jahren die Hälfte sein. Aber, so Döpfner: „Derzeit entwickelt sich alles so dynamisch, dass wir dieses Ziel schneller erreichen können.“ Das Geld fließt vor allem aus Quellen, die mit Journalismus nicht viel zu tun haben. Springer verdient mit Netzdiensten wie Immonet und Stepstone. Der Holtzbrinck-Verlag seinerseits ist ins Kontakt- und Beziehungsgeschäft eingestiegen: StudiVZ und Parship gehören dem Haus, das auch die Zeit und das Handelsblatt herausgibt. Warum auch nicht? Wenn in den Zeitungen Werbung für Waschmittel steht, hat das mit Journalismus auch nichts zu tun. Aber nebenbei: Die Marktführer Springer und Spiegel verdienen im Netz sogar mit journalistischen Inhalten nicht so schlecht. Alle anderen zahlen freilich drauf. Für sie ist das Netz keine Erlösquelle, aber ein unverzichtbares Instrument für Marketing und Leserbindung geworden. Und Werbung kostet nun mal.

Es geht den Verlagen nicht ums Überleben, sondern um ihre Vormacht. Sie kämpfen an zwei Fronten: nach oben gegen die großen Institutionen der öffentlich-rechtlichen Sender und nach unten gegen die Blogger und Netz-Aggregatoren. Für Schützenhilfe wenden sie sich vertrauensvoll an die Politik: Mit immer neuen Rundfunkänderungsstaatsverträgen – die nicht nur als Begriff wie eine Keule wirken – wurde den Sendern in den vergangenen Jahren das Leben im Netz schwer gemacht. Neue bürokratische Monster wurden geschaffen, wie der „Dreistufentest“, mit dem sich jedes Netzangebot der Sender einer komplizierten Rechtfertigung unterziehen muss. Es wurde auch etwas erfunden, das „Depublizierung“ heißt, ein Unwort, das an den medienpolitischen Giftschrank einer totalitären Gesellschaft erinnert und jedem Journalisten den Magen umdrehen müsste: Die Rede ist von Löschungen. Die Sender wurden gezwungen, Hunderttausende von Dokumenten aus dem Netz zu nehmen, beim ZDF allein waren es 93.500 Dokumente oder rund achtzig Prozent des Online-Angebots. Texte, die der Gebührenbürger bereits bezahlt hatte.

Das gleiche gilt für die Sendungen, unbestritten das Kerngeschäft der TV-Anstalten. Nach den neuen Regelungen dürfen die Sender ihre Beiträge nur sieben Tage nach Ausstrahlung im Netz vorhalten. Wieder gilt: Es handelt sich um Sendungen, die der Öffentlichkeit gehören und ihr auf Betreiben der Verlage entzogen werden. Früher war es normal, sich nach dem Fernsehprogramm zu richten. Heute ist das nur noch schwer vorstellbar, künftig gar nicht mehr.

Der Sonderbotschafter

„Das Internet ist ein Freiheitsmedium“, hat Mathias Döpfner neulich in einem Artikel für die Neue Zürcher Zeitung geschrieben. Die Wahrheit ist, dass die großen Verlage tun, was sie können, um dem Netz die Freiheit auszutreiben. Nicht nur im Kampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen. Mit der Knute des Leistungsschutzrechts sollen die anderen Verlagsfeinde gezüchtigt werden: Blogger und Aggregatoren. SZ und FAZ führen einen ermüdenden Gerichtskrieg gegen den Perlentaucher, eine der ganz wenigen Medienmarken, die aus dem Netz hervorgegangen sind. Mit dem Projekt des Leistungsschutzrechts haben sich Springer und Burda ein höheres Ziel gesteckt: dem gesamten Netz einen Knebel zu verpassen.

Das Urheberrecht ist in seinen Weiterung kompliziert, in seinem Kern aber einfach: Es liegt beim Urheber. Und das ist der Autor. Nicht der Verlag. Ein Leistungsschutzrecht würde den Verlagen die Möglichkeit geben, das Recht am Text anstelle des Autors wahrzunehmen. Die Verlage sagen, dass sich im Netz eine schädliche Gratiskultur ausgebreitet habe und sie beständig beklaut würden. „Jeder nimmt, was er kann, nur weil es technisch so leicht möglich ist. Zivilisation aber besteht darin, das Mögliche auf das Wünschenswerte zu beschränken. Wir rollen ja auch nicht mit prall gefüllten Einkaufswagen, ohne zu zahlen, aus dem Supermarkt, nur weil es technisch so einfach geht.“ So weit Mathias Döpfner. Mit solchen Alltags-Metaphern ist auch Christoph Keese als Springers Sonderbotschafter in Sachen Schutzrecht seit geraumer Zeit unterwegs. Er wird nicht müde, die Notwendigkeit eines solchen Rechts zu begründen. Aber es gelingt ihm nicht, der inneren Unlogik der eigenen Argumentation zu entkommen: Wenn das Netz ein Supermarkt ist, dann zwingt niemand die Verlage, die Regale zu füllen. Man muss seine Texte nicht ins Netz stellen, man kann sie hinter Paywalls verstecken und man kann seine Inhalte für die Google-Suche sperren lassen. Wenn man aber Inhalte kostenlos ins Netz stellt und sie für Google öffnet, ist es absurd, Geld dafür zu verlangen.

Die Verlage können es sich leisten, gegen die Öffentlich-Rechtlichen zu Felde zu ziehen und beim Leistungsschutz widersprüchliche Forderungen zu stellen, weil sie die Meinungs- und Veröffentlichungsherrschaft innehaben. Es ist für die Politik kein Spaß, sich mit dem Kartell der großen Häuser anzulegen. Wer will Springer, Burda, Süddeutsche, FAZ, DuMont und die WAZ-Gruppe gegen sich haben? Wohlgemerkt: Niemand muss einem Redakteur sagen, was er schreiben soll. Das weiß der schon von allein. Wer das so formuliert, zieht sich die Empörung Christoph Keeses zu: „Unterstellt er seinen Kollegen, dass sie nach der Pfeife ihrer Verlage tanzen und willfährig über deren geschäftliche Interessen berichten?“, schimpfte Keese über den taz-Redakteur Steffen Grimberg: „Dann müsste er Belege für die Beschuldigung anführen, was er aber nicht tut.“ Belege? Vielleicht sollte sich Keese das SZ-Interview mit seinem Chef noch mal in Ruhe ansehen. Stefan Niggemeier hat es so formuliert: „Es ist weniger ein Interview, das die Süddeutsche Zeitung mit Mathias Döpfner geführt hat, als eine Möglichkeit für ihn, ausführlich und ungestört durch kritische Nachfragen die eigene Position darzustellen.“ Warum kann Niggemeier das so schreiben? Weil er es vielleicht als Einziger geschafft hat, im Netz und im Journalismus seine eigene Marke zu werden. Er ist unabhängig. Das Netz hat ihm dabei geholfen. Weil es, da hat Döpfner ganz recht, ein Freiheitsmedium ist. Die Frage ist: Wie lange noch?

Kommentare (33)

ChristianBerlin 30.06.2011 | 14:55

dto., schöner Text.

Hat jemand eine Lösung, wie sich er Interessenkonflikt auflösen lässt, so dass alle was davon haben?

Der Freitag kann leider kein "Niggemeier in groß" werden, indem er der Leserschaft dieselbe Verknüpfung aus dem journalistischen Produkt einem gemeinsamen Haus/Dach mit vielen QualitätsBlogs anbietet. Den Bloggern wird zwar angeboten unter so einem gemeinsamen Dach mitzumachen, wo es aber hakt, ist der Konnex, zwischen dem was geboten wird und darüberhinaus potenziell geboten werden könnte und der potenziellen Leserschaft.

LG Christian

Calvani 30.06.2011 | 14:56

Inzwischen habe ich hier im Forum ja gelernt, dass Überschriften in der Regel nicht vom Autor stammen, das Kompliment hierfür mag also - wie auch schon zum Artikel "Im Netz der Interessen" eigentlich jemand anderem gelten, aber sei's drum: Schon der Titel ein Kunstgriff!
Und der Artikel hält, was er auf den ersten Blick verspricht.

Fünf Sterne.
Von mir.
Das will was heißen.

hest 30.06.2011 | 15:18

Gut geschrieben, Herr Augstein, man liest dem Text gar nicht an, dass Sie ja selbst Verleger sind … (komplimentär gemeint).

Öffentliche Bibliotheken und öffentlich-rechtliche Rundfunk- und TV-Sender betrachte ich generell als Errungenschaften, die es heute, mehr denn je, ist zu fürchten, zu verteidigen gilt.

Während die einen zu öffentlichen Surfotheken und livehaftig begehbaren sozialen Netzwerken zu evolutionieren sind, müssen die anderen sehr wohl zu Text-Bild-Ton-Rundum-Versorgern für nachrichtlichen UND analytischen Journalismus in einem öffentlich-rechtlichen Web vorwärtsverteidigt werden.

Die GEZeiten ändern sich, so oder so.

Uwe64 30.06.2011 | 16:57

Ein sehr guter Artikel.
Aber schon das Begriffspaar "geistiges EIgentum" ist ein Unding. Suggeriert es doch, dass Ideen und Gedanken quasi aus dem Nichts entstehen, und nicht einfach auf ältere Ideen aufbauen. Es erscheint schon abstrus, wie Springer und Co. mit Kanonen auf Spatzen schießen. Denn nicht nur die
Öffentlich Rechtlichen Sender sind Ihnen ein Dorn im Auge (was schon schlimm genug ist), sondern auch einfache Blogger.

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lisaschwert 30.06.2011 | 17:30

Kreuzverhör!!! :-)

Ich befürchte eine negative Wahrnehmung der Zuschauer (die sich ja auch immer wieder bestätigt in Kommentaren); der linke Augstein, der, der gegen die BILD trommelt, "trifft" sich mit einem von denen in einer Sendung. Dann denke ich würde ein Gehobener von der FAZ (zum Beispiel) doch gleich ein anderes Bild aufmachen, da ist einer, zwar vom "nichtganzsolinken Lager", aber es ist kein Boulevard (der böse Boulevard), sondern eben gehobener, heißt im Umkehrschluss Augstein steht auch für Gehobenes, für linkes Gehobenes, das er dann auch beweisen könnte. Und da sind wir schon beim Kern: es reicht nicht nur links zu sein, sondern man muss auch Qualität zeigen (das ist ein Anspruch).
Sieh´ es mal aus der Warte der Zuschauer, die den Freitag noch nicht kennen, da spielt sich viel in der Psychologie ab, das wird den Werbern ja immer vorgeworfen, gilt aber auch für Journalisten, oder sollte gelten, nicht umsonst schreiben alle Medien auch reißende oder lockende Titel, wie der von diesem Text.

Columbus 30.06.2011 | 19:30

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born2bmild schrieb am 30.06.2011 um 13:29

Wer die Idee hatte A aufeinander treffen zu lassen, in jenen endlosen und heiligen Gängen des Nachrichtenzwischenhändlers Phoenix,- geklaut, ich weiß, das wurde bisher nicht verraten.

Aber angesichts der reflexartigen Ablehnung all´ dessen, was fein und klein ist und nicht mit dicken Überschriften fintiert, ist es doch schon eine Überraschung und Erfrischung, dass hier ein irgendwie im Zweifel linkes Teilchen, der Verleger Augstein, neben einen Vertreter des BILD-Elefanten gestellt wurde.

Gute linke Tugend ist, dem nicht auszuweichen, denn die Chancen sind, bei aller vorgeblicher Offenheit der Nachrichten- und Meinungskanäle, eher viel geringer für Linke, als z.B. für alte, rechte Brummelbären aus Hamburgs, Berlins und Münchens neuer großer Mitte.

Da bekommen doch selbst die beknacktesten Oldies, z.B. der Herr Baring, oder der Herr Thilo S., oder das Hochnas-Monster von der Alster, Herr von und zu D., sowie solches junge Volk vom Schlage SPON -"Fleischhack", ihre vielfältigen Chancen.

Herr Blome ist hingegen nur offen Stammtisch-freundlich, und er ist zumindest nicht einer von der Gelfraktion der Medienhäuser.

Man darf aber davon ausgehen, dass Herr Döpfner und Co., die Geschäftsführer und Familienunternehmer, die den Markt beherrschen, wissen was sie medienrechtlich wollen und dafür auch mehr anlegen, z.B. was juristischen Rat angeht, als die versammelten Kritiker eines solchen Vorgehens.

Zudem kennen sie den direkten Zugang zu den Mandatsträgern und haben tatsächlich real zählende Druckmittel in der Hand, weil sie nun einmal ein Medium mit kontrollieren, das einmal als existenziell und demokratische vierte Gewalt, ein anderes Mal jedoch als eine Art Branche, wie z.B. Textil, Automobil und Verpackung, betrachtet wird. Augstein deutete das hier an.

Es gilt ja, dass selbst das Platte und Dreiste an den privaten Medien und zunehmend auch der ö.r. Medien, von hochintelligenten, gut gebildeten und bewusst handelnden Personen verkauft und inszeniert wird.

Das Internet ist derzeit vielleicht noch keine fünfte Gewalt, aber sichert doch zunehmend ab, dass sich weltweit mehr Menschen nicht mehr einfach ein X für ein U verkaufen lassen, dass zumindest der Aufwand für die Lügen ein wenig höher getrieben wurde. - Der Nachteil, es wird eben auch im Netz reichlich viel Obskures bewegt.

Der Angriff der Verleger ist jedoch eindeutig.

Ich könnte z.B. nicht mehr länger aus Quellen zitieren, die es besser sagen, als es mir je einfiele, ohne vorher bei Herrn Döpfners Firma oder einer anderen Stelle zu blechen.

Das Material unseres längst bezahlten und vor allem öffentlich-rechtlichen Medienwissens verschwindet derzeit einfach, weil es Verleger so wollen, und der freie Zugang auf fast alle Meinungs- und Nachrichteninhalte wird beständig bedroht, indem diese Zugänge nur noch gegen Bezahlung pro Inhalt angeboten werden sollen.

Die Teile, die Geld bringen, z.B. Kontakte knüpfen, Sex, andere Dienstleistungen, virtuelle Firmen, Online-Shops, Anzeigen, die lassen sich nämlich in jedem Medium, ohne Beschränkung der Kommunikation, gut verkaufen, wenn Leute eine passende Geschäftsidee haben. Auch das hat Augstein hier indirekt angesprochen.

Ich selbst bin viel zu dämlich und einfältig, bzw. mir fällt eine solche Idee einfach nicht ein, sonst hätte ich längst ein Imperium aufgebaut (;-)) ).

Die Urheberrechte sichern sich die Verleger seit ewigen Zeiten durch Ankauf der Rechte und Abschlag an den eigentlichen Urheber, und deren Verlags-"Charts" kultureller oder politischer Art sollten nicht noch mehr Schutz genießen, als sie ihn heute schon, mit rein ökonomischen Mitteln erlangen konnten, durch die Gesetze des Marktes und einer Schar von Juristen.

Wie man auch mit einer Gewinnmarge von 0,5-1,5 % und natürlich mit der Anlage von Geldmassen zum Euro-Milliardär wird, beweisen derweil die Marktführer stillerer Branchen. Ginge es also nur um Gewinn, das Engagement bestimmter Persönlichkeiten wäre völlig unverständlich.

Es geht aber um eine subtile Kontrolle dessen, was eben auch im Medienrecht "Öffentlichkeit" genannt wird.

Da lohnt jeder Kampf, diese Öffentlichkeit vor allzu dreisten Übernahmen sehr weniger, zudem potenter, Nutznießer zu bewahren, und Jakob Augstein hat daher meine, einzeln völlig wirkunglose und unerhörte, volle Unterstützung.

LG
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 30.06.2011 | 21:16

@Columbus
Ihre Erstkommentar ist wegen der Kürze und Knappheit lobenswert. Den Inhalt "Jedes Wort wahrhaftig und wahr." habe ich kurz und knapp ad absurdum geführt, denn Döpfner ist mitnichten kultiviert, wie Augstein ihn charakterisiert, denn das kann auf einen Mann, der verantwortlich ist für das Lügenblatt BILD, nicht zutreffen.
Augsteins freitägliches Parlieren mit dem Drecksblattredakteur - nun ja, wer's goutieren mag ...

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Ehemaliger Nutzer 30.06.2011 | 22:13

Das die Holtzbrincks, Springer usf. gegen die ÖR so vorgehen können, haben sie sich selber zuzuschreiben, ist den Verantwortlichen aber letztlich schnurz, Hauptsache, die Kohle stimmt.

Könnten doch die Öffentlich Rechtlichen ihre Angebote hinter Paywalls stellen und den Zugang nur nach Eingabe der GEZ - Nummer ermöglichen. Aber sie ziehen halt ihre eigene Definition vor:
"Neuartige Rundfunkgeräte sind z. B.:
- PCs und Notebooks"
folglich allesamt gebührenpflichtig, das Angebot darf kein deutscher Bürger ablehnen.
Demnächst gibt's die obligate Haushaltsabgabe - jeder Haushalt blecht für Annes Jauche aus dem Stadl, auch ich, glücklich ohne TV, ohne Eurovision Contest, Tagesschau, Kriegspropaganda, Griechenlandbashing - ohne Augstein Blome.

mcmac 01.07.2011 | 16:29

Es ist immer derselbe Kern des Pudels, der sichtbar wird: Privatisierung – Rendite – Profite und schließlich Freiheitsberaubung, Zerstörung. Ein Mensch, still und hager, bescheiden und kultiviert, dieses Geschäft betreibend, verhält sich wie ein Barbar. Darüber täuscht der Habitus nicht hinweg.

Ich entsinne mich noch eines Beitrags der kultiviert auftretenden Person (ich glaube, es war im letzten Jahr?), der, als ich ihn las, mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Zu erfahren, zu welcher Art und welchem Ausmaß an Barbarei die kultivierten, hochgebildeten Männer (wie sie etwa Joshua Sobol in seinem Stück Ghetto auftreten lässt) fähig sind unter entsprechender ideologischer Anleitung, liegt noch nicht all zu lang zurück.

Sollte es zu einer weitestgehenden Privatisierung des Netzes kommen, stirbt wohl ein großes Stück der Möglichkeit, „die Dinge“ noch halbwegs friedlich zu regeln. Was sich da tut im Moment, ist äußerst bedrohlich, passt aber ins Gesamtbild eines fortschreitenden Demokratieabbaus a la Crouch.
So gesehen ist es nicht lediglich ein isoliertes politisches oder ökonomisches Problem oder banales Ärgernis, was Jakob Augstein in seinem Beitrag beschreibt, sondern vor allem (wenn man den Begriff so weit fasst, wie es ihm gebührt) ein Kulturelles.

Springer Friends treten auf als Schutzpatrone eben jener Kultur, die sie im Augenblick ihres Auftretens beginnen zu zerstören.

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Ehemaliger Nutzer 02.07.2011 | 20:53

Über was sollen wir uns groß wundern, dass Angebot von ARD und auch ZDF paßt sich langsam den Privaten an.
Wenn es denn so ist, kann man sie auch privatisieren.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich intensiv mit Übertragungen befasst habe, nach kurzem Sehen wurde abgeschaltet.
Wirklich interessante Dinge werden teilweise zur Mittagsnacht gebracht, ansonsten wird eben für die gewisse Zielgruppe und die liegt bei 50, der größte Mist übertragen, wo man eben nur wenig Geist braucht.
Wenn ich mir die Begrüßung (Hallo, Tschüß, Machenses jut, bis bald usw.) und auch die Kleidung (abgewetzte Niethosen) betrachte, dann hat das alles mit Niveau nichts mehr zu tun.

ebertus 02.07.2011 | 21:12

Hofberichterstattendes Herrschafts-TV ala Chomskys Propagandamodell.

Der Einsatz von Jakob Augstein für die Öffentlich-Rechtlichen in allen Ehren; und der steuerähnliche Zwangsaderlass namens "Haushaltsabgabe" wird kommen, gibt es als "Gegenleistung" jetzt bereits dies hier:

www.bildblog.de/31601/bis-sich-die-balken-strecken/

www.nachdenkseiten.de/?p=9951

Ansonsten, gut gebrüllt Löwe, die Botschaft hör' ich gerne, nur...mag ich die altruistische, nach unten offene Naivitätsskala nicht gern so freiwillig beschreiten.

www.notina.com/?q=node/1343

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sachichma 03.07.2011 | 00:21

Was Jakobs Text betrifft bin ich seiner Meinung. Was sein Text mun mit dem A Videokram zu tun hat, vielleicht wäre die Kritik mit den dort üblichen Kommentaren besser. Der Videobeitrag, der in seiner Kürze eh niemals tiefschürfenden Erkenntnisse vermitteln kann verträgt dann kritische Kommentare mit Kante und Krawatte.

Die Bild ist eben so. Das ist deren Verkaufsstrategie. Mit all den überwiegend zynischen Sandmännern -Frauen, die es verstehen auf die Tränendrüse zu drücken, funktioniert das eben auch. Darauf herum zu reiten ist wirklich von gestern und hat mit dem Tam-Tam den Döpfner und die Verlage anstellen nix zu tun. Die Printleute wollen eben einfach nicht kapieren das sie den Zug verpennt haben und wollen nun das Rad zurück drehen. Es würde mich nicht einmal mehr wundern wenn es denen gelingt. Es wird wohl nur wieder an einer genuine deutschen Suppe gekocht.

Nur das hier (Columbus) stimmt so nicht einmal in Deutschland: "Die Urheberrechte sichern sich die Verleger seit ewigen Zeiten durch Ankauf der Rechte und Abschlag an den eigentlichen Urheber..." Wenn überhaupt, dann sichern die sich nur Nutzungsrechte. Die sind oft limitiert auf die jeweilige Publikation, und die On-Line-Nutzung ist i.d.R. extra gebührenpflichtg. Welcher Autor ist schon so naiv uneinschränkte Nutzungsrechte zu verkaufen, - dann kann auch gleich das Urheberrecht mit verkauft werden. Wer so blöd ist braucht sich auch nicht über die bösen Verlage oder Agenturen beschweren. Die NJU in England hat dem Bauerverlag eine schöne Abfuhr erteilt und selbst Freelens hat in letzter Instanz in Deutschland gegen deren Knebelverträge gewonnen.

In einem Beitrag in der letzten Woche hatte ich dieses Thema "hier in der FC" schon einmal aufgegriffen. Mittlerweile habe ich aber gesehen das diese ARD App auch andere Sendungen als nur die eigentliche Tagesschau einbaut und so z.B. ein Foto mehrmals verwendete aber eben nur einmal bezahlt hat. Das kann dann auch wegen Einsprüchen von Seiten freier Autoren für die ARD problematisch werden.

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preussenmichel34 05.07.2011 | 15:22

Nur eine tragende Fähe geniest Schonzeit in Deutschland. Ansonsten wird meiner Erinnerung nach der Fuchs das ganze Jahr bejagt, Jungfüchse eingeschlossen – und tollwütige Füchse müssen auf der Stelle zur Strecke gebracht werden und gemeldet.

„Wir kämpfen um unsere Existenzgrundlage !“

Welch wundervolle Zeilen muß ich da lesen, die Freudentränen schießen mir in die Augen . . . Er wähnt sich taumelnd, stolpernd, gar waidwund . . . kann es wirklich wahr sein . . .

Was muß ich nur tun, was soll ich machen.
Ich weiß, laßt mich einen Fangschuß wagen.

*****

Ich bin erschrocken über das Treiben deutscher Verlage.

Die öffentlich rechtlichen Programme und Ihre Erzeugnisse sind Millionen Mal Gedächtnis, Ereignis, Antrieb, Ablenkung, Band, Trost, Geborgenheit, Orientierung, u.s.v.m. . . . und bezahlt ! Wir haben technische Möglichkeiten, die Daten womöglich bis zum Ende aller Tage vorzuhalten . . . auch bezahlt. Eigentlich Unglaublich. Welch ein Reservoir - Welch ein Quell - Welch ein Schatz !!!

Ein öffenlich-rechtliches, digitales Archiv, das fortwährend speichert, böte die Möglichkeit, Dinge nüchtern aufzuarbeiten. Man könnte Rückschlüsse ziehen auf politische Entwicklungen, es könnte Zusammenhänge aufdecken, Kampagnen erkennen lassen. Strukturen und Funktionäre bekommen Schimmer. Das könnte Winkeladvokaten zur Schlinge gereichen, die Herschafft der Einweg-Parolen beginnt zu wackeln. Verantwortung, Rechtfertigung und persönliche Haftung glänzen wieder hervor.

Das offene Wort bekommt Schmiss.

Ich bin entsetzt über das Treiben deutscher Verlage.

Solange es in diesem Land keine unabhängige Staatsanwaltschaft gibt, die politisch-motiviert ausgebremst werden kann durch schriftliche oder lapidar mündliche Ansagen des jeweiligen Justizminister, bleiben wir verraten und verkauft. Habe mal aufgeschnappt, das ausser Deutschland noch Tschechien und einige Bananen-Demokratien in Übersee diese Art politisch domestizierter Staatsanwaltschaft pflegen.

Jene privaten Nachrichen-Geschäftemacher , welche eine Krieg gegen die Öffentlich-Rechtlichen Sender betreiben, soll „die Hand abfaulen“ bei Ihren Zugriffen. Diese Gesellen sollen gebrandmarkt sein mit einem Spruch von Gollum aus Herr der Ringe :

„Die Diebe !“

Ich bin fassungslos über das Treiben deutscher Verlage.

Will einmal wagen, Herrn Mathias Döpfner beim Namen zu nennen – Er ist unser aller Reichs-Truchsess. Eine graue Eminenz, lt. Wikipedia seit 2000 im Vorstand der Springer AG, etwas weiter heißt es zu seiner Amtszeit . . . eine Ägide.

Er ist der Herrscher der bedeutendensten Fahrstühle unserer Landes, die Politiker rauf oder runter befördert. Seinem gnädigen Ratschluss und seiner Sensibilität für Richtlinienkompetenz scheint das Land zu verdanken, wer mitfährt. Ein Intimus der Großaktionärin.

Seine Exzellenz wähnt sich in einer komfortablen und unangreifbaren Position. Fragen zur Qualifikation des Personal, den Verlauf der letzten Fahrt oder den Versicherungsschutz, Forderungen nach Wartung und Inspektion und das Führen eines Fahrtenbuch sind immerfort seinem Gutdünken und dem kaleidoskopen Vermögen des Springer Konzern unterworfen.

Seiner grauen Eminenz müssen angemessenere Fesseln aus Rechte Pflichten Vermögen angelegt werden. Die zur Schau getragene Verantwortung gegenüber den Aktionären ist ein Scheiß Dreck gegenüber der Verwantwortung für das Land und den Demokratischen Prozeß. Und die selbstgewählten, teils irrlichternden Auftritte von eigen Gnaden sind ungenügend.

Eine regelmäßige höchstnot-peinliche Befragung scheint mir als erste Adhoc - Maßnahme angemessen. Öffentlich. Im Gedanken an Rio Reiser’s Worte

Ich bin nicht unter Dir
Ich bin nicht über Dir
Ich bin neben Dir

*****

[ Ich habe noch eine zweite Murmel im Lauf – Obacht ]

Vor Jahren zufällig Herrn Döpfner im NDR erlebt. Auf die Bild – Zeitung aus seinem Hause angesprochen, gab er eine hoch interessante Erklärung über den Erfolg des Blatt ab. Aus meiner blassen Erinnerung.

Er bemühte die Währung Aufmerksamkeit. Marktuntersuchungen hätten gezeigt, das Menschen täglich bis zu 10 Minuten Aufmerksamkeit auf schriftliche Presse-Erzeugnisse verwenden. Die BILD – Zeitung schafft es, innerhalb weniger Minuten eine kompakte Übersicht zu geben und das würde überaus geschätzt sein und einen Teil des großen Erfolg erklären.

Ich glaubte Ihm kein Wort.

Ich bin davon überzeugt, er gibt sich schon mit viel weniger zufrieden. Tagtäglich geht es nur um wenige Sekunden Aufmerksamkeit. Einige Wimpernschläge vielleicht. Man muss Menschen im Alltag entgegenkommen. Man braucht einen wirkungsmächtigeren Verbündeten als das Format. Es die Gelegenheit.

Und hier kommt der Homo Oeconomicus ins Spiel.

Herr Thomas Wieczorek definierte in seinem Buch „Die verblödete Republik“ dazu wie folgt : „Geld regiert die Welt“ „Ohne Moos nix los“ „Jeder hat seinen Preis“ – das herrschende marktradikale Weltbild sieht ungefähr so aus : Am Anfang war der Markt, und der Markt schuf den Menschen als eigennützigen Homo Oeconomicus, der für Reichtum, Macht, Ansehen und Karriere über Leichen geht.“

Ob der auch hager und still ist, davon steht hier nix. Nun, ich bin davon überzeugt, den Homo Oeconomicus zieht es von Natur aus zur Kasse. Das ist quasi ein Instinkt, will ich meinen ! Ich kaufe, also bin ich. Und hier ist die Gelegenheit . . .

Wer hat einen Platz an der Sonne der Barkasse.
Wer ist die Königin am Kassenschalter.
Wer hat die Pole-Position auf dem Verkaufstresen !

Springers BILD

Mit den Traummassen 29,5 x 40 cm passt der „1. FC Meinen Sie nicht auch“ auf jeden nationalen Tresen, und eine Umdrehung nackte Tatsachen ist garantiert.

Das neutral-weisse 4-Buchstaben-Logo prangt verlässlich,
„Zwischen den Stühlen“ unabhängig und überparteilich
in einer Grube von Blutrot.

In jedem Kiosk auf Platz Nr. 1, im Supermarkt nah der Hetzkassen, an den Rechenmaschinen von McDonalds, im Baumarkt und an den hiesigen Tankstellen. Mit einer sensiblen Balance für Augen- und Griffhöhe zu den üblichen Geschäftszeiten.

Und sonntags gibt es beim Bäcker die Möglichkeit der käuflichen Zusammenfassung der Woche durch „Welt BILD am Sonntag“ gleichzeitig. Dem totalen Anspruch verpflichtet : An mir kommst Du nicht vorbei, sondern nur über mich rüber.

Wer kauft, den kriegen wir.
Wer mobil ist, den kriegen wir
Wer Brot will, den kriegen wir

Die angebliche Reichweite von 12 Mio. Lesern wirkt in diesem Moment lächerlich klein. Und Bild gewinnt immer. Den es hat eine Win-Win Situation. Wenn Du mich nicht kaufst, dann halt nur die Tagesparole !

So eine Lage ist unbezahlbar – Die BILD liegt auf einer nationalen Goldader.

Wir werden tagtäglich domestiziert und trainiert, über das Blatt zu greifen. Die Begegnung ist aller>verkaufs

Auf deutschen Verkaufstresen und in Zeitungsläden herrschen nordafrikanische Verhältnisse.
Unsere Zeitungsständer verlangen nach einer Auslagen-Revolution !

****

Nachtrag :

Interessante Beilage in der aktuellen Ausgabe. Noch im Dezember die FAZ am Schlafittchen gehabt wegen der Sankt Sarazin Berichterstattung und jetzt ein FAZ-Flyer nur für Freitags-Leser. Nice-Price Angebot mit (Ver-)Apple Gewinn Chance . Und das, obwohl das Blatt im Kiosk viel weiter vorne liegt.

Tse . . . .

Christian Herzig

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helena-neumann 06.07.2011 | 02:59

Die See ist rau und das Wetter so o là, là grau in grau – Zeitungswetter, eben. Wenn ich dann so einen Artikel wie Panikorchester lese, dann schlafe ich erst mal darüber. Nicht nur, weil es ja Urlaubzeit ist. Manchmal kommen mir im Traum Eingebungen.

Ich hatte da mal so einen Traum
Auf dem Grote Markt in Bruxelles, die Sonne scheint, da kommt ein Mann auf mich zu natürlich mit einem Stadtplan in der Hand: Groß, hager, leider etwas kränklich wirkend. Ich erkenne es sofort - ein Amerikaner. Der Anzug, der Akzent und die Art, eben easy going. Wir kommen auch ins Gespräch. Dabei schlenderten wir so ein bisschen durchs historische Zentrum. Ich entschuldigte mich ständig für den etwas heruntergekommenen Zustand, vor allem in den Seitenstraßen. Doch er winkte ab. Gemessen an seinem Heimatstaat Kalifornien sei das doch alles sehr chic, ja und erst die EU-City: sehr modern, fast amerikanisch. Im Café (die kann man in Belgien noch empfehlen) hatte ich dann mein Heureka. Spätestens als mein Gegenüber fettfreie Lütticher Waffeln verlangte, wusste ich, der leibhaftige Steve Jobs sitzt vor mir, in Personalunion Apple-Gründer, Haupt des Unternehmens, strenger Vegetarier. Steve ganz buff über meinen Enthusiasmus des Wiedererkennens, erzählte dann launig, er habe kurz bei den Guys von der EU Zwischenstopp gemacht, um dann seinen Freund Mat, eine große Nummer im Mediengeschäft in Berlin aufzusuchen Dann fragte er mich, ob ich schon mal was von dem Springer CEO gehört hätte. Nun ist für Amerikaner Europa ein gut sortiertes Freilichtmuseum, und ich wollte Steve nicht gleich vor den Kopf stoßen, deswegen wand ich mich ein wenig:„Der Dr. D., meinte ich, das soll ein ganz Stiller sein, so ein Kultivierter, der sich nicht überall sehen lässt, höchstens mal in Davos oder auf Ausstellungen in seinem exquisiten Ambiente, eben ein Philanthrop wie sie auch in New York herumlaufen.“ Der Steve war plötzlich ganz aufgeregt: „Funky war der Mat ja schon als er der Apple-Einladung folgte und uns an der Westküste besuchte. Da ist der Mat ganz tief ins Kreuz gegangen und hat…!“ Hier musste ich Steve ins Wort fallen: “Dr. D. hat wohl einen Bückling gemacht, so nennt man das, im alten Europa!“ „Excactly“, rief der Steve ganz glücklich, „der Mat, der die leiseste Stimme hat, pflanzte sich vor mich hin und sagte, mit einem so tiefen Bücklinge, dass ihm die Haare über den Mund hingen:“ „Ich bitte sehr um Vergebung! Dergleichen Handlung, so pflichtgemäß, so liebenswürdig sie auch ist, hat dennoch keinen wahren sittlichen Wert. Sie ist nicht mehr wert, als z. B. die Neigung nach“ Geld (Friedrich Nicolai. Kritik ist überall, zumal in Deutschland“ nötig. Satiren und Schriften zur Literatur. München, 1987: 74). „Du merkst“, fuhr der Steve fort, „er sprach wie ein Buch“. „Fast dachte ich, es wäre besser gewesen, der hätte sich erst mal auskuriert. Doch stell dir vor, da steht der abrupt auf, dreht sich Richtung Pazifik und brüllt: „Wir Verleger“, er meinte natürlich die deutschen, „sollten uns mindesten einmal am Tag beim lieben Gott bedanken, dass es iPods und Apple gibt!“ „Wir waren alle so verdutzt, dass ich erst mal zu dem Mat sagt:“ „Du musst dich umdrehen. Der Atlantik liegt auf der anderen Seite.“ Da fauchte der Mat mich an: „Das ist egal, den Herren habe ich das schon in Davos ins Gebetbuch geschrieben. Die haben ihre $ Zeichen schon in den Augen stehen.“ „Ok, wenn wir schon einmal dabei sind, Mat: Let’s talk about money. Pass auf! Wenn ihr von Springer auf unsere hohlen IPads eure noch hohleren Inhalte ladet, dann wollen wir 30% vom Reibach, verstanden und bitte in €, keine Dollars!“ „No, problem“, willigte der Mat mit Handschlag ein, „das leiern wir unseren Kunden locker aus der Tasche.“ „Und bei der Geberlaune von dem Mat“, und da wurde der Steve richtig feierlich, „habe ich dem feinen Dr. Döpfner gleich noch mit auf den Weg gegeben: „Du, Mathew, nicht dass ich ein Sympathisant von dieser Berkeley-Slut Judith Butler wäre, ,, aber eure nackten Luder, die will ich nicht auf meine IPods und IPads haben. Ist das klar.“ „Du“, fuhr der Steve ganz gerührt fort, „da war der Mat richtig froh und antwortete ganz unbekümmert: „Hör mir mal gut zu, Steve, wenn sich Frauen in unseren Zeitungen so aufführen, dann sind die ganz schnell mal gepixelt und die ganz Schamlosen, die schmeißen wir auch mal raus, da kennen ich gar nichts.“ Ich habe da noch so vage in Erinnerung, dass der Steve ganz laut lachte und sich zum Schluss auf seine hageren, sehr hageren Schenkel schlug: „Warum reden alte Leute immer von „bloody“ Germans?“, fragt sich der Steve: „They are clever Germans, mein größter europäischer Kunde.“ Am Morgen wachte ich völlig gerädert auf.

Nein, der Artikel er lässt mich ratlos zurück. Ich möchte auch rufen, wunderschön. Es sind ja alle Interessenkonflikte klar aufgefächert. Doch was ist Ihre Perspektive, Herr Augstein?

Es ist einmal wichtig, die Motive von Dr. Mathias Döpfner u. a. genau zu analysieren. Maximierung der Gewinnmarchen, der nationalen und internationalen Marktanteile, insbesondere dann durch solche Allianzen mit Apple, ein Unternehmen, das längst den Charme des Andersdenkenden über Bord geworfen hat. Das sollte man schon beim Kauf solcher Geräte bedenken, sofern die Werbebotschaft nicht immer schon ein Reinfall war. Darüber hinaus geht es Döpfner um Meinungshoheiten. Dass der smarte Philanthrop stellvertretend für andere, auch das Urheberrecht als Alibifunktion benutzt, die ÖR wegzudrücken und andere mehr, die sich in den Weg stellen, ist sein Job als CEO. Fürs Gute-Mensch-Image gibt’s ein Herz für Kinder. Für die Geselligkeit Ausstellungen. Das sollten die erinnern, die das goutieren oder auch spenden und sich danach besser fühlen.

Ich mag Print- und online Journalismus und möchte darauf nicht verzichten. Ich bezahle den zumindest für die Zeitungen mit, die ich abonniert habe. Ob das sich rechnet für die Zeitungen, weiß ich nicht. Bei anderen Zeitungen, schnorre ich mit. Was mir auffällt, ist der enorme Qualitätsverlust der Print-Medien insgesamt. Ob das am Internet und der vielbeschworenen Konkurrenzsituation liegt, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall wünsche ich mir keine Zustände wie in Italien, wo eine Art Beliebigkeit- Bespaßungsjournalismus inzwischen auf breiter Front existiert.

Fakt ist aber auch, das guter – kompetenter Journalismus- Geld kostet. Ich möchte High-End Journalismus auf Dauer im Internet. Wenn man den großen Verlagen nicht das Heft überlassen will, der Politik nicht traut, vielleicht nicht nur einfach auf das Verfassungsgericht hofft, dann macht es aus meiner Sicht Sinn, aktiv als User des Internets über neue Bezahlmodelle, ja neue Gebührenordnung nachzudenken. Dabei sollte in die Diskussion um Verteilung, auch die Internetanbieter, Hard-Ware-Hersteller mit in die Diskussion einbezogen werden. Bisher bleiben die außen vor und verdienen kräftigt dank oder ohne Allianzen mit.

Calvani 13.07.2011 | 21:01

Mit der grundsätzlichen Betrachtung und Haltung, die Sie, Jakob, hier im Artikel und dem inzwischen in einem Portlet verlinkten Interview bei Zapp an den Tag legen, zeigt sich für mich das ganze Potential des Freitags. Ich habe nirgendwo eine eingängigere Darstellung zum Themenkomplex "Tagesschau App" gelesen oder gesehen. Dennoch ein klitzekleiner Wermutstropfen bleibt auch nach dem Interview: Die Begrifflichkeiten und Bezeichnungen mal wieder. "Privatisierung des Netzes" und "Wem gehört das Internet" sind Formulierungen, die wegen ihrer Ungenauigkeit leider eine große Angriffsfläche bieten. Davon abgesehen aber: bitte weiter so!