Jakob Augstein
11.05.2011 | 12:55 119

Die Wahrheit muss erlaubt sein

Extrem rechts Darf man die Frage nach dem Rechtspopulismus überhaupt stellen? Warum der "Freitag" die Ergebnisse der Umfrage nicht in der Schublade verschwinden lassen darf

Der Rechtspopulismus ist eine bestimmende Kraft in Europa. Von Norwegen bis Italien, von Finnland bis Frankreich sitzen rechts­populistische Parteien mittlerweile in mehr als 15 Parlamenten. Droht uns das in Deutschland? Vieles deutet darauf hin. Der Freitag hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, die den Verdacht erhärtet, dass Deutschland den gleichen Weg einschlägt wie seine Nachbarstaaten. In kleinen Schritten. Jeden für sich mag man für unbedeutend halten. Insgesamt ändern sie die Lage. Und irgendwann ist das erreicht, was Hegel den „Umschlagpunkt“ nannte.

Wir haben zentrale Aussagen von vier führenden europäischen Rechtspopulisten ausgewählt und das Forsa-Institut gebeten, eine repräsentative Zahl von Bundesbürgern mit diesen Fragen zur konfrontieren. Die Ergebnisse sind unerwartet eindeutig: Rechtspopulistisches Gedankengut trifft längst auf breite
Zustimmung in der Bevölkerung. Am anfälligsten zeigen sich die Wähler von Union und FDP – und die der Linkspartei. Besonders erschreckend: 20 Jahre nach der Wende stehen Ostdeutsche rechtem Gedankengut offenbar deutlich näher als Westdeutsche.

70 Prozent der Befragten finden, Deutschland gibt zu viel Geld nach Europa. Knapp die Hälfte verlangt, dass die Zuwanderung nach Deutschland drastisch reduziert werden muss. 38 Prozent sind der Meinung, der Islam sei eine Bedrohung unserer Werte. Es gibt allerdings erhebliche Unterschiede je nach Parteivorliebe: Die Wähler von Union, FDP und Linkspartei finden eher als Sozialdemokraten und Grüne, dass die Europäische Union Deutschland zu teuer zu stehen kommt. Grüne und Liberale haben weniger gegen die Zuwanderung als die Anhänger der anderen Parteien. Unionswähler, Liberale und Linke haben am meisten Angst vor dem Islam. Und was die Ablehnung des Euro angeht, übertreffen die Anhänger der Linkspartei den Rest der Befragten bei weitem.

Ähnlich sieht es aus, wenn man zwischen Ost- und Westdeutschen unterscheidet: Im Osten finden europaskeptische und antimuslimische Aussagen um mindestens ein Drittel mehr Zustimmung als im Westen. Die Redaktion des Freitag hat gründlich darüber nachgedacht, wie mit diesen Zahlen umzugehen sei. Es gab Stimmen, die sprachen sich dafür aus, die Ergebnisse der Befragung nicht zu veröffentlichen. Anstatt zu seiner Bekämpfung beizutragen, so wurde befürchtet, könnten solche Daten genutzt werden, den Rechtspopulismus zu stärken. Weil sie der Politik Argumente an die Hand lieferten, mehr Rücksicht auf rechtspopulistische Strömungen zu nehmen.

Das mag aus politischer Sicht eine zutreffende Befürchtung sein. Aber es ist nicht die Aufgabe der Zeitung, bei der Lösung politischer Probleme zu helfen. Es ist vielmehr ihre Aufgabe, auf die Existenz dieser Probleme zu ver­weisen – und nicht, sie in einem höheren Interesse zu verschleiern. Das wäre für den Journalismus ein gefährlicher Weg. Er endet im Embedding. Journalismus würde sich damit überflüssig machen.

Die Deutschen haben sich in den vergangenen Jahren an ein positives Selbstbild gewöhnt. Frei von den Schatten der Vergangenheit. Sie haben dabei die Gefahren der Gegenwart übersehen. Eine Immunität gegen Rechts hat ihnen die Nazizeit nicht eingebracht. Man braucht keinen besonders verworfenen Volkscharakter zu unterstellen, um sich über deutsche Anfälligkeit für rechtes Gedankengut zu sorgen. Es ist schon schlimm genug, wenn die Deutschen hier keinen Deut besser sind als ihre Nachbarn.

Eine genau Analyse der Ergebnisse und die Grundlagen der Umfrage, sowie einen Report über die rechtspopulistische Pro-Bewegung in Deutschland, lesen Sie in der Freitag Nr. 19, der am Donnerstag, 12. Mai 2011, erscheint. Die Ausgabe kann auch im Internet ohne Versandkosten und Aufpreis bestellt werden.

Zu allen Ergebnissen der Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des "Freitag" als pdf-Dokument gelangen Sie durch einen Klick auf diese Grafik.

Kommentare (119)

Aristipp 11.05.2011 | 15:35

Sagen wir doch einmal so: besonders neu sind die Ergebnisse nicht. Sie geben nur die Erkenntnisse wieder, die wir seit Jahren haben. Natürlich gibt es auch in Deutschland ein gerütteltes Maß an Ressentiments. Wer wollte sich darüber auch schon wundern. Dass dieses nicht durchschlägt, liegt einfach daran, dass die großen Parteien es eben auch absorbieren und ein herausragender Protagonist, eine herausragende Protagonistin fehlt. Dass eine solche Position bei den Linksparteien und in Ostdeutschland wirklich stärker vertreten ist, ergibt sich bei den ersten drei Punkten aus den Zahlen so nicht, zumindest nicht, wenn man von den üblichen plus/minus drei Prozent ausgeht. Außerdem sollte man hier einmal prüfen, ob das Alter nicht die eigentlich entscheidende Variable ist. Korrelationen zwischen Alter, Parteipräferenz und Sachentscheidungen wären interessant.
Dass bei der Währung (Punkt 4) die Ängste bei den Wählern der Linkspartei am größten sind, ist sozisalpsychologisch interessant, erklärt sich aber mit der Geschichte der letzen - um und bei - dreißig Jahre.
Ansonsten - nur mal so als Hinweis - eine Skalierung mit den Punkten voll und ganz, eher, eher nicht, überhaupt nicht, verlangt nicht gerade klare Differenzierung und läßt eine Zusammenfassung zu Blöcken ganz bestimmt nicht zu.

Columbus 11.05.2011 | 15:37

Ganz knapp. Nicht abschrecken lassen, publizieren! Allerdings dann auch die Umfrage in ihren Fragen problematisieren.

Geld nach EU, das ist eine allgemeine Münze, bei der Bundesbürger, ob sie nun zustimmen oder ablehnen, nicht einmal näherungsweise angeben können, wieviel vom BSP oder von den nationalen Staatshaushalten die EU bekommt und wieviel hierher zurück fließt. Eine solche Schätzfrage, eingebaut in das Panel, wäre sehr hilfreich.

Die weiteren Fragen sind eher geeignet. Aber auch hier hülfe es, den Panel-Bürgern in jeder Frage erst einmal auch Schätzfragen abzuverlangen, um den Kenntnis- und Informationsstand beurteilen zu können.

Ich fürchte, es käme auch heraus, dass selbst bei gerade erst aus der Schule oder Uni entlassenen Bürgern, ganz grobe Fehleinschätzungen existieren und sogar das leise Bewusstsein, solchen Fehleinschätzungen zu unterliegen, den Leuten völlig Wurst ist. Auch das ist in einer Befragung zu Rechtspopulismus abbildbar und wäre tatsächlich ein Anlass zur tiefsten Besorgnis, weil es Verfestigung signalisierte.

Auf die älteren, graueren und weißeren Jahrgänge wirken ja BILD, Sarrazin, Broder und Kelek ein. Sogar mit Parteigütelsiegel und Adel durch Ausstrahlung (TV).

LG
Christoph Leusch

Robert 11.05.2011 | 15:40

Eure Umfrage zeigt mir nur die Notwendigkeit zur Diskussion. Ich finde es richtig, das ihr sie veröffentlicht habt. Verschweigen von Rechtspopulismus führt, genau wie Verbote, nur dazu das sich "solche" Strömungen im Verborgenen erst recht entwickeln können. Euer Artikel stellt den Leser (hoffentlich lesen das viele) vor die Frage: wie halte ich es eigentlich mit diesen Fragen? -und ich hoffe, das sie oder er dann im Kollegen- und Freundeskreis anfängt, darüber zu sprechen.
Freiheit (ich halte dieses Land keinesfalls für frei) muß täglich neu erkämpft werden, und sie nutzt sehr schnell ab, wenn man es nicht tut.

Popkontext 11.05.2011 | 16:03

Mich überrascht das Ergebnis keineswegs, sondern bestätigt nur meinen Eindruck. Passt auch dazu, dass ich das zumindest Gefühl habe, das Verschwörungstheorien gerade wieder Hochkonjunktur haben. Da scheint es wohl derzeit ein großes Sinnvakuum zu geben und ein starkes Bedürfnis nach einfachen Erklärungen und Schuldzuweisungen. Verschweigen hilft da nichts, sondern Wege suchen, wie man dem entgegen treten kann.

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Ehemaliger Nutzer 11.05.2011 | 16:10

"20 Jahre nach der Wende stehen Ostdeutsche rechtem Gedankengut offenbar deutlich näher als Westdeutsche."

Sehr geehrter Herr Augstein,
ich bin in einem Bezirk groß geworden, welcher wie kein zweiter in der Bundesrepublik Deutschland Sinnbild für Neonazis und Rassenhass geworden ist, Berlin-Marzahn. Selten habe ich eine solche Medienhetze erlebt wie in diesem Fall. Bis heute trauen sich Westberliner nicht nach Marzahn aus Angst vor Skinheads.
In Touristenführern wird bis heute, davor gewarnt diese Bezirke zu besuchen!
Ja wir hatten solche Zeiten Anfang bis Mitte der 90er wo die ganze subkutane Gülle nach oben gespült wurde, aber die sind seit langem vorbei.
Seit vielen Jahren ist Marzahn PDS/Die Linke regiert. Ich bin zwei Jahre lang Sicherheitsstreife gelaufen und bin nicht einmal Nazis oder Skinheads begegnet, bzw. irgendeine Form von Stress und Gewalt erlebt. Ende der 90er Jahre hatten wir viel größere Probleme mit marrodierenden Russenbanden, welche einem Freund von mir zu Silvester netterweise ein Tauchermesser in den Rücken rammten. Doch auch dies ist mittlerweile Geschichte.
Lieber Herr Augstein das "Braun sein" tritt in Westdeutschland nur nicht so zu Tage wie im Osten. Wer die DDR erlebt hat, der musste sich (im Gegensatz zur BRD) mit der Geschichte des II. Wk intensiv auseinander setzen und geht dementsprechend ganz anders mit diesem Reizthema um.
Meiner Ansicht nach ist das versteckte braune Gedankentum im Westen unserer Republik viel schlimmer, als das bisschen lächerliche Skinheadtum was sich jetzt in Lichtenberg und Köpenik rumtreibt oder der NPD Einzug in den Landtag.

Der tumbe NPD Wähler oder Derjenige welcher lauthals gegen Zuwanderung grölt... wie heißt es so schön laute Hunde beißen nicht. In Bezug auf ihre Umfrage, bedeutet die Antworten auf die gestellten Fragen können nicht sonderlich aussagekräftig sein.

Zur genüge habe ich die Reaktionen feiner westdeutscher Bekannter und Kommilitonen erlebt, wenn man einen Onkel Adi Witz gerissen hat, nämlich betretene Stille. Glauben Sie allen ernstes solche geschichtsverklemmten Bürger sagen Ihnen was sie denken?

"Und was die Ablehnung des Euro angeht, übertreffen die Anhänger der Linkspartei den Rest der Befragten bei weitem."

Das Problem liegt in der Fragestellung, Die Linke Wähler, lehnen das Konstrukt mit dem der Euro zusammenhängt ab. Stichwort Vertrag von Lissabon, Marktfreiheit usw. Nationalisten respektive Rechtspopulisten lehnen den Euro aus Nationalstaatlichem Dünkeltum heraus ab. Sie vergleichen somit Äpfel mit Birnen.

etwas kopfschüttelnd grüßt der Technixer

ChristianBerlin 11.05.2011 | 16:12

Lieber JA,

völlig richtig eure Entscheidung für die Veröffentlichung.

Die Frage ist aber, ob eure Umfrage zu den Zitaten ohne Fußnoten beweist, was sie beweisen soll.

Bis auf These II (Zuwanderung reduzieren) ist alles, wie Kritik an EU-Entscheidungen und am Für und Wider des Euro (These I und IV) auch gelegentlich bei der Linken zu hören oder zu lesen - nur anders motiviert und begründet als bei Rechtspopulisten.

Man erfährt bei eurer Umfrage nicht, aus welcher Motivation oder Überlegung heraus jemand diesen Thesen zustimmt.

Ich müsste z.B. bei These I nach strenger Logik zustimmen, weil ich zu denen gehöre, die überzeugt sind, dass dies auf den Euro-Rettungsschirm zutrifft, der das Geld wieder nur von unten nach oben verteilt. Die Griechenlandhilfe hilft nicht den Griechen, sondern nur den (nichtgriechischen) Banken, die in Griechenland investiert haben, den Griechen schadet sie bisher nur, weil das Rettungspaket durch die Sparvorgaben die Wirtschaft abwürgt und das Defizit noch verschlimmert (exakt, wie Harald Schumann es vorausgesagt hat). Insofern stimmt I sogar aus meiner Sicht - insgesamt zuviel.

Dass der westliche Lebensstil wegen seiner Rücksichtslosigkeit nicht mit religiösen Werten vereinbar ist, ist - so herum - bei Christen ein altes Thema auf Kirchentagen. So ist zwar These II nicht gemeint, da ist erkennbar der Westen der/das Gute. Sieht man darüber aber hinweg, könnte die rein deskriptive Aussage des Wertekonfliktes stimmen, den der westliche Kapitalismus nicht nur mit dem Christentum, sondern auch mit dem Islam haben kann.

Woher wissen wir, ob die Linken, die diesen Thesen zugestimmt haben, nicht auch solche Assoziationen hatten und sie insofern richtig fanden?

Ich will das nicht behaupten, aber ich weiß es eben nicht.

LG Christian

dame.von.welt 11.05.2011 | 16:39

Die Ergebnisse der Freitags-Umfrage decken sich in etwa mit denen der Friedrich-Ebert-Stiftung 'Die Mitte in der Krise', in der auch auf die Entwicklungen seit 2002 verwiesen wird.
library.fes.de/pdf-files/do/07504.pdf

Den Hintergrund für diese Entwicklungen vermute ich in der zunehmenden, medial angeschürten Angst - vor sozialem Abstieg, Überfremdung, Identitätsverlust.
Angst lähmt, sie läßt nie mutige Schritte nach vorn, sondern immer nur kleinliche, engherzige Schritte zurück zu.

mKlenk 11.05.2011 | 17:09

Also da haben sie ja mal ne Umfrage ausgepackt, die sie nicht ganz koscher ist. V.a. wenn sie Aussagen aus Zusammenhängen herausschneiden und zur Umfrage stellen. Bei den Fragen I, II und IV scheinen die Motivlagen wirklich unterschiedlich zu sein. Sonst wäre das schon arg komisch.
Aber es macht mich schon stutzig, dass soviele Die Linke Wähler Zuwanderung ablehnen. V.a. wenn man sich das Programm anschaut, dass sich da diametral gegenübersteht. Also wenn Menschen die Zuwanderung ablehnen, die Linke wählen, dass ist das schon merkwürdig und scheint eher ein Missverständnis von Parteiprogrammen zu sein. Am Ende ist mir da adoch lieber, die wählen Die Linke, die eine aktive Zuwanderung propagiert als eine rechte Partei oder gar die CDU. Auch wenn ich mir das irgendwie nicht vorstellen kann.
Das es allgemein Ressentiments in der deutschen Gesellschaft gibt, ist ja nichts Neues und doch immer wieder erschreckend, wie viele das dann sind. Das selbst bei den Grünen, die ja sogar nen Deutsch- türkischen Vorsitzenden haben, noch immer gut 30 Prozent eine anti-muslimische Stimmung aufweisen (oder auch einfach nur glauben, dass Islam und Christentum nicht passen: Achtung Fragestellung!!!) ist dann doch erschreckend. Wobei ich sagen muss, dass mir da die Studie der FES mehr hilft und Klarheit schafft, denn diese hier!

Felix Herz 11.05.2011 | 17:11

@ DIE REDAKTION DES FREITAG

Natürlich ist es richtig und wichtig solche Erhebungen zu veröffentlichen. Es ist einerseits ihre Aufgabe "auf die Existenz dieser Probleme zu ver­weisen". Andererseits halte ich es für wesentlich essentieller den befragten Ost-und Westdeutschen und natürlich auch allen anderen die Sachverhalte und Probleme so zu erklären, dass sie zu einer ähnlich differenzierten Auffassung wie die Redaktion selbst kommen können.

Um sich ein ausgewogenes Bild vom europäischen Haushalt und den Tranfermodalitäten zu machen sind grundlegende volkswirtschaftliche Kenntnisse notwendig. Kenntnisse über Statistiken der Zuwanderung verschiedener europäische Staaten sind nötig, um auch nur ansatzweise eine Einschätzung hierüber vornehmen zu können und diese in Relation zu setzten. Auch in der Islamfrage würde gut aufbereitetes Datenmaterial für Entspannung sorgen. Zudem gibt es in Deutschland wohl auch nur wenige Politiker und Redakteure, welche seriös über die Notwendigkeit der Tranferunion urteilen können.

Hier liegt also die zentrale "Aufgabe" einer Zeitung: unabhängig und verständlich die im Artikel benannten Fragen zu erklären und zu veranschaulichen...

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lisaschwert 11.05.2011 | 17:20

"Die Deutschen haben sich in den vergangenen Jahren an ein positives Selbstbild gewöhnt." Das hatten sie schon immer.

"Besonders aufgeschlossen: Wähler der Linkspartei und Ostdeutsche" Nichts neues.

Aber immerhin, Der Freitag nähert sich der Realität an und wird auch mal selbstkritisch. Das machen andere zwar schon länger, aber gut, immerhin etwas.

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krem-browning 11.05.2011 | 17:20

Das ist absolut richtige Entscheidung, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Wenn man die Probleme verschweigt, werden sie dadurch nicht gelöst. Und es wäre falsch zu denken, dass solche Informationen nur dem engen Kreis von Politikern mitgeteilt werden sollten... etwa nach dem Motto: Die Verantwortliche werden schon die Lösung finden und die Bürger müssen nicht beunruhigt und zu falschen Gedanken inspiriert werden. So funktioniert es nicht und so darf es nicht sein. Die Leute müssen schon lernen (ich meine diejenige, die es noch nicht gelernt haben), sich mit der Situation auseinander setzen und hirnen tun. Abgesehen davon besteht die Bevölkerung zum Teil aus den Menschen, die viel intelligenter als Politiker sind und die Problematik viel besser auffassen können.

Allerdings halte ich - wie einige Kommentatoren vor mir - die Umfragewerten nicht für repräsentativ. Warum so, wurde schon oben von Aristipp, Columbus, Technixer und ChristianBerlin zum Teil begründet. Man könnte natürlich erweitern... aber der Prinzip ist klar. Es reicht nicht, wenn man nur davon ausgeht, welche Partei die Befragten wählen und in welcher Teil Deutschland sie leben. Es sollten weitere Kriterien hingezogen werden.

Aber, wie gesagt: Schön, dass die Sache öffentlich angesprochen wurde!

hadie 11.05.2011 | 17:58

Forsa findet immer das heraus, was der Auftraggeber bezahlt, ob Metall-Arbeitgeber, Bertelsmann oder Deutsche Bahn. Und die Erhebungsmethode erst: "Zurzeit werden werktäglich mindestens 1000 repräsentativ ermittelte Personen per Telefon zwischen 16:30 und 21:00 Uhr befragt." (Wikipedia)
Die Umfrage beschäftigt sich nur noch mit einem immer kleineren Kreis von Menschen, die zwischen 17 und 21 Uhr über ein Festnetztelefon erreichbar sind. Und die bereitwillig kostenlos etliche Minuten lang vorgefertigte Fragen beantworten. Das sind mit einiger Wahrscheinlichkeit meist ältere Menschen mit eher strukturkonservativen Ansichten.

mustermann 11.05.2011 | 18:26

Der Linkspopulist Augstein liefert seine Wahrheit, besser Interpretation, natürlich gleich mit.
Ein gesundes Misstrauen gegenüber diesem realitätsfernen Europa, dass in völlig irrsinniger Weise Geld verschleudert und nicht gewählten Beamten zur Selbstbereicherung und zum Bürokratisierungswahnsinn frei gegeben ist, erscheint durchaus gesund. Erstaunlich ist, dass nur 38% meinen, der Islam sei eine Bedrohung unserer Werte. Immerhin besteht die Hälfte der Menschheit aus Frauen und der Weg zur Gleichberechtigung ist lang.

Gustlik 11.05.2011 | 18:36

Wer antwortet denn überhaupt noch auf solche Anrufe? Eine repräsentative Anzahl von Befragten knallt den Hörer in die Schale, ganz extremistisch.

Sinnlos, dafür Geld auszugeben. Die Summe hätte man in eine flottere Internetanbindung investieren sollen, um repräsentative Wartezeiten zu verhindern.

Dass unter der Linken (Ost) ggf. seltsame Stimmungen auftreten, ist nichts neues. Das wäre dann das Potential, auf denen die Ost-Realos schwimmen und die SPD zum mitschwimmen einladen. Denn linke Spinner gibt es ja nur im Westen, so die repräsentative Pressemeinung.

Moewenort 11.05.2011 | 18:59

was ich als Sozialwissenschaftler nicht ganz verstehe: Warum wurde für die Umsetzung der Untersuchung ausgerechnet das Meinungsforschungsinstitut mit dem schlechtesten Leumund in der Branche engagiert? Ich könnte wahrscheinlich auch eine ganze reihe kritischer Anmerkungen zum methodischen Design der Studie machen, beschränke mich jedoch an der Stelle der Einfachheit halber nur einmal schlicht auf die sicherlich auch für Nicht-Experten aufschlussreichen Hinweise im offiziellen Wikipedia-Artikel zu Forsa:

2003 war der Vorwurf laut geworden, Forsa habe eine Umfrage zum Thema Studiengebühren manipuliert, die im Auftrag des der Bertelsmann-Stiftung nahestehenden Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) erstellt worden war. Es hieß in den Ergebnissen: "Die Mehrheit der Studierenden (59%) und die Mehrheit der Bevölkerung (67%) äußern im November 2003, dass sie Studiengebühren befürworten würden, wenn diese den Hochschulen direkt zugute kommen und durch Darlehen finanziert werden können."[4] Diese Ergebnisse wurden in einer Pressemitteilung des CHE im Dezember 2003 veröffentlicht und von einigen Zeitungen übernommen[5][6]. Später wurde laut der Süddeutschen Zeitung vom CHE indirekt eingeräumt, dass die Befragten sich tatsächlich nur zwischen verschiedenen Modellen von Studiengebühren, nicht aber gänzlich dagegen entscheiden konnten.[7]

Die Autoren der NachDenkSeiten erhoben 2007 den Vorwurf, Forsa habe sich mittels einer manipulierten Umfrage an einer Kampagne der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zur Einführung einer privaten Pflegeversicherung beteiligt.[8]

Forsa war das involvierte Institut bei der 2009 an die Öffentlichkeit gekommenen PR-Affäre der Deutschen Bahn. Über verdeckte Zahlungen der Deutschen Bahn wurden Umfragen mit Suggestivfragen in Auftrag gegeben, die eine Ablehnung des Lokführerstreiks von 2007 und eine Befürwortung der Bahnprivatisierung aufwiesen.[9][10]"

In Albrecht Müller´s "Nachdenkseiten" wurden übrigens nicht nur einmal die methodischen Standards von Forsa in Zweifel gezogen.

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lisaschwert 11.05.2011 | 19:22

Ja, liebe Lara, meine Ironie sagt nichts anderes, als daß andere in aktuellen Fragen eben aktuell sind, während sich Leute hier noch mit Dingen aus dem letzten Jahrtausend beschäftigen, wie beispielsweise in Sachen F.

Haben Sie zufällig gestern arte gesehen, da gab es höchst spannendes zum Thema, auch zum Thema Kopftuch und Feminismus, eine aktuelle Frage, beim Freitag dagegen erscheint ein absurder Text und wird als F angepriesen. Aber was rede ich, arte wurde hier vor einiger Zeit verrissen, gehört wohl zum establishment, in linken Augen.
Dann überrascht mich ausgerechnet das Bayerische TV oft mit guten Reportagen zu alternativen Medizin, während der Freitag lediglich ab und zu die Pharmalobby anklagt, nein, noch nicht mal das.
Über Umweltthemen wird eh kaum berichtet, denn da schwebt das grün sofort ein, das ist ja auch der Feind.

Also begrüße ich einen aktuellen Lagebericht, auch wenn er so neu nicht ist, erst recht begrüße ich Selbstkritik. Wenn ich mir das angucke was sich selbst als links bezeichnet... da fürchte ich vor lauter Systemfeindheit verliert man den Anschluß. Obwohl ich gerade Ihre Kommentare in der F-Sache sehr gut fand, aber Sie alleine sind ja nicht Der Freitag.

Wo war ich, ach ja, bei Ironie. Die Ironie dieser Geschichte der Umfrage ist keine, nehmen wir die, die der SED nachtrauern, einer totalitären Partei, die sitzen nun wo? Genau, in der Partei der Gutmenschen, Widerspruch. Also, über so ein Ergebnis wundert sich doch niemand. Aber gut, wenn es angesprochen wird.

Red Bavarian 11.05.2011 | 19:29

»Die Wahrheit muss erlaubt sein«

Für philosophische Betrachtungen zum Nachdenken zur Wahrheit siehe meinen Blog-Artikel 'Das Thomas-Evangelium: antik linksalternativ? - Teil 2'.

Als straßenaktives Parteimitglied Der Linken verweise ich auf "Strohhalm"-Wähler/-Symphatisanten wie denjenigen in meinem Blog-Artikel '50 Jahre Ostermarsch' beschriebenen.

Menschen, die von den alten und neuen Volksparteien (CDU/CSU, SPD, Grüne) enttäuscht sind, wählen/finden wählbar die kleineren Parteien, von denen sie eine Verbesserung ihrer Lebensituation erwarten (Die Linke, FDP, Rechte). Quasi als Strohhalm nach dem Motto: "Ich wähle die Partei, die mir Arbeit gibt". Klassisch weimaresk.

Was Die Linke angeht, so darf man da nicht über Ecken in die Extremismusklausel-Falle treten. Lang nicht alle, die uns wählen/wählbar finden, passen zu uns, wie konkret derjenige in meinem genannten Blog-Artikel.

Ich sehe schon voraus, dass uns noch mehr schmeichlerische Rechtspopulisten und antilinke Extremismusklausel-Anhänger auf den Pelz rücken, weil sie links mit rechts verwechseln.

GeroSteiner 11.05.2011 | 19:48

Rechtspopulistische Parolen?
Umfragen?

70 Prozent der Befragten finden, Deutschland gibt zu viel Geld nach Europa.
Kein Wunder, dass das Argument auch bei den Linken zieht. Das gilt ja wohl in erster Linie für die reichen Deutschen, die ihr Geld außerhalb Deutschlands im europäischen Urlaubsland verprassen. Da wird auch schon mal der ein oder andere Euro in der Dominikanischen Republik versenkt.

Knapp die Hälfte verlangt, dass die Zuwanderung nach Deutschland drastisch reduziert werden muss.
Genau. Die Rente ist sicher und eine Facharbeiterüberschuss haben wir auch. Gerade jetzt wo die Geburtenrate in den letzten zehn Jahren überprportional angestiegen ist und die ganze Faselei mit der umgedrehten Alterspyramide als rhetorischer Quatsch entlarvt wurde?

38 Prozent sind der Meinung, der Islam sei eine Bedrohung unserer Werte.
Bedrohung unserer Werte? Darum gibt es auch so viele Kirchenaustritte aus den christlichen Kirchen, weil unsere Werte bedroht sind? Viele Werte stehen heutzutage genauso zur Disposition, wie das Wort "Würde" nurmehr als Konjunktiv verwendet wird. Es gibt eben auch Menschen in diesem Land, die ihre Werte immer bei sich tragen, häufig genug in einer Plastiktüte. Wenn diese Werte bedroht sind, muss das nicht immer schlecht sein.

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richard-der-hayek 11.05.2011 | 20:13

@Gerosteiner
Zuviel Geld nach Europa -- Euro in der Dominikanischen Republik versenkt.

es sind natürlich die Nettozahlungen an die EU gemeint.

Zuwanderung reduziert
Es gibt Zuwanderung in die Sozialsysteme. Und außerdem, sobald nur für Fachkräfte Zuzug erlaubt ist, schreien Sie Co sofort menschenunwürdige Diskriminierung, Rohmaterial für die Industrie.

Islam - Bedrohung unserer Werte.
Führen Sie doch mit einem Durchschnittstürken oder Araber irgendwo in Deutschland eine Diskussion über Kopftuch und sexuelle Selbstbestimmung der Frau.

Aber es macht ja so Spaß, den Durchblicker raushängen zu lassen. Die einen lesen Bild und schauen sich Gerichtsschows an, die anderen schreiben solche Kommentare.
Zugegebenermaßen hochstehender als Bild, aber was hilfts ?

anaconda 11.05.2011 | 20:25

Einen großen Neuigkeitswert hat die Meinungsumfrage nicht.Zu den meisten dort geäußerten Ansichten passt die Einordnung entsprechend dem Rechts-Links-Schema nicht gut.Es gibt genügend Gründe zur Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen.Außerdem gab es schon immer eine nicht nur kleine Schicht von Protestanten, die man dem rechten Wählerspektrum zuordnen könnte, wenn man nur genau wüßte, was Rechtssein bedeutet.

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krem-browning 11.05.2011 | 20:29

Da kann ich Ihnen fast in keinem Punkt zustimmen, Lisaschwert. Zum ersten, es ist normal, dass jede Partei sich fest an der eigenen Programm hält und ggf. in der Opposition zu den anderen Parteien steht. Das ist nicht "linke" Sünde, das ist jeder Partei implizit. Der Freitag redet allerdings auch mit Politikern aus den anderen Parteien, z.B. heute Abend im Freitag-Salon mit SPD-Politikerin. Was die Umweltproblematik betrifft: Sie ist schon längst nicht mehr nur grün, CDU und SPD reiten andauernd darauf... und im Freitag wurde darüber auch geschrieben.

Das mit den zwei letzten Artikeln von Katrin Rönecke über Feminismus... ich fand sie voll daneben, aber der Freitag eben nicht, und das ist sowohl mein gutes Recht als auch gutes Recht von Freitag, dass wir in dieser Frage unterschiedliche Meinungen haben. Man kann ja nicht immer miteinander übereinstimmen.

Es gab hier aber auch Artikel, die ich absolut ausgezeichnet fand, z.B. "Adel vernichtet" von Jutta Ditfurth oder "Bruder Bin Laden" von Jakob Augstein (man könnte ja viel mehr Beispiele nennen, aber ich begrenze mich mit zwei, die mir momentan einfallen).

Dass Freitag im letzten Jahrtausenden geblieben ist, kann ich Ihnen nicht zustimmen. Mir gefällt es hier und ich finde es sehr mutig, wie Jakob Augstein sein Freitag-Projekt fortsetzt. Ich finde auch sein Blog-Konzept sehr interessant... ich meine, klar, ich bin nicht in jeder Einzelheit mit seinen Visionen einverstanden, aber das muss ja auch nicht sein, das habe ich schon oben gesagt, man kann nicht in allem miteinander übereinstimmen.

Also ich kann mich Ihrer Kritik an Freitag nicht anschließen... und wenn Sie alles hier so schlimm finden, warum bloggen Sie denn auf dieser Plattform?

GeroSteiner 11.05.2011 | 20:51

Durchblicker an durchnittstürken-und-araber-aversen Sozialsystemverteidiger:

"es sind natürlich die Nettozahlungen an die EU gemeint."
Aha. Nachdem Deutschland unter Kohl als treibende Kraft für die europäische Währungsunion gelten kann und die Wiedervereinigung mit der Abschaffung der D-Mark und der Einführung des Euro bezahlt hat sind Nettozahlungen an die EU gemeint. Was sind für Sie denn "Nettozahlungen"? Sind Krankenkassenbeiträge jetzt auch die Nettozahlungen der Gesunden an die Kranken? Oder reden wir nur von Gemeinschaft, wenn alle gleiche Voraussetzungen haben? Ob gut oder nicht, spielt übrigens keine Rolle. Unsere durch unsere Stimmen legitimierte Regierung wollte das so und die haben Sie mit gewählt.

"sobald nur für Fachkräfte Zuzug erlaubt ist, schreien Sie Co sofort menschenunwürdige Diskriminierung, Rohmaterial für die Industrie"
Ich schreie nicht. Schon gar nicht so etwas. Ich schreibe. Am liebsten gegen solche Flachdemagogen wie Sie Co mit einer Mischung aus Abscheu und Amusement.

Um den jetzt folgenden sinnlosen Schlagabtausch abzukürzen, bevorzuge ich folgendes Vorgehen:

Wenn Sie den letzten Kommentar zu meinem Komentar schreiben wollen, dann müssen Sie mir nur zustimmen.

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Ehemaliger Nutzer 11.05.2011 | 21:08

Ich bin auch der Meinung, dass wir mit diesem Thema sehr verantwortungsvoll umgehen sollten.
Ich kann mich nach der Wende an einem Fall in unserem Wohngebiet erinnern wo ich sofort erkannte, woher der Hase mit dem Rechtradikalismus kommt und was uns im Osten erwartet.
Wer im Osten ein Hakenkreuz an die Wand malte und dabei erwischt wurde, dem erwartete eine kräftige Strafe, meiner Meinung mit Recht.
Ein Auto stand (1990) also in unserem Wohngebiet, auf dem hinten und vorn jeweils eine große Wolfskralle (Hakenkreuz) aufgemalt waren. Ich rief bei der Polizei an und die versprachen auch, sich sofort um den Fall zu kümmern. Nach 14 Tagen hatte dieses Fahrzeug immer noch diese Wolfkrallen. Ich rief abermals bei der Polizei an und erfuhr hier, dass man nichts dagegen machen könne, weil die Politik erst darüber entscheiden muss.
Es muss also im Westen erlaubt gewesen sein, Hakenkreuze an die Wand zu malen.
Das deckt sich übrigens auch mit dem Verhalten meines Vaters, der Totenkopfuniformträger der faschistischen Waffen-SS war, der bis zu seinem Tod mit einem großen Schild an seinem Auto durch die Gegend fuhr warauf stand, dass er stolz darauf sei, daran teil genommen zu haben. Keiner hat in Westdeutschland etwas dagegen unternommen, d.h. der Rechtsradikalismus war in Westdeutschland zu Hause.
Sieht man sich die Leute im Sächsischen Landtag an, z.B. Herrn Apfel, dann kommen sie aus dem Westen.
Das Problem des naiven Ostdeutschen ist und war, dass er den Ausführungen von Westdeutschen auf den Leim ging und noch geht.

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richard-der-hayek 11.05.2011 | 21:19

An den Durchblicker vom niedrigniveau-plateauniker:

An die EU werden von den Staaten Beiträge überwiesen, von der die EU-Verwaltung finanziert wird, und die im Rahmen von Subventionsprogrammen teilweise wieder an die Staaten ausbeahlt werden. Frankreich als Agrarland kassiert milliardenschwere Subventionen für seine Bauern. An Deutschland gehen auch Subventionen.
Dann wird eine Rechnung durchgeführt: bezahlte Beiträge - empfangene Subventionen.
Da gibt es dann Nettoempfänger und Nettozahler, Deutschland ist der größte Nettozahler.
Diese Gelder haben mit Krankenkassenbeiträgen gar nichts zu tun.

Ich hoffe, das Niveau ist noch nicht zu niedrig, der Durchblicker geruht noch durchzublicken.

Ich schrieb jetzt in keinster Weise eine Bewertung dieser Tatsache, sondern nur von der Tatsache, daß mit den "zuviel Gelder an die EU" keine Urlaubsspesen gemeint waren, sondern diese Überweisungen. Soweit klar ? Oder braucht es eine Zeichnung ?

Weiterhin ist eine verbreitete Technik zu beobachten, sowohl bei Wein- wie auch Mineralwasserkonsumenten:
es wird nur die genehmen Punkte eingegangen, der Rest geflissentlich übersehen oder ignoriert.

Wenn man sich an die Feminismus-Debatten vor 30 Jahren erinnert, mit welcher Verve die damals noch gesellschaftlich sanktionierte Benachteiligung der Frauen bekämpft wurde, die so selbstverständlich war, das es anfangs keiner glauben wollte. Weil es so gewohnt war. Mit welcher Raffinesse liebgewordene Gewohnheiten aufgedeckt wurden.
Und heute ? Ganz offensichtliche, klare geschlechtsspezifische Kleidervorschrift für Frauen, aus sogenannten "religiös-kulturellen" Gründen, weit verbreitete Verweigerung des sexuellen Selbstbestimmungsrechtes von Frauen, und alles überschlägt sich vor Toleranz, weil es ja Religion sein soll.

Dieses Argument wird ausgespart, da ist der Durchblick noch getrübt, da muß noch etwas geputzt werden.

Wenn Bedarf besteht, kann ich eine Sammlung Rahab'scher "Argumente" liefern, das wird ihnen bestimmt helfen.

viele Grüße und weiterhin klare Sicht
rdh

hadie 11.05.2011 | 21:57

Mit über 50 Jahren darf ich mich auch schon zu den älteren Menschen zählen. Ein Festnetz-Telefon habe ich auch und mit diesem habe ich sogar mal mit einer Umfragerin gesprochen. Habe allerdings nicht die Fragen beantwortet, sondern wollte wissen, wie sie an meine Telefonnummer gekommen ist? Der Computer generiert Zufallszahlen und wählt die so lange an, bis sich jemand meldet - weil schon so viele Leute ihre Telefonnummer geheim halten.

miauxx 11.05.2011 | 22:02

@hadie

"Forsa findet immer das heraus, was der Auftraggeber bezahlt..."
Und jetzt haben wir also ein Ergebnis, für das der Freitag bezahlt hat? :-)
Nun gut, an den Vorwürfen gegenüber Forsa ist vielleicht auch hier und da was dran.
Läuft eine Erhebung aber korrekt, dann so: "Repräsentativ ermittelte Personen" heißt ja, dass eben nicht nur die befragt werden, welche üblicherweise als erste ans Telefon gehen oder gerade zu Hause sind. Es gibt bei solchen Befragungen Zielpersonen-Ermittlungen, die gewährleisten sollen, dass sich eben die demografische Situation repräsentativ abbildet. Dafür gibt es gewisse Schlüssel bei der Zielpersonen-Ermittlung als eben auch Quoten auf Altersgruppen, Geschlecht und Region bzw. die entsprechenden Kombinationen daraus.
Freilich ist es da am schwierigsten, die jüngeren Leute zu erreichen.

Die Schweinereien - je nach Einwirken des Auftraggebers - geschehen entweder bereits über das Design der Studie, d.h. über die Art der Fragestellung, oder vielleicht auch in der Auswertung.
Der Fragestellung in der Freitag-Umfrage geschah offenbar schlicht nach dem Muster, Sagen Sie bitte, inwieweit Sie diesen Aussagen zustimmen: Voll und ganz, eher, eher nicht oder gar nicht. und anschließender Frage nach der Parteien-Sympathie.
Hier ist nun zuvorderst die Frage, wie man die Umfrageergebnisse interpretiert.

miauxx 11.05.2011 | 22:16

Da wir wissen, wie geschickt heute auch Rechtspopulisten, selbst Rechtsradikale, argumentieren, ist es nicht verwunderlich, dass selbst solch vergleichsweise harmlosen Aussagen, eine Schnittmenge selbst bei Anhängern bzw. Wählern der Grünen, Liberalen und auch Linken haben.
Da es sich auch nur um einfache Aussagen handeln, erfahren wir nur einen ungefähren Trend. Hier handelt es sich nicht um eine Umfrage nach qualitativer, sondern rein quantitativer Methodik. Sozialwissenschaftlichen Ansprüchen würde sie in dieser Knappheit und ohne Kontextualisierung mittels weiterer Fragen nicht genügen.
Gut, das war ja wohl auch nicht das Ansinnen des Freitag. Ableiten kann man aber immmerhin, dass die Deutschen zu einem recht signifikanten Anteil für Rechtspopulismus empfänglich sind. Auch wenn die Aussagen nicht pauschal einzig Kind rechten Gedankenguts sind.

luggi 11.05.2011 | 22:24

Ähm, sowas nenne ich einfach nur serösen Journalismus.

JotAh, wirklich, ich könnte an Stelle der der ausgewählten Statements von Rechtspopulisten andere wählen ... dann wären die die Wähler der Grünen in Baden-Würstchenberg in der Pole.

Karl Theodor hat schon mit Vorsatz ... und jetzt auch noch dF ... Kopfschüttel.
Ähm, und da gab es doch einen Blogeintrag von JotAh zum Thema ehrliche Arbeit. Wetten, ich find´ da was bei den Rechtspopulisten.
Nochmal, Kopfschüttel.

Angelia 11.05.2011 | 23:48

" Ableiten kann man aber immmerhin, dass die Deutschen zu einem recht signifikanten Anteil für Rechtspopulismus empfänglich sind. "

eben. Und genau das ist das Problem. Ob nun Konservative, Linke oder Ostdeutsche tendenziell empfänglicher für braunes Gedankengut sind, spielt nur dann eine Rolle, wenn man dezidierte Ursachenforschung betreiben will, nicht aber, wenn man das Ausmaß der Empfänglichkeit für Rechtspopulismus eruiert.
Ursachenforschung stellt dann auch andere Fragen, z.B. nach persönlicher - wirtschaftlicher Situation, Bildung, Alter, familiären Hintergründen, Prägungen etc.

Aber morgen bekomme ich den "der Freitag" dann lese ich mir erst mal alles durch.

rama 11.05.2011 | 23:49

Naja, war wahrscheinlich das Sonderangebot aus dem Haus Güllner/Forsa. Vier Fragen um den Preis von drei oder so? So, wie die Geschichte jetzt im Blatt steht, verrät sie wenig über Auffassungen der Befragten, aber eine Menge darüber, wie der Autor des Artikels tickt. Was tu ich bloss (in meiner Stadt Dortmund schlecht zu vermeiden), wenn hier einer der Nazis öffentlich erklärt, er halte die deutsche Meisterschaft des BVB für eine gute Sache. Äußere ich Zustimmung zu diesem Satz, bin ich nach Augsteins Logik als Anhänger rechter Positionen geoutet. Das macht die Friedrich-Ebert-Stiftung dann doch etwas solider, und dann ist mit den Ergebnissen auch was anzufangen.

GeroSteiner 12.05.2011 | 00:44

Durchblicker an Niedrigniveau-Erklärbär:

Ich habe es immer noch nicht verstanden. Sie erklären es irgendwie nicht kindgerecht. Vielleicht haben Sie es auch selbst nicht richtig verstanden?

Also nochmal: Nettozahler Deutschland?

Nehmen wir das Jahr 2004. Ein schlimmes Jahr (Gerhard Schröder erklärt seinen Rücktritt vom Parteivorsitz der SPD).
Da zahlte Deutschland rund 20 Milliarden Euro in die EU-Kasse. Die Deutsche Bundesbank, deren Kompetenz sicher niedriger liegt, als die eines Richard der "Nettozahlerexperte" Hayek, errechnet daraus einen tatsächlichen Nettobeitrag von 6 Milliarden Euro, weil die Verwaltungsausgaben für Deutschland sehr gering und die traditionellen Eigenmittel eingerechnet werden.
So kommen wir also auf 73 Euro im Jahr pro Einwohner der Bundesrepublik Deutschland.

Bezogen auf die Einwohner - also pro Kopf betrachtet war Deutschland damit der viertgrößte Nettozahler nach den Niederlanden, Luxemburg und Schweden.

Im Gegenzug erhielt die deutsche Landwirtschaft 6 Milliarden Euro und für die strukturpolitischen Hilfen kamen etwa 4,5 Milliarden Euro zurück.

Leider fließen die wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der Intensivierung des internationalen Handels und des Wettbewerbs ergeben, nicht in die Berechnungen der Nettozahlerposition ein.

Die Vorsichtigen unter den Finanzrechnern gehen von einer Zunahme der deutschen Wirtschaftsleistung durch den europäischen Binnenmarkt von 0,6% bis 0,8% aus. Dazurechnen muss man aber auch den vom Sachverständigenrat geschätzten zusätzlichen handelsschaffenden Effekt der Währungsunion von etwa 18%. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf eine durch den europäischen Binnenmarkt und die europäische Währungsunion erzeugte zusätzliche Wirtschaftsleistung von rund 1 Prozent.

Wozu ist das jetzt gut? Mehr Wirtschaftsleistung führt zu mehr Steuereinnahmen.

Was folgt daraus? Die 6 Milliarden Euro Nettobeitrag werden überkompensiert. Alles fein, alles gut. Es kommt also auch was zurück.

Die Urlaubsspesen. Na sowas.

Wenn Sie Rahabs Argumente sammeln, verstehen und nutzen, dann sind Sie doch klüger als befürchtet.

Tycho 12.05.2011 | 01:16

Ich bin für Rechtspopulismen total empfänglich. Ich warte schon sehnsüchtig auf den nächsten DVU oder NPD Spott. Da wird mal endlich erklärt, wie das so alles zusammenhängt mit den Ausländern und der E.U.
Die andern sind schuld, ..das ist doch klar. Früher war alles besser. Da konnte man noch bei Rot über die Straße gehen und wurde nicht von irgendeinem daher gelaufenen Frauenzimmer vergewaltigt. Außerdem kiffen hier in Deutschland alle wie die Raben. Besonders die Ausländer und die Linken und die Ostdeutschen Berliner. Da geht alles vor die Hunde und die kacken dann auch noch überall hin.

Die DVU erklärt das alles ganz prima. Verstehe gar nicht die Aufregung hier. Im Grunde ist die DVU auch links, nur das sie eben rechts ist. Ist doch klar: Im Spiegel ist links rechts und wenn ich mich ein halbes Mal drehe, ist rechts plötzlich links und siehe da: Alles wird klar. Es gibt für alles eine Lösung, meint auch mein Kumpel. Gut, der ist Schiit, aber auch der ist auch der Meinung: Früher war alles besser. Heute versteht das doch keiner mehr: Rassenkunde bei der SPD, Anti-Atomkraft bei der CSU und Freiheit für HartzIV bei der Linken...

Ich sachma, hauptsache genügend Bier, keine Ausländer außer meinem Kumpel Mustafa, genügend Wahlspots der DVU und dass mir hier keiner kifft wie die Raben...

GeroSteiner 12.05.2011 | 02:00

Eins haste noch vergessen Tycho. Die einzigen, wahren und richtigen Parteien - die sind doch alle verboten. Das ist unser Problem. Viel zuwenig Extremismus. Zuviele Warmduscher, Schattenparker und gastfreundliche Ausländerfreunde. So wird das nix mehr.

Die Deutschen sind auf dem Weg in die deutsche Normalität. Nach dem zweiten Weltkrieg haben sie von nichts etwas gewusst, dann wollten sie es auch nicht mehr wissen, und jetzt? Jetzt wissen sie schon wieder alles besser. Das sind Zeiten...

weinsztein 12.05.2011 | 06:02

Seriöse Umfragen und deren Ergebnisse gehören veröffentlicht, auch wenn es weh tun sollte. Forsa dürfte nicht weniger seriös sein als andere Demoskopieinstitute. Die Erhebungsergebnisse liegen meist eng beisammen, wenn man eine Abweichungstoleranz von +/- 3 Prozent berücksichtigt.

Jakob Augstein schreibt: „Wir haben zentrale Aussagen von vier führenden europäischen Rechtspopulisten ausgewählt und das Forsa-Institut gebeten, eine repräsentative Zahl von Bundesbürgern mit diesen Fragen zur konfrontieren.“

Es wurden vermutlich ca. 1000 Wähler der Parteien gefragt, nicht deren Mitglieder.

Was war mit den Nichtwählern, es sind ja nicht wenige. Wurden deren Antworten vernachlässigt? Dann müssten rund 1300 Menschen befragt worden sein, um die Antworten von 1000 Wählern auszuwerten. Wurden gleich viele Wähler aller Parteien gefragt, also je Partei 200, davon je ca. 50 aus dem Osten?

Oder wurde entsprechend dem derzeitigen Parteien-Ranking gefragt, also rund
350 CDU/CSU-Wähler, davon 80 Ostdeutsche
260 SPD-Wähler, davon 60 Ostdeutsche
250 Grüne-Wähler, davon 55 Ostdeutsche
90 Linke-Wähler, davon 22 Ostdeutsche
50 FDP-Wähler, davon 12 Ostdeutsche?

Nach welchem Proporz auch immer gefragt – als wie repräsentativ sind die Auswertungsergebnisse der ostdeutschen Befragten einzuschätzen, die laut der Erhebung für besondere Besorgnisse Anlass geben?

Das Ergebnis der Umfrage im Auftrag des Freitag deckt sich im Wesentlichen mit früheren Umfragen anderer Auftraggeber. Um angesichts der von mir vermuteten 1000 Befragten eine gewisse Repräsentativität zu ermöglichen, dürften Ergebnisse früherer Umfragen berücksichtigt worden sein.

Calvino 12.05.2011 | 09:49

Das Gewissen der Freitagsredaktion kann beruhigt werden. Denn, die Ergebnisse der Umfrage sind weder erstaunlich noch neu.
So heißt es in einer aktuellen Studie der Friedrich Ebert Stiftung "Die Mitte in der Krise":
"Wir müssen in 2010 einen Anstieg von dezidiert antidemokratischen und rassistischen Einstellungen feststellen und beobachten zudem eine leichte Zunahme der sozialdarwinistischen Ungleichwertigkeitsvorstellung (S. 139).
Die Studie ist unter folgenden Link zu beziehen:
www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextreme-einstellungen-verfestigen-sich/1956038.html
Zur Methodik ist anzumerken, dass sich eine Ablehnung des Euros nicht zwingend auf eine rechtspopulistische Einstellung zurückführen lässt.

chrislow 12.05.2011 | 10:26

Solcherart Umfragen, denen man adhock antworten muß, da die person am anderen Ende der Leitung darauf wartet, sind ein Problem für sich.
Wer hätte derart genügend zeit, um die ganze Thematik zu überblicken und zu bedenken? Der Zeitdruck verleitet zu schnellen Antworten, die ... wie man sagt... auch und gar leicht unüberlegt sein werden.
Man mag auch meinen, es seien die wenigen Augenblicke der Wahrheit, wenn nicht viel um Antwort gesinnt wird. Da ist was drann, aber auch nicht unfehlbare und gar nicht fair.
Ansichten sind keine Wahrheiten. Sie sind derzeit gerade in den Sinn gekommene Gedanken dazu. Und mir kommen fast jederzeit viele Versionen von Gedanken zu einem Thema in den Sinn, wenn ich nur drei Minuten Zeit habe.

Hingegen bei mehr Zeit es sich dann eher um selbsterfüllende Wahrheiten handelt. Die Antwort auf Fragen wird zu Wahrheit, indem ich mich daran erinnere, bis eine bessere Weissheit (subjektiv) verfügbar wird.

Wahrheit.... scheint mir auch davon abhängig zu sein, unter welchen Menschen ich mich gerade befinde. Vielleicht habe ich mich auch deshalb für keine Antqort entscheiden können?

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lisaschwert 12.05.2011 | 12:13

Lara, ich habe mir Ihren Kommentar mehrmals durchgelesen, aber wir reden aneinander vorbei. Nun, soll ich meinen nochmal aufschreiben oder was tun.

So kann ich nur sagen wir sind verschiedener Meinung, das ist auch gut so oder so ähnlich.
Wie ich schon schrieb, das Koch- und Garten-Konzept gefällt mir, also warum sollte ich hier nicht schreiben. Oder darf man nur einheitsparteiisch mit allen konform gehen und dann kommentieren? Es gibt so etwas wie konstruktive Kritik, weil mir die linke Sache am Herzen liegt. Wenn da shier nicht erwünscht ist weil man ja alles immer richtig macht, dann soll mich einer aufklären, Sie beispielsweise.

Magda 12.05.2011 | 12:22

Lieber Herr Augstein,
Ich finde das alles ziemlich komisch. Als seien an „derFreitag“ die - auch von anderen Diskutanten - erwähnten vielfältigen Untersuchungen nebst Kontroversen spurlos vorbeigegangen, eigentlich journalistisch ein ziemliches Armutszeugnis. Es war der „Freitag“ – damals noch ohne „der“ im Titel – der die rechtsextremistischen Gefahren-Ost zum Thema gemacht hat.
Die Debatte um die Arbeit gegen Rechts im Osten, um deren wacklige Finanzierung, die Diskurse um Ursachen, alles das ist Jahre, ach fast schon Jahrzehnte alt. Die Ebert-Stiftung macht das – wie andere schon verlinkt haben – immer wieder.

Die Debatte um „no-go-areas“-Ost während der Fußballweltmeisterschaften, die Geschichten mit dem kleinen Josef in Sebnitz, die „Flucht“ von Pastor Neuschäfer aus Rudolstadt, die keine war, all das waren mediale Fixpunkte im Versuch, die Frage des Rechtsextremismus gänzlich in den Osten zu verschieben. Nur, es gibt halt auch im Westen mehr rechtsextreme Ansichten, als Sie vermutet haben bei Ihrer Umfrage? Wieso ist das kein Skandal? Dass sich in einem Land mit so hochdemokratischer Kultur, die jahrzehntelang schon in den Menschen wirkt, auch eine so verfestigte rechtspopulistische Versuchung etablieren kann.

Und während sich alles –wie technixer oben schreibt – über Dumpfbacken Ost erschreckt, klatscht das gehobene Bürgertum in München einem Sarrazin enthusiastisch Beifall, der gerade die Auslese und Selektion der Menschen nach wirtschaftlicher Nützlichkeit in seinen geistigen Tunnelblick nimmt. Dort sind die Gefahren. Und von denen lenken solche Schnellumfragen geschmeidig ab. Es ist eben inzwischen auch hier immer mehr irgendwie....Mainstream.

Was den Umgang mit Meinungsumfragen angeht: Ein gelernter „Altländler“West, der erkennt die „Heuchelfallen“ in solchen Fragen und umgeht sie. Der wird nie sagen, dass ihm in seinem Kiez die vielen „Fremden“ nicht gefallen, der wird sagen: In diesem Gebiet hier stimmt die soziale Mischung nicht“.

Ein gelernter pc-Klippenumschiffer-West wird nie sagen, er schickt sein Kind in keine Schule mit zu vielen Migranten, der wird sagen; „ich lasse mein Kind nicht die Versäumnisse einer verfehlten Bildungspolitik ausbaden.“

Manche noch nicht so geübte „Ostdeutsche“ sind da ziemlich direkt. Auch daher ergeben sich oftmals die Skandalwerte. Leute-Ost haben manchmal noch einen unkritischen Glauben an das was ihnen Presseerzeugnisse „vor“schreiben. Und da lesen sie das mit der Gefahr durch den Islam - mal direkt mal zwischen den Zeilen - ständig. Sie lesen die Hetzartikel über die verschwenderischen Griechen auch in Zeitungen, die als seriös gelten und werden das mit dem Geld nach Europa entsprechend bewerten.

Sie werden ja auch nicht angehalten, die gegenwärtigen Manipulationstechniken und die mediale Massenbeeinflussung zu durchschauen, sondern sollen sich reumütig mit dem repressivem System der Vergangenheit beschäftigen. Das lenkt ab von den neuen Repressions- und Manipulationstechniken, die von hoher Wirkung sind.

library.fes.de/pdf-files/do/04245.pdf

Hier gibt’s ein noch recht interessantes - ein bisschen älteres Dokument zu Rechtsextremismus im Ost-West-Vergleich. Sehr empfehlenswert dazu Birgit Rommelsbacher.

Wie schon angemerkt: Massenweise Beiträge und Diskurse dazu. „derFreitag“ hat einfach gepennt. Das Geld hättet Ihr Euch sparen können. Und ich frage mich dabei auch noch: Was soll damit eigentlich bewiesen werden? Oder wie Grönemeyers Song so schon nachfragt: "Was soll das!?"

Am Ende sage auch ich noch das fällige „Glaubensbekenntnis“ auf: Man sollte bestimmte Entwicklungen nicht beschönigen und drüber reden. Aber so wird das nischt.

alf harzer 12.05.2011 | 12:42

Es ist nicht erstaunlich, welche Ergebnisse dort ermittelt wurden. Auch nicht warum das so ist, wenn man sich vor Augen führt, für wen hier in der BRD(igen) Politik gemacht wird. Dass das dann "Volksverhetzer" auf die politische Bühne spielt, ist nur folgerichtig.
Es würde sich sehr wahrscheinlich, dass sich bei einem Politikwechsel, weg von Lobby und Klientelpolitik, für die Mehrheit, einiges ändern.
Geld regiert nunmal die Welt und sch... was auf die Bedürfnisse von vielen Menschen.
Wie degeneriert das Ganze inzwischen ist, zeigt sich, wer in der Politik alles Karriere machen kann (vuzGut, vdL, Spahn, Bahr Lindner, Koch-M., etc. etc. etc.). Denk ich an Deutschland in der Nacht...... oder ich kann gar nicht so viel fressen........
wohl bekomms!

j-ap 12.05.2011 | 12:56

Gestern während der Nachtlektüre gefunden, heute zur Kenntnisnahme hier eingestellt:

Über den Trümmern der deutschen Weltmacht, über zwei Millionen Leichen umsonst gefallener Helden, über dem in Elend und Seelenqual vergehenden Volke wird nun in Weimar mit lächelndem Behagen die Diktatur des Parteiklüngels aufgerichtet, derselben Gemeinschaft beschränktester und schmutzigster Interessen, welche seit 1917 unsere Stellung untergraben und jede Art von Verrat begangen hatte, vom Sturz fähiger Leute ihrer Leistungen wegen bis zu eigenen Leistungen im Einverständnis mit Northcliffe, mit Trotzki, selbst mit Clemenceau.

(…)

Nachdem sich die Helden der Koalition vor dem Einsturz in alle Winkel geflüchtet hatten, kamen sie mit plötzlichem Eifer wieder hervor, als sie die Spartakisten allein über der Beute sahen. Aus der Angst um den Beuteanteil entstand auf den großherzoglichen Samtsesseln und in den Kneipen von Weimar die deutsche Republik, keine Staatsform, sondern eine Firma.

In ihren Satzungen ist nicht vom Volk die Rede, sondern von Parteien; nicht von Macht, von Ehre und Größe, sondern von Parteien. Wir haben kein Vaterland mehr, sondern Parteien; keine Rechte, sondern Parteien; kein Ziel, keine Zukunft mehr, sondern Interessen von Parteien. Und diese Parteien (…) entschlossen sich, dem Feinde alles, was er wünschte, auszuliefern, jede Forderung zu unterschreiben, den Mut zu immer weitergehenden Ansprüchen in ihm aufzuwecken, nur um in Innern ihren eigenen Zielen nachgehen zu können.

(…)

So ist der deutsche Parlamentarismus. Seit fünf Jahren keine Tat, kein Entschluß, kein Gedanke, nicht einmal eine Haltung, aber inzwischen bekamen diese Proletarier Landsitze und reiche Schwiegersöhne, und bürgerliche Hungerleider mit geschäftlicher Begabung wurden plötzlich stumm, wenn im Fraktionszimmer hinter einem eben bekämpften Gesetzantrag der Schatten eines Konzerns sichtbar wurde.

(Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, München 1924, S. 8 f.)Nun kann man sich ja mal ansehen, wer heutzutage den Carl Schmitt, den Moeller van den Bruck und den Spengler tanzt, wie sehr die Worte sich gleichen:

Der ewige Haß auf die dem Volksorganismus entfremdete Demokratie; auf das zerstrittene, führungsschwache und doch sowieso gekaufte Parteienwesen; auf die »Mechanei« der »Eurokraten«, die das sauer Verdiente zum Frommen nichtsnutziger Klientelen durchbringen; auf die Gewaltenteilung, die gleich gar als serielle Beihilfe zur kleptokratischen Verschwörung gilt; die Sehnsucht nach einer autoritären Exekutive, die nicht länger dem auszuhandelnden Kompromiß gesellschaftlicher Interessengruppen, sondern dem einheitlichen Volkswillen (verkörpert etwa durch Helden-Staatsanwälte und -Richter, die jetzt mal ordentlich durchgreifen) unterstellt werden soll; die immergleichen galligen Ausfälle gegen die »Northcliffs« dieser Welt, denen früher die »Demokraten-Hetzpresse« gehörte — dazwischen auch mal die Sieger-, die Juden- und die Konzern-Presse — und die heute Rupert Murdoch heißen mögen und die »Mainstream-Medien« beherrschen ...

Knüppel 12.05.2011 | 13:22

@Tycho

Hallo Tycho,

na junger Mann, Dir fehlt wohl mal wieder die sittliche Reife um das Thema (ging es nicht eigentlich um eine Umfrage des Freitag?) "angemessen" zu kommentieren? :-)

Ich bin ja durchaus für schwarzen Humor zu haben, sogar zynisches ist von mir gelegentlich zu lesen, was mir allerdings stinkt, ist eine "Verniedlichung" von Rechtsextremismus, das ist für mich die "Wegbereitung der Verharmlosung".

Bin ich nun wieder der "Spielverderber", der Deinen nächtlich abgesonderten Spaß-Kommentar platt machen will? Vielleicht.

Weißt du Tycho, um diese Typen und ihr krakenartig erweitertes Umfeld von Tarnorganisationen nicht ernst zu nehmen, haben die für mich einfach schon zu viele Tote auf dem Gewissen (ja, ich weiß, Du kennst den Link, aber manch andere/r vielleicht noch nicht ... www.opferfonds-cura.de/index.php?option=com_content=view=49=5 )

Und auch das hier, finde ich nicht witzig!

Die rechtsextreme Pro- (Deutschland / NRW / Köln) schrieb über Berlin:

"(...) Er (Klaus Wowereit) gehört genau aus dem Roten Rathaus verbannt, wie die Schwulenparaden aus der Stadt", heißt es unter der Überschrift "Sauberes Berlin". Und weiter: "Berlin darf nicht Sodom und Gomorrha werden. Denn darunter leiden letztlich wir alle." Auch Brinkmann (Pro Deutschland) kritisierte bei der letzten Bundesversammlung von "Pro Deutschland" in Berlin, dass die deutsche Hauptstadt "leider zur Zeit von Schwulen und Sozialisten regiert wird ..."
Quelle: 'Queer.de' 30.03.2011

Und wer mir erzählt, "die sozialen Ungerechtigkeiten treiben den Braunen die Anhänger zu", dem erwidere ich: Wer noch alle Tassen im Schrank hat und dann auch noch im Land mit grauenhafter Nazi-Vergangenheit lebt, könnte und müsste wissen (sind doch fast alle im Internet unterwegs und die Archive sind gefüllt mit den Dokumenten des Grauens ...) zu welchen Katastrophen es führt, wenn die Braunen Macht erhalten. Nein, für dieses "Argument" (soziale Ungerechtigkeiten) habe ich keinerlei Verständnis.

Ich wiederhole, in diesem Zusammenhang, was mir vor Jahren eine spanische Arbeitskollegin sagte: "Merkwürdig, wenn Deutsche arbeitslos werden, neigen sie zum Rechtsextremismus, das ist bei uns in Spanien überhaupt nicht so"

Sind Deutsche also dümmer, als Spanier?

Faschismus bietet keine Lösung von gesellschaftlichen und sozialen Problemen, er bastelt lediglich *Sündenböcke" (Feindbilder) und ... er führt IMMER! in die Katastrophe!

*Sündenböcke" (Feindbilder) sind für Nazis traditionell gesellschaftliche Minderheiten (Juden, Migranten, Schwule etc.). Und wer noch immer nicht weiß, was in den KZs geschah, dem empfehle ich u.a. die Lektüre von "Der SS-Staat", Eugen Kogon www.amazon.de/SS-Staat-Das-System-deutschen-Konzentrationslager/dp/3898361071

Zuerst sind es ja "nur die anderen", die unter den Nazis zu leiden haben, aber dann wird jeder Kritiker zum Feind erklärt ...

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
( Martin Niemöller de.wikipedia.org/wiki/Martin_Niem%C3%B6ller )

Ich ergänze: "Als sie die Homosexuellen einsperrten, habe ich geschwiegen; ich bin ja kein Homosexueller ..."

„Der Elsässer Pierre Seel war 17 als ihn die Gestapo wegen seiner Homosexualität verhaftete. Im Konzentrationslager musste er der Hinrichtung seines Freundes zuschauen. Die Häftlinge waren angetreten, es lief Musik. Man entkleidete den jungen Mann, stülpte ihm einen Eimer über den Kopf. Dann hetzte die SS Schäferhunde auf ihn, die ihn zu Tode bissen und zerrissen“ ( Süddeutsche Zeitung 28.05.2008 )

Und die Hetze gegen Juden, "Fremde", Schwule etc. ist bei Rechtsextremen weiterhin Bestandteil ihrer Weltsicht, das ist keineswegs Vergangenheit ...

http://img197.imageshack.us/img197/1936/npdhomophob.jpg

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Dass es sich bei den Anhängern der Neo-Nazis nicht nur um bildungsferne junge Männer handelt, belegt dieses Buch:

http://img691.imageshack.us/img691/5019/fraueninderneonaziszene.jpg

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Das "Lachen" über diese dummen und "harmlosen" Rechtsextremisten kann einem im Halse stecken bleiben, wenn man das hier regelmäßig liest (also Informationen sind vorhanden, man muss sie nur nutzen):
npd-blog.info/

http://img546.imageshack.us/img546/8427/faschismusistkeinemeinu.jpg

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Mir ist beim Auftreten von Neo-Nazis überhaupt nicht nach Witzen zumute, dafür weiß ich einfach zu viel über sie. Satire-Projekte, wie 'Storch Heinar' unterstütze ich allerdings ausdrücklich, weil sie den Wahnsinn dieser deutschtümelnden Nazis entlarven.

Wem das alles jetzt viel zu "bierernst" war, den bitte ich um Entschuldigung. Ist ein "Reizthema" für mich ...

Gruß
Knüppel

n/apolomon 12.05.2011 | 18:57

@Jakob Augstein:

Insgesamt zwar kaum völlig neue Erkenntnisse liefernd, scheinen mir dennoch Teilergebnisse dieser Befragung sehr fragwürdig:

Es fehlen gerade bei einer erstaunlichen Widersprüchlichkeit der Parteiprogrammatik der Linkspartei und der offenbar ganz anders gesinnten linken Wählerschaft, bzw. der sie bewegenden Haltungen, nötige Differenzierungen.

Beispielsweise die Frage nach Drittvariablen (beispielsweise Motiv Protestwahl, oder die Euroeinführung in DIESER - kontingenten - Form, etc...), oder die Klärung der Frage, ob Euroablehnung wirklich gleichzusetzen ist mit Europaablehnung (die gewerkschaftlichen Internationalisierungstendenzen stehen dem massivst entgegen, und die Linkspartei zumindest hier im Westen entstammt weitestgehend enttäuschter gewerkschaftlicher Provenienz).

Es fehlen - und bei dieser Art von Ergebnissen ist es doch zumindest sehr gewagt, das ausser Betracht zu lassen, lieber Herr Augstein - Angaben zum Forschungsdesign.

Wie wurden Wählergruppen unterschieden? Wie repräsentativ genommen wurden überrepräsentiert erwartbare Ausreisser gerade bei den Wählern kleiner Parteien, ich meine die Linkspartei, verrechnet?

Wie wurden Manipulationsversuche von SPD-Wählern vermieden, die behaupteten, "links" zu sein und zu wählen? Bekanntlich ist die SPD- Wählerschaft kaum mehr links... Wie wurde also Schummelei seitens der Befragten ausgeschlossen, wie wurden Beobachter/Fragereffekte minimiert und statistisch verrechnet?

Um nicht noch auf Grundprobleme der deskriptiven Statistik einzugehen, die hier wahrscheinlich extrem wichtig einer Klärung bedürften (Korrespondenzproblem der Indikatoren zur Theorie, Basissatzproblem bzw. Sprachprobleme von Forsa, Skalenprobleme...)

Alles in allem liefert die Untersuchung nur pauschal zwar wichtige, aber kaum neue Ergebnisse (seit den Studien zum autoritären Charakter gibt es immer wieder aktuelle Untersuchungen...). Und - siehe oben - diese Forsstudie wirft mehr Fragen auf, als Antworten zu geben. Zudem - gerade solche Ergebnisse pseudolinker Wähler sollte kaum die Linkspartei diskreditieren. Dies müsste natürlich gerade auch dem Freitag, bzw. Ihnen, lieber und werter Herr Augstein, klar sein. Deswegen erstaunt mich der Artikel in dieser Form um so mehr...

Dabei schätze ich den Freitag aber sehr.

Beste Grüße, n/apolomon

miauxx 12.05.2011 | 19:46

@weinsztein

Wieso sollen die Angaben der Nichtwähler bzw. Verweigerer einer Antwort auf die Frage nach der Parteienvorliebe vernachlässigt worden sein? Sie sind offenbar nur im Gesamtergebnis aber nicht in der Wählerstatistik ausgewiesen.
Die, welche eine Partei angaben, müssen nicht gleich den 1000 Befragten sein. Allerdings kann man das schon so wie Sie hinterfragen. Denn die Angaben derer, die sich vielleicht als Nichtwähler outeten - sofern als Item in der Befragung vorgesehen - bzw. derer, die die Antwort zu ihrer Parteienzuneigung verweigerten, sehen wir ja nicht.

miauxx 12.05.2011 | 19:54

@Calvino

Die Umfrageergebnisse bringen nichts neues? Wird wohl stimmen. Kann man aber das Ergebnis der zitierten Studie der Ebert-Stiftung dafür als Zeugen nehmen?
Ich weiß zwar nicht, wie die Ebert-Stiftung zu ihren Ergebnissen kam. Aber da Sie, wie auch andere hier, mit dieser argumentieren, unterstellen Sie, dass der "Mitte" bisher solche Ansichten, wie sie die Freitags-Studie zur Frage stellte, völlig fremd waren. Und da wär' ich mir nicht so sicher.

Uwe Theel 12.05.2011 | 21:39

Lieber Herr Augstein,

ich nehmem nur mal die Frage IV:

"Wir brauchen ein unabhängiges Deutschland ohne den Euro, in das keine Europäische Union hineinregiert"

Da stimmen dann laut Forsa 57 % der Wähler der Linkspartei zu aber bei den anderen Parteien "nur" immer ca. ein Viertel derer Wähler. - Damit sei auch hier ausgemacht, dass die Linke rechtspopulismus=faschismusanfälliger sei als die "Bürgerliche Mitte".

Pfeifendeckel:

1) Sie weisen z.B. nicht einmal aus wieviel 1 * 57% Linkswähler in absoluten Zahlen gegenüber 4 * 25% bürgerlicher Wähler sind.

2) Die angegebene Alterschichtung geschieht dann wieder nicht parteienspezifisch, sondern nur alterspezifisch. Was soll dieses Datum dann gegenüber dem anderen beleuchten oder belegen.

3) aber und wirklich schwerwiegend: Die Forsa-Studie legt einen eindeutig rechtsgefärbte Fragestellung einem Linkswähler vor.

Was soll dieser mit einer solchen Frage machen, wenn er "seine" Einstellung zum Euro und "diesem" Europa zum Ausdruck bringen soll:

Natürlich kann man aus eigenen, linken Gründen Euro und EU ablehnen:

Solange ich den Euro als Ausdruck des Kapitals begreife und nicht einfach nur bürgerlich als "gutes Geld", lehne ich ihn aus ganz anderen Gründen ab, als ein Rechtsbürgerlicher, der sich vom Abstieg in das Prekariat bedroht sieht, ohne wirklich zu wissen warum und nur glaubt, ihm würde auf geheimnisvoll gemeine und ungerechte Weise "Geld" vorenthalten.

Wenn der Rechtsbürgerliche die EU ablehnt, weil er glaubt, dort würde das ihm vorenthaltene Geld am falschen Ort, nämlich am nicht bei ihm selbst, für ihn selbst ausgegeben wird, dann lehnt er die EU aus ganz anderen Gründen ab, als ein Linker, der die EU als Ausdruck des auf Weltmarktebene konsolidierten und konzentrierten Kapitals, dessen Verwertungsprozess ansieht und sie deswegen ablehnt.

Lieber Herr Augstein, sie können Linke nicht mit genuin rechtsdrehenden Fragen konfrontieren und deren Antworten nur deswegen als rechts klassifizieren, wenn sie dann "JA" sagen.

Umgehkehrt ginge es übrigens genauso schief.

Also motten Sie ihre Studio ganz schnell wieder ein und lassen Sie bei Butterwegge in Köln z.B. im Rahmen der Armutsforschung gescheite Fragen zum Bewußtsein der Prekariatsberohten in allen Schichten entwickeln und seriöse Befragungen durchführen.

Liebe Grüße

Uwe Theel

Red Bavarian 12.05.2011 | 22:08

Ich habe dieses Wochenthema vollständig ("Volkes dunkler Wille") jetzt auch in der Print-Ausgabe gelesen. Mein Fazit: insgesamt schwach, vor allem die Umfrage.

Weiteres haben die kritischen Kommentator(inn)en schon oben dazu geschrieben.

Siehe auch meinen Kommentar oben vom 11.05.2011 um 17:29 zu einem Teilaspekt.

Ich selber habe im Augenblick keine Lust, mehr dazu zu kommentieren.

wwalkie 12.05.2011 | 22:21

Ich schließe mich Ihrer Forderung an, Uwe Theel. Auf die Fragen kommt es schließlich an. Schon 1972 wies Pierre Bourdieu in "Die öffentliche Meinung gibt es nicht" darauf hin, dass die "Unterklassen" auf abstrakte Fragen eher "autoritär" antworten, auf Fragen, die sich "auf die realen Fragen der Machtverhältnisse zwischen den Klassen beziehen" eher emanzipatorisch (damals wie heute: Streikrecht für alle, heute:mindestens Mindestlöhne).

Dieses Bewusstsein fehlt den Forsapraktikern völlig. Die Präsupposition dieses viel beschäftigten und versprechenden Instituts lautet: Rechtspopulistisch ist, wer "Europa" (wer oder was das auch ist) nicht vollen Herzens bejaht, wer die neoliberalen Tendenzen kritisiert, vor allem den unregulierten Arbeit(kraft)markt, wer mehr Partizipation fordert (im nationalen Rahmen wie der verstorbene Tony Judt, wo auch sonst? Zunächst zumindest?), wer die (nicht immer falsche) Angst hat, vom Arbeitskraftmarkt durch "Billiglöhner" verdrängt zu werden. Oder sich diese Angst nur einbildet. Wobei nicht nach den Gründen dieser Projektionen gefragt wird. Und wer so treudoof ist, die schiefe Syntax des Satzes "Deutschland gibt zu viel insgesamt Geld an Europa" zu merken.

Ärgerlich ist, dass die Intention der Fragen so offen ist, das man sich fast dafür schämen muss: Zwischen "Rechtspopulisten" und "Linkspopulisten" soll kaum ein Unterschied sein. Rot ist wieder einmal braun. Da hilft nur der "Populismus der Mitte". Locker wird den Linken demnächst vorgeworfen werden: "Ihr argumentiert wie Marine Le Pen!" Und die Linken werden sich als Antifaschisten, die sie in der Regel sind (nicht immer, zugegeben), schämen.

"La nuit peut être fière, elle a obtenu que la lumière ait honte d'être lumière" (Julien Benda). Die Nacht kann stolz sein. Sie hat es erreicht, dass das Licht sich schämt, Licht zu sein.

zelotti 12.05.2011 | 22:38

Kritik an der EU ist ja gerade Teil des Profils der Partei Die Linke und da hat sie vollkommen recht, es gibt kein linkes Europa sondern ein Europa der Konzerne, in dem der einfache Bürger viel zu wenig zu sagen hat. Die kapitalistische Globalisierung spricht der Idee einer Internationalen einfach Hohn.

Migration ist auch auf zwei Ebenen zu betrachten, auf der strategischen Ebene schwächt sie die Rechte und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer und desintegriert die Gesellschaft. Rechts ist nun die dumpfe Agitation gegen den Ali von nebenan, sozusagen die praktische Vollstreckung der beabsichtigten Entsolidarisierung der Gesellschaft. Man könnte sagen, die Linke verteidigt und stärkt den Schwachen gegen die Mächtigen. Die Rechtspopulisten sind dagegen kleine Würstchen, die gegen andere kleine Würstchen mobilisieren und "unsere Politik" von fremden Mächten gesteuert sehen. Weil die Politik fern ist bekommt der muslimisch geführte Nachbar aus Anatolien eins in die Fresse.

Und da haben wir die wichtige Differenz, welche die Linke so wichtig macht: Solidarität, Kampf für die Schwachen und Kampf gegen den Faschismus. Rechts: Ausgrenzung, Kampf den Schwächeren und Faschismus. Populistisch sind irgendwie alle Parteien. Rechtspopulistisch sind Parteien, die rechte Aufregerthemen verwenden und Menschen gegeneinander feige ausspielen.

Sicherlich kann man auch die Frage der Verkürztheit der Kapitalismuskritik anführen.

Achtermann 12.05.2011 | 23:01

Uwe, Du schreibst:

Lieber Herr Augstein, sie können Linke nicht mit genuin rechtsdrehenden Fragen konfrontieren und deren Antworten nur deswegen als rechts klassifizieren, wenn sie dann "JA" sagen.

Ich denke, solche Fragen zu stellen, war Ziel der Befragung. Was wir nicht wissen ist, welche inhaltlichen Vorgaben machte der Auftraggeber, welche Freiheiten hatte das Meinungsmachinstitut, entsprechende Ergebnisse zu produzieren.

wwalkie, Du schreibst:

Ärgerlich ist, dass die Intention der Fragen so offen ist, das man sich fast dafür schämen muss: Zwischen "Rechtspopulisten" und "Linkspopulisten" soll kaum ein Unterschied sein.

Diese Umfrage ist wirklich ein schönes Beispiel, an dem man zeigen kann, wie Politik gemacht wird. Aber auch welche Primitivität heute ausreicht, Meinungsbildung zu betreiben. Es gibt Meinungsmachkartelle - den Freitag zähle ich nicht dazu -, die über Berichte der Umfragen berichten, um diese dann zu kommentieren, nicht in der Absicht aufzuklären, sondern mit dem Ziel, politisches Bewusstsein im Sinne der Affirmation des bestehenden Spekulationssystems zu lenken. So billig konnte in Vorumfragezeiten nicht manipuliert werden.

Tröstlich ist: Die Umfragenfrequenz ist mittlerweile derart inflationär, dass es auf eine mehr oder weniger auch nicht mehr ankommt.

Magda 12.05.2011 | 23:57

wwalkie - Danke für alles und vor allem für:

"Und wer so treudoof ist, die schiefe Syntax des Satzes "Deutschland gibt zu viel insgesamt Geld an Europa" zu merken." - Yepp

Das ist im Grunde doch alles abgrundtief voreingenommen. Und diesmal meine ich nicht gegen Ossis oder Linke oder so, sondern generell. Vergüllnerte Umfragen.

Nicht rechtspopulistisch ist nur die INSM oder so. Na, ich wills mir nicht zu einfach machen.

Uwe Theel 13.05.2011 | 00:08

@ Achtermann schrieb am 12.05.2011 um 21:01

Ich denke, solche Fragen zu stellen, war Ziel der Befragung. Was wir nicht wissen ist, welche inhaltlichen Vorgaben machte der Auftraggeber, welche Freiheiten hatte das Meinungsmachinstitut, entsprechende Ergebnisse zu produzieren.

"solche Fragen zu stellen, sei das Ziel der Befragung gewesen"

Was soll dieser sematische Unsinn? - Man stellt Fragen, mit dem Ziel eine Antwort zu bekommen.

Es wurden Antworten gegeben, aber ich wies nach, dass die durchaus unterschiedlich zu interpretieren wären, was Herr Augstein offenbar nicht zu sehen scheint.

Dass Forsa ihm dabei eher geholfen hat, als ihn in meinem Sinne auf die Sprünge zu helfen macht die Sache nicht besser.

j-ap 13.05.2011 | 00:43

Guten Abend, Gero.

Je mehr ich über diese Umfrage nachdenke, desto mehr ärgert sie mich. Nicht, weil sie Unsägliches zutage gefördert haben würde, denn der grundsätzliche Zusammenhang, der hier großspurig »ans Licht« gebracht worden sein soll, war denen, die es wissen wollten, ja schon länger bekannt und konnte insofern auch nur die wirklich überraschen, die nach wie vor der irrigen Ansicht sind, daß etwa eine Wahlstimme für die Linkspartei oder die Mitgliedschaft beispielsweise in der SPD qua naturam von Rechtsaußenpotenzialen ausschlösse.

Nein, mich ärgert, daß hier auf eine ganz lausige Weise etwas aufs Niveau einer oberschlauen Powerpointfolie heruntergebrochen worden ist, bei der man schon nicht genau hinsehen darf, um die intrinsischen Mängel zu entdecken.

Und damit ist der Punkt auch gemacht: Mit so einer stümperhaften Allerweltsfragerei, die sich damit begnügt, rein begriffliche Antinomien zu einer ganz großen Sache hochzujazzen, handelt man sich nichts anderes ein als eine ganze Menge sog. »methodologischer Probleme« und damit höchstens den Stoff, aus dem gut besuchte akademische Symposien sind. Auf denen dürfen sich dann Experten und andere Idioten den Kopf fransig denken und dann als Ergebnis präsentieren, was man sowieso schon wußte: daß man dies und jenes so nicht sagen kann.

Die Krönung ist dann noch, daß das Unsagbare in erster Linie als ein problematischer Zug am Ossi daherkommt, denn machen wir uns nichts vor: im Solid South der BRD sind Linkspartei und Rechtsdrehung immer noch als regionale Makel von provinziellen Zonis verschrien. Die Umfrage wird daher zweifelsohne einige Damen und Herrn zwischen Rhein, Main und Donau mächtig freuen, die sich nämlich vor kaum zehn Jahren noch militant dagegen verwahrt haben, daß ihnen die undankbaren Beutedeutschen per Soli das letzte Hemd ausziehen, sich nun aber über EU-feindliche Ossis aufregen dürfen.

Und ja, mich ärgert mittelbar auch, daß sich der bzw. die Macher dieser Zeitung — die ja immerhin die Umfrage in Auftrag gegeben hat — bisher mit keinem Wort zu den nun wirklich zahlreichen und manchmal sehr berechtigten Einwänden geäußert hat.

Ich leg mich jetzt hin; und: nein, nicht vor Freude.

Geruhsame Nacht allersides.

miauxx 13.05.2011 | 01:09

Dank an Uwe Theel, wwalkie, 8termann
für die scharfe Beobachtung hinsichtlich der Aussagekraft der Studienergebnisse.

Auch ich würde meinen, dass man die Ergebnisse recht nach Belieben hinterfüttern kann.
Bei dieser Befragung wurde offenbar ein "Design" - so heißt das in der Branche - der Marktforschung angewendet: Lediglich knappe Aussagen sollen an ein Bauchgefühl appellieren und rasche Assoziationen wecken, was ein folglich ebenso rasches Antworten generieren soll. Nachdenken wird bei solcherlei Befragungen nicht kalkuliert.

Für Marktforschungszwecke sind solche "Bauchentscheidungen" sicherlich brauchbar. Auch Werbung funktioniert so und wird ihrerseits durch Marktforschungsergebnisse optimiert.

Tiefergehende soziale Kontexte können aber über solch ein Studiendesign nicht hergestellt werden. Um brauchbare Ergebnisse darüber zu erhalten, wie "die Deutschen" in gesellschaftlichen und politischen Fragen ticken, müßten freilich andere Methoden angewandt werden. Über den telefonischen Weg wäre es wohl nur begrenzt bis gar nicht möglich - hier ginge es um qualitative Meinungsforschung, welche, im Gegensatz zur quantitativen Methode, die Interaktion mit den Befragten sucht.
Dieser Weg ist freilich wesentlich aufwändiger und kostenintensiver.

Das alles spricht freilich nicht gänzlich gegen eine Umfrage, wie die des Freitag via Forsa. Die Frage ist jedoch, was man tatsächlich aus den Ergebnissen ableiten kann. Und dazu wurde sich hier ja bereits durch die oben Genannten kritisch geäußert.

Popkontext 13.05.2011 | 01:19

Beim ersten Absatz stimme ich Ihnen zu, da müsste man die Frage differenzierter stellen (was genau stört Sie an der EU). Aber: "Migration...auf der strategischen Ebene schwächt sie die Rechte und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer und desintegriert die Gesellschaft" Die Verhandlungsmacht der "Arbeitnehmer" wird durch ganz andere gesellschaftliche Prozesse geschwächt, nicht durch zugezogene Hilfsarbeiter oder Fachkräfte.

paulart 13.05.2011 | 02:59

Artikel und Interpretation der Umfrage erinnern mich ein wenig an den populär gewordenen "Wahl-O-Mat". Man kreuzt an, man schaut nach und man kräuselt die Stirn. "Ich, ein 'Die Linke'-Wähler? Dass ich nicht lache!""Ich, ein Rechtswähler? Dass ich nicht heule!"

Vielleicht waren die "forsätzlich" wage gehaltenen Fragen für viele Passanten oder "Telefon-Kandidaten" zu einfach. Für andere dagegen nur sehr schwer zu interpretieren?

Ich glaube nicht, dass es in Frankfurt/Oder mehr Rechtsradikale gibt als in Baden-Baden. Und ich glaube auch nicht, dass es in Saarbrücken mehr Linksradikale als in Rostock gibt. Aber ich glaube daran, früge man mich nach der Gerechtigkeit in diesem Lande, so würde meine Antwort anders ausfallen, wenn ich a) gerade nach 23 Jahren Betriebszugehörigkeit entlassen worden wäre oder b) soeben eine Gehaltserhöhung um sagenhafte 2,4% erhalten hätte.

Hätte mich also irgendein U-Bahn-Reisender während der Fahrt angespuckt, so würde ich es sehr wahrscheinlich begrüßen, wenn zwei Security-Uniformen durch den Zug streifen würden. Ansonsten habe ich mit denen nichts weiter am Hut. Usw... Und so fort...

Die Wahrheit muss erlaubt sein! Aber ob Forsa sie ermittelt hat, darf zumindest in Frage gestellt werden. Wie heißt das in Neusprech: Das ist nur eine Momentaufnahme!

Moment mal: War das eine repräsentative Umfrage? Wurde beispielsweise in Marzahn und in Dahlem, in Wilhelmsburg und in Blankenese befragt?

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richard-der-hayek 13.05.2011 | 09:27

Bis Wissen auf mein Niveau gesunken ist und sich ansammelt, dauert es ein bischen.

Könnten Sie mir einen Link auf diese Rechnung der Deutschen Bank geben ?
Wieso bedeuten geringe Verwaltungskosten einen Minderung des Beitrages ?
Was bedeute Einrechnung der Eigenmittel ?

Eine andere Frage: die Nettozahler bekommen also wegen geringer Verwaltungskosten und noch einigen Fakten doch mehr raus. Die anderen sind sowieso Nettoempfänger.
Dann wird es mehr als es vorher war, wunderbare Geldvermehrung ?
Oder können Sie eine Rechnung anführen, die beweist, daß die Nettoempfänger in Wirklichkeit Verluste machten ? Weil sie für diese Gelder deutsche Exporte kaufen ?

weinsztein 13.05.2011 | 11:09

@ miauxx

Danke.
Die Repräsentativität der Wähler in den neuen Bundesländern schrumpft also weiter bei angenommenen insgesamt 1000 Befragten.
Wie repräsentativ wären also ca. 17 befragte ostdeutsche Linke-Wähler mit einer Anfälligkeit für Rechtspopulismus für die östlichen Linke-Wähler insgesamt?

Ich will die Umfrageergebnisse gar nicht anzweifeln, sie decken sich ja mit vergleichbaren früheren Erhebungen. Mit Zahlen, Methoden und Repräsentativität komme ich noch nicht klar. Dass etliche Linke-Wähler trotz der Linken Programme, Papiere und Thesen - viele wählen die Partei aus Protest - für rechte Parolen anfällig sind, ist mir klar. Gegen Sarrazinkram sind viele nicht immun, gegen den Medienmainstream sowieso nicht.

Augsteins scheinbar naives Gebebe irritiert mich: "Besonders erschreckend: 20 Jahre nach der Wende stehen Ostdeutsche rechtem Gedankengut offenbar deutlich näher als Westdeutsche". Was soll denn das? Er kennt doch seit Jahren solche Trends und Stimmungen.

Und sein Freitag ist längst dabei, dem unsäglichen sarrazinesken Kram zu begegnen.

Beim "SPIEGEL" warten wir mal ab.

zelotti 13.05.2011 | 13:42

Da haben sie wahrscheinlicht recht.

Nur: Es geht mir hier um eine beabsichtigte psychologische Schwächung, und um den Willen Zwietracht zu sähen.

Ich bin hier sozusagen Straussianer in dieser Frage, und betrachte dabei die amerikanische Gesellschaft als Beispiel, wo zwar alle Bürger gleich sind, aber der reale gesellschaftliche Rassismus sich im Abspülen der Solidarsphäre realisiert. Das Hetzen armer Würstchen gegen universelle Krankenversicherung ist ein Beispiel. Es fehlt einfach das Verständnis gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Die Leute tolerieren zwar die Migranten, aber ziehen in andere Wohnviertel und sind nicht mehr bereit unsere Sozialsysteme politisch zu tragen, wenn sie den Migranten zu gute kommen. Das ist das Gefährliche, dass ein hohes Maß an gefühlter Inhomogenität in der Gesellschaft die Grundlagen für die politische Unterstützung von Sozial- und Solidarsystemen in der breiten Bevölkerung unterminiert (und damit die Grundlage sozialistischer Politik).

Da kann man viel mit Vernunft kommen aber diese Mechanismen verdrängen gesellschaftliche Ansätze an den Rand. Darum ist ja auch ein großer Teil der Arbeit sozialistischer Politik darauf gerichtet Ausgrenzung und Rassismus zu überwinden, also immer zu schlichten. Wenn man dann die weitere Klammer sieht, dann sind diese Debatten ja nicht vom Himmel gefallen, sondern es wird genau so eingesteuert.

zelotti 13.05.2011 | 13:50

Ich fände es mal gut, wenn man eine ganz intensive Erhebung in den Parteien wie Die Linke machen würde, mit viel Feedbackmöglichkeit, was die Leute in der Partei wollen. Also sagen wir mal, dass es ein Panel gibt, wo jeden Monat neue Konsultationen der Basis stattfinden zu bestimmten Themen. So ähnlich wie in der EU:
ec.europa.eu/yourvoice/consultations/index_de.htm

Die Software der EU ist sogar kostenlos:
forge.osor.eu/projects/ipm/

zelotti 13.05.2011 | 14:02

Ostdeutsche / Westdeutsche -- das ist ja auch so eine Polarität.

Eigentlich sind Hakenkreuze nur verboten, weil das die Besatzungsbehörden so angeordnet haben. Es geht von Zeichen keine "magischen Gefahren" aus. Ich finde es sogar gut, wenn die Leute offen tragen, wessen Geistes Kind sie sind.

Nur weil die Fahnen eingerollt werden, ändert sich ja nicht das was da im Kopf vor sich geht bei diesen Typen.

Red Bavarian 13.05.2011 | 15:08

»... Das wäre für den Journalismus ein gefährlicher Weg. Er endet im Embedding. Journalismus würde sich damit überflüssig machen.«

An die Freitags-Redaktion: Ich bin mir nicht sicher, ob Ihr in einen großen Fettnapf getreten seid, oder ob es ein Meta-Lehrstück Eurerseits ist.

Zum Lesen empfehle ich beispielsweise das hochinteressante Büchlein "The Left - Prekarisierung in Europa" (nur gedruckt) Der Linken im EU-Parlament und ein Interview mit dem herausgebenden EU-Abgeordneten, der Euch über viel über seine Sisyphos-Arbeit und über die real existierende EU berichten kann.

Siehe auch meinen Blog-Artikel 'Der Mut zur Philosophie - Kapitel V'.

mh 13.05.2011 | 19:55

es gibt ja menschen, die wünschen terroristen das leben und vermeintlichen rechtspopulisten den tod.

deutsche gerichte nehmen sich das als beispiel und lassen einen 28.000fachen mordbeihelfer aus der nazizeit frei. natürlich erst nach dessen verurteilung. und der will dann den knast nicht verlassen.

ich dachte immer.. aber gut, das hat mein freund henryk ja schon geschrieben. jedenfalls ist eines klar:

der bringt es in seinem populismus doch glatt fertig, stark vereinfachte und offensichtlichkeiten formulierende sätze (sic!) zu nehmen und sie als aushängeschild von rechtspopulisten zu verkaufen.

du bist gegen die euro-zahlungen? = rechtspopulist

du fühlst dich vom islam bedroht? = rechtspopulist

man darf weder für eine stringente haushaltspolitik sein noch sich von selbstmordattentätern fürchten ..

also so gesehen, verstehe ich nun auch, warum jakob augstein thilo sarrazin aufforderte sich in die luft zu sprengen.. er will dass alle angst vor ihm haben.

was ja dann quasi ein rechtspopulistisches ansinnen vom augstein ist.

ein rechtspopulistischer kommunistenführer. es wird immer geiler hier.

------------------

es gibt eine abnutzung von worten. eine entschärfung von begriffen, in dem sie in jedem nur erdenkbaren zusammenhang als druckmittel benutzt werden.

was jakob augstein hier betreibt ist zumindest eines: den begriff des rechtspopulismus aufzuweichen.

mfg
mh

j-ap 13.05.2011 | 21:08

Nachtrag:

Herr Augstein hat am gestrigen Tage in seiner SPIEGEL-Kolumne (»Europa wird zum Schreckgespenst«) die Sache noch einmal eingeordnet, auch unter Beachtung der Vorgänge in Dänemark.

Wer sich mal den Tort antun will, der kann nun mal die — das Wort kommt mir hier schwer über die Lippen, mir fällt aber kein besseres ein — »Rezeption« dieses Artikels auf einschlägigen Nazi-Seiten (auf die ich hier ganz bestimmt keine Links setze) ansehen und seine Schlüsse ziehen.

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Ehemaliger Nutzer 13.05.2011 | 21:59

Mein Forsa, Dein Forsa - Forsa ist für alle da!
Nur mal kurz von Google News, die erlaubten Wahrheiten und zentralen Erkenntnisse der letzten 4 Tage (unvollständig):

1.
Wahltrend: Höhenflug der Grünen gestoppt

BILD - Vor 1 Tag
Die Sozialdemokraten kommen laut Forsa auf 22 Prozent, Auch nach der Meinung zur Tötung von Osama bin Laden haben die Forsa-Forscher gefragt. ...
Forsa-Umfrage: FDP bleibt unter Fünf-Prozent-Hürde‎ - RP ONLINE
Grüne verlieren Zustimmung, FDP unter fünf Prozent‎ - WELT ONLINE
Meinungsforscher: Führungswechsel hilft FDP nicht‎ - Hamburger Abendblatt

2.
Jeder zweite Deutsche hat Angst vor Alzheimer

Heilpraxisnet.de - Vor 1 Tag
Im Auftrag der DAK befragte das Forschungs- und Meinungsinstitut Forsa rund 3000 Menschen aus ganz Deutschland zu ihren gesundheitlichen Ängsten. ...
Jeder zweite Deutsche hat Angst vor Alzheimer oder Demenz‎ - Augsburger Allgemeine

3.
Forsa-Studie im Auftrag von GZ LIVE:
51 Prozent der Frauen kaufen Schmuck lieber selbst

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Studie, die im Auftrag des neuen Magazins GZ LIVE durchgeführt wurde. Befragt wurden 505 Frauen im Alter ...

4.
Neue Presse Hannover: Forsa-Chef:
FDP misslingt Befreiungsschlag


5.
Sex ist für die Deutschen wichtig

news aktuell (Pressemitteilung) - Vor 3 Tagen
Das hat eine repräsentative forsa-Umfrage unter 1.001 Erwachsenen in Deutschland ergeben ... März 2011 Institut: forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und ...
Umfrage:
Mehrheit sieht George Clooney als "würdigen Erben Casanovas"‎ -

6.
alli® veröffentlicht Trendmonitor
Der dicke Unterschied - Männer nehmen anders ab als Frauen
news aktuell (Pressemitteilung) - Vor 1 Tag
Das ist eine zentrale Erkenntnis einer forsa-Umfrage unter mehr als 600 ... Zugrunde liegen die Ergebnisse einer forsa-Umfrage unter 312 Frauen und 304 ...

7.
Endlich ist es raus, Jeder Dritte ist treu, ...

Märkische Allgemeine - vor 9 Stunden gefunden
Diese Frage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa den Deutschen gestellt. ... Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage. Jeder Dritte ist treu, ...
8.
SPON - Im Zweifel links Europa wird zum Schreckgespenst

Spiegel Online - Vor 1 Tag
Das Forsa-Institut hat im Auftrag des "Freitag" eine repräsentative Zahl von Bundesbürgern mit den Aussagen von vier europäischen Rechtspopulisten ...
Die Wahrheit muss erlaubt sein‎ - Freitag - Das Meinungsmedium

9.
Höhere Steuereinnahmen: Deutsche wollen Soli abschaffen

STERN.DE - Vor 2 Tagen
Wie eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag stern zeigt, wünschen sich 64 Prozent der ... Für die Umfrage befragte das Forsa-Institut am 4. und am 5. Mai

10.
Forsa-Studie: Wo Deutschlands fleißigste Geldhamster leben

Handelsblatt - Vor 4 Tagen
Nach einer Forsa-Studie im Auftrag der „Bank of Scotland“, bei der bundesweit 1.671 Personen befragt wurden, legt über die Hälfte der 18- bis 69-Jährigen einen Teil ihres Einkommens beiseite.

Popkontext 14.05.2011 | 04:10

Naja, die Worte Sozialismus / Kommunismus tarut sich ja derzeit kaum jemand in den Mund zu nehmen. Die Ideen wurden ja nicht nur von ihren Feinden, sondern auch durch den Versuch der realen Umsetzung und seinem Scheitern heftig diskreditiert. Aber so wie es mit dem "Sozialen" im Kapitalismus gerade bergab geht, und der Aussicht darauf, dass immer mehr Menschen von der in dieser Gesellschaft identitätsstiftenden Erwerbsarbeit abgehängt werden, hört man vielleicht bald mal wieder auf neue Ideen. Im Moment sieht es leider jedoch so aus, als würden die, die noch Arbeit haben in ihrem Denken jedoch komplett von der Angst um deren Verlust blockiert. Wenn z.B. Wolfgang Engler im Freitags-Salon sagte, dass das Thema Arbeitszeitreduktion zumindets in den unteren Etagen der Gewerkschaften dezeit überhaupt nicht diskussionsfähig wäre, weil allen ihre eigene (vermeintliche) Sicherheit erstmal am wichtigsten ist...

weinsztein 14.05.2011 | 07:32

Die Veröffentlichung der Umfrageergebnisse ist völlig ok.

Aber sie ist auch ein Marketinggag Jakob Augsteins, der sich auf diese Weise als Freitag-Herausgeber von einer ihm gelegentlich unterstellten Nähe zur Partei Die Linke distanziert.

Das hat Charme und ein gewisses Hautgout. The talkshows must go on.

Wenn es dem Freitag nutzt ... - dann ist es wohl gut.

Querdenker 15.05.2011 | 14:24

Da ist dem Freitag ja ein sensationelles Ding gelungen. Werden nächste Woche vielleicht schwedische Studentinnen haltlose Vergewaltigungsvorwürfe gegen Jakob Augstein erheben, und Schlappmützen dem Verleger elektronische Fußfesseln und Daumenschrauben anlegen?

Mich würde eher mal eine Forsa-Umfrage zu Aussagen von Freitags-Populisten interessieren, z.B.

I) Deutschland gibt insgesamt zu wenig Geld nach Europa, nach Afrika und dem Rest der Welt

II) Deutschland braucht mehr Zuwanderung, wir bekommen zu wenige Kinder

III) Der Islam gehört zu Deutschland und ist wie jede Religion eine Bereicherung unserer Werte

IV) Deutschland war, ist und bleibt ein brauner Sumpf - vor allem der Osten. Die europäischen Nachbarstaaten sollten auch weiterhin auf der Hut sein.

Lyriost 16.05.2011 | 10:26

"Die Wahrheit muss erlaubt sein." Das klingt ganz toll; die Frage ist nur: wessen Wahrheit? Das Schlimme ist: Ein jeder glaubt, seine Interpretation der politischen Wirklichkeit sei wahr, und die des Widersprechenden entspreche nicht der "Wahrheit". Solange jemand glaubt, die "Wahrheit" in seinem Besitz zu haben, läuft etwas falsch, ganz egal ob am rechten Wegrand oder am linken. Es gibt Fakten, über die man diskutieren kann, und zwar kontrovers – "Wahrheit" aber gibt es nur in den Träumen der Vereinfacher.

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Ehemaliger Nutzer 16.05.2011 | 12:35

Wahrhaftigkeit bei Umfragen?
Wenn wir nach 21 Jahren der sogenannten deutschen Einheit nun immer noch genau wissen, wer westdeutsch und wer ostdeutsch ist, wenn wir trotz Vermischung ganzer Familien während einer Generation wissen, wo die Befragten herkommen, ob sie in der Befragung die Wahrheit sagten und wenn wir vorher wissen, was bei der Befragung heraus kommen soll, dann werden wir solche Ergebnisse lesen. Dass die DDR politisch als sozialistischer Staat näher am Nationalsozialismus stand, als es den Kommunisten heute gefallen kann und manchen Ostalgiker oder auch Gutmenschen einleuchtet, ist mir auch erst bei einer Untersuchung über die Sitten und Gebräuche in der DDR im direkten Vergleich mit denen des III.Reiches endgültig klar geworden, vom Fackelzug bis zur Feier des 1. Mai und von der Jugendweihe bis zur sozialistischen Trauungszeremonie war da alles dabei. Klar, dass mehrere Generationen dieses Gedankengut verstoffwechselt haben. Für diese Erkenntnis brauche ich aber keine neuen Umfragen und keine verwunderten und empörten Gesichter, die sich sorgenvoll über den Patienten beugen. Deshalb meine ich, dass eine weitere Umfrage dieser Art wenig Gutes bringen wird. Schon die Überlegung, ob sie veröffentlicht werden soll und darf, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Sache.
Maxi Scharfenberg
Publikationen

Steffen Kraft 16.05.2011 | 12:36

Zum hier mehrmals geäußerten Einwand, Kritik an der EU, dem Euro und den Zahlungen an Europa, sei doch nicht in jedem Fall rechts, möchte ich den kleinen Text "Was Rechtspopulismus ausmacht" (www.freitag.de/wochenthema/1119-kasten-br-ggemann) empfehlen, der auch Informationen zu Grundlagen, Design und Bedeutung der Umfrage enthält. Darin heißt es ausdrücklich:

"Der europäische Rechtspopulismus ist durch einige Elemente gekennzeichnet: Er pflegt eine „Wir-gegen-die-da-oben“-Rhetorik und wird von charismatischen Führungspersonen verkörpert, die eine Variante von Ausländer-, jedenfalls aber Islamfeindlichkeit propagieren. In allen beobachteten Fällen tritt außerdem eine ausgeprägte Abneigung gegen europäische Institutionen hinzu.

Das heißt nun nicht, dass Europaskepsis oder Kritik am politischen Islam in jedem Fall „rechts“ wäre, sondern dass die EU, ebenso wie der Islam, von Rechtspopulisten häufig genutzt wird, um Ressen­timents zu schüren."

G. Ensdorf 16.05.2011 | 14:27

Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Es gibt den Rechtspopulismus, wie auch den Linkspopulismus, den Umweltpopulismus, den Friedenspopulismus und unzählige andere Populismen. Alle sind Versuche die Unfähigkeit zur Durchdringung komplexer Sachverhalte durch "den Bauch" zu ersetzten. In einer modernen Mediengesellschaft mit Anspruch aller auf Teilhabe am politischen Diskurs ist das wohl unvermeidbar. Das ganze Infotainment der Medien ist nichts anderes als Populismus. Populismus ist in einer Demokratie erlaubt und vielleicht sogar unvermeidbar.
Zitate wie "Anstatt zu seiner Bekämpfung beizutragen, so wurde befürchtet, könnten solche Daten genutzt werden, den Rechtspopulismus zu stärken. ... Das mag aus politischer Sicht eine zutreffende Befürchtung sein. Aber es ist nicht die Aufgabe der Zeitung, bei der Lösung politischer Probleme zu helfen" sind in einer Zeitung auch noch ok, solange diese Zeitung eine politische Richtung klar vertritt. Werden aber Formulierungen, die abweichende Meinungen als "politisches Problem" beschreiben verwendet, zeigt dies nicht die Bereitschaft zum offenen, schon gar nicht herrschaftsfreien Diskurs, sondern totalitäre Denkstrukturen, die grundsätzlich abzulehnen sind. Der Freitag ist nicht die Prawda, schön, dass sie nochmal die Kurve bekommen haben.

Magda 16.05.2011 | 15:37

"Dass die DDR politisch als sozialistischer Staat näher am Nationalsozialismus stand, als es den Kommunisten heute gefallen kann und manchen Ostalgiker oder auch Gutmenschen einleuchtet, ist mir auch erst bei einer Untersuchung über die Sitten und Gebräuche in der DDR im direkten Vergleich mit denen des III.Reiches endgültig klar geworden, vom Fackelzug bis zur Feier des 1. Mai und von der Jugendweihe bis zur sozialistischen Trauungszeremonie war da alles dabei. "

Na, da ist aber einiges durcheinander geraten. Unbestritten gab es Bräuche, die unkritisch aus der NS-Zeit übernommen worden sind. Der Fackelzug gehört dazu.

Aber weder 1. Mai, noch sozialistische Trauungszeremonie kommen aus der NS-Zeit. Die Jugendweihe gehört schon gar nicht in diese Reihe.
Diese verdammte Oberflächlichkeit ermöglicht die herrlichsten Parralelen. Wie ordnen SIe eigentlich ein, dass Kommunisten in der NS-Zeit eingesperrt wurden?

Platter kann man gar nicht argumentieren.

Red Bavarian 17.05.2011 | 16:47

»... Das wäre für den Journalismus ein gefährlicher Weg. Er endet im Embedding. Journalismus würde sich damit überflüssig machen.«

Lieber Free Left als Embedded Green.

Aus 'Europa wird zum Schreckgespenst' zitiert: »Das bedeutet: Außer den Grünen sind alle deutschen Parteien mit dem rechten Virus infiziert.«

Ich bin 2009 von grün auf links gewechselt, weil mir der Grüne Heiligenschein zu schwer war. Siehe auch meinen Blog-Artikel 'Politische Heimatlosigkeit'.

Oha: Heimat. Das ist ja voll rechts...

mh 18.05.2011 | 12:11

das ist bei linken nicht anders. wie man hier sieht.

rechts ist zufall.

der populismus hingegen, entspringt aus der differenz zwischen bürger und regierenden. da ist das problem auch zu suchen.

was der freitag hier betreibt ist gräben schaufeln. stigmatisieren und quasi gefühlt kriminialisieren.

das ist populistisch. es ist das, was man anderen vorwirft und das auf einer ziemlich banalen ebene. intellektuell, aber sich nicht intelligent.

heißt: die typische feuilletonfalle.

mfg
mh