Ergebnis einer "internen" Beratung

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Als uns neulich Klara verlassen hat, habe ich gesagt, dass ich diesen Verlust bedauere und dass wir "intern" beraten werden, ob wir daraus etwas lernen müssen.

Gemessen an den Reaktionen stelle ich fest, dass das eine ungeschickte Formulierung war. Intern. Ohje.

Aber nachzudenken und zu beraten gab es schon. Und ein Ergebnis gibt es auch.

Ich bin nämlich der Meinung, dass es nicht geht, dass ein Blogger seine Spuren verwischt. Dass er die Vergangenehiet korrigiert. Dass er sich aus dem Gedächtnis der Community löscht. Das darf nicht sein.Es erinnert mich an die Bilder aus der Stalin-Zeit, auf denen in einer Menschenmenge vielleicht noch die Füße eines Mannes zu sehen sind während der Rest der Retusche zum Opfer gefallen ist so wie er selber der innerparteilichen Säuberung. Ich möchte nicht, dass Blogger sich selber retuschieren dürfen.

Jeder ist so frei, zu kommen und zu gehen, wann er will. Aber in der Zeit seiner Gegenwart hier befindet er sich in einem Austausch mit der Community. Er ist in dieser Zeit Teil der Community und seine Beiträge, seine Spuren, gehören nicht mehr ihm - sondern allen. Das ist die Idee.

Wir hatten diese Probleme bislang nicht. Ich erinnere mich nur an einen Fall, in dem ein Blogger einen Text löschen wollte, der ihm selber pötzlich zu persönlich schien. Wir sind dieser Bitte nachgekommen und haben darüber hier auch kurz diskutiert. Ich finde das auch richtig und verständlich und würde das immer wieder so handhaben. Aber bislang wollte noch nie ein Blogger sämtliche seiner Texte löschen, einschließlich aller Kommentare.

Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass ich einmal gesagt habe, aus meiner Sicht brauchten wir nur ganz kurze AGB. Da muss nur stehen, dass jeder Blogger das Recht an seinem Text behält sobald es um Verwertungszwecke außerhalb dieser Community geht. Aber sobald etwas hier aufgeschrieben wurde, gehört es hierher und darf nicht mehr gelöscht werden. Ich habe ein bisschen gebraucht selber zu verstehen, wie wichtig dieses Prinzip ist.

Jetzt habe ich es begriffen.

Ich möchte darum alle Diskutanden und Beiträger sehr dringend bitten, sich meiner Meinung anzuschließen: Ein einmal geschriebener Text bleibt Teil unseres gemeinsamen Projektes.

Wenn ein Blogger uns den Rücken kehren will und partout seinen Namen entfernt sehen möchte, ersetzen wir den Namen durch einen Hinweis, dass der Blogger sein Konto bei uns gelöscht hat.

Ich finde, das ist eine faire Regelung.

Und das ist das Ergebnis unserer "internen" Beratung. Ich entschuldige mich für diesen unsinnigen Begriff.

JA

22:41 11.12.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

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