Ein Teich darf nie mit Folie sein...

Koch oder Gärtner? Diese Woche bedankt sich der Gärtner für die Anteilnahme an seinem Missgeschick und stellt fest, dass er bei der Anlage seines Teichs einen grundlegenden Fehler gemacht hat

Liebe Gartenfreunde,

Danke für Ihre Anteilnahme an meinem Missgeschick. Meine Beilwunde ist einigermaßen verheilt. Es gab, wie die Mediziner sagen, keine Komplikationen. Obwohl ich meinem Bein keine Schonung angedeihen lassen konnte. Der Teich, mit dessen Planung diese Kolumne im vergangenen Winter begonnen hat, ist ja nun beinahe vollendet. Es gilt nur noch die Ränder zu befestigen, mit Feldsteinen und Schieferbruchplatten, und einen passenden Ort für den Rücklauf des Wassers zu finden.

In meinem Teich befinden sich ja etwa 10.000 Liter Wasser, und in dem Wasser befinden sich drei Fische. Zwei Koi-Karpfen, ein weißer und ein goldener, und ein Sterlet, der aussieht wie ein kleiner Hai. Ein wirklich hübsches Tier, schwarz, mit abgeflachter Schnauze, nicht groß, eine Störart. Als ich mit den Kindern im Baumarkt war und wir die Fische ausgesucht haben, entschieden sie sich für die Karpfen und ich für den Stör. Heute morgen habe ich ihm übrigens das Leben ­gerettet. Er lag, mit dem Bauch nach oben, unter Wasser und rührte sich nicht. Ich habe ihn herausgefischt und festgestellt, dass er sich ganz und gar in Algen verfangen hatte, eingewickelt, unbeweglich. Ich habe ihn befreit und gefüttert und getröstet, soweit das bei einem Fisch möglich ist, und ihn behutsam zurück in den Teich gesetzt.

Jedenfalls filtern also die beiden Pumpen das Wasser und führen es durch zwei Schläuche zurück ins Becken. Daraus möchte ich ­einen Wasserfall machen. Nichts Übertriebenes. Nur einen kleinen. Für das Geräusch. Plätschernd, gurgelnd. Ich habe also einen Steinhaufen aufgeschichtet, Quader, Brocken, Feldsteine, was ich so vorrätig hatte und finden konnte, und habe die Schläuche darin nach oben geführt und geschickt kaschiert. Das sah ganz hübsch aus, wie das Wasser über die Steine in den Teich perlte.

Irgendwas muss aber schiefgelaufen sein. Der Wasserstand ­begann zu sinken. Zwar nicht gleich, aber nach ein paar Tagen war der Verlust unübersehbar. Es ist ärgerlich, das zugeben zu müssen: Aber ich habe bei diesen Arbeiten offenbar die Teichfolie verletzt. Ich habe gesucht und gesucht und die Stelle nicht gefunden. In Wahrheit ist damit genau das eingetreten, wovor ich mich bei der Planung des Teichs gefürchtet hatte. Ich wollte immer einen gemauerten Teich, oder wenigstens einen aus Beton gegossenen. Aber ich habe die Kosten gescheut. Und den Aufwand. Nun habe ich den Ärger mit einem Loch in der Folie.

Ein Teich ist Teil des Gartens. Er muss benutzbar sein, im eigentlichen Sinne. Wenn Sie in meine Lage kommen, und die Anlage eines Teiches planen, machen Sie es anders: Berechnen Sie lieber die Fläche kleiner und lassen Sie sich ein stabiles Becken bauen. Lassen Sie die Finger von den Folien. Ich weiß, die Baumärkte und Gartenfachgeschäfte und die Literatur versucht uns von der Haltbarkeit der Folien zu überzeugen. Und ich bin ja selber darauf hineingefallen. Aber wir belügen uns da selbst. Es gibt manche Dinge nicht zum halben Preis.

Ein Teich ist eine wunderbare Anschaffung. Sparen Sie lieber länger. Übernehmen Sie lieber einen größeren Teil der Arbeiten selbst. Verkleinern Sie das Volumen. Betteln Sie ihre Verwandten an. Warten Sie, bis Ihre Erbtante stirbt. Was weiß ich. Aber scheuen Sie um Gottes Willen nicht die notwendigen Kosten.

Was mache ich jetzt? Ich werde den Teichrand im gesamten Gebiet, wo ich mit den Steinen gearbeitet habe, freilegen müssen. Dann muss ich einen neuen Streifen Folie überkleben und dabei versuchen, keine neuen Schäden zu verursachen. Du meine Güte! Was für ein Projekt.

Aber auch da gilt: Geduld! Der Herbst ist jung. Der Frost noch weit. Bevor die Kälte kommt, lässt sich noch vieles tun.

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09:30 30.10.2009
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

Ausgabe 23/2021

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