Jakob Augstein
24.12.2010 | 10:33 386

Die FAZ, Sarrazin und Lügen zu Weihnachten

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Jakob Augstein

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Die FAZ hat Thilo Sarrazin noch einmal das Wort erteilt. Die erste Seite des FAZ Feuilletons am Weihnachtstag durfte der Mann vollschreiben, der Deutschland in diesem Jahr gespalten hat.

Warum tut die FAZ das? Helfen muss man dem Mann nicht. Sein Buch hat sich ausreichend verkauft. Er hat im Fernsehen bekannt gegeben, dass er nun Millionär sei. Bitte sehr. Aber man kann annehmen, dass ihm das nicht genügt. Dass es ihm um etwas anderes geht als um das Geld. Um Anerkennung. Die bekommt er auf dem Bahnhof, im Taxi, in der Bäckerei. Das schreibt er selber. All die Menschen, die ihm auf die Schulter klopfen, das Glas auf ihn heben, ihm einen ausgeben wollen. Das ist die Anerkennung des Volkes. Thilo Sarrazin möchte aber nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern die der Menschen, die man die Eliten nennt. Die bleibt ihm versagt. Denn so weit hält der zivilisatorische Konsens in diesem Land bislang, dass die Eliten einem Rassisten und Kulturchauvinisten die Anerkennung versagen. Die FAZ will diesen Konsens durchbrechen. Ihre Entscheidung am Weihnachtstag die Aufmacherseite des Feuilleton einem Rassisten zu übergeben, ist eine Provokation.

Die Zeitung geht dabei weit unter ihr eigenes Niveau. Die FAZ lässt Sarrazin den Satz schreiben: "Die von mir genannten Statistiken und Fakten hat keiner bestritten."
Sarrazin baut mit diesem Satz eine Täuschungskulisse auf. Er bedient sich der Argumentationstechnik des Demagogen: "Statistiken und Fakten", die niemand bestritten habe. Beim Leser soll dadurch der Eindruck erweckt werden, dass Sarrazin unbestrittene Wahrheiten verkündet habe. Das stimmt einfach nicht. Es ist eine Lüge. Und zwar eine offensichtliche, die den Leser fassungslos macht. Es ist nicht nur so, dass keineswegs keiner Sarrazins Thesen bestritten hat - sondern es ist vielmehr so, dass die Experten geradezu kohortenweise über Sarrazins Kurzschlüsse hergefallen sind. Es sind nämlich nicht die Daten falsch, die er nutzt. Sondern die Schlüsse, die er daraus zieht.

Am 3. September zum Beispiel veröffentlichte die FAZ selbst eine Meldung, in der der Biologenverband sich entsetzt über Sarrazin und seine Rassenthesen äußerte. Zitat: "Mit Begriffen wie "Halbwissen", "Verfälschung" und "politische Instrumentalisierung biologischer Fakten" reagierte gestern der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin auf Sarrazins Gen-Thesen. Die Experten stellen klar: Jede Volksgruppe hat nach dem Stand des Wissens "grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen". Dass es messbare Unterschiede in Intelligenzleistungen gibt, liege nur daran, dass die Intelligenztests kulturell beeinflusst seien. "Jede Volksgruppe, die einen Intelligenztest auf der Basis ihrer eigenen Kultur entwickeln würde, würde feststellen, dass die anderen Kulturen durchschnittlich schlechtere Leistungen zeigen als die Mitglieder des eigenen Kulturkreises." Die Unterschiede innerhalb der Gruppe übertreffen den Biologen zufolge die Unterschiede zwischen den Gruppen bei weitem. Gleiches gilt für das Genom schlechthin. Die Abweichungen innerhalb von Ethnien seien fünfmal so hoch wie zwischen ihnen. "Evolutionsbiologisch ist der Mensch eine der genetisch homogensten Arten auf der Erde."

Ein anderes Beispiel sind Sarrazins Äußerungen zum Verschwinden der Deutschen. Er schreibt: "Beim gegenwärtigen demografischen Trend wird Deutschland in 100 Jahren noch 25 Millionen, in 200 Jahren noch acht Millionen und in 300 Jahren noch drei Millionen Einwohner haben." Dazu äußerte der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg, dass die Zahl der Deutschen im Jahr 2100 bei 46,1 Millionen liegen werde. Es spielt an dieser Stelle keine Rolle, wer Recht hat, das ist ein Streit der Experten. Eine Rolle spielt, dass Sarrazin lügt wenn er so tut, als handele er mit Fakten während er in Wahrheit mit Thesen, besser: mit Manipulationen, handelt – und dass die FAZ ihn lügen lässt.

Der Journalist Jan Fleischhauer hat im Spiegel eine Geschichte über Sarrazin und seinen furchtbaren Erfolg geschrieben, die diesem Schrifttäter näher kommt als alles, was man bisher lesen konnte. Man liest diese Geschichte und begreift: Sarrazin ist ein böser Mann. Vom Ehrgeiz zerrissen und von der Sucht nach Anerkennung. In seinem FAZ Text schreibt Sarrazin über sich selbst: "Zornig war ich nur kurze Zeit. Dazu war das Verhalten jener Kr itiker in Politik und Medien, die verurteilen, ohne gelesen zu haben, zu lächerlich. Stattdessen machte sich Verachtung in mir breit. Diese Verachtung sitzt mittlerweile tief." Das ist ein Satz, den man glauben kann und der schaudern macht. Sarrazins scharfer Verstand in Verbindung mit dieser kalten Verachtung und seinem kurzschlüssigen Ausländerhass machen den Mann zu einem gefährlichen Demagogen.

Er bedient sich der Argumentationstechniken, die man von Rechtsradikalen kennt oder von Scientologen. Er lügt einfach. Und wenn er widerlegt wird, leugnet er auch das. Die Lüge ist das Wesen der Demagogie. Wir sind an die Lüge nicht gut gewöhnt. Es ist nicht einfach, in der Öffentlichkeit mit der Lüge umzugehen. Der Lügner hat es leicht. Er behauptet. Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist ihm das Wort zu entziehen. Aber die FAZ hat zu Weihnachten einem Lügner das Wort erteilt.

(Redigierte Fassung vom 26.12. / 21:00)

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Foto: xtranews.de / Flickr

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Kommentare (386)

Muhabbetci 24.12.2010 | 11:55

Herzlichen Dank für den Artikel Herr Augstein.
Was die FAZ da macht ist unentschuldbar, was hat der Mann überhaupt noch zu sagen? Er hat doch alles erreicht was er wollte. 3 Millionen soll er angeblich gemacht haben mit dem Buch, das ist sehr sehr viel für ein Buch. Denn so viele Leser hat Deutschland nun auch wieder nicht. ca 650 000 soll er verkauft haben. Das sind knapp 10% der Bevölkerung. Komisch immer sind es die 10%. Hofft FAZ damit irgendein neuen Nerv zu treffen oder welche Botschaft will sie dem Leser damit vermitteln?
Das ist meiner Meinung nach unverantwortlich.

Schöne Grüße
Mustafa Celebi

ChristianBerlin 24.12.2010 | 12:47

@JA

Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist ihm das Wort zu entziehen.

Ein gefährlicher Satz.

Erinnert mich irgendwie

- an Robbespierres Abschaffung des Rechts auf Verteidigung vor dem Revolutionstribunal - bevor er kurz darauf selbst dort angeklagt wurde und in der Falle saß. Oder

- an die Inquisitionsmethoden, die ich manchmal in sog. Abberufungsverfahren gegen kritische Pfarrer als Theologischer Beistand mitbekommen habe.

Das Problem ist, dass man die Prämisse, dass er lügt, gar nicht mehr prüfen kann, wenn man jemandem das Wort entzieht. Kann ja stimmen oder auch nicht.

Trotzdem schöne Weihnachten und LG

Christian

ChristianBerlin 24.12.2010 | 13:19

@Mandelbrot

Der kleine Prozentsatz sagt aber nichts über die Zahl derer aus, die Sarazzins Meinung sind, sondern bestenfalls über den Anteil, der davon lesen und schreiben kann. ;)

Wie JA schon richtig analysiert hat, denken viele außerhalb der Eliten so wie er. Der Vorteil davon, dass er es greifbar sagt und zu belegen versucht, ist, dass man es sachlich widerlegen kann, auch das zeigt JA's Rückblick z.B. auf den Widerspruch der Genforscher. Dadurch haben viele Wie-Sarrazin-Denkende erstmals erfahren, dass ihre Meinung in diesem Punkt nicht stimmt. Anders wäre das nie rausgekommen.

Deshalb kann ich die Konsequenz, die JA zieht, überhaupt nicht verstehen. Meinetwegen soll er reden und ggf. auch lügen, solange andere dies aufgreifen und ihn widerlegen, widerlegen sie Volksmeinungen, die anders nie widerlegbar wären.

LG Christian

Streifzug 24.12.2010 | 14:00

Die Verrohung der Mittelschicht
Von Jens Berger

Kann sich Geschichte wiederholen? Die Krise hat Deutschland getroffen und das Bürgertum setzt seine hässlichste Fratze auf: Sozialdarwinismus, Fremdenfeindlichkeit und die Ablehnung der Demokratie
...
"Deutsche Zustände", so heißt die von Wissenschaftlern unter Leitung des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer erstellte große interdisziplinäre Langzeitstudie, die in diesem Monat in ihrer neunten Auflage veröffentlicht wurde.

Was Heitmeyer und seine Kollegen über die Befindlichkeiten der Deutschen herausfanden, ist im höchsten Maße alarmierend.

Mehr als die Hälfte aller Deutschen fühlt sich ökonomisch bedroht und kanalisiert diese Bedrohung auf zwei Bevölkerungsgruppen - Ausländer und Langzeitarbeitslose. Diese Erkenntnisse sind isoliert betrachtet weder neu, noch sonderlich originell. Die besondere Wirkmacht der Studie geht eher von der Erkenntnis aus, dass fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Vorurteile beileibe keine Besonderheit "bildungsferner Schichten" sind, sondern - ganz im Gegenteil - vor allem in den Kreisen des wohlsituierten Bildungsbürgertums rapide zunehmen. Wobei, wenn man mal genau hinsieht ...

zephyr 24.12.2010 | 14:16

Die Süddeutsche bringt auf Seite 1 der Weihnachtsausgabe ein "Dramolett" von Willi Winkler: Es treffen sich Heiner Geißler und Thilo Sarrazin auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Man kommt ins Gespräch mit mit dem Büdchenbetreiber Özalan und Frau Schwarzer kommt auch vorbei.

Vielleicht sollten die "Menschen, die man die Eliten nennt" einfach die Zeitung wechseln?

Baszlo 24.12.2010 | 14:21

"Thilo Sarrazin möchte aber nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern die der Menschen, die man die Eliten nennt. Die bleibt ihm versagt."

Ist das wirklich so, dass ihm die Anerkennung der "Eliten" versagt bleibt? Eigentlich zeigt doch diese Veröffentlichung in der elitären FAZ an prominenter Stelle und die Studie "Deutsche Zustände" des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer genau das Gegenteil.
Destso elitärer, desto Sarrazin, kann kann man da eigentlich nur sagen!

goedzak 24.12.2010 | 14:25

Die FAZ ist auch nur EIN Akteur, der aber die Freiheit hat zu entscheiden, jemanden wie S. ein Podium zu bieten oder nicht. JA erwartet von der FAZ eine andere als die getroffene Entscheidung, keinen generellen Maulkorb für irgendjemand.

Ich habe eher ein Problem mit dem Kolportieren der Einteilung in Elite und Volk. Wer ist das jeweils? Nach meiner Beobachtung haben viele 'Elitäre' vordergründig ein ästhetisches Problem mit S., weniger ein inhaltliches. Und wenn man sich die Berichte über S:-Veranstaltungen so anschaut, da sitzt vor allem ein noch gut betuchtes, von Verlust- und Abstiegsängsten durchdrungenes Mittelschicht-Bürgertum (der eine oder andere blondschöpfige Vertreter reißt ja auch hier gern mal die Klappe auf) herum und mobbt die Kritiker.

Die Supermarkt-Kassiererin mit 4 € Stundenlohn überlegt es sich sehr genau, ob sie die 25 € für den Schinken übrig hat.

Bliebe noch zu fragen: Welcher Schicht gehört die Leserschaft der FAZ an?

Magda 24.12.2010 | 14:41

"Sarrazins scharfer Verstand in Verbindung mit dieser kalten Verachtung und seinen kurzschlüssigem Ausländerhass lassen Sarrazin zu einem gefährlichen Demagogen werden."

Werden ist gut.

"Wir sind an die Lüge nicht gut gewöhnt. Es ist nicht einfach, in der Öffentlichkeit mit der Lüge umzugehen.."

Also bei diesem Satz bin ich platt. In der Öffentlichkeit wird andauernd gelogen, dass sich die Balken biegen. ("Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort"). Und wenn nicht gelogen wird, dann werden Sachverhalte hingebogen, dann tritt eine professionelle PR-Maschinerie an, die allles tut, dass die Menschen eben nicht mehr objektiv informiert werden. Allein das, was im Zusammenhang mit der Finanzkrise gelogen worden ist in diesem Lande. So ist das Klima hierzulande und da passt Sarrazin rein wie...na ich sage nicht wie.

Wenn man die Berichte über Sarrazins Auftritte gelesen hat, beklatscht von wohlsituierten Bürgerinnen und Bürgern, dann weiß man, dass es FAZ-Leser sind, die sich von Sarrazin bestätigt fühlen und meinen, dass man das doch mal sagen darf...usw.

Überhaupt weiß die FAZ was sie tut, denke ich. Der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit und die Verachtung der soziale Schwachen, das alles ist breit in der Mitte der Gesellschaft in Deutschland angekommen. Darüber gibts auch reichlich Aussagen selbstverständlich in wohlgesetzten und überlegten Worten, die nicht gleich den Vorwurf der Rechtslastigkeit erzeugen.
Das bedient die FAZ, in der ihr eigenen zynischen Art, weil es im Moment ablenkt von den "kommenden Aufständen",
pdfcast.org/pdf/der-kommende-aufstand
Denn es wird nicht nur einer sein, davon bin ich überzeugt.

Frohe Weihnachten

zephyr 24.12.2010 | 14:59

@Magda

Hm. Der "kommende Aufstand" wird mir im Bekanntenkreis seid 1990 einmal im Jahr angekündigt. Ich bin überhaupt nicht überzeugt davon.

Gibt's nicht gerade auch eine neue Studie, die besagt, dass die Integration doch besser fortgeschritten sei als in vorherigen Studien "bewiesen"? Ich meine, ich hätte davon in der WAZ gelesen. Also in so einer Zeitung für Menschen, die man nicht Eliten nennt. :) Ich bin aber zu faul, die Quelle jetzt genau herauszusuchen.

Magda 24.12.2010 | 15:33

@ ChristianBerlin - "Wie JA schon richtig analysiert hat, denken viele außerhalb der Eliten so wie er."

Ich denke, Du meinst wie Sarrazin. Wieso außerhalb der Eliten. Ich denke, es gibt innerhalb derer, die sich hierzulande als Elite verstehen, Kräfte, denen ist die Lüge so Recht wie die Halbwahrheit, wenn es darum geht, die Leute zu täuschen, abzulenken oder ruhig zu halten. Und die sind gefährlicher als alle schlichten Nachbeter.

Michael Angele 24.12.2010 | 15:36

Die FAZ ist kein monolithischer Block. Am 23. Februar erscheint von deren Feuilletonchef Patrick Bahners das Buch "Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam. Eine Streitschrift" im C.H Beck Verlag. Der Verlagsvorschau entnehme ich, dass Kapitel 5 über die "Methode Sarrazin. Tabubruch im Meinungskampf" geht. Man geht bestimmt nicht fehl zu behaupten, dass diese Methode von Bahners kritisch beleuchtet wird. Ob auch die Rolle der FAZ einer gründlichen Analyse unterzogen wird, bleibt abzuwarten.

Fro 24.12.2010 | 15:46

Ich finde es wichtig, dass man als Leser und Bürger seine Ansprüche an Zeitungen formuliert. Eine Zeitung kann sich aufgrund von Tatsachen in einer Sache Positionieren - aber Lügen oder gefilterte Informationen haben da nichts zu suchen. Dass JA sich sozusagen als Zeitungsmacher-Kollege zu Wort meldet und Kritik übt, ist sehr zu begrüßen, denn die Zeitungsmacher sollten sich des eigenen Anspruchs an ihre Arbeit bewusst werden und ihn auch formulieren - und sich zum eigenen und zum Vorteil der Demokratie auch gegenseitig überprüfen.

Peter Knobloch 24.12.2010 | 16:02

Genau so ist es. Man darf Lügnern zwar nicht das Mundwerk verbieten, darf die FAZ aber dafür kritisieren, dass Sie Lügner zu Wort kommen lässt, vor allem auf der ersten Seite des Feuilleton und das noch am ersten Weihnachtstag. Wenn der gute Herr Demagoge jetzt stolzer Millionär ist, kann er sich den Weg in die Öffentlichkeit bitte selbst finanzieren. Diesen Schwachsinn muss die FAZ nicht subventionieren. Tut sie aber. Das für den konservativen Mittelstand in Deutschland maßgebliche Blatt lässt den abendländlichen Vorzeige-Hassprediger der Bundesrepublik zum Fest der Liebe an die Kanzel und statt Liebe Hass predigenpredigen. Danke liebe FAZ für dieses Berkenntnis zu Hass und Rassismus!

mh 24.12.2010 | 16:04

es ist nicht zu begrüßen, wenn JA sich mit solch absätzen zu wort melden, die vor allem von einer grundsätzlichen dämlichkeit des autors zeugen:

"Ein anderes Beispiel sind Sarrazins Äußerungen zum Verschwinden der Deutschen. Er schreibt: "Beim gegenwärtigen demografischen Trend wird Deutschland in 100 Jahren noch 25 Millionen, in 200 Jahren noch acht Millionen und in 300 Jahren noch drei Millionen Einwohner haben." Dazu äußerte der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg, dass die Zahl der Deutschen im Jahr 2100 bei 46,1 Millionen liegen werde. Es spielt hier keine Rolle, wer Recht hat. Eine Rolle spielt, dass Sarrazin lügt und dass die FAZ ihn lügen lässt."

das ist die argumentationslinie eines hasspredigiers. fehlt bloß noch, dass er seine jünger auf sarrazin-veranstaltungen schickt um den dort anwesenden mit dem knüppel in der hand das wort aus dem maul zu prügeln.

mfg
mh

roflnator 24.12.2010 | 16:17

Die Zeitung geht dabei weit unter ihr eigenes Niveau. Die FAZ lässt Sarrazin den Satz schreiben: "Die von mir genannten Statistiken und Fakten hat keiner bestritten"
Das stimmt einfach nicht. Es ist eine Lüge. Und zwar eine offensichtliche, die den Leser fassungslos macht. [...]. Es sind nämlich nicht die Daten falsch, die er nutzt. Sondern die Schlüsse, die er daraus zieht.

Lest ihr eigentlich eure eigenen Texte mal? Das ist doch ein Widerspruch im Text...
Sarrazin Fakten sind richtig, nur die Schlüsse daraus falsch (so schreibt JA das ja auch), wo ist da bitte die Lüge wenn Sarrazin dann sagt dass seine Fakten stimmen...?

Das schlimme ist ja, dass solch bescheuerte Kritik Leuten wie Sarrazin hilft, weil sich die Leute denken, wenn die Gegner keine vernünftigen Argumente haben, also wird Sarrazin schon Recht haben....

So, das war hoffentlich der letzte Aufreger dieses Weihnachten...

Baszlo 24.12.2010 | 16:19

"Wir sind an die Lüge nicht gut gewöhnt. Es ist nicht einfach, in der Öffentlichkeit mit der Lüge umzugehen.."

Der Satz plättet mich ebenfalls, besonders zu Weihnachten, dass ja bekanntlich selbst eine Lüge ist.
Immerhin feiern wir hier eigentlich die Wintersonnenwende und nicht den Geburtstag des christlichen Erlösers, der doch eigentlich (angeblich) im März/April geboren wurde.

Also in dem Sinne. Fröhliche Wintersonnenwende!

Peter Knobloch 24.12.2010 | 16:21

JA unterstellt Sarrazins Behauptung einer Prüfung. Er stellt fest, dass seine Angabe falsch ist und entlarvt ihn damit als Lügner und sagt, dass die FAZ diesen Mann zu Wort kommen lässt. Was hat das mit Hasspredigt zu tu?.
Das ist eine Richtigstellung, der Wahrheit zu Liebe. Außerdem ein berechtigter und wichtiger Hinweis drauf, dass auf ein demokratisches Medium die Texte eines Autoren abdruckt, der versucht seine Leserschaft, mit falschen Faktenbehauptungen zu manipulieren.

Peter Knobloch 24.12.2010 | 16:25

Dieser Widerspruch ist mir auch aufgefallen. Er entkräftigt das stärkste Argument des Textes - auch wenn ich den Standpunkt von JA teile. Man könnte Statistiken und Fakten gegenüberstellen. Wenn Sarrazin mit Fakten nicht Daten meint, sondern Sachzusammenhänge, dann hat JA nämlich Recht. Die würden von allen Seiten attakiert. Sarrazin drückt sich in dieser Hinsicht ziemlich gerissen aus.

mh 24.12.2010 | 16:28

seufz... hätte JA sowas wie mathe gehabt oder dies gehabt und derweil in der schule aufgepasst ... er hätte feststellen können, dass sarrazins rechnung richtig ist.

hätte JA gelesen, was sarrazin selbst in dem buch in den interviews zu dieser rechnung sagt .. nämlich dass sie statistischer blödsinn ist .. dann wäre das der letzte aufhänger gewesen

regelrecht unsinnig wird es aber .. dieses vermeintlich falsche, was er da entlarvt haben will .. als ohnehin egal hinzustellen, weil .. und das ist an großartigkeit kaum zu überbieten .. weil, der sarrazin lügt ja eh.

da wird nix richtig gestellt, da wird nichts entlarvt... da wird etwas richtiges erst als falsch und dann als egal bezeichnet um dann generell der lüge zu bezichtigen.

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das gleiche spiel findet auch in den anderen absätzen statt. sarrazin sagt nichts weiter, als dass seine quellen nicht in zweifel gezogen werden. sprich dass das, was er zitiert, auch stimmt.

JA macht daraus, dass sarrazin gesagt habe, dass niemand in zweifel stellen würde, was er, sarrazin, sagte .. DAS ist eine LÜGE und zwar VON jakob augstein.

aber hey... die faz ist scheisse und sarrazin eh. also was solls.

mfg
mh

Columbus 24.12.2010 | 17:06

Lieber Herr Augstein,

Deutschland schafft sich geistig ab

Ein paar Zitate aus einem Buch, das für denkende Menschen so mühsam zu lesen ist, weil jede der mehr als 450 Seiten von Sachfehlern und demagogischen Formeln nur so strotzt und sogar die amtlichen Statistiken von Thilo S., verändert wurden. - Er schreibt ja immer kleingedruckt darunter, er habe selbst ge- und errechnet. Das ist natürlich Blödsinn und müsste, handelte es sich wirklich darum, nachgewiesen werden, im Anhang, in Anmerkungen. Keine Spur davon!

Kritik ohne viel Zwischentext:

Einleitung:
S.7- „Fäulnisprozesse im Innern der Gesellschaft“; LTI-Sprache, eine, wohl aus sarrazinscher Faulheit entstandene Rückbezüglichkeit!
S.7- „...Nettoreproduktionsrate von 0,7 oder weniger, wie wir sie seit 40 Jahren haben,...“,

Stagniert die Nettoreproduktionsrate seit gut zwei Jahrzehnten auf einem Niveau von 0,64-0,7 !, lehrt hier Demograf Sarrazin, um dann gleich eine ganz andere Prognoserichtung einzuschlagen.

S.8 - Geburtenzahlen: 1,3 Mio erste Hälfte der Sechziger, 650 000, 2009. „Geht das so weiter- und warum sollte sich etwas ändern an diesem Trend, der schon über Jahrzehnte anhält-, dann wird nach drei Generationen, also in 90 Jahren, die Zahl der Geburten in Deutschland bei rund 200 000 bis 250 000 liegen.“, schreibt Sarrazin. - Das ist eine Vermutung, die von keinem ernsthaften Demografen geteilt wird, für die es auch kein anderes, aktuelles Länderbeispiel gibt und so also nicht erwartet wird. Selbst in Ländern mit niedrigerer Geburtenrate, Spanien, Italien, pendelt sich die Zahl der Geburten auf dem Niveau der letzten Jahrzehnte ein. Es gibt auf der ganzen Welt kein Land mit einer Geburtenrate von 0,2 oder 0,3, eventuell mit einer Ausnahme, der des Vatikanstaates.

S.8 - „Deutschland wäre dann eben künftig ein Dänemark auf etwas größerer Fläche“, mit 5 Millionen Einwohnern.“ - Wiederum völkisch gedacht, ohne Zuzug und unter Einbeziehung der obigen Milchmädchendemografie: Jährliche Geburten fallen auf 250 000, eingebürgerte Migranten, die der Zukunft, die Kinder bekommen, die zählen nicht. - Da kann jeder erkennen, dass das keine realistische Rechengrundlage sein kann.

S.8- Tabus, von denen Sarrazin schreiben will, die er vorgibt zu brechen:

-Geburtenrückgang nicht mehr tabuisiert, weil die 68er Angst um ihre Rente hätten. Es sei aber „schon zu spät.“ (S.9) – Na, dann braucht es das Buch nicht, das sich so besorgt gibt.

-“....soziale Belastungen einer ungesteuerten Migration“ ansprechen, reden über die Unterschiede der Menschen: Intellektuelle Begabung, fauler, fleißiger, mehr oder weniger moralisch gefestigt. (S.9) - Das ist natürlich wieder LTI, gerade wenn es um „moralisch gefestigt“, „faul“, „begabt“, bezogen auf Gruppen, geht. - Die sozialen Belastungen der Integration seien ein Tabu, er breche es (S.9). - Das Gegenteil ist nämlich der Fall, geredet wird seit Jahren ein Haufen Mist, nur stimmen tut das Meiste nicht.

Bei Altersrenten und EU-Renten fallen die Leistungen an Migranten, bei gleicher eingebrachter Arbeitszeit und im Falle der Erwerbsunfähigkeit, aufgrund der durchschnittlich geringeren Verdienste der Migranten vor dem Eintritt der EU, aufgrund der durch die belastenden Arbeitsverhältnisse deutlich früheren EU-Eintritt, viel geringer aus. Die so genannten Sozialtransfers aus dem Steueraufkommen für Hartz IV an Migranten, die tatsächlich prozentual einen deutlich höheren Anteil bei den Leistungsempfängern stellen, -aufgrund der Tätigkeit vor der Arbeitslosigkeit, aufgrund ihrer Familiensituation-, liegen weit unter einem Maß, welches unsere Volkswirtschaft überhaupt wesentlich in ihrer Wirtschaftskraft beeinträchtigen könnte.

Wegen dieser Transfers, geht es keinem Deutschen schlechter, wird kein Leistungsträger, an die Herr Sarrazin ja vorgibt besonders zu denken, ärmer. Eher erhalten die Transfers den schönen Schein und sie halten viele Menschen gerade noch in der Gesellschaft, die Sarrazin und Konsorten liebend gerne „abschreiben“ würden. Fehlte dieser Transfer, es wäre wirtschaftlich und kulturell tatsächlich deutlich spürbar! Allerdings nicht positiv.

Wer es nicht glauben mag, der überlege einmal, warum von den neoliberalen Wirtschaftswissenschafltern unisono erst eine Steuerentlastung von deutlich über 20 Milliarden Euro als überhaupt konjunkturwirksam betrachtet wird. - Derzeit wird die Steuerpolitik, selbst in den Augen der strengsten Wirtschaftsliberalen unter den Forschern, als Klientelpolitik charakterisiert.

Tabu sei, darüber zureden,
dass, S.9, „... man zwar 90 Prozent der Schüler einer Jahrgangstufe zur Hochschulreife führen kann, aber dennoch nicht einmal 10 Prozent von diesen den Anforderungen eines Mathematikstudiums gewachsen sind ...“ - Welches Tabu soll das sein und warum sind dann nicht 90% eines Jahrganges Hochschüler, sondern gerade einmal ein gutes Drittel? Was sollte die Wirtschaft, was die Gesellschaft, wohl anfangen, mit 10% eines Jahrgangs in einem Mathematikstudiengang? Nichts!

Tabu sei, die Feststellung, dass „wir als Volk an durchschnittlicher Intelligenz verlieren, wenn die intelligenteren Frauen weniger oder gar keine Kinder zur Welt bringen.“ (S.9) Tabu sei zu sagen, „dass der Einzelene selbst für sein Verhalten verantwortlich ist und nicht die Gesellschaft“.

Was, möchte man Thilo S. fragen, gilt denn nun? Pseudoethnische und pseudosoziobiologische Bevölkerungstheorie oder, „Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied?“

Gleich geht es weiter mit den Tabus, die Sarrazin brechen will:

S.9- Ein Schüler kann dem Unterricht nicht folgen, Ausrede sei heute, das mit der Bildungsferne des Elternhauses zu begründen. - Was sind aber die wahren Ursachen für ein Schulversagen? Sarrazin sagt es später deutlicher, wie er es gerne sehen möchte: Die Schüler sind zu dumm und unfähig die Schule zu bestehen, weil er sie für erblich und sozial belastet hält.

S.10- Machen Kinder Alleinerziehender in der Schule Schwierigkeiten, so werde die Gesellschaft verantwortlich gemacht. Es müsse aber, so Sarrazin, gefragt werden, „welche gesellschaftlichen Umstände und individuellen Dispositionen dazu führen, dass es so viele Alleinerziehende gibt, und was man dagegen tun kann.“

Türkische Migranten, die in der drittten Generation noch nicht Deutsch können, sind grundsätzlich Intergrationsverweigerer. Nur die Konsequenz aus dieser Einschätzung schreibt Thilo S., er weiß genau warum, nicht hin.

S.10: Sarrazin glaubt, er schreibe gegen die Tendenz an, „alles auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zu schieben und so den Einzelnen moralisch und weitgehend tatsächlich von der Verantwortung für sich und sein Leben zu entlasten. Wie Mehltau hat sich politische Korrektheit über die Struktur- und Steuerungsfragen der Gesellschaft gelegt und erschwert sowohl die Analyse als auch die Therapie.“ Dann folgen Beispiele seines Mutes: Er, als Berliner Finanzsenator im Entrüstungssturm, weil er persönlich sozialexperimentell mit dem Betrag aus der Grundssicherung für Essen und Getränke auskomme und das nachgewiesen habe. Gleiche Entrüstung, „sogenannter Gutmenschen“, weil das „Tragen eines Pullovers helfen könne, Energiekosten zu sparen, da man dann weniger heizen müsse. (S.10)“

Demografie:

„Über die schiere Abnahme der der Bevölkerung hinaus gefährdet vor allem (sic!) die kontinuierliche Zunahme der weniger Stabilen, weniger Intelligenten und weniger Tüchtigen die Zukunft Deutschlands.“(S.11) – Diesen Nachweis wolle er mit seinem Buch erbringen.
Er schreibe, schnörkellos und direkt, klar und genau. Weniger stabil, das sind Alte, Kranke, sozial Schwache, Intelligenzgeminderte, Muslime und andere Migrantengruppen, und Faule grundsätzlich. - Wo kommt diese Sprache her, wenn nicht aus den Untiefen des Dritten Reiches und der sozialdarwinistischen Pseudoerbbiologie? So wie auf diesen zehn Seiten, geht es nun weiter über die nächsten 440 folgenden Seiten. Sie sind nicht einen Deut anders!

„Deutschland ist, wirtschaflich gesehen, in der Spätphase eines goldenen Zeitlalters, das um 1950 begann und langsam zu Ende geht. Das Realeinkommen der einzelnen Erwerbstätigen steigt schon seit 20 Jahren nicht mehr, spätestens in 10 Jahren wird es sinken, uns das wird infolge der demografischen Verschiebungen ein nachhaltiger Trend sein.“ (S. 11) - Sarrazin wehrt ab, denn die „aktuellen Exporterfolge“ seien nicht nachhaltig.

Was fällt an dem Satz so auf? : Nun, es ist die eindimensionale Verknüpfung die auch faktisch gar nicht bestehen kann, zwischen Demografie und Realeinkommen. Denn bei Realeinkommen wäre ja zumindest der Hauptgrund, geringe oder keine Lohnzuwächse und, wenn überhaupt vorhanden, Steuererhöhungen und die allerdings aus breiter Front gestiegenen sonstigen Abgaben zu nennen.
Auch wäre der Anteil der arbeitenden Bevölkerung am wirtschafltichen Erfolg in Relation zu den erzielten Gewinnen aus Geld-Kapital und Besitz zu betrachten. - Weltweit ist Bevölkerungsabnahme mit steigenden individuellen Realeinkommen verknüpft!

Sarrazin möchte lieber die Verknüpfung zur Demografie ausbauen, weil die diffus ist und bleiben muss, niemand ihren Effekt messen oder darstellen kann. Es gibt dafür nicht einmal statistische oder ökonomische Messinstrumente, es fehlt also die Empirie, die doch unser Tabubrecher für sich in Anspruch nimmt.

Die Verteilung der volkswirtschaftlichen und des betreibswirtschaftlichen Gewinns und der Gewinn- und Verlustbilanzen aus der Couponwirtschaft, lässt sich allerdings ziemlich genau abbilden! Wie gesagt, auf Betriebsebene, Eigentums- und Besitzrechtsebene, und auf der Staatsebene!

Insofern startet Sarrazin hier sein gigantisches Ablenkungsmanöver.
Wodurch werden die Grundlagen künftiger Wohlstandsentwicklung aufgezehrt? Sarrazin will nun
quantitativ und qualitativ die Gründe nennen:

S.12 These 1- quantitativ- „...,weil seit 45 Jahren jede neue Generation etwa ein Drittel kleiner ist als die vorhergehende, während gleichzeitig die Lebenserwartung steigt,...“ - Da erkennt hoffentlich auch der Nicht-Demograf, dass Sarrazin hier eine Behauptung aufstellt, die sachlich nicht stimmen kann und schon deshalb keine realistische Veränderung in der Bevölkerungsentwicklung wiederspiegelt.

S.12 These 2- qualitativ-, „….weil sich die Bildungsfähigkeit und Bildungsvoraussetzungen der Neugeborenen kontinuierlich verschlechtern und die Mentalität zu verkümmern scheint, die die Grundlage jeden produktiven Aufbruchs ist.“ - Wie misst man qualitativ die Bildungsfähigkeit Neugeborener? Gibt es dazu etwa eine breite Daten und Wissensbasis? Nein! Sarrazin lässt seiner demagogischen Fantasie freien Lauf. Wir werden noch sehen warum. Denn am Ende wird es ihm darum gehen, einem großen Teil der Bevölkerung, von Geburt an, aufgrund biologischer, ethnischer und sozialer Merkmale, die Bildungsfähigkeit grundsätzlich abzustreiten.

Verschlechterende Bildungsvoraussetzungen der Neugeborenen und verkümmerte Mentalität! Wiederum eine These, die selbst den Fachleuten auf dem Gebiet der Kinderheilkunde, der Frühpädagogik und der Psychologie äußerste Probleme macht, die einem Wissenden die Haare zu Berge stehen lässt. - Sarrazin behauptet exakte Kenntnisse zu besitzen, zumindest sie irgendwo ablesen zu können. Nur wo? Nicht eine seriöse Quelle wird genannt, die die Neugeborenen-Bildungsfähigkeit untersuchte. Es gibt sie nicht!

Fazit:

Es ist wahr, das gebildete, das geistige, das denkende, das fühlende Deutschland schafft sich ab, weil die Zeitungsblöden nun einen Saublöden mit Bertelsmann-Anschluss gefunden haben, dem sie blind jeden Bullshit abkaufen. Das Motto: Dummdeutsche aller Bundesländer vereinigt euch, die vorurteilsgläubige Masse macht es schon wett, selbst wenn die Thesen sachlich völlig daneben liegen sollte. Wichtig ist das ängstigende Glaubensbekenntnis: „Deutschland schafft sich ab.“

Diese Entwicklung ist in der Tat besorgniserregend. - Bleiben Sie tapfer und der „dF“ standfest, bei der Entlarvung solchen Unsinns.

Liebe Grüße
und frohe Festtage, Ihnen und der ganzen Redaktion

PS: Wäre ich gläubig, ich schriebe hin , „Gott schütze Deutschland.“

Christoph Leusch

goch 24.12.2010 | 17:24

@JA:Thilo Sarrazin möchte aber nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern die der Menschen, die man die Eliten nennt. Die bleibt ihm versagt. Denn so weit hält der zivilisatorische Konsens in diesem Land bislang, dass die Eliten einem Rassisten und Kulturchauvinisten die Anerkennung versagen. Die FAZ will diesen Konsens durchbrechen.

Dies scheint mir der zentrale Punkt. Der Konsens, einen Rassisten und Kulturchauvinisten als solchen kenntlich zu machen, ist in der Debatte über Sarrazins Thesen durchaus gelungen.
Die FAZ möchte aber diesen Dammbruch, dass rassistisches und menschenfeindliches Gedankengut als
innerhalb der demokratischer Diskussionskultur als tolerierbar und sinnvoll erscheinen lässt.
Diese menschenfeindliche (verachtende) Art zu Denken und zu Argumentieren im Mainstream voranzubringen und ihm die höheren Weihen des Qualitätsjournalismus zu geben, ist der Zweck der FAZ-Übung.
Wenn ich weiter die abgehängten Schichten für ihre Lage selbst haftbar machen will, brauche ich das Denken eines Sarrazins.

mahung 24.12.2010 | 17:25

"Überhaupt weiß die FAZ was sie tut, denke ich. Der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit und die Verachtung der soziale Schwachen, das alles ist breit in der Mitte der Gesellschaft in Deutschland angekommen."

gesittet trinkt und isst
der mitteextremist

er hasst und hetzt
gewählten wortes
liest bücher
oder schreibt sie gleich
gut ausgebidet
geht das hassen
galant, fluffig und auch leicht

die neger und islamerergören
die sozialschmarotzer faulster sort
zerstören unser schönes land
es graust dem ängstlich mittelstand

lasst keinen rein
schickt jeden rauss
die arbeitslosen - interniert sie
das sie´s lernen, die ...

wer nicht in arbeit
soll auch nicht essen
auch nicht heizen soll der (naja) mensch

alkohol und taback gestrichen
da frohlockt der mittelstand
sucht und spaß nur für betuchte
das ist auch besser so
fürs ganze land

das wird man ja wohl noch sagen dürfen
schlechte gene seinen als solche auch benannt
armut und dummheit sind halt erblich
so wie der hass im mittelstand

hauen, stechen, schlagen, morden
davor graust dem mittextremist
für´s grobe gibt´s ja andere horden
die machen dann den nächsten schritt

goch 24.12.2010 | 17:39

Hier eine neuere Statistik: aus dem Spiegel:
Die größte Zustimmung erfährt Sarrazin in der Union

Bei der Bewertung Sarrazins liegen die Zahlen für Zustimmung und Ablehnung in den einzelnen Parteien nicht weit auseinander. Laut der Umfrage steht auch in der SPD keine Mehrheit hinter Sarrazin. 36 Prozent der Genossen geben Sarrazin Recht, 43 Prozent sagen, er habe Unrecht. Die SPD will Sarrazin aus der Partei ausschließen.

Die größte Zustimmung erfährt Sarrazin in der Union. 45 Prozent der Anhänger von CDU und CSU sagen, Sarrazin habe völlig oder grundsätzlich Recht, für 43 Prozent der Befragten hat er Unrecht.

Während andere Umfragen teilweise große Zustimmung zu einzelnen Thesen Sarrazins ausmachten, zeige die Info-Studie, dass es für dessen Gesamtaussagen über Muslime keine Mehrheit gibt, sagt Institutsleiter Liljeberg. "Zustimmung in Einzelfragen, aber Ablehnung seiner Gesamthaltung", lautet für ihn das Fazit der Studie.

mh 24.12.2010 | 17:40

sarrazin bezieht sich auf fakten, die wiederum bringt er in einklang mit seiner denkweise und seinen ansichten. das kann man ihm vorwerfen, ist aber bei menschen gang und gebe. auch und gerade bei jakob augstein, wie hier wundervoll vorgeführt.

was der kleinkarierte leusch oder der empörte hassprediger augstein daraus machen, ändert daran nur nichts.

entweder ist es manipulation oder lüge oder falsche interpretation .. ein einklang ist bei all diesen vorwürfen kaum möglich.

da verheddert sich einer aber ganz gewaltig in seiner rechtfertigung für den blödsinn, den er schrieb.

mfg
mh

mh 24.12.2010 | 17:44

allein schon die wortwahl, die augstein und seine linksradikalen gesinnungsgenossen hier an den tag legen, spottet jeder weihnachtlichen beschreibung.

manipulativ, rechtsradikal, scientology, manipulativ. und lügen, immer wieder lügen.

hier fehlt der maßstab und zwar ganz gewaltig... wo soll das denn enden, wenn der beste freund des frauenvergewaltigers assange, einem mannsbild von pressefreiheit, hier nun plötzlich anfängt anderen medien den mund verbieten zu wollen.

mfg
mh

mh 24.12.2010 | 18:05

"Warum tut die FAZ das? Helfen muss man dem Mann nicht. Sein Buch hat sich ausreichend verkauft. Er hat im Fernsehen bekannt gegeben, dass er nun Millionär sei. Bitte sehr. Aber man kann annehmen, dass ihm das nicht genügt."

bereits an diesen eingangsworten ist die manipulative art von JA gut sichtbar .. stellt er sarrazin hier doch als prollenden millionär hin .. statt die wahrheit zu äußern, dass sarrazin dies lediglich in zusammenhang mit seiner wirtschaftlichen unabhängigkeit preisgibt und, in dem faz-artikel, explizit darauf hinweist, dass bei keinem anderen autor das thema geld so hochstilisiert wurde wie bei ihm .. und zwar in einer form die, überraschung, JA hier nun auch gleich betreibt.

mfg
mh

Grundgütiger 24.12.2010 | 18:43

Mit Verlaub, mh, was ist euer Begehr?
Die Trockenübung der FAZ was geht, was geht noch nicht, bedarf eigentlich nicht der Analyse.
Das Jakob Augstein nicht zu den Schmuddelkindern gehören will, mit denen man nicht spielt, verstehe ich.
Als Zeitungsverleger ist man schließlich von Zeitungen abhängig, in denen Meinungen stehen. Die gelesen werden.
Und so bin ich froh das er es beim Namen nennt.
Das Versagen oder die Umstellung der Bourgeoisie auf eine neue Zeitrechnung.
Der vermeintliche Ausweg aus einer absehbaren Talfahrt, die Benennung von Schuldigen, hat in Deutschland Tradition.
Das man wenig gelernt hat aus der letzten Schuldzuweisung, macht mir Angst.
Platter als die muslimische Karte kann man eigentlich nicht spielen.
Das schon wieder die Geburt eine Rolle spielt.
Gibt es schon wieder Rassenschande?
Das sich ein Frank Schirrmacher auch mit Jakob Augstein unterhalten würde, ist leider nicht genug, es muss ein Ergebnis herauskommen.
Frohes Fest.
Meine Frau drängt mich in die Küche, bin Küchensklave.

claudia 24.12.2010 | 19:57

Sarrazin richtet seine Worte an diejenigen, die Thomas Mann recht treffend als "wildegwordene Kleinbürger" bezeichnet". Er tur es im Interesse (und Auftrag?) der Obrigkeit. (Auch die "Elite" der Prätorianer sind nicht Herrscher, sondern Diener.)

Dass diejenigen, in deren Interesse die sarrazynische Propaganda verbeitet wird, nur ein klammheimliches Schulterklopfen, aber keine lautstarke Zustimmung kommt, verwundert nicht. Sie halten immer Distanz zu ihrer Dienerschaft.

claudia 24.12.2010 | 21:08

>>Kann sich Geschichte wiederholen?
als Farce...
Es gibt in der Geschichte Temporäres und längerzeitig beständiges
z.B.: "Hitlerismus" = kurzzeitig
Göbbelsismus = nachhaltig, entwickelbar und somit langzeitig einsetzbar

Aus dem Propagandaministerium des Dr. Göbbels können parallel die Feststellungen stammen, dass die obsolete SA heute Glatze trägt und dass es "genetisch starke" und "genetisch schwache" Menschen gibt.
Der Göbbelsismus hat kein Problem damit, die Präfixe "genetisch" und "sozial" oszillieren zu lassen, wenn gerade beide Schlagworte virulent sind.

Symptomatisch für den Göbbelsismus ist, dass sein Ziel immer die Lufthoheit über den Stammtischen plus dezente Zustimmung einer Mehrheit der Elitepätorianer ist: "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"
Niemals: "Was wird man wohl denken können?"
Das wäre ungöbbelsistisch

Auch Symptom ist "die Meinung des kleinen Mannes".
Der kleine Mann braucht einen grossen F....r, der ihm die Richtung weist, nicht wahr?

Egon-Erwin Wrobel 24.12.2010 | 23:47

Des Pudels Kern steckt doch wohl kaum in der Frage, ob Sarrazin in einigen Details richtig liegt oder nicht. Wenn ich den Artikel korrekt verstehe, geht es um eine positive Abgrenzung ggü. kollektivem Renegatentum. Dass die FAZ Sarrazin ein Podium bietet, sollte angesichts der Ausrichtung nicht verwundern, was nicht bedeutet, dass man sich darüber nicht empören kann und sollte. Hier wird ein bestimmter Diskurs willentlich - und sicher nicht nur aus Gründen der Auflage -, befeuert, um noch einmal zu einer eher versöhnlichen Jahreszeit Öl ins Feuer zu gießen. Es handelt sich dabei also auch um einen McGuffin: Hitchcocks beliebt Einsprenkler, die immer die Aufmerksamkeit der Protagonisetn auf sich zogen, sich schlussendlich aber immer als Hoax oder Banalität herausgestellt haben.

Rackets wie Sarrazin können kaum anhand ihrer Argumentationslinie, also immanent, am Gegenstand, kritisiert werden, sondern nur destruktiv. Durch die komplette Ablehnung. Zu dieser Ablehnung gehört auch die Kritik der FAZ als einem Sprachrohr bestimmter Interessen. Nur: Rackets wie Sarrazin oder auch die unausgesetzte Hetze, die in den Kommentaren auf den Politik- und Wirtschaftsseiten der FAZ regelmäßig zu finden sind, leben von einer Applikationsbasis in bestimmten gesellschaftlichen Milieus. Deren Vorhandensein zu leugnen, würde einer Leugnung der Klassengesellschaft gleichkommen. Die Heitmeyer et al.-Studie wurde oben schon erwähnt; doch auch hier gilt: alle Volten und Pendelbewegung hin zu mehr Ausländerfeindlichkeit hier und Arbeitslosenhetze dort, leben von einem latenten Antagonismus, der nun mal wieder etwas offener gelebt und hoffentlich diskutiert und kritisiert wird.

Ergo: was die FAZ kann (das Agenda-Setting wider besseres Wissen), kann der Freitag schon längst. Schließlich hat er auch eine hegemoniale Rolle als Bildnerin alternativer Diskurse.

weinsztein 25.12.2010 | 00:57

mh schrieb am 24.12.2010 um 16:40: "was der kleinkarierte leusch oder der empörte hassprediger augstein daraus machen, ändert daran nur nichts."

Auf den Kommentar von Christoph Leusch wolltest Du inhaltlich aber lieber doch nicht eingehen, das macht es Dir leichter, den Autor kleinkariert zu nennen und Jakob Augstein einen Hassprediger.
Ist Dir das nicht ein wenig zu dumpf?
Oder brannte Dir ein Weihnachtslichtlein durch?

Muhabbetci 25.12.2010 | 03:59

@Peter Knobloch schrieb am 24.12.2010 um 14:53

Danke Peter, ich hatte oben schon gesagt das ich dankbar war für die Berichtigung von Mandelbrot. Ich war mit meinen Gedanken noch an einer anderen Zahl.
Ich finde es eigentlich zu wenig, die Bücher lesen meine ich. Wenn Sarrazins Werk zu einem Bestseller wurde aber gleichzeitig 99% der Bevölkerung es nicht gelesen haben, dann sind seine Anhänger sehr wenig... Es sieht fast so aus als ob die Medien das aufputschen. Natürlich ist es nicht wenig, man darf es auch nicht unterschätzen. Das sagt uns auch nichts darüber hinaus, wieviele mit ihm Sympatisieren.
Nur frage ich mich, wieviele Exemplare eines normalen Buches verkauft werden. Ich dachte immer Deutschland würde mehr Lesen als in der Türkei. Aber die Zahlen sind sich sehr ähnlich ..
Das hatte mich iritiert...:-S

rolf netzmann 25.12.2010 | 05:06

"Thilo Sarrazin möchte aber nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern die der Menschen, die man die Eliten nennt. Die bleibt ihm versagt. Denn so weit hält der zivilisatorische Konsens in diesem Land bislang, dass die Eliten einem Rassisten und Kulturchauvinisten die Anerkennung versagen."
So schreibt es Herr Augstein. Nur, ist dem wirklich so? Dass die FAZ, eine Zeitung, die von den Eliten der Bundesrepublik gelesen wird, Sarrazin an exponierter Stelle eine Plattform bietet, läßt an dieser Aussage schon zweifeln.
Ein Rückblick in das Österreich der 90-er Jahre zeigt, wie schnell ein Rechtspopulist mit Charisma Teil der politischen Elite werden kann. Jörg Haider legte einen Aufstieg hin, der ihn Ministerpräsident von Kärnten werden ließ. Damit war er ein Teil der Elite und beeinflusste das Denken und Handeln eines gesamten Staates. Geerd Wilders in den Niederlanden ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie schnell es rechte Populisten mit einer entsprechenden Ausstrahlung schaffen, nicht nur " im Volk" anzukommen, sondern auch in der politischen Elite, wie diese Elite beeinflussba , wie ein ganzes Land nach rechts zu bewegen ist.
" Der Schoß ist fruchtbar noch", warnte Bertolt Brecht einstmals. Diese Warnung ist aktueller denn je, die FAZ hat den Beweis dafür wieder einmal erbracht.

Giuseppe Navetta 25.12.2010 | 05:10

@Christoph Leusch
"Wegen dieser Transfers, geht es keinem Deutschen schlechter, wird kein Leistungsträger, an die Herr Sarrazin ja vorgibt besonders zu denken, ärmer. Eher erhalten die Transfers den schönen Schein und sie halten viele Menschen gerade noch in der Gesellschaft, die Sarrazin und Konsorten liebend gerne „abschreiben“ würden. Fehlte dieser Transfer, es wäre wirtschaftlich und kulturell tatsächlich deutlich spürbar! Allerdings nicht positiv."

100 % Zustimmung - ist auch belegbar, wenngleich ich es langsam ein wenig absurd finde, in Zeiten des 3. oder sogar 4. Armutsbericht und der dazugehörigen Vermögensverteilung eventuell auch noch empirische Daten bemühen zu müssen, damit einige Personen diesen eigentlich einfachen Sachverhalt nachvollziehen können!

Vielen Dank für den wie immer ausführlichen Kommentar

Fohe Weihnachten!

MfG

Giuseppe Navetta

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liebling 25.12.2010 | 08:47

Hallo Herr Goch, es gibt wohl verschiedene Befragungen mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Nachstehend eine vom ZDF-Politbarometer vom Sept. 2010.
Dort stimmen 59 % der Symphatisanten von "Die Linke" zu.
Mein Elefantengedächtnis sagt mir aber, dass es auch ein Umfrageergebnis mit 85 % gab.

wahltool.zdf.de/Politbarometer/mediathekflash.shtml?2010_09_10

Dann gab es noch eine Umfrage, wonach ca. 29 % der Wählern von "Die Linke" eine neue Parteimit Sarrizin an der Spitze wählen würde:

Ein Fünftel würde Sarrazin-Partei wählen

Die von Sarrazin angefachte Integrationsdebatte lässt nach einer anderen Umfrage Sympathien der Deutschen für eine bürgerliche Protestpartei zu Tage treten. Wie eine repräsentative TNS Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" ergab, würde fast jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) eine neue Partei wählen, wenn ihr Chef der Integrationskritiker Sarrazin wäre. Besonders viel Zuspruch bekäme eine Sarrazin-Partei demnach bei Anhängern der Linkspartei (29 Prozent). Auch 17 Prozent der Unionswähler würden eine solche Formation wählen. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sagte, für diese Befragten sei Sarrazin jemand, "der endlich ausspricht, was viele denken".

Ha, jetzt habe ich per Google doch noch die 85 % Quote von Wählern "Die Linke" gefunden.
Wie Sie sehen können handelt es sich um ein Umfrageergebis für eine Abschiebung straffälliger Ausländer.
Insofern, da haben Sie recht, stimmt meine o. a. Behauptung nicht ganz.

juergenelsaesser.wordpress.com/2010/12/12/linke-fur-automatische-abschiebung/

Michael Pickardt 25.12.2010 | 10:09

"Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist, ihm das Wort zu entziehen."

Stimmt das wirklich? Gibt es nicht auch andere Wege? Kunst, Satire und Philosophie jedenfalls kennen auch noch andere. Kann man einen Lügner nicht auch so präsentieren, wie es die FAZ getan hat? Wer sich diese Seite im Original ansieht, könnte genauso einen diabolischen Schachzug gegen den fiesesten Verblöder des Jahres 2010 vermuten:

http://www.bilder-hochladen.net/files/gwkt-1.jpg

Und das unter den großen Lettern:
ICH HÄTTE EINE STAATSKRISE AUSLÖSEN KÖNNEN

Stellt sich nicht bei jedem Mitglied besagter Eliten unwillkürlich ein Grinsen ein? Kann man einen Menschen lächerlicher machen als durch eine solche Aufmachung? Ist es nicht das, was man im Layout als "Text-Bild-Schere" bezeichnet? Ist das nicht Dekonstruktion in Reinkultur? Könnte es nicht sein, dass gerade schon die Feuilleton-Redaktion der FAZ im wohlverdienten Weihnachtsurlaub war, der diensthabende Politik-Redakteur das vermeintliche Machtvakuum ausnutzen wollte - und von einem pfiffigen Bildredakteur ausgetrickst wurde? Was könnte man sich alles noch ausdenken! Aber eine böse Verschwörung zur Etablierung des rassistischen Schwachsinns bei den Eliten müsste wahrlich anders aussehen. Sooo blöde sind sie nun auch wieder nicht. Frohes Fest!

http://www.bilder-hochladen.net/files/gwkt-2.jpg

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liebling 25.12.2010 | 10:47

rolf netzmann
Zitat Augstein:
"Thilo Sarrazin möchte aber nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern die der Menschen, die man die Eliten nennt. Die bleibt ihm versagt. Denn so weit hält der zivilisatorische Konsens in diesem Land bislang, dass die Eliten einem Rassisten und Kulturchauvinisten die Anerkennung versagen."

Kommentar Netzmann:

So schreibt es Herr Augstein. Nur, ist dem wirklich so? Dass die FAZ, eine Zeitung, die von den Eliten der Bundesrepublik gelesen wird, Sarrazin an exponierter Stelle eine Plattform bietet, läßt an dieser Aussage schon zweifeln.

M. E. nicht nur zweifeln, Herr Netzmann!

Jede Pappnase glaubt heute, zur Elite zählen zu wollen/müssen. Wer anders denkt, gehört einfach nicht dazu!
Meinen die jeweiligen Elche.

Besonders elitär fühlen sich immer Linksliberale.

Die Retter der Witwen und Waisen.
Die Macher in der Gesellschaft, die für Prosperität und Wohlstand sorgen.

Selten so gelacht!

mh 25.12.2010 | 12:00

es könnte auch einfach sein, dass sarrazin sein gedachtes nach außen gibt und lediglich jene reagieren, die ihm vorgeworfen werden anzusprechen.

allein schon die unterstellung, hier würde gezielt agiert... die kann man höchstens der FAZ machen, sie bedient ihre klientel.

das ganze hat aber auch etwas tragisches, denn wer erinnert sich hier noch daran, wie JA einst die FAZ lobte? wie toll er sie immer fand?

der mann hat jahr.. gar jahrzehnte? nicht gemerkt, dass er da kein linksliberales blättchen liest und wacht nun gerade aus einem bösen alptraum auf .. wie ein kleines kind strampelt er nun noch eine weile rum und wehrt sich gegen die erkenntnis.

mfg
mh

chrislow 25.12.2010 | 12:55

Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass es sich bei der Leserschaft der FAZ hauptsächlich um Hauptschulabsolventen handeln kann. Wohl nur solche, welche tatsächlih das interesse an einem inhaltlich vollständigeren Text als es in den roten zeitungen der Fall wäre, haben. Wieviele das dann sind....?

Oder ich unterschätze jetzt die Verbreitung des derart schon beschimpften Abschlusses... sodass der sich quasi derart häufig wiederfindet - also dass ich den Überblick über die verhältnisse verlor .

Und vielleicht sollte man die unter den Beiträgen befindlichen Kommentare nicht mit Schulabschlüssen assoziieren....

... oder sollte es doch so sein, dass sich Hauptschüler im Leben nach der Schule tatsächlich noch fürs Lesen anfangen zu interessieren? ... aus welchem Grund?

Muhabbetci 25.12.2010 | 14:44

Ich habe es jetzt gelesen. Dieser Mann hetzt, anders kann es beim bestem Willen nicht nennen. An einer Stelle habe ich dann aber heftig mit dem Kopf Schütteln müssen, und zwar:"Der hellsichtige Goethe spielte ästhetisch und ironisch mit dem Islam, aber von der totalitären Gefahr dieser Religion verstand er vor zweihundert Jahren mehr als heute die Redenschreiber unseres Bundespräsidenten. "

Auch habe ich nichts gefunden das irgendwie auf Satire oder sonst was schliessen könnte.
Es tut mir Leid, das ist nichts anderes als Hetze.

Lustig fand ich die "Migranten" die er da aufzählt. Man wird den Eindruck nicht los, das die Intellektuellen Migranten alle Pro-Sarrazin wären. Welche Ausländer spricht sich bitte für Sarrazin aus? Die Kritik von Herrn Augstein ist gerechtfertigt, meiner Meinung nach hätte es ein bisschen schroffer sein dürfen.
Welche Botschaft kommt bei mir jetzt als Ausländer an.
Als ich das gelesen habe, dachte ich:"Aha, Sarrazin's Weihnachtsrede...!" ...
Naja was soll man dazu noch grossartig sagen.

Wie bunt man den Esel auch malt, der Esel bleibt Esel doch!

In diesem Sinne
Mustafa Celebi

Egon-Erwin Wrobel 25.12.2010 | 16:08

D'accord: die FAZ ist kein monolithischer Block, die interne Willensbildung dürfte dennoch durch soziologische und ökonomische Strukturbedingungen berührt werden, sodass selbst unabsichtlich Kritierien eines differenzierten Journalismus nicht mehr tragen.

Dennoch würde ich einwenden, dass der obige Artikel gar nicht um solche verschwörungstheoretischen oder auch instituionalistischen Fragestellungen kreist, sondern sich als Abgrenzung versteht: als journalistische Abgrenzung, die natürlich auch mit einem gerüttelt Maß an gespielter Empörung daherkommt. Insofern nutzt der Freitag den vorgelegten Diskurs, um ihn etwas zu öffnen, was völlig legitim ist, will man die Diskussion nicht allzu borniert geraten lassen. Der Journalismus hat nicht nur eine Informationsaufgabe, sondern auch die der Herrschaftskontrolle. Zwar will ich nicht den gesamten Inhalt auf einen kruden Funktionalismus zusammenstreichen, aber man wird doch sicher nachsehen können, dass hier einmal eine durchaus polemische Volte gegen ein Blatt - das ja nach außen rechtsgeschäftlich als einheitliche juristische Person auftritt und anklagbar ist -, zu richten, um aufzuzeigen, das nicht alles vollends verblödet.

Dass ein Bahners selbst ein Buch veröffentlicht, das sich inhaltlich evtl. gegen Sarrazins Thesen wendet, ist für mich noch kein Gegenargument. Es gehört zur selbigen Malaise, wonach mit Mitteln der immanenten Kritik versucht wird, einem Glaubensbekenntnis argumentativ entgegenzutreten. Die angestrengte Diskussion hat doch aber schon längst die argumentative Ebene verlassen, sofern sie je erreicht oder angestrebt ward. Charaktermasken wie Sarrazin, Wilders oder Sloterdijk perpetuieren einen bestimmten dumpfen Diskurs, auch wenn sie sich selbst durch nichts und auch keine Organisation (Stiftung, Thinktank) verbunden fühlen. Dieser Diskurs ist einfach da, wird durch andere Medien und das unendliche Rauschen aufgegriffen und bleibt in bestimmten Teilen der Öffentlichkeit präsent. Als dumpfes Ressentiment, das ohne die zusätzliche Lektüre Sarrazins genaus gut auskommt, wie als "plötzlich" bekehrter Bürger. Diese Debatte kreist um Nebelkerzen, um langweilige Einzelpersonen; Personalisierung ist der letzte irdische Rettungsanker, wenn man von seiner Moral nicht lassen will.

Egon-Erwin Wrobel 25.12.2010 | 16:53

Lieber mh,

was sind denn deiner Meinung nach die Kennzeichnen einer "linken Postille" und inwiefern grenzt sie sich dadurch von anderen Produkten der Massenmedien ab? Der gesamte Artikel kreist doch nicht um Geschmacks- und Formfragen, sondern um die Frage, ob man an einem symbolträchtigen Datum wie diesem einer durchaus gut aufgelegten (sic!) Zeitung es (sittlich/moralisch) durchgehen lassen kann, dass sie einer Person ein Podium bietet, um absichtsvoll Öl ins Feuer zu gießen. Vielleicht sollte man darüber einfach abstimmen lassen, um einmal aufzuzeigen, dass die geneigte Leserschaft keineswegs eine passive Öffentlichkeit von Schafen ist, sondern einen Anspruch an die Informationspolitik hat.

Plus: der Artikel ist mitnichten eine Disseration oder Projektskizze, aber er rechtfertigt keine "ekelhafte und widerliche Hetze" gegen den Autoren. Das ist doch lächerlich und verfehlt vollends den Stein des Anstoßes.

Gruß,
E.-E. Wrobel

mh 25.12.2010 | 17:18

ach... journalisten fehlt ohnehin und immer das gefühl dafür, wie ihr tun auf andere wirkt. in dem sinne ist nicht nur gerechtfertigt sondern einfach nur angebracht, ihre art ihnen gegenüber anzuwenden.

und in diesem speziellen fall.. also ernsthaft: was JA hier betreibt ist einfach nur ekelhaft. vor allem die begrifflichkeiten die er hier verwendet. das mag dem linken mob, der die kommentare bevölkert, zwar meinungsdienlich sein.. hilfreich ist es jedoch keinesfalls.

mfg
mh

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lyzis-welt 25.12.2010 | 17:30

"Der Sarrazin-Komplex

Warum Sarrazins Kritiker im Unrecht und seine Thesen trotzdem verkehrt sind

So viel ist sicher: Die Leute, die sich in den letzten Wochen in die öffentlichen Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin drängeln, sind in ihrer Mehrheit unangenehme Zeitgenossen. Sie wollen einen Volkstribun, der einmal so richtig rauslässt, was »uns kleinen Leuten« verboten ist auch nur anzusprechen. Nämlich das gesamte Ressentiment gegen Ausländer und sogenannte Sozialschmarotzer, wobei letztere gar nicht unbedingt nichtdeutscher Herkunft zu sein brauchen. Dass die unerwünschten Ausländer mit Moslems gleichgesetzt werden, hat den einfachen Grund, dass die mit Abstand größte Gruppe aus der Türkei stammt, in dem der Islam die Mehrheitsreligion ist. Man geht davon aus, dass sechzig bis neunzig Prozent der Deutschen sagen: »Sarrazin hat Recht!« Einen Islamkritiker sehen sie in ihm allerdings wohl kaum, denn bekanntlich widersetzt sich durch alle Lager hindurch die ganz überwältigende Mehrheit der Deutschen jeder Beteiligung der Bundeswehr am Afghanistan-Einsatz und will auch die iranische Bombe nicht aktiv, also gegebenenfalls auch durch die Drohung mit einem Militärschlag, verhindern. Und doch zeigt die sogenannte Sarrazin-Debatte überdeutlich, dass etwas verboten werden soll. Die widerwärtige, wissenschaftlich selbstverständlich bestens fundierte Einsicht, dass Intelligenz vererbbar sei, steht nur scheinbar im Fokus der Kritik. Denn die Gleichen, die Sarrazin empört einen Eugeniker nennen, glauben ihrerseits inbrünstig daran, dass über Fortkommen und Scheitern letztlich eben doch ein Gen mitentscheidet. Nein, an einem anderen Punkt hat ausgerechnet der Fall Sarrazin gezeigt, dass ein Bündnis aus Politik und Medien alles unternimmt, Kritik als pathologisch, kriminell und eben rechts oder rechtsradikal zu diskreditieren und damit zu unterbinden. Eine kritische Diskussion über den Islam soll in Deutschland unterbleiben, der Islam, so hört man stattdessen, gehört »zu uns«. Sarrazin wird in der SPD bleiben, der deutsche Geert Wilders muss noch gefunden werden. Der wird kommen und eine sehr deutsche Mischung aus Eugenik, Ausländerfeindlichkeit und Hass auf die Unterklassen feilbieten, die das niederländische Original weit in den Schatten stellen wird. Zu danken ist diese wenig erfreuliche Aussicht jenem Meinungskartell, das aus Türken »Muslim und Muslima« macht, aus den USA einen fundamentalistischen Aggressor, aus Israel eine Bedrohung des Weltfriedens und in jedem islamistisch gestimmten Pogrompöbel den gerechten Zorn der vom Imperialismus Erniedrigten und Beleidigten erkennt."

redaktion-bahamas.org/aktuell/bonn-12-11-2010.html

Egon-Erwin Wrobel 25.12.2010 | 17:38

Nun ja, das Argument bleibt dabei dennoch auf der Strecke. Du bezichtigst die Kommenatoren als "linken Mob", weil sie hier mehrheitlich auf Zustimmung pochen, was doch letztlich nichts anderes bedeutet als deinen grundsätzlichen Dissens mit Augsteins Rhetorik. Nun ist Augstein nicht der Freitag, der Freitag aber eher ein linksliberales Blatt, das seinen Platz in der Meinungslandschaft nicht neu auszurichten braucht. Anders: es gibt bestimmte Blätter und Organisationen, die einen rechten Diskurs befeuern; um dem gegenzusteuern gibt es auch Blätter auf der linken Seite des Parlaments. Nur: die Kategorie "linker Mob" ist ebenso soziologisch amorph, wie die Rückführung auf ein irgendwie geartetes Taktgefühl auf Seiten "der Journalisten".
Die "Junge Freiheit" muss der Freitag sicher nicht kopieren. Er macht ein paar Konzessionen an den Zeitgeist: ein bisschen Dezentralisierung und Teilhabe der Community, ein bisschen Formvariation aber for pete's sake: nicht noch mehr argumentfreie Hetze!

MHM 25.12.2010 | 17:48

Es ist weder notwendig, sich über Sarrazin aufzuregen, noch seine "Inhalte" zu bewerten.Was er macht, ist einfach das, was traditionell gemacht wird, wenn jemand durch gezielt erreichte Popularität seinen Marktwert geschäftlich nutzt. Das kann man tun, auch ohne Sinnhaltiges von sich zu geben.
Was allerdings durchaus diskutiert werden sollte, ist, wie man der Bevölkerung helfen kann, nicht mehr auf diese Masche herein zu fallen. Damit könnten(nicht nur) die Deutschen anfangen, den Sinn der Demokratie zu verstehen. Es ist noch viel zu tun, solange das Fressen vor der Moral kommt, die häusliche Sicherheit vor der Freiheit und die Anpassung vor der individuellen Courage.

Jakob Augstein 25.12.2010 | 18:02

lieber micha
ja, das bild hat mich auch gewundert
aber ich hoffe dennoch, dass sie sich irren
mir waere es eindeutig lieber wenn die faz sarrazin inhaltlich den weg ebnen wollte als dass sie sich als so frivol erwiese ihre eigene feuilleton aufmacherseite zum gegenstand einer selbsreflektiven satire zu machen
das wuerde dann echt meinen rahmen sprengen.

ich wuesste wirklich gerne, wie dieser artikel eigentlich in der redaktion der faz angekommen ist und ob es dort heftige diskussionen gab ...
(kurze allgemeine anmerkung: dass mich mancher hier fuer zu links haelt ist auch eine lustige und unerwartete wendung :) )

oca 25.12.2010 | 18:12

@ChristianBerlin:

"Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist ihm das Wort zu entziehen.

Ein gefährlicher Satz."

Na ja, wenn das so gefährlich ist, warum stellt man nicht den gesamten Feulleton sämtlicher Zeitungen für Debatten mit Sarrazin, Horst Mahler, oder andere durchgeknallte Rassisten zur Verfügung? (Obwohl wir davon ja nicht sehr weit entfernt sind...)

j-ap 25.12.2010 | 18:29

Ich weiß nicht, ob es mich wirklich nervt oder ob ich mich darüber amüsieren soll, daß Sarrazin und die Seinen nichts anderes sind als Feuilletonplauderer, worüber sich dann auch der parlamentarisierte Teil der Volksgemeinschaft so sehr aufregt, daß er sich selbst ins totale Feuilleton verwandelt — und kräftig draufhaut.

Einen Positivisten kann man nicht mit Positivismus aus dem Feld schlagen. Daß Sarrazin Statistiken zu diesem und jenem verfertigt und daraus ganz reale Schlüsse über reale Menschen ziehen will, ist an der Betriebslogik der bürgerlichen Republik gemessen völlig untadelig.

Was passiert indes? Es werden die Biologen gerufen, die Mediziner, die Epigenetiker, die Soziologen und die Historiker, die sich dann selbst gut positivistisch mit soviel Fleißschweißseiten Gegen-Zahlenmaterial zurüsten, daß sie's dem Thilo schwarz auf weiß darlegen können, wie er sich bei der fünften Nachkommastelle verrechnet hat, der Schuft.

Na das ist doch ein ganz eminenter »Diskurs«-Erfolg, oder nicht?

Was es nicht irgendwann mal Konsens unter Leuten, die sich als links verstehen, daß man sich mit niemandem an den Tisch setzt, der aus Hautfarbe, Rasse, Herkunftsland usw. auch nur irgendwas ableiten will? Warum macht man's dann?

(Man entschuldige meine Kurzangebundenheit, ich bin gleich wieder weg.)

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Ehemaliger Nutzer 25.12.2010 | 19:07

Das einzige was den rechtspopulistischen Neocons von „Bahamas“ an Sarrazin nicht passt ist, dass sich sein Rassismus nicht vollständig in den erwünschten antiislamischen („kulturalistischen“) Rassismus mitsamt seiner schrillen Kriegshetze eingemeinden lässt: bedingungslose Befürwortung des von der westlichen WERTEgemeinschaft geführten Weltbürgerkrieges – inkl. der geforderten Atomisierung des Irans - gegen den „islamfaschistischen Weltfeind“: diesem hehren Ziel lässt sich der völkisch grundierte, aber eher ständische Rassismus des Herren Sarrazins nicht ausschließlich unterordnen. Dass ist er dann auch schon, der einzige wesentliche Punkt, den diese Herrschaften an Sarrazin für verkehrt halten.
Da müssen dann auch ultradeutsche Rassisten wie der oben zitierte Justus Wertmüller, ihren rassistischen Bruder gegenüber, mal so richtig kritisch werden.

Egon-Erwin Wrobel 25.12.2010 | 19:08

Eigentlich schon. Es wird sich aber auch um einen allmählichen Anpassungseffekt handeln: in dem Maße, wie sich der Freitag öffnet und aus einer - vielleicht zutreffenden, vielleicht auch unterstellten (Auflagenfrage?) - Esoterik heraustritt, sind Zugeständnisse in Diktion und Ideologie wohl ebenso unumkehrlich, wie ein Zugewinn an Lesern, die nicht weltanschaulich gefestigt sind [was in diesem Kontext natürlich meint, dass Konservative/Rechte wie immer doof und ziemlich out sind!] (:D)

Stöbert man durch die Kommentarspalten einer durchaus auf Wellenlänge liegenden Tageszeitung mit Tatze, dann wundere ich mich manchmal schon über die (homophobe und reaktionäre, mitunter affirmative) Stimmungslage. Affirmativ sind für mich auch jene Wortmeldungen, die ihre Kriterien und Grundlagen der Kritik nicht offenlegen und reflektieren, sich mithin immer weiter vom Gegenstand oder der Intention des Artikels entfernen. Den Grund dafür kann man aber über die Feiertage noch mal in Ruhe in Habmeras' Habilitation "Strukturwandel der Öffentlichkeit" nachlesen:

„Der Pro­zeß des po­li­tisch re­le­van­ten Macht­voll­zugs und Macht­aus­gleichs spielt sich di­rekt zwi­schen den pri­va­ten Ver­wal­tun­gen, den Ver­bän­den, den Par­tei­en und der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung ab; das Pu­bli­kum als sol­ches wird in die­sen Kreis­lauf der Macht nur spo­ra­disch und dann auch nur zu Zwe­cken der Ak­kla­ma­ti­on ein­be­zo­gen.“ (S. 268f.)

Etwas weiter auf den gesellschaftlichen Kontext bezogen, formuliert er gut zehn Jahre und eine Protestbewegung später:

Der Zu­schnitt form­al­de­mo­kra­ti­scher Ein­rich­tun­gen und Pro­ze­du­ren sorgt dafür, daß die Ent­schei­dun­gen der Ad­mi­nis­tra­ti­on weit­ge­hend un­ab­hän­gig von be­stimm­ten Mo­ti­ven der Staats­bür­ger ge­fällt wer­den kön­nen. Dies ge­schieht durch einen Le­gi­ti­ma­ti­ons­pro­zeß, der ge­ne­ra­li­sier­te Mo­ti­ve, d.h. in­halt­lich dif­fu­se Mas­sen­loya­li­tät be­schafft, aber Par­ti­zi­pa­ti­on ver­mei­det. Der Struk­tur­wan­del der bür­ger­li­chen Öf­fent­lich­keit schafft für die form­al­de­mo­kra­ti­schen Ein­rich­tun­gen und Pro­ze­du­ren An­wen­dungs­be­din­gun­gen, unter denen die Staats­bür­ger in­mit­ten einer an sich po­li­ti­schen Ge­sell­schaft den Sta­tus von Pas­siv­bür­gern mit Recht auf Ak­kla­ma­ti­ons­ver­wei­ge­rung ein­neh­men. Die pri­vat­au­to­no­me Ent­schei­dung über die In­ves­ti­tio­nen fin­det ihr not­wen­di­ges Kom­ple­ment im staats­bür­ger­li­chen Pri­va­tis­mus des Staats­bür­ger­pu­bli­kums.
In der struk­tu­rell ent­po­li­ti­sier­ten Öf­fent­lich­keit schrumpft der Le­gi­ti­ma­ti­ons­be­darf auf zwei re­si­dua­le Be­dürf­nis­se. Der staats­bür­ger­li­che Pri­va­tis­mus, d.h. po­li­ti­sche Ent­halt­sam­keit in Ver­bin­dung mit Kar­rie­re-​, Frei­zeit-​ und Kon­sum­ori­en­tie­rung […], för­dert die Er­war­tung auf an­ge­mes­se­ne sys­tem­kon­for­me Ent­schä­di­gun­gen (in Form von Geld, ar­beits­frei­er Zeit und Si­cher­heit). Dem trägt eine wohl­fahrts­staat­li­che Er­satz­pro­gram­ma­tik, die auch Be­stand­tei­le einer aufs Bil­dungs­sys­tem über­tra­ge­nen Leis­tungs­ideo­lo­gie in sich auf­nimmt, Rech­nung. So­dann ver­langt die struk­tu­rel­le Ent­po­li­ti­sie­rung sel­ber eine Recht­fer­ti­gung. Dem die­nen ent­we­der de­mo­kra­ti­sche Eli­te­theo­ri­en, die auf Schum­pe­ter und Max Weber, oder tech­no­kra­ti­sche Sys­tem­theo­ri­en, die auf den In­sti­tu­tio­na­lis­mus der 20er Jahre zu­rück­ge­hen. In der Ge­schich­te der bür­ger­li­chen So­zi­al­wis­sen­schaft haben diese Theo­ri­en heute eine ähn­li­che Funk­ti­on wie in frü­he­ren Pha­sen der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ent­wick­lung die klas­si­sche Lehre der Po­li­ti­schen Öko­no­mie, wel­che die »Na­tür­lich­keit« der ka­pi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­ge­sell­schaft sug­ge­rier­te. [Jür­gen Ha­ber­mas (1973): Le­gi­ti­ma­ti­ons­pro­ble­me im Spät­ka­pi­ta­lis­mus, Frank­furt a.M.: Suhr­kamp, S. 55f.]

Hardy Prothmann 25.12.2010 | 19:19

Guten Tag!

Dass die FAZ diesen leider sehr schwachen und selbstgefälligen Text abdruckt, hängt sich mit der Faszination des intellektuellen Schauders zusammen, den Männer wie Herrn Schirrmacher befällt.

Auch er changiert gerne um die Sarrazinschen Thesen herum.
Zwei zufällig ausgewählte Texte zeigen das bei gründlichem Lesen sehr genau.

Herr Schirrmacher schreibt am 31. August 2010 einen langen Text, der sich sehr gefällig mit Herrn Sarrazin zeigt - auch wenn immer wieder Einsprengsel förmlicher Distanz zu finden sind:
"Thilo Sarrazin ist der Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft. Aber er verschweigt die Pointe seines Thrillers. Seine Thesen laufen auf eine vollständige Neudefinition unseres Begriffs von Kultur hinaus und erschöpfen sich nicht in muslimischen Milieus."

Herr Schirrmacher stützt die Thesen Sarrazins, als sei der ein Prophet:
"Zunächst: Dieses Buch hat nicht Thilo Sarrazin verfasst. Es wurde von einer Politik geschrieben, die seit Generationen nicht mehr in Generationen denkt, sondern in Monaten. Sarrazin ist lediglich der Ghostwriter der Gespenster, die uns jetzt heimsuchen."

Was Herr Schirrmacher wirklich denkt und was auch ihn umtreibt, ist schön mit diesem Satz belegt:
"Sarrazin beschreibt den demographischen Zustand des Landes klinisch als das, was man früher „Degeneration“ nannte."

Herr Schirrmacher folgt dieser Demagogie auf vermeintlich intellektuellem Niveau und ist sich nicht zu schade, krude und gefährliche Diskussionen neu aufleben zu lassen. Vordergründig scheint er sie abzulehnen, solche Sätze lassen daran aber erheblich Zweifel:
"Es hat sich gezeigt, dass Bildung und der Glaube an die eigene Kultur die Integration dieser Gruppen nach 1965 viel mehr beschleunigte als jede Form eugenischer Politik."
bit.ly/aBkq2D

Mit gleichem Datum erscheint ein Interview beim mdr mit Herrn Schirrmacher, das sich in der "Essenz" ganz anders liest, hier ist eher eine ablehnende Haltung vordergründig erkennbar - für die politisch korrekte Dokumenation:
www.mdr.de/nachrichten/7620944.html

Andererseits behauptet Herr Schirrmacher, dass diese Debatte geführt werden muss.

Das glaube ich auch: Es ist interessant zu erfahren, wer in der Debatte welche Haltung einnimmt.

Am 04. September habe ich mir dazu in diesem Text meine Gedanken gemacht:
"Der Fall Sarrazin: Das Dilemma kann gar nicht groß genug ausfallen"
prothmann.posterous.com/27342072

Beste Grüße
Hardy Prothmann

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Ehemaliger Nutzer 25.12.2010 | 19:22

Politik und Medien schenken einem Schelm, der mit Zivilcourage unternehmerisch veröffentlicht, was er denkt, zu viel Beachtung, derweil es ihnen nicht in den Mainstream passt. Jetzt ist ihnen die Sache auch noch aus dem Ruder gelaufen. Anstatt dem Buch und seinem Autor, dem geneigten Leser zu überlassen, begleiten die eigentlichen Tölpel ihn auch noch weiterhin auf seiner "Geschäftsreise". Obwohl doch eigentlich alle längst erkannt haben müssten, dass es sich bei Sarazin anscheinend um einen Scharlatan handelt, der sich m. E. mit allen einen Scherz erlaubt, lassen sich die Mainstream-Kapitäne auch noch von ihm instrumentalisieren, anstatt ihn und seine Ideologie zu ignorieren.

Columbus 25.12.2010 | 20:58

„Ich hätte eine Staatskrise auslösen können“

Darunter macht es Sarrazin zur Weihnacht 2010 in der FAZ.

( www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E284A6AAD8F2741ACA8B0152EC9E45C59~ATpl~Ecommon~Scontent.html )

Der Weihnachtsmann bringt was. Geschenke! Er ist so, mit Zipfelmütze, nicht einmal mehr ein christlicher Nikolaus. Das weiß Herr Sarrazin, das weiß wohl auch so mancher im Feuilleton der FAZ. - Übrigens macht Thilo S. gerne derbe Späße dieser Art, z.B. den Pullover-Spaß zu Berlin, z.B. den berüchtigten Goebbels-Zettel, geheftet an die Stirne des berüchtigten Moderators. Hauptsache ein Format sendet für ihn, mit ihm und um ihn. - Das meinte Jakob Augstein, mit dem Platz an prominenter Stelle.

Michael Pickhardts Einspruch, wenigstens die Bildredaktion setze Witz und Ironie dagegen, ist klug und auch nachvollziehbar. Allein, wer die Bildfolge auf FAZ-net dazu anschaut, versteht, es geht um die Heiligtümer des Deutschseins: Thilo S. vor dem Reichstag, der hinter ihm dräut, dem er gerade noch einmal mit der Staatskrise droht, Thilo S. im evangelischen Tempel, Thilo S. als Nikolaus auf dem Weihnachtmarkt (Markt ist hier wichtig), als zipfelmütziger Überbringer von Geschenken und Botschaften, die meist nicht geistiger Natur sind, sondern ganz prosaisch, so, Jahr ums Jahr, vom Publikum erwartet werden, und um die Ecke ahnen wir immer auch den Krampus noch.

Was die Wirkmacht angeht, jenseits der Schar der Qualitätszeitungsleser, da übertrifft das TV alle anderen Medien, und noch lange weiterhin sogar das Internet. Auch da hagelte es Ritterschläge für diese intellektuelle Bescheidenheit, freundlich gesprochen.

„Autorenstolz“ sei ihm gegönnt. Der Hass aus der politischen Klasse, den er vernimmt, setzt sich zu einem Teil aus seiner Selbstwahrnehmung und zu einem anderen Teil, aus einer beabsichtigten Vergrößerung der Wahrnehmung des eigenen Tabubruchs zusammen. Objektiv erhielt Sarrazin nämlich genau so viel freundliche und freundschaftliche mediale Unterstützung (die FAZ übte gerade wieder und bringt, zum Ausgleich ein wenig Kritik) und selbst von den meisten Kritikern eher sachliche Kritik und eben keinen persönlichen Anwurf, den, off topic, z.B. in diesem Thread, „Mh“, wählte und übte. - Nur so weit das Denken und die Meinungen weit auseinander gehen, hier aber, im Thread zusammen kommen, gilt auch, dass das kleine Karo schon bei geringem Abstand im Auge des Betrachters uni wird, und daher mehr etwas über die Verwechselung von Personalisierung und Sachlichkeit des Kommentators „Mh“ aussagt, so, wie Sarrazins unsägliche Größenfantasie in der FAZ etwas über seine Geisteskindschaft.

Seltsame Vorstellungen hat Herr Sarrazin von der Inquisition, denn ein Autodafé, nebst Aufforderung alle Medien die ihn drucken, senden und verbreiten, abzuliefern und zu vernichten, war ja der Kanzlerin diplomatisches Wort, „nicht hilfreich“, -man möchte ergänzen, nicht edel und auch nicht gut-, und ihre Entschiedenheit einen solchen Wälzer nicht selbst lesen zu wollen, eher nicht. Noch einfacher denkt er von der Art und Weise seiner Buchveröffentlichung, die doch mit sehr viel Aufwand (Werbung, mediale Begleitung) vorbereitet, dann fort geführt wurde, bei der den Verlegern schon bei der Planung klar war, das kommt unbedingt an. - Ob so erfolgreich, wie es dann eintrat, das mag Verlagsgeheimnis bleiben.

„Der Hass aus der politischen Klasse und einem Teil der Medien zielt ebenso wie die emotionale Zustimmung des überwiegenden Teils der Bürger offenbar auf denselben Sachverhalt: Ich habe etwas gesagt, das man aus der Sicht der einen keinesfalls denken geschweige denn sagen darf, und eben der Umstand, dass ich dies gesagt habe, löst die Begeisterung der anderen aus.“, so schreibt Thilo Sarrazin.

Dann kommt der maßlose Satz, der hier Jakob Augstein reagieren ließ. Es stimmten alle Zahlen und die Zitierten hätten, -entgegen der Realität-, laut zugestimmt. Das genaue Gegenteil passierte.

Dafür gibt es aber andere, vor allem aus dem Medienbereich, aus dem erstaunlich viel Zustimmung und Förderung kam, die ohne lange Nachdenklichkeit viel Glaubwürdigkeit attestierten, und, wie z.B. der Chefredakteur der ZEIT, selbst das „Blech“ noch adelten (Genetik, Sozialdarwinismus, selbst verfeinerte Statistik, Zirkelschlüsse, fehlende Kenntnisse, die in ihrer Eintrübung nicht einmal durch einen Versuch, sie sich redlich zu besorgen, gemindert wurden), weil man das auch mal sagen dürfe. - Gut, Ausglitscher passieren einem jeden Menschen regelmäßig. Nur zugeben muss man es. Nichts davon findet sich bei unserem geistigen Scheinriesen. - Liegt es daran, dass diese Welt, medial, sowiso einen Hang nach dem Halbseidenen und nach der Erscheinung, dem Anschein hat?

Die These von der Verleumdungskampagne und der beispiellosen Rufschädigung, von Thilo S. erneut gepflegt, konterkariert er gleich selbst, denn, „Bei einem kleinen Verlag, der nicht schnell hätte nachdrucken können, wären mein Buch und ich damit erledigt gewesen; denn niemand mehr hätte das Buch kaufen können, um sich selbst von seinem Inhalt zu überzeugen. Die Deutsche Verlagsanstalt (DVA) aber überschwemmte nach einer Schrecksekunde, die circa vierzehn Tage dauerte, den Markt förmlich mit Büchern....“ Genau so, war es geplant und werberisch vorbereitet.

Geradezu lächerlich mutet allerdings die ganze Rhetorik um den Mut und Tapferkeit der eigenen Person an. - Die Kritiker aber, allesamt haben sie sein Buch nicht gelesen, es nicht verstanden. Kein Jota müsse er davon zurück nehmen. Keine Statistik sei falsch. Keine These ohne guten Beleg. Er sei der Besen und kehre aus. Nur die Besen, die bei ihm einmal ein wenig auszukehren wünschen, die sind allesamt unbelesen und sturzdumm.

„Die wachsende Zustimmung für mich und mein Buch kam auch aus der Wahrnehmung, dass ich bekämpft wurde, weil ich in einigen Fragen das von vielen Bürgern wahrgenommene Kartell der politischen Korrektheit verließ, und aus der Erleichterung, das es durch mein Buch möglich wurde, Fragen anzusprechen, die für lange Zeit im politischen Diskurs gesperrt schienen. Diese Erleichterung und die damit verbundene Zustimmung für mein Buch ziehen sich übrigens quer durch alle Bildungsschichten, Altersgruppen und parteipolitischen Richtungen.“ - Genau darum geht es Sarrazin und jenen, die ihn stützen, um „Erleichterung, das es durch mein Buch möglich wurde, Fragen anzusprechen, die für lange (Hier steckt die Botschaft, Freunde und Freundinnen, und jene die sich immer alles in Feindschaft, Gegnerschaft und Hass ausdenken müssen!) Zeit im politischen Diskurs gesperrt schienen.“

„Manches starke Wort der letzten vier Monate wäre ohne mein Buch wohl ungesagt geblieben. Aber über Worte ging es bislang eben nicht hinaus, in der Sache hat sich noch gar nichts geändert. Viele Politiker warten offenbar darauf, dass die durch das Buch ausgelöste Resonanz im Windschatten der nächsten Aufregung verschwindet.“ - Da will einer mehr, wünscht es sich zumindest, ganz im Sinne der Dinge, die doch so lange nicht mehr gesagt werden durften, ganz im Sinne der Denkweise vor langen Zeiten, an die die Erinnerung zur Zeit verblasst, die, manche mögen sich erinnern, zu Taten beständig aufforderte.

Dann müssen wir noch auf den Divan, zu Goethe und es wird nun richtig kulturell. So, wie schon mit dem mittlerweile berühmt, berüchtigten Tremolo Sarrazins zum gleichen Nachtlied Nummer II, entlarvt er sich als recht eigentlicher Goethe-Zitat Banause. Denn das genaue Gegenteil dessen, was Thilo Sarrazin zum Divan sagt, hatte Goethe mit dem Divan und mit der Nachschrift zur Erklärung im Sinn. Gottes Name, wie auch immer geschrieben, aber eben in Orient und Okzident je anders, ist für ihn der Name des All-Gemeinen und wirklich nicht mögen (schätzen, abschätzen, einschätzen), sofern das bei Goethe überhaupt eine ernsthafte Kategorie ist, kann er die Ungläubigen.

In der Nachschrift erweist sich Goethe übrigens als staatstreu, nationalselig, nationalreligiös, und als Liebhaber eines Fürsten, dem so viel Hof zur Verfügung steht, dass er davon die Dichter ernähren kann. - Einer unter vielen Gründen, die sich dort finden lassen, als Anlass für die eher willkürliche Verehrung Altpersiens. Allerdings, kann man nicht, wie Thilo S. es zwecks Klitterung versucht, aus dem vorgestellten Gedicht Talismane ableiten, es ginge um die Herrschaft des Islams.
Daher passt, „...ist nämlich eine freie Übersetzung der zweiten Sure des Koran. Übersetzt man Gott mit Allah, dann ist dieses Zitat Ausdruck des umfassenden Machtanspruchs des Islam.“, zum ubiquitären Vorgehen im wirkmächtigen Aussterbe-Buch.

Ganz im Gegenteil. „Talismane“ ist, mit den altpersischen Dichtern (Sängern) im Einklang, eine leise Kritik an der überall gegenwärtigen Rede und Sprache von Gott. So muss das Ende der Talismane mit bedacht werden. Es lautet: „Du danke Gott, wenn er dich preßt,/Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt“. Es geht nur um die Namen für den Einen und die lauten im Orient z.B. Allah und bei uns, je nach Behuf und Belieben, Gott, Jesus, Heiliger Geist, höheres Wesen, JHWH. Es geht um den Zugriff dieser Art Sprache, weltweit, im Norden, wie im Süden, um die 1830er Jahre. Heute ist es nur durch die Erfahrung der Geschichte seither, ein wenig gemildert und gemäßigt, noch genau so. Atemholend allerdings, ist nämlich das Leben wunderbar gemischt und nicht sarrazinisch sortiert. Darauf kommt es an!

Frohe Weihnacht, glückliche Sonnenwende

Christoph Leusch

mh 25.12.2010 | 21:35

das ist mir zu zeitgeistig und unterstellt, dass es kein staatliches einflussstreben über das legimitierte hinaus gibt. und just ändert sich die zustimmung nun auch gerade dann, wenn der staat seine legitimationen zu erweitern gedenkt .. nämlich in bereiche, die dem sogeschimpften bürgertum zugehörig sind.

hätte JA einen intelligenten text verfassen wollen, hätte er sich mit der wechselwirkung dieses staatlichen strebens und dem, was thilo auslöst, beschäftigt .. denn da dürfte der knackpunkt zu finden sein und in diesem sinne ist es nahezu ein gnandenakt der faz, diesen aufstand gegen das establishment, den sloterdijk im vorfeld bereits forderte, nun weiter zu befeuern.

spannend wirds, wenn man die banal-linke empörung, die sich in blättchen wie dem freitag und der taz kanalisiert, nur noch als zusätzlichen brandtreiber zu definieren beginnt .. dann sehen frontkämpfe nahezu martialisch aus und es könnte beginnen klar zu werden, warum gerade die schwächsten hinten runter fallen und absolut gar kein standing mehr in diesem land haben .. außer den alibibekundungen bspw. der gewerkschaften .. deren hauptjob aber nicht bei jenen liegt, die nichts mehr zu verlieren haben.

was hier getrieben wird, und das kann sich JA ruhig mal aufs brot schmieren, ist ein von links legitimiertes bürgerliches treten nach oben .. und man kann klassenpolitisch ruhig festhalten, dass sich die linke bereits seit längerem mindestens noch in die subgruppierungen der hoffenden und der hoffnungslosen unterteilt .. das, dürfte die größte leistung von hartz IV gewesen sein. ich zweifel nur daran, dass es wirklich jemand beabsichtigt hat. so clever ist auch die dröge merkel nicht.

und wen bedient thilo denn nun? die hoffnungslosen linken bekommen eine seichte erklärung. die hoffnungsvollen linken bekommen etwas zum empören und abgrenzen nach unten wie nach oben während sich die mittelschicht in ihrer aktuellen bedrohungslage einen schuldigen zurechtlegen kann, auf den sie nicht eindrischt ... sondern durch den sie auf die politische kaste eindreschen kann. die schuldverteilung überspringt die beschuldigten und macht sie zu opfern des systems.

entsprechend wenig hilfreich, und gar dümmlich, empfinde ich das hier vorgelegte pamphlet .. würde man JA absicht unterstellen, so wie er thilo absicht unterstellt, wäre in meinem kontext eindeutig, dass JA versucht die hoffnungsvollen linken zu bedienen. also die, die noch genug kohle haben sich nen linkes medienprodukt zu leisten.

liberal ist weder der text, noch was man darauf basierend unterstellen kann. das ist nunmal alles links, egal wie man es dreht .. interessant daran ist nur, an wen sich JA da immer so wendet.

mfg
mh

C.K. 25.12.2010 | 22:04

Wenn S. schreibt, dass niemand seine Fakten bestreite, dann heisst das genau das.
Und wenn Experten kohortenweise seine Schlüsse bestreiten, dann ist es genau das: nicht das Bestreiten von Fakten, sondern von Schlüssen.

Also lügt Sarrazin nicht. Er nennt aber anderes nicht, was sicherlich dahin gehört. Aber genau das: Ich wurde kritisiert, aber MEINE FAKTEN stimmen, das wollte Sarrazin sagen.

Dieser Artikel hier ist in seiner Kernthese leider falsch.

(Im übrigen, an Hardy Prothmann: Sie zitieren aus dem Schirrmacher-Artikel nicht die entscheidenden Passagen. Schirrmacher schreibt von "Biologismus" und "fataler Irrweg", der ganze Artikel vom 31.8. ist ganz schweres Geschütz gegen Sarrazin.
Wenn man das verstanden hat, und dann noch ein Interview dazu, dann versteht man auch, warum nun dieser Artikel erscheint.)

j-ap 25.12.2010 | 22:09

Links? Wo liest Du hier Linkes, mh?

Ich lese hier größtenteils Exorzistengeschnatter, das an Thilo Sarrazin an Bösem aus- und d.h. an Moral eintreiben will, was einem am bürgerlichen Subjekt schon nicht ganz geheuer sein kann, ohne daß die meisten genau wüßten, woher »das« kommt.

Links wäre gewesen: Ach, schaut mal, der Thilo (ergänze: der Jürgen) wieder. Macht sich Sorgen um das »Land« (ergänze: die »Politik«), der alte Wurschtel — ja ist das denn die Möglichkeit? Möge die Bundesrepublik Deutschland mitsamt ihrer Statistiken, der Bundesbank und dem höheren Verwaltungsdienst geschlossen zur Hölle fahren und dort in Frieden ruhen!

Tycho 25.12.2010 | 22:24

Lieber M.H.,

erfrischend ist der Disput mit Herrn S. nur in den wenigsten Momenten. Wenn dieser nämlich aus cosmopolitaner Kehle sanft formuliert entfleucht.
Das war, in der Tat, nur selten zu sehen, doch hilfreich, das Buch Deutschland schafft sich ab, in the long term, einordnen zu können.
Hmmja, in dreissig Jahren wird es auf einer Time Life Video DVD gewiss eine Randnotiz einnehmen.
Hoffentlich im Schatten wesentlich erfreulicher Ereignisse.

Ohja, littl' ol' Germanien wird es dann wohl auch noch geben.

Hardy Prothmann 25.12.2010 | 22:38

Guten Tag!

Ich halte diese Passagen nicht für die "entscheidenden", wenn man sie im Zusammenhang mit der Betonung der "positiven" Sichtweise auf Sarrazin durch Schirrmacher betrachtet.

Ich verstehe den Artikel anders als Sie, C.K. - ich halte ihn nicht für ein "schweres Geschütz" gegen Sarrazin, sondern sehe eher eine Unterstützung, Sarrazin gesellschaftsfähig für eine Art elitenkonservativer Kreise zu machen.

Genau in diesem Zusammenhang sehe ich auch den aktuellen Artikel von Sarrazin in der FAZ.
Schirrmacher ist nicht so dumm, irgendwelche blöden "Gen-Debatten" zu führen, die auf der "biologistischen" Schiene laufen.
Er ist aber sehr interessiert daran, diese Debatte auf der "sozialen" Ebene zu führen. Heißt: Intelligenz vererbt sich durch Eliten, zu denen er sich zweifellos zählt und dieses gilt es zu fördern.

Der Rest ist degeneriert, schreibt Schirrmacher.

Wenn die Position Herrn Schirrmachers in dem mdr-Interview ehrlich wäre, dann wäre dieser Text von Herrn Sarrazin nicht in der FAZ erschienen, ob am 24. Dezember oder zu einem anderen Datum.

So gesehen versteht man, warum nun dieser Artikel erschienen ist.

Beste Grüße
Hardy Prothmann

C.K. 25.12.2010 | 23:05

Guten Abend,

ich lese Schirrmachers Text anders. Die Attribute "Biologismus" und "Eugenik" (deren Bezug zum Urheber Sarrazin unterschlage!) sind in Deutschland das schlimmste, was Sie einem Autor unterstellen können - schlimmer als "Rassismus".
Vorher heisst es, S. lasse sich Hintertüren, belege nicht zuverlässig, beantworte eine wissenschaftlich völlig offene Frage etc.

Was ist denn dann aus Ihrer Sicht "Ein fataler Irrweg" - Titel des Textes? Was meint Schirrmacher mit "fatalem Irrweg"?

Beste Gruesse
C.K.

C.K. 25.12.2010 | 23:05

Guten Abend,

ich lese Schirrmachers Text anders. Die Attribute "Biologismus" und "Eugenik" (deren Bezug zum Urheber Sarrazin unterschlage!) sind in Deutschland das schlimmste, was Sie einem Autor unterstellen können - schlimmer als "Rassismus".
Vorher heisst es, S. lasse sich Hintertüren, belege nicht zuverlässig, beantworte eine wissenschaftlich völlig offene Frage etc.

Was ist denn dann aus Ihrer Sicht "Ein fataler Irrweg" - Titel des Textes? Was meint Schirrmacher mit "fatalem Irrweg"?

Beste Gruesse
C.K.

C.K. 25.12.2010 | 23:06

Guten Abend,

ich lese Schirrmachers Text anders.

Die Attribute "Biologismus" und "Eugenik" (deren Bezug zum Urheber Sarrazin unterschlage!) sind in Deutschland das schlimmste, was Sie einem Autor unterstellen können - schlimmer als "Rassismus".
Vorher heisst es, S. lasse sich Hintertüren, belege nicht zuverlässig, beantworte eine wissenschaftlich völlig offene Frage etc.

Was ist denn dann aus Ihrer Sicht "Ein fataler Irrweg" - Titel des Textes? Was meint Schirrmacher mit "fatalem Irrweg"?

Beste Gruesse
C.K.

j-ap 25.12.2010 | 23:11

A propos good ol' Germany:

Da ich mich im Augenblick in Reichweite eines Fernseher befinde, habe ich nach Monaten blöderweise wieder einmal durchgeschaut, was so »läuft«.

Und was sehe ich? Heidi!

Ja ist das denn zu fassen? Ein verfilmter Faschistenromanan an Weihnachten, wahrscheinlich auch noch 'pädagogisch' empfohlen.

Warum lese ich darüber nicht endlich einmal was in den deutschen Feuilletons?

weinsztein 26.12.2010 | 04:55

Sarrazin FAZ

Was am Ende bleibt: die FAZ nimmt Schäden an ihrer Seriosität in Kauf.

Die FAZ bedient die verängstigte Mitte ihrer Leserschaft, die FAZ-lesenden höheren Sachbearbeiter und Abteilungsleiter, die der Elite zustreben, nie dazu gehören werden und die den Absturz fürchten.

Der Beitrag von Sarrazin in der Weihnachtsausgabe der FAZ dürfte deren Auflage kurzfristig stabilisieren. Kurzfristig. Langfristig wirkt der Schaden, weil sie einem Lügner wie Sarrazin das Wort erteilt hat. Und Sarrazin darf sich an den Fotos laben, die ihn als Weihnachtsmann vorm Glühweinstand oder auf Karusells zeigen.

archinaut 26.12.2010 | 06:14

Lieber weinsztein,
nachdem ich inzwischen auch den Spiegel-Artikel von Jan Fleischhauer ("Linke beschreibt er als vielfach rechthaberisch und humorlos,"steht bei wikipedia!-)) gelesen habe, drängen sich drei Vermutungen auf:
1. Sarrazin ist bei den Medien zum Joker geworden.
2. Sarrazin gehört in den Jahresrückblick.
3. Vor Sarrazin liegt eine Zukunft wie sie der Hamburger Richter Schill erleben durfte, aber will Sarrazin denn nach diesen Sternen greifen?

Weihnachtsgrüße in die Sonne

Avatar
belle-hopes 26.12.2010 | 10:55

Warum Zeitungen tun was sie tun fragt sich nicht nur bei der FAZ warum sie unter ihren Möglichkeiten bleiben, sich dem Populismus verschreiben, das Wort Niveau scheinbar vergessen haben. Dass Sarrazin zwischen den Jahren nochmal eine Lobby erlebt darüber ärgere ich mich auch. Und ich sehe im Geschäftsführer- Text nichts billiges, wie hier zum Teil vorgeworfen. Aber mit der Aussage zu kommen, man wäre nicht geübt im Umgang mit der Lüge, das ist so falsch, falscher geht es kaum. Deutschland ist verlogen, Parteien sind verlogen, Bürger, Blogger. Wird das hier nicht oft genug gesagt, dass alles so unehrlich sei (und sich damit selbst widersprochen), oder ist das ein Versuch der Bloßstellung von Sarrazin (dann ist dieser Versuch nicht gerade niveauvoll und wohl dem Mainstream der User angepasst). Könnte man nur die FAZ- Macher fragen. Wäre es möglich die Macher aller Printmedien mal fragen, warum sie tun was sie so tun. Der Kommentarstrang hier jedenfalls erinnert mich an "es wurde gerufen und es wurde erhört", und man zeigt sich wie immer großartig im Selbstbeweihräuchern und Draufhauen, denn der Linke- Begriff ist nicht geschützt. Ja, der FAZ- Artikel ist ärgerlich. Aber mit einem halbwahren Konter darauf reagieren auch.

Grundgütiger 26.12.2010 | 12:06

Danke, jetzt kann ich wieder ruhig schlafen belle hopes.
Ihre Kunstwerke haben wie immer, jede Menge Form, schade keinen Inhalt.
Erklären Sie bitte niveavoll die Welt, bitte, bitte. Jetzt wurde doch gerufen, und auch Sie haben gehört.
Was isser den nun, der Sarrazin, ein begnadeter Idiot, oder ein Zeilenfüller für die FAZ, der einem verzweifelten Reakteur Weihnachten rettet? Oder wohnt der bei Ihnen nebenan?
Gut das ich Weihnachten immer so milde gestimmt bin.
Mit lieben Grüßen, ein verlogener Blogger.

Hardy Prothmann 26.12.2010 | 13:33

Guten Tag!

Auch Herr Schirrmacher lässt sich viele "Hintertürchen" offen - deswegen erkennt er das auch bei Herrn Sarrazin.

Ein Beispiel: Was Sie lesen und was Herr Schirrmacher schreibt, ist nicht ganz deckungsgleich:
"Und auch das ist eine der Hintertüren, die Sarrazin sich offenlässt: ein Buch, das faktisch für eine eugenische Demographie plädiert, hätte den Begriff verhandeln und im Sachregister aufnehmen müssen, statt ihn verschämt als Adjektiv im Strom der Gedanken untergehen zu lassen."

Herr Schirrmacher wirft Herrn Sarazzin beim besten Willen keine "Eugenik" vor, sondern "Verschämtheit". Herr Schirrmacher fordert geradezu die Behandlung des Begriffs.

Die Überschrift allein erklärt sicher niemals den kompletten Text - und im Text wird "fataler Irrweg" keineswegs auf Sarrazin bezogen, sondern auf die Gesellschaft insgesamt:
"Und dieses Beispiel ist auch die Antwort an Sarrazin. Er hat recht in vielem. Aber seine Antwort ist so radikal, dass sie vor muslimischen Milieus nicht haltmachen wird. Sie betrifft alle, das sollten seine Anhänger wissen. Es ist ein Symptom, dass eine demographisch verwundete Gesellschaft ihren Ausweg in der Biologie sucht. Es ist ein fataler Irrweg."

Meiner Auffassung nach, ist Herr Schirrmacher sehr zufrieden mit den "Hauptargumenten" (Er hat recht in vielem) - warnt aber vor dem "Ausweg in die Biologie" als "fatalem Irrweg".

Weil er weiß, wie menschenverachtend der ist.

Lesen Sie es wie eine Korrektur: Schirrmacher sagt, stimmt, stimmt, recht hat er und hier und da sollte er nochmals korrigieren, weil man sich sonst von ihm abwendet.

Das Ergebnis der Korrekturen ist im Text vom 24. Dezember 2010 zu lesen. Kein Wort über "biologische Zusammenhänge". Lektion gelernt. Sarrazin ist auf dem rechten Wege.

Beste Grüße
Hardy Prothmann

mh 26.12.2010 | 13:42

"Auch Herr Schirrmacher lässt sich viele "Hintertürchen" offen - deswegen erkennt er das auch bei Herrn Sarrazin."

ich bekomme bei solchen aussagen bauchschmerzen.

zum einen muss man selbst keine hintertürchen offenlassen, um die der anderen zu erkennen und, was noch viel wichtiger ist, wer keine hintertürchen offen lässt, vertritt absolute wahrheiten und die gibt es nicht im menschlichem dasein.

mfg
mh

mh 26.12.2010 | 13:53

ich würd dir ja zustimmen, wenn JA hier nicht eine andere zeitung angegriffen hätte, die mit ihrer sonntagsausgabe quasi in konkurrenz steht und, ich würde das vielleicht übersehen, wenn JA hier nicht anderen den mund verbieten wollte.

ich denke nicht, dass es legitim ist ein verleger einer zeitung zu sein, die wikileaks in den himmel hebt und appellierend verteidigt, von der freiheit schwadroniert und dann als privatperson anderen den öffentlichen mund zu verbieten.

das ist nicht nur ein widerspruch, es ist etwas, was vom verhalten sehr nahe einer lüge kommt .. denn schlussendlich zeigt sich hier nur, dass es um interessen- und meinungsgesteuertes verhalten geht.

nur wenn man freiheit will, dann muss man die auch für alle wollen und nicht nur für jene, die einem ins weltbild passen.

es ist dieser widerspruch, der hier den widerspruch verlangt.

mfg
mh

C.K. 26.12.2010 | 14:05

Guten Tag Herr Prothmann,

sind wir uns nicht einig? Ich sagte: Schirrmacher wirft Sarrazin Eugenik vor. Sie zitieren: Schirrmacher wirft Sarrazin, dass Sarrazin "faktisch für eine eugenische Demographie plädiert".

What´s the difference?

Wir werten anders. Ich sage: S. kritisiert S. so, wie man es unter gebildeten Menschen nicht härter machen kann. Dabei, das bestreite ich übrigens nicht, gibt S. S. in vielen Punkten recht.

Sie sagen: S gibt S recht und gibt ihm eine Hilfestellung ("Lektion gelernt").

Indes, woher nehmen Sie die Intention Schirrmachers? Ich halte das für eine Unterstellung. Und, ganz ehrlich, solange sie sowas nicht belegen können, bezeichnen Sie es bitte als Vermutung oder liefern Sie Belege.

Es gab zwischen Ende August und Heiligabend noch ein Interview, das ist das Zwischenstück, das ich meinte. In diesem Interview sagt Schirrmacher zu Sarrazin sinngemäß: Warum haben Sie uns nicht gesagt, daß dies alles nicht biologistisch gemeint war? (Kann sein, daß das Interview nur im Print war, ich weiss es nicht.)

Es ist genau andersrum, nach meiner Interpretation: Schirrmacher ist Sarrazin erst hart angegangen, das war nämlich die erste Welle der Empörung in den Medien. Wenige Wochen später erschienen dann weit weniger empörte Texte (auch und gerade in anderen FAZ-Ressorts!), danach ist Schirrmacher dezent zurückgerudert. Weil er nämlich im Artikel vom August selbst zu weit gegangen ist. Es steht nämlich alles eben nicht so in Sarrazins Buch, es sind Interpretationen Schirrmachers. Interpretationen eines Artikels vom August, der aufdeckenden, überführenden Charakter haben sollte: "Guckt, ein Eugeniker! Er schämt sich nicht, es zu verbergen!"

Gruesse
C.K.

horest 26.12.2010 | 15:16

Man kann den Hugenotten Sarrazin zwar kritisieren. Aber wenn, dann richtig. Und zwar auch mit voller Berechtigung seine Verirrungen und Verhedderungen in den Biologismus. Das hätte er wirklich lassen sollen. Damit hätte er sich zumindest einen Teil der Aufregung und Empörung, die er dadurch losgetreten hat, erspart. Zumal die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse auf dem Felde der Intelligenzforschung, "Was und wieviel der entsprechenden Fähigkeiten sind vererbt oder erworben", noch lange nicht auf gefestigtem Boden steht. Wie leicht tappt man dort in die Falle, kulturell tradierte Verhaltensweisen als genetische vererbte Anlagen mißzuverstehen.
An dieser Stelle muß ich zugeben, dass ich Sarrazins Buch auch nicht gelesen habe und wahrscheinlich auch nicht lesen werde. Muß auch nicht unbedingt sein, um an der Diskussion über die Inhalte teilzunehmen - zumindest dann nicht, wenn man sich zuvor mit dem Thema und den Fragen und Probleme, die damit verbunden sind, ausgiebig befasst hat.

archinaut 26.12.2010 | 15:59

Werter mh,
"....sicher nicht nur von sarrazin allein."
Nein, damals war Sarrazin nicht allein,
er hatte Rückendeckung der Berliner Granden und sollte den Augias-Stall ausmisten (verrückt hohe Zuschüsse zu den Mieten im sozialen Wohnungsbau, ein Relikt der Westberliner Steuersparmodelle).......
Ob das Ausmisten immer noch seine Mission ist?
Heute müsse andere bei der Howoge ausmisten:

www.morgenpost.de/berlin/article1428772/Thilo-Sarrazin-empoert-die-Opposition.html

Leider ticken noch weitere sarrazynistische Zeitbomben in Berlin:

"Mietwucher in Sozialwohnungen könnte Dauerproblem werden" schreibt der Tagesspiegel:

www.tagesspiegel.de/berlin/mietwucher-in-sozialwohnungen-koennte-dauerproblem-werden/1876322.html

Fro 26.12.2010 | 16:17

Ja, was sollte Sarrazins Feuilletonbeitrag zu Weihnachten? Ich nehme mal an, er sollte zum Fest der Liebe eine Versöhnung mit der Person Sarrazins und seinen absurden Thesen bewirken – aus welchem Grund auch immer – vielleicht will er ja doch noch in die aktive Politik oder nächstes Jahr ein neues Buch rausbringen. Die Weihnachtsmannmütze haben sie ihm wahrscheinlich einfach aufgesetzt, weil sie Sarrazins Text irgendwie mit Weihnachten in Verbindung bringen mussten.

Wenn die FAZ meint, Sarrazins Ansichten und Anliegen verbreiten zu müssen, muss sie sich die Frage gefallen lassen, worin ihre Motivation liegt, einen dermaßen niveaulosen Autoren zu hofieren – das ist doch das eigentlich Peinliche. Die FAZ-Verantwortlichen haben anscheinend überhaupt kein Berufsethos mehr. Hier wird mit einer politischen Strömung sympathisiert und kooperiert, die es nicht gut mit unserer Demokratie meint. Das ist der Skandal. .....den aber wahrscheinlich in diesem Lande der untertänigsten Untertanen kein Schwein interessiert – weil es ja so alltäglich ist.

Die Person Sarrazin findet nach meinem Geschmack viel zu viel Aufmerksamkeit.
Wer macht was und wofür, aus Sarrazins Thesen – das ist m.E. die interessante Frage.
Er hätte keine Chance auf Verbreitung gehabt, wenn er nicht die mediale Unterstützung gehabt hätte.
Sarrazin ist nur der Frontmann. Er will die Menschen in Angst versetzen um (nicht nur) seine Thesen in den Köpfen und Emotionen der Menschen zu verankern.
Was soll der aufgeklärte Bürger und Politiker da tun? Den dauererregierten Zeigefinger auf ihn richten? Oder in der gebotenen Kürze den Schwachsinn widerlegen um sich dann ausgiebig um die Probleme zu kümmern, um die es da geht?
Vollkommen unverständlich, dass diese Sarrazin-Debatte nicht genutzt wurden, um eine bundesweite Kampagne für eine grundlegende Reformierung und eine deutlich bessere Ausstattung des Bildungssystems ins Leben zu rufen...... und staatlich finanzierte Kita-Plätze mit sprachlicher Förderung zu fordern...

miauxx 26.12.2010 | 16:17

Sarrazin hat seinem privaten Unmut über ein "verfallendes" Deutschland final in Buchform Luft gemacht. Da konnte man keine "wissenschaftlich fundierte" Abhandlung erwarten.
Dass er dafür so viel Aufmerksamkeit geerntet hat, ist der Mist daran. Aber leider funktioniert das ja immer so. Wenn einer einen gewissen Namen in der Öffentlichkeit hat, kann er einen Furz lassen und auch dieser wird eingerahmt.

Ansonsten: In jüngerer Zeit hier selten einen so angriffslustigen und emotional motivierten Kommentar der Redaktion gelesen. Gefällt mir gut!

Frohes Fest noch!!

miauxx 26.12.2010 | 16:32

@liebling
Jaja, der Sarrazin hat ja nur recht und sich im emotionalen Überschwang - weil es doch nun mal endlich einer sagen muß - zu einigen "verirrten" Auslassungen hinreißen lassen, über die man getrost hinwegblicken kann. Ansonsten haben ja auch alle geglaubt, wir leben in einem prima Multikulti-Land.

@horest
Ich glaube nicht, dass man von "Verirrungen" Sarrazins sprechen kann. Der wußte schon, was er tut.

Magda 26.12.2010 | 17:46

@ mh - "sehenden auges und sicher nicht nur von sarrazin allein."

Das klingt immer, wie in der Kirche. Hast Du Dich spekulativ verzockt (allein oder mit anderen)?.
Wie auch immer, wer den Sarrazin beobachtet hat, da sprach ein sehr machtbewusster Mann (Demagoge), der sich hin und wieder auch nicht um sein Geschwätz von gestern scherte. Um den gehts und nicht um potentielle Rechenfehler. Auch mit :-p und :-))

Wahr ist, dass die alle privatisierungs- und renditebesoffen waren.

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belle-hopes 26.12.2010 | 18:17

Nein, liebe Magda, wenn Sie seine Abrechnungen mit dem deutschen Wortschatz gelesen haben sollten, dann werden Sie zugeben, dass er mit dem Wort "irgendwie" so unzufrieden war wie mit dem Wort "eigentlich" oder "dienstlich". Aus dem Stegreif kann ich es nicht wörtlich wiedergeben. Es war ihm aber zu halbseiden. Und das ist damit gemeint, das steht auch so deutlich in meinem Kommentar. Schön geschrieben in "Sprache ist eine Waffe". Ansonsten: Danke.Gut.Und selber?

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belle-hopes 26.12.2010 | 18:44

Abgesehen davon sollte man sich vielleicht mal von dem Schubladendenken lösen, das links mit altertümlichen politischen Sitzordnungen bezeichnet und alles einschließt, was dazu gehört(e). Links ist im besten Sinne, und darauf legen ja viele hier theoretisch wert, reflektiertes Denken und Handeln; insofern war Tucholsky links und authentisch, weil gegen den Faschismus wie gegen kommunistische Ideologie. Großen Denkern steht ja zu Buche, dass sie manch nachfolgenden Generationen voraus sind. Was vielleicht auch Tucholsky´s Altersschwermut erklärt, wer kanns ihm verdenken.

mh 26.12.2010 | 19:14

nunja magda ... wenn du den sarrazin allein angreifst, muss man ja zwangsläufig noch die anderen erwähnen, die da mitschuld tragen. und das nicht zuletzt deswegen, weil die sich in großen teilen zur wiederwahl stellen.

in einem interview bei phoenix, einige zeit vor dem buch, hat sarrazin das thema mal behandelt .. da ging es um korrupte behörden und interessen, gegen die er sich durchsetzen musste. und dann gewann er doch glatt noch eine klage, die er angeblich gar nicht gewinnen konnte ... aber auch nur, nachdem er einen anwalt nahm, der nicht von seinen gegnern bestimmt wurde, wie rein formal der fall gewesen wäre.

ich weiß so sachen noch, im tagesspiegel und der morgenpost werden sie nicht erwähnt. nur, das alles hätte viel besser werden können.

ich halte das schlichtweg für einseitig ... auch wenn das dann wie in der kirche ist.

mfg
mh wenigstens sind keine kinder spiel, oder?

Dion 26.12.2010 | 20:21

FAZ weiß genau, was sie tut. Sie ist eine konservative Zeitung für Eliten, die Sarrazin für sich gewinnen will. Deshalb war es nur konsequent, den Text dort zu veröffentlichen und nicht etwa in der Süddeutschen. Da würde ihm ganz anderer Wind entgegenwehen als in der FAZ. Sarrazin weiß eben, wo seine ideologische Heimat liegt bzw. wessen Geisteskind er ist.

Columbus 26.12.2010 | 20:44

Kinderlach, lieber Mh,

Da, wo es zu Weihnachten persönlich wird, da entlarvt sich recht eigentlich, wo viel entspannter Dampf aufsteigt und nur gerade vorher sich selbst noch angetrieben hat.

Herzlichst und guten Rutsch
Christoph Leusch

PS: Schade, das Sie immer so auf Krawall gebürstet sind und offensichtlich, wie ich ja oben schon schrieb, die Ebenen der Unterhaltung kontinuierlich verwechseln. - Aus diesem Grunde müssen aber auch solche Anwürfe als wenig satisfaktionsfähig gelten. Anders ausgedrückt: Sie kennen eben nur eine Konnotation. Das ist ganz furchtbar schade.

Ich glaube ja, dass Sie sich sachlich mit jemandem auseinandersetzen können. Nur mit wem?

Magda 26.12.2010 | 21:06

"insofern war Tucholsky links und authentisch, weil gegen den Faschismus wie gegen kommunistische Ideologie."

Damit ist er vor allem in die heute gültigen Lesarten eingemeindet. Brav aufgesagt. Der kannte die gegenwärtig herrschenden politischen Schubladen aber noch nicht.

"Was vielleicht auch Tucholsky´s Altersschwermut erklärt, wer kanns ihm verdenken."

Welche Altersschwermut. Er war 45 Jahre alt.

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belle-hopes 26.12.2010 | 21:15

Wenn Sie Sich schon ernsthaft in dem Thema geben, dann bitte: a) war Altersschwermut durchaus ironisch gemeint, aber wie man hier sieht ist Humor keine Eigenschaft der eingesessenen Foristen; b) hat sich Tucholsky selbst ausdrücklich nicht als Kommunisten bezeichnet; c) meinte ich mit Schublade Ihre, Magda, Denkart, nicht die von Tucholsky. Von daher haben Sie Sich brav Ihrer eigenen Fehler entzogen und versucht andere Plätze zu eröffnen. Sie können sich gerne sachlich hier auslassen, ohne Ihre übliche Bosheit, dann aber auch ehrlich. Oder Sie lassen es.

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liebling 26.12.2010 | 22:13

Magda
Hier sind Menschen hergeleitet worden, nicht fehlgeleitet.

Größtenteils falsch für die überwiegende Anzahl der Stütze-Empfänger mit Migrationshintergrund hier!
Die sind überwiegend durch Familienzusammenführung oder als Wirtschaftsflüchtlinge nach Deutschland immigriert!

Wohin würden Sie denn die Migration lenken?

Auf qualifizierte Einwanderung, ähnlich wie in Kanada, Neuseeland oder Australien.

GeroSteiner 26.12.2010 | 22:15

@liebling
"...über die fehlgeleitete Migration ablenken!"

Ach.
Hier handelt es sich offensichtlich um ein fehlgeleitetes Bewusstsein. Vom "Gastabeiter" über den "Fremdarbeiter" zum "Ausländer" bis zum "Ausländischen Mitbürger", wieder zurück zum "Migranten" und ein bisschen weiter zurück zum "Deutschen mit Migrationshintergrund".

Bei manchen habe ich den Eindruck, dass sie von Wirtschaftsgütern reden, nicht von Menschen. Sie benutzen die gleiche Sprache, die aus Müll ein Entsorgungsgut macht - natürlich immer im positivsten Kontext. Klar.

Es ist für mich immer wieder erschreckend mit anzusehen, dass dieser perfide und gut getarnte Rassismus auch in der kleinsten Birne noch Platz findet.

GeroSteiner 26.12.2010 | 22:32

@mh
"hier fehlt der maßstab und zwar ganz gewaltig... wo soll das denn enden, wenn der beste freund des frauenvergewaltigers assange, einem mannsbild von pressefreiheit, hier nun plötzlich anfängt anderen medien den mund verbieten zu wollen."

Waren Sie bei der Vergewaltigung dabei oder wissen Sie's vom Hörensagen? Könnte es sich dabei auch um eine gezielte Aktion handeln einen unbequemen Menschen mundtot zu machen?

mh, Sie wedeln genauso mit "Wahrheiten" aus Sekundär- und Tertiärquellen um andere zu kritisieren. Das reicht nicht für ein "Urteil", allenfalls für eine Meinung. Die sei Ihnen gegönnt, aber bitte nicht damit missionieren.

mh 26.12.2010 | 22:33

mit menschen die etwas zu sagen haben, werter columbus. also jenen, die auch bis seite 13 und darüber hinaus lesen und nicht für sich in anspruch nehmen, für all die fachleute zu sprechen.

btw. wärste über meinen hier sehr passenden seitenhieb, der allein der faz und deinem indirekten rant gegen sie geschuldet war, hinweggegangen oder hättest dich nicht gleich angegriffen gefühlt, hät ichs mir beim nächsten mal vielleicht verkniffen. so aber, sehe ich ne menge spaßpotenzial an dir.

mfg
mh

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liebling 26.12.2010 | 22:34

archinaut schrieb am 26.12.2010 um 03:20
Der Name Sarrazin
steht für einen Vermögensschaden von 340 Millionen EUR,
der das Land Berlin belastet,
weil der Bund sich daran nicht beteiligen mag:
der gute Mann ist ein sicherer Krisengarant.....

Magda schrieb am 26.12.2010 um 11:21
Gut, dass Du daran nochmal erinnerst.

Wenn ein strammer Soze oder Linker seinen Job gemacht hätte, wäre der Schaden sicherlich vielfach größer geworden!

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liebling 26.12.2010 | 22:43

GeroSteiner schrieb am 26.12.2010 um 21:37
Verzeihung.
Macht nichts. Ist verziehen.

Nicht Ihnen werfe ich Rassisimus vor, sondern dem Rattenfänger Sarrazin und seinem nachplappernden Gefolge.

Ich denke, dass Sarrazin kein Rassist ist.
Sicherlich hat er Rassisten auf den Plan gerufen.
Aber die meisten seiner Anhänger sind auch keine Rassisten. Da sind übrigens auch 29 % der Roten/Die Linke dabei.

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liebling 26.12.2010 | 22:53

GeroSteiner schrieb am 26.12.2010 um 21:32
@mh
"hier fehlt der maßstab und zwar ganz gewaltig... wo soll das denn enden, wenn der beste freund des frauenvergewaltigers assange, einem mannsbild von pressefreiheit, hier nun plötzlich anfängt anderen medien den mund verbieten zu wollen."

Sehen Sie Herr Gero, das gleiche hatten Sie vor 5 Minuten der FAZ auch vorgeworfen.
Pecunia non olet.
derF auch?

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liebling 26.12.2010 | 22:58

GeroSteiner schrieb am 26.12.2010 um 21:48
PS. Sarrazin ist ein einfacher Idiot. Der Unterschied zu mir als Fachidioten ist, dass er mit seinen Ansichten viel Geld verdient, weil er andere Idioten findet, die seinen Mist lesen und ihn damit unterstützen.

Sarrazin ist ganz gewiss kein Idiot.
Im Gegenteil, der ist höchstschlau!
Von seine 1,2 mio. Buchkäufern sind mit Sicherheit auch nur wenige Idioten dabei.

Meine Empfehlung an Sie:
Schreiben Sie doch auch einmal ein Buch.
Vielleicht wird es auch ein Renner.:-)

GeroSteiner 26.12.2010 | 23:00

"Die müssen drucken, was der Verleger will.
Sonst fliegen die Schreiberlinge."

Soviel zum Thema "freie Presse".

Da genau ist der Ursprung all des Übels. Es gibt keine freie Presse oder keine freien Journalisten mehr. Nur noch teure und billige Presse und teure und billige Journalisten.

Jeder ist käuflich. Alles eine Frage des Preises. Damit ist auch Meinung eine Frage des Preises.

Die Propaganda ist das allgegenwärtige Mittel, die führungslose Schafherde in Sicherheit zu wiegen. Immerhin bleibt einigen noch die Wahl zwischen Scheren und Schlachthof.

Jakob Augstein 26.12.2010 | 23:03

Ja, das ist eine interessantes Thema: Die Lüge.
Wann lügt jemand? Und wann darf man ihn einen Lügner nennen?

Ich habe das Wort in meinem Artikel mit voller Absicht benutzt.

Sarrazin erweckt in dem Text den Eindruck, sein Buch sei über jeden vernünftigen Zweifel erhaben. Was meint er denn mit "Statistiken und Fakten"? Diese Worte sind nur scheinbar von absolutem Wert. Vor allem das Wort "Fakten" verrät ihn hier.

In Wahrheit nutzt er diese Worte als Manipulationen. Der Sprechakt ist kein wahrhaftiger. Sondern einer, der auf Täuschung angelegt ist. Sarrazin bedient sich der Sprach-Technologie des Demagogen. Er nutzt die Sprache nicht als Mittel der Verständigung, sondern um zu verschleiern, zu manipulieren, zu dominieren. Das ist für mich am kürzesten und prägnantesten mit dem Wort Lüge zusammenzufassen.

(Das passt auch zur Welt-Haltung, die er in seinem Text an den Tag legt und die man auch in dem wirklich guten Fleischhauer-Artikel aufspüren kann. Sarrazin sieht die anderen als Feinde.)

Ich glaube nicht, dass man dem demagogisch Sprechenden mit den Mitteln des normalen, fairen Diskurses beikommen kann.

Jakob Augstein 26.12.2010 | 23:25

... Sie benennen das ein Problem, das mir bewusst ist. Es ist das Risiko, jeder Polemik.
Vielleicht ist das am Ende eine Geschmacksfrage.
Oder auch eine des Vertrauens.
Ich würde nicht in jedem Fall auf die Form der Polemik verzichten wollen. Ich würde in Anspruch nehmen, sie verantwortungsvoll einzusetzen. Ein Risiko, wie gesagt. (Darum finde ich solche Debatte auch wichtig, als Gegenkontrolle.)

Egon-Erwin Wrobel 26.12.2010 | 23:48

D'accord. Gerade weil Journalismis mehr ist, mehr sein muss als bloße Wiedergabe von sog. Nachrichten und Informationen, gehört hierzu auch im Einzelfall eine kritische, "polemische" Volte. Im Übrigen erfolgt der Vorwurf der Demagogie bzw. schwacher, der Polemik, doch immer dann, wenn eine politische Botschaft derart gekontert wird, dass die geneigte Öffentlichkeit sich desillusioniert bis angegriffen sieht.

Da der von Sarrazin perpetuierte Diskurs nie auf einem Niveau "herrschaftskritischer Kommunikation" stand, sondern jeher bewusste Interessensdurchsetzung, ist ihm jegliche Wahrhaftigkeit abzusprechen. Sich darüber im Freitag zu echauffieren, läuft m.E. dem Geltungsanspruch der Zeitung zuwider. Als Teil einer kritischen Gegenöffentlichkeit, muss eine solche Volte sein und noch viel öfter vorgetragen werden, um aufzuzeigen, dass Verballhornung nicht überall common sense ist.

Further reading: www.prokla.de/2010/10/12/editorial-prokla-160/

Jean Brouillard 27.12.2010 | 01:05

Der Artikel von Jakob Augstein stellt etwas Besonderes in der Diskussion ausgelöst durch S. dar.

Darum ist er wertvoll.

Besonders ist, dass er nicht erst das Berechtigte an S. Aussagen hervorhebt, um dann das Unberechtigte als abzulehnen zu markieren.

Augstein hebt die von S. bei Diskussionen demonstrierte Haltung hervor: es geht ihm darum, auf Argumente einzugehen und im Sinne einer Wahrheitssuche zu diskutieren, oder die Berechtigung der von ihm konstatierten Zusammenhänge mit anderen gemeinsam zu erwägen und zu prüfen. Es handelt sich nicht um einen sokratischen Diskurs.

S. wiederholt auf jede noch so treffende inhaltliche Kritik gebetsmühlenartig irgendeines seiner problematischen Beispiele.
Aber nicht diese Haltung selbst, die nicht versucht den Gegner umzustimmen, sondern nur sich selbst durch Vermehrung durchzusetzen sucht, indem sie appeliert, ist das Zentrum von Augsteins Angriff.

Es handelt sich vielmehr um die Richtung des Appels, die gewissermaßen die von S. vorgetragene Haltung als sachlicher, ruhiger, besonnener, gründlicher Argumentierer desavouiert.
Augstein charakterisiert ihn – und dies zum ersten Mal in der öffentlichen Diskussion, obgleich dies eigentlich viel früher zu erwarten gewesen wäre – als Rassisten.

Mit dieser Charakterisierung steht und fällt die Frage der Berechtigung der Zuwendung, welche die Thesen von S. in der öffentlichen Diskussion erfahren.

Wie bereits die Berliner Zeitung kurze Zeit nach Entfachen der öffentlichen Debatte durch S. meldete, schlug sie im Alltag durch indem z. B. in Kreuzberg und Neukölln Mädchen und Frauen die Kopftücher von den Köpfen gerissen wurden. Die Strasse verstand sofort den appellativen Charakter der Argumentation von S. und denen, die ihn zwar kritisierten, aber den Ball aufnahmen und erklärten, jetzt müsse dringend über den Integrationswillen bestimmter Menschen diskutiert werden und über geeignete Maßnahmen.

Die Inkriminierten spürten und verstanden ebenso sofort, dass erneut wie in den Neunziger Jahren eine feindliche Atmosphäre, ein Kampf gegen sie initiiert wird.

Das Spezifische in den Neunziger Jahren war, dass hier noch dagegen gekämpft wurde, indem der Diskurs als rassistisch gekennzeichnet wurde.

So dass ein Ergebnis der Bestrebungen des öffentlichen Diskurses darin bestand, ein Tabu zu etablieren in Bezug auf die Gegenwart von Rassismus zu sprechen. Dabei hat sich insbesondere Herr Schäuble hervorgetan.

Die öffentliche Diskussion mit diesem Schwerpunkt verschwand plötzlich als die Regierung wechselte und offenbar wurde, dass die Verfassungsschutzbehörden durch V-Männer bestens informiert waren, welche Gruppen besonders durch Gewalt gegen Ausländer aktiv wurden.

Diese öffentliche Information beendete sehr plötzlich die tägliche rassistische Gewalt auf den Strassen und die parallele Diskussion um die Angst der deutschen Bürger vor Überfremdung.

Auch diese Diskussion hatte appellativen Charakter wie diejenige von Sarrazin, der Angst vor der Abschaffung nicht vor der Überfremdung hat.

Augstein sagt nicht mehr und nicht weniger als dass es sich um einen rassistischen Diskurs handelt und stellt uns und die FAZ damit vor die Frage, wollen wir uns an einem rassistischen Diskurs beteiligen oder nicht.

Augstein hat ein anderes Gewissen als Sarrazin.
J. B.

Jean Brouillard 27.12.2010 | 01:20

Sorry, es muss natürlich heißen:

Augstein hebt die von S. bei Diskussionen demonstrierte Haltung hervor: es geht ihm - S. - nicht darum, auf Argumente einzugehen und im Sinne einer Wahrheitssuche zu diskutieren, oder die Berechtigung der von ihm konstatierten Zusammenhänge mit anderen gemeinsam zu erwägen und zu prüfen. Es handelt sich nicht um einen sokratischen Diskurs.

beg your pardon-
J. B.

Columbus 27.12.2010 | 01:54

Mh,

Schon wieder daneben. -Sagen Sie ´mal was, anstatt zu verunglimpfen. Versuchen Sie einmal einen nicht-polemischen Satz mit gewissem Inhalt zu füllen, dann könnte man "Mh", den Mann aus dem Dunkel des Webs, ernst nehmen.

Ich wollte nur systematisch sein und nicht mit S.255ff, Kapitel 7, "Zuwanderung und Integration" anfangen, dem Thilo S., der Prol aus der Bundesbank a.D., jenes Goethe Divan-Zitat, das nun in seinem FAZ-Beitrag wiederkehrte, voran stellte. Das geht es, wie ich es schon mehrfach anmerkte, genau so weiter, mit der Lüge und der Klitterung.

Eine Kostprobe? Bitteschön!:

"Der Mensch ist ein territorial orientiertes Wesen. Diesbezügliche Instinkte sind tief in ihm angelegt.(...)
Kriegerische Ereignisse- von den Fehden um Jagdreviere der Steinzeit über die Schlacht im Teuteburger Wald bis hin zum zweiten Weltkrieg-waren zunächst und vor allem immer Kämpfe um Territorien.(...) Das Territorium war auch die Basis für das Wachsen der Bevölkerung und die Akkumulation wirtschaftlicher und politischer Macht.
Daneben ist der Mensch ein gruppenorientiertes Wesen. Die Zugehörigkeit zur einen Gruppe impliziert folgerichtig die Abgrenzung zur anderen."

Nun, das ist sozusagen der ideelle Hintergrund, auf dem die Debatte bezüglich der Migration abgehandelt werden soll. Jeder einigermaßen Gebildete erkennt die Klitterung sofort, denn für keine der Thesen gibt es auch nur eine Legende, es sei denn man beginnt wieder in ideologischen Volk und Raum Dimensionen zu denken.

Weder der wirtschaftliche Erfolg, noch der Populationsaspekt stehen in einem gesetzlichen Bezug zum Raum und selbstverständlich ist der Begriff es territorialen Kriegs im 20.Jh., aber z.B. auch schon bei Kriegen des 19.Jh., z.B. beim Amerikanischen Bürgerkrieg, durch andere Kriegsformen, z.B. den Weltanschauungkrieg, verdrängt, überlagert, ersetzt. Die neuen Kriege sind noch einmal ein anderes Thema.

Sarrazin gebraucht diese Einleitung, um uns einen grundsätzlich neuen, "alten" Umgang, seinen Umgang, mit den Fremden, den Anderen und den anders Aussehenden anempfehlen zu können. Daher geht es so weiter:

"Überall wirkt der Gegensatz von >>Die und >>Wir und schafft Bindung und Solidarität durch Abgrenzung, ist aber stets auch der Ausgangspunkt für Streit, Aggression und Gewalt."
(....)
"In deutschen Medien wird dies häufig ausgeblendet. Zuwanderungsfragen werden dort oft mit mahnend erhobenem Zeigefinger behandelt und mit einer Attitüde, die wohl am treffendsten charakterisiert wird durch das Sprüchlein: >>Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb. Dieser Ansatz ist so unhistorisch wie albern. Umso bedauerlicher ist es, dass sich die deutsche politische Klasse ihre Haltung zu Migrationsfragen weitgehend von Stimmen aus den Medien diktieren lässt. Sie läuft damit Gefahr, sich sowohl vom Kern der Probleme als auch vom Volk zu entfernen." (Sarr,S.257)

Was ist das anderes, als die Auffoderung, einem eindimensionalen, alten (das hatte ich ja oben schon hingeschrieben), völkischen Geschichts- und Politikverständnis wieder Raum und Popularität zu verschaffen?

Sprachlich versierte Leser merken schon an dem apodiktischen Anspruch, "der Mensch ist so", "überall wirkt", dann doppelt, "vor allem immer", worauf unser Banker a.D., mit Muse- und Freizeit während der Arbeitszeit, hinaus will. Die Polemik leuchtet aus dem "Piep, piep,...".

Diese Sprache kommt von ganz fern her und belebt einen Sound, den historisch gebildete Menschen kennen. Es geht auf jeder der 450 Seiten so zu!

Wenn sie mir schon keine Kompetenz zubilligen wollen, sie das also entscheiden, was soll ich dagegen noch schreiben? Dann müssen sie eben weiterhin Sarrazin zuhören und den für glaubwürdig halten. Mehr, als ein wenig auf die absurden und demagogischen Argumente dieses Mannes hinzuweisen, bleibt mir nicht. Ich kann mich ja noch nicht einmal vor ihrer Anonymität in Sicherheit bringen und fasse ihren letzten Satz als Drohung auf. - So machen das ganz dunkel und böse denkende Menschen übrigens häufig.
Das "Du" wird nicht angeboten, sondern einfach, in polemischer Absicht, nicht zur Freundschaft, genutzt. Steht ein Name, versucht man es über den Nick, ein wenig zu verkleinern.

Bezüglich der FAZ und FAS habe ich, -auch hier stellen sie nur unsinnige Vermutungen an-, ein ganz differenziertes Urteil. Denn dort arbeiten auch dutzende Journalisten, die ich achte, schätze und lese.
- Leicht abzulesen an meinen Artikeln.

Christoph Leusch

PS: Grüße spare ich mir, weil sie, "Mh", einfach nicht fair bleiben und gar kein Argument bringen, sondern, wie ich schon ausführte, gerne und reichlich persönlich werden wollen.

archinaut 27.12.2010 | 04:14

Lieber mh,
ja, diese Berichte sind einseitig,
die getroffenen Entscheidungen sind nicht mehr rückgängig zu machen, und alle Beteiligten sind froh, dass einer (mit Stolz) die rote Mütze trägt und ruft:
"Ich war's, ich war's...."
(erfolgreich beim Publikum wie Dieter Bohlen........)

In der Demokratie beweist sich politische Führungskompetenz bei der Organisation von Mehrheiten, nicht in der Brandstifterei, dachte ich bisher......

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belle-hopes 27.12.2010 | 11:43

GeroSteiner: ich sage hier wahre sachen, warum sie das stört - wenn ich davon ausgehen soll es ginge ihnen nur um die sache - müssen sie schon näher erklären, oder sich auch mal zum inhalt einlassen, zu der ehrlichkeit oder zum text von augstein; von ihnen sehe ich nichts als albernheiten oder attacken und gekränkte eitelkeit. vielleicht ist es das, was ihnen sauer aufstösst, wenn mal einer die sache beim namen nennt. wenn sie also von mir irgendwelche dinge einfordern fangen sie zunächst bei sich selber an, denn dieses stumpfsinnige draufhauen geht mir auf den keks. und ihr vokabular passt genau zu den meisten im forum. immerhin gebe ich mir noch mühe diesen ganzen verbalen mist zu beantworten, geben sie sich mal mühe mehr als verbalen mist zu liefern, dann kann ich sie auch ernst nehmen.

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Ehemaliger Nutzer 27.12.2010 | 14:18

Ich weiß nicht, woher hier einige die Weisheit nehmen, Sarrazin schüre Rassen- und Fremdenhass. Er brauchte ihn doch gar nicht zu schüren: ER WAR SCHON LANGE DA! Sein Buch erzeugt keinen neuen Fremdenhass, sondern befriedigt ein pseudo-intellektuelles Bedürfnis.

Sowohl in der Elite, in der Mittelschicht und im Prekariat finden wir schon lange Fremdenhass: Mal ist es der "Neger", mal der "Fidschi" und mal der Turbanträger.

Sarrazin ist ein gestrauchelter Ehrgeizling und nun auch eine Mediennutte. Hier sucht und findet er seine Ersatzbefriedigung.
Das sich die FC und JA so an ihm und der FAZ abarbeiten, zeigt mir eine beklemmende Einengung der politischen Sichtweise! So wird man die öffentliche Auseinandersetzung damit nicht führen dürfen.

Von JA hatte ich ein anderes Niveau erwartet.

Columbus 27.12.2010 | 14:26

Lieber Liebling,

Sie liegen mit Ihrer Meinung daneben, Kanada, Neuseeland und Australien zögen hauptsächlich qualifizierte Einwanderer an. Z.B. Familiennachzug ist eine der wesentlichen Quellen und die Einwanderung aus ökonomischen Gründen.

z.B.:

en.wikipedia.org/wiki/Immigration_to_Canada

Das geht auch gar nicht anders. Denn wirtschaftlicher und kultureller Erfolg kann dort sehr wahrscheinlich nur deswegen eintreten, weil man dauerhaft Einwanderungsland ist, regelmäßig Illegale zu Legalen macht, und vor allem junge Leute aus der ganzen Welt anzieht, also exakt das Gegenteil lebt, zu dem uns Thilo S. auffordern möchte ("Auch die natürliche Bevölkerungsabnahme in einem Land oder einer Gruppe von Ländern (gemeint ist unseres, bzw. Europa, m.Einf.) darf kein Grund zur moralischen oder politischen Rechtfertigung von Immigration und Landnahme sein. (Sarr, S. 257)"

Wir brauchen nicht die Eliten und schon Etablierten anderer Länder, denen wir dazu nur so miese Angebote machen, dass sie partout nicht kommen wollen. Zudem stoßen Sie dann auf eine mittlerweile hartnäckig verfestigte Zahl fremdenfeindlicher Deutscher, die Volk und völkisch spielen. Wer will schon in ein solches Land?

Liebe Grüße
Christoph Leusch

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belle-hopes 27.12.2010 | 14:38

ich ziehe mir hier mal die antworten auf die frage "lüge und öffentlichkeit" raus: wenn die anpassung an den gewohnheitsmäßigen lügensumpf im alltag in relation zu sarrazin gesehen wird, der durch seine position und finanz in der lage war so eine aufmerksamkeit zu bekommen, zusammen mit denen die ihm dazu verhalfen, ja, dann ist seine lüge als neue lüge neu in der öffentlichkeit. aber das ist mir zu verdreht. und nach wie vor glaube ich, dass die menschen, geübt in unehrlichkeit, damit umgehen, sich bestätigt fühlen (sarrazin hat ja auch eine klientel bedient, die wie hier falsch geschrieben nicht aus elite besteht, sondern aus allen schichten, das ist wieder typisch die bösen in der elite zu wähnen und zu verdrängen, dass es auch linke elite gibt). vielleicht hat jemand einen guten draht zur FAZ und fragt mal nach, hoffend eine ehrliche antwort zu bekommen. da wir grad dabei sind: manche "kritik" hier erinnert an neid und pennälerprotzerei von leuten, oder wie leelah es sagte an laut gackerndes männliches rumgezicke.

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hibou 27.12.2010 | 14:43

Zu "Fakten und Statistiken": Andernorts las ich gerade vom Nikolaus. Daran anknüpfend fiel mir ein, dass der Bursche nicht etwa in Minnesota, sondern in Kaş/Patara zwischen hier und Antalya geboren ist. Er wurde von den Katholen (u.a.) zum "Schutzheiligen der Kinder" ernannt. Begraben ist er drüben in Bari/Apulien. (Die Italiener raubten seine Gebeine). Und wirklich ist dort selbst heute noch die Geburtenziffer sehr hoch. Unerlaubte Korrelationen, zum eigenen Zweck eingesetzt, sind Lügen. Gell?

derDonnerstag 27.12.2010 | 14:45

@Columbus
Ich zitiere aus dem Wikipedia-Artikel:
"For citizens of most countries, working in Canada requires the appropriate visa. One of the most popular types is the Federal Skilled Worker Class Visa, which seeks to attract people with desirable skills and experience to contribute to the economy. Successful applicants receive permanent residence status, affording them all the rights of a Canadian citizen except the right to vote. Those who don't meet the criteria for skilled workers can apply for a regular work permit, which requires an offer of employment from a Canadian business. Economic immigration is also possible under an investor visa, which grants permanent residence to anyone with the intention of setting up a business in Canada."

Die Einwanderung aus ökonomischen Gründen wird also gerade so gesteuert, dass qualifizierte Einwanderer angezogen werden und zwar gerade solche, die in Kanada Aussicht auf einen Arbeitsplatz haben.

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belle-hopes 27.12.2010 | 14:56

hibou: das ist wieder herrlich uneindeutig deutlich, so kracht man nicht unverhofft aus dem fenster. worauf sich das nun bezieht, das muss der osterhase beantworten, denn der nikolaus hat ferien. naja. letzten endes findet jeder einen, der einen kennt, der eine statistik machen kann. vielleicht hat augstein ja recht, dass man nur mit polemik auf sowas reagieren kann. und sarrazin scheint ja an das zu glauben, was er da sagt. die verantwortung liegt also bei den anderen, und da muss man sich mal aus dem fenster lehnen.

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belle-hopes 27.12.2010 | 14:56

hibou: das ist wieder herrlich uneindeutig deutlich, so kracht man nicht unverhofft aus dem fenster. worauf sich das nun bezieht, das muss der osterhase beantworten, denn der nikolaus hat ferien. naja. letzten endes findet jeder einen, der einen kennt, der eine statistik machen kann. vielleicht hat augstein ja recht, dass man nur mit polemik auf sowas reagieren kann. und sarrazin scheint ja an das zu glauben, was er da sagt. die verantwortung liegt also bei den anderen, und da muss man sich mal aus dem fenster lehnen.

drdre 27.12.2010 | 15:17

@ Lügen zu Weihnachten...

völlig richtig was Sie zu Sarrazin schreiben, dass viele Bürger deren Wissenstand die Blöd Zeitung repräsentiert auch Beifall klatschen ist möglich. Das alle Taxifahrer so denken , kann ich nicht behaupten..

Für mich ist dieser Sarrazin ein Brandstifter und Verbreiter von Faschistischem Gedankengut.
Das er auch noch einen Beitrag in einer Zeitung bekommt, hinter der normalerweise immer ein kluger Kopf stecken sollte ist umso bemerkenswerter.
Für mich sind auch die Aussagen aus Kreisen der CDU mit dem Ruf nach mehr Sicherheitsgesetzen und Einsatz der BW im Innern auch eine Art Weg in den Faschismus. Man muss dieses Mosaik nur zusammensetzen...
Frohes Neues Jahr..

claudia 27.12.2010 | 15:17

>>Ich weiß nicht, woher hier einige die Weisheit nehmen, Sarrazin schüre Rassen- und Fremdenhass. Er brauchte ihn doch gar nicht zu schüren: ER WAR SCHON LANGE DA!
Das Volk wird je nach Bedarf der Kapitalertragswirtschaft programmiert: mal antixenophob, mal proxenophob.

Die latente Fremdenfeindlichkeit wurde vor 50 Jahren genauso lautstark als politisch unerwünscht progagiert: Man holte massenhaft ausländische Arbeiter, die dann "Gastarbeiter" genannt wurden, als Lohnkonkurrenz ins Land um die gestiegene Nachfrage nach Arbeitskraft zu deckeln. Ab ca. Mitte der 70er Jahre stellte sich der Erfolg der Massenanwerbung ein. Schon ab Anfang der 80er wurde die "antixenophobe" Proganda allmählich umgekehrt: Schuld an der zunehmenden Arbeitslosigkeit sei nicht die Massenanwerbung, sondern die Angeworbenen.

Mit der Agenda 2010 ist eine "inländische Gastarbeiterkaste" institutionalisiert worden. Darauf wurde langfristig hingearbeitet, auch propagandistisch.
Nun muss man die Geister, die man rief endgültig wieder los werden. Die BRD soll kein attraktives Masseneinwanderungsland mehr sein. Es war einfach an der Zeit, dass mal jemand, der nicht Glatze und Springerstiefel trägt, die Xenophobie öffentlich rehabilitiert.

Ideal wäre, wenn es nur noch „illegale Ausländer“ gäbe, denn die sind die Billigsten. Wer am lautesten schimpft, ist am wenigsten verdächtig, „Illegale“ als Haushaltshilfe oder zur Kinderbetreuung zu beschäftigen. Man darf nur nicht so genau hinschauen…

j-ap 27.12.2010 | 15:31

(Columbus schrieb am 27.12.2010 um 00:54)

Hallo Herr Leusch,

Sarrazins Ausführungen zum »Territorium« — danke für's Zitieren — sind tatsächlich stärkster Tobak. Als hätte es gar kein Mittelalter gegeben, als hätte die Territorialisierung nicht überhaupt erst zusammen mit der Neuzeit eingesetzt, als hätte man den Begriff Personenverbandsstaat noch nie gehört, als hätte es den Feudalismus (dessen Wesen ein System personaler Abhängigkeitsverhältnisse war und gerade kein Sammelsurium von Quadratmetern Grund und Boden) nie gegeben, ja als wäre nicht das gesamte Alte Heilige Römische Reich beständig von der Frage der partikularen Territorien umgetrieben worden.

Dieser Schmarrn ist indiskutabel, da fehlt's ja »vom Bein weg«, wie man in Bayern sagt.

Gleichwohl sind Sarrazins Ansätze insofern höchst aufschlußreich, als er sich hier, und zwar entgegen aller vorgebrachten Bezichtigungen an seine Adresse, as ein ganz radikaler bürgerlicher Republikaner darstellt. Denn das, was er hier darlegt, als wär's das Selbstverständlichste von der Welt, ist nichts anderes als die Konstitution der bürgerlichen Republik schlechthin.

Denn der bürgerliche Kampfs ums Dasein, der sich äußerlich als Ringen um Land und Leute, innerlich indes als Differenz zwischem dem »wir hier« und dem »die da« darstellt, aus dem das »Ich« als bürgerliches Subjekt hervorgeht, ist von Anfang an nichts anderes gewesen als ein knallhartes Souveränitätskalkül: der ökonomischen Akkumulation des Kapitals folgt die politische Zentralisierung (Gewaltmonopol) auf dem Fuße und mußte als solche unweigerlich die Frage nach der räumlichen Dimension, eben: dem Territorium, aktuell werden lassen.

Beunruhigen kann das nur diejenigen, die diesen Zusammenhang entweder nicht verstehen wollen oder nicht verstehen können und ihn deshalb als Natur setzen, so wie das schon Abbé Sieyès in »Was ist der Dritte Stand?« getan hat. Schon seit damals ist nämlich völlig klar, daß der Ausschluß aus der Menschheit in der Form der Bestimmung, wer »dazugehören« darf und wer nicht, ein der bürgerlichen Republik immanentes Moment ist.

Aus dieser Perspektive betrachtet ist Thilo Sarrazin ein radikaler Republikaner und das, was man gegen ihn vorbringt, muß ohne weiteres gegen die bürgerliche Republik als solche gelten.

Viele Grüße
Josef Allensteyn-Puch

jazzlobber 27.12.2010 | 15:48

"Jakob Augsteins Artikel ist indiskutabel, im Wortsinn. Man kann ihn nicht diskutieren, weil er fast nur aus sachlichen und logischen Fehlern besteht; sowie Verbalinjurien gegen Sarrazin und Vorwürfen an die Adresse der FAZ. Wer so etwas schreibt, der disqualifiziert sich als Journalist. Er sollte besser den Beruf des Gärtners zu seinem einzigen machen."

zettelsraum.blogspot.com/2010/12/zitat-des-tages-augstein-uber-sarrazin.html

welt.de/debatte/henryk-m-broder/article11844298/Sarrazin-die-FAZ-und-Jakob-der-Heuchler.html

Egon-Erwin Wrobel 27.12.2010 | 15:59

@j-ap

"Aus dieser Perspektive betrachtet ist Thilo Sarrazin ein radikaler Republikaner und das, was man gegen ihn vorbringt, muß ohne weiteres gegen die bürgerliche Republik als solche gelten

Sarrazin ist ein Rassist, mehr nicht. Die Einwände sollten sich gegen das Staatsbürgerschaftsrecht (Nationalismus) und gegen die kapitalistische Produktionsweise (Profitstreben und Rentabilitätskalkül bei der Vernutzung menschlicher Arbeitskraft) richten.

P.S. Vergessen Sie nicht ihre Quellenangabe: Wolfgang Reinhard - Geschichte der Staatsgewalt; klingt wie abgeschrieben.

Überhaupt: diese rhetorischen Scheingefechte um eine einzige Banalität. Solchen Figuren wie Sarrazin, Slotderdijk oder Wilders darf aus progressiver (anti-rassistischer, anti-nationalistischer) Sicht kein Podium geboten werden, alles andere verdient nur die destruktive Kritik.

j-ap 27.12.2010 | 16:16

Die Einwände sollten sich gegen das Staatsbürgerschaftsrecht (...) und gegen die kapitalistische Produktionsweise (...) richten.

Ganz genau — und jetzt versuchen Sie mal, die bürgerliche Republik historisch ohne Staatsbürgerschaftsrecht und kapitalistische Produktion zu erklären. Sie gehören zu ihr, genau wie der Rassismus. Deshalb muß ja, wer das nicht begreift, in Sarrazin einen bloß interessierten Elitisten sehen und damit den unmittelbaren Gewaltzusammenhang der Demokratie bis zur Unkenntlichkeit verharmlosen.

Das ist intellektuell schlicht erbärmlich.

Von Reinhard kenne ich nur diverse anthropologische Aufsätze. Da aber Anthropologie nichts anderes ist als die Anleitung zum Totschlag, habe ich es auch dabei belassen.
little Louis 27.12.2010 | 17:00

@ mario99
"...Da hilft auch Getrolle nix mehr"...
Verdammt geistesscharfe Widerlegung der Ansichten von mh. Auch DER FREITAG scheint gelegentlich über den Stammtischen zu schweben - wenn auch auf der anderen Seite des Restaurants. Das Motto scheint hier zu lauten:
"Egal ,was einer gasagt hat oder auch nicht gesagt hat ,
wenns von unsrer Seite kommt, kanns nur ehrlich ,wahr und richtig sein. Wenns aber von da drüben kommt ,kanns nichts anderes sein als Rassismus. Das ist so und bleibt so, da können die da drüben noch so viel beweisen."
Typisch Stammtisch eben. Und dazu noch manchmal eklig (Bildungs-) elitär.

Columbus 27.12.2010 | 17:20

Lieber Josef Allensteyn-Puch,

Da gebe ich Ihnen völlig Recht. Thilo S. Perspektive beleuchtet das immer noch fest gefügte, als bürgerlich ausgegebene, radikale Gedankengut, gewisser, durchaus nicht prekärer, durchaus nicht wenig mächtiger Leute. - Nur mit unserer Verfassung und deren Prinzipien, mit der Geschichte, der Wissenschaft, biologisch und geisteswissenschaftlich, mit der Aufklärung, mit Kultur im Sinne der Klassiker, mit den Idealen der verfassten französischen Revolution, ein wenig später als Sieyès, der sich ja auch baldhin zur Standeslosigkeit bekannte, hat das wenig zu tun.

Das Apodiktische in Sarrazins Buch weist überall darauf hin, dass da kein überzeugter Demokrat oder Freund der freien Gesellschaft spricht, sondern jemand, der glaubt, er hätte die Waage für Geschichte, Soziales, Biologisches und Wirtschaftliches im geistigen Gepäck, um zu dezidieren, wer dazu gehört und wer nicht. Nicht einmal einen Dialog dazu lässt Sarrazin zu, weil er diejenigen, die er indiziert, für dialogunfähig hält und diejenigen, die für sie Sprechen wollen entweder zu Lügnern erklärt, oder sie zu Dummköpfen stempelt. - Ob das aus wirklicher Sorge oder aus der einigermaßen seltsamen Furcht heraus geschieht, selbst nicht bestimmen zu können, wie künftige Generationen Deutschland definieren werden (das sprach er vor allem zielgruppengerecht in der TV-Abendnunterhaltung mehrfach an), geschieht, ist völlig nebensächlich.

Die Art und die Inhalte der Argumentation, breiteten sie sich weiter aus, sind von Übel, nicht dienlich, nicht menschenfreundlich, nicht human, nicht einmal ökonomisch Erfolg versprechend. Diese Art und Weise senkt die Schwelle, über tatsächlich vorhandene Probleme in einer Sprache zu reden, die vernünftige und gerechte Lösungen möglich macht.

Insofern ist Thilo S. , -Er hat tatsächlich eine Eigenschaft, die eher dem Proleten seit jeher eher angedichtet wurde, nämlich eine ganz penetrante Gröligkeit und eine fast uneinsichtige Überzeugtheit von der eigenen Meinung.-, ein Republikaner der strengeren Sorte, ein Radikaler, dem nämlich zur Republik nur einfällt, sie dürfe sich ethnisch und kulturell, also herkunftsmäßig im Doppelsinne, nicht weiter entwicklen, selbst wenn die Herren und Damen generativ altern und ihre Ansichten steinalt, halsstarr und uneinsichtig wurden. - Das Ganze erinnert doch sehr an Reinheitsgebote der ganz anderen Art.

Die Grundgedanken der französischen Republikaner waren universal und ohne ethnischen Hintergrund. Sie zielten auf den Weltbürger und gemeindeteten ein, z.B. Schiller.

Ich dachte immer, Deutschland wäre durch die erlebte Radikalkur für menschendenkliche Zeiten geheilt. Jedoch, es kehrt wieder, was "lange Jahre", Sarrazin ist darin ganz ehrlich und offen (s.o.), nicht gedacht und nicht gesagt werden durfte. - Es fehlt nur noch der Schritt zur Tat, und den forderte Thilo S. zur Weihnacht 2010 (Genau lesen!; sie, lieber J.A.-P, machen das ja sowieso), ein.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Columbus 27.12.2010 | 17:33

Genau,

Da steht nämlich exakt, wie die Marktwirtschaft Kanadas auf alle erdenklichen Arten und Weisen Arbeitskräfte im Hochlohn und im Niedriglohnsektor rekrutiert. Sie werden mit der Zeit alle Kanadier und bereichern das Land. - Stellen Sie sich vor, die Deutsche Post stellte in Pakistan oder China eingeworbene Briefträger und Sortierer zu Minimum Wages ein (offer of employment)? - Die Antwort darauf, neben einem Arbeitskampf um gerechten Lohn, lautete dann: www.freitag.de/community/blogs/columbus/o-canadamusikalische-perlensuche-im-reich-der-multikulturalisten, insbesondere,

www.cbc.ca/radio2/cod/codPlayer.html?http://www.cbc.ca/radio2/media/20100629mount/09.asx#The%20Mountains%20and%20The%20Trees%20live%20in%20St.%20John%27s%20NFLD

Grüße
Christoph Leusch

Egon-Erwin Wrobel 27.12.2010 | 17:43

"Ganz genau — und jetzt versuchen Sie mal, die bürgerliche Republik historisch ohne Staatsbürgerschaftsrecht und kapitalistische Produktion zu erklären. Sie gehören zu ihr, genau wie der Rassismus. Deshalb muß ja, wer das nicht begreift, in Sarrazin einen bloß interessierten Elitisten sehen und damit den unmittelbaren Gewaltzusammenhang der Demokratie bis zur Unkenntlichkeit verharmlosen."

Zum ersten Teilsatz: ja, die kapitalistische Produktionsweise war ab einem gewissen Zeitpunkt unabdingbare Voraussetzung moderner Staatsgewalt. Vorher war es das Handelskapital und die auf Dauer gesetzte Kontribution, ohne die (lokales, fürstliches) Herrschen nicht möglich war. Das Staatsbürgerschaftsrecht ist ein Element des Rechts- und Verfassungsstaates und keine notwendige historische Folge der Inbeschlagnahme von Land, welches als "Territorium" tituliert wurde. Allerdings haben wir uns damit weit von Sarrazin entfernt, den ich überhaupt nicht mit Mitteln der Diskursanalyse oder gar Kategorien wie der Biopolitik (z.B. historische Demographie und staatliches Registraturwesen) kritisieren würde, sondern lediglich anhand seiner Botschaft. Diese Botschaft ist mit einigen Details bemäntelt, um ihr den Anschein von Legitimität zu verleihen. Zusätzlich macht er sein ehem. politisches Amt und darin gesetztes Vertrauen bzw. Unterwürfigkeit bestimmter Bevölkerungsteile geltend, um sich rhetorisch einwandfrei zu gerieren.

Es handelt sich hier nicht um eine Frage von Genese (historisch) und Geltung (realiter), sondern um eine normative Setzung: will ein Gesellschaft latenten bis offenen Rassismus tolerieren? Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie anführen, dass das Analysterraster ausgeweitet werden muss, will man nicht bei moralischen Reduktionismen stehen bleiben. Wie wir in der Rekapitulation des gesamten Kommentarverkehrs zum Artikel feststellen, fehlt es an diesen Grundlagen; es bedarf also der Infragestellung ganz prinzipieller Lebensgrundlagen, will man eine Erscheinung wie Sarrazin (den ich hier lediglich soziologisch als "Charaktermaske" deuten würde, keineswegs als brillianten Demagogen - was nur einer gleichlautenden bürgerlichen Reverenz im Negativen entsprechen würde!) angemessen kritisieren und zurückweisen.

Es geht um den "Kampf um die Köpfe", wozu eine mediatisierte Öffentlichkeit besonders gut geeignet ist immer dann, wenn ihr die intellektuellen Mitteln fehlen, sich angemessen mit dem Stoff auseinanderzusetzen: Abstraktionsfähigkeit, normative Grundüberzeugungen, gesunde Skepsis ggü. weltlichen Autoritäten und gesellschaftlichen Intermediären (wie Zeitungen u.a.).

Reinhard ist Anthropolge und emer. Prof. für Neuere Zeitgeschichte. Sein Werk "Geschichte der Staatsgewalt" wurde mit dem Historikerpreis ausgezeichnet, was nicht zwingend für Qualität spricht, jedoch für fachimmanente Anerkennung. Bei der Durchsicht des Werkes bin ich (selbst Student der Politikwissenschaft) durchaus schlauer geworden, was einige symbolische Grundlagen der modernen Politik und des modernen Herrschens anbelangt, von daher war mein Einwand wegen des Buches lediglich ein formaler und auf die Verfahrensgerechtigkeit bezogener (bitte Quellen nennen): books.google.com/books?id=WDqxhWV0kz4C=frontcover=wolfgang+reinhard=de=1#v=onepage=false

Hier in der Kurzfassung der Reihe "Beck Wissen": books.google.com/books?id=H9Avude-PnEC=frontcover=wolfgang+reinhard=de=4#v=onepage=false

Mit den Entwicklungslinen der Anthropologie als Wissenschaft setzt er sich hier auseinander: books.google.com/books?id=nqelZZaR3F0C=frontcover=wolfgang+reinhard=de=5#v=onepage=false

Er geht dort auch auf Ihren obigen Einwand bezüglich der Instrumentalisierung der Anthropologie als Eugenik (z.B. in Form der "Biologischen Anthropologie" oder "Völkerkunde") ein und versucht für analytische Klarheit und eine Neuaufstellung der Disziplin zu werben, die mehr kulturwissenschaftliche Elemente integrieren soll. Von daher ist Ihre Zurückweisung der Anthropologie etwas verkürzt und deutet die Disziplin lediglich als intellektuellen bzw. moralischen Steigbügelhalter eines Protofaschismus, was ich eher noch der BWL attestieren würde.

Wenn Sie Reinhard nicht interessiert, kann ich noch Habermas empfehlen, der sich in seiner Zeit am MPI in Starnberg für eine soziologische Geschichtstheorie eingesetzt hat. Die Ergebnisse sind in dem Sammelband "Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus" u.a. im Aufsatz "Geschichte und Evolution" und "Können komplexe Gesellschaften eine vernünftige Identität ausbilden" niedergeschrieben.

Darüber hinaus scheint mir - als nicht fachfirmen - die Arbeiten des Philosophen Hans Blumenberg aufschlussreich: u.a. "Die Legitimität der Neuzeit" und "Arbeit am Mythos"; nicht zu vergessen auch Reinhart Kosellecks Begriffsgeschichten über die Wandlung der sozialen und politischen Sprache im Laufe der geschichtlichen Entwicklung zwischen Mittelalter, Neuzeit, Aufklärung und Spätmoderne.

Intellektuell schlicht erbärmlich bleibt Sarrazin als Einzelperson, aber auch der um ihn herum schwirrende Diskurs. Vielleicht daher noch zur Orientierung: Michel Foucault - Die Ordnung des Diskurses: de.wikipedia.org/wiki/Die_Ordnung_des_Diskurses

Gruß,
Wrobel

little Louis 27.12.2010 | 18:32

Zurück zum Text und zu J.Augsteins Fazit, einem gewohnheitsmäßigen Lügner wie Sarrazin könne man nur das Wort entziehen:
Ich kanns nicht verdrängen,aber das von J.A. vorgeschlagene Verfahren erinnert mich doch sehr an die Filmaufnahmen aus den NS-Prozessen gegen die Hitler- Attentäter, in denen der Ankläger den Angeklagten immer wieder schreiend im Tonfall höchster Empörung etwa so DAS WORt ENTZIEHT:
"Aber Sie lügen ja, Sie sind ein erbärmlicher Lügner....."

derDonnerstag 27.12.2010 | 18:37

Ich würde eher sagen, Broder hat auf genau dem Niveau geantwortet, das der Artikel zu bieten hat. Inhaltlich ist da ja nichts. Und das Sprichwort aufgegriffen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
Broder liegt auch richtig mit seiner Analyse, dass es bei der Sarrazin-Debatte nicht um Fakten geht, sondern um Deutungshoheit geht. Der Artikel von JA ist doch das beste Beispiel dafür, postuliert er doch, es sei egal, ob Sarrazins Angaben stimmten, Hauptsache er sei ein Rassist.

GeroSteiner 27.12.2010 | 18:42

@Belle Hopes

Danke für die freundlichen Worte und die wohlmeinende und zielführende Kritik.

Ich selbst finde Ihre Kritik und Anmerkungen zu dem "verbalen mist", den hier nur andere liefern, Sie aus eigener Überzeugung hingegen nicht, nicht unbedingt das geeignete Mittel, bei allen anderen eine Verhaltensänderung zu bewirken, aber das dürfen Sie anders sehen, denn auch das Recht auf Dummheit gehört zu den durch das Grundgesetz geschützten Persönlichkeitsrechten.

Der einzelne Stern an Ihren Beiträgen ist übrigens nicht von mir, dass wäre es mir nicht wert gewesen.

Zuletzt noch was Tröstliches für die Zukunft: Dies wird ziemlich sicher auch meine letzte Replik auf einen Ihrer Beiträge gewesen sein.

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fraus 27.12.2010 | 18:46

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist doch, dass auf die Richterin Heisig fast niemand gehört hat und dann jemand daherkam und die fast gleiche Thematik dummschwätzerisch und polemisch als Medientsunamie präsentiert, Tag für Tag, Woche für Woche.
Der Teil der Thematik, der als Tabu gepflegt und gehegt wurde, ist an für sich gar nicht mal so falsch, da eine öffentliche Debatte darüber als unschicklich galt. Die Frage ist dabei: Warum konnte Heisig diese Debatte nicht entfachen sondern Sarrazin?
Liegt das am dargebotenem Niveau, auf das die Masse anspringt? Oder liegt das am richtigen Zeitpunkt; war die Zeit des fehlenden Tropfens, der das Fass zum Überlaufen bringt, gekommen und somit Sarrazin einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Wie dem auch sei.
Über die Sarrazin-Weihnachtsseite der FAZ kann man geteilter Meinung sein.
Das erste drittel besteht aus gewohnter Dummschwätzigkeit über Tabubruch, Statistiken und sog. Fakten. Danach wird auf Kindesebene lamentiert, dass Merkel, Müllerco. ihn nicht liebhaben und eine böse, böse Medienkampagne ihn Leser gekostet habe. Das letzte Drittel endet dann in 'ruhmreicher' Eigendarstellung via indische Juristin, türk. Taxifahrer, Zugbegleiterin pers. Herkunft, Jurist pers. Herkunft, Polizist, Lhrerin aus Kreuzberg, Hauptschullehrer aus Mainz usw. Ist ja immens wichtig, woher die Leute alle kommen... Sarrazin bleibt sich in dieser Hinsicht treu! So ein Artikel ist doch nicht ganz ernst zu nehmen, vor allem die Bildchen auf dem Karussel nicht.

Die Menschen nehmen allerdings was anderes ernst: Mega-Publicity. Damit verbinden sie auch eine Ernsthaftigkeit zur Thematik, auch wenn sie nicht vorhanden ist.

Aus diesem Grund verstehe ich nicht, warum Sei selbst, Herr Augstein, eine Sarrazin-Plattform bieten, auch wenn sie in Form einer Kritik daherkommt. Publicity ist sie allerdings allemal...

Egon-Erwin Wrobel 27.12.2010 | 18:46

@little Louis

Hm, ein bisschen faschistoid ist das aber schon, oder? Nach zehntausend Kommentaren wird vielleicht die Massenaufmerksamkeit einfach auf den nächsten Artikel von Jakob Augstein überspringen und sich niemand mehr um hierum scheren: ein Rauschen im digitalen Blätterwald.

Augsteins Volte gegen Sarrazin ist der journalistische Versuch, eine Gegenöffentlichkeit zu bestärken. Eine Art "Hilfe zur Selbsthilfe" jener, die nicht die Möglichkeiten haben, in Polittalk und Blätterbergen derart zu Wort zu kommen wie Charaktermasken vom Schlage eines S.

Wilhelm Heitmeyer formuliert daher vollends zurecht:

"Die Islamophobie hat im Vergleich zum Vorjahr [2009] insgesamt signifikant zugenommen, und das hängt vermutlich mit den teilweise sehr polemisch geführten öffentlichen Debatten zusammen. Bei der Einforderung von Etabliertenvorrechten, die man als Reaktion auf Krisenbedrohung bzw. -betroffenheit interpretieren kann, ist ebenfalls ein deutlicher Anstieg festzustellen. TEndenziell gilt dies auch für fremdenfeindliche Einstellungen. [...] Betrachtet man die Entwicklung der Elemente des Syndroms der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit nach Einkommensgruppen, zeigt sich die beschriebene Veränderung in bezug auf eher wohlhabende Personen. Wir sehen, daß die Zunahme hinsichtlich des Einforderns von Etabliertenvorrechten und der Anstieg islamophober sowie fremdenfeindlicher Einstellungen vorrangig auf die 'Gutverdienenden' zurückzuführen ist. Auch bei einigen anderen Syndromelementen (etwa bei der Abwertung Obdachloser oder im Hinblick auf Rassismus), die im Mittel stabil bleiben, zeigt sich ein Anstieg in der oberen Einkommensgruppe." (aus: Heitmeyer 2010: Disparate Entwicklungen in Krisenzeiten, Entsolidarisierung udn Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in ders. (Hg.): Deutsche Zustände, Folge 9, Berlin: Suhrkamp, S. 13-39)

Vielleicht sollte man sich eher Fragen, warum solche Scheingefechte vor dem Hintergrund einer Neuordnung der Vermögensverhältnisse im weltweiten Maßstab (sog. Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007) ablaufen. Vielleicht sollte man sich auf fragen, warum der Vorplatz des Bundestages einige Tage vor der Abstimmung über das "Sparpaket" der Bundesregierung wegen fabulierter "Terrorwarnungen" abgesperrt wird.

mh 27.12.2010 | 18:56

JA hat mittlerweile doch gestanden, dass er sich zu nicht mehr als polemik in der lage sieht und deswegen polemik das einzig probate mittel ist. er führt es fort, was er began und setzt damit ganz neue maßstäbe.

mein freund hendryk hat das nur wiedergegeben, gemäß meinen hier geschriebenen anregungen. :P

das ist konsequent und JA verdient es eh nicht besser, eher schlechter. weil in seinem sinne, würde eine kritische auseinandersetzung mit JA seiner l*******n d*******t ohnehin nicht gerecht werden.

ich halte das zwar alles für schlimm, aber jahrelanger talkshow-trash haben mich befähigt da mithalten zu können. also auf gehts, immer nur weiter.

mfg
mh

Besinnlich editiert von der Moderation.

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liebling 27.12.2010 | 19:01

GeroSteiner schrieb am 26.12.2010 um 21:54
Die Logik passt nicht.
Wenn Sarrazin kein Rassist ist, dann ist ein Tiger im Zoo auch kein Raubtier?

Ist auch nicht logisch, weil Sarrazin kein Rassist ist.

Zu Sarrazins Thesen zur Migration fällt mir auch noch ein, dass kein Mensch sich über gut integrierte Zuwanderer aufregt oder viel darüber redet.
Nur über schlecht oder nicht integrierte Zuwanderer regt man sich in den Medien auf!
Woran das wohl liegt?

Emma in Uniform 27.12.2010 | 19:09

@ Gerosteiner 26.12.2010, 21.37 Uhr

Ah ja. "Verzeihung".

Sie bitten einen leidlich alphabetisierten Fachhochschulabbrecher, Rassisten und ausgewiesenen Antisemiten, Holocaust-Leugner und Sarrazin-Zwergpapagei also: Um Verzeihung?

Einen Hinnerk, der nicht einmal im Ansatz weiss, WAS er eigentlich meint, denn die meisten Menschen, die der schlichte Liebling aka Sozenschleck meint, sind: Hier geboren. Er hat, scheints, nicht mal die Schmierschrift Sarrazins gelesen.
Und was er meint, ohne es zu wissen, ist die leidige Konsequenz der sträflich vernachlässigten Sozial- und Bildungspolitik,( ganz ganz vorne: unfähige, feige, bewegungs- und bewußtlose Lehrer, die seit mittlerweile Jahrzehnten die grausigsten Situationen in ihren Klassenzimmern ohne Einspruch "erdulden" bzw. hinnehmen, ohne radikal durchzudrehen) die mit Leichtigkeit bereits in den 1990er Jahren hätte das etablieren sollen, was z.B. Schweden etabliert hat: Dafür zu sorgen, dass die Kinder u.a. ALLE perfekt die Landessprache beherrschen, wenn sie eingeschult werden, dass u.a. jeder erwachsene Migrant nach spätestens drei Jahren fließend die Landessprache spricht.

Und: Sarrazin ist doch nicht der Rattenfänger!
(Tom Gard hatte Recht Sie zurückzustossen, als Sie ihn wie ein Blockwart/Kapo ermahnen wollten den Ton zu mäßigen, das gegenüber Rassisten und Dummköpfen!)

Die Medien sind für Sarrazins Popularität anzuklagen, die ein Buch hochgerüscht haben, das nicht einmal als Polemik bezeichnet werden kann, mit erdachten Statistiken, Lügen, idiotischen Unterstellungen, völlig unzureichender Sachkenntnis, vollkommen an dem Kern der Problematik vorbei, Eugenik, Antisemitismus, Horst Mahler hätte diesen Dreck nicht viel anders verfasst - eine Blamage für den Ghostwriter Sarrzins, wer auch immer. Diese Medien sind die "Rattenfänger".

Sie hätten das Buch in Grund und Boden lachen und geeignetere Werke hochjubeln sollen.

JA prangert völlig zu Recht die verblödete FAZ an, die
als Spitzenleistung zur Weihnachtszeit die mediale Rattenfängerkampagne des letzten halben Jahres PRO SARRAZIN krönt, adelt, veredelt; indem Sie dem Nichtskönner und Steuergeldverschwender den Platz einräumt, seinen Ghostwriter-Dreck nochmal sinnend wiederzukäuen und in die FAZ zu erbrechen.

Genau wie Sarrazin und Broder, sind sehr viele der Mittelschicht schwer angetan von dem Bild des "neuen Untermenschen" Moslem, dem potentiellen Terroristen, ungemütlichen Mitmenschen, weil wiederborstig, unangepasst, schwierig, um es mal mit dem hintersinnigen FC-"Islam-Spezialisten" Christian Berlin zu sagen, "der keinen Widerspruch duldet": Dem einen perfekten Sündenbock für die schwierigen Zustände, die Ungemütlichkeit, die fehlende "gefühlte Einheit" in Deutschland.

Das ist Rassismus pur.

Längst längst fällige Bildungsstrukturen, die jetzt mikroskopisch kleinteilig, aber ganz schuldbewußt etabliert werden sollen,(mal schauen) werden womöglich noch als Leistung dieser Doppelnull Sarrazin interpretiert, verlogener Mist nochmal.

Bravo für diesen scharfen Beitrag, Herr Augstein!

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liebling 27.12.2010 | 19:13

Columbus schrieb am 27.12.2010 um 13:26

Lieber Columbus, Ihr Kommentar und auch der Wikipedia link konnten mich nicht überzeugen.

Höchstens an der Stelle, dass wir den Eliten aus dem Ausland keine guten Angebote machen.

Im Ergebnis spiegelt der Unterschied zwischen der kanadischen und der deutschen Einwanderungspolitik die unterschiedlich hohen Quoten von Sozialempfängern wieder.
Kein anderes Land auf der Erde gibt soviel Geld für sozialbedürftige Zugewanderte aus, wie Deutschland.

Das soll ich als Steuerzahler auch noch toll finden?

Emma in Uniform 27.12.2010 | 19:34

@Egon-Erwin Wrobel

Auch wenn ich Ihnen in tutto zustimme, widerspreche ich entschieden gegen Heitmeyers unseligen Begriff der
"Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit"...

Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit, Heitmeyer hat empirisch versagt, das ist bekannt..er spielt herunter, er läßt die holde Weiblichkeit VOLLKOMMEN außen vor,ich bitte Sie. Sarrazin bestärkt Werturteile im Sinne eines Horst Mahlers, eines Rudolf Steiners, was die Juden und Moslems angeht.

Es gibt für ihn immer, auch in dem FAZ-Beitrag: Um die Unterscheidung, dass es aber ein Mitbürger persischer,
türkischer, indischer Taxifahrer, Jurist, Lehrer etc...war,
soviel Rassismus muss, darf in der FAZ in diesen Zeiten ruhig sein,..überall dieser elendige "Migrationshintergrund", es ist zum Kotzen..es reicht nicht zu sagen, dass es ein Mitbürger ist, neinnein, es muss, als auch mal "positives" Beispiel natürlich erwähnt werden, dass es sich um einen Menschen handelt, der "von außen" kam.

Nicht "in bezug auf die Wohlhabenden"...

Diese beschriebenen Veränderung werden von wem bereitwillig verbreitet, von wem ohne Kritik gedruckt?

In den Medien der Mittelschicht, launig verwurstet von saudummen "Journalisten" wie Broder, der nicht erkennt wie antisemitisch Sarrazin denkt.

Bei Politikern, die ihre Parteigenossen NICHT achtkantig rausschmeissen, weil sie gemütlich über Eugenik sinieren und über Bevölkerungspyramiden halluzinieren.

Die jaulend und japsend, wie Sie völlig richtig sagen, jeder Terrorwahnung hinterherspringen, wie ein besinnungsloser Köter einem springenden Flummi, statt bei lebenswichtigen Entscheidung dem parlamentarischen Vorbehalt bei Fuß zu gehen...

derDonnerstag 27.12.2010 | 19:49

Sarrazin denkt nicht antisemitisch, sondern philosemitisch. Das ist meines Wissens noch nicht verboten. Die meisten Leute, die sich für links halten, denken ja heutzutage antisemitisch und philomuslimisch.

Und ja, ganz schrecklich, wenn die Herkunft erfolgreicher Migranten beim Namen genannt wird. Linke würden so was nie tun. Sind doch alles Menschen - was man sonst ja glatt vergessen könnte.
Und überhaupt, der Begriff "Migration(shintergrund)" gehört abgeschafft. Dann gibt es auch endlich keine Integrationsprobleme mehr.
Ganz ähnlich wie mit der "Unterschicht", die es ja heutzutage nicht mehr gibt. Prima, so gibt es auch keine Probleme mehr mit der Verarmung der nicht existenten Unterschicht.

Emma in Uniform 27.12.2010 | 19:57

@sozenschreck

Sie verorten mich politisch immer noch verkehrt.

Aber wie soll es ein hysterischer NPD-Wähler wie Sie auch besser wissen.

Und: Lesen, Sozenschreck, lesen.

Meine Großmutter warf manchmal einigen ihrer Rosenbüsche vor, sie würden vor sich hin mickern...
meinten Sie dass, Sie hilflose Möchtegern-Plaudertausche mit dem BILD-Vokabular?

"..unter 10% vor sich hin mickern werden."?

Ja?

Sehen Sie?

Wieder was gelernt.

Columbus 27.12.2010 | 20:19

Lieber Liebling,

Ihr Einwurf ist ja weit verbreitet. "Es kostet zu viel. Ich der Steuerzahler muss dafür blechen." Selbst Chefredakteure reden gerne einmal so, mit Bezug auf die Sozialtransfers an türkische Frührentner (sic! Null Ahnung bezüglich Renten, gepaart mit der Chuzpe, diese Transfers als Gefährdung unserer Wirtschaft hin zu stellen).

Nur leider ist das ein wenig, wie der Streit unter Habenichtsen, die sich lieber gegenseitig die Augen auskratzen, als vom schmalen Feldweg der eigenen Haltung aufzublicken, und ein wenig auf die wirklichen Geld- und Vermögensautobahnen dieser Welt zu blicken.

In 30 Jahren können wir für unsere lösbaren, und zwar in aller Interesse lösbaren, sozialen Proleme aus der Migration nicht so viele Mittel aus Steuern aufbringen, wie sie in zwei Jahren an staatlich-zentralbanklicher Zinsgunst, an Abschreibungsmöglichkeit auf Kosten der Allgemeinheit, an Erleichterung zur Steuerumgehung, an fast vollständigem Nachlass einer Strafe für Steuer- und Finanzvergehen, den Geschaftstüchtigen freiwillig vom deutschen Volke übereignet wurden und derzeit jährlich weiter mit dieser Praxis fortgefahren wird.

Die meisten anderen kapitalistischen Länder geben tatsächlich weniger Geld für diese Art Sozialtransfers aus. - Kanada allerdings nicht, viele nordische Länder ebenfalls nicht! - Dafür haben sie aber ganz andere Gewalt-Kriminalitätsraten, ein sündhaft teures Knastsystem, viel Polizei, viel Militär, bewachte Nachbarschaften und Mauer-bzw. Zaunbau, etc., zu ertragen.

Die jährlichen staatlichen Aufwendungen, lieber Liebling, für die Integration, liegen derzeit unterhalb jedes konjunkturwirksamen Maßes.

Das gilt übrigens auch für die doch immer so hoch gehandelten Bildungsausgaben in unserem Land, die nämlich von den meisten Politikern falsch, nämlich hauptsächlich als ein verstecktes Bauprogramm (damit man was vor Augen hat), angesehen werden.

Toll fände ich, wenn Sie den Jahreswechsel nutzten und einmal über die Stoßrichtung ihrer Empörung nachdächten. Zudem, ganz konkret, welche Steuerzahlung 2010 und wieviel davon, tatsächlich für den Sozialtransfer an Migranten von ihnen aufgebracht werden musste. Das erbrächte auch einigen geistigen Gewinn. - Ich glaube, wir machen uns mit solchen Fragen eher lächerlich und diejenigen, die sich still und heimlich freuen, durch Sarrazins- Immigrationsdebatte aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verdrängt, absichtlich oder unabsichtlich, reiben sich ob ihrer
ganz nebenbei abfallenden Systemimmanenz die Hände. 2010 war für diese Leute ein Superjahr, nach dem kleinen "Chock".

Mein Hinweis lautete also, die eigentlichen Verursacher mancher Misere nicht da zu suchen, wo es derzeit so einfach erscheint bei einem gewissen Publikum Begeisterungswellen auszulösen. Der Weihnachtsmann und der Polemiker auf Achse erhalten geradezu hymnische Lobgesänge unter jedem abgesonderten Wort. Allerdings, wer sich so manchen Thread dort ansieht, der stellt schnell fest, dass die hauptsächlichen Lobhudeleien aus der Feder eine 24-Stunden wachen, kleinen Gemeinde stammen, die schon immer so dachten und nun endlich glauben, jemanden gefunden zu haben, der es für sie ´mal sagt.

Freundliche Grüße
Christoph Leusch

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belle-hopes 27.12.2010 | 20:19

den begriff polemik hab ich übernommen vom autor, ich würde es gar nicht mal als polemik bezeichnen, alleine schon deswegen weil sich hier einige dran ereifern wie rumpelstilzchen am versprochenen königskinde. der text hat ja was sehr ehrliches. für mich besteht der makel darin, die bevölkerung als an lüge ungewohnt zu bezeichnen. aber das scheint ja ein stilistisches mittel zu sein. was mich nun mehr und mehr erschreckt ist das gezeter und angezicke in dem ganzen kommentarverlauf, meine güte, da tut mir der text fast leid, und der gute zweck geht flöten. vielleicht nimmt man sich das mal zu herzen und denkt im kontext.

Borax 27.12.2010 | 20:43

Ich möchte nicht auf alle Behauptungen und Vorwürfe von Herrn Augstein eingehen, sondern nur etwas zu Hern Sarrazins Gen-Theorie zum Besten geben. Sarrazins Behauptung, dass es u.a. ein "Jüdisches Gen" gäbe, hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst - auch beim Zentralrat der deutschen Juden. Dies wiederum hat vermutlich dazu geführt, dass viele Menschen das Denken sofort abgschaltet haben und mit dem Finger auf diesen bösen Sarrazin gezeigt haben.

Das Problem dabei - und gerade der Zentralrat der Juden hätte es wissen müssen - dass es auch in Deutschland Rabbiner gibt, die zur eindeutigen Klärung des Nachweises jüdischer Wurzeln DNA-Tests vorschlagen. Dieser Nachweis ist eine hinreichende Bedingung, um als Einwanderer in Israel die israelische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Am einfachsten ist es, wenn man eine jüdische Mutter hat. Aber die hat nicht jeder.

Deshalb empfiehlt beispielsweise der Berliner Rabbiner Andreas Nachama folgendes:

"Heute könnte man ohne Schwierigkeiten auch den Sohn eines jüdischen Vaters bestätigen, ja in großen Teilen der jüdischen Gemeinden in den USA wird dies ganz selbstverständlich im Rahmen egalitärer Überlegungen getan. Die altfrommen Rabbiner sollten sich einen Stoß geben – statt über ein neues restriktives Gesetz nachzudenken. Sie sollten ernsthaft in Betracht ziehen, die Halacha den Möglichkeiten der Zeit anzupassen, um jeden als Juden anzuerkennen, der dies zum Beispiel per Gentest belegen kann."

Hier die Quelle:
www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8449/highlight/einfach%C3%BCdisch

Desweiteren gibt es in Israel jede Menge Firmen, die Geld damit verdienen, mittels DNA-Tests die jüdische Abstammung nachzuweisen.

Wie das funktioniert, kann man auf der größten jüdischen InterNet-Site in deutscher Sprache - HAGALIL - nachlesen:
www.igenea.com/docs/hagalil/hagalil.htm

Irgendwann im Sommer hat mein Schwager aus Tel Aviv angerufen und gefragt, was denn da in Deutschland los wäre. Er hätte gelesen, dass da ein deutscher Politiker übelst beschimpft würde, weil er gesagt hätte, dass es ein jüdisches Gen gäbe. Dann er wörtlich: "Wie, das wisst ihr gar nicht? - Nun habt ihr wieder was dazugelernt..."

Damit möchte ich meine Ausführungen abschließen und hoffe dass ich damit etwas zur Versachlichung der Diskussion beigetragen habe.

Vielleicht liest ja sogar der Herr Augstein diesen Kommentar und überlegt sich dann noch einmal, ob das denn alles so richtig war, was er über Herrn Sarrazin geschrieben hat.

Egon-Erwin Wrobel 27.12.2010 | 20:54

@Emma

Über Heitmeyers Patternkonstruktion lässt sich diskutieren; letztlich dient er mir auch nur als läppisches Autoritätsargument um aufzuzeigen, dass eine Zunahme islamophober und elitistischer Volten empirisch nachweisbar ist. Ich hätte auch darauf verzichten können, denn offenkundig tut es zum Fortgang der Debatte nichts Qualitatives hinzu. Vielleicht tut es ja auch Gramsci: aber Sarrazin als "organischen Intellektuellen" zu bezeichnen, das spottet wohl der Begriffsverwendung (lol); man könnte höchsten von einer passiven Revolution zur Festigung einer bestimmten Hegemonie sprechen. Diese Hegemonie geht in einem Diskurs auf, der für die Befestigung einer krassen Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen sich ebenso einsetzt, wie für die blinde Stützung von Banken, letztlich für eine neoliberale kapitalistische Globalisierung. Allerdings bietet mir ein Kommentarfeld nicht die Möglichkeit, eine komplette Gesellschaftstheorie auszubreiten. Daher dachte ich auch, dass Jakob Augstein mit seinem Artikel nur eine intellektuelle Basis anspricht, die sich weiterer Informationen selbst zu bedienen weiß bzw. sich bestätigt sehen wollte in ihrer grundsätzlichen Ablehnung solcher Charaktermasken wie Sarrazin (oder Sloterdijk, oder Wilders etc.pp).

Über das Ausblenden des Faktors "Geschlecht" in Zeitdiagnosen brauchen wir nicht debattieren, da stimme ich sogleich zu. "Interesektionalität" soll dem in den kritischen Sozialwissenschaften abhelfen : bit.ly/gzToSo
Ich weiß nicht, inwieweit Sie/du sich dafür interessieren.

Mich würde darüber hinaus eine Diskussion über die soziopolitische Reichweite einer Zeitung wie "der Freitag" interessieren: zwar kein wissenschaftliches ORgan, aber auch keine Parteizeitung, sondern irgendwie politisierter Intermediär mit einer sehr heterogenen (siehe Kommentare) Leserschaft. Mich interessiert daher die Frage: wie die Kopplung zwischen Zeitungen, Politik und Zivilgesellschaft herstellen?

P.P.S.: DIe Frage nach Sarrazin und FAZ ist m.E. nur ein Platzhalter; die "Diskurse herrschen nicht" so Habermas, der damit sagen wollte, dass es die materiellen und politischen Handlungen einer Gesellschaft sind, die Veränderungen (in jede Richtung) bewerkstelligen. Von daher muss ich auch etwas über die Intensität der Debatte schmunzeln.

Emma in Uniform 27.12.2010 | 21:04

@Donnerstagder

Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Antisemiten und Philosemiten, das sind nur die zwei Seiten eines Übels; sie beurteilen Juden nicht für das, was sie tun oder darstellen, sonder nur dafür dass sie Juden sind.

Aber das zu erkennen, ist nicht jedem gegeben.

Gerade Sarrazin oder Sozenschreck sind wunderbare Beispiele für den gönnerhaften Blick der "wohlmeinenden" Deutschen, die den jüdischen Anteil an deutscher Kultur in erster Linie als Verlust des eigenen sieht - die Emigration und den Holocaust als Minderung deutschen kulturellen Ertrages wahrnehmen, wenn das Bedauern über den Verlust jüdischer Kulturträger zu Selbstmitleid geronnen ist, man habe sich unschätzbarer geistiger Güter beraubt, hach.

Nichts als beschissene Idealisierung, Stereotypisierung, ohne den Blick für die realpolitischen Verhältnisse in Israel, "Antizionismus gleich Antisemitismus" (so wie bei dem ebenfalls vollkommen verblödeten RWE-Eigentum Joschka Fischer). Man kann nicht soviel essen, wie man kotzen möchte.

Und prima, ...auch "Mensch mit Migrationshintergrund" zu sein, ist das verdammt letzte, wonach man sich sehnt, wenn man hier geboren wurde oder den Großteil
seines Lebens bereits in Deutschland verbringt. Es ist im Gegenteil Privatsache, wird im ganz privatem Raum, erst bei besserer oder sogar guter Bekannschaft geäußert, thematisiert. Und man sagt dann auch ganz schlicht: Ich bin der und der Herkunft, meine Eltern stammen ursprünglich von da und da, ich bin vor x Jahren eingewandert etc.
Alles andere ist: Kalter Bürokratensprech.

"Migrationshintergrund" ist diffamierend, "gehört abgeschafft". Richtig, mensch, ich erkenne Fortschritte, derDonnerstag, wow.

-Emma Rothschild

gbruno 27.12.2010 | 21:23

Augsteins Sarrazin-Kritik enthält außer den üblichen persönlichen Beleidigungen nichts Substantielles, keinerlei Stellungnahme zu den Problemen, die inzwischen alle westeuropäischen Gesellschaften mit der Mehrheit der moslemischen Migranten haben. Eine Linke, die die Probleme ignoriert und nur den Boten der Nachricht niedermacht, ist politikunfähig. Drei Problembereiche, die von der Bevölkerungsmehrheit mit Sorgen registriert werden, und auf welche die Linke endlich einmal eine Antwort geben müsste: 1. Einwanderung in die Sozialsysteme; z. B. gehen 40 % der dänischen Sozialleistungen an Migranten; 2. Unsicherheit des öffentlichen Raumes in Großstädten; nahezu alle Vergewaltigungen in skandinavischen Großstädten werden von Migranten verübt, 80 % aller jugendlichen Intensivtäter in Berlin sind türkische und arabische Migranten; 3. Moscheebauten durch nationalistisch-islamische Gruppen wie die von Erdogan abhängige Ditib oder die faschistische Milli Görüs, welche zu "Blut, Ehre und Türkentum" erziehen, Integration verhindern und Gegengesellschaften aufbauen.

GeroSteiner 27.12.2010 | 21:28

@Emma in Uniform

"Tom Gard hatte Recht Sie zurückzustossen, als Sie ihn wie ein Blockwart/Kapo ermahnen wollten den Ton zu mäßigen, das gegenüber Rassisten und Dummköpfen!"

Blockwart/Kapo?
Sagen Sie mal, Sie Bundesschreckschraube, geht's noch?

Mein Disput mit Tom Gard, wobei es mir lediglich darum ging, den sicher nachdenkenswerten Inhalt nicht durch die gewählte unmäßige Form zu entwerten, die mir gegen den Strich ging, geht Sie, mit Verlaub, einen Scheißdreck an.

Wenn Ihnen das nächste Mal die Sicherung durchbrennt, und Sie gegen mich ausfallend werden möchten, dann schreiben Sie es bitte auf das nächstbeste Klopapier, an die FAZ oder Sarrazin, aber verschonen Sie mich damit.
Danke.

GeroSteiner 27.12.2010 | 21:40

@Emma in Uniform

"Die Medien sind für Sarrazins Popularität anzuklagen,"

Nachsatz.
Hoffentlich sachlich genug.

Wer oder was sind denn die Medien? Das sind doch keine Dinge. Die Medien sind Journalisten, die von Geldgebern bezahlt werden, von Menschen, die sich "Medien" kaufen - wie Murdoch oder Berlusconi. Diese Medien kaufen sich Nachrichten von Konzernen wie Reuters, die Nachrichten verbreiten. Die Qualität einer Nachricht richtet sich nach dem Erlös, den sie auf dem Nachrichtenmarkt bringt. Je mehr Geld, desto besser.

Es gibt keine unabhängigen Berichterstattungen mehr, es gibt Meinungen, im Einer oder im Doppelpack. Es gibt keine Nachricht ohne Interpretation - nicht mal mehr beim Wetter.

Wenn Sie schon jemanden anklagen wollen, sollten Sie die anklagen, die für derartige Nachrichten verantwortlich sind. Das sind nicht die "Medien" sondern die Menschen, die diese Quatsch erst zu Nachrichten machen.

little Louis 27.12.2010 | 21:49

@ Borax
Danke für diesen längst fälligen Hinweis. Klaus Kinkel hat schon vor Jahren anlässlich der Hochzeit eines seiner Kinder auf einen für die Einbürgerung nach Israel (oder die Legitimität der Verheiratung ?) notwendigen "genetischen Nachweis" (öffentlich) verwiesen.
Ein Teil der deutschen Linken scheint leider bezüglich dieser Thematik völlig ahnungslos zu sein. (Oder sie gibt sich zumindest so, was ich für genauso wahrscheinlich halte)

Emma in Uniform 27.12.2010 | 21:54

@Gerosteiner,

hach, wie unmäßig Sie gleich durchdrehen,
wenn man Ihre Methode mal zur Abwechslung auf Sie anwendet, amüsant.
Auch für Sie:
Gleiches Recht für alle.
Sie haben schon mehr als einmal
versucht, mir bei einem Disput MIT ANDEREN Vorschriften zum "Tonfall" zu machen, was das angeht brennen bei Ihnen regelmäßig die Sicherungen durch;
Sie maßregeln also aus dem Off hinein, als
wären Sie ein Kapo, Sie haben schon völlig richtig verstanden.

Hujuij, "geht Sie einen Scheißdreck an, ..schreckschraube,..nehmen Sie mal wieder Haltung an, Herr Stabsunteroffizier - Danke.

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Ehemaliger Nutzer 27.12.2010 | 22:23

Und wieder schafft es Sarrazin, dutzende Intellektueller oder solche die sich dafür halten, zu beschäftigen und ihre Gemüter zu erregen.
Zum Schluss dieses Blogs weiß man gar ncht mehr, dass es eigentlich nur um eine kurze Replik von JA auf einen FAZ-Artikel ging.
Da hat Broder eines euch allen hier voraus: Er schwafelt nicht in endlosen Wort-Schleifen umher. Diese ewige Wortklauberei hier in der FC macht nämlich diese FC hier kaum noch lesbar für Dritte.

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Ehemaliger Nutzer 27.12.2010 | 22:29

...da wird gestritten um den Unterscheid oder die Gemeinsamkeit von Antisemiten und Philosemiten, da wird um eine endgültige Definition des Begriffs "Medien" gerungen.
Das sind nur noch intellektuelle Spielerein, sozusagen Selbstbefriedigungen. Und genau deshalb wird es eine solche linke intellektuelle Szene wie diese FC nie schaffen, die Menschen draußen an den Stammtischen, in Kreuzberg, in Neukölln in die Aufklärung einzubeziehen.
Und genau deshalb haben die Sarrazins in diesem Lande auch die mediale Hoheit.

GeroSteiner 27.12.2010 | 23:31

@Emma in Uniform

Bundesschreckschraube war das Wort. (Hohlmantelgeschoss klang mir einfach zu martialisch, hätte aber vermutlich besser gepasst.)
Ich gelobe keine Besserung Frau Aufseherin, immerhin habe ich es schon unverdienterweise auf die Blacklist geschafft. Und von meiner Methode zu reden, die Sie jetzt auch noch anwenden - zu viel der Ehre. Machen Sie was Sie wollen, es stört mich nicht. Jetzt noch weniger als vorher.

Egon-Erwin Wrobel 27.12.2010 | 23:35

In der Aussage stimme ich dir zu. Der Verlauf der Diskussion zeigt aber auf, dass es ganz viel Uneinheitliches, bisweilen "Missverständnisse" zwischen Artikulationsform bei JA (gespielte Polemik) und Intention (Abgrenzung ggü. Kollektivphänomenen wie Rackets a la Sarrazin als Ausdruck einer gesellschaftlichen Malaise) gibt. Dass dies mitunter kontrovers, ausgiebing und bisweilen wechselseitig abgrenzend erfolgt, ist einerseits der Thematik (weit in gesellschaftliche Grundfragen zielend), aber zu weiten Teilen wohl auch der Diskussionplattform geschuldet, die klare Argumentationen gern einmal für Spam, Selbstvergewisserungen und Affirmationen substituiert. Deswegen muss das Medium (FC) noch nicht verrissen werden. Es ist Teil eines bestimmten, wenn auch kleinen, Ausschnitts von Öffentlichkeit. Klar ist indes: eine wirkliche Bewegung, gar anti-rassistisches Handeln wird nicht ferngesteuert, quasi per Mausklick erfolgen. Zunächst muss aber der "Kampf um die Köpfe" geführt werden, müssen politische Überzeugungen ausgetauscht udn abgewogen werden. Zudem: nicht jeder Leser äußert sich - aus diversen Gründen - in diesem Forum. Manch einer wird sicher auch durch das Verfolgen der Diskussion in seiner Willensbildung bereichert. Ich würde daher die pessimistische Grundstimmung ggü. dem Medium nicht teilen. Darüber hinaus kann über bestimmte Verfahrensweisen in der Diskussion sicher gerungen werden (z.B. Qualitätsstandards in der Ausführung; Ausblenden von Redundanzen, Quellenangaben). Die digitale Öffentlichkeit verlangt andere Verständigungskriterien als ein Stammtisch, ein Marktplatz oder eine geschlossene Gesellschaft. Persönlich empfinde ich die hier fehlende Enge (z.B. durch lokale Borniertheiten oder milieugebundene Redensarten und Ideologien) durchaus angenehmer. Wenn ich das richtig sehe, ist der Freitag die einzige Zeitung, die den Lesern eine solche Form der Debatte überhaupt zugesteht. Nur allmählich stellen sich andere Schwestermedien auf die neuen Umgangsformen und Anforderungen des Web 2.0 ein. Was aber in der kapitalistischen Arbeitswelt und den staatlichen Apparaten in Bezug auf technische Instrumente (Maschinen, IuK, Instrumente) mittels Zwang (Rechtsinsitut des Arbeitsvertrags oder einschlägiger GEsetzgebung) zur Erreichung naturwüchsiger und egoistischer Interessen durchgesetzt wird, kann "hier" durchaus transformatorische, zumindest aber anregende Wirkung entfalten. [Dies gilt aber nicht nur für einen Artikel, sondern für die gesamte Erscheinung und Teilhabe].

Columbus 28.12.2010 | 00:13

Hallo, lieber Herr oder Frau Borax,

Ihre persönliche DNA und sonstige Abstammungsnachweise können Sie beliebig zu religiösen und nicht-religösen Zwecken sammeln und auswerten. - Übrigens werden Sie über den genetischen Wert dieser Information beim "dF" bestens beraten. -Suchmaschine! - Gefährlich und widerlich wird es, wenn Sie beginnen, daraus oben und unten, wertvoll, produktiv, oder ohne Wert, unproduktiv, wertlos, intelligent, tendenziell weniger intelligent, dumm, ableiten.

Darum geht es. Darum ging es im Gen-Streit der Genetiker mit Sarrazin, der selbst aber laut glaubt, selbst die laut Widersprechenden hätten eigentlich doch ganz laut ja, ja, ja zu seinen Thesen gesagt.

Der nämlich entdeckte ein/mehrere Intelligenzgene, vorzüglich bei Ashkenasim-Juden, und vertritt in seinem Schinken, seiner Schwarte, die These von der sozialen und genetischen Degneriertheit der bisher wenig Erfolgreichen, der Migranten, besonders der Muslime und Türken, und der sozial Schwachen, die das Schicksal Deutschlands schon längst biologisch besiegelt hätten. - Wie gesagt, -wie übrigens Broder in seinem dummen Buch "Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken."-, ist der Genetiker und Soziobiologe Sarrazin fest davon überzeugt, dass der Casus schon eingeteten ist. - Sie merken, lieber Borax, wo da der Unterschied liegt?

MfG
Christoph Leusch

Emma in Uniform 28.12.2010 | 00:31

@Herr Wrobel

"man könnte höchsten von einer passiven Revolution zur Festigung einer bestimmten Hegemonie sprechen."

:) Gramsci und der organischen Intellektuelle sind mir kein Begriff, ich werden nachsehen,.. wiewohl Du mir auch in der sozio-politischen Ebene weit vorauseilst:)..

Ich danke auch für den Link, sieht sehr interessant aus, ich werde Dir Rückmeldung geben.:)

Was den Platzhalter angeht, stimme ich Dir zu; allerdings, guter Anstoß, ich muss erstmal ein grobes Brainstorming im Rahmen meiner kargen Kenntnisse zu den "materiellen Auswirkungen" eines solchen Forums veranstalten;
Ja also...es kommt doch sehr darauf an, wie intensiv ein
"Kulturprodukt" (wie das vermeintliche Sachbuch von Sarrazin) in einem Blog bequakkelt wird...

Auch mein Wissen zu Habermas hochinteressanter Argumentation bezüglich des Strukturwandel der Öffentlichkeit in Zeiten der elektronischen Massenmedien bzw. seiner Theorie des kommunikativen Handelns ist nur sehr schulisch-fragmentarisch.

Die (hier in der FC eher bürgerliche) Debatte im Spannungsfeld zwischen Staat, Medien und Gesellschaft, versteht sich m.M.n. selbst als ein Teil der herrschaftswiderständigen privaten Sozialsphäre.

Die von Habermas prinzipiell, wie hier von Dir indirekt gestellten Frage nach der direkten oder indirekten Einflußnahme der (oftmals grenzüberschreitenden) Öffentlichkeit auf Transformationsprozesse bis hin zum fundamentalen Systemwandel, ist, angewandt auf die Kommunikation im Internet, wie ich finde, so aktuell wie nie zuvor, naja, wie lang nicht mehr.

Nie zuvor gab es auch die Konstellation, dass eine solche Masse von Menschen in einem System, sich miteinander, gruppenweise austauschen, räumlich unabhängig voneinander, zu jeder Zeit, lebenswichtige Themenfelder, Problemsituationen, notwendige Entscheidungen diskutieren und demokratisch entscheiden KÖNNTEN, eine gemeinsame gerechte, freie Werteorientierung stattfinden KÖNNTE.

Sie sprachen ja die Heterogenität dieses Forums explizit an.
Nun verneinen Sie offensichtlich ja auch, dass zur Zeit zwischen politischer Kultur und politischem Verhalten lineare Wirkung bestünde, verstehe ich Sie da richtig? (Mir kommt spontan autoritärer Etatismus im Neoliberalismus in den Sinn)...

Bei Ihrem Stichworten," Diskurse herrschen nicht" fallen mir noch illokutionäre/perlokutionäre Rollen und kommunikatives Handeln; übergeordnet der kantsche Konflikt zwischen Pflicht und Neigung - hier sehe ich persönlich, dass in der Rezeption durch die, wie gesagt, akademisch gebildeteten und bürgerlichen Schichten auf breiter virtueller Basis, ein realpolitisch wirksamer demokratischer Mechanismus entstehen könnte, auf sehr lange Sicht gesehen, erst mit fortschreitender Hochtechnologisierung natürlich - also Science Fiction - denn:.

Was sich immer noch und auch weiterhin als sehr hemmend auswirkt, ist eben die sich nicht sukzessiv weiterentwickelnde Streitkultur in den Foren und Blogs durch den Mangel an der "sinnlichen Wahrnehmung" des Gegenübers, das phantomhafte, anonyme Element wiegt zu schwer(ein Lieblingsthema von mir); eine ergebnisorientierte heterogene Diskussion wie in einem Parlament, Ausschuss, kommunalen Gemeinschaft etc. ist in der vorherrschenden jetztigen Form noch nicht einmal simulierbar.

Die minimalen Bedingungen des menschlichen Miteinanders sind durch diese Anonymität nicht gegeben, um einen respektvollen und dadurch effektiven Disput zu führen, die Wortführerschaft wird nur durch hochspezifisches Vokabular gemäß dem Bildungsstand einzelner, zumeist doch homogener Gruppen errungen, demokratische Entscheidungen bleiben dergestalt illusorisch.

Wie gesagt, lediglich ein Brainstorming..Um jetzt nochmal auf Sarrazin und sein Machwerk zurückzukommen - hat sich bei ihm auch sehr schön gezeigt, dass er bei der "sinnlichen" Konfrontation, also vis-a-vis mit den Diskutanten, bei der Verteidigung der Inhalte seiner Schrift eben sehr schnell an die Grenzen seiner Moral, seines Gewissens stößt. Etwas, das ihm am Schreibtisch bei der Durchsicht seines rassistischen Gewölls nicht zu schaffen machte.

Das er für seine unverschämt unrecherchiertes Statistikmärchen, diese Vulgärpsychologie- und polemik einen Verlag gefunden hat, ist seinem Status geschuldet, nichts anderem.

Aber seine sehr deutlich sichtbare Scham erträgt er ob eines quasi unmenschlichen, seiner Psyche trotzig abgerungenen Nutzenkalküls, insofern ist er ein sehr
typisch artgerechtes Exemplar von neoliberalem Politiker.:)

abschweifende Grüße - Emma

Columbus 28.12.2010 | 00:45

Da, liebe Frau Smilla, sagen Sie etwas ganz Wichtiges. Denn Frau Heisig hat darauf hingewiesen, dass gerechte Justiz heißt, die Strafe folgt auf dem Fuße. - Wobei hier ja gar nichts über das Verhältnis von Strafen für (Laden-)Diebstahl und Abzocke, zu den Strafen in den größten Finanzprozessen gesagt ist, sofern die überhaupt stattfinden und nicht behördlich, wie z.B. in Hessen, verhindert und verzögert werden. - Dass gerechte und wirkende Sozialarbeit heißt, sofort nachgehen, sofort hin gehen und dem einzelnen Jugendlichen das Umfeld frühzeitig entziehen, welches ihn zum Mehrfach- und Intensivtäter macht, oder sich zumindest weigert, an einer Umkehr aktiv mitzuwirken.

Das kostet ein bisschen Geld und es fordert die Einstellung von Persönlichkeiten in der Sozialarbeit, nicht von Bürokraten. Das kostet Kraft und Energien.

Aber, auch das sei gesagt, es kostet nicht die Welt, belastet uns sozial nicht über Gebühr, schützt aber vor den Folgen, die beim weiteren Nichtstun entstehen und rettet manchen Jugendlichen vor dem Ende in der Berufkriminalität. Es gibt übrigens ein zeitliches Eingriffsfenster, etwa vom 13. - 28. Lebensjahr. Da sind intensive und dauerhafte Hilfen erfolgreich, die die Jugendlichen aus dem Milieu bringen.

Stattdessen wird bei uns, mit Thilo S. und so manchen Blutsbruder (m/w) im Geiste, über Religion, Kopftuch und Gemüsehandel debattiert.

Die Masse lässt sich abspeisen, wenn sie sagen kann, Muslime oder/und vorzüglich Türken seien schuldig und verantwortlich, als Ethnie, als Religionsgemeinschaft. Manchen aus der Elite genügt es auch, wenn sich der Plebs gegenseitig kräftig die Haare rauft. Manche träumen von aufgeräumten Verhältnissen, von klaren Grenzen der Gruppentrennung, nicht von einer Gemeinschaft und vom Zusammenhalt aller, wie unser Bundespräsident. Das steht alles in der neuen roten Bibel der Deutschen, die in die Schrank- und Stollenwände Einzug hält, auf den Nachtkästlein liegt, später auch unter die gebauschten Kopfkissen wandert oder in der Küchenschublade auf den nächsten passenden Einsatz lauert. Dann wird wieder geblättert und dann wird wieder Halali geblasen.

Guten Abend
Christoph Leusch

j-ap 28.12.2010 | 00:50

(Columbus schrieb am 27.12.2010 um 16:20)

Guten Abend, Herr Leusch.

Eben weil das, was Sie über den französischen Republikanismus schreiben — und Schiller gehört ja fraglos in diese Reihe — richtig ist und ich diese Ansicht vollumfänglich teile, bin ich trotz aller meiner Staats- und Demokratiekritik der Anschauung, daß es unter dem Niveau der bürgerlich-liberalen Demokratie keinen Fortschritt zum Besseren geben kann.

Die bürgerliche Gesellschaft kann von ihrer inneren Verfassung her die Versprechen, die sie einmal ausgab (Freiheit, Individualität, Luxus, gleiche Teilhabe für alle usw. usf.) und die ja an sich, machen wir uns nichts vor, nichts anderes sind als die Entfaltung des Humanismus' und der Aufklärung, weshalb sie als Ziele richtig sind und auch bleiben, nicht einlösen. Ich will das hier nicht schon wieder breittreten, Sie wissen ja, was ich dazu zu sagen habe.

ich habe weiter oben etwwas Entscheidendes vergessen: Ein radikaler Republikaner ist Thilo Sarrazin schon, wennzwar auch seine Negativform, denn das, was er hier vorträgt, liegt völlig ohne jeden Zweifel innerhalb der Logik jedes bürgerlichen Staates. Aber damit kann es sein Bewenden noch nicht haben, denn er ist auf seine ganz eigene Weise ein deutscher radikaler Republikaner.

Ich hielte es für höchst aufschlußreich, würde sich mal jemand tatsächlich die Mühe machen, den Sarrazin auf historische Parallelen hin abzuklopfen. Spontan fallen mir da die Südosteuropa-Pläne der deutschen Eliten bis 1914 (»Hinterland für Ober-Ost«) und ab ca. Mitte der Weimarer Jahre wieder ein, aber auch die »Volksgruppenpolitik« der Konservativen Revolution, die dann später von den Nazis in anderer Variante tatsächlich umgesetzt wurde (Tschechoslowakei, »Generalplan Ost« usw.). Kann es sein, daß Sarrazin, ob nun wissentlich oder nicht, an diese Traditionen anknüpft?

Ich halte Sarrazin, aber auch Sloterdijk et al. nicht für Extremisten, sondern im ganzen schlimmen Gegenteil für die lupenreinen und mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar latent in ganz großer Zahl vorhandenen Erzeugnisse deutscher Kleinbürgerlichkeit, die jetzt ganz groß auftrumpfen darf und kann, weil ihr die so begehrten Kolumnen und Sendeplätze zur Verfügung gestellt werden. Und zwar nicht vom läppischen Randgruppenfunk, sondern von den landesweiten publizistischen Dreadnoughts. Weshalb ich in der Vergangenheit schon mehrmals auf den Umstand hingewiesen habe, daß da nicht von Außen oder Oben ganz Unerhörtes in die braven deutschen Mittelschichtenhirne eingetrichtert wird, sondern nur Stichworte geliefert werden, die etwas evozieren, was in eben diesen Hirnen die Jahre über ganz gemächlich schlummerte:

1. Autoritäre Dispositionen;
2. die Neigung zur pathischen Projektion;
3. die Neigung, die Geschichte dieses Landes nicht zu reflektieren, sondern zu erklären, zu entschuldigen und rationalisieren;
4. eine diffuse antizivilisatorische, regressiv antidemokratische Stimmung;
5. die Neigung zur vorauseilenden Selbstgleichschaltung;
6. die Neigung zur gruppenspezifischen Gefolgschaft, also der Hang dazu, sich unbekümmert um die eigenen Erfahrungen und die eigene Interessenlage zum Sprachrohr und Anwalt der jeweils gerade gängigen Parole zu machen.

Ganz grundsätzlich befindet sich diese Reihung in völliger Konkordanz derjenigen Zwecke, die als die herrschenden gelten können: eine so tiefe Identifikation von Menschen mit »ihrer Nation« kommt stets gelegen, insbesondere, wenn sogar jede individuelle Selbstachtung von dieser Identität abhängt und nicht mehr ohne sie gedacht werden kann. Widerstand besteht auch darin, die Identifikationsangebote der Nation, welcher man nun einmal angehört, zurückzuweisen.

Das sind rein privatempirische Punkte, die ich aus dieser Debatte in diesem Jahr mitnehme, und ich zweifle keine Sekunde daran, daß wir sie im nächsten Jahr wieder antreffen werden.

Und damit grüßt Sie (und auch Herrn Wrbobel)
Josef Allensteyn-Puch

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lavieprivee 28.12.2010 | 01:09

@FrauSmilla, gut, dass es hier wenigstens ein einziges mal angesprochen wird, das fragwürdige Schicksal einer engagierten Jugend-Richterin, die schon lange auf unhaltbare Zustände in ihrem Wirkungsbereich hingewiesen hatte und dann so seltsam sang-und klanglos, ohne großes Echo in den Medien, begraben worden ist !
Komisch fand ich damals in den Radionachrichten nach ihrem Verschwinden, dass immer wieder dazugesagt wurde, jaja,sie habe "persönliche Probleme", bevor ihre Leiche überhaupt aufgefunden war !

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lavieprivee 28.12.2010 | 01:09

@FrauSmilla, gut, dass es hier wenigstens ein einziges mal angesprochen wird, das fragwürdige Schicksal einer engagierten Jugend-Richterin, die schon lange auf unhaltbare Zustände in ihrem Wirkungsbereich hingewiesen hatte und dann so seltsam sang-und klanglos, ohne großes Echo in den Medien, begraben worden ist !
Komisch fand ich damals in den Radionachrichten nach ihrem Verschwinden, dass immer wieder dazugesagt wurde, jaja,sie habe "persönliche Probleme", bevor ihre Leiche überhaupt aufgefunden war !

Emma in Uniform 28.12.2010 | 01:10

@Armer Berliner

"Ach, vielen Dank für die nette Einladung.

Um 16.30 Uhr?

Ach, das wird sicher sehr nett.

Vor dem Gartentor am hinteren Grundstücksende, ganz in schwarz, nicht wahr?

Ist es schlimm, wenn ich nur Kleinkaliber mitbringe?
Nein?

Und Danke auch für das nette Angebot, ich habe noch keine Kinder, die man nach Galizien schaffen müsste..

Mein Partner ist selbstverständlich dabei.
Ja..eine langläufige, er ist schließlich im Schützenverein.

Neeeiiin, ..die Digitalkamera vom Handy reicht für
Sarrazins Erklärung doch völlig aus.

Zeitung, Kleber, Kotztüten, klar, ich denk dran.

Bis Freitag!"

Borax 28.12.2010 | 01:41

Werter Herr Leusch,

Ihren Versuch, intellektuell zu wirken, habe ich sofort durchschaut. Insofern ist es in der Tat erforderlich, Ihnen dahingehend auf die Sprünge zu helfen, dass es in meinem Beitrag völlig zweitrangig ist, welche Meinung ich selbst habe. Ich habe die Meinung derer wiedergegeben, um die es in Herrn Sarrazins These geht. Insofern ist es völlig unsinnig, dass Sie mich persönlich angreifen - ein Griff ins Leere sozusagen - denn die Meinung derer, die ich ja nur zitiert habe, können Sie dadurch nicht wegmanipulieren.

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Ehemaliger Nutzer 28.12.2010 | 01:59

Guten Abend j-ap,

sehr einverstanden mit dieser privatempirischen Untersuchung. Mir war schon länger so, als sei der Sarrazin ein Wiedergänger. Wessen Wiedergänger er aber sein könnte, wollte mir nicht einfallen. Nach dem Lesen Ihres Kommentars fällt es mir wie Schuppen unter der Schneelast ein: Er ist der Diederich Heßling der Postmoderne.

Und damit grüßt auch Sie
hardob

Egon-Erwin Wrobel 28.12.2010 | 02:15

Hallo Emma...,

das sind etliche Punkte, die du angesprochen hast. So sehr ich darauf antworten möchte, wirkt sich zugleich die (moralische und inhaltliche) Aufgeladenheit dieses speziellen Threads als Hemmnis aus, zumal jedes weitere Ausschweifen [die angesprochenen Thesen haben das zur Voraussetzung :-)] dem Anliegen der Artikel-Diskussion nur noch marginal beitragen würde. Wenn du ein ehrliches Interesse an Austausch hast, dann biete mir entweder die Möglichkeit, auf deinem Blog ausführlicher Stellung zu beziehen oder nenne mir eine Ausweichmöglichkeit. Alternativ bietet sich das Kontaktfeld des Webblogs korrekturen.blogsport.de/

Gruß,
EEW

P.S.: Habermas' Werk muss eigentlich differenziert betrachtet werden. Etliche Apologeten gratulieren ihm zu seiner liberalphilosophischen Apotheose des demokratischen Rechtsstaats (die er in "Faktizitität und Geltung" elaboriert); sie gratulieren ihm deswegen, weil sie darin die endgültige Abkehr von einer (vormaligen) gesellschaftskritischen Gesinnung wittern. Vielleicht erinnerst du dich an die Doku "Ruhestörung" (1968), in der Dutschke und Habermas ihre transformatorischen Ideen konfrontieren. Dutschke: "Prof. Habermas, Ihr begriffsloser Objektivismus erschlägt das zu emanzipierende Subjekt!" (die Menge applaudiert und tobt), Habermas kehrt aus seinem PKW zurück aufs Podium: "Herr Dutschke, was Sie vorschlagen, hätte man 1848 einen linken Faschismus genannt!" Ich kriege es nicht mehr genau erinnert, der Film ist Teil eines Bandes mit Schriften Habermas', die er in der Zeit der 68er-Bewegung herausgegeben hat und die sich mit dem intellektuellen Andockpotential der Hochschulen für gesellschaftliche Reformen befasst. Ein Thema, das im Zeitalter der BA/MA-Gleichschaltung als bitterböse Farce erneut aufscheint: bit.ly/fxUGaJ

Letztlich kann man Habermas' intellektuelle Entwicklung aber wohl kaum unter voluntaristischen und konkret-politischen Perspektiven verhandeln. Er ist Exoteriker und teilweise guter Stichwortgeber, scheitert aber an seiner nur halbherzig vollzogenen Marx-Lektüre ("Ich habe Marx über die Lektüre von Lukasc und der 'Dialektik der Aufklärung' von Horkheimer/ADorno entdeckt"). Sein Buch "Legitimationsprobleme des Spätkapitalismus", das er 1973 als erstes Gedankenkonzentrat seinen späteren Überlegungen zu einer auf der menschlichen Kommunikation als DEM zentralen Interaktionsmedium fußenden GEsellschaftstheorie vorlegte, habe ich oben bereits zitiert. Es erfährt angesichts von THesen über Postdemokratie (Crouch) eine ungeahnte Aktualität. Schau mal beim MPI für Gesellschaftsforschung nach: www.mpifg.de/pu/mpifg_dp/dp08-10.pdf

Über den Wirkungsgrad von THeorien und Intellektuellen als Bilnern von gesellschaftlichen Diskursen gibt es m.E. keine gehaltvolle empirische Studie. Das mag aber auch am reichlich affirmativen (unkritischen) Charakter der Sozialwissenschaften seit gut zwei Jahrzehnten liegen. In Ansätzen hat sich damit Ingrid Gilcher-Holthey befasst, die u.a. über die tatsächliche Reichweite der 68er-Protestbewegung reflektiert. Ganz konkret fällt mir aus Frankkrei Pierre Bourdieu ein, der sich selbst nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch Intellektueller in die Debatte eingeschaltet hat und mit seinem Schüler Wacquant eine eigene Theorie-Zeitschrift herausgegeben hat (Raison d'agir) zu einer Zeit, als Blair und Schröder der europ. Sozialdemokratie gerade den "Dritten Weg" machtpolitisch und geistig ebneten: bit.ly/ftZq2f

Über die Potentiale des Web 2.0 und Social networking wird hoffentlich die linke Medienakademie im April reflektieren. In Teilen hatte das auch der Kongress "Öffentlichkeit und Demokratie" zum Ziel, bei dem u.a. JA zu "Stuttgart 21" sprach: www.oeffentlichkeit-und-demokratie.de/webcast.html
Erst vor einigen Tagen hat er sich auch in einer vom Institut Solidarische Moderne initierten Telefonschalte zum Umgang mit Wikileaks geäußert. Insofern würde ich ihn eher als organischen Intellektuellen bezeichnen, wenn das Ganze bislang auch noch sehr zaghaft vorgetragen wird; immerhin findet er - wenn vllt auch unabsichtlich -. den Kontakt zu (m.E.) progressiven Intermediären (NGO's, Thinktanks, Zeitungen). Das trifft in Teilen nciht meine politischen Überzeugungen, kann aber ein Beispiel für die Etablierung eines anderen Diskussionsklimas sein.

Zum nächtlichen Abschluss noch ein Schmankerl: www.youtube.com/watch?v=jPmyIT_wphU

haramscout 28.12.2010 | 04:54

Ich habe selten einen so von Hass geprägten Artikel gelesen. Herr Augstein scheint auch einen gewissen unterschwelligen Neid gegenüber der FAZ nicht verheimlichen zu können. Jetzt sind halt mal andere dran.
Das eigentliche Problem ist doch nur, dass die linke journalie langsam aber sicher ihre Meinungs-Lufthohheit verliert. Veröffentlichte und öffentliche Meinung gehen halt nun einmal weit auseinander in diesem Lande. Nicht Sarrazin hat das Land gespalten, sondern die links-orientierte journalie, und das seit Jahren. Und nun kommt einfach mal jemand daher, der den wirklichen Gemütszustand einer großen Gruppe der Bevölkerung richtig erkennt und für sie spricht, weil sie schon längst aufgegeben hat bzw sich nicht mehr getraut hat das zu sagen, was man denkt. Denn das, was man laut denken darf, wurde über Jahre von dieser linken journalie vorgegeben. Das Buch von Sarrazin ist geradezu ein Aufatmen für viele Leute.
Wahrheiten können manchmal weh tun und diese journalie ist halt doch recht schmerzempfindlich....

mh 28.12.2010 | 11:45

so d******h polemisch der columbus auch immer ist, in einem hat er natürlich recht. es ist zwingend zu vergleichen, was man banken als einmalrettung zur verfügung stellt, denn genau dieses geld müsste man dann jährlich prassend, dem steuerzahler zur verfügung stellen. weil von wegen gerechtigkeit.

übrigens columbus, wenn du dich in deinen aufgebauschten sätzen noch zweimal mehr um dich und das gesponne selbst zu drehen vermgagst, dann könntest du deine textlänge vervielfachen und dein internets****z wäre ähnlich dimensioniert wie der des niggemeiers.

mfg
mh

Dieser Kommentar wurde mit Freuden von der Moderation editiert.

Teiler Doerden 28.12.2010 | 13:09

Gähn … warum beansprucht ihr verblendeten Sarrazin-Befürworter eigentlich die "einzige wahre Wahrheit™" für euch und euren Meister? Was ist das für ein armseeliges Diskussionsniveau?

Die sogenannte linke Journalie hat übrigens Ihrem Vordenker ein nie dagewesenes Sprachrohr geboten, seine Wahrheiten™ zu verkünden, als Bild und Spiegel vorab Auszüge aus dessen Buch veröffentlichten. Der Spiegel! Ausgerechnet dieses linke Blatt!

Und was sind diese Wahrheiten™, die man nicht aussprechen durfte? Gewisse Bevölkerungsgruppen sind unser Unglück. Wow. Was sind wir doch jetzt klüger geworden!

Was Sie sagen ist: Fremdenhass ist OK, wenn die Mehrheit der Bevölkerung so denkt.

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Ehemaliger Nutzer 28.12.2010 | 13:14

@haramscout:

Seit der "gute alte FJS" sogar den Spiegel mal als linkes Kampfblatt bezeichnet hatte, bin ich mit der links-rechts-Einteilung sehr vorsichtig geworden.
Ich halte das auch für eine statisches Kriterium: Ein Journalist kann bei Hartz IV eher "linke" Positionen (=für die sozial Schwachen) einnehmen und in der Frage der Integration eher rechte Positionen (=nur noch Leistungsträger reinlassen) vertreten.
Und selbst die Nazis hatten sich öffentlich für die sozial Gestrauchelten der Weimarer Republik eingesetzt und waren deshalb doch Rechte.
Was mir bei diesem Blog auffällt: Herr jakob Augstein hat in "seiner" FC offenbar genau das Diskussions-Personal angesprochen und versammelt, das er auch verdient: selbstverliebte, sonst ungehörte, selbsternannte Intellektuelle, die sich an Fremd-Wörterklauberein und -spielereien geistig aufgeilen.
Und so ziehen sie denn weiter von Blog zu Blog, den lieben Tag lang...
Der Freitag hat mit dieser Art von "Community" sehr an Niveau verloren.

Teiler Doerden 28.12.2010 | 13:23

1. "Einwanderung in die Sozialsysteme" - Die Realität ist, dass Deutschland heute ein Auswanderungsland ist. Nicht nur verlassen immer mehr gut Gebildete Deutschland aufgrund des verschlechterten gesellschaftlichen Klimas. Es gehen auch mehr Muslime als neue kommen.
2. Sie vertauschen Korrelation und Kausalität, wenn Sie unterstellen, Migranten seien aufgrund ihrer Kultur gewalttätig. Kriminalität entsteht durch Armut.
3. Jaja, überall Moscheen, Hilfe. Sie sagen Integration, meinen aber Unterwerfung.

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Ehemaliger Nutzer 28.12.2010 | 15:52

@ Teiler Doerden
Es war mal FJS, der den Spiegel als linkes Kampfblatt verunglimpfte. Der Spiegel war und ist weder rechts noch links, sondern immer Augstein und Spiegel!
Nur so ist zu verstehen, dass ein Biermann, ein Broeder und ein Sarrazin dort schreiben.
Und das es in allen ideologischen Lagern (egal ob rechts, links, oben, unten, kleinkariert, großkariert...) Tabus und Klischees im Denken gibt, ist nun mal so. Das ist typisch eben Mensch. Und nur so grenzt man sich ja dauerhaft und erfolgreich vom anderen Lager auch ab.
Sarrazin, das habe ich ja oben schon erwähnt, ist nur ein gestrauchelter Ehrgeizling, kein Meister und ein Buchhalter durch und durch. Nicht mehr und nicht weniger.

Nyarlathotep 28.12.2010 | 23:43

Zitat:
"Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist ihm das Wort zu entziehen"

bzw. um Historisch genauer zu sein, immer wenn die Linken irgendwo die Macht hatten gab es Zensur
die bis hin zur Vernichtung Andersdenkender / bzw.
zu gewohnheitsmäßigen Lügnern erklärten reichte...

sei es in der Sowietunion, in China, in Kambodscha,
in Nordkorea oder der DDR...

Das hier sehr viele Kundtun,

das sie es immer noch für den richtigen Weg halten;

Andersdenkenden das Wort zu entziehen,

lässt mich beunruhigt und auch ratlos.

( und wovon viele von euch wohl so manchesmal träumen mag ich garnicht gerne denken...)

Apropo das haben die NationalSOZIALISTEN
auch so gehandhabt

Intressant nicht wahr ?

GeroSteiner 29.12.2010 | 00:56

Westerwelle und Merkel auch. Aber die hatten nicht das Format von Köhler.

Ich habe einen Traum...

...dass der Staatsbürger nicht mehr für die Schulden des Staates bürgt, die Steuerzahlung komplett einstellt und die komplette Regierung Privatinsolvenz anmelden lässt. Nach sieben Jahren sind dann auch die tumbesten Nüsse vermodert. Dann können wir auf einen Neuanfang hoffen...

*plip!*

So leicht platzen Seifenblasen - und die sind noch sehr stabil, verglichen mit den Finanzkonzepten der Regierung.

mcmac 29.12.2010 | 10:31

"Die Lüge ist das Wesen der Demagogie. [...] Es ist nicht einfach, in der Öffentlichkeit mit der Lüge umzugehen. Der Lügner hat es leicht. Er behauptet. Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist ihm das Wort zu entziehen."

Und das gilt nicht nur für Sarrazin.

Vielen Dank für diese klaren Worte, Jakob Augstein.

MfG
mcmac

poor on ruhr 29.12.2010 | 11:48

@Jakob Augstein

Ich stimme den Aussagen in dem Kommentar vom 26.12.10 um 22:03 vollkommen zu.

Ic verwende das Wort Lügner wirklich nicht gerne und vor allem soll es kein Kampfmittel innerhalb des Diskurses in der FC sein.

Man kann mit Mitteln des normalen , fairen Diskurses dem demagogisch Sprechenden dem demagogisch wie von JA geschrieben, nicht beikommen.

Da muss doch noch erlaubt sein zu sagen, was er tut, bevor man immer und immer wieder in diese Hick-Hack-Beweisdiskussion hineingezogen wird.

Sozialeugenische Aussagen lassen sich nicht wissenschaftlich beweisen.

Ihre Verbreitung ist eine Lüge.

S. hat das getan uns ist damit Millionär geworden.

Die riesige Nachfrage nach solcher Hetze stellt auch dem ganzen Land kein gutes Zeugnis hinsichtlich der Integration der Muslime aus.

S. benutzt das Mittel vieler Lügner, dass Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen miteinander vermischt werden.

Trotzdem bleiben die Lügen darin trotzdem Lügen.

Es geht mir nicht um eine persönliche Diffamierung von Herrn.S als Mensch. Ich kenne ihn ja gar nicht.

Das Wort Lügner richtet sich gegen seine Funktion als demagogisch Sprechenden.

Ich habe Herrn S. schon gelesen, das war das Buch noch gar nicht raus sondern nur die Zeitungsvorabdrucke und die Lügen darin haben mich angewidert.

Wie gesagt keine gewollte Herabsetzung der menschenlichen Würde von Herrn S. sondern ein gewünschter Schutz von denjenigen die duch Herr S. Lügen als demagogisch Sprechenden aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden sollen und ausgegrenzt werden.

por

Nelly 29.12.2010 | 11:49

Warum arbeitet sich Augstein denn hauptsächlich an angeblichen Rassenthesen (Zitat Augstein) ab ? Bei Sarrazin selbst geht es in erster Linie um Intelligenzunterschiede zwischen sozialen Schichten.

"Verband der Biologen ..."
Ich verdiene meine Brötchen in diesem Bereich (und zwar nicht erst seit gestern), aber dieser Verband ist in meinem Umfeld komplett unbekannt. Seine Erklärung am 3. September ist höchstwahrscheinlich keine Reaktion auf Sarrazins Buch selbst, sondern auf das, was zu dieser Zeit darüber kolportiert wurde.
Zu eventuellen Intelligenzunterschiede zwischen "Volksgruppen" gibt es auch andere Auffassungen von Experten:

onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/per.634/abstract

Bestenfalls kann man also sagen, daß die Meinungen der Experten hier auseinandergehen.
Für mich ist allerdings ein Artikel in einem peer-reviewed Journal als glaubwürdiger einzuschätzen als die aus der Hüfte geschossene Verlautbarung eines Verbandsfunktionärs.
Augstein gefällt letztere besser, während das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung wahrscheinlich für ihn "Lüge" ist.

mcmac 29.12.2010 | 12:07

@T.D.: „Kreativer Umgang“ mit Wahrheit... Sophismus (v.a. als pseudo-jurisitische/pseudo-wissenschaftliche „Das müssen Sie aber erst mal beweisen können!“-Kausalkette) ist ein beliebtes Mittel auf dem Feld der Demagogie: Unter zu Hilfenahme des common sense des Gegenübers/Zuschauers werden scheinbare Zusammenhänge konstruiert auch „belegt“, um dessen Wahrnehmung zwecks Durchsetzung eigener Interessen zu manipulieren/abzulenken. Ein Zyniker hat das mal -unnachahmlich euphemistisch- als „Legitimation durch Verfahren“ beschrieben.

oca 29.12.2010 | 12:11

Besonders amüsant am Fall Sarrazin ist diese Verbindung von Rassismus und Hass auf die Unterschicht.

Die durchschnittliche BILD-LeserIn ist intellektuell natürlich gar nicht dazu in der Lage zu begreifen, dass die ihr/ihm in selbigem Drecksblatt präsentierte rassistische Hetze nur die eine Seite der Medaille ist, während auf der anderen Seite die Verachtung für jene "bildungsfernen Schichten" steht, welche eben gerade die Hauptzielgruppe der Bildzeitung darstellen.

Dass auch Sarrazin-Verteidigern und sonstigen Rassisten in der FC diese Absurdität nicht auffällt, ist allerdings ein weiterer Beleg dafür, dass auch die mutmaßliche Zugehörigkeit zu bildungsnahen Schichten (Abitur und sowas) nicht vor Dummheit schützt.

Es bleibt noch anzumerken, dass entgegen Augsteins Diagnose diese "bildungsnahen Schichten" oder gar die "Elite" den Sarrazinschen Rassismus nicht weniger zu teilen scheinen als die "bildungsfernen". Wie sonst wäre die Unterstützung durch die FAZ oder Ex-Elite-Kampfhunde wie H-O Henkel zu erklären?

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Ehemaliger Nutzer 29.12.2010 | 12:50

@oca
"Die durchschnittliche BILD-LeserIn ist intellektuell natürlich gar nicht dazu in der Lage zu begreifen, dass die ihr/ihm in selbigem Drecksblatt rassistische Hetze nur die eine Seite der Medaille ist, während auf der anderen Seite die Verachtung für jene "bildungsfernen Schichten" steht, welche eben gerade die Hauptzielgruppe der Bildzeitung darstellen."

Das ist typisch linkes Kampfvokabular aus dem letzten Jahrhundert.
Mit solchen Dogmen im Kopf wird man eben nie die Medien-Hoheit eines BILD-Mediums begreifen, geschweige denn im Sinne der Aufklärung verändern.
Die Macher bei BILD (und ich kenne einige dieser Macher)
sind da, leider, gedanklich solchen altbackenen linken Barrikadenkämpfern wie ihnen weit überlegen.
Die BILD-Macher wollen die Köpfe der Menschen erreichen und setzen sich daher mit den menschlichen Schwächen auseinander und nutzen diese für sich.
Sie, @oca, sind dazu mit ihrem Dogmen im Hirn nicht fähig und, was noch viel schlimmer ist, gar nicht bereit dazu.
Die alte linke Achillesverse!

claudia 29.12.2010 | 13:16

>>Wie sonst wäre die Unterstützung durch die FAZ oder Ex-Elite-Kampfhunde wie H-O Henkel zu erklären?

Na einfach durch die Kernaussagen:

1. "Hallo ihr ärmlichen Bimbos im Ausland, ihr seid seid hier nicht länger erwünscht. Wir haben mittlerweile eine staatseigene Bimbokaste geschaffen und brauchen euch nicht mehr!"

2. darin im Prinzipe gleichlautend mit Gerhard Schröder, Oswald Metzger, Guido Westerwelle u.A.:
"Der natürliche Feind des Noch-Tarifarbeitenden ist der/die Arbeitslose, der/die Outgesourcte und der/die niedrigstlohnaufstockende Hatz4er"

So ein bisserl Rassismus und pseudowissenschaftlichen Hokuspokus braucht man halt, um gläubige Dumpfbacken zu rekrutieren. Das hat sich ja schon vor Sarrazin bewährt.

mh 29.12.2010 | 15:17

als abschliessendes fazit kann gezogen werden:

der linksradikale verleger jakob augstein arbeitet sich an der rechtskonservativen faz ab, die er bisher für eine linke postille hielt.

dabei rechtfertigt er seine denkfehler im späteren mit seinem einzigen ziel, der polemik ggü. sarrazin. und entsprechend ist das vollkommen richtig und wichtig, falsches zu behaupten und zu unterstellen, weil .. a) ists dem linken gesocks, welches zustimmt, eh egal und b) sind alle anderen rechtsradikale sozialeugeniker, denen ohnehin kein wort eingeräumt gehört.

gebracht hat es aufmerksamkeit ... glaubwürdigkeit jedoch nicht.

mfg
mh

Nelly 29.12.2010 | 15:20

@claudia:

Haben Sie Sarrazins Buch gelesen ?
Ich erinnere mich an einen anderen Thread, in dem Sie (sinngemäß) die herrschende Politik anprangerten,die eine hohe Geburtenrate in der Unterschicht absichtlich fördere, um eine "staatseigene Bimbokaste" entstehen zu lassen, damit noch mehr Druck auf Arbeitslose und lohnabhängig Beschäftigte ausgeübt werden kann.

Das geht über Sarazins Angriff gegen die heutige Sozialpolitik noch weit hinaus, finde ich.

Berichtigen Sie mich, wenn ich mich täusche.

mh 29.12.2010 | 15:23

diverse änderungenh im eingangsbeitrag, die nicht gekennzeichnet wurden, können im google-cache nachvollzogen werden:

a href="http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:wyJQSDizeFoJ:www.freitag.de/1051-blogentry-redirect-18685+%22Biologenverband+sich+entsetzt%22=1=en=clnk=de=lang_de" target="_blank">webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:wyJQSDizeFoJ:www.freitag.de/1051-blogentry-redirect-18685+%22Biologenverband+sich+entsetzt%22=1=en=clnk=de=lang_de|lang_en

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Ehemaliger Nutzer 29.12.2010 | 15:46

@claudia
"gläubige Dumpfbacken"= Damit können ja nur die Menschen sein, die ihrer Meinung nach auf BILD u.ä. Medien reinfallen. Aber haben nicht auch diese Menschen Respekt verdient, statt solcher linker pseudointellektueller Arroganz? Wie wollen Sie denn diese Menschen noch erreichen, wenn sie sie vorab als Dumpfbacken beleidigen?
Dieses Land hat kein Problem mit einer evtl. linken Mehrheit, sondern manche, die sich Linke nennen, haben ein Problem mit ihrem Menschenbild.

"pseudowissenschaftlichen Hokuspokus". Den finden sie hier in der FC weit verbreitet von Möchte-Gern-Intellektuellen.

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belle-hopes 29.12.2010 | 17:08

sie hüpfen hier hoch und runter, immer wenn vom verleger und von ressortchefs ein artikel erscheint, wollen sie vielleicht aufmerksamkeit, von ganz oben? oder ist es neid? oder wollen sie typisch deutsch einfach immer nur das letzte wort und rechts haben? was ist es? wir sind gespannt. übrigens, ob sie sarrazins buch nun gut finden oder nicht, die integrationsdebatte gut finden oder nicht, und was überhaupt ihre postion ist ausser kindisches rumgestampfe, das weiß man nicht.

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Ehemaliger Nutzer 29.12.2010 | 17:32

@teiler Doerden:
Was sie als niedere Instinkte bezeichnen, sind menschliche Schutz-Instinkte, die er immer schon hatte: gegen Unbekanntes und bedrohlisch erscheinendes.
Während sich das hier, leider, gegen Menschen aus anderen Kulturkreisen richtet, richtet sich ihr "neiderer Instinkt gegen jene, die nicht ihrer Gesinnung folgen. So hat eben jeder seine Instinkte.
Bei den einen standen bisher am Ende brennende Asyslantenheime, bei ihren Instinkten bisher der Gulag und Bautzen.

claudia 29.12.2010 | 19:10

Ja, Nelly, ich muss das ein bisschen berichtigen: Ich widersprach der These von der "Sozialeugenik": Der Staat und seine Lobby sind nicht daran interessiert, "dass die Armen aussterben". Fördern muss man die Geburtenrate nicht, die Kinder werden ohne Förderung geboren.
Ausserdem werden ja immer wieder Erwachsene arbeitslos und "sozial schwach".

Die "Hartzbimbokaste" ist mit der Agenda 2010 institutionalisiert worden.
Ich gehöre ihr seit der Kündigung durch einen Insolvenzverwalter im Alter von 55 selber an, weiss also, wovon ich rede.

claudia 29.12.2010 | 19:56

Machen Sie, lieber armer berliner, bitte nicht den den Fehler, von oben verordnetes "Dumpfbackentum" für eine angeborene Eigenschaft zu halten. Das ist wie mit der "sozialen Schwäche": Wer sich den Schuh anziehen lässt, der hinkt damit herum.

Früher am Arbeitsplatz wie auch jetzt auf der Montagsdemo versuche ich, gegen das "Dumpfbackentum", dagegen, sich jeden närrischen Schnabelschuh anpassen zu lassen, zu argumentieren. Auf der Demo mit mehr Erfolg als am Arbeitsplatz.

Von der Arbeitsplatzerfahrung her kann ich aber ein gängiges Vorurteil nicht bestätigen:
Ich war im Labor als Produktentwicklerin beschäftigt, hatte in dieser Eigenschaft aber auch oft im Betrieb zu tun.
Erwartungsgemäss war der Anteil der "BLÖD"-Leser im Betrieb höher als im Labor mit hohen Akademikeranteil.
Der Anteil derer, denen oft recht klarsichtige und schnörkellose Kritik an Politik und Wirtschaft gelang, war aber im Betrieb deutlich höher als im Labor. Der Anteil der kritiklos Adaptierten und "das wird man ja noch sagen dürfen"-Prolls war unter den Promovierten am höchsten.

Im Jahre 2003, als der Insolvenzverwalter schon im Hause war, fand die europaweite Demo gegen Sozialabbau statt. Unter den Laborkollegen waren viele in meinem Alter, sie konnten ahnen, was ihnen blüht. Anteil der Demoteilnehmer aus dem Labor: Null.
Anteil der Demoteilnehmer aus dem Betrieb: Sehr viel über null.

Soviel zum Vorurteil:
"Gebildet = links"
"Arbeiter = rechts".

liebe grüsse nach berlin von einer armen münchnerin

Sarah Rudolph 29.12.2010 | 20:16

Ach Belle, grab dich mal ins Archiv, die Zeiten in denen mh wirklich hoch und herunter gehüpft ist, sind nun wahrlich vorbei.
Aber ganz ohne kann unsere Aufmerksamkeitsnutte eben auch nicht leben. Dass JA ihm hier eine perfekte Vorlage liefert, in der er alles, was mh bisher so an ihm und seiner Art kritisiert hat noch einmal perfektioniert, das kann man dann doch wirklich nicht ungenutzt lassen.
Übrigens, wenn ich kurz raten darf, was er denn will: genau das was er hier bekommt. Da muss man gar nicht gespannt sein.

Genug der Küchenpsychologie, aber eine Frage hätte ich doch: Belle, was willst denn du eigentlich?

mh 29.12.2010 | 20:23

wenn ich columbus kleinkariert nenne, dann tue ich das natürlich nur um die aufmerksamkeit von JA zu erregen. dessen wohlwollen habe ich auch gleich errungen, nachdem ich ihn einen hassprediger nannte oder gar einen linken demagogen.

und dass ich beim angele nen monet als wichsvorlage, im sinne der belle, bevorzuge, hat natürlich nur mit meinem aufmerksamkeitsverlangen gen michael angele zu tun .. nicht etwa mit meiner belustigung über eine schwachsinnige diskussion, die durch belle ausgelöst wurde.

ich möchte dir einen rat geben, werte bellen, denn meine diskussionen sind nicht für leute gedacht, die keinen sinn für ironie und sprachliche mehrschichtigkeit besitzen. das ist das schöne an meinen worten, sie vereinen geist und seele, aber manche lesen nur eines von beiden oder keines.

mfg
mh

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belle-hopes 29.12.2010 | 20:30

ja, das ehrt, herr mh, dass sie andere blogs lesen, auch wenn es schöner wäre, nennen wir es mutiger, sie würden sich der welt zeigen. so ohne sternchen überm kopf. ich würde nie soweit gehen sie als mediengeil zu bezeichnen, das stammt nicht von mir. aber ihren ausgeklügelten plan, wie sie mit ihren kommentaren den freitag so machen wollen wie sie ihn gern hätten müssen sie mal besser erklären.

Giuseppe Navetta 29.12.2010 | 20:52

@GeroSteiner
...endlich mal ein vernünftiger Satz hier - die Auszüge, die Columbus alias C.Leusch aus dem sarrazinschem Geschmiere brachte, reichen mir voll und ganz, die vollständige Lektüre wäre mir unerträglich...geistiger Dünnschiß hoch acht... ...hoffe, das Sarrazin neben seiner Bauernschläue hinsichtlich des Marketings nicht auch ein ähnliches Talent als politischer Agitator an den Tag legt. Bisher waren seine öffentlichen Auftritte eher etwas unglücklich, aber so manche non-telegene Figur hat ja schon bewiesen, dass es mit ein wenig Übung dann doch geht!

Sarah Rudolph 29.12.2010 | 20:57

Jetzt hab ich hier voll den konstruktiven Beitrag geschrieben und die Seite hat mal wieder Schluckauf. Wie auch sonst. Das hat man nun davon, wenn man mal FC-Lobhudelei betreibt.
Nochmal bekomme ich all die Nettigkeiten sicher nicht zusammen.
Bezogen hatte ich mich auf die Frage nach dem Fehler.
Ich würde ja behaupten Erwartungen sind in den meisten Fällen eher doof. Ob das hier ein Fehler war kannst du, Belle, aber wirklich nur selber entscheiden.
Auf jeden Fall ist dieses Schiff hier nicht einfach nur "ein linkes politisches Forum". Im Angebot wären auch Zickenzirkel, Alltagsclowns und noch ne Menge mehr... Leben eben.
Worauf ich eigentlich hinauswollte? Keine Ahnung.

Aber nach all den Kommentaren voller Unverständnis darüber und Kritik daran wer hier wann wie wo mit wem auf welche Art mit welchen Worten worüber diskutiert hat sich mir die Frage eben wirklich gestellt.

Ansonsten muss auch mal einstimmen:
Hose runter, mh!

Giuseppe Navetta 29.12.2010 | 21:10

@Columbus

"Zudem, ganz konkret, welche Steuerzahlung 2010 und wieviel davon, tatsächlich für den Sozialtransfer an Migranten von ihnen aufgebracht werden musste. Das erbrächte auch einigen geistigen Gewinn."

So ist es!!!

...tja, vor der politischen Mündigkeit des Bürgers käme eigentlich die ökonomische als Voraussetzung, mit letzerer ist es aber möglicherweise nicht weit her...

P.S.: Mit ökonomischer Mündigkeit ist aber keineswegs das Wissen betriebswirtschaftlichen Handwerks oder das Können des Auf- und Abzinsen von Risikopapieren gemeint - derlei Wissen reicht dafür nicht aus!

Chandrika K. 29.12.2010 | 23:12

Thilo Sarrazin hat doch nichts Neues gesagt. Er hat doch nur die Zahlen des Statistischen Bundesamtes koprimiert widergegeben.

Jedermann konnte die Zahlen nachlesen, widerlegt wurden sie von seinen Kritikern bisher nicht. Dann müßte man auch dem Statistischen Bundesamt Manipulation der Zahlen unterstellen.

Mit der Auflagenhöhe von "Mein Kampf" in den islamischen Ländern (inklusive der Türkei), kann Herr Sarrazin sicherlich nicht konkurrieren, aber dort wird man seine Fakten bestimmt auch nicht so begeistert zur Kenntnis nehmen, wie die Ideologie eines Adolf Hitler.

Muhabbetci 29.12.2010 | 23:38

Lasst uns Beten, das der Sarrazin nicht auf die verrückte Idee kommt, einen Buch über Hartz 4 zu schreiben. Der Mann ist so gescheit, dass man ihm zutrauen mag eine Behauptung zu stellen:" Hartz 4 empfänger zu sein werde von den Genen bestimmt!". Ob sich dieses Buch dann aber genau so verkauft wie sein Vorgänger, daran möcht ich Zweifeln.

Prosit Neujahr liebe Kommentatoren/-innen !

poor on ruhr 29.12.2010 | 23:45

@Muhatbbetci

Dir auch Prosit Neujahr.

P.S. Ich glaube nicht, dass Sarrazin -so sehr ich seine Ideen auch ablehne- verrückt ist! Das ist ja gerade das Bedrückende und das was Angst macht. ...denn sie wissen, was sie tun!

...und trotzdem müssen wir seine Würde als Mensch achten, weil wir uns nicht auf sein Niveau begeben wollen, oder?

Trotz allem eine Gute Nacht. ;)

Herzliche Grüße

por

Lachmann 30.12.2010 | 00:04

Ja und?
Auch aus den Niederlanden, aus Schweden und aus Norwegen werden die Juden mit brutaler Gewalt vertrieben.
Ob Augstein was dagegen hat?
Genauer gefragt:
Ist es vorstellbar, dass Typen wie Eichmann, Augstein oder Hitler was gegen Antisemitismus hätten?

www.welt.de/debatte/kommentare/article11847743/Europa-laesst-sich-von-den-Judenhassern-taeuschen.html

www.welt.de/politik/ausland/article11558101/Liberaler-empfiehlt-orthodoxen-Juden-die-Auswanderung.html

www.daserste.de/europamagazin/sendung_dyn~uid,t4g6dqypyq2d8c26qfge512c~cm.asp

www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1148007/

Teiler Doerden 30.12.2010 | 02:11

Halten wir fest: Sie halten Angst für einen guten Ratgeber.

Mir sind diese Herren nicht zuwider weil sie eine andere Meinung als ich vertreten, sondern weil Sie Angst, Hass und Zwietracht unter meinen Mitmenschen säen.

Wenn man die Beiträge der Sarazin-Befürworter liest, sieht man ja das Ergebnis: Von Angst und Hass getriebene Seelen, die nur noch zwischen Freund und Feind unterscheiden und an nicht an einer erkenntnisfördernden Diskussion interessiert sind. Sie schimpfen, beleidigen und übertreiben, was das Zeug hält. Sie wirken ironischerweise ähnlich aufgestachelt wie fanatische Islamisten.

manstruator 30.12.2010 | 11:03

Danke J. A. Hier wird der Geist der FAZ entlarvt. Soweit nun mal Blätter wie speziell die FAZ "ihn lügen lassen", sollte dies wie hier auch vorgeführt werden. Hier geht es um eine ehemals gut bürgerliche Redaktion, die nun Autoren mit gewissen Argumentationstechniken wie den von Scientologen oder Rechtsradikalen benutzten, das Wort erteilt. Nicht nur das, dies geschieht sowohl inhaltlich als auch zeitlich pointiert und nicht zufällig, also politisch. Damit ist klar, dass solche Leute in den Redaktionen sitzen müssen - an leitender Position. Ein denkwürdiges Outing, das eine Polarisierung der Medienwelt publizierende Teile mit realer Vorstellungskraft (demokratisch) und die der Demagogie verfallenen Teile (radikal) vorantreibt. Irgendwie denke ich unter dem Stichwort FAZ neuerdings an Geschichten aus alten Zeiten, an nationaldeutsche Presse oder Alfred Hugenberg. Wie kommt das bloß?

claudia 30.12.2010 | 13:18

>>Lasst uns Beten, das der Sarrazin nicht auf die verrückte Idee kommt, einen Buch über Hartz 4 zu schreiben. Der Mann ist so gescheit, dass man ihm zutrauen mag eine Behauptung zu stellen:" Hartz 4 empfänger zu sein werde von den Genen bestimmt!"
So deutlich sagt er natürlich nicht, worauf er hinaus will.
Der ideologische Boden dafür ist aber längst bestellt, die Leutchen wissen was sie denken sollen: Es wird stillschweigend vorausgesetzt, dass die „soziale Schwäche Morbus Hartz“ irgendwas irgendwie Angeborenes sein müsse.

Während sich an Westerwelles „spätrömischer Dekadenz“ einige Kritiker festbissen, machte fast zeitgleich Hannelore Kraft den Vorschlag, „Hartzer“ in der Altenpflege einzusetzen. Selbstverständlich wieder mal ohne Tarifgehalt, denn der Bimbo braucht kein Geld. Das würde er doch nur vor der Glotze versaufen, wie schon vor Jahren Oswald Metzger das Leistungsträgerrestvolk belehrte.
Ich versuchte damals, in verschiedene Diskussionen einzubringen: „Wenn über eine Freiwilligenarmee nachgedacht wird, dann muss irgendjemand die „Zivis“ ersetzen. Unter Anderem für so was hat man ja die neue Spezies ‚homo neanderhartzis’ geschaffen.“ Kaum jemand wollte sich damit auseinander setzen, alle waren in Westerwelle verbissen, weil der über armen angeboren sozial Schwachen gelästert hat.
Facit: Der Westerwelle war natürlich politisch unkorrekt, weil man über die armen hartzis nicht so herziehen darf. Kraft war politisch korrekt, denn für irgendwas muss man diese Tierchen ja benützen können.

>> Ob sich dieses Buch dann aber genau so verkauft wie sein Vorgänger, daran möcht ich Zweifeln.
Mit einem Vorwort von Gerhard Gazprom, Oswald Metzger, Wolfgang Clement oder Hannelore Kraft wäre das schon verkäuflich. Zum Beispiel an Sozenbrote, Mandelschrecken und andere Lieblinge.
Aber erst nach 2013, denke ich.
Werbetext in Springer- und Berstelmann-Blättchen: „Der Neue Arbeitsmarkt. Auch für Laien verständlich erläutert vom Bestsellerautor Thilo Sarrazin“

Bis es so weit ist wünsche ich allen kritisch Denkenden erst mal einen guten Start ins 2011

claudia 30.12.2010 | 14:15

In dem oben erwähnten Thread ging es um die These: "Sozialeugenik durch Streichung des Elterngeldes."
Die Aussage, dass Arme auch ohne finanzielle Unterstützung Kinder bekommen, stammt nicht von mir. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass sie nicht widerlegt werden kann. Und ergänze, dass damit eine Sozialisation in der Armut verbunden ist. Die Ergänzung ist bislang auch unwiderlegt.

claudia 30.12.2010 | 14:41

>>Anteil der Demoteilnehmer aus dem Labor: Null.
Hier muss ich korrigieren: Hab wieder mal meine Lützelkeit vergessen. Also statt Null: Eine

>>Meine Rede: Bildung schadet !
Es kommt sicher auf die Inhalte an. Ein Bildungssystem, das primär auf profitables Funktionieren seiner Opfer ausgerichtet ist produziert eben bewusstlose Funktionsträger.
Da ist intellektuell möglicherweise im Vorteil, wer weniger zurechtgebogen wurde. Nur wird dieser Vorteil durch die Gehirnwaschmaschine Fernsehen häufig blockiert. Deswegen ist ja Fernsehen unter Hatz4 gebührenfrei, während Geld für Informationsmittel von den 359 € abgeknappst werden muss.

Wir können natürlich versuchen, weniger Hierarchiekompatibiltät und mehr die Förderung des selbständigen Denkens als Bildungsinhalte zu installieren.

Allerdings wird die Förderung des freien Denkens wohl eher ausserhalb des Herrschaftsystems gelingen als in ihm.

Darkfire 30.12.2010 | 16:50

Die Medien sind im Fall Sarrazin heuchlerischer als es die Politiker je sein könnten.
War es nicht der SPIEGEL, der durch den Vorabdruck von Sarrazins Buch den Mann ins Rampenlicht gedrängt hat? Und nun wird sich darüber echauffiert, dass der Mann mit dessen Thesen man prima Schlagzeilen (und Geld) machen konnte, in der FAZ seine Meinung schreiben darf?
Natürlich ist Sarrazin ein Demagoge, aber Demagogen entlarven sich am Besten selbst und nicht wenn Anti-Demokraten ihnen das Wort entziehen wollen.

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man 31.12.2010 | 11:54

@mh
Hier noch einmal einen auf Klassenrat zu machen, wäre wohl nicht nötig gewesen. JA ist ja schliesslich volljährig und bei erwachsenen Menschen sollte es genügen Ihnen einmal zu sagen, dass Sie mit der Wahl ihrer Metaphern oder der schlechten Verwendung stark besetzter Begriffe ziemlich weit am Ziel vorbeischiessen.

@leelah
Vor dem Posten mach ich grundsätzlich immer eine Kopie (Strg+C) des eben geschriebenen.

Ansonsten, guten Rutsch.

Mister X 31.12.2010 | 12:41

Was ist denn das für ein Artikel? Ich fasse kurz zusammen: Die guten Eliten geben dem bösen Sarrazin keine Anerkennung. Denn er ist ein Rassist und Kulturchauvinist und ein gemeiner Lügner. Auf ihn fällt nur das tumbe Volk rein, welches nach manchen Leserkommentaren hier maximal Hauptschulabschluss auf Bremer Niveau erreicht und mit keinem Ausländer zu tun hat.

Zunächst zur Elite. Elite in Deutschland besteht nicht aus schlauen Menschen, die sich hochgearbeitet haben. Der normale Doktor der Medizin ,der Ingenieur ,der Handwerksmeister oder der Unternehmer mit 9 Angestellten gehört nicht zur Elite. Untere Elite fängt bei 250.000 Euro Jahreseinkommen an, die richtige Elite bekommt mindestens eine halbe Million pro Jahr.

Elite ist der Bankster, der vor Gericht seinen Millionenbonus einklagt, obwohl sein Arbeitgeber vom Staat gerettet werden musste. Elite ist der Unternehmensboss, z. B. Ferdinand Piech oder lookalike, der immer recht hat, auch wenn er sich irrt. Elite ist der Politiker, der die Sache der Reichen und Superreichen macht, und seine Wähler vergessen hat. Elite ist unsere Kanzler/in, die um sich nur Jasager duldet.

Die Elite hat in der Bevölkerung zurecht einen schlechten Ruf bekommen. Denn Sie versteht die Sorgen der Menschen nicht mehr. Politiker und Journalisten sind vom Ansehen her ganz unten. Auch Manager sind schlecht angesehen. Zwischen Elite und Volk besteht eine gegenseitige Verachtung.

Dann kommt ein Sarrazin, der die Sprache des Volkes sprechen kann. Er stellt Probleme bei der Integration von Ausländern fest, gerade bei den Muslimischen. Während bei anderen Einwanderern die Kinder und Kindeskinder gute Schulnoten erreichen und sich vorbildlich integrieren(statistischer Durchschnitt), sind diese bei Muslimen schlecht in der Schule und schlecht integriert (statistischer Durchschnitt). Das sagt er auch offen und ehrlich.

Reaktion von Politik und Mainstreammedien: Verbales kollektives Einschlagen auf Sarrazin. Weil er den Mut hatte, den man selbst nicht hatte. Reaktion vom Volk: Begeisterung.

Wir sollten Sarrazin dankbar sein für das Anstoßen der Integrationsdebatte. Und für seine Verteidigung der Freiheit.

Wer anderer Meinung ist sollte abends in der Stadt öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

little Louis 31.12.2010 | 14:02

@ darkfire und Mister X
Ich stimme zu. J.A.nennt Sarrazin öffentlich einen "gewohnheitsmäßigen Lügner". Andere im blog ziehen seine geistige Gesundheit in Zweifel. Er als Oberhirte des "freitag" darf das wohl.(zulassen) Wäre J.A. ein blogger hier hätte seine Redaktin ihn schon längst abgemahnt oder gar weggemobt, wie gestern mit "barshai" geschehen.(Obwohl dieser m.E etwas zu empfindlich reagiet hat)
L.L.

ChandrikaK. 31.12.2010 | 18:13

Teiler Doerden schrieb am 30.12.2010 um 00:39
Es geht nicht um die Zahlen. Es geht um die Deutung dieser Zahlen. Diese weist leichte Ähnlichkeiten der Ideologie des Adolf Hitler auf. Man ersetze einfach 'Muslime' durch 'Juden'.
________________________________________________

Was gibt es an den Zahlen, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden, zu deuteln ?

Fakt ist, das die in Deutschland (wie auch im restlichen Europa) lebenden Muslime bei Mord, Totschlag, Raub, Vergewaltigung u.ä. Schwerverbrechen, entsprechend ihren Bevölkerungsanteil überrepräsentativ vertreten sind.

Ähnliches ist mir von den Juden die vor der Naziherrschaft in Deutschland lebten (Bevölkerungsanteil 1%) nicht bekanntgeworden.
Sie brillierten eher in Kunst, Wissenschaft, Technik, Medizin und ähnlichen Disziplinen. Auch unter den Nobelpreisträgern dürften Juden (weltweit ca. 16 Mio) ebenfalls weit häufiger zu finden sein als die Mohammedaner mit immerhin 1,4 Milliarden Anhängern.

Insofern verbietet sich eine Gleichsetzung von Mohammedanern mit den Juden in Deutschland.

Abgesehen davon dürften wohl kaum Zweifel darüber bestehen, welche Gruppierung/Religion/Ideologie dem Nazitum näher steht. Lesen Sie doch einfach mal den Koran.

vonhaeften 01.01.2011 | 15:25

Sie schreiben: "Kriminalität entsteht durch Armut.". Das ist erstens unbewiesen und zweitens Linkspopulismus übelster Art.
Auch die Aussage "Sie vertauschen Korrelation und Kausalität, wenn Sie unterstellen, Migranten seien aufgrund ihrer Kultur gewalttätig." ist falsch. Sie ist genauso falsch wie die Aussage "Nazis sind nicht aufgrund ihrer Nazikultur gewalttätig sondern es gibt nur eine Korrelation zwischen diesen beiden".

vonhaeften 01.01.2011 | 15:33

Radikale Linkspopulisten wie Sie säen doch genauso Angst, Hass und Zwietracht.
"Wenn man die Beiträge der linken Sarazin-Hassgegner liest, sieht man ja das Ergebnis: Von Angst und Hass getriebene Seelen, die nur noch zwischen Freund und Feind unterscheiden und (an) nicht an einer erkenntnisfördernden Diskussion interessiert sind. Sie schimpfen, beleidigen und übertreiben, was das Zeug hält. Sie wirken ironischerweise ähnlich aufgestachelt wie fanatische Rechtsradikale."

Nelly 01.01.2011 | 15:51

Für Arme gelten bezüglich des Kinderkriegens die gleichen Gesetzmäßigkeiten wie für andere: Sind die Opportunitätskosten sehr hoch, bekommen sie wenig Kinder. Sind sie niedrig (oder gibt es möglicherweise sogar einen "Gewinn") bekommen sie mehr.
Wieviel Kinder in welchen sozialen Situationen ohne jegliche finanzielle Unterstützung bekommt, hängt ganz davon ab, wie dann die Opportunitätskosten aussehen.

claudia 02.01.2011 | 09:49

>>Elite ist der Bankster, der vor Gericht seinen Millionenbonus einklagt, obwohl sein Arbeitgeber vom Staat gerettet werden musste. Elite ist der Unternehmensboss, z. B. Ferdinand Piech oder lookalike, der immer recht hat, auch wenn er sich irrt. Elite ist der Politiker, der die Sache der Reichen und Superreichen macht, und seine Wähler vergessen hat. Elite ist unsere Kanzler/in, die um sich nur Jasager duldet.
Dass „Elite“ diejenigen seien, die gerade nicht mehr „Unterschicht“ sind, also das akademische Proletariat, Inhaber kleiner Geschäfte, „unteres Management“ etc.: Das entspricht der verordneten Mainstreamdenke. Die „Oberprätorianer“, die mit grotesken Gehältern/Boni/Parteispenden/hochdotierten Beraterverträgen gesteuert werden, die sind schon fast über den Wolken. Man sieht nur manchmal ihre Füsse. Wo sie den Kopf haben, sieht man nicht und erklärt sich daraus, dass sie „versagen“: Sie führen das Volk „schlecht“, nämlich keineswegs den herrlichen Zeiten entgegen. Man kann in die uralte Ärgerkiste greifen: Auch der Kaiser und der Gröfaz haben schon versagt. Das ändert ja nichts an der prinzipiellen Obrigkeitstreue. Irgendwelche Führer werden es schon mal besser machen: „Sarrazin for President!“
Der Pappkamerad „Volkstribun“ darf nicht vorschnell von der Obrigkeit gelobt werden. Sonst würde er nicht funktionieren.

. Die Geld dieser „Übereliten“ sieht gar nicht. Wer Milliärdchen erbt, ist gemäss diesem Weltbild über jeden Verdacht erhaben, er/sie lässt sein/ihr Geld arbeiten, und das kann ja mit der Ausbeutung des Volkes in keinerlei Zusammenhang stehen…
Der König führt keine Kriege, sondern der Feldwebel und irgendwie hat der General auch was damit zu tun, aber dort ist die Nahrungskette zu Ende.
So kommt es, dass der brave Mehrwertsteuerzahler, wenn er schnell ein paar 100 Mrd. für eine Bankenrettung rüberschieben muss, sich mal über ein paar Bankmanager aufregt, aber niemals über deren Arbeitgeber.

>>Wir sollten Sarrazin dankbar sein für das Anstoßen der Integrationsdebatte. Und für seine Verteidigung der Freiheit.>>
Der Ruf: „Das Boot ist voll“, e s dürfen keine weiteren Einwanderer mehr kommen, der ist fast 20 Jahre alt. („Am Besten auch gleich alle Asylanträge stoppen“). Es gab schon mal ein „Rückführungsprogramm“ für ehemalige „Gastarbeiter“. Dafür wurden die eingezahlten Rentenbeiträge ausgezahlt, die sie in ihr Ursprungsland mitnehmen konnten.
Aber so leicht wird man die Geister, die man einst rief, eben nicht los…
Was tun?
Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah: Niemand ist nutzlos, er/sie kann zumindest als schlechtes Beispiel oder als Sündenbock dienen.
Ist nicht die Kriminalitätsrate in der Unterschicht höher als in der Mittelschicht? Ist sie, war sie immer, wird sie bleiben. Das kann man leicht erklären ohne jede Genetik: Wer lebenslang hofft, in der Hierarchie, der/die darf sich nichts zuschulden kommen lassen. Ein Einkommen, das zwar aus Oberschichtperspektive so gut wie nichts ist, aber dem Normbürger doch eine Existenzbasis bietet, erleichtert die Ehrlichkeit. Wer nichts zu verlieren hat sieht das anders. Das ist nicht neu. Die sich eine „Elite“ aus Managern und Politikern halten sind die Legislative hinter der Legislative. Wer per Lobbyismus Gesetze macht, kann nicht kriminell sein. (Auch die Stuttgarter N’drangheta ist nicht kriminell. Wenn ein italienischer Ermittler das mal anders sieht, wird das ganz kurz abgehandelt, als Glosse. Dann kann man wieder zum Armenbashing übergehen. Schliesslich ist die N’drangheta gut integriert, daran sollten die sich mal ein Beispiel nehmen!)
Ich muss über Lebenssituation in Armut gar nicht spekulieren, denn ich kann eigene Erfahrungen verarbeiten. Als ich mit 55 vom Insolvenzverwalter die Kündigung bekam war mein Ruf schon ruiniert, im Zuge einer pauschalen Gruppenverurteilung. Einkommen weg, Ersparnisse weg, Rentenerwartung auf Hartz4-Niveau runtergekurbelt: Wer dann noch brav bleibt schadet sich nur selber.
Deswegen rufe immer wieder dazu auf, sich nicht aufs Armenbashing einzulassen, sondern mal zu schauen, was man für sich selber tun kann: Flüssiger Informationsaustausch über Möglichkeiten der „Schwarzarbeit“ bringt nun mal mehr als zu glauben dass die Einwanderer und ihre Nachkommen mir was weggenommen hätten.

Und wenn schon kämpfen, dann gegen die Verursacher der Probleme und sich nicht von ihnen nach dem Prinzip „teile und herrsche“ in Kämpfe der Untertanen untereinander hetzen lassen. Das ist Energievergeudung nützt den falschen Leuten.

Mister X 02.01.2011 | 16:04

@ little Louis
Danke für Ihre Zustimmung!

@ claudia
Ich habe auch in diesem Forum geschrieben, um den "geistigen Gleichmarsch der community" zu stören. Gesehen bei vonhaeften. Bei Ihnen muss ich Teilen Ihres Kommentars widersprechen.
>Die „Oberprätorianer“, die mit grotesken Gehältern/Boni/Parteispenden/hochdotierten Beraterverträgen gesteuert werden, die sind schon fast über den Wolken. Man sieht nur manchmal ihre Füsse. Wo sie den Kopf haben, sieht man nicht und erklärt sich daraus, dass sie „versagen“: Sie führen das Volk „schlecht“, nämlich keineswegs den herrlichen Zeiten entgegen.Die sich eine „Elite“ aus Managern und Politikern halten sind die Legislative hinter der Legislative.
Ihrer Sicht der Eliten kann ich grundsätzlich zustimmen. Ich habe in meinem vorherigen Kommentar aber milder formuliert, um nicht als Verschwörungstheoretiker zu gelten. Das ist kein Vorwurf, ich denke ähnlich.

Und auch nach Ihrem Kommentar könnte man sagen: Aus Sicht des Volkes versagen die Eliten.

>Das ändert ja nichts an der prinzipiellen Obrigkeitstreue. Irgendwelche Führer werden es schon mal besser machen: „Sarrazin for President!“ Der Pappkamerad „Volkstribun“ darf nicht vorschnell von der Obrigkeit gelobt werden. Sonst würde er nicht funktionieren.

Ich halte mich an Gesetze und ethische Grundsätze. Ansonsten bin ich gegenüber der "Obrigkeit" meist in Opposition und bin ein Freigeist. Sarrazin halte ich für einen fähigen Mann. Seine Volkstribun-rolle ist meiner Meinung nach nicht der Plan der Eliten, sondern ein Betriebsunfall.

>Ist nicht die Kriminalitätsrate in der Unterschicht höher als in der Mittelschicht? Ist sie, war sie immer, wird sie bleiben. Das kann man leicht erklären ohne jede Genetik: Wer lebenslang hofft, in der Hierarchie, der/die darf sich nichts zuschulden kommen lassen.

Nicht kriminell werden aufgrund von Aufstiegserwartungen ist wie eine gute Sache machen aus niederen Beweggründen. Ich selbst habe niemals auch nur geklaut, obwohl meine Familie nicht gerade reich war. Diese moralische Höhe erwarte ich auch von anderen, ob Aufstiegschancen oder nicht. Wer arm ist, braucht nicht stehlen oder rauben. Wir brauchen allerdings keine Kriminellen aus dem Ausland zu importieren.

>... bringt nun mal mehr als zu glauben dass die Einwanderer und ihre Nachkommen mir was weggenommen hätten.

Mir hat niemand etwas weggenommen. Wenn man sich die Straßenkriminalität anschaut wird einem schlecht. Hier halte ich zu den Schwächeren. Das sind nicht die Täter aus "schwierigen sozialen Bedingungen" sondern die Opfer. Hier die Täter klar zu benennen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Justiz macht sich geradezu zu Komplizen der Kriminellen mit den gewohnt milden Urteilen. Ein Raubmord wird mit 1. Jahr auf Bewährung "bestraft". Da packt mich die kalte Wut.

claudia 03.01.2011 | 11:48

>>Und auch nach Ihrem Kommentar könnte man sagen: Aus Sicht des Volkes versagen die Eliten.
Nur dass "Versagen" eben nichts erklärt, sondern nur die stets unerfüllt bleibende Hoffung auf den "guten Herrscher" wach hält. "Versagen" setzt voraus, dass jemand eigentlich einen Auftrag hätte erfüllen wollen und nur an seinen persönlichen Fähigkeiten scheitert. Dann wäre es einfach: Man muss halt jemand beauftragen, der/die das besser kann.
Ganz so einfach ist es aber nicht.
In öffentlichen Darstellungen wird immer wieder das Hierarcheprinzip scheinbar auf den Kopf gestellt: "Versager steigen auf, die Könner bleiben unten"
Warum ändern das die Besitzer der Produktionsmittel nicht einfach? Sie haben alle Möglichkeiten, können per Aufsichtsrat darüber wachen, wie das obere Management besetzt wird, können per Partiespenden, „Schreibersche Koffer“ und „Beraterverträge“ für Abgeordnete in die Politik eingreifen und vertrauen doch immer wieder den grössten Versagern, die auffindbar sind?
Darüber könnte man ja mal nachdenken, wenn man sich vom ganzen öffentlichen Propagandageschrei distanzieren und die eigene Kognitionsfähigkeit einsetzen würde.

Waren es Versager, die Spekulationsverluste in die HRE geschaufelt haben, damit die Mehrwertsteuerzahler dafür aufkommen? Wohl kaum: man müsste ja nur fragen, wer von solchen Verfahrensweisen profitiert. Das tut man eben nicht weil es dafür die "Versagertheorie" gibt.
Um das mal herauszustellen, habe ich die allgegenwärtige "Versagen"-Erklärung zitiert: Sie erklärt nichts.

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>>Ich selbst habe niemals auch nur geklaut, obwohl meine Familie nicht gerade reich war.
Ich auch. Mein Vater fing nach der Aufgabe seines Schneidergeschäftes in den 50er Jahren als Arbeiter in einer Fabrik an. Da gab es keine Reichtümer, aber verglichen mit heutigen "working poor"-Lagen war die Kaufkraft des Tariflohns komfortabel. Und in den 60er konnte jeder einen solches Arbeitsentgelt erreichen, auch die Einwanderer, auch die Türken, auf die damals noch kein Hassfokus gerichtet wurde. Im Gegenteil, es wurde propagiert, dass man statt "Fremdarbeiter" "Gastarbeiter" sagen sollte. In den 80er Jahren wurde ganz allmählich der Hass geschürt, denn diese Menschen und ihre Nachkommen sollten, huschhusch, wieder verschwinden. Die Folge waren die bekannten Glatzengangs, die der Parole von üblen Ausländern, die den braven Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen, Nachdruck verliehen. In Rahmen der Agenda 2010 muss man das ein bisschen anders sagen, aber das ist kein Unfall, sondern eben die Weiterentwicklung der Propaganda.

Wer heute mit einem Leiharbeitslohn ein paar neue, dringend fällig solide Winterstiefel und einen ebenso fälligen neuen Mantel gekauft hat, dann, nach Ende des Leihjobs wieder auf Hatz4 sitzt und plötzlich mit der Neuüberkronung eines Zahnes und der Zuzahlung für die Behandlung konfrontiert ist: Der/die stellt eben fest, dass damit der Regelsatz erschöpft ist man sich für den Lebensunterhalt was einfallen lassen muss. Da verblasst das Streben nach 100%iger Legalität zwangsweise, denn es geht nur noch um "irgendwie überleben".

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Irrationale Gewalt, die Sie ansprechen hängt mit der sozialen Hierarchieposition zusammen.
Jugendliche "Glatzengangs" werden Sie mit härteren Strafen nicht abschaffen können. Die Opfer macht das übrigens auch nicht heil. Sie sind nicht dadurch entstanden, dass das Strafmass zu niedrig ist, sondern wurden auf andere Weise generiert.
Die Kenntnis, dass Gewaltkriminalität viel mit dem Lebensumfeld zu tun hat, liegt vor. Aber Konzepte, daran etwas zu ändern, würden dem Prinzip "divide et impera" zuwider laufen. Der Mob soll sich ruhig gegenseitig massakrieren, dann kommen die nicht auf Gedanken. Und die Angst derer, die nicht direkt dem "sozialen Bodensatz" angehören ist betriebsnotwendig für ein immer härter werdendes Reichtumsvermehrungssystem.
Die Erkenntnis, dass hohes Strafmass an irrationaler Gewalt nicht viel ändert, ist sehr alt. Sie weiter zu ignorieren nützt den falschen Leuten und nicht den Opfern dieser Gewalt.

Man kann durchaus feststellen: Die mit Arbeit noch ein halbwegs brauchbares Einkommen generieren können, sind die "Legalsten". Weiter oben sind die Ansprüche zu hoch, um ehrlich bleiben zu können. Weiter unten ist ein gelegentlicher Knastaufenthalt kein Beinbruch.

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Der Sarrazynismus lenkt von der Ursachen der zunehmenden Verarmung ab, indem er "Eigenschaften" der neuen, per Agenda 2010 institutionalisierten Armutskaste mit einer willkürlich herausgegriffenen Minderheit der Verarmten "erklärt", die dann für alle Opfer der Agenda stehen sollen.
Als Ergänzung der "Bewusstseinsbildung" durch "BILD-Reportagen" über "den faulsten Arbeitslosen" und "den faulsten Lehrling", die Sprüche von Schröder zur Agenda 2010, die Arno-Dübel-Show und Westerwelles "spätrömische Dekadenz" ein scheinwissenschaftliches Mäntelchen umhängt.

Der ganze Propagandaaufwand ist kein Unfall, sondern wesentlicher Teil des Konzeptes.
Das Konzept heisst: "Die Schraube anziehen, bis es knirscht" und "Das Volk von Nachdenken über Zusammenhänge abhalten".

Neidhardt 03.01.2011 | 13:05

Andere haben hier schon auf die ultimative argumentative Vernichtung dieser Augstein´schen Gewissheiten unter zettelsraum.blogspot.com/2010/12/zitat-des-tages-augstein-uber-sarrazin.html hingewiesen. Nach den obenstehenden Kommentaren zu urteilen wollte aber keiner der Beifallspender sich auf eine Diskussion einlassen oder auch nur durch Lektüre sein geschlossenes Weltbild gefährden. Was freilich auch nicht übermäßig überrascht.

Mister X 03.01.2011 | 15:00

>Nur dass "Versagen" eben nichts erklärt, sondern nur die stets unerfüllt bleibende Hoffung auf den "guten Herrscher" wach hält. ...
Ganz so einfach ist es aber nicht.
Mir ist bewusst dass Reiche und Mittelstand/Arme unterschiedliche Ziele haben und welchen Einfluss Reiche haben. Nur ist das ein weites Feld. Ich stimme auch zu, dass viele ihren Kopf völlig ausgeschaltet haben. Das kann man in einem linken Forum so diskutieren, aber nicht außerhalb. Der Normalbürger wird das für linke Propaganda halten.

Ich habe auch Verständnis, wenn Menschen an der Grenze des Existenzminimums etwas Schwarzarbeiten oder beim ALG2 Antrag das Geld im Sparschwein ihrer Kinder nicht angeben. Verständnis habe ich nicht bei Drogenhandel, Diebstahl Raub und Gewaltverbrechen. Hier ist Armut keine Entschuldigung.

Wenn ein hohes Strafmaß auch irrationale Gewalt nicht abschreckt, so können die Täter für die Zeit des Gefängnisaufenthalts niemanden mehr schaden. Und in Fällen, wo Kriminelle das Kosten-Nutzenverhältnis ihrer Tat abwägen, wirkt es sich sehr negativ aus, wenn der Täter sicher sein kann, beim 1. Mal (2. Mal, 3. Mal ...) nicht ins Gefängnis zu kommen. Das ist bei uns leider mit höchster Wahrscheinlichkeit kalkulierbar. In Deutschland werden leider sehr wenig Gefängnisstrafen verhängt, weil Gefängnis den Staat viel Geld kostet. Außer man klaut das Auto des Innenministers. Die Lebensumstände sollte man verbessern. Das darf man aber nicht gegen gerechte Bestrafung ausspielen.

Wissen Sie, dass ich "Glatzen" außer im Fernsehn noch nie gesehen habe? Gewalttäter mit muslimischen Glauben kenne ich auch aus der Realität. Unbequeme Wahrheit ist, bei Gewalt im öffentlichen Bereich sind die Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Biodeutschen. Das kann man wissen, wenn man nach einer Gewalttat ein wenig im Internet recherchiert. Da werden die Täter als Jugendliche bezeichnet, und nach ca. 5 Tagen kommt dann ein muslimischer Hintergrund heraus. Beispiel sind die "Zwanzigcentmörder" und ich könnte noch etliche andere Beispiele nennen.

Warum ich den Sarrazinhype für einen Unfall im Plan der Eliten halte? Ich lese neben Spiegel und anderen Medien auch gelegentlich "Bild". Weitergereicht, nicht von mir gekauft. Das ist zwar ein Revolverblatt, aber manchmal ist es amüsant, verschiedene Berichte zu vergleichen. Nach dem Kanzlerwort "nicht hilfreich" schrieb auch Bild Sarrazin nieder. Etwa eine Woche lang. Da wurden bereits sämtliche Zeitungen und Zeitschriften mit Sarrazin zustimmenden Leserbriefen und Posts bombardiert. Bild wechselte mit knallharten Populismus mit wehenden Fahnen die Seiten und brachten die Schlagzeile "das wird man doch noch sagen dürfen".