Der „Freitag“ muss sparen

Sachzwänge Auch diese Wochenzeitung lässt der mediale Strukturwandel nicht unberührt. Zwar wächst die Auflage, doch wird immer noch mehr Geld ausgegeben als eingenommen
Der „Freitag“ muss sparen

Der Freitag wächst. Unsere Auflage wächst und unsere Anzeigenerlöse wachsen auch. Das ist die schöne Nachricht. Weniger schön ist: Der Freitag gibt immer noch mehr Geld aus, als er einnimmt. Auf die Dauer ist das ein Problem. Es gibt zwei Möglichkeiten: mehr Geld einnehmen, weniger Geld ausgeben. Bislang sind wir nur gewachsen. Das reicht jetzt nicht mehr. Der Freitag muss jetzt sparen.

Sparen ist ein schlimmes Wort geworden. Wir denken an Europa, an die Krise. Und an die Lehre, dass Staaten sich nicht aus der Malaise heraussparen können. Für Unternehmen allerdings gilt etwas anderes. Sie können sich ihr Geld nicht selber drucken. Also wird der Freitag seine Kosten senken müssen. In allen Bereichen.

Diese Zeitung wird künftig weniger Kollegen Arbeit bieten können. Wir werden den Alltags-Teil leider um vier Seiten reduzieren müssen. Dafür werden wir einen Teil der Alltags-Themen in unserer ersten Lage berücksichtigen. Und wir sind gezwungen, den Ausbau des Online-Auftritts langsamer anzugehen. Das Netz ist die Zukunft. Die Zeitung ist die Gegenwart.

So befinden wir uns in einer paradoxen Situation: Sparen trotz Wachstum. Aber das ist das Schicksal einer Zeitung, die sich in den Wirbeln des medialen Strukturwandels befindet.

Mitten in der schlimmsten Krise haben wir Anfang 2009 eine neue Zeitung herausgebracht, deren alter Name uns ein journalistisches Versprechen war. Eine Ehre. Damals lag die Auflage bei etwa 7000, jetzt liegt sie bei 14000. Das sind verkaufte und bezahlte Exemplare. Das ist für einen kleinen Verlag einer linken Wochenzeitung eine große Leistung. Auch verdienen wir mit unserem Anzeigengeschäft einen wachsenden Anteil unserer Erlöse.

Der Freitag wächst also. Gegen den Trend der Branche wohlgemerkt. Oder besser: Er wächst, weil sich die Redaktion gegen den trübsinnigen Zynismus und Fatalismus stellt, den uns ein wirtschaftshöriger Zeitgeist als Normalität vorgaukeln will. Weil wir die Wirklichkeit anders denken und anders beschreiben. Woche für Woche neu.

Der Freitag ist auch ein Beweis dafür, dass Leser noch bereit sind, gute Zeitungen zu abonnieren. Beinahe unsere gesamte Auflage liegt im Abonnement. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns helfen, dass das auch im kommenden Jahr so bleibt.

16:22 20.12.2012
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

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