Jakob Augstein
Ausgabe 1216 | 23.03.2016 | 13:21 368

Fatale Eskalation

Terrorismus Nach den Anschlägen von Brüssel übt sich die Politik wieder mal in harscher Kriegsrhetorik. Das ist fahrlässig und falsch

Fatale Eskalation

Wird der Ausnahmezustand zum Normalzustand?

Foto: Hatim Kaghat/AFP/Getty Images

„Wir sind im Krieg“, hat der französische Premierminister Manuel Valls nach den Bomben von Brüssel gesagt. In diesem einen Wort liegt unsere ganze Misere. Wenn wir die Auseinandersetzung mit dem Terror als Krieg betrachten, dann haben wir ihn bereits verloren. Denn dies wäre ein Krieg, den wir nie gewinnen können – und je länger wir ihn führen, desto mehr Schaden nehmen wir selbst.

Es hat ja längst begonnen. Nach den Anschlägen vom 13. November hat Frankreich den Ausnahmezustand verhängt. Er wurde seitdem schon zwei Mal verlängert. Jetzt gilt er mindestens bis Ende Mai. Wie wird Belgien reagieren, nachdem in Brüssel nun weit mehr als zwei Dutzend Menschen getötet wurden? Wie würden die Deutschen reagieren? Der Westen hat sich die Logik des Krieges aufzwingen lassen.

Frankreich ist seit dem vergangenen Herbst ein Polizeistaat. Anders kann man es nicht nennen. Die Polizei kann Durchsuchungen vornehmen, wie sie will, sie kann festnehmen und festhalten, wen sie will. Alles ohne Gericht. Und was die allgemeine Überwachung angeht machen wir uns alle ohnehin schon lange keine Illusionen mehr. Aber die Gegenwehr ist verhalten. Es protestiert nicht die deutsche Regierung, es protestieren nicht die europäischen In-stitutionen, auch der Protest der französischen Bevölkerung bleibt übersichtlich.

Das ist das Facebook-Zeitalter. Wer es wagt, im Angesicht der Toten auf den Rechtsstaat zu pochen, setzt sich dem Getwitter der Maßlosen aus. Das kürzeste Argument gewinnt. Und das kürzeste ist immer das brutalste. Krieg – dabei ist der Assoziationsraum dieses Begriffes ein Irrgarten. Es ist nicht die Panzerschlacht von Kursk, die hier gefochten wird. Metall auf Metall. Härte gegen Härte. Der Westen verliert den rechten Weg, wenn er die Auseinandersetzung mit dem Terror als Krieg begreift. Terror ist ein gesellschaftspolitisches Phänomen und eine polizeiliche Herausforderung. Die Mittel und die Rhetorik des Krieges helfen im Kampf gegen den Terror wenig. Das ist die Erfahrung, die der Westen seit 2001 gemacht hat – er lernt nur nichts daraus.

„Die Attentäter haben in Brüssel zugeschlagen. Nicht weil die EU hier ihren Sitz hat. Sondern weil es nirgends in Europa so leicht ist, ein Attentat zu planen und durchzuführen.“ Peter Müller, Brüsseler Korrespondent von Spiegel Online, schrieb das. Es wäre demnach die besondere belgische Lage, die besondere polizeiliche Probleme mit sich bringt. Mit den Mitteln des Krieges sind sie nicht zu lösen. Ebenso wenig wie die sozialen Probleme der französischen Banlieues, aus denen die Anschläge von Paris entsprangen, so zu lösen sind.

Der französische Philosoph Alain Badiou nennt den Islamismus einen Faschismus. Badiou verneint einen inhärenten Zusammenhang mit der islamischen Religion. An einen solchen Zusammenhang klammern sich ja die Islamverächter im Westen mit großer Entschlossenheit. Ist das die Sehnsucht nach dem eschatologischen Endkampf der Kulturen? Als sozialpsychologisches Phänomen bliebe der Terror immerhin lösbar. Badiou schreibt: „Dieser Faschismus ist die Kehrseite einer enttäuschten Sehnsucht.“ Es sind der Neid und der Hass der Ausgeschlossenen, die sich hier manifestieren. Damit ist der gewalttätige Islamismus nur ein Element im Kosmos des globalen Kapitalismus. Badiou nennt ihn sein „verstecktes Phantom“.

Die zweifelhaften Angebote des Westens

Diese Erklärung ist eine Zumutung für Publikum und Politik. Der Westen muss sich dann fragen, warum er den jungen Männern (und Frauen) kein Angebot machen kann, das besser ist, als sich selbst in die Luft zu sprengen. Hier, bei der Motivation des Täters, müsste jede sinnvolle Anti-Terror-Politik beginnen.

Damit verschiebt sich das Handlungsfeld weg von Bombenflügen über Syrien und weihevoll-scheppernder Kriegsrhetorik daheim. Der Kampf gegen den Terror wird dann zum langwierigen, mühevollen Werkeln an einem feinen Gewebe, dessen Fäden die Integration westlicher Gesellschaften sind, die kluge Diplomatie im Nahen Osten, die gerechtere Weltwirtschaftsordnung, der Verzicht auf Waffenlieferungen in Krisengebiete, der respektvolle Umgang mit der anderen Kultur und Religion. Alles nicht besonders reizvoll für unsere ungeduldige Gegenwart. Stattdessen nehmen Politik und Öffentlichkeit bereitwillig den Weg der Eskalation.

Nach den Anschlägen von Paris wurde in deutschen Zeitungen auf das Beispiel Israels als Vorbild dafür verwiesen, wie eine Gesellschaft mit der dauernden Bedrohung des Terrors leben könne: Metalldetektoren vor Schulen und Kaufhäusern, überall gegenwärtige schwer bewaffnete Sicherheitskräfte, strenge Kontrollen, ständige Überwachung auf dem technologisch neuesten Stand. Das Handelsblatt zitierte damals mit ehrfürchtigem Schaudern einen „Anti-Terror-Spezialisten“, der den Angriff im Konzertsaal Bataclan so kommentierte: „Bei uns wären die Attentäter aus dem Publikum heraus nach 60 Sekunden neutralisiert worden.“ Ja, das mag sein. Denn der Krieg erzeugt eine kriegerische Gesellschaft. Aber damit wird der Ausnahmezustand zum Normalzustand. Es liegt eine besondere Paradoxie darin, diese Wendung als Zeichen der Stärke und Unbeugsamkeit westlicher Werte zu verstehen – und nicht als Kapitulation vor dem Terror, die sie in Wahrheit ist.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 12/16.

Kommentare (368)

pleifel 23.03.2016 | 13:40

"Der Westen hat sich die Logik des Krieges aufzwingen lassen."
Eine Logik, die dem Westen inhärent ist und dessen Folgen uns nun selbst erreichen. Abgesehen von grundsätzlich friedlichen, neuen politischen Weichenstellungen (die ich nicht erkennen kann), wäre kurzfristig ein Narrativ zu (er-)finden, der den i.d.R. männlichen Selbstmordattentätern glaubwürdig vermittelt, dass diese Form der "Selbstauflösung" von ihrem Gott nicht belohnt wird und mit dem Gegenteil zu rechnen ist. Das dürfte die Motivation und Rekrutierung stark beeinträchtigen.

denkzone8 23.03.2016 | 13:46

kriminelles und kriegerisches verhalten zwingt den anvisierten opfern etwas auf: awareness, erhöhte wachsamkeit ,rund -umsicht, vor-kehrungen der lästigen und sonst überflüssigen art.

und eine fatalistische einstellung, die resultiert aus der un-abwendbarkeit der anschläge, bomben-treffer.

diese fatalistische einstellung ist nicht mit einem absterbenden

lebenswillen gleichzusetzen: im gegenteil: erfahrungen aus extremen bomben-nächten generieren eine gesteigerte vitalität der geprüften: auch eine paradoxie..

Jan Chudak 23.03.2016 | 13:58

Zu lesen waren hier die Worte des franz. Premiers „Wir sind im Krieg“.Ich stimme dem Vortredner zu, daß in diesem einen Wort unsere ganze Misere liegt. In der Tat! Den Terror als Krieg zu betrachten wäre der Kardinalfehler und wir hätten ihn bereits verloren, ein nie gewinnbarer Krieg. Dehalb nein zu miltärischen Lösungen. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß Rüstungskonzerne jetzt Blut lecken, daß hohe Militärs ihre Zeit gekommen sehen, die Herren Generäle raus aus ihren Buddelkästen wollen und echten Krieg wollen. Nur mit Krieg hat man Frieden noch nie herbeigebombt.Noch nie! Da könnte man sich nur wünschen, daß Lyssistrata und ihre Schwestern dieses Mannspack am langen Arm verhungern lät. Nein, es ist eigentlich auch kein Angriff auf Brüssel, sie wollen uns testen, und provozieren, testen, ob wir uns provozieren lassen.Diesen Gefallen sollten wir ihnen nicht tun.Die ersten Reaktionen aus Brüssel fand ich gut-mit Zeichen der Liebe begegnen.Super.

GEBE 23.03.2016 | 14:07

"... glaubwürdig vermittelt .."

Ernsthaft? Ernsthaft zur Prophylaxe und Umgestaltung von schwachsinnigen Affekten etwa wieder ein Jenseits-"Narritiv" von Hölle vs. himmlisches Schlaraffenland aus der Müllkippe des Mittelalters ausgraben als Verheißungsmaßnahme? Genau aber doch aus diesem "Narritiv" heraus rekrutieren sich Verheißungsmotive von sogenannten islamistischen Terroristen.

Der gepflogene Schlunz gesellschaftlicher Regelrelativierungen der letzten 40 Jahre, sollte m. E. erst einmal abgestellt werden; daß würde schon mal sehr nützen. Aber bitte nicht wieder anfangen, zur Belehrung mit Gottes- und Jenseitsbildchen rumhantieren!!!

koslowski 23.03.2016 | 14:20

Hier, bei der Motivation des Täters, müsste jede sinnvolle Anti-Terror-Politik beginnen. – Sehe ich auch so. Das Problem ist nur: Was machen wir in der Zwischenzeit, bis die Motive der Täter geklärt, angemessene Strategien entwickelt sind und deren Wirksamkeit erprobt ist? Demokratien gefährden die Zustimmung durch den Souverän, wenn sie sein legitimes Bedürfnis nach Sicherheit vor Bombenattentaten in Konzerthallen, Cafes, U-Bahnen und Flughäfen ignorieren. An repressiven Maßnahmen gegen Terroristen und ihre Unterstützer führt einstweilen kein Weg vorbei.

rioja 23.03.2016 | 14:23

Monsieur Macron sagt es klipp & klar:"Der Status Quo führt zur Selbstzerstörung". Seit 9/11 der islamistische Terror als Weltfeind Nr.1 definiert wurde, sind alle danach kommenden Aktivitäten folgerichtig. Die Brzezinski-Doktrin legitimiert das Handeln des Westens bis heute. Dazu der neoliberale, globale Kapitalismus plus die Zwangsbeglückung via Demokratisierung tun den Rest. Vom Klimawandel und seinen Folgen ganz zu schweigen. Ein Leben wie in Israel ist kein Leben, es Kriegszustand non stop seit Gründung bis heute. Neben all dem Gesagten darf nicht vergessen werden, dass es verdeckt um Öl geht und seine völlige Ausbeutung durch den Westen. Nur mit diesem Öl ist das Schlaraffenland zu führen. Wer diese komplexen Zusammenhänge auch nur ein wenig durchdringt, kommt zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass das, was wir da heute haben, die direkte Folge unseres Handelns ist. Kein Krieg gegen diesen sogenannten islamistischen Terror kann je gewonnen werden. Weder im Irak noch in Afghanistan noch sonst wo. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wir erleben die üblen Schattenseiten unserer Spassgesellschaft. Die Erweiterung der Oetker Collection in den noch verbleibenden restlichen Paradiesen des Planeten hat ihren Preis.

Joachim Petrick 23.03.2016 | 14:31

"Das kürzeste Argument gewinnt. Und das kürzeste ist immer das brutalste. Krieg – dabei ist der Assoziationsraum dieses Begriffes ein Irrgarten. "

Das suspekt desinformierend frivolste Argument ist das, was aus dem Faktum eines seit Nine Eleven 2001 durch die NATO ausgerufenen Krieges gegen den Internationalen Terrorismus, an dem, neben Deutschland und vielen Willigen, Frankreich beteiligt ist, nun eine brutalst mögliche französische Meinung macht "Wir befinden uns seit dem 13. November 2015 im Krieg", der andere wie Deutschland beitreten können.

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am 5. September 2015, angesichts der Flüchtlinge auf der Balkanroute im Budapester Hauptbahnhof, aus dem Faktum der Genfer Flüchtlingskonvention 1923 für Signatarstaaten, zu denen Deutschland sich verpflichtend zählt, mit ihrem leidenschaftlichen Satz "Wir schaffen das" eine x-beliebige nämlich ihre Meinung gemacht, der nun der Wind des Für und Wider entgegenbläst, abstatt das an Regierungshandeln innen- und außenpolitisch leidenschaftslos zu veranlassen, wozu die Kanzlerin mit ihrer Richtlinienkompetenz verpflichtet ist.

Schon kann die AfD- Pegida Connection gefühlt berechtigt wider Faktenzusammenhang, empört gemanagt, kampagnenstark behaupten, Angela Merkel handle ohne Mandat

Mehr Fragmentierung von Zusammenhängen seit Nine Eleven 2001 war nie und das alles im Rahmen einer NATO- Strategie eskalierender Spannung außerhalb und innerhalb von Partnerländern

pleifel 23.03.2016 | 14:33

Muss hier nicht auf genau der Ebene geantwortet werden? Braucht eine "Krankheit" zur Behandlung nicht auch eine abgeschwächte Form der Impfung, um resistent zu werden? Nun ist die "Krankheit" aber bereits fortgeschritten. Was keine Lösung sein kein, ist nun die der Gewalt!

Kurzfristige Lösungen müssen nicht unserem westlichen Bild einer "aufgeklärten" Vernunft entsprechen. Aber wir haben die Wissenschaften der Psychologie und Soziologie, die uns entsprechende Mittel zur Verfügung stellen können.

Die notwendigen mittel- und längerfristigen sozioökonomischen Maßnahmen greifen hier jedenfalls nicht mehr für die lebenden Zeitbomben. Die europäischen IS-Unterstützer werden wohl weniger aus religiöser Motivation heraus handeln und mehr aus einem inhaltsleeren Raum entsprungen sein und erstmalig so etwas wie Anerkennung und Bedeutung erfahren. Das Problem bleibt uns also vorläufig erhalten.

GEBE 23.03.2016 | 15:15

„Impfen“ ist hier der absolut falsche Begriff. Produktives Geistesleben läßt sich weder impfen, noch aufpfropfen. Es ist nicht möglich, Einsichtigkeit zu impfen. - Es sei denn, es wird hier unter Impfen so etwas wie Manipulation , Unterwanderung oder Konditionierung, im Sinne von Einimpfen und infizieren verstanden. Aber auch das hält maximal ein Epöchelchen lang. Dann verrotten die Umerziehungsmauern von alleine.

Lösungen müssen immer der Vernunft entsprechen, wenn sie solche heißen sollen! Ja, was denn sonst!

Zustimmung. Gewalt ist niemals eine Lösung. Eine Ausnahme gestehe ich jedoch der sogenannten Staatsgewalt, dem beschlossenen Gewaltmonopol der demokratischen Gemeinschaft zu, gesetzte Regeln sicherzustellen.

Ob diese Kriminellen überhaupt politisch "europäische IS-Unterstützer" (also im weitesten Sinn ideologisch reflektierende - wie auch immer -, politisch bewußt denkende Menschen) überhaupt sind und als solche angesehen werden können, bezweiflele ganz gewaltig.

GEBE 23.03.2016 | 15:16

Worum geht es bei diesen „Terroristen“?

Es geht um konditionierten Machismo in allererster Linie. Es geht um verwahrloste schwachsinnige Rotznasen, um Kriminelle. Es geht nicht um Soldaten und es geht nicht um Krieg.

Sie entstammen dieser Gesellschaft, in dieser sie von Kindesbeinen an gelernt haben, ihren Machismo über Jahre ungehemmt steigern zu können, bis zur Auslebung in Bestialität!

Eine Wand ist eine Wand, ist eine Wand. Gesellschaftliche Satzung ist gesellschaftliche Satzung, ist gesellschaftliche Satzung. Was im einen Fall knallharte Lebensrealität als Erfahrung ist, wird im anderen Fall seit Jahrzehnten wegsoziologisiert; Regelbrüche werden verharmlost, relativiert und vernebelt.

Der Staat hat sich aus seinem Machtmonopol zurückgezogen und die Verstöße gegen gesellschaftliche Regeln den Kräften von Zwielichtigkeit und Hinterhöfen übergeben. Ernstzunehmende Strafrechtler beklagen diesen desolaten Zustand seit Jahren schon, insbesondere im Jugendstarfrecht.

Eine Gesellschaft, die Bildung für etwas hält, was nur fit macht um innerhalb wirtschaftlicher Zusammenhange die Ellenbogen raffinierter gebrauchen zu können, und der sein Machtmonopol zur Einhaltung und Durchsetzung gemeinnütziger Satzungen aufgibt, steckt selbst die Lunte an zu Hemmungslosigkeiten, Chauvinismus, Brutalität und Bestialität. Deren eine Äußerung ist auch krimineller Terrorismus ist.

Islamismus u.a.(!) ist ein wohlfeil verwendbares modisches Fresserchen dabei, das bestimmte Schwerkriminelle für ihre Viechereien als Panier benutzen, um ihre Schwachsinnigkeit erhöhen zu können.

Krieg ist das wahrlich nicht; es ist das der Preis für die Blödheit der Gesellschaft, der Preis für mitteleuropäische Dekadenz – und dieser Zustand ist nun mal die gewachsene soziale Realität. Eine andere gibt es zur Zeit nicht.

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2016 | 16:17

Für den Krieg gegen die internationalen Terrorismus gibt`s immerhin den Friedensnobelpreis, Herr Augstein. In 30 Jahren, wenn die Akten zu 9/11 geöffnet werden, muss man sicherlich neu denken, wie man Terrorismus definiert: oder heute schon den Staatsterrorismus nach Chomsky*?

*„Problematisch an den offiziellen Definitionen von ‚Terror‘ und „Terrorismus“ ist weiterhin, dass sich aus ihnen zwingend ergibt, die USA als führenden terroristischen Staat zu begreifen.“

GEBE 23.03.2016 | 16:18

„Diese Erklärung ist eine Zumutung für Publikum und Politik. Der Westen muss sich dann fragen, warum er den jungen Männern (und Frauen) kein Angebot machen kann, das besser ist, als sich selbst in die Luft zu sprengen. Hier, bei der Motivation des Täters, müsste jede sinnvolle Anti-Terror-Politik beginnen.“

Was soll das denn sein, bestialischer Kriminalität gegenüber ein besseres Angebot machen?

Herr Augstein, Sie kritisieren hier Badiou. Was und wo ist I h r substantiiertes besseres Angebot? Wie sieht es aus? Welchen Inhalt hat es? - Den Kapitalismus abschaffen? Nicht nur im Zweifel (was ist der?) links stehen, sondern grundsätzlich? Das staatlich verordnete schulische Belehrungs- und Sanktionierungssystem in ein Bildungssystem umwandeln? - und nicht nur im Zweifel? Da bin ich bei Ihnen.

Wie lauten Ihre aktuellen Angebotsoptionen aber zu krimineller Menschenverachtung, die durch grundsätzliche, im individuellen Wesen gegründeten Affinitäten einerseits sind und über entsprechende Prägungen verstärkt werden, mit dem Ergebnis der Begierde zu Vernichtungsakten? - Und kommen Sie jetzt nicht damit, jeder Mensch werde unschuldig als tabula rasa geboren. Auch Genetik zieht hier nicht. (Wenn dem ja so wäre, daß der Mensch ausschließlich ein Produkt von Prägung und Genetik wäre, so erübrigte sich selbstredend jedwedes „bessere Angebot“, insbesondere wenn es an Motive und willentliche Einsichtsfähigkeit appellieren wollte.) Denn immerhin muß ja die Frage bei alle dem beantwortet werden, wieso der eine aus identischem Milieu, identischer Prägung im Gegensatz zu einem anderen, diese kriminellen Affinitäten nicht entwickelt, sondern ganz im Gegenteil sich auch bewußt dagegen entscheidet.

Ich würde hier auch keinerlei Einlassungen überhaupt machen, wenn diese Kriminellen sich tatsächlich nur s e l b s t, ohne Unbeteiligte, in die Luft sprengen würden.

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2016 | 16:34

Beim Anhören von Versen Moralische Einsichten wie die Augsteins sind jene empirischen Erkenntnisse, die verpasst worden sind, jedoch leider so allgemein, daß sie nie falsch sein können, also einigermaßen wohlfeil. Was soll man über einen Autor sagen, welcher die Erörterung seiner moralischen Überzeugung der Darstellung ihrer realpolitischen Entfaltung zum beliebigen verfahrenen Zeitpunkt vorzieht? Immerhin, wenn er so weitermacht, wird er am Ende seines Lebens wie Pascal als einzig Sicheres festhalten können: Ich habe herausbekommen, daß alles menschliche Unglück aus einer einzigen Ursache herkommt, nämlich der, daß man nicht ruhig in seinem Zimmer zu bleiben vermag.

Jon Doe 23.03.2016 | 16:34

Wir haben nicht die öffentlichen Ressourcen um jungen Männern (und Frauen) ein gutes Angebot zu machen.

Warum wir diese Ressourcen nicht haben lohnt sich nicht zu diskutieren, da es keine politische Basis gibt bpsw. durch höhere Besteuerung Vermögende mehr zu belasten und dadurch mehr Ressourcen zu bekommen.

Dementsprechend bleibt nur das Freistellen von Ressourcen durch die Verteilung von den derzeit vorhanden öffentlichen Mitteln. Dies führt aber zu Verteilungskämpfen, Abstiegsängst und zur Spaltung der Gesellschaft.

So oder so, die Gesellschaft ist gespalten und die die Konflikte werden noch stark zunehmen. Der größte Teil der 1,2 Million Flüchtlinge, die letztes Jahr nach Deutschland gekommen sind, werden allen Beteureungen zum Trotz größteilig hinten herunterfallen und von der Altbevölkerung als Konkurrenten und Störfaktor angesehen werden.

balsamico 23.03.2016 | 16:50

...auch der Protest der französischen Bevölkerung bleibt übersichtlich.

Das wird zu gegebener Zeit in Deutschland erst recht so kommen. Man beginnt ja jetzt schon, es innerlich zu akzeptieren, dass sie einen überwachen dürfen. Das ist das Schlimmste.

Heute wird de Maizière mit dem Bemerken zitiert:

"Datenschutz ist schön, aber in Krisenzeiten hat Sicherheit Vorrang"

https://www.tagesschau.de/inland/de-maiziere-interview-107.html

Und niemand empört sich. Aber was für ein Mistkerl. Wenn er wenigstens sinngemäß gesagt hätte: Leute, wir müssen das jetzt machen, aber ich verspreche euch, dass ich selbst dafür sorgen werde, dass der Datenschutz nicht geschleift wird und dass ich alles, was ich unter dem Eindruck der Anschläge tun muss, zurückdrehe, sobald es geht, dann könnte man sich wenigstens einbilden, dass man es mit einem Demokraten zu tun hat. Aber der Mann ist ein elender Zyniker und nutzt die Gelegenheit, endlich mal laut zu sagen, was immer schon gestunken hat: Nämlich das Datenschutz nur lästiges Beiwerk bei der Überwachung unverdächtiger BürgerInnen ist, die ihm viel wichtiger ist als die Einhaltung der Grundrechte.

Gerdtrader50 23.03.2016 | 17:48

Hallo, ich verstehe die Meinung des Autors nicht. Der sogenannte "Islamische Staat", der nichts als eine mörderische Terrrorbande ist mit Kalifatsphantasien und Besetzungen fremder Staatsgebiete, ist eindeutig eine brutalstem, mörderische Terrororganisation und in seiner Macht durch Brutalität durchaus mit einem Staat gleichzusetzen, wenn schon die Mitglieder ca. 30. bis 40.00 Personen ausmachen. Dieser brutale Minihaufen soll es fertigbringen, die 5 grössten Länder Europas in Furcht und Schrecken zu versetzen und naive Politiker wie die Frau Merkel, welche diesen Horrorbanden mit Einschleussen unter Millionen Menschenmassen ermöglicht hat, ohne Personalkontrollen ca. 3000 Schläfer ins Land und nach Europa zu bringen, noch zu huldigen, mit all den Fehlern, welche diese naive Frau gemacht hat und dann die Chupzee zu besitzen, die unmassgebliche Meinung über "haben wir Krieg" oder haben wir keinen zu publizieren und das verwirrte Volk mit den dümmlichen Govermentssprüchen noch mehr zu verwirren. Meine Empfehlung lautet an die 5 Regierungen Spanien, Frankreich, Gross Britannien, Deutschland, Italien: Je 50.00 Mann Bodentruppen zu stellen, 500-1000 Panzer, Nachschublinien und dann mal diesen Verbrechern in staatsähnlicher Form kräftig in den allerwertesten islamistischen Hintern zu treten, sie zu töten, zu vernichten, auszurotten. Diese Sprache verstehen auch stellvertreterkriegsführende Parteien wie Iran und Saudi Arabien sehr gut, weil Facts werdem immer verstanden. Dann herrscht in absehbarer Zeit Frieden im Orient, zum grössten Teil, Frieden im Europe, meistens und die Kalifaten wissen bescheid, dass es auf die islamistische Nuschel gibt, wenn nochmal solche Kleinigkeiten geordert werden. Es tut mir leid, dass ich ihre friedertige Gesinnung vielleicht ein wenig verletzt habe, aber ich bin nicht mehr friedfertig, bei dem, was hier abgeht.

janto ban 23.03.2016 | 18:17

|| Der Westen muss sich dann fragen, warum er den jungen Männern (und Frauen) kein Angebot machen kann, das besser ist, als sich selbst in die Luft zu sprengen. Hier, bei der Motivation des Täters, müsste jede sinnvolle Anti-Terror-Politik beginnen. ||

Angebot..? Hab' ich doch noch in der Schublade liegen, ich alter Dschihadistenversteher. Da. Gilt natürlich nicht nur für Duma-Abgeordnete, sondern für alle jungen Männer. Besser, sie wurschteln an mir rum, als sie werden zu Massenmördern, nicht wahr. Außerdem wird "respektvoller" dabei gar zu liebevollem "Umgang mit der anderen Kultur und Religion". Zehn Fliegen mit einer Klappe.

|| ... der Krieg erzeugt eine kriegerische Gesellschaft. Aber damit wird der Ausnahmezustand zum Normalzustand. Es liegt eine besondere Paradoxie darin, diese Wendung als Zeichen der Stärke und Unbeugsamkeit westlicher Werte zu verstehen – und nicht als Kapitulation vor dem Terror, die sie in Wahrheit ist. ||

Herr Augstein, Sie haben recht. Aber nicht nur in dem, was Sie da beschreiben, liegt besondere Paradoxie. Siehe oben. Was ich da schreibe ist nämlich nur bei oberflächlicher Betrachtung Nonsens.

Davon, was die dt. Mittelschicht für die alteingessene, dt. Unterschicht noch übrig haben könnte, dur musste ich mir unter meinem aktuellen Blog gerde ein Bildchen machen. Da kann ich mir ungefähr vorstellen, was die europäische Oberschicht für Islamisten übrig hat. Ein kurzer Blick auf die Graphik im Text reicht, um zu verstehen, dass alles Gerede nichts (mehr) hilft. Eine Welt, in der 80 Personen so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Menschheit in Summe (Tendenz: unaushaltbarer werdend), ist ihrem Untergang geweiht. So oder so oder so.

Manfred Fröhlich 23.03.2016 | 18:35

Terror ist immer eine „fatale Eskalation“ in der Weltgeschichte

(Darum passt mein Kommentar auch hier)

Solange wir nicht die langfristigen Terror-Ursachen angehen, wird es "diesen Terror" geben:

Wir Europäer "terrorisieren" gewissermaßen die Welt. Wir "vernichten" die Völkervielfalt wie die Artenvielfalt und die Umwelt.

Wir erklären "unsere Werte" als das Maß aller Dinge und wir diskriminieren "die Werte fremder Völker" in einem Atemzug, unter Hinweis auf "unsere Menschenrechte", die wir selbst nicht einhalten.

"Der Terror aus der Nachbarschaft" ist "Der Terror der Weltgeschichte".

Vergl.:

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/der-terror-aus-der-nachbarschaft/@@view#1458752283299684

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2016 | 18:36

Zurückweichen könnte als Schwäche gedeutet werden:

Im Großen und Ganzen dürfte das einen ganz außerordentlichen Prospekt auf die Zukunft der Spezies eröffnen - lieber einen unerklärten weltweiten Bürgerkrieg als die vollkommene Auslöschung.

So sieht das Angebot eines zusehends vollendeter wirkenden Kapitalismus aus.

Das ist aber auch wirklich schön

Christian Füller 23.03.2016 | 20:29

Lieber Kollege Augstein!

Ich finde den Wunsch, ja das inständige Bitten um Gelassenheit und Deeskalation verständlich. Es ist richtig, vielleicht sogar notwendig. Fraglich ist nur, ob es auch hinreichend ist, einfach das christliche Gebot "halte ihm die andere Backe hin" in die Politik einzuführen, ohne dieses neue Leitmotiv politisch zu erklären und einzubetten. Im Grunde steckt darin, Staat und Religion zu vereinen – was gerade nicht demokratischer Standard ist, und zwra mit guten Gründen.

Wie soll das also gehen, demjenigen, der staatlich zum Schutze der Bürger bestimmt ist, das Kämpfen zu verbieten – also seinen Job? Der Angreifer attackiert den Staat nur mittelbar, er wählt weiche und wehrlose Ziele? Die - zurecht - Angst bekommen und nach Schutz rufen.

Wie sieht ein High-Noon aus, wenn der eine nicht hingeht? Welches schlüssige andere Bild gäbe es dafür, was die jungen Kerle aus dem Westen mit dem Westen gerade veranstalten? Selbst wenn man ihre Verzweiflung und ihre Motive richtig analysiert, hat man noch keinen ihrer Sprengstoffgürtel entschärft.

Und es fehlt die Analyse, dass die jungen Männer (Frauen) nicht allein von Hoffnungslosigkeit bewegt werden, ihr und das Leben vieler anderer Unschuldiger zu zerstören. Da braucht es den Zündfunken einer Religion, einer Ideologie, die blöderweise in ihrer entwickelsten Form faschistische Züge trägt. Da besteht wohl kein Zweifel mehr, denke ich. Nur, wie kann man die Basis des Islam friedfertiger gestalten oder seine Friedfertigkeit (wieder) aktivieren? Wer hilft dem neuen Selbstbewusstsein der ohnmächtigen Gewalttätigen wieder auf die Beine? Der Westen – durch Zerknirschung?

Wenn man ein Narrativ ablehnt, ist es dann genug, das Prinzip des neuen Drehbuchs zu nennen? Oder braucht es dann nicht auch Hinweise auf den Plot, das Personal und das neue Programm?

Beste kollegiale Grüße

Christian Füller

Magda 23.03.2016 | 20:52

Die Brzezinski-Doktrin legitimiert das Handeln des Westens bis heute. Dazu der neoliberale, globale Kapitalismus plus die Zwangsbeglückung via Demokratisierung tun den Rest.

Was ist denn eine Brzezinski-Doktrin? B. hat ein Buch geschrieben - der Titel ist bekannt- er hat danach weitere geschrieben, in denen er seine Thesen abwandelt, einiges sogar wieder verworfen hat. Er ist in ziemlichem Streit mit den Neocons in den USA. Die Handlungen des "Westens" legitimiert er überhaupt nicht.

Aber egal: Für mich gibts auch eine Brzezinski-Doktrin:

Und die geht so: Verwende in mindestens jedem dritten Beitrag über die USA-Politik einmal den Namen Brzezinksi. Seine Bücher muss man deshalb aber nicht gelesen haben.

Zack 23.03.2016 | 20:58

„Der Westen hat sich die Logik des Krieges aufzwingen lassen.“

Nein Herr Augstein, es war die Logik „des Westens“ und seines nach eigenen Regeln eingerichteten Weltmarktes, die der Welt diesen permanenten Krieg bisher aufzwang. Ein globaler Krieg, der vor Eineinhalb Jahrzehnten unter der Chiffre des „Antiterrorkrieges“ radikalisiert wurde und seine Beendigung noch nicht einmal als Nebenzweck verfolgte.

Ganz zu schweigen davon, dass es ohne die hauptsächlich von den USA, Großbritannien und Frankreich angeführten Verheerungen und Genozide weder al-Kaida, noch den sogenannten “Islamischen Staat“ und schon gar keinen Terror dieses sogenannten „Islamischen Staates“ in Europa gäbe. Von den untrennbar dazugehörenden Kriegsflüchtlingskatastrophen und ihren hässlichen Begleiterscheinungen, wie den diversen „Willkommenskulturen“ innerhalb Europas gar nicht zu reden.

Die vergangenen (und zukünftigen) Bombenangriffe auf europäisches Territorium sind nicht allein Ausdruck einer sich verändernden globalen Machtstruktur zu Ungunsten des „Westens“, sondern auch Indikator von Absetzbewegungen, Bruchlinien und ihren gewaltträchtigen Folgen innerhalb des westlichen Lagers.

Dieser Krieg läuft zwar noch unter der gleichen Chiffre, wir (der Westen) gegen die Terroristen, hat aber neue Kampflinien, die so lange wie möglich unter dem öffentlichen Deckel gehalten werden sollen. Und dieser Deckelung kommen Sie, lieber Herr Augstein, vorbildlich und mit Bravour nach.

"the West won the world not by superiority of its ideas or values or religion but rather by its superiority in applying organized violence. Westeners often forget this fact, non-Westeners never do."

(Samuel Huntington)

Anelim Aksnesej 23.03.2016 | 21:04

Guten Abend Gebe ! Ich möchte Ihnen danken für diesen Text.Und es war mir eine Freude,daß Sie die Jugendstrafrechtler erwähnen.Das Wort Parallelgesellschaft ist dann auch passend.Ich dachte gleich wieder an die Richterin Frau Heisig.Das Aufwerten der eigenen Person endet eben doch nicht mit dem Schreien von Parolen, es gibt immer noch eine Steigerung.Und die Attentate sind es für mich diese jetzt und alle anderen auch.Dann muß es wohl bald ein Unterrichtsfach geben,was diesen ganzen Komplex mit viel Zeit behandelt.Hier in Brandenburg gibt es das fach LER

JR's China Blog 23.03.2016 | 21:21

Wie würden die Deutschen reagieren?

Der immer wieder neue - allerdings auch medial eifrig immer wiederbelebte Schock - darüber, dass aus der "Mitte" oder von den "Rändern" europäischer Gesellschaften solche Taten begangen werden, ist allerdings nicht gut. So, wie die Schreck-, Schauer- und Trauerrituale immer wieder öffentlich vollzogen werden, können sie nicht heilen oder lindern.

Natürlich ist es zweierlei, ob unschuldige Menschen absichtlich ermordet bzw. willentlich dauerhaft geschädigt werden, oder ob sie beispielsweise in Verkehrsunfällen umkommen.

Aber es gab und gibt nun einmal Mörder unter uns. Aktuell gibt es eben manche, die glauben, ein Gott habe ihnen den Mord und die Grausamkeit befohlen. Damit haben wir ein Problem. Aber zuerst einmal bin ich glücklich darüber, dass ich nicht ihre Probleme habe.

Es braucht Soziologen, Kriminologen, ggfs. Freunde, Verwandte, Nachbarschaften - für potenzielle Täter und für tatsächliche Opfer.

Aber das war's dann auch. Ansonsten halte ich Respekt und Hilfe für die Leidtragenden und Geringachtung für die Mörder für empfehlenswert. Und das alles möglichst etliche Phonstärken leiser als bisher.

Mühlenkamper 23.03.2016 | 21:21

Vor hundert Jahren gab es in deutschen Großstädten immer auch die "Verbrecher"viertel, die Slums, die dem Bürgertum als Brutstätten für Rebellion und Sittenlosigkeit galten. Gehalten hat sich aus dem Hygiene-Vokabular bis heute in der Stadtentwicklung der Begriff "Sanierung". In den siebziger Jahren sogar der der "Flächensanierung" (lag nahe nach den "Flächen"bombardierungen im Krieg). Fällt mir so ein beim Stichwort Molenbeck und den farbigen Alltagsbildern von dort. Egon Erwin Kisch hat schöne Reportagen aus solchen Armenvierteln aus Paris und London abgeliefert. Den Schrecken "anarchistischer" Attentate gab es vor hundert Jahren auch schon. Und Historiker wie Clark waren nach hundert Jahren froh, dass die kuk-Polizei damals ordentlich gearbeitet und eine saubere Aktenlage zum Attentat auf den Thronfolger hinterlassen hatte. Hätten sie es doch dabei belassen. Deshalb: Krieg ist anderswo. Hier ist nur der normale Wahnsinn.

Nordlicht 23.03.2016 | 21:42

Badiou verneint einen inhärenten Zusammenhang mit der islamischen Religion. An einen solchen Zusammenhang klammern sich ja die Islamverächter im Westen mit großer Entschlossenheit.

Diese beiden Behauptungen müssten einmal sachlich analysiert werden. ich kann nur einige Überlegungen geben.

(a) Gegen einen inhärenten Zusammenhang mit der islamischen Religion spricht, dass es friedfertige islamische Gesellschaften geben - z. B. Malaysia, Indonesien. Mir scheinen die arabischen Gesellschaften und ihr Islam strukturell für den Westen gefährlicher zu ein.

(b) Die Islamverächter im Westen? Machen Sie sich doch nicht lächerlich. Die paar Pegidisten wollen Sie doch wohl nicht als Verursacher von Militäraktionen des Westens und/oder Ursachen von Minderwertigkeitsgefühlen von Muslimen nennen.

Gefahr liegt wohl eher in der Verharmlosung islamistischen Extremismus (mit Hang zur Gewalt) und seiner Hintermänner in Saudi Arabien. Mit diesem Moscheen bauenden "Freund" und mit dem Kontrollverlust an den Grenzen haben wir die Mörder zu uns eingeladen.

mymind 23.03.2016 | 22:07

Zbigniev Brzezinski war als Sicherheitsberater von Jimmy Carter die treibende Kraft in der US-Politik bzgl. Unterstützung von radikalen Islamisten, die im Kampf gegen die SU in Afghanistan in seinen Augen ´erfolgreich´ umgesetzt & zum Plot für alle weiteren Kriege im us-amerikanischen Interesse wurde. Es spielt überhaupt keine Rolle ob er inzwischen einige seiner Grundsätze abwandelte oder verwarf _ Fakt ist, dass er durch seine irren Überzeugungen maßgeblich Richtung & Vorgehen der US-Außenpolitik beeinflusste. Insofern kann von einer Brzezinski-Doktrin gesprochen werden.

janto ban 23.03.2016 | 22:52

|| ... das christliche Gebot "halte ihm die andere Backe hin" in die Politik einzuführen ... ||

Oh. Ich glaube, das muss Wange heißen.

Aber ja, es bräuchte dringend "Hinweise auf den Plot" des "neuen Drehbuchs". Und zwar selbst dann, wenn sich unisono alle einig wären, dass das, was User ZACK da ausführt, die Gründe und Ursachen für den Schlamassel seien. Denn die Situation ist dermaßen außer Kontrolle (und nicht nur der des Westens) geraten, dass wir es international mit einer ganz neuen Situation zu tun haben. Was die Welt braucht, ist also kein Plan A2, sondern ein Plan B. Grundlage dafür müssen zwei Erkenntnisse sein:

Erstens das, was Augstein fordert: Abstellen der Ursachenpolitik, welche zu versuchen scheint, auf Fehler mit Folgefehlern zu reagieren. (Das Prinzip solcher Kaskaden hatte ich da mal beschrieben.)

Zweitens die Anerkenntnis, dass ein finanziell, logistisch und nachwuchs-ideologisch hochgerüsteter, globalisierter Dschihad sich nicht wegbeten lässt.

Augsteins Vorschläge ("kluge Diplomatie", "gerechtere Weltwirtschaftsordnung", "Verzicht auf Waffenlieferungen in Krisengebiete", "respektvoller Umgang mit der anderen Kultur und Religion") sind richtig und wichtig, fallen aber alle unter meinen ersten Punkt (Abstellen der Ursachenpolitik).

Der Forderung, meinem Punkt 2 polizeilich, also rein abwehrend/re-agierend zu begegnen, liegt die Annahme zugrunde, dass sich der Rest im Laufe der Zeit schon zum Guten wendet. (bei Augstein das Stichwort "Geduld") Wovon ich persönlich nicht überzeugt bin, weil islamistische Herrschaftsform und islamistischer Terror den Opfer-Modus in meinen Augen verlassen und längst zum großen Akteur auf der Weltbühne geworden sind.

Wer es dabei als unzulässig empfindet, von "dem" Islamismus/Dschihadismus als einem Akteuer zu sprechen, sollte sich fragen, warum es beim kollektivierenden Konstrukt "der Westen" erlaubt sein sollte. Ich behaupte also: Es ist, jenseits der altbekannten, ein neuer Macht-Block mit internationalen Ambitionen entstanden. Oder sagen wir vielleicht: Wir beobachten gerade dessen Entstehung. Militanter Wahabismus, der nach Territorium und staatlichen Strukturen greift - und beides hier und da zu greifen findet.

Gemäß Augsteins Ausführungen rede ich damit einem Kampf der Kulturen das Wort. Bei ihm scheint jedes kritische Wort immer gleich anti-islamisch motiviert zu sein. Doch schaut man sich die Situation genau an, lässt sich diese Haltung nicht verteidigen. Die Welt, auch die westliche wohlgemerkt, und mit ihr die einzelnen Gesellschaften, zerfällt in einen autoritär-radikalen und einen gemäßigt-liberalen Teil. Zu beobachten ist das überall, selbst innerhalb Deutschlands. Bei der hohen Zustimmung, die wir z.B. bei Le Pen in Frankreich und Trump in den USA beobachten, fällt es schon schwer, überhaupt noch von "dem Westen" zu reden - und damit die aufgeklärte Welt zu meinen.

In diesem Text hatte Augstein m.E. die richtigen Fragen gestellt und war zum richtigen Ergebnis gekommen. Es nur auf die Nordhalbkugel zu beziehen, war aber wohl ein Fehler. Der globalisierte Dschihad in seiner neuen Form trägt jedenfalls die Merkmale expansiven Kapitalismus': Schwächung des Äußern (das sind in dem Fall z.B. wir, der sog. Westen) zur Stärkung des Innern. Damit kopieren sie uns. Und Religion als Container für die Instrumente, die konzentrierte Macht produzieren und erhalten, ist im Westen ja auch nichts Neues. Russland tut es, Polen tut es neuerdings wieder und sogar Trump tut wunders was er für ein guter Christenmensch wäre.

Es ist der Kapitalismus. Und zwar überall. In Tateinheit mit globaler Überbevölkerung. Und die militanten Islamisten sind nicht unsere Feinde, weil sie so viel anders sind, sondern, im genauen Gegenteil, weil sie uns strukturell so ähnlich sind. Was bei uns jetzt auf eine Art Allparteiendiktatur zur Abwehr der Systemveränderer am linken und rechten Rand hinausläuft, ist bei denen lediglich effizienter. Da gibt's erst gar keine Opposition (mehr), wenn alle tot sind, die nicht ans System g l a u b e n.

Ansonsten, würde ich sagen, ist es ein Kulturkrieg. Behaupte nicht ich, sondern die Dschihadisten. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht. Ursprünglich ging es hauptsächlich um Öl. Worum es demnächst gehen wird, bleibt wohl abzuwarten.

Gute Nacht.

iDog 23.03.2016 | 23:01

nun ist es leider so , dass das kein Deutscher von Rang un Namen sagen darf oder sich zu sagen traut , denn dann hätte er die längste Zeit Rang und Namen gehabt, ... und wenn es einer sagt, der nicht Rang und Namen trägt, dann ist er ein antiamerikanischer Aluhutträger - mindestens, wenn nicht, wenn auch unlogischer weise, ein rechtslastiger Wahnmacher ...

Sie elend sieht es mit dem Mut, der Wahrheit , der Würde und der "deutschen" Gesinnung aus ... hat sich also nicht viel geändert seit .... nur die Chefs heißen jetzt anders ... und der Faschismus kommt als Antifaschismus daher ...

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2016 | 23:06

Keiner beantwortet wirklich die Frage "Warum tun das die Attentäter?".

Keiner beantwortet wirklich die Frage "Warum tun das die Drahtzieher?".

Es geht immer um jeden erdenklichen unwichtigen Mist, um Mitleidsheuchelei, Bösewicht-Stereotype, schön facebook-Fratze mit Flaggenfarben einfärben, aber ja nicht an die Ursachen, ja nicht damit auseinandersetzen, wie es zum Terrorismus kommt, und warum diese Menschen solche Taten verantworten.

Warum tun sie es? Wofür tun sie es?

Allen Falschspielern voran sind unsere Oberheuchler, die Politiker, die ganzen selbstversessenen Anteilnahme-Haubitzen-Twitterer, als da ganz besonders die US-Claqueurin Merkel, die jetzt die unglaublich Betroffenen mimen, aber unterdessen die US-Kriege fein mit unterstützen und Waffen liefern.

An dieser Stelle sei erinnert: http://www.spiegel.de/politik/ausland/beitrag-in-us-zeitung-merkels-bueckling-vor-bush-a-237040.html
Was Bush's dritter Golfkrieg bis heute bedeutet, weiß jeder Freitag-Leser.

Der böse Bösewicht Saddam Hussein wusste schon früh, was sich an einem US-Krieg bis Bagdad entzünden würde: "Die Mutter aller Schlachten".

Es gibt KEIN kritisches Wort Merkels gegen die verbrecherischen US-Kriege, KEIN Wort gegen Guantanamo, und Merkel wird solche niemals äußern, weil Merkel eben bis auf die Knochen eine Kohl, pardon, eine Merkel bleibt.

Und der Typus de Maiziere nutzt jetzt – das war vollkommen klar – den Schock schamlos aus, um mit noch mehr Überwachungsgegeifer unsere Bürgerrechte plattzuschlagen.

Siehe Naomi Klein's "The Shock Doctrine".

Dass es dafür ein "feedback" gibt, ist nur allzu logisch. Europa hat sich zunehmend schuldig gemacht, mit "Schulterschlüssen", mittlerweile bekommt es die schreckliche Quittung und bezahlt mittlerweile auch mit UNSCHULDIGEN Menschenleben. Egal, die Verantwortlichen erwischt es ja bekanntlich nicht.

Aber bis zur Ehrlichkeit (auch) in der deutschen Außenpolitik ist es mindestens -1 Me weit — "Me" ist eine "Merkel", die neue politische Maßeinheit für Janusköpfigkeit.

SuzieQ 23.03.2016 | 23:33

Danke, JR, es ist so einfach, aber es ist zuu einfach für so manche...,

... was scheinbar kontraproduktiv ist. Denn: gibt es das, dass jemand nur böse ist?

Wenn es um Aufmerksamkeit geht, dann entzieht man diese Aufmerksamkeit. Können die Medien sich darauf verständigen, maximal die reinen facts zu vermitteln? Ist es machbar, für alle, sich zurückzunehmen, wenn es um Details geht, damit dem Terror der Boden entzogen wird?!

Sicherheit gibt es nicht. Gefühlte Sicherheit ist ein Traum. Freiheit für gefühlte Sicherheit zu verkaufen ist momentan Linie. Fatal... der gläserne Bürger = nogo, Hirn Himmel Hilfe

Zu schauen, wo ist die Basis für Handeln des 'IS', hilft zu verstehen, um die Basis zu verändern. Krieg und dessen Rituale sind von vorvorgestern. Hoffnungslosigkeit sucht nach Hoffnung... Ich verstehe nicht, dass x Millionen stumm und inaktiv verharren, wie das Kaninchen vor der Schlange...

Fehlt es (noch immer) an Leidensdruck?

Um die 'westliche' Lebensweise zu goutieren, werden deren Aktivitäten gut geheißen? Deeskaltion ist viel, viel mehr als klein beigeben, es bedeutet hinsehen, lernen, umwandeln. Und handeln, keine Waffen, keine Waffenexporte, keine Kriege um Ressourcen, kein Hätscheln von Despoten... Alternativen suchen und finden... ohne Öl, ohne Gas, ohne Transport von Ressentiments.... Wo sind die Menschen, die global denken und handeln? Keine Knickfüße, keine Speichellecker, keine Arschkriecher, ... um ein bisschen Pseudo-Luxus for nothing.

Weg von hybris, hin zu globaler, verständiger, gerechter Verteilung und Gleichwertigkeit wäre ein Anfang... dann gäbe es an europäischen Grenzen keine Toten, bei denen die Medien zuschauen, bei denen sich niemand bemüßigt sieht, aktiv zu werden. Es ist eine Schande im 21. Jahrhundert zu sehen, dass jeder xBeliebige sich als besser ansieht als seine Mitmenschen. Das liegt nicht allein an den Mitmenschen, sondern am Umfeld. Und dem: ich schau nach mir, dann schaut wenigstens überhaupt jemand nach mir, der Staat beschäftigt sich mit sich selbst.

Nicht mehr leise zuschauen.

Laut sein und vorher hinsehen ist das Gebot der Stunde. Laut und aktiv sein. Arsch hoch, Zähne auseinander!

Pregetter Otmar 23.03.2016 | 23:44

Nun – Ursache ist nicht gleich Wirkung!

Irgendwie hab ich den Eindruck, der Kommentar stammt von Attac ... ;) die verwechseln auch immer die Ursache (A.) DAS System) - mit der Wirkung (B.) den Ausprägungen).

Gerade Alain Badiou hat die systemischen Ursachen sehr schlüssig erklärt in dem er, bezogen auf Slavoj Žižeks Ansicht - die Flüchtlingskrise ist auch das Ergebnis des globalen Kapitalismus – meinte: "Ja, die Rolle des globalen Kapitalismus ist hier zentral. . . Er offenbart eine neue Form des Imperialismus, eine neue Form des Kampfes um Rohstoffe und Ressourcen. . . Das heißt, es ist nicht mehr der klassische Kolonialismus, in dessen Zuge ganze Staaten unterworfen wurden, sondern das, was man im Französischen „zonage“ nennt: die Akzeptanz zersplitterter, anarchischer Räume . . . , in denen keine staatlichen Strukturen mehr herrschen. . . ., sondern kriminelle Gangs regieren. . .

Der Westen beteuert etwa permanent, dass er die Terromiliz „Islamischer Staat“ bekämpfe, gleichzeitig hält er sie aber auch am Leben. . . Denn der IS ist mittlerweile ein ökonomischer Faktor, er handelt mit Kulturschätzen und Öl.“

Kurz ein paar Zurechtrückungen:

A.) System:

1.) neue Überschrift: Fatale Eskalation seit dem Sep / 11 1 9 7 3 ... „da wurde Salvador Allende, der im Gegensatz zu Bush (jun) demokratisch gewählte Präsident Chiles, de wurde mit Hilfe einer amerikanischen Terrororganisation, namens CIA, aus dem Amt geputscht. 3000 ermordete chilenische Demokraten ... den Mordbefehl gab der damalige Osama bin Landen ... Henry Kissinger ... bis heute nicht ergriffen ... außer vor sich selber“. Usw.

https://www.youtube.com/watch?v=q29O4DG1KeU

2.) Pispers brillante 5-teilige Analyse korrigiert 2-fach die Inhalte dieses Artikels:

- die tiefe, historische Kenntnis aller echten Kriege in Nahost, z.B. die Rolle der USA, (insbes. H. Clintons) im völkerrechtswidrigen Krieg gegen Libyen, sowie Frankreichs; http://www.imi-online.de/2016/03/18/die-clinton-mails-und-der-libyen-krieg/

- die gewaltsame Implementierung des „neoliberalen Geschäftsmodells“ in Chile 1973 und in weiterer Folge in Argentinien (Militärputsch + Menem-Regime + Kirchnersanierung ab 2002 – 2015); Zypern + Griechenland folgten demsselben „Role Modell“ unter der Knute der von Merkel forcierten „Institution“ (Troika).

Ernst Wolff erklärt ihre Funktionsweise in nur 5 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=Zt7lONlgU-o

Der systemische, weltumspannende Krieg heißt daher:

Reich – gegen Arm, wie ihn Warren Buffett richtig benamste!

B.) die Ausprägungen.

- Der Krieg gegen den „Terror“ ist die Wirkung – aber nicht die Ursache. Das damit auch, „idealerweise“ ... die Errichtung eines Polizeistaates einhergeht, ist seit dem Patriot Act der USA die Realität.

- Wie wenig der Autor „systemisch kratzt“ zeigt folgendes Zitat auf: „Der Westen verliert den rechten Weg, wenn er die Auseinandersetzung mit dem Terror als Krieg begreift. Terror ist ein gesellschaftspolitisches Phänomen und eine polizeiliche Herausforderung.“

Würde der Westen ernsthaft und glaubwürdig die Ursachen des „Terors“ bekämpfen wollen – müsst er sein kapitalistisch-ausbeuterisches Geschäftsmodell ändern: s o f o r t!

- Zitat: „Badiou verneint einen inhärenten Zusammenhang mit der islamischen Religion.“ Völlig d`accord: er kennt die systemischen Ursachen genau und hat sie exact analysiert, wenn er sagt ...“ Es sind der Neid und der Hass der Ausgeschlossenen, die sich hier manifestieren. Damit ist der gewalttätige Islamismus nur ein Element im Kosmos des globalen Kapitalismus.“

Und da beißt sich bei einer Lösung die Katze in den Schwanz, denn der Krieg gegen den Terror hat die organisierte Ausbeutung als Ziel – und bedingt klarerweise den Ausschluß der (arabischen) Völker (wegen derer Rohstoffe der Westen die Kriege vor Ort anzettelte) von ihrem eigenen Reichtum, der ihnen zusteht.

- Leider bezieht sich die Schlussfolgerung des Autors wieder nur auf die Ausprägungen statt den Ursachen: "Der Kampf gegen den Terror wird dann zum langwierigen, mühevollen Werkeln an ... einer Integration westlicher Gesellschaften sind, die kluge Diplomatie im Nahen Osten, die gerechtere Weltwirtschaftsordnung „ ... usw.

Nein, solange man sich nur, mit welch verschlüsselten Floskeln auch immer, auf die Ausprägungen bezieht (und dort auch versucht mit „guten Ansätzen“ das Leiden der Menschen zu lindern usw.) wird sich nichts ändern.

Denn – die Ausbeutung und Instrumentalisierung durch das System bleibt ja bestehen!

mcmac 24.03.2016 | 00:15

Lieber Jakob Augstein,

der Untertitel Ihres 2013 erschienen Buches "Sabotage" lautete: "Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen".

Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen, liegt derzeit offensichtlicher denn je auf der Hand.

Wer das Morden beenden will, muss mit dem Morden zunächst selbst aufhören. Aber das Morden ist einfach ein zu gutes Geschäft.

Die Idioten beiderseits, die einen Religionskrieg, einen "Kampf der Kulturen" halluzinieren, haben sich für den Kapitalismus entschieden; sie stehen - ob sie es wollen oder nicht - auf der abschüssigen Seite der Geschichte; sie haben sich für einen Kapitalismus entschieden, gegen welchen die unbeschreiblichen Auswüchse und Verbrechen des deutschen Faschismus von 33-45 künftig vermutlich wie ein Klacks erscheinen werden.

*Wir* müssen uns entscheiden, keine Frage. Zunächst konsequent für Demokratie. Auf jeden Fall schleunigst und mindestens genau so konsequent aber gegen den Kapitalismus. (Das ist schwer, weil dieser Kapitalismus *uns* inzwischen in jedem Zellkern, in jedem Bit, in jedem Gedanken, jeder Seelenregung zu sitzen scheint. Unmöglich ist es aber nicht; es scheint nur so.)

-Sind Sie immer noch bei Facebook? Oder nutzen Sie bereits die Alternativen? Nicht bei Facebook sein und Alternativen nutzen ist echte Sabotage :-)

MfG - mcmac

Moorleiche 24.03.2016 | 09:06

@ Jakob Augstein:

@ Christian Füller:

Der Westen muss sich dann fragen, warum er den jungen Männern (und Frauen) kein Angebot machen kann, das besser ist, als sich selbst in die Luft zu sprengen.“ (Jakob Augstein)

Das ist auch für mich der beste Satz des Augstein Textes.

Allerdings entgegnet Christian Füller:

Und es fehlt die Analyse, dass die jungen Männer (Frauen) nicht allein von Hoffnungslosigkeit bewegt werden, ihr und das Leben vieler anderer Unschuldiger zu zerstören. Da braucht es den Zündfunken einer Religion, einer Ideologie, die blöderweise in ihrer entwickelsten Form faschistische Züge trägt. Da besteht wohl kein Zweifel mehr, denke ich.“

Das würde ich zwei- oder mehrteilen wollen.

Zum einen gibt mir eigene Hoffnungslosigkeit noch immer nicht das Recht das Leben und die Hoffnung anderer zu zerstören. Das mag menschlich nachvollziehbar sein, aber ethisch nicht legitimierbar und gesellschaftlich nicht wünschbar.

Ich bin aber nicht der Auffassung, dass der Islam im Ganzen faschistisch ist und auch nicht, dass Religion im Ganzen ein Übel ist und wenn ich viel Zeit hätte, würde ich sogar erläutern können, warum ich glaube – hier in Stichworten – dass einer fragmentierten und narzisstischen Gesellschaft, strukturierende Elemente, wie die Religion eines ist, gut tun, täten.

Um nun beide Pole zusammen zu bringen, wäre es nötig dem moderaten Lager die Hand zu reichen und sich tatsächlich um diejenigen zu bemühen, die in unserem System bisher kaum eine Chance haben, aber eben auch auf dem Schirm zu haben, dass in einer fragmentierten und narzisstischen Gesellschaft, bei hinreichender emotional-ideologischer Aufpeitschung, die Verlockung Held für einen Tag zu werden (aber Held) eine reale Alternative zu einer langatmigen Lehre ist, bei der man über Jahre jeden Morgen aufstehen muss und nicht jeden Tag gesagt bekommt, dass man der Größte ist. Der Durchhaltewillen und Zähigkeit ist bei jungen Männer mit geringer Frustrationstoleranz nicht eben ausgeprägt. Umso wichtiger die strukturierenden Elemente, die nicht zwingend religiöser Natur sein müssen, aber könnten.

Wenn man ein Narrativ ablehnt, ist es dann genug, das Prinzip des neuen Drehbuchs zu nennen? Oder braucht es dann nicht auch Hinweise auf den Plot, das Personal und das neue Programm?“ ( Christian Füller)

Mein Gesang ist, dass wir die Werte die wir immer schützen wollen, erst mal gemeinsam (alle die hier gerade leben) diskutieren und formulieren sollten und uns dann gesellschaftlich wechselseitig darauf verpflichten diese Werte auch ernst zu nehmen und Verstöße moralisch zu sanktionieren. Man muss nicht alles einklagen können, die Moral ist ein ungeheuer starkes Instrument, wenn Menschen überhaupt bereit sind, sich auf Werte verpflichten zu lassen. Das ist in einer fragmentierten und narzisstischen Gesellschaft nicht oder sehr unzureichend der Fall, daran müssen wir arbeiten und nach meiner bescheidenen Meinung arbeiten pädagogisch-psychologische und neoliberalismuskiritsche Ansätze diesbezüglich sogar Hand in Hand.

GEBE 24.03.2016 | 09:22

Hier eine Definierung von Krieg, die ich weitesgehendst mittragen kann.

Des weiteren halte ich es für notwendig und geboten, zur Deeskalation wenigstens auch sparsam mit dem Begriff ‚Krieg‘ umzugehen. Immerhin ist dabei auch zwischen offener und struktureller Gewalt Unterscheidung zu treffen nötig, um nicht an der heillosen Spirale von Überdramatisierung, eben an der Eskalation, mitzudrehen.

So sollte ‚Krieg‘ als Bezeichnung für Auseinandersetzungen auch sparsam verwendet werde, um nicht inflationär zu werden, zumal es daneben den Begriff Terror gibt, der vollkommen ausreichend ist, solche, wie hier in Rede stehenden Brutalen Ereignisse zu bezeichnen.

Begriffe sind individualisierte Vorstellungen.

Und ich denke daran, daß es (erzieherisch und kulturell) unverantwortlich ist, wie durch den inflationären Gebrauch Sinn- und Bedeutungsverschiebungen mit einhergehenden Implementierungen von Vorstellungen und Assoziationen bei Kindern sich auswirkt. Ohne den Blick darauf einzubeziehen, läßt sich nullkommanix an Analyse hinsichtlich einer gesellschaftlichen, soziokulturellen Entwicklung überhaupt als Aussage treffen![1]

Diesbezüglich läßt sich anhand des damit zu charakterisieren versuchten ganz kleinen Keims, alleine schon durch Sprachgebrauch, beispielhaft ein grundlegend wesentliches Moment im Sozialisierungsvorgang aufzeigen.

Es ist hier im Thread auch gefragt, was die Untergründe für bestialischen Taten der, so habe ich es geschrieben, „kriminellen Rotznasen“ sind, wie sich diese ausgestaltet haben. Der Gebrauch von Begriffen und die damit sozialisiert-gebundenen Vorstellungen sind, auch wenn nur keimhaft, ein wesentlicher Grund, eine sehr wirksame geistige Realität. Wer nur das Grobe innerhalb von Sozialisation sehen will, wird auch nicht auf den Trichter kommen erklären zu können, wie die Angebote, von denen Augstein ober schreibt, die zu machen wären, überhaupt aussehen können.

[1] Es ist ja geradezu zu einer Art geistigen terra incognita geworden, daß gerade diese geistigen Entwicklungseinschläge nicht mehr erkannt, nicht mehr erfaßt und nicht mehr mitberücksichtigt werden. Politik tritt auch, als sei ihr Geschäft nur für gegenwärtig lebende Middle-Ager +/- bestimmt. Aber alles geistige Leben, d.h. im engeren Sinn, aller kulturelle und soziale Status geht aus dem hervor, was die Gesamtheit des Erziehungswesens zustande gebracht hat.

iDog 24.03.2016 | 10:14

nun ging es ja nicht gerade darum was Rang und Namen ist , bedeutet oder woher er kommt. Wobei ich ihnen da nicht mal zustimmen kann ( , denn es kommt darauf an wer Rang und Namen verliehen hat) ... es ging vielmehr um die Befindlichkeit derer , die zumindest angeblich Rang und Namen tragen ... und die sich zumindest nach ihrer Definition als dessen unwürdig erweisen , wenn es mal drauf an kommt.

Moorleiche 24.03.2016 | 10:15

Hallo Gebe.

Also, ich habe auch heute noch herzliche Verachtung für meine Schulzeit übrig, aber dass dort zwingend Terroristen produziert würden, geht nun glaube ich deutlich an der Realität vorbei.

Es gibt zumindest eine positive Korrelation zwischen Bildung und Nichtkriminalität und dann muss man überlegen, ob man es mit Rousseau hält, dass der Mensch frei geboren sei und dann überall in Ketten liegt, oder nicht.

Ich gehöre zur „oder nicht“ Fraktion.

ed2murrow 24.03.2016 | 10:31

Lieber Jakob Augstein,

Ihrem Beitrag pflichte ich uneingeschränkt bei.

Gerhart Baum hat unlängst gesagt, "wir können nicht die Verfassung außer Kraft setzen lassen durch Terroristen, das wäre ja noch schöner! Das wollen die ja, dass wir unsere Werte verraten". Und in der Rückschau zur Terrorgeschichte in Deutschland sah er eine Bundesregierung, die in den 70er Jahren bei der Bekämpfung des RAF-Terrorismus die Grenzen des Rechtsstaates überschritten hatte: "Wir waren drüber. Und wir haben das wieder korrigiert."

Die Warnung des Bundesverfassungsgerichts ist freilich nicht nur eindringlicher, sondern hat für Deutschland eine klare Scheidung der Rechtmäßigkeit getroffen: "Straftaten mit dem Gepräge des Terrorismus [...] richten sich gegen die Grundpfeiler der verfassungsrechtlichen Ordnung und das Gemeinwesen als Ganzes. Es ist Gebot unserer verfassungsrechtlichen Ordnung, solche Angriffe nicht als Krieg oder als Ausnahmezustand aufzufassen, der von der Beachtung rechtsstaatlicher Anforderungen dispensiert, sondern sie als Straftaten mit den Mitteln des Rechtsstaats zu bekämpfen" (Urteil vom 24. April 2013, Az. 1 BvR 1215/07).

Den maßgeblichen Unterschied macht Ex-Geheimdienstler Claude Moniquet im Interview (ab Min. 21:30) mit dem Weltjournal des ORF von gestern Abend deutlich: Er bezeichnet den IS als "kriminelle Organisation". Das entkleidet diese Organisation ihrer beinahe mythologischen Aufladung, die sie mit vor allem popkulturellen Methoden herstellt, und dimensioniert die Akteure wieder zu dem, was sie keinesfalls (als gewöhnliche Straftäter mehr) sein wollen: Verbrecher statt Krieger, Banditen statt Märtyrer, Banden statt Heerscharen eines strafenden Gottes.

Täter lassen sich resozialisieren. Feinde dagegen werden dauerhaft exkludiert. Diesen vermeintlich kathartischen Moment herbeizuführen, da nicht nur Kulturen, sondern auch immanente Ordnungen aufeinanderprallen sollen, um nur einen Gewinner auf dem Platz zu lassen, ist nicht Sache des Rechtsstaates und noch viel weniger der der Demokratie. Sie hat, um die von einem Kommentator weiter oben angesprochene "andere Wange" zu erwähnen, wehrhaft zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie begäbe sich all der Gestaltungsmöglichkeiten, die wir nicht nur schätzen, sondern als unerlässlich erlernt haben, würde sie jeden Schlag als kriegerischen Akt anerkennen.

Beste Grüße, marian schraube

Moorleiche 24.03.2016 | 10:37

Hallo Gebe.

Naja:

Worum geht es bei diesen „Terroristen“?

Es geht um konditionierten Machismo in allererster Linie. Es geht um verwahrloste schwachsinnige Rotznasen, um Kriminelle. Es geht nicht um Soldaten und es geht nicht um Krieg.“

+

Diese bestialisch kriminellen Rotznasen sind durch unsere Schulsysteme gegangen. Das sollte zu denken geben!“

Da kann man schon mal drauf kommen, oder?

Wie oder was haben Sie denn gemeint?

Moorleiche 24.03.2016 | 10:43

Hallo Ed2Murrow.

Das entkleidet diese Organisation ihrer beinahe mythologischen Aufladung, die sie mit vor allem popkulturellen Methoden herstellt, und dimensioniert die Akteure wieder zu dem, was sie keinesfalls (als gewöhnliche Straftäter mehr) sein wollen: Verbrecher statt Krieger, Banditen statt Märtyrer, Banden statt Heerscharen eines strafenden Gottes.“

Jo, aber beeindruckt das auch die Adressaten der IS Propaganda im Westen? Vergleichen Sie es mal mit der Attraktivität von Motorrad-Gangs, die eben auch ein Flair haben und nicht im Verdacht stehen, im Dienste einer explizit höheren Idee unterwegs zu sein.

Heinz 24.03.2016 | 10:56

Aktionismus

Alle reden von Sicherheit und keiner tut was. Die Realität sieht immer gleich aus. Nach einem Anschlag laufen viele schwer bewaffnete Polizisten herum, Politiker fordern immer mehr Sicherheit, "verschärfte SicherheitsMaßnahmen", gerade im Radio gehört.

Was soll das sein, an jedem Brennpunkt ein Polizist?

Terror ist nicht immer zu vermeiden, im Vorfeld sind die Terroristen aber bekannt. Die Vernetzung der Nachrichtendienste und der Polizei über Kreisgrenzen und Ländergrenzen hinweg macht schon in D Probleme. Alle wollen ihr Ei selbst ausbrüten. Ungleich schwerer und schwerwiegender ist die vorbeugende Terrorbekämpfung über Staatsgrenzen hinweg, Staatsgrenzen, die Terroristen heute PROBLEMLOS UND UNERKANNT überschreiten können.

GEBE 24.03.2016 | 11:03

"Da kann man schon mal drauf kommen, oder?"

Ja klar, aber nur wenn man selbst pervers abgedreht ist, kann man das.

"Wie oder was haben Sie denn gemeint?"

Donnerwetter! Sie rotzen erst was hin, haben nur ein P.S. gelesen, und fragen dann verschlagen, wie was gemeint gewesen sein könnte, was Sie erst gar nicht auf dem Schirm hatten.

Sie bilden sich doch wohl nicht ein, daß Ihnen gegenüber hier jetzt tatsächlich noch gesondert darlegend tätig werde. Falls gewünscht, können Sie mich dazu aber gerne gegen Honorar buchen.

4711_please 24.03.2016 | 11:47

Nun, spätestens seit 9/11 befindet sich der Westen im Krieg mit den Regimen des Nahen Osten, wobei es historisch kolonial-imperialistische Vorläufe gab. Insofern ist es nur konsequent von Krieg zu sprechen, auch wenn das nun wiederum als Eskalation und als Behinderung der Problemlösung erscheint.

Bereits beim ersten Irakkrieg waren Deutschland und Frankreich sich einig, dass dieser Krieg sinnlos ist, bloß Blut vergießt und keine positive Entwicklung zulässt. Es war kein Krieg gegen den Terror, sondern ein imperialistischer Krieg um Einfluss und Ressourcen. Dafür wurde ideologisch ein Clash der Kulturen heraufbeschworen. Es folgten Kriege in Lybien, Syrien, Jemen und weiteren arabischen Ländern, nicht jedoch mit Saudi-Arabien, obwohl Bin Laden von hier stammte und der Salafismus ein Kind des extremen saudischen Islams ist.

Alle Kriege stellen eine Machtdemonstration des militärisch-industriellen Komplexes dar. Wenn ich mir den BND-Schindler angucke, habe ich bei dem den Eindruck einer Genugtuung, denn sein Machtbereich wächst jetzt.

In diesem Zusammenhang passt die Kriegsrhetorik, denn sie ist Teil der Wirklichkeit. Der entfesselte Krieg in den arabischen Ländern schwappt nun auf die NATO-Länder über. Ich denke schon, dass es sich hier um ein Dispositiv des militärisch-industriellen Komplexes handelt, denn die Kriege, der Pseudo-Clash, erfüllen gleich mehrere Zwecke.

Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, bloß die militärische Logik zu verdrängen und zu verurteilen, wie wir es bereits seit Jahrzehnten tun, und eine zivile Friedenslösung zu propagieren. Ist das nicht Augenwischerei, angesichts der enormen Stärke des militärisch-industriellen Komplexes und seiner autoritär-faschistischen Strippenzieher? Ist das nicht so, als würde man die Gewalt des Faschismus, die eine Gewalteskalation hervorruft, beklagen, ohne eine wirksame Strategie gegen diese Gewalt zu haben?

Putin und Assad haben meiner Meinung nach schon Recht, wenn sie beklagen, dass der Westen sich seine Probleme und Kriege selbst schafft, eine Verlängerung des kalten Krieges, die Entfachung von Stellvertreterkriegen. Die antirussische Propaganda in den deutschen Medien scheint dabei ein Teil der Gewalt des militärisch-industriellen Komplexes der NATO.

Princess_Myshkina 24.03.2016 | 12:25

Vielen Dank für diesen Beitrag und die weisen Worte, die leider eh kaum einer wird hören wollen!

Am Gefährlichsten finde ich die Hartnäckigkeit, mit der das Mantra von "Verteidigung der "westlichen Werte"" wiederholt wird, jedesmal, wenn wieder Blut geflossen ist. Nichts gegen die sog. Freiheit, die im Idealfall kein Wert, sondern ein Zustand sein sollte, aber welche Freiheit wird eigentlich genau gemeint und was wird daraus gemacht? Die Freiheit, alles und jeden durch den Dreck zu ziehen? Etwa die Freiheit der Beleidigung von Heiligtümern anderer, die damit gerechtfertigt wird, dass wir jederzeit gern bereit sind, uns auch selbst mit Dreck zu begießen, begleitet von geisteskrankem Gelächter? Nach dem Motto, „Die Bereitschaft zum Masochismus ist die beste Berechtigung für Sadismus“?

Naja, woher soll der Respekt gegenüber den Gefühlen anderer denn auch kommen, wenn man als "westlicher Bürger" nur dann seelenruhig schlafen kann, wenn man den Zynismus und die (Selbst-)Entfremdung richtig verinnerlicht hat, die dafür nötig sind, erst jahrelang dem Zerbomben anderer Länder nur schulterzuckend zusehen zu können, um dann scheinheilig Flüchtlinge aus eben diesen Ländern aufzunehmen (um später ebenso unbeteiligt zuzusehen, wie sie aus ihren Heimen ausgeräuchert werden von Rudolf Borchardts Pawelkes, die aus dem Winterschlaf zurück sind)? Worin bestehen eigentlich diese unsere Werte, die die Einbombung der „Demokratie“ (mit dem Nebeneffekt des wirtschaftlichen Wachstums) offenbar legitimieren, außer in dem Recht (oder sogar der Pflicht?) die Propheten anderer bspw. durch Karikaturen zu beleidigen und den Religionen anderer Kulturen in abfälligster Weise das Existenzrecht abzusprechen? Natürlich ist es schön, alles sagen zu dürfen, aber wäre es denn nicht auch schön, vorher nachzudenken?

"Wir lassen uns nicht einschüchtern!"... Richtig, wir lassen uns lieber in die Luft jagen... Denn das Recht auf gesellschaftlich unterstütze und politisch geförderte Beleidigung anderer Kulturen ist uns offenbar mehr Wert als das menschliche Leben. Na, wenn das kein lupenreiner Fanatismus ist...

Als kurzfristigste Maßnahme, um weiterem Terror vorzubeugen, wäre daher vielleicht angebracht, erst einmal kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Aber solange Nachfrage nach Gießöl besteht, bringt es ja kein Kapitalist übers Herz, das Angebot einzustellen (sorry für den Kalauer).

Es gibt andere Wege, um nach dem verlorenen (oder nie dagewesenem) Gefühl der Freiheit zu suchen, als der Blasphemie zu frönen oder alles und jeden auszulachen, weil nichts und niemand mehr irgendetwas wert ist. Aber das Thema Wert in einer Wegwerfgesellschaft ist ein separates Thema...

Moorleiche 24.03.2016 | 12:55

"Die Freiheit, alles und jeden durch den Dreck zu ziehen? Etwa die Freiheit der Beleidigung von Heiligtümern anderer, die damit gerechtfertigt wird, dass wir jederzeit gern bereit sind, uns auch selbst mit Dreck zu begießen, begleitet von geisteskrankem Gelächter?"

Ist denn das die einzige Freiheit, die Ihnen einfällt? Gibt es wirklich nichts, was Sie an unserer Lebensart schützenswert finden? Alles nur Müll und Verlogenheit?

Princess_Myshkina 24.03.2016 | 14:31

Zunächst mal: am Schützeswertesten finde ich das menschliche Leben. Aber die Klagen um die Toten hört man hierzulande ja erst, wenn europäisches Blut fließt. Solange "die anderen" massenweise umgebracht werden, hält sich die Empörung sehr in Grenzen.
Die einen statten im eigenen wirtschaftlichen Interesse schwer benachteiligte Elemente aus ohnehin krisengebeutelten Regionen mit der zum Morden notwendigen Ideologie aus, die anderen mit Waffen, und die Resultate dieses geopolitischen Treibens werden einfach mal dem Islam als Lehre in die Schuhe geschoben. Dann wird dieser auch noch komplett für die Religion des Bösen erklärt (eine für alle verständliche Erklärung der Misere muss ja irgendwie her), wodurch noch mehr moralisch desorientierte und finanziell benachteiligte junge Menschen in die Arme der Terroristen und weg von dem eigentlichen Islam getrieben werden. Und jetzt schwappt das Feuer, das woanders schon lange lodert, auch auf unser geliebtes freies Abendland über. Und die Gründe für die Neigung zum Brandstiften liegen nicht etwa in der Religion, sondern darin, dass die Menschen keine ordentliche Existenzgrundlage haben, weder die Terroristen "dort", noch die "Wutbürger" "hier". Was die materielle Grundlage angeht, so ist Hartz IV entgegen der Berechnungen des "Tagesbedarfs einer Lebensgemeinschaft" keine zufriedenstellende Lebensgrundlage, weil der Mensch sein Glück nicht daran mißt, was er hat, sondern, was die anderen im Vergleich zu ihm haben. Und was die geistige Grundlage angeht, siehts auch nicht besser aus: einen richtigen, nicht nur theoretisch möglichen, Zugang zur Bildung soll das Volk ja eh nicht haben, sonst wagt es noch, sinnvolle Fragen zu stellen. Arbeitsplätze für die einheimischen Arbeitslosen haben wir schon lange nicht - die Produktion ist ja im Ausland viel billiger: was heute läuft, ist die Ausbeutung des Ausländers durch den Menschen, soz., wenn Sie die Paraphrasierung gestatten.

Mir tut jeder, wirklich jeder konkrete Mensch leid, der sterben muss, weil die Politik es nicht schafft, seine Bürger, aber auch die Bürger anderer Länder vor dem Tod (und Leid und der Verarmung) zu schützen. Und wer schützen will, betreibt nicht etwa noch mehr gezielte Provokation, sondern handelt vorsichtig und überlegt und stellt als erstes alles ab, was man sofort abstellen kann, und macht sich als nächstes an die größeren Probleme, die dahinter stehen, um die Situation langfristig zu beeinflussen und die Welt nach und nach ins Gleichgewicht zu bringen. Stattdessen wird die Aggressionsbereitschaft noch angefochten, worum es ja auch im Artikel geht. Hat die Politik denn keine hoch gebildeten, vom Steuerzahler gut bezahlten Berater mit der Fähigkeit zur elementaren Voraussicht? Und wenn ja, wo sind dann ihre klugen Ratschläge?

Und natürlich weiß ich noch mehr an dem Leben in Europa zu schätzen, sonst würde ich hier ja auch nicht leben, und ich lebe sehr gerne hier, aber man muss nicht alles gutheißen und man wird ja auch noch kritische Fragen stellen dürfen. Und zu Ihrer Frage: schlimm genug, dass dies (das Mit-dem-Dreck-begießen) überhaupt zu erklärten Freiheiten zählt. Etwas guter Geschmack würde oftmals nicht schaden. Warum der gute Geschmack hierzulande weniger Schutz genießt als Blasphemie, ist auch so eine Frage, die mal gestellt werden sollte, aber offensichtlich nicht mehr gestellt werden darf, ohne dass man gleich selbst des Terroristenverstehertums beschuldigt wird.

GEBE 24.03.2016 | 15:55

Eine kluge Antwort zu einem ebenso klugen Eingangskommentar oben.

Einen Mangel weist er jedoch auf: "... weil der Mensch sein Glück nicht daran mißt, was er hat, sondern, was die anderen im Vergleich zu ihm haben ..." - und das ist diese Behauptung der Prämisse des Menschen als Mangelwesen. Das trifft nur zu in den Fällen materieller, neurotisch-narzißtischer und aspiritueller Welt- und Lebenssicht.

iDog 24.03.2016 | 16:09

"Hat die Politik denn keine hoch gebildeten, vom Steuerzahler gut bezahlten Berater mit der Fähigkeit zur elementaren Voraussicht?"

Bei Hannah Arendt lesen wir zB : "Eichman war von empörender Dummheit." und sie schreibt auch, es sei nicht nicht etwa "die Magie des Bösen" am Werke, sondern "charakterliche Leere" ....

Es ist symtomatisch für das herrschende Gesellschafts- und damit Wirtschaftssystem, dass solche Menschen zu den höchten "Verwaltungsbeamten" der Eigentümerelite gemacht werden müssen ...

karamasoff 24.03.2016 | 16:56

Aber wo sind die Antworten?

Ich zitier mal kurz eine:

"M. Frieser (CSU): Die Leitkultur ist, was wir als christlich-jüdisches Abendland bezeichnen...

M. Friedman: Lassen Sie mich mal raus...Tun Sie mir einen Gefallen! Sie wollen mir doch nicht sagen, daß es eine christlich-jüdische Kultur gibt? - da kann ich nur sagen, als Jude : 2000 Jahre Verfolgung, dazwischen ein bischen Pogrom, Blutspruen - das ist doch kein Vorbild...

M.Frieser (CSU): Lenken Sie nicht vom Thema ab."

Das ist zwar auch nur eine Antwort, aber es ist eine. Mit deutlichen Kulturhinweisen. Liebenswerterweise entlockt von M. Friedman.

Mühlenkamper 24.03.2016 | 17:19

Jedenfalls hilft die historische Relativierung bisweilen zur Nüchternheit. Zu Molenbeek fiel mir noch auf, dass einer der Attentäter dort vier Monate hat Unterschlupf finden können, ohne von der Obrigkeit entdeckt zu werden. Also gibt es noch (Stadt-)Räume, die sich der ausgefeilten Überwachungstechnik und den sonst geläufigen Mechanismen entziehen können. Sind das deswegen schon Freiräume? Wird hier der "kommende Aufstand" vorbereitet? Vielleicht sollte man auf diese Gegenden auch mal einen positiv gestimmten Blick werfen - bevor am Ende die Immobilienentwickler die Sache wieder in die Hand nehmen.

janto ban 24.03.2016 | 17:53

Diesen Link habe ich gestern hier irgendwo gefunden. Titel: "Warum Linke mit dem radikalen Islam sympathisieren". Ziemlich guter Text auf Tichys ansonsten "liberal-konservativer Meinungsseite". Nur macht die Autorin den Fehler, den ich auch immer mache: Sie setzt Linke nicht in Anführungsstriche. Noch besser hätte sie "Freitagslinke" geschrieben. Was das ist, konnte vom ollen Grote seinerzeit zwar nicht abschließend geklärt werden. Aber wat soll's.

janto ban 24.03.2016 | 18:07

Wir in NRW integrieren seit vieeelen Jahrzehnten nicht nur als fremd Empfundene, sondern sogar waschechte Fremde. Klappt im Großen und Ganzen supi. Noch nicht gut genug, um die faschistoiden Massenmörder alle mit zu integrieren, das stimmt. Doch ist die Existenz alles lebens- und liebensWerten hierzulande erst einmal in den Staub geleugnet, geht's ganz schnell. Kann nicht mehr lange dauern.

karamasoff 24.03.2016 | 18:24

"Was das ist, konnte vom ollen Grote seinerzeit zwar nicht abschließend geklärt werden"

Der hat sich ja anscheinend auch deswegen hier verdünnisiert, weil er nichts mehr klären wollte oder konnte oder beides. Man nennt das auch antworten auf Fragen, ergo Antworten

Warum Pseudo-Linke mit dem Islam sympathisieren kann ich beantworten:

Es fehlt entweder an genug Hirnsubstanz und Willen für kategoriale Kritik oder man verfolgt das gleiche Ziel wie einige andere Pseudo-Linke auch. Man verteidigt den status quo samt den Penunzen und Konservendosen die dran hängen. Da fehlt dann nicht mehr viel und man wird zum Elsässer oder Poschardt.

Daß der Islamismus westliche Werte bekämpft kann er dem Pferd erzählen. Der ist genauso viel am Islam interessiert wie der Westen an Werten. Das erklärt wohl auch die gemeinsame monetäre Basis.

Übrigens witzig, daß Claudia Roth mit Kopftuch ("in den Köpfen der Linken) zu einem Text übers Sympathisieren von Linken mit dem Islam als Bild gewählt wurde. Ausgrechnet die. Das zeugt von gereifter politischer Erkenntnis. Claudia Roth ist ungefähr so links wie 99% der FC und die Antideutschen zusammen.

Und nein, ich will Sie damit nicht angreifen, auch nicht Ihre Positionen. Zumindest Teile davon. Die kann ich sogar nachvollziehen und verstehen UND es ist eine Antwort. Aber nur eine. Immerhin.

Bönni 24.03.2016 | 18:24

Super Artikel... schon mit ihrem ersten Satz entlarvt sich die Autorin als reaktionär indem sie pauschal Linke verunglimpft... "Warum verteidigen die Linken muslimische Fanatiker ...", ich habe noch keinen einzigen noch so weit links stehenden gesehen der sich öffentlich mit Terroristen gemin gemacht hat, nur das ist ja unter "muslimische Fanatiker" zu verstehen aber die Autorin bezweckt ja eigentlich wie alle diese Stereotypen alá Tichy folgendes: Terror = Muslim, Koran, Kopftuch

janto ban 24.03.2016 | 19:06

|| Claudia Roth ist ungefähr so links wie 99% der FC und die Antideutschen zusammen. ||

:o) O ha. Das klingt nach Sammelklage. Beten Sie, dass SG21 sich nicht auch dran beteiligt, sonst haben die das nötige Kleingeld ruckzuck zusammen :o) (I made my day ;o)

Boah, wie bin ich denn drauf..? Muss mich erst mal beruhigen. Liegt bestimmt an den kommenden vier Tagen dienstfrei, die auf mich warten.

|| Daß der Islamismus westliche Werte bekämpft kann er dem Pferd erzählen. Der ist genauso viel am Islam interessiert wie der Westen an Werten. Das erklärt wohl auch die gemeinsame monetäre Basis. ||

Grmpf. Mir liegt was an den Werten. Und ich bin ja irgendwie auch Westen.

Mist. Warum nur darf ich die Werte nicht ohne den ganzen Scheiß haben..? Das muss doch irgendwie möglich sein. Da überlege ich über Ostern mal dran und teile die Ergebnisse dann weltexklusiv mit. Nur hier beim Freitag.

Papperlapapp. Der Kommentar gefällt mir. Nur eine Antwort, immerhin - daswird ihm nicht gerecht.

Liebe Grüße!

janto ban 24.03.2016 | 19:15

Oh, der ging bestimmt an mich.

|| Super Artikel... ||

Sag' ich doch. Aber ernsthaft:

Von "Muslim, Koran, Kopftuch" hat niemand was gesagt. Ich bin also täglich vor Kindergärten unterwegs. Von den Damen mit Kopftuch, die mir da so begegnen, hat sich noch keine in die Luft gesprengt. Und mich auch nicht. Die bringen nur ihre Kinder. Oder holen sie ab. Je nachdem. Und immer öfter grüßen sie sogar zurück, wenn ich "Hallo" oder "Guten Morgen" sage. Lächelnd mitunter. In aller Öffentlichkeit. Das muss man sich mal vorstellen. Und da behaupten plötzlich alle, wir kämen mit der Integration nicht voran. Das ist aus meiner Sicht also grundfalsch.

30sec 24.03.2016 | 19:27

Terroranschläge, wie in Brüssel verübt, sind in den von der Koalition der Willigen (KdW) in Jahrzehnten verheerten Regionen hundertfach geschehen und dennoch wird deren Opferzahl bei den "Operationen" der KdW weit übertroffen.
Die deutsche Sektion der IPPNW ( International Physicians for the Prevention of Nuclear War) sprach am 15. Januar 2016 mit Abgeordneten des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe über die immense Opferzahl durch den sogenannten "Krieg gegen den Terror".
Das Urteil der IPPNW:
"Wenn das Recht auf Leben das wichtigste Menschenrecht ist, stellt der sogenannte "Krieg gegen den Terror" ein massives Menschenrechtsproblem dar und muss daher beendet werden."

Graf von Sponeck, während des Krieges Koordinator des humanitären UN-Programms für den Irak, begleitete die IPPNW-Delegation und berichtete über das Desinteresse der kriegführenden Staaten an der Zahl der Opfer sowie über systematische Desinformation zu Gründen und Folgen des Krieges.

Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror"

karamasoff 24.03.2016 | 20:00

"Von den Damen mit Kopftuch, die mir da so begegnen, hat sich noch keine in die Luft gesprengt. Und mich auch nicht. Die bringen nur ihre Kinder. Oder holen sie ab. Je nachdem. Und immer öfter grüßen sie sogar zurück, wenn ich "Hallo" oder "Guten Morgen" sage. Lächelnd mitunter. In aller Öffentlichkeit. Das muss man sich mal vorstellen. Und da behaupten plötzlich alle, wir kämen mit der Integration nicht voran. Das ist aus meiner Sicht also grundfalsch."

Das ist ja auch Parallelgesellschaft. Das richtige Leben im Richtigen quasi. Da sollte man auch den Rückwärtsgang verbieten^^.

miauxx 24.03.2016 | 20:17

Mit allem im Wesentlichen einverstanden. Ich wollte auch gar nicht auf der Bezeichnung "Krieg" für die Terrorsituation bestehen. Denn den juristischen Umriss von "Krieg" trifft diese tatsächlich nicht oder nur sehr bedingt. Gleichwohl ist ein Krieg aber auch immer eine Entartung politischer Mittel; genaugenommen ist es doch ein Hohn, dass es so etwas wie ein Kriegsrecht, Konventionen zu Kriegsgefangenen usw. gibt. NB: Heute erst habe ich als Schlagzeile gelesen, dass die Brüsseler/Pariser Attentäter eventuell die "schmutzige Bombe" wollten; sie hätten sich bei Atomanlagen umgesehen. Ja, wo leben wir denn? Gibt es auch saubere Bomben?

Also, eine Entartung der Mittel. Wenn man nun einmal in Rechnung stellt, dass dieser Terror nicht auf dem Niveau von Klingelstreichen o.ä. gelangweilter "Rotznasen" anzusiedeln ist, sondern knallharte Ursachen hat, dabei die Dimension politisch-gesellschaftlicher Ziele annimmt und aus einer funktionalen, hierarchischen Administration heraus gelenkt und ausgestattet wird, so kommen wir der Bedeutung von Krieg ja doch ein gutes Stück nahe. Darauf wollte ich hinaus. Ihr Begriff "Rotznasen" banalisiert die Situation aber auch; es handelt sich hier längst nicht um Straßengangs aus den Banlieues, Molenbeek oder Berlin-Neukölln. Und auch wenn es kaum noch anzuhörende Phrasen der Politiker sind: Der Terror zielt konkret auf den Westen und eine EU und ihr System. Es wird nicht einfach nur mal jemand umgelegt.

iDog 24.03.2016 | 21:14

oder man fragt sich einfach : cui bono ... um wessen Sicherheit geht es?

Um die der Bevölkerungen ganz offensichtlich ja nicht.

Es gibt in den Usa reichlich Untersuchungen daszu , dass seit 2001 , dem patriot act , homeland security etc. kaum ein Terroract verhindert wurde , obwohl der Aufwand alles dagewesene weit übertrifft, während an so banalen und selten Unfällen wie Blitzschlag immer noch mehr Menschen sterben als am sogenannten Terrorismus ...

Mir scheint hier ist widersinniger Weise eine ökonomisch-politische Betrachtung weit sinnvoller als eine der gesellschaftlichen Sicherheit, welch ja auch in viele anderen Bereichen durch die Praktiken de Ökonomie weit mehr gefährdet ist, als durch simplen Terrorismus ...

Eine grandiose Ablenkung vom Wesentlichen also, würde ich mal sagen ...

iDog 24.03.2016 | 23:34

"... das setzte Absicht voraus."

sicher gibt es keine allumfassende Absicht, aber im kapitalistischen Detail gibt es die natürlich überall. Nimmt man mal die NSA als Beispiel. Es gibt wahrscheinlich keine andere bekannte IT "Anlage", die größer ist. Diese Größe dient letztendlich zu nichts mehr als nur groß zu sein. Effektiv im eigentlichen Sinn kann die nicht mehr sein. Es ist in gewisserweise absichtsvoller Konsum von IT Komponenten unter der vorgeblichen Doktrin des technisch Machbaren. Meine Gute kann man da zB Speicher verkaufen ... ohne Ende. Ich meine, das der vermeintliche Sinn von politischem Aktivismus immer mehr genau in dieses rein Warenhafte hineinreicht , was dann auch der unzweifelhaften Privatisierung des politischen Raums entspricht.

Pregetter Otmar 24.03.2016 | 23:53

cui bono? Das fragst DU noch ... :-)

Bei uns - da hob es mich aus der Spur, was eher selten der Fall ist - wurde die Staats-Sichwerheit exact nach dem Vorbild der USA "privatisiert"?! Und das mitten in der schönen Steiermark - also ein Lager, ein Heim für Flüchtlinge wird privaten Firmen anvertraut + die Administration dazu - genau jene Tätigkeiten die ausnahmslos in die staatl. Verantwortung gehören.

Sie erhlaten je Flüchtling zw. 3-3.500,- je Monat - und fahren so um die 3-5 Mio, Gewinn ein - aber jetzt kommts erst:

der langfristige "Sicherheitsvertrag" den die Gemeinde mit dem Konzern abschloss, inkludiert einen ebenslangen Kündigungsverzicht ... !!!

Das muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen.

miauxx 25.03.2016 | 00:12

Private Betreiber von Flüchtlingsheimen - Geschäft, Geschäft - gibt es in D auch zu hauf. Und damit auch, zumindest weiß ich das von Berlin, jede Menge entsprechenden Ärger.

"der langfristige "Sicherheitsvertrag" den die Gemeinde mit dem Konzern abschloss, inkludiert einen ebenslangen Kündigungsverzicht"

Das schlägt allerdings dem Fass den Boden aus! Von so etwas habe ich bisher noch nicht gehört.

Der Senat von Berlin wollte nun ja auch McKinsey ein Flüchtlingskonzept erarbeiten lassen - freihändig vergeben, ohne Ausschreibung! Das hatte so viel Trouble verursacht, dass die Berater sich sogar von selbst wieder zurückgezogen haben ...

Pregetter Otmar 25.03.2016 | 00:22

Den Vertrag gibts schon seit ein paar Jahren aber erst letztes Jahr ging es quer durch alle Medien - es ist Usus des Inneministeriums und die Gemeinden kassieren eine Provision und schneiden mit?!

Der Kündigungsverzicht ist Bestandteil des Deals, damit sich der Konzern auch langfristig ausrichten kann? Häh?

Das Gebäude wird auch zur Gänze von der Gemeinde zur Verfügung gestellt usw.

Also alles was die USA vormachen, machen wir Idioten nach.

In Berlin gibts eine breite Öffentlichkeit, aber in einer Stadt am Land mit ca. 7000 Einwohnern und die regionalen Medien wusste auch nix davon. In Österreich beginnt nicht nur der Balkan - sondern er war dort immer zu Hause.

mymind 25.03.2016 | 01:37

Das ist ein ´Bombengeschäft´

_ was kürzlich ein befreundeter Architekt erfahren hat, der vor ein paar Wochen darauf angesprochen wurde, ob er auch Flüchtlingsunterkünfte planen würde. Als er meinte, dass er noch keine Projekte in diese Richtung realisiert hat, bezeugte ihm sein Gegenüber wörtlich, das sei ein ´Bombengeschäft´. Der Architekt hat nach diesem Wort gleich abgesagt. Das tun nicht alle & manch skrupellose Nieten machen sich dann selbständig…

Ein anderes Beispiel was ich im Radio gehört habe:

Flüchtlinge werden z.B. in einer 4-Zimmer-Genossenschafts-Wohnungen untergebracht, deren Miete normalerweise ca. 900 € kostet. Dort werden 6 Personen einquartiert, pauschal gibt es offensichtlich pro Person 1.500 € Unterstützung für die Wohnungsmiete, was für die Genossenschaft zu einer Mieteinnahme von 9000 € führte.

Das sind schon ziemlich irre Ausgaben, mit denen die Merkelsche ´Wir schaffen das´ -Politik auf Biegen & Brechen durchexerziert wie finanziert wird. Aber woher kommt eigentlich das Geld in die soziale Unterstützung der gewachsenen Bundesrepublik Deutschland, das in der Vergangenheit offiziell so selten da war? Offensichtlich hat Merkel den geheimen Tresor von Dagobert Duck in einem der Bunker entdeckt, in dem auch die Waffen mit den atomaren Sprengköpfen gelagert werden…

Damit würde sich der Kreis auch schliessen...Nur nicht für uns...

biggerB 25.03.2016 | 04:03

"Der Westen hat sich die Logik des Krieges aufzwingen lassen."

-----------------------------------------------------------------------

Sorry! Aber "der Westen" hat doch die Logik des Krieges erst in jene Länder exportiert, aus denen uns der Terror jetzt entgegenschlägt. Nur hat der "Verkauf von Krieg" als Lösungsmittel aller irdischen Probleme nicht funktioniert!

Wie sollte er auch, bei den Opfern, die er seit jeher hervorbringt?

Und mit jeder Kiste Munition die "wir" exportieren, mit jedem in den fernsten Osten der Türkei zwangsrückgeführten, abgelehnten Asylbewerber und seine INTERNIERUNG, wird sich die Zahl jener erhöhen, die "den Westen" hassen.

Zurückweisung, Ausgrenzung, Ausbeutung und unsere offensichtliche Verweigerung VERANTWORTUNG für die OPFER unserer Politik zu übernehmen, wird auf uns zurückfallen.

MfG

biggerB

biggerB 25.03.2016 | 04:06

"Der Westen hat sich die Logik des Krieges aufzwingen lassen."

-----------------------------------------------------------------------

Sorry! Aber "der Westen" hat doch die Logik des Krieges erst in jene Länder exportiert, aus denen uns der Terror jetzt entgegenschlägt. Nur hat der "Verkauf von Krieg" als Lösungsmittel aller irdischen Probleme nicht funktioniert!

Wie sollte er auch, bei den Opfern, die er seit jeher hervorbringt?

Und mit jeder Kiste Munition die "wir" exportieren, mit jedem in den fernsten Osten der Türkei zwangsrückgeführten, abgelehnten Asylbewerber und seine INTERNIERUNG, wird sich die Zahl jener erhöhen, die "den Westen" hassen.

Zurückweisung, Ausgrenzung, Ausbeutung und unsere offensichtliche Verweigerung VERANTWORTUNG für die OPFER unserer Politik zu übernehmen, wird auf uns zurückfallen.

MfG

biggerB

denkzone8 25.03.2016 | 05:49

wenn der rote senator erzählt (bei einem herben rioja):

ein leben wie in israel ist kein leben...das staats-volk israels hat sich demokratisch im kontrollierten kriegs-zustand eingerichtet.

nur mit diesem öl ist das schlaraffenland zu führen..das schlaraffenland ist für die übergroße mehr-heit dadurch gekennzeichnet, daß sie sich verdingen müssen, um an geld für ihr überleben und das ihrer brut zu kommen. und durch ihre arbeit reproduzieren sie tag für tag reichtum und macht in wenigen privaten händen.

und ermöglichen durch ihre demokratische zu-stimmung das handeln ihrer regierungen.

aber eine direkte folge eines wir-handelns seh ich trotzdem nicht.

wir erleben die üblen schattenseiten unsrer spaßgesellschaft.

spricht hier der mann moses und feiert das gericht gegen die sündigen gott-losen?

oder äußert sich hier bloß angewidert eine obskure kultur-kritik?

denkzone8 25.03.2016 | 06:14

sich als überflüssig erlebende rotznasen sind das material für attacken auf zivil-lebende menschen, die ihren frieden mit dem system gemacht haben oder keine alternative für sich sehen.

die aussperrung/selbst-ausschließung kann in auto-aggression, sucht-mittel-gebrauch oder kriminellem/gesellschafts-schädigendem enden.

über-wertigkeits-erziehung(machismo) ist ein traditonelles resultat patriarchalischer gesellschafts-ordnung, die kriegs- und beute-züge vorsieht, das privileg der männlichkeit pflegt.

denkzone8 25.03.2016 | 06:30

die hoffnung auf ein bildungs-system setzen, das seinen namen verdient, wird wohl zu kurz greifen:

die gesellschaftliche zurück-setzung von menschen, die im privat/öffentlichen konkurrenz-system als überflüssig aus-geschieden werden, trifft primär bildungs-ferne mit wenig(ererbtem) kulturellem kapital.

in gesellschaften, in denen erfolg und anerkennung im wesentlichen auf privat-initiative gründet, eine fatale angelegenheit.

Moorleiche 25.03.2016 | 10:23

Hallo Princess_Myshkina.

Sorry, dass es etwas dauerte, musste arbeiten.

Aber die Klagen um die Toten hört man hierzulande ja erst, wenn europäisches Blut fließt. Solange "die anderen" massenweise umgebracht werden, hält sich die Empörung sehr in Grenzen.“

Stimmt schon, aber in Indien oder Brasilien wird auch keine Staatstrauer ausgerufen, wegen der belgischen Anschläge. Je mehr größer die räumliche oder ideologische Nähe, desto schlimmer findet man gewöhnlich solche Verbrechen.

Die einen statten im eigenen wirtschaftlichen Interesse schwer benachteiligte Elemente aus ohnehin krisengebeutelten Regionen mit der zum Morden notwendigen Ideologie aus, die anderen mit Waffen, und die Resultate dieses geopolitischen Treibens werden einfach mal dem Islam als Lehre in die Schuhe geschoben.“

Eine etwas simple Lesart. Als könne man Ideologie mal eben so exportieren. Das können Sie besser.

Dann wird dieser auch noch komplett für die Religion des Bösen erklärt ...“

Aber längst nicht von allen. Es gibt ja lang und breit Kontroversen genau hierüber. Ich halte weder Religionen im Allgemeinen, noch den Islam im Besonderen für „böse“ und ich bin da längst nicht der einzige.

„… wodurch noch mehr moralisch desorientierte und finanziell benachteiligte junge Menschen in die Arme der Terroristen und weg von dem eigentlichen Islam getrieben werden.“

Ja, und auch das wird ja hier an jeder Ecke thematisiert.

Und jetzt schwappt das Feuer, das woanders schon lange lodert, auch auf unser geliebtes freies Abendland über.“

Wieso so zynisch? Mögen Sie das Abendland nicht? Dahin gingen ja meine Fragen.

Und die Gründe für die Neigung zum Brandstiften liegen nicht etwa in der Religion, sondern darin, dass die Menschen keine ordentliche Existenzgrundlage haben, weder die Terroristen "dort", noch die "Wutbürger" "hier".“

Nee, das ist auch zu monokausal. Heinsohn sagt, um Brot würde gebettelt, um Posten geschossen. Terroristen sind nicht die Ärsmten der Armen, sondern eher Menschen ohne soziale Perspektive. Die haben Essen, Samrtphone, Labtop, sind manchmal sogar gebildet (haben Sie nen Pilotenschein und ein Ingenieursstudium?), das Spektrum ist nicht so eng. Natürlich müssen wir Sümpfe trocken legen, also helfen, auf sozial Ausgegrenzte zugehen, eben nicht in falsch verstandener Toleranz wegschauen, usw. Aber zu einfach sollte man es sich nicht machen und nach wie vor, gibt einem soziales Abgehängtsein nicht das Recht, mal eben ein Kino zu sprengen.

Was die materielle Grundlage angeht, so ist Hartz IV entgegen der Berechnungen des "Tagesbedarfs einer Lebensgemeinschaft" keine zufriedenstellende Lebensgrundlage, weil der Mensch sein Glück nicht daran mißt, was er hat, sondern, was die anderen im Vergleich zu ihm haben.“

Über all das kann und muss man reden, aber das deckt längst nicht alles ab. Und es stimmt schon, man muss auch die Rolle und Bedeutung des Stolzes in anderen Kulturen mit berücksichtigen und ihnen nicht um die Ohren hauen, dass das doch antiquiert sei.

Mir tut jeder, wirklich jeder konkrete Mensch leid, der sterben muss, weil die Politik es nicht schafft, seine Bürger, aber auch die Bürger anderer Länder vor dem Tod (und Leid und der Verarmung) zu schützen.“

Den Terroristen aber nicht. Könnte daran liegen, dass Sie abendländisch geprägt sind, was meinen Sie?

Hat die Politik denn keine hoch gebildeten, vom Steuerzahler gut bezahlten Berater mit der Fähigkeit zur elementaren Voraussicht?“

Angesichts gravierender Fehler über all die Jahre, muss man sich irgendwann mal von der Idee frei machen, dass gut bezahlte Berater tatsächlich sonderlich viel wissen. Oft kommen gerade aus Think Tanks katastrophale Fehleinschätzungen, bei denen man sich wüschen würde, die Leute hätte lieber ein Buch von Scholl-Latour gelesen. Es gibt wirklich ein paar Gute, was aber immer noch nicht heißt, dass auf die auch gehört wird. Ist aber auch ein eigenes Thema.

Und zu Ihrer Frage: schlimm genug, dass dies (das Mit-dem-Dreck-begießen) überhaupt zu erklärten Freiheiten zählt.“

Tut es das denn? Ich ahne so grob, was Sie meinen, aber für eine – auch in meinen Augen dringend nötige – Selbstkritik, müsste das schon mehr ausformuliert werden. Ich glaube, dass es einiges gibt, bei dem wir uns an die eigene Nase packen müssen, aber auch einiges, was wir einfordern und kritisieren dürfen und müssen. Vieles bei uns ist erstklassig, schade nur, dass wir unsere Werte oft selbst durchs Klo spülen und zweitens, bei den „anderen“ oft das kritisieren, was wir ganz gut gebrauchen könnten.

Mit anderen Worten, ich gehöre zu den Irren, die ernsthaft glauben, von den Moslems etwas lernen zu können, statt ihnen ständig Tipps zu geben, wo sie als nächstes nachbessern müssen.

Warum der gute Geschmack hierzulande weniger Schutz genießt als Blasphemie, ist auch so eine Frage, die mal gestellt werden sollte, aber offensichtlich nicht mehr gestellt werden darf, ohne dass man gleich selbst des Terroristenverstehertums beschuldigt wird.“

Ja, das sind m.E. gute, richtige und wichtige Fragen, aber formulieren Sie doch mal aus, was genau sie da meinen. Diese Diskussionen brauchen wir, sie sind es die bei all dem Wertegefasel verweigert werden. Wir lesen Artikel darüber, wie gesund Spaziergänge im Wald sind, gehen aber nicht spazieren. Wir erzählen ständig etwas von unseren Werte, sind aber nicht bereit sie aufzuzählen und mal klar zu machen, welche wir bis aufs Blut verteidigen werden und welche vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind.

Diskussionen um schlechten Geschmack laufen bei mir vermutlich unter falsch verstandener Toleranz und ja, ein wichtiges Thema.

Moorleiche 25.03.2016 | 10:36

Mal etwas zugespitzt: Vielleicht haben wir gar kein Interesse, Menschen zu integrieren, die wir gar nicht haben wollen?“

Natürlich haben wir das nicht. Wir müssen, als „Wir“ als Gemeinschaft von Menschen, die für bestimmte Werte, Weltbilder, Vorstellungen, Lebensweisen und -wirklichkeiten stehen, notwendigerweise Grenzen ziehen, sozusagen systemische Grenzen. Es muss irgendwie klar sein, wer noch zu „uns“ gehört und wer nicht.

Dummerweise reagieren wir recht allergisch auf Menschen, sie es in unserem System (ich meine hier ausdrücklich nicht nur das Wirtschaftssystem) durch die Maschen fallen. Statt genau denen zu helfen, wenden wir uns ab und wollen mit ihnen nichts mehr zu tun haben. Wir müssen verstehen, warum das so ist, dann können wir drüber reden, ob das notwendg so sein muss.

Moorleiche 25.03.2016 | 10:51

Hallo Kürsche.

Ein besseres Angebot für die jugendlichen Bomber ist erst möglich, wenn in den westlichen Demokratien die Mehrheit sich als Gruppe sicher und stark genug fühlt, fremd Empfundene zu integrieren. Soweit ist es anscheinend noch nicht.“

Gute Antwort. Aus der kollektiven Verunsicherung muss Stärke und Sicherheit werden. Wir wissen aber oft nicht (mehr) wofür wir stehen, haben allenfalls vage Vorstellungen davon, was uns ausmacht. Was ist unser Markenkern? Haben wir einen? Wenn nicht, was wollen wir dann eigentlich verteidigen? Den deutschen Qualitäts-Döner? Unser christliches Abendland, was uns so sympathisch ist, weil man Christen verspotten kann, ohne geköpft zu werden? Worum geht’s? Um das Recht, dass jeder jeden durch den Kakao ziehen kann, wir folglich nichts und niemandem mehr ernst nehmen und uns darauf einen runterholen? Und Jahre später wundern wir uns, dass und warum wir nichts und niemanden mehr ernst nehmen. Quelle surprise. Wie konnte das passieren?

Sind das überhaupt Werte, jeden, jederzeit durch den Kakao ziehen zu können? Irgendwann kollidiert das doch auch mal mit der Menschenwürde, die uns so ungeheuer viel wert ist, außer bei Flüchtlingen. Ist eigentlich auch ne Frechheit von denen in der Nähe unserer Medien zu ersaufen, die könnten sich doch viel besser in Syrien umbringen lassen. Naja, immerhin, einige ringen mit diesen Fragen, andere haben das Problem erst gar nicht, so lebt es sich unbeschwerter.

Moorleiche 25.03.2016 | 10:55

"Klappt im Großen und Ganzen supi. Noch nicht gut genug, um die faschistoiden Massenmörder alle mit zu integrieren, das stimmt. Doch ist die Existenz alles lebens- und liebensWerten hierzulande erst einmal in den Staub geleugnet, geht's ganz schnell. Kann nicht mehr lange dauern."

... und das ist eben die andere Seite, die man auch nicht vergessen darf. Denn, huch, Europäer, ja sogar Deutsche sind ja tatsächlich auch Menschen. Wer hätte das gedacht?

Moorleiche 25.03.2016 | 11:20

"Die IS-Terroristen haben bereits das bestmögliche Angebot: Das Paradies. Sie haben auch das Zweitbeste: Die Verherrlichung ihrer Taten."

Richtig, aber nicht für jeden ist das attraktiv. Und nun beginnt die Wühlerei. Für wen und warum? Für wen nicht und warum nicht? Wie kriegt man Menschen der Gruppe 1 in die der Gruppe 2 oder verhindert von vorn herein den Weg in Gruppe 1?

Ratatörskr 25.03.2016 | 11:22

Ich denke, dass Ihre Einschätzung stimmt, schon deshalb, weil in unseren Schulen noch immer Religionen mitbestimmen, und zwar immer noch in ihrem eigenen, diktatorischen, politischen Machtanspruch.

Religionen und Kapitalismus haben nach meinem Eindruck seit jahrtausenden den selben Machtanspruch und kommen daher bestens miteinander aus. Das Christentum hat die Menschheit viel Leid und Geld gekostet. Selbst Hitler u. Rom kamen auf dieser Ebene gut miteinander aus und kämpften gemeinsam gegen den Kommunismus.

Ich kann mir keinen religiösen Sozialismus vorstellen und keinen religionslosen Kapitalismus! Marx u. Engels waren sich einig, dass man den Menschen ihren Glauben nicht nehmen kann. Religion ist Privatsache.

Aber vielleicht eine Demokratie, die die Religionen nur dann akzeptiert, wenn sie sich den Menschenrechten ohne Wenn und Aber verpflichten. Das könnte jedes Land nach seiner Kultur mit dem Respekt vor der persönlichen Glaubensfreiheit in ihren Verfassungen festlegen.

So könnten die Verführer vielleicht zurückgedrängt werden und auch die religiös-politische Gewalt als das verstanden werden was sie ist. Kriminelle Gewalt. Ist diese religiös-politische Verhetzung nicht das Gleiche wie der faschistische Exorzismus der RKK?

Diese unheilige Allianz von Politik, Kapital u. Religion ist die Wurzel der Kriege! Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir diese Allianz entwirren.

Moorleiche 25.03.2016 | 11:43

Aber vielleicht eine Demokratie, die die Religionen nur dann akzeptiert, wenn sie sich den Menschenrechten ohne Wenn und Aber verpflichten.“

Hier will ich dann mal reingrätschen. Haben wir die nicht? Ist nicht die Religion bei uns aktuell entmachtet, wie im Grunde nie zuvor? Und erleben wir heute, wo Deutschland vermutlich atheistischer als in den den letzten 1000 Jahren ist eine Sternstunde des Humanismus, der Demokratie, der kraftvollen Umsetzung der Menschenrechte, vor allem im zu 80% atheistischen Osten?

Irgendwie baumeln da lose Enden der Argumentation, die nicht zusammen finden wollen.

iDog 25.03.2016 | 12:24

"Und von Jan Philipp Reemtsma hören wir, Arendt sei Eichmann ganz einfach auf den Leim gegangen. Wer hat nun Recht?"

Wer hat nun Recht ist die falsche Frage. Die richtige ist ganz ohne jeden Zweifel : Weshalb hat Reemtsma es nötig oder weshalb will er Frau Arendt der Naivität überführen? Auch : Warum will er ihre Beurteilung nicht teilen? Und : Woher will er wissen was vorgefallen ist? War er vielleicht bei der Konfrontation zwischen Eichmann und Arendt dabei?

Sie sehen also : Da nähert man sich leicht einem Griff in die Scheiße.

Wenn sie mich fragen, und das tun sie ja, dann hat ein Reemstma es natürlich nötig eine einflußreiche und kapitalismuskritische Philosophin anzugreifen , und wenn er dabei die Relation von Kapital und Faschismus exponieren muss. Obwohl das ja das Kapital noch nie geniert hat.

Ratatörskr 25.03.2016 | 13:45

Und was genau ist unvereinbar?

Man kann doch glauben, dass Christus in den Himmel aufgefahren ist und trotzdem gerechte Löhne zahlen und die Menschenwürde achten.

Wenn der Papst aber nicht die Menschenrechtscharta unterschreibt, weil er keine "angeborene" Würde der Menschen anerkennt und deshalb "gottebenbildliche Barmherzigkeit" üben will, wird doch jeder denkende Mensch im 3. Jahrtausend nachdenklich!

Man kann ja nicht oft genug darauf hinweisen, dass der Papst aber für sich das "angeborene Recht" auf Vermögensbildung festgeschrieben hat.

Religiöse Menschenrechtsverletzungen wohin man schaut.

Bei uns ist die Religion nicht entmachtet und im Osten gab es keine 8o % Atheisten. Der Kommunismus lehnt die religiöse Einmischung in die Politik ab. Das sind keine kleinen Unterschiede.

iDog 25.03.2016 | 14:43

nee, das missverstehen sie ... meine Fragen an sie sind damit nicht beantwortet , das hätten sie vielleicht gerne ...

was die Kritik an Hannah Arendt angeht beinhaltet die von ihnen hervorgehobene Frage an den Forist Moorleiche nur die Tatsache , dass es sich bei Reemtmas Meinung auch nur um eine Interpretation, Textexegese handeln kann. Damiist seine Behauptung nicht nur schwach gegenüber der authentischen der Autorin, sondern meine Frage nach seinem Motiv zu der Behauptung bekommt damit eine zusätzliche politische Dimension. Ich nehme an sie können mir nun folgen.

Ich geh also bei meiner Frage davon aus, dass der Forist Moorleiche über entsprechende Informationen zu Reemtmas Beurteilung verfügt , die er dann hier einbringen wird, um meine Fragen zu beantworten.

Falls er aber keine weiteren Antworten oder Argumente zu seiner eigenen Frage, wer nun recht habe, beibringen kann, und weil seine frage ja absichtliche die Möglichkeit implizieret, Frau Arendt könne nicht Recht haben, muss man davon ausgehen , dass hinter dieser Frage von Forist Moorleiche auch eine bestimmte Absicht steht , möglicherweise dieselbe die Reemstma hatte an Frau Arendts Beurteilung zu zweiflen. Zweifelt Moorleiche etwa auch?

Um es mal beim Namen zu nennen : Es würde zB. darauf hinauslaufe , dass es eben nicht "empörende Dummheit" ist die in faschistischen Regims zur hervorragenden Qualität wird. Man fragt sich allerdings was einem Herrn Reemstma lieber wäre? ... und auch ob der sich schon mal mit der Staatsgewalt und/oder der Gewalt an sich soweit auseinandergesetzt hat , dass er sich klarmachen konnte, dass diese immer und in jedem denkbaren Fall ein Beweiß für Dummheit ist, da sie jeder Kommunikation , aueienadersetzung widerspricht, sich ausdrücklich nicht bemüht sieht sich in den andern Menschen, sein Gegenüber hineinzuversetzen etc. pp. Das aber schafft nur bodenlose Dummheit. Gewalt ist u.A. instituatiuoanlisierte Dummheit. Das wird in dem hier zur Debatte stehenden Thema leider nicht berücksichtigt.

Wir, ja wir alle lassen uns von genau dieser regieren und manupulieren , nicht nur wenn es um Themen wie die des Artikel hier geht. Von bodenloser Dummheit. Wieso eigentlich?

Das ist vielleicht eine Frage , die sie sicher zu beantworten wissen, oder vielleicht Forist Moorleiche.

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Ehemaliger Nutzer 25.03.2016 | 15:50

Ich könnte noch andere Fragen beantworten, aber hier gings es mir nur um das von Ihnen wohl unbewusst verwendete "Totschlagargument", was an den gesetzten Anführungszeichen erkennbar nicht als echtes Argument akzeptiert werden kann.

Warum wollen Sie Reemstma dessen Kompetenz und Urteilsfähigkeit absprechen oder zumindest bezweifeln, nur weil er selbst bei dem Treffen Arendt mit Eichmann selbst nicht anwesend war?

Das bedeutet nämlich im Klartext, niemand außer Arendt hat recht.

Bei Ihrer sonst erkennbar bis in den letzten Zipfel durchdachten Denke hat mich die Verwendung eines solch platten Arguments überrascht, nur deshalb habe ich es erwähnt, also nicht inhaltlich bezogen auf Ihren Diskurs mit der Moorleiche.

Meine Haltung zu Hannah Arendt können Sie an meiner gegebenen sehr aktuellen Verlinkung unschwer ablesen.

iDog 25.03.2016 | 16:15

"Warum wollen Sie Reemstma dessen Kompetenz und Urteilsfähigkeit absprechen oder zumindest bezweifeln, nur weil er selbst bei dem Treffen Arendt mit Eichmann selbst nicht anwesend war?"

Schwacher Versuch, sorry ... Ich will ihm nicht seine Urteilsfähigkeit absprechen, denn das geht praktisch nicht, er hat ja bereits geurteilt. Ich habe wie gesagt nur insitiert , dass es sich dabei lediglich um eine Auslegungssache handeln kann, denn er kannte Eichman offensichtlich nicht, wenn ich nicht irre. Und frage also nach dem Motiv für die Auslegung an sich. Es muss eins geben, denn rein inhaltlich ist ja , auch wie gesagt, nun zuallererst mal die Frage offen warum man Frau Arendt überhaupt in Frage stellen sollte, sie ist immerhin die reputierte Kompetenz zum Thema, und zweitens - nochmal wie gesagt - was ist es gewesen , wenn es keine "empörende Dummheit" war. Immerhin ist es vor allem bemerkenswert, dass sich die hier vorgetragenen Behauptung Reemstmas ja auf Frau Arendt bezieht und nicht auf Eichmann. Das sollte ihnen zu denken geben und Forist Moorleiche sicher auch. Erst eine eindeutige Lage der Indizien zu Eichman könnte in diesem Fall logisch zu einer über Frau Arendt führen. Wir wollen ja da Kinde nicht mit dem Bade ausschütten, uns gar dümmer stellen als wir sind.

"Das bedeutet nämlich im Klartext, niemand außer Arendt hat recht."

Das kann ich natürlich nicht beurteilen, aber es gibt durchaus Fakten , die nicht mehr wiederlegen werden können, wenn die historische Quellendichte ein bestimmtes Maß der Präsenz überschritten hat. Wir leben ja nicht im Zeitalter des Ministreriums für Wahrheit , das mit eine paar simplen Daten-Manipulationen die Geschichte umschreibt, oder? Trotz einer Reihe namhafter Auschwitzleugner wird es Auswitz zB. wohl immer gegeben haben.

Ratatörskr 25.03.2016 | 18:14

Nein, meine Frage ist nicht nur rhetorisch gestellt.Es handelt sich um Realitäten ganz speziell im Arbeitsrecht und den Geschäften im sozialen Bereich handelt die RKK gegen das Menschenrecht der Selbstbestimmung und entgegen unserer Verfassung. Wie muss man diese Sonderrechte zum Nachteil der Beschäftigten verstehen? Ebenso die Finanzierung der Schulen und Kindergärten, die vom Staat finanziert werden, ohne dass er z. B. mitbestimmen kann, ebenso in den theol. Falkutäten, und den Gehältern des Klerus? etc.

Entmachtete Kirche? Wo leben Sie?

Ratatörskr 25.03.2016 | 18:26

Und immer noch fällt dieses im Umkehrschluss Gebot des Tötens unter den biblischen Grundsatz: Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist ... Zum Tode verurteilte Deserteure wurden zur Hinrichtung vom Feldgeistlichen begleitet und die Ächtung der Todesstrafe für Homosexuelle hat der Vatikan in Eintracht mit dem Islam in der UN-Erklärung NICHT mitgetragen. Das sei Sache der jeweiligen Staaten, in die man sich nicht einmischen wollte.

Aber bereits im Paradies stand der Baum der Erkenntnis auf dem Index der Kirchenväter.

Moorleiche 25.03.2016 | 19:19

War er vielleicht bei der Konfrontation zwischen Eichmann und Arendt dabei?“

Diejengen, die sich auf Arendts Aussagen beziehen, waren ja nun auch nicht dabei. Hier hätten wir also ein Patt.

Reemtsma hat sich recht ausführlich mit der Thematik beschäftigt.

Wenn sie mich fragen, und das tun sie ja, dann hat ein Reemstma es natürlich nötig eine einflußreiche und kapitalismuskritische Philosophin anzugreifen , und wenn er dabei die Relation von Kapital und Faschismus exponieren muss.“

Ad hominem.

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Ehemaliger Nutzer 25.03.2016 | 20:53

"Stimmt schon, aber in Indien oder Brasilien wird auch keine Staatstrauer ausgerufen, wegen der belgischen Anschläge. Je mehr größer die räumliche oder ideologische Nähe, desto schlimmer findet man gewöhnlich solche Verbrechen."

Es hat nichts mit räumlicher Nähe zu tun, sondern mit der westlichen Medienmacht. Das Illuminieren der Wahrzeichen von dutzenden Hauptstädten mit den Farben der Trikolore nach dem Attentat in Paris fand auch im fernen Sydney und wo Sie Unrecht haben, da haben Sie Unrecht, im fernen Rio (Brasilien) statt.

Suchen Sie sich irgendeine Nachricht über Bombenattentate in einer afrikanischen oder asiatischen Stadt und dann suchen Sie heraus, ob diese ebenfalls solch mediale weltweite Aufmerksamkeit erlangte und infolgedessen zu Solidaritäts-Illuminationen von Wahrzeichen in zahlreichen Weltstädten führte. Nehmen Sie z.B. das Attentat drei Monate vor dem in Paris in Bangkok oder irgendein anderes.

iDog 25.03.2016 | 20:53

"Diejengen, die sich auf Arendts Aussagen beziehen, waren ja nun auch nicht dabei. Hier hätten wir also ein Patt."

Blödsinn : Hannah Arend war dabei und Reemstma nicht. Er interpretiert nur Arendt. Wo soll da ein Patt sein?

"Diejengen, die sich auf Arendts Aussagen beziehen" beziehen sich also auf die Beschreibung einer authentische Begegenung und nicht auf die Interpretation einer Begegnung unter Fremden.

Ich hoffe sei haben meine Einlassung zu ihrem Kommentar an IBAN gelesen , wenn nicht dann tun sie es bitte . Da ist zB das zu lesen : "Immerhin ist es vor allem bemerkenswert, dass sich die hier vorgetragenen Behauptung Reemstmas ja auf Frau Arendt bezieht und nicht auf Eichmann. Das sollte ihnen zu denken geben und Forist Moorleiche sicher auch. Erst eine eindeutige Lage der Indizien zu Eichman könnte in diesem Fall logisch zu einer über Frau Arendt führen."

"Reemtsma hat sich recht ausführlich mit der Thematik beschäftigt."

Das will ja keiner widerlegen, aber es ist keine Antwort auf meine Fragen. Arendt hat sich auch mit Eichman ausführlich beschäftigt. Sie gilt als Kompetenz zu diesem Thema.

Übrigens : Die Beurteilung von Handelungsmotiven anderer , ganz bestimmter Person ist zwangsläufig "ad hominem". Was dachten Sie denn wie man darüber sonst sprechen könnte?

Moorleiche 25.03.2016 | 21:04

Hallo Bernhard Wettig.

Ich sprach ja auch von Staatstrauer.

Es ist doch nur ein Symbol, irgendwas anzustrahlen, m.E. ein recht billiges. Ich habe auch das Gefühl, dass sich inzwischen eine gewisse Routine einstellt, das Radio spielt nach Berichten über Terror in bedächtigem moll, wir sind wieder mal alle betroffen und ich weiß noch nicht mal, ob ich das verdammen soll. Was soll man auch machen, außer weiterleben? Meines Erachtens ist die Wurschtigkeit mit der wir leben auch eine Kraft. Es geht einfach immer weiter und weiter, frag mich mich, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Es ist ambivalent, wie die Liebe und das Leben.

Moorleiche 25.03.2016 | 21:17

Blödsinn : Hannah Arend war dabei und Reemstma nicht. Er interpretiert nur Arendt. Wo soll da ein Patt sein?“

Wir können alle nur Arendt interpretieren und auch sie hat nur interpretiert. Was ja auch nicht schlimm ist, anders geht es eh nicht.

Das will ja keiner widerlegen, aber es ist keine Antwort auf meine Fragen. Arendt hat sich auch mit Eichman ausführlich beschäftigt. Sie gilt als Kompetenz zu diesem Thema.“

Unabhängig von der Person Eichmanns gilt es als richtig, dass Arendt die Banalität des Bösen treffend erkannt hat. Das ist sehr spannend, auch im Zusammenhang mit dem Thema Terror. Man braucht, um Aufseher in einem KZ zu sein keine schweren Psychopathen, es reichen normale Narzissten die sich, stets auf den eignen Vorteil bedacht gerne korrumpieren lassen. Es sind die, die wie Eichmann am Ende sagen, sie hätten doch nur ihre Pflicht getan, die Entscheidungen wären doch ganz woanders getroffen worden.

Es ist Quatsch, dass ein Dämon ein ganzes Volk wie durch Zauberhand in seinen Bann gezogen hat und es ist Quatsch, dass es überall nur knallharte Nazis gab. Man muss verstehen, wer dazu neigt sich anzupassen und wer nicht. Sei es, dass sie Morgen in Reihen der Ganzrechten laufen oder sich selbst sprengen.

iDog 25.03.2016 | 21:25

Ich seh schon , sie weichen aus, aber egal ...

... und man sollte sicher nicht Äpfel mit Birnen vergleichen , sagt der Volksmund zumindest, wie zB hier intiimperialistische Opposition in Form von Kamikazekommandos , die ganz sicher nicht auf ihren persönlicen Vorteil aus sind, und systemkonformistische Vollstrecker und wie sie meinen narzisitische Weicheier , die sich zu Faschisten machen lassen, weil sie sich von der Gewaltherrschaft korrumpieren lassen oder sich vor ihr wegducken.

Moorleiche 25.03.2016 | 21:31

"Ich seh schon , sie weichen aus, ..."

Oh, ich gehe eigentlich keinem gepflegtem Streit aus dem Weg. Ich bin einfach nur anderer Meinung, klingeling.

Ansonsten ist es sicher ein Unterschied, wenn man auf seinen Vorteil schaut, oder sich, todesmutig, selbst sprengt. Aber der scheinbar himmelweite Unterschied ist gar nicht so groß.

Und er liegt zwischen den Ohren.

Rüdiger Grothues 25.03.2016 | 21:47

"Man fragt sich allerdings was einem Herrn Reemstma lieber wäre? ... und auch ob der sich schon mal mit der Staatsgewalt und/oder der Gewalt an sich soweit auseinandergesetzt hat , dass er sich klarmachen konnte, dass diese immer und in jedem denkbaren Fall ein Beweiß für Dummheit ist…"

Es ist davon auszugehen, dass Herr Reemtsma, der 1996 vor seinem Haus niedergeschlagen, entführt und wochenlang in einem Kellerloch gefangengehalten wurde und darüber das Buch "Im Keller" geschrieben hat, sich mit dem Thema der Gewalt auseinandergesetzt hat.

Moorleiche 25.03.2016 | 22:11

Reemtsma kannte ich zuvor auch nur als das Entführungsopfer. Die Aussage über Arendt stammt aus der Sendung "Das philosophische Radio" in dem ich Reemtsma als klugen Geprächspartner erlebte.

Wer die Sendung hören will, kann das hier tun: http://podster.de/view/7322/episodes

Ist die Sendung 150), bei mir läuft das Ding allerdings nicht, wenn einer den Trick rausbekommt, bitter weitersagen.

SuzieQ 25.03.2016 | 22:26

Argumente stehen im post direkt vor dem an Sie. Dass Sie einem Kommentarstrang nicht folgen, wundert mich nicht.

Das bisherige procedere: Gewalt mit Gewalt zu beantworten, ist hinfällig. Wenn ich erfahre, dass die bisherige Vorgehensweise nicht sinnvoll ist, suche (und finde) ich eine neue.

Sie sind in Ihrer Denkweise davon ausgenommen, weil Sie mehrfach gezeigt haben, dass Flexibilität ein Fremdwort für Sie ist. Ich kann das auch stur bzw eingeschränkt nennen.

Ich habe den Prozess gegen Breivik verfolgt und bestätigt bekommen, dass Menschlichkeit von Innen kommt, aber nicht von Außen aufgesetzt werden kann. Man kann verurteilen, das ist die Mit-dem-Hammer-drauf-Methode. Weil man sich moralisch erhöht ansieht. Man kann aber auch hinsehen und erkennen, was Ursache und Wirkung ist.

In der Sicht auf Sie als Journalist im allgemeinen sind Sie, in meinen Augen, ein Opportunist. Verschärfend ein Opportunist in eigener Sache. Wir (wer immer das sein mag) sind nicht im Krieg, wir brauchen keine kriegerische Reaktion.

Gelassenheit, Übersicht, Besonnenheit.

Nicht Überschallgeschwindigkeit in unbesonnener, narzisstisch gekränkter Eitelkeit.

Herz und Hirn, nicht Egopushing.

SuzieQ 25.03.2016 | 22:39

;o)

Der Pisaversteher und Grünen-und-Pädophilen-Missversteher, weil pädophil und pädokriminell in einen Topf-Werfer, hat auf twitter als Hintergrundbild: Eros as Victor von Carravaggio. Einen jungen, nicht erwachsenen Teenager, nackt.

Das mag 'man' verstehen, wie 'man' will. Mir persönlich, bei aller Vehemenz und Überheblichkeit, die er an den Tag legt, kommt da die Galle hoch.

Arroganz, wo keine angebracht ist. Und nicht nur da.

Ich sag nur 'Metöken'...

Wenn dF solche Autoren hält, dann ist nicht nur Holland in Not!

Moorleiche 25.03.2016 | 22:44

Hallo SuzieQ.

Ich habe die Fehde zwischen Dir (und Ed2Murrow) und Christian Füller im Fall Beck, samt Verlinkungen ein wenig nachgearbeitet, kann, wie so oft dies und das an der Kritik verstehen und dies und das auch nicht verstehen. Ist mir unterm Strich zu viel Geraune, zu viel angedeutete Bescheidwisserei und vielleicht sogar ein Tacken zu viel: Es ist eine Schande im 21. Jahrhundert zu sehen, dass jeder xBeliebige sich als besser ansieht als seine Mitmenschen.“

Natürlich findet auch jeder xBeliebige, dass er oder sie nicht jede(r) xBeliebige ist, sondern was Besseres, gerne auch mal ne eigene Liga. Das gibt einem dann natürlich das gefühlte Recht das Thema im Thema aufzumachen, so ganz im Dienste der ganz großen Linie, die man ahnen darf, von der man aber nichts erfährt. Man kann ja auch nicht jeden teilhaben lassen. Huijuijui.

Zum Inhalt:

Das bisherige procedere: Gewalt mit Gewalt zu beantworten, ist hinfällig. Wenn ich erfahre, dass die bisherige Vorgehensweise nicht sinnvoll ist, suche (und finde) ich eine neue.“

Ja stopp ma. Den IS zum Tee zu bitten, war bislang aber auch nicht so prickelnd, darauf können wir uns einigen, oder?

Ich habe den Prozess gegen Breivik verfolgt ... Man kann aber auch hinsehen und erkennen, was Ursache und Wirkung ist.“

Ich auch. Nicht live im Gerichtsaal, aber was man so lesen konnte, habe ich gelesen und fröhlich drüber diskutiert. Was war denn da Ursache und was Wirkung?

Wir (wer immer das sein mag) sind nicht im Krieg, wir brauchen keine kriegerische Reaktion.

Gelassenheit, Übersicht, Besonnenheit.“

Mag sein, vielleicht auch nicht, da müsste man im Einzelfall wohl näher hinschauen. Was ist denn Dein Vorschlag?

SuzieQ 25.03.2016 | 23:23

Ist richtig, wenn mit Abstand betrachtet wird.

Was @ciffi allerdings nicht macht. Zum Thema hier hab ich mich geäußert, wobei Herr Füller eine kriegerische Reaktion as kriegerisch as can bevorzugt. Und dann (!) betrachte ich eben auch diesen, seinen Hintergrund. Und er ist bei 'seinen' Themen vehement, rigoros, und er schaut weder links noch rechts.

Alles ok. Nur ist es so, dass er seine Sicht als 'the only real' verkaufen möchte und das seit Jahren, und das ist eben nogo. Sein Hintergrundbild ist da nur ein Mosaikstück von vielen. Es mag Provokation sein, denn es ist ja Kunst. Nur hat Herr Füller die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, auch wenn er es gern so verkaufen möchte. Er ist zu inakkurat, zu oberflächlich, zu ichbezogen, zu weltfremd. Recherche ist eben auch Arbeit. Keine Ahnung, wo er lebt. Die Mutti oder der Vatti mit erhobenem Zeigefinger ist letztes Jahrtausend, darauf kann er sich nur selbst einen runterholen. Mitnehmen is nich... Und nu sag das mal Jemandem, der so von sich selbst überzeugt ist, wie Herr Füller... das gibt nur Knatsch.

Von mir aus. Keine Fehde, aber ein Wunsch nach Selbstreflexion, aber selbst der wird an ihm abprallen. Teflon-Füller.

SuzieQ 25.03.2016 | 23:31

Das ist keine Fehde...

Was mir missfällt, ist, auf jeden Pudding aufzuspringen, der vorbeischwimmt, wenn er mir dann irgendwie in den Kram passt. Da gehört der Kram reflektiert. Was nicht passiert...

Die Eskalation in Form von: Attentat: Attentäter:alles klar, ist viel zu einfach. Wenn man sich anschaut, wie es läuft, sind immer noch Laien am Werk, die Reaktion ist eskaliert, nicht die Tat (räusper). Darauf, also auf die Reaktion, wird spekuliert. Und, wen wunderts, die Reaktion ist explosiv. Es gibt nen trigger, und Hirn ist im Keller.

Das hat nichts mit zum Tee bitten zu tun, sondern damit, den Überblick zu behalten. Plus nicht bombardieren um des Bombardierens Willen, es wird schon ein Richtiger dabei sein, sondern Lösungen zu finden.

In Deutschland gibt es seit 1949 keine Todesstrafe, ich bin nicht bereit, dass, wenn es jenseits der deutschen Grenze passiert, die Todesstrafe zu akzeptieren ist. Nein. Schon gar nicht mit aufgesetzen Argumenten. Und wenn das Auftanken von Flugzeugen, die Syrien bombardieren, sowas wie minimale Hilfe sein soll, dann frag ich: wem hilft das?

Denen, die 'uns' in den Krieg reden? Wohl am meisten...

Denen, die in Syrien leben, wohl am wenigsten.

Kollateralschäden? Nein. Wohl kalkulierte Opfer, ebenso wie die, die im Mittelmeer verrecken oder aus der Türkei zurück geschickt werden.

Warum lese und höre ich nichts mehr von Kurden?

Verkauft. Wie die Syrer. Wie die Iraner. Wie die Iraker. Wie die Palästinenser. Wie die Israeli. Wie wir.

Und wofür?

Wofür werden diese Menschen verheizt? Es geht nicht um 'den Einzelfall', es geht um die Haltung.

Zu Breivik: ich hab jeden Prozesstag verfolgt, hab die Tage übersetzt, hier eingestellt. Die Haltung der norwegischen Regierung plus König, die wünsche ich 'uns' jetzt.

Nicht überreagieren, besinnen auf das, was wichtig ud richtig ist. Die Ursache ist Angst, die Wirkung ist Abwehr der Angst. Da gibt es eben nicht nur Auge um Auge, Zahn um Zahn. Woher kommt der Wunsch der Angstverbreitung? Wie kann dieser Verbreitung entgegen gewirkt werden? Es gibt Reaktionen.

Sind sie kurzsichtig? Wünschenswert wäre weitsichtig, generationsüberspringend. Fehlt es an Gleitsicht?

Luft anhalten. Durchatmen. Nicht generell ablehnend reagieren, sondern den Konsens suchend. Nicht tötend, sondern lebendig agierend, iSv Verständigung.

Geht nicht? Sind ja Terroristen.

Ist zu kurz gedacht.

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Ehemaliger Nutzer 26.03.2016 | 04:40

Dieser Terror-Angst-Hype ist krankhaft.

Denn jeder vertraut alltäglich auf die absolut hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihn, wenn er heute aus der Tür tritt, nicht sofort der Blitz erschlägt, dass kein Meteorit in seinen Garten einschlägt und dass ihm heute auf der Autobahn kein Geisterfahrer entgegenkommt usw.

Aber bei schlechten Nachrichten befürchten alle, dass sie heute von der Vogelgrippe angesteckt werden, dass im Flieger der Copilot nicht sauber ist oder dass sie heute einem Attentäter begegnen.

Als ob sie im Kriegsgebiet in Syrien wohnen würden, wo die Leute tatsächlich fliehen müssen.

"... wir sind wieder mal alle betroffen und ich weiß noch nicht mal, ob ich das verdammen soll."

Sie dürfen das, denn Sie heißen ja nicht Frauke Petry, die darf das auf keinen Fall. ;-)

Ratatörskr 26.03.2016 | 09:41

Ich meine grundsätzlich Religionen. Aber in unserem Land sind das die christlichen Kirchen, die Moscheen kommen hoffentlich nicht dazu. Wobei mit Entmachtung auch alle Sonderzuwendungen an alle Religionen gemeint sind. Erst recht Sekten, die noch, aus meiner Sicht gesehen, am fanatischsten sind.

Religionen unter sich sind Konkurrenten. Wehe, wenn sie sich vereinigen sollten und ihre vereinte religiöse Macht gegen die Staatsmacht setzen.

Ratatörskr 26.03.2016 | 09:53

Vielleicht kann ich mit einem Gedanken weiterhelfen. Wenn ich Hannah Arendt in dem beeindruckenden Gespräch mit G. Gaus richtig verstand, schrieb und meinte sie die "Banalität des Bösen", nicht das "banale Denken". Und wollte verdeutlichen, dass Eichmann sein Denken ausschaltete, indem er sich auf einen Befehl berief ,seine Verantwortung für die Ausführung zurückwies und damit sein Erkennen oder Empfinden nicht wahrnehmen wollte und nicht zuließ.

Sie hielt ihn wohl nicht für einen Intellektuellen, aber auch nicht für dumm.

https://www.google.de/search?q=Interview+G.Gaus+-+Hanna+Arendt&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=2kv2Vu3bPKPF6QTBzZHQBg

Moorleiche 26.03.2016 | 11:22

Hallo SuzieQ.

Da gehört der Kram reflektiert. Was nicht passiert...

Die Eskalation in Form von: Attentat: Attentäter:alles klar, ist viel zu einfach.“

Als ich ähnliches mal in einem anderen Kontext anmerkte bekam ich zur Antwort, der Freitag sei ein Meinungsmedium. Wenn man die Linie fährt, muss sie für alle gelten.

Sicher hat Terror viele Wurzeln, Seiten und Gesichter, aber man kann auch nicht erwarten, dass in einen Beitrag immer alles reingepackt wird, denn es gibt tatsächlich den Punkt wo die schwere Kindheit nicht zur alleinigen Erklärung hinreicht. Zumal gegen viele plausible Erklärungen wie Heinsohns „youth bulge“ ebenfalls ideologisch geschossen wird, also auch da wird hübsch selektiert, was genehm ist und was nicht. Es ist ein wenig simplifizierend, wenn man Täter, Mörder im Nachhinein monothematisch zu armen Opfern des bösen Kapitalismus macht, weil wir ja so dekadent sind und nicht mit dem Fahrrad fahren wollen.

Also, wenn Meinung, dann Freiheit für alle, wenn Reflexion, dann bitte auch gründlich, inklusive psychologischer, soziologischer, demographischer Faktoren.

Wenn man sich anschaut, wie es läuft, sind immer noch Laien am Werk, die Reaktion ist eskaliert, nicht die Tat (räusper).“

Beim Terror ist die Tat eskaliert! Man muss sicher andere Strategien gegen die IS Führung in ihren Rückzugsgebieten fahren, als bei sich radikalisierenden Kleinkriminellen, deren soziale Perspektive vom Beginn ihres Lebens an mau war. Es reichen keine Drohnen und Spezialkräfte, sondern in den Vorstädten Europas sind Strategien der Integration, der echten, aufrichtigen gefragt. Allerdings ist da bei vielen der Zug schon abgefahren, weil die inzwischen durchideologisiert sind. Echte Strategien der Integration, das ist Teil meiner Vorschläge seit 6 Monaten, erfordert eine breite Reflexion, die nicht eine einseitige to-do-Liste ist, was die „Zurückgebliebenen“ noch zu leisten haben, sondern, ein Dialog auf Augenhöhe.

Aber es gibt hier sicher den einen oder anderen, der denkt, dass er selbstlos Erziehungsnachhilfe leisten würde – tun wir ja ganz gerne – aber was bitte hat uns so ein Hinterwäldler zu sagen? Wir überschütten uns zwar gerne mit stereotyper Selbstkritik Konsum, Öl, Kapitalismus, alles ganz böse, aber da dabei ja ohnehin kaum jemand mit macht und man selbst Solarzellen auf dem Dach hat oder Fahrrad fährt, ist man fein raus. Das ist bestenfalls nett, oft aber billig und selbstgefällig.

Aber wie steht es denn mit unserem Verlust an Werten, unserer postmodernen Gleichgültigkeit, die zwar jedem irgendwie alles erlauben möchte, aber genau deshalb die Grenze zwischen Toleranz und kalter Gleichgültigkeit verfehlt? Wem sind denn die letzten 30 oder 40 Jahre lang die armen Ausgegrenzten am Arsch vorbei gegangen? Ich bin in der Zeit und dem Milieu groß geworden, ich weiß, wie man subtil gedrillt wird, auf den Boden zu schauen und ja kein Rassist oder Nazi zu sein, denn jeder durfte alles, nur Nazi sein, das durfte man nicht. Und Nazi war man, wenn man übergriffig wurde, sich erdreistete, die Lebensweise anderer zu kritisieren. Die sind halt so, Punkt. Wenn's dir nicht passt, guck wo anders hin.

Es ist noch keine 1000 Jahre her, als man die heute so selbstverständliche Forderung nach Sprache lernen (klar, was denn sonst?), als Zwangsgermanisierung bezeichnete. Ich hoffe, dass der eine oder andere wenigstens heute vor Scham errötet, aber ich glaube, sowas kann man gut verdrängen.

Das hat nichts mit zum Tee bitten zu tun, sondern damit, den Überblick zu behalten. Plus nicht bombardieren um des Bombardierens Willen, es wird schon ein Richtiger dabei sein, sondern Lösungen zu finden.“

Es ist doch Quatsch, das bombardiert wird, um des Bombardierens Willen. Das antiamerikanische Klischee vom blutrünstigen, kriegslüsternden Ami, der nur darauf wartet, dass er wieder alles in Schutt und Asche legen kann, damit die Kriegsindustrie brummt und nachher die Aufbauindustrie und nebenbei kann man noch etwas Bodenschätze oder geostrategische Vorteile abzwacken. Ich bitte Dich, das trieft doch in seiner Einseitigkeit vor Klischees. Längst sind die Amis kriegsmüde – auch hier: die einzigen Söhne werden nicht gerne verheizt, schon gar nicht für fremde Länder – und längst leben wir in einer Zeit medialer Überaufmerksamkeit, bei der eine versehentliche Bombe auf eine Hochzeitsgesellschaft – etwas, was eine Katastrophe ist, damit ich nicht falsch verstanden werde – breit thematisiert wird. Keine Nation der Welt kann sich heute mehr hinstellen und mit Stolz in der Stimme verkünden, man hätte soundso viele Feinde vernichtet (außer den Terroristen) und ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Feuerkraft allein ist heute kein allumfassender Vorteil mehr und das weiß auch jeder, der es wissen will.

In Deutschland gibt es seit 1949 keine Todesstrafe, ich bin nicht bereit, dass, wenn es jenseits der deutschen Grenze passiert, die Todesstrafe zu akzeptieren ist. Nein.“

Okay, das ist eine noble Einstellung, aber wenn man die Täter vor Gericht stellen will (so nebenbei, würde, die IS Spitze vermutlich nicht in Belgien oder Deutschland vor Gericht gestellt, sondern in irgendeinem Land, in dem Gericht dann vermutlich Folter und Tod bedeutet, hast Du mal Scholl-Latour dazu gehört, der einigermaßen verbittert war, dass Gadaffi eben nicht erschossen, sondern gepfählt wurde), muss man ihrer habhaft werden? Wie?

Schon gar nicht mit aufgesetzen Argumenten. Und wenn das Auftanken von Flugzeugen, die Syrien bombardieren, sowas wie minimale Hilfe sein soll, dann frag ich: wem hilft das?

Denen, die 'uns' in den Krieg reden? Wohl am meisten...

Denen, die in Syrien leben, wohl am wenigsten.“

Tja, wie man's macht. Es gibt ja Stimmen, die sagen, dass unter dem Regime brutaler Diktatoren wenigstens Ruhe herrscht. Verständlicherweise wollen wir aber keine Regime brutaler Diktatoren, aber die nette Idee einfach nur die Diktatoren zu beseitigen und alles einem Prozess der fröhlichen Selbstorganisation zu überlassen, ist eben gerade dabei suboptimal zu verlaufen. Und klar, zieht man den Bogen weiter, ist das ein Erbe des Kolonialismus, aber man kann die Geschichte nicht zurückdrehen und ich glaube, wenn man einfach nur alles brav zurückgeben und sich schrittweise aus den alten Kolonien zurückziehen würde, wäre das auch nicht die Lösung aller Probleme.

Ich weiß nicht, ab wann die Grenze überschritten ist, bei der man sich die Freiheit, die einem andere nicht zugestehen wollen, einfach nimmt, nehmen muss, nehmen darf. Gibt es da eine ethische Grenze, gar einen ethischen Imperativ? Da ist man dann schnell bei schönen und wichtigen ethischen Diskussionen, die leider nicht geführt werden.

Ist ja nett zu lesen, dass jetzt gehandelt werden müsse, ja gut, aber wie? Wie ist der Fahrplan? Naja, wir werden es nicht klären und die, die es verkünden schweigen zum weiteren Procedere.

Kollateralschäden? Nein. Wohl kalkulierte Opfer, ebenso wie die, die im Mittelmeer verrecken oder aus der Türkei zurück geschickt werden.“

Ja, Europa hat seine moralische Unschuld verloren. Was man den Amis nach 9/11 vorwerfen durfte, gilt nun für uns. Wir brauchen nicht mehr so zu tun, als seien wir besser, wir sind es nicht. Wir sind aber das hohe Ross gewohnt. Das schmerzt. Ich nehme Frau Merkel noch ab, dass sie es sich anders gewünscht hätte, aber 'Wünsch dir was' war gestern. Was also ist der nächste Schritt? Wenn uns der Utilitarismus auf den Sack geht, wie kommen wir dann aus der utilitaristischen Phase wieder in eine idealistischere? Ideale sind ja wichtig. Da Gott tot ist und die Spielregeln der Natur nur die dümmsten Biologisten erfreuen kann und die Vernunft gerade zeigt, was in ihre steckt: nicht viel, wenn's drauf ankommt, wird die Frage drängender: Warum? Warum sollten wir (Ethik ist die Frage nach dem begründeten Sollen) diesem oder jenem Wert eigentlich folgen?

Werte und so findet man heute bestimmt voll süß, aber eben in der postmodernen Variante auch nicht sonderlich wichtig. So als Verpflichtung für alle, haben sie direkt was Beleidigendes. Ja, das ist Narzissmus, ja, er ist eine Seuche, aber wie kriegt man ihn wieder weg? Eleganterweise könnte man sich hier auf die Klugen unter den linken Theoretikern berufen, die einen Abbau an väterlicher Autorität anmahnen. Ich zitiere mich mal selbst dazu:

Die andere, ist die u.a. daraus resultierende Entwertung der väterlichen Autorität, als Ursache und dann später auch als Folge von narzisstischen Pathologien.

Was reaktionär klingt ist die Fusion der besten Köpfe linker Theorie und Psychoanalyse: Horkheimer, Adorno und Marcuse, sowie Lasch, O. Kernberg und wohl auch A. Mitscherlich für die Analyse.

Um es kurz zu formulieren: Das Problematische am Ödipuskomplex ist nicht, dass er nicht existieren würde, sondern, dass er (als Konflikt mit der nun nicht mehr vorhandenen Autorität des Vaters) oft ausfällt. Dieser Konflikt „dient in den Augen dieser Theoretiker nicht nur als Medium zur Internalisierung väterlicher Autorität, sondern auch als Fundament moralischer Autonomie, die ihrerseits zum Hort gesellschaftlichen Widerstands werden kann.“ Und was hier fehlt macht nun „den Weg frei für die direkte Manipulation des Ichs durch Massenmedien, Schulen, Peergroups und politische Führer.

(Quelle: Diana Diamond, Narzissmus als klinisches und gesellschaftliches Phänomen, in Otto F. Kernberg und Hans-Peter Hartmann, Narzissmus: Grundlagen, Störungsbilder, Therapie, Schattauer 2006, S. 190f)“

Und da kommt dann die Augenhöhe ins Spiel. Wir haben das vergessen, unsere Migranten leben das zum Teil noch. Und es ist weiß Gott nicht alles Gold was glänzt, was so patriarchale oder paternalistische Strukturen angeht (wir können und brauchen die Uhr auch hier nicht zurück zu drehen) nur auf einer Skala von 0 bis 10 kann man meinetwegen die 0 und 1, sowie die 9 und 10 streichen und hätte noch immer Spiel. Wir sollten es spielen.

Warum lese und höre ich nichts mehr von Kurden?“

Hast Du ja vielleicht inzwischen. Das sind eben auch nicht nur die Guten. Man darf es sich nicht wieder zu einfach machen und neue nette Verbündete hypen, mal die Nordallianz, mal die Peschmerga und 20 Jahre später kommt vielleicht auch der Bumerang zurück. Das ist doch nun schon x-fach gescheitert und man muss verstehen, dass Demokratie keine Geschichte von Brunnen und Wahlurnen allein ist, sondern vor allem auch ein gewachsenes Bewusstsein voraussetzt.

Wofür werden diese Menschen verheizt? Es geht nicht um 'den Einzelfall', es geht um die Haltung.“

Was die Haltung angeht, bin ich bei Dir, aber Menschen sind nun mal auch aggressiv. Je freier desto tötet er, das ist schon bei den Primaten so. Kein Naturgesetz in dem Sinne, eher eine Disposition, die man auch erfolgreich in Bahnen lenken kann (Wir basteln uns ein Über-Ich/Gewissen) und Europa ist ein gutes Beispiel dafür, dass das wirklich klappt, aber es sollte nicht zu sehr enttäuschen, dass Aggressionen nie weg sind – nein, auch nicht durch verstaatlichtes Eigentum, seien es Produktionsmittel oder mehr; aber das gehört nicht zum Mythos der Linken – sondern nur sublimiert. Und da gibt es eben immer die Möglichkeit der Regression und das ist das, was wir gerade erleben, wodurch eine der nicht ganz unwichtigen Fragen lauten könnte, how to avoid eine knackige (psychische, kollektive) Regression.

Zu Breivik: ich hab jeden Prozesstag verfolgt, hab die Tage übersetzt, hier eingestellt. Die Haltung der norwegischen Regierung plus König, die wünsche ich 'uns' jetzt.“

Ja, das ist echte Größe gewesen, die der amtierende NATO-Generalsekretär da bewiesen hat.

Nicht überreagieren, besinnen auf das, was wichtig ud richtig ist. Die Ursache ist Angst, die Wirkung ist Abwehr der Angst. Da gibt es eben nicht nur Auge um Auge, Zahn um Zahn. Woher kommt der Wunsch der Angstverbreitung? Wie kann dieser Verbreitung entgegen gewirkt werden? Es gibt Reaktionen.

Sind sie kurzsichtig? Wünschenswert wäre weitsichtig, generationsüberspringend. Fehlt es an Gleitsicht?“

Das bestreite ich. Gerade Menschen vom Schlage Breivik haben die Möglichkeit überraschend bis erschreckend angstfrei zu werden. Mit Angst hältst Du arme Normalos wie Dich oder mich in Schach, aber nicht jene Charaktere, die man heute Psychopathen nennt. Eines ihrer Hauptcharakteristika ist Angstfreiheit.

Luft anhalten. Durchatmen. Nicht generell ablehnend reagieren, sondern den Konsens suchend. Nicht tötend, sondern lebendig agierend, iSv Verständigung.

Geht nicht? Sind ja Terroristen.

Ist zu kurz gedacht.“

Geht vielleicht, aber nicht bei allen. Du musst wissen, wo die Grenzen verlaufen, woran Du sie erkennst und wie die Sprache der jeweiligen Spezies ist. Ein Psychopath scannt Dich in kurzer Zeit, weiß genau, was Du von ihm willst – wenn er schlau ist – und bietet Dir, genau was Du erwartest. Danach genießt er Deine Leber mit einem ... was war das, Rioja?

Man muss eben trennen, wer ein kaltblütiger Stratege der Macht ist, wer ein mitlaufender Psychopath ist, wer eine weniger intensive Pathologie hat und wer vielleicht nur gruppendynamisch aufgepulvert ist. Normale Narzissten und neurotische Mitläufer kriegst Du kuriert, bei anderen wird es sehr viel schwieriger, ist aber möglich, mit antisozialen Persönlichkeiten kannst Du nicht kooperieren und man bekommt sie auch nicht therapiert. Du musst wissen, wie der andere tickt, aber das erste Gebot ist m.E., dass man den Kampf gegen den Narzissmus in der eigenen Gesellschaft nicht verloren geben darf.

Moorleiche 26.03.2016 | 11:31

Dieser Terror-Angst-Hype ist krankhaft.“

Da Ängste stets eine irrationale Komponente haben, helfen uns Statistiken über Todeswahrscheinlichkeiten aber nicht weiter.

„"... wir sind wieder mal alle betroffen und ich weiß noch nicht mal, ob ich das verdammen soll."

Sie dürfen das, denn Sie heißen ja nicht Frauke Petry, die darf das auf keinen Fall. ;-)“

Ich glaube, ich meine das aber sehr deutlich anders, als Frau Petry.

Ich finde an der Routine gut, dass sie die Angst mindert, Frau Petry und ihrer besorgten Partei würde ich mal pauschal unterstellen, dass sie die Ängste schüren und politisch instrumentalisieren. Das werd' ich doch wohl noch sagen dürfen, oder?

Moorleiche 26.03.2016 | 11:37

Was will diese Karte aussagen? Nicht jeder Gläubige gehört einer Religion an und nicht jeder ungetaufte oder religionslose Mensch ist Atheist!“

Ich behaupte mal, dass es da die eine oder andere Korrelation geben wird.

Fakt ist, dass in unseren Schulen z.B. die RKK den Ethikunterricht blockiert!“

Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Leser denken. :-)

Nach den Vorkommnissen der Silvesternacht in Köln sagte ein einigermaßen genervt erscheinender Augstein, jetzt dürfe wieder jeder seine privaten Probleme mit Ausländern, die er irgendwann mal gehabt hat ausbreiten. Das war die Antwort.

GEBE 26.03.2016 | 11:50

Tja, hätte ich d e n Begriff gewählt, der mir näher und treffender erscheint, als "Rotznasen" - selbst wenn ich ihn begründen und entsprechend ableiten würde-, dann würde dagegen wohl noch weit anderes vorgebracht, als "banalisieren". Jedoch wird man sich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen (höchstwahrscheinlich eines Tages äußerst schockiert konstatierend), hinzuschauen, ob alles, was äußerlich wie Mensch aussieht, auch wahrhaftig Menschliches enthält. - Und zwar nicht nur in diesem Zusammenhang.

Moorleiche 26.03.2016 | 11:55

Vielleicht kann man den Charakter nicht waschen, aber entschwickeln.

Ich verweise da gerne und notorisch auf Kohlberg und Wilber. Intelligenz ist, Wilber folgend, eine Pionierlinie der Entschwicklung des Bewusstseins. Eine gewisse Intelligenz ist also die notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für moralische Entschwicklung, was auf Kohlbergs empirischen Befund verweist, dass alle moralisch entschwickelten Kinder intelligent sind, aber nicht alle intelligenten Kinder moralisch entschwickelt.

Zwischen der Pionierlinie Intelligenz und der später Linie Moral liegen noch Linien wie Empathie, Selbstbild und so weiter.

Frohe Ostern.

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Ehemaliger Nutzer 26.03.2016 | 12:01

Dann kann ich mir Ihren Denkfehler auch erklären, denn Kirche ist nicht Religion, Kirche ist primär (materielle) Verwaltung, man könnte flappsig auch sagen, Kirche hält den Laden (Religion) am Laufen.

Genauso wie Politik nicht mit Demokratie (oder neutraler mit Weltanschauung) verwechselt werden siollte, auch sie verwaltet lediglich.

Und damit wird auch klar: Verwaltungen können und sollten ausgetauscht werden, wenn sie schlechte Arbeit machen.

Im letzten Satz bestätigen Sie genau mein Bild von den baumelnden losen Enden aus (unvereinbaren) Ideologien.

miauxx 26.03.2016 | 12:50

"Jedoch wird man sich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen (...) hinzuschauen, ob alles, was äußerlich wie Mensch aussieht, auch wahrhaftig Menschliches enthält. - Und zwar nicht nur in diesem Zusammenhang."

Das schockiert mich einigermaßen! Und ich möchte jetzt nicht rauslassen, was mir als erstes auf der Zunge, resp. in den Fingern, liegt. Aber sagen Sie doch bitte, wer oder was darüber befinden möge oder könne, was "wahrhaftig Menschliches" sei und somit welche menschliche Hülle nur Täuschung.

GEBE 26.03.2016 | 13:13

Aber gerne doch! Wer in seinem Handeln nicht an andere Menschen denkt, wie es der Fall ist, wenn über deren Leben und Sterben eigenmächtig hinwegentschieden wird, hat sich vom Menschsein herausgezogen und verabschiedet. Wo animalische Affekte die Motive für Tun und Lassen bestimmen, wo Reiz-Reaktions-Schemata das Handeln beherrschen, kann von menschlichem Verhalten nicht im wahrhaftigen Sinn gesprochen werden. Und nun können Sie sich weiter darüber aufregen, bis der Arzt kommt.

Ratatörskr 26.03.2016 | 13:22

Man muss Eichmann nicht kennen um zu wissen, dass Dummheit keine Charakterschwäche ist. Eichmann hatte die Stärke, das Böse zu banalisieren. Dazu reichte seine Intelligenz, um sich selbst und gegenüber dem Gericht als "nicht schuldig" zu erklären! Gleichzeitig zeigte er mit der Schuldzuweisung an die Anderen, dass er mit seinem Verstand sehr wohl wusste, dass er Böses tat. Wissen und Tun sind die zwei Schuhe eines Paares. Das hat, so verstehe ich Hannah Arendt, sehr sauber getrennt. Ein Schuhpaar ist also zweigeteilt zu betrachten.

GEBE 26.03.2016 | 13:59

Dann wenden Sie das dann bitte auch überall so grundlegend an, wie Sie es hier als einen bloß graduellen Unterschied zeichnen. Wenden Sie es dann eben auch als Urteilsgrundlage an auf Pol Pot, Idi Amin, Schickelgruber usw. usf. Dann kommen Sie, vorausgesetzt, Sie haben überhaupt Interesse zuende zu denken, und zwar in Gemäßheit Ihrer Ansicht, zur Konklusion, daß zwischen z.B. den Geschwistern Scholl und einem Rudolf Franz Ferdinand Höß nur ein gradueller Unterschied von Menschlichkeit besteht. Mannomannomann! In Bezug auf Menschlichkeit und über das Leben anderer kommandierender Bestialität, gibt es keine graduell Skalen-Unterschiede. Worum es sich da handelt, sind Wesensunterschiede, nämlich die Unterscheidung nach ‚ob‘ oder ‚ob nicht‘. Die Trennungslinie habe ich oben bedeutet.

denkzone8 26.03.2016 | 14:25

gern stimme ich ihnen mal zu: e. war der engagiert-betriebsame, zweck-rationale karrierist im stahlharten gehäuse der vernichtungs-organisation(vormals hätte er sich auch als aussiedlungs-experte für juden nach madagasker dienst-eifrig gezeigt) . daß manager seiner art sich auch als naive sach-zwang-bestimmte geben können, wenn sie gestellt werden, ist weder neu noch überraschend.

Rüdiger Grothues 26.03.2016 | 15:25

Was erlauben Jan Philipp Reemtsma?!

"meine sie ? Ich habe das Buch nicht gelesen, halte es aber per se nicht unbedingt für eine Indiz der Auseinandnersetzung mit Gewalt, wenn man sie erleidet."

Damit sprechen Sie dem Mann jetzt zum zweiten Mal die Fähigkeit ab, Nennenswertes zum Thema Gewalt beisteuern zu können, nein schlimmer, Sie erkennen gar keine Auseinandersetzung, noch nicht mal ein "Indiz", dass auf eine solche schließen ließe. Dass Reemtsa sich in einem Buch mit der an ihm exekutierten Gewalt auseinandersetzt, wird mit einem lapidaren "Ich habe das Buch nicht gelesen" abgetan, obwohl das Verfassen einer längeren Abhandlung zu einem Thema bislang noch zumindest als "Indiz" einer ernsthaften Reflexion angesehen wird. Solcher Art Bemühungen zum Thema finden sich auch in weiteren Büchern von Reemtsma mit Titeln wie "Die Gewalt spricht nicht: Drei Reden" und "Vertrauen und Gewalt: Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne", einem umfangreichen Werk, über das Jens Bisky, via Süddeutsche Zeitung direkt an Sie gerichtet, befand: "Wer in den kommenden Jahren vernünftig über Gewalt sprechen will, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen."
Angesichts dessen Reemtsma abzusprechen, dass er sich mit dem Thema Gewalt überhaupt auseinandersetzt, ist geradezu grotesk.

In den oben zitierten Zeilen lese ich aber auch eine Art kalter Exekution, was das Erleben und das geistige Werk eines Menschen angeht: Die Gewalttat, der sich Reemtsma ausgeliefert sah, nämlich sich in der kompletten Verfügungsgewalt anderer Menschen zu befinden mit einer damit verbundenen Todesdrohung, mag es ihm im Zeitraum des Erleidens unmöglich gemacht haben, sich in Ihrem Sinne ordnungsgemäß damit auseinanderzusetzen (um Ihre krude Formulierung zu wiederholen: " halte es aber per se nicht unbedingt für eine Indiz der Auseinandnersetzung mit Gewalt, wenn man sie erleidet"), aber wenn der mit der Todesdrohung Konfrontierte Glück hat, gibt es ein Danach und spätestens dann auch Zeit und Raum, sich damit auseinanderzusetzen. Dies wird von Ihnen aber ebenfalls mit einem Federstrich, sprich sechs Wörtern abgetan: " Ich habe das Buch nicht gelesen".

Ich gebe damit, reichlich fassungslos, zurück an die angeschlossenen Kommentarhäuser und eigentlich an den Beitrag von Jakob Augstein.

Moorleiche 26.03.2016 | 17:12

Hallo Gebe.

Dann wenden Sie das dann bitte auch überall so grundlegend an, wie Sie es hier als einen bloß graduellen Unterschied zeichnen.“

Sie haben da offenbar was in den falschen Hals bekommen. Ich behaupte nicht, dass es keine oder nur höchstens graduelle Unterschiede zwischen Mensch und Mensch gibt. Andersrum: Es gibt Unterscheide, riesige, gerade zwischen Mensch und Mensch.

Was ich hier sage ist, dass Intelligenz nicht dasselbe ist wie moralische Entwicklung. Kurz, es kann dumme, durchschnittliche, intelligente und hochintelligente Arschlöcher geben. Ein IQ von 150 sagt nicht, dass der Mensch, empathisch, fair, nett und gerecht sein muss.

In Bezug auf Menschlichkeit und über das Leben anderer kommandierender Bestialität, gibt es keine graduell Skalen-Unterschiede.“

Doch natürlich. Kommt immer drauf an, welche Perspektive man einnimmt.

Worum es sich da handelt, sind Wesensunterschiede, nämlich die Unterscheidung nach ‚ob‘ oder ‚ob nicht‘. Die Trennungslinie habe ich oben bedeutet.“

Kann man machen, aber wenn man verstehen will, warum der eine mit zittrigen Flossen mal einen auf Ladendieb macht und dann feststellt, dass das nichts für ihn ist und der andere erst auf Touren kommt, wenn er andere fast zu Tode quälen kann, muss man kleinteiliger drangehen.

Pregetter Otmar 26.03.2016 | 17:13

Hmm. Die Servicearbeiten dauern aber schon 3 Tage . . .

- - -

Ursache - ist nicht gleich Wirkung II

In meinem Beitrag strich ich das heraus und merkte an, dass der Autor diese Unterscheidung nicht anspricht - und verwies auf die exakte, messerscharfe Analyse von Alain Badiou (siehe das Interview hier im Freitag).

Den Kern des Kapitalismus macht unser Schuldgeldsystem aus - was denn sonst?

Jahrzehntelang werden wir von den Massenmedien von einer (vermeintlichen?) „Staatsschuldendebatte“ niedergeschrieben – ohne jemals zu hinterfragen, wer denn das Geld überhaupt erzeugen darf? An den Universitäten werden Tonnen Papier beschrieben - auch ohne an der Ursache überhaupt nur angestoßen zu haben.

Beim Thema: Krieg - Terrorismus ist dies genau das gleiche:

Ganz wenige Politiker haben den Mut, sich den Ursachen des Terrorismus und den seit Jahrzehnten stattfinden Kriegen um die Schürfrechte, zu widmen und diese konkret anzusprechen.

Mit Verlaub: das westliche Geschwätz um Demokratie und Menschenrechte glaubt eh kein vernunftbegabter Mensch mehr.

Oskar Lafontain und Sahra Wagenknecht gehören zu jener seltenen Spezies Mensch – die das schon immer taten: CHAPEAU!

Hier ein neues Video von Frau Wagenknecht – das genau den Zug zur Quelle hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Oz-RS8OQuMY&feature=youtu.be

Pregetter Otmar 26.03.2016 | 17:13

Hmm. Die Servicearbeiten dauern aber schon 3 Tage . . .

- - -

Ursache - ist nicht gleich Wirkung II

In meinem Beitrag strich ich das heraus und merkte an, dass der Autor diese Unterscheidung nicht anspricht - und verwies auf die exakte, messerscharfe Analyse von Alain Badiou (siehe das Interview hier im Freitag).

Den Kern des Kapitalismus macht unser Schuldgeldsystem aus - was denn sonst?

Jahrzehntelang werden wir von den Massenmedien von einer (vermeintlichen?) „Staatsschuldendebatte“ niedergeschrieben – ohne jemals zu hinterfragen, wer denn das Geld überhaupt erzeugen darf? An den Universitäten werden Tonnen Papier beschrieben - auch ohne an der Ursache überhaupt nur angestoßen zu haben.

Beim Thema: Krieg - Terrorismus ist dies genau das gleiche:

Ganz wenige Politiker haben den Mut, sich den Ursachen des Terrorismus und den seit Jahrzehnten stattfinden Kriegen um die Schürfrechte, zu widmen und diese konkret anzusprechen.

Mit Verlaub: das westliche Geschwätz um Demokratie und Menschenrechte glaubt eh kein vernunftbegabter Mensch mehr.

Oskar Lafontain und Sahra Wagenknecht gehören zu jener seltenen Spezies Mensch – die das schon immer taten: CHAPEAU!

Hier ein neues Video von Frau Wagenknecht – das genau den Zug zur Quelle hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Oz-RS8OQuMY&feature=youtu.be

iDog 26.03.2016 | 19:45

Ihre Fassungslosigkeit in Ehren, aber was soll die Aufregung? Ich kenne das Buch nicht, Punkt, kann daher dieses Buch nicht beurteilen und auch nicht ob darin ein Auseinandersetzung mit Gewalt stattfindet. Mir ist so gut wie nichts zu Reemtsma bekannt, jenseits von wikipedianiveau. Den muss man vielleicht auch nicht näher kennen. Ich sehe dass also nicht als Defizit. Daher behandele ich das Sujet abstrakt. Ich brauche meinen Satz dazu ja nicht wiederhohlen, haben sie ja 2 x gemacht.

Ich weiß nicht, ob sie den Thread verfolgt haben, der überhaupt zu einer solchen Frage geführt hat. Die Frage von Forist Moorleiche war schon absurd genug. H. Arendt kommt (in einem Briefwechsel mit Fest) zu der Aussage von der "empörenden Dummheit" Eichmanns. Moorleiche schreibt, Reemtsma behaupte, Eichmann habe Arendt hinter die Fichte geführt. Und dann fragt er, wer nun Recht habe, Arendt oder Reemstma? Mit was denn bitte ? Der Forist Moorleiche gibt keine Antwort. Wie auch? War Eichmann nun dumm oder nicht? Ich sage ja, und zwar mit dem oben erklärten Hinweis auf die Dummheit der Gewalt als nichtkommunikatives Phänomen ... und nehme dann die Abkürzung zur Notwendigkeit Dummheit strukturell einzubinden, um eine Gewaltherrschaft praktisch überhaupt aufrechterhalten zu können. Herrschaft braucht dumme Vollstrecker. Vielleicht können sie da zustimmen, wer weiß? Und damit bin ich bei der Herrschaft des Kapitals. Auch das braucht selbstverständlich eine möglichst umfangreich Dummheit, sonst könnte sie nicht bestehen, denn wer sollte die angebliche Intelligenzia denn sonst im Schwitzkasten halten? Der radikal kurze Vergessenshorizont der kapitalistischen Herrschaft un Ökonomie spricht für sich selbst….

Sie sehen Herr Reemtsma kommt bis dahin nicht mal wirklich vor, bzw. sein Urteil wäre nur in sofern überhaupt von Belang, oder könnte von Belang sein, wenn er etwa wüsste, was ein Eichmann denn stattdessen wäre. Wobei ich bemerken möchte, dass die möglichen Motive und Gründe sich der gewalttätigen Dummheit hinzugeben nicht verhindern, dass es gewalttätige Dummheit bleibt. Aber in der einzigen Aussage Reemtsmas, die ich aus dem quasi Zitat von Herrn Moorleiche kenne, geht es gar nicht um Eichmann, wie es scheint. Es geht um Frau Arendt, bei der ich persönlich durch einen Reemstma alleine, ganz egal wie der zur Gewalt oder zu Eichmann steht, erstmal keinen Grund sehen kann, an ihrer Einschätzung zu zweifeln. Zumnindest nicht bevor ich nicht zb das Buch Reemtsmas selberg elesen hätte ...

Sie sehen warum ich skeptisch auf eine so lapidar hingeworfene Frage von Moorleiche reagiere, und warum diese Frage durchaus die falsche war. Dass Reeemtsma als Mitglied der Kapitalelite dabei eine schweren Stand hat von Kritikern der Kapitalherrschaft ernst genommen zu werden, ist selbsterklärend. Es ist natürlich tragisch zum Opfer von Gewalt zu werden. Was aber bei einer individuellen Geschichte dieser Art ausgeblendet wird ist der Fakt, dass all Menschen unter der Kapitalherrschaft Opfer struktureller Gewalt sind, und auch diese ist sehr oft rein physischer Natur … es ist sogar davon auszugehen, dass gerade die mediale Konzentration auf einzelne Gewaltakte das Mittel der Wahl ist, die allgegenwärtige Herrschaftsgewalt auszublenden bzw. kommunikativ zu tabuisieren … und diese Gewalt, das weiß jeder, erzeugt wieder Gewalt und Gegengewalt - das ist das Thema dieses Blogs ... und nicht ob Hannah Arendt sich wohlmöglich was hat vermachen lassen. Und auch nicht was Reemstsma dazu denkt.

Wenn es noch eine interessante offene Frage geben sollte, dann wäre das mMn die nach dem Grund warum man der Definition von der absolutistischen Dummheit der Gewalt, die ich hier mit einer kurzen Bemerkung über Frau Arendt in die Debatte eingeführt hatte, überhaupt widersprechen würde. Dazu wagt Herr Moorleiche kein Statement, was erklärlich ist.

Man könnte zu diesem Thema darüber hinaus zB auch gut Graeber zitieren, der diese Thema in seinem letzte Buch recht deutlich behandelt.

Pregetter Otmar 26.03.2016 | 22:16

Nun, ich urteile nicht, sondern mach mir halt so meine Gedanken - mag sein, dass ich mich missverständlich ausdrückte. Natürlich hat sich Badiou nicht auf das Geldsystem bezogen - schrieb ich aber auch nicht.

- Ursache ist nicht gleich Wirkung (s. oben vom 23.3./23.44h)

a.) Kapitalismus: Aus meiner Sichtweise hat Badiou die systemischen Ursachen exact analysiert (die neue Form des Kapitalismus usw.) - und Augstein sich auf die Wirkungen bezogen (Integration usw.)

- - -

GeradeAlain Badiouhat die systemischen Ursachen sehr schlüssig erklärt in dem er, bezogen auf Slavoj Žižeks Ansicht - die Flüchtlingskrise ist auch das Ergebnis des globalen Kapitalismus – meinte:

"Ja, die Rolle des globalen Kapitalismus ist hier zentral. . . Er offenbart eine neue Form des Imperialismus, eine neue Form des Kampfes um Rohstoffe und Ressourcen. . . Das heißt, es ist nicht mehr der klassische Kolonialismus, in dessen Zuge ganze Staaten unterworfen wurden, sondern das, was man im Französischen „zonage“ nennt: die Akzeptanz zersplitterter, anarchischer Räume . . . , in denen keine staatlichen Strukturen mehr herrschen. . . ., sondern kriminelle Gangs regieren. . .

Der Westen beteuert etwa permanent, dass er die Terromiliz „Islamischer Staat“ bekämpfe, gleichzeitig hält er sie aber auch am Leben. . . Denn der IS ist mittlerweile ein ökonomischer Faktor, er handelt mit Kulturschätzen und Öl.“

Zitat: „Badiou verneint einen inhärenten Zusammenhang mit der islamischen Religion.

Völlig d`accord: er kennt die systemischen Ursachen genau und hat sie exact analysiert, wenn er sagt ...“ Es sind der Neid und der Hass der Ausgeschlossenen, die sich hier manifestieren. Damit ist der gewalttätige Islamismus nur ein Element im Kosmos des globalen Kapitalismus.“

b.) Kapitalismus - Geldsystem:

Im o.a. Kommentar wollte ich nur aus meiner Erfahrung auf eine Parallelität hinweisen - nämlich, dass sowohl

- beim "Kampf gegen den Terror" ... (der durch völkerrechtswidrige Kriege irres Unheil und Leid den Menschen, die nun zu uns flüchten, brachte)

- als auch bei (fast) allen Debatten um den Kapitalismus (hier eben der fehlende Bezug zum Geldsystem)

die Ursache außen vor gelassen oder kaum erwähnt wird - man sich aber in unendlichen Kommentaren den Wirkungen widmet- Ob dies aus Unkenntnis oder Kalkül passiert ... da kann sich jeer seine eigenen Gedanken darüber machen.

Das wollte ich damit zum Ausdruck bringen.

miauxx 26.03.2016 | 22:42

"Wer in seinem Handeln nicht an andere Menschen denkt, wie es der Fall ist (...)"

Sehr, sehr viele Menschen pflegen also kein Menschsein. Wäre ich Lethe, würde ich wohl entgegnen, dass der Mensch sich vielleicht gerade dadurch auszeichne, was Sie als "vom Menschsein herausgezogen" bezeichnen.

"Wo animalische Affekte die Motive für Tun und Lassen bestimmen (...)"

Dass wieder einmal das Tier herhalten muss um das Niederste zu beschreiben, ist ein bekannter Hut von Ihnen, eignet sich aber auch dieses Mal nicht als Argument (da kann ich mir meine Lehre auch bei einem Dorfpaffen des 17. Jh. abholen). -- Für den Moment nur eines dazu: Ein Tier mordet nicht. Menschen sehr wohl. Ich denke doch, Menschen sollte man mit Menschen vergleichen.

Moorleiche 26.03.2016 | 23:23

Moorleiche schreibt, Reemtsma behaupte, Eichmann habe Arendt hinter die Fichte geführt. Und dann fragt er, wer nun Recht habe, Arendt oder Reemstma? Mit was denn bitte ? Der Forist Moorleiche gibt keine Antwort. Wie auch?“

Wenn es nur darum geht: So wie ich Reemtsma verstanden habe, war er der Meinung, Eichmann habe Arendt den dummen Jungen vorgespielt, ja. Dann war er doch wohl ziemlich gerissen. Reemtsma ist thematisch, wie Rüdiger Grothues auch schreibt, sattelfest gewesen.

Aber es geht ja darum, ob man jemandem den braven Biedermann, der überzeugt war, nur seine Pflicht zu tun, abnehmen kann. Prinzipiell schon, in der Rolle Eichmanns wohl eher weniger.

War Eichmann nun dumm oder nicht? Ich sage ja, und zwar mit dem oben erklärten Hinweis auf die Dummheit der Gewalt als nichtkommunikatives Phänomen ... und nehme dann die Abkürzung zur Notwendigkeit Dummheit strukturell einzubinden, um eine Gewaltherrschaft praktisch überhaupt aufrechterhalten zu können. Herrschaft braucht dumme Vollstrecker. Vielleicht können sie da zustimmen, wer weiß? Und damit bin ich bei der Herrschaft des Kapitals.“

Und voll im ideologischen Fahrwasser.

iDog 26.03.2016 | 23:56

Sie steigen da in eine interessante Debatte ein. Es geht um die Frage warum der Mensch als einziges Säugetier grausam ist. Das ist ein Thema für Anthropologen. Wie und wann ist diese Grausamkeit entstanden? Was lösst sie aus, bzw. die Bereitschaft dazu. Zu was wird der, der einmal grausam war? usw.

In sofern gebe ich ihnen Recht , diese Grausamkeit ist eben nicht tierhaft , sondern ein wirklich menschliches Phänomen. Damit ist aber längst nicht gesagt, dass sie "die" Natur des Menschen ist, wie zumindest verkürzt immer mal wieder zu hören ist - von einer bestimmten "Seite" meist. Immerhin sind die meisten Menschen nicht grausam, allenfalls Opfer.

Ich vertrete die Ansicht , dass bestimmte gesellschaftliche Strukturen Grausamkeit erzeugen, andere nicht. Überflüssig eigentlich zu bemerken , dass der Mensch sich weder die gesellschaftliche Struktur aussucht, in die er nun mal hineingeboren wird, noch diese Struktur ad hoc ändern kann. Es ist in unserer "Zivilisation" eine hierarchische Herrschaftsstruktur, die nur Unterwerfung duldet, für all die, die in diese Hierarchie eingegliedert werden oder sich eingliedern lassen. Alles ander ist praktisch Widerstand. Ein dazwischen ist weitgehend illusionär. Koexistenz entsprechend verunmöglicht.

In letzter Konsequenz wird die Unterwerfung durch Grausamkeit oder deren Androhung erzwungen. Wer ist es nun , der sie androht oder praktiziert. Welche strukturelle Parxis führt zur institutioneller Grausamkeit? Wie wird der einzelne in die Praxis der Grausamkeit eingebunden. Wie wird strukturelle Grausamkeit anonymisiert?

Das sind Fragen und Themen , die zwar erörtert werden, aber doch weitgehend auf irelevant theoretischer Ebene - wie hier gerade, und nicht etwa da wo sie hingehörten, auf dem politischen Parkett.

Wo kämen wir da hin?

Reinhold Schramm 27.03.2016 | 01:47

Terrorismus und Kapitalismus

Gesamtbemerkung zu: @ IDOD, MOORLEICHE, MIAUXX, Augstein, etc.

Die heutige Hauptquelle der Eskalation und des Terrorismus ist der Kapitalismus.

Zum Gegenstand von Gewalt, Krieg und Terror.

Es geht letztlich um die Verfügungsgewalt, um über die (private) Aneignung der fremden Arbeitskraft der Menschen und über die materiellen Rohstoffquellen hierfür zu verfügen.

Der Mensch hat die Fähigkeit, über seinen Reproduktionsanteil hinaus, im Arbeitsprozess, Mehrwert zu schöpfen. Es tobt die Schlacht der Konkurrenten, über alle historischen Gesellschaftsformationen hinaus, über die Verfügungsgewalt, über diese mehrwertschöpfende Eigenschaft der menschlichen Arbeitskraft, um über die Fähigkeiten, über den materiellen Mehrwert der Arbeitskraft zu verfügen. Dies, auf allen Stufen der bisherigen technisch-wissenschaftlichen Entwicklung der Produktivkräfte und deren Wert- und Mehrwertschöpfung hinaus.

Alle bisherige staatliche Gewalt, Rechtsprechung und Justiz, Polizei und Militär, hat die primäre Hauptaufgabe, diese Aneignung fremder Arbeitsleistung zu legalisieren und für die Expropriateure zu sichern. So auch in der heutigen bürgerlichen Gesellschaftsforamtion, unter welcher ideologischen Tarnbezeichnung auch immer [z. B. als sog. "Soziale Marktwirtschaft" oder (Bourgeois-)"Sozialismus chinesischer Prägung", "Marktwirtschaft", "Freie Marktwirtschaft", etc.].

Die erweiterte Expropriation und materielle Sicherung der Expropriation [Rohstoffzufuhr und Bodenschätze], führt zu imperialistischen Verteilungskriegen und Staatsterrorismus, aber auch zur Gegenwehr, so auch unter der vereinigenden Flagge von Religion und religiösen Terror.

Die beste Quelle, um sich über das oben ungenügend skizzierte Problem eine umfassende persönliche Klarheit zu verschaffen, ist auch weiterhin, das Studium des Hauptwerks von Karl Marx: Das Kapital. Um hierbei, bei der persönlichen Aneignung des Lese- und Lernstoffs, aus den drei Bänden, externe Manipulationen durch bürgerliche Herausgeber und Verlage zu vermeiden, empfiehlt es sich, die noch vorhandenen Bücher und Quellen aus dem Dietz Verlag Berlin zu besorgen. [Deren Nachdruck und Originale, entsprechend noch aus der Hinterlassenschaft -der historischen DDR- zu besorgen. Gleiches gilt für alle veröffentlichten Marx/Engels Bände.]

Trotz alledem!

Moorleiche 27.03.2016 | 09:44

Hallo Idog.

Sie steigen da in eine interessante Debatte ein. Es geht um die Frage warum der Mensch als einziges Säugetier grausam ist. Das ist ein Thema für Anthropologen.“

Das bekommt schon wieder ne ideologische Schlagseite. Ich erkläre, warum.

Um sauber vorzugehen, müssten Sie erst mal denn Begriff klären. Was meinen Sie, Wenn Sie „grausam“ sagen? Prinzipiell hat jeder das Recht jeden Begriff der Welt so zu definieren, wie er lustig ist. Ich könnte ein Auto „Vanilleeis“ nennen und definieren, dass, wann immer ich „Vanilleeis“ sage, damit ein fahrendes Utensil, mit Lenkrad, Kabine, Motor, Reifen etc. meine. Das, was andere eben „Auto“ nennen.

Nur, genau weil andere für mein „Vanilleeis“ bereits einen Namen haben, nämlich „Auto“, stellt sich die Frage, ob es sonderlich sinnvoll ist, dem bereits existierenden Begriff zu ersetzen. Das kann durchaus mal Sinn machen, denn die Bildung neuer Begriffe ist kein Naturgesetz, sondern eine bloße Erfindung, besser Zuschreibung.

- Es gibt ganz neue Dinge, Tatsachen, Konstellationen, für die wir noch keinen Begriff haben.

- Es gibt Bedeutungsverschiebungen von Begriffen, von Kultur zu Kultur, Region zu Region, Zeit zu Zeit.

- Es gibt die Möglichkeit einen bereits bekannten Begriff in einen neuen Kontext zu stecken, um ihn zu verstärken, zu betonen, ihm eine neue Akzentuierung zu verleihen. (Hannah Arendts Geliebter, Martin Heidegger, hat das ganz gerne gemacht.)

Bei „Vanilleeis“ in der Bedeutung „ein fahrendes Utensil, mit Lenkrad, Kabine, Motor, Reifen etc.“ ist der Sinn der Geschichte eher fragwürdig, denn das Sprachspiel „ist ein Auto“ existiert ja bereits. Wenn ich nicht überzeugend darlegen kann, warum nun „Vanilleeis“ ein unglaublich geeigneter Begriff ist, für das, was man bislang „Auto“ nannte, passiert vermutlich folgendes: Es spielt keiner mit. Weil niemand den Sinn darin sieht, mit der bisherigen Gewohnheit zu brechen, mein Sprachspiel ist damit nicht anschlussfähig, wie es so schön oder unschön heißt.

„Grausamkeit“ ist nun ebenfalls eine Zuschreibung. Der Mensch, so lautet nun Ihre These, sei das einzige Säugetier das grausam ist. Wirklich?

- Wenn Katzen mit Mäusen spielen, sie gut eingespeichelt und halb perforiert ein wenig laufen lassen, dann wieder mit der Pfote drauf hauen, so eine halbe Minute verharren, schauen, ob das gepeinigte Opfer noch mal wegrennt und es dann, irgendwann, wenn sie die Lust verlieren, halb tot, aber leider auch noch halb lebendig liegen lassen, dann kann man das grausam finden. Die Zuschreibung wäre nicht falsch oder wirr. (Und das einzig grausame Säugetier, der Mensch, kommt dann manchmal des Weges und erlöst die halbtote Maus, die weniger grausamen Tiere interessieren sich hingegen überhaupt nicht, für das Schicksal und Leid der armen kleinen Maus.) Nun kann man sagen, das sei eben Natur, die Katze macht das ja nicht zum Spaß, sondern, weil sie Hunger hat. Manchmal ja, manchmal aber auch, einfach so, wenn sie satt ist. Viellicht kann sie nicht anders, aber sie macht das ja auch nicht immer und wenn sie die Lust verliert, lässt sie die Maus achtlos liegen. Es gibt Forscher, die den Grund darin in Folgendem sehen: Das Töten macht den Katzen einfach Spaß.

- Zwischen Löwen und Hyänen gibt es offenbar Feindschaften, die weit über territoriale Ansprüche und Nahrungskonkurrenz hinaus gehen. Da wird erbarmungslos oder eben grausam getötet, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Beobachter haben das Gefühl, dass die Tiere sich hassen müssen.

- Junge Elefanten „mobben“ bisweilen Nashörner, verdreschen sie, ohne größere Not, mit Ästen und dergleichen. Offenbar, weil sie es können. Ist das nicht grausam?

- Natürlich kann das ganze große Thema Affen nicht fehlen. Letztens habe ich noch eine Doku gesehen, in der explizit gefragt wurde, warum Schimpansen so grausam sind. Sie stellen wirklich Abweichlern nach, bestrafen diese, so dass sie das manchmal nicht überleben, führen regelrechte Kriege gegeneinander und bringen, ohne dass man erkennen könnte warum, andere Affenarten systematisch um.

Dasstellt die undiskutierte und zu schnell durchgewunkene These, der Mensch allein sei grausam, in ein anderes, vielleicht ideologisch motiviertes, vielleicht einfach unreflektiertes Licht.

In sofern gebe ich ihnen Recht , diese Grausamkeit ist eben nicht tierhaft , sondern ein wirklich menschliches Phänomen.“

Was Miauxx hier kritisiert ist, m.E. etwas anderes, nämlich, dass das Tier für die Charakterisierung menschlicher Niedertracht herhalten muss. Sie biegen das aber gleich wieder um, in Richtung ideologisches Fahrwasser und machen Miauxx zum angeblichen Kronzeugen für etwas, was er so gar nicht behauptet hat.

Immerhin, Sie nähern sich damit etwas einer Klärung des Begriffs, die dann aber erneut ausbleibt. Grausamkeit könnte hier heißen, zu wissen, dass das was man tut fürchterliche Konsequenzen für ein anderes Lebewesen hat und es dennoch zu tun. Das setzt eine gewisse Empathie und Moral voraus. Man weiß nicht, inwieweit Tiere dazu in in der Lage sind und inwieweit ein angeborener Sinn für Fairness, den Frans de Waal einigen Affen zuschreibt tatsächlich dasselbe ist, wie ein rational entwickelter Moralbegriff und eine Regel, der man sich mehr oder minder freiwillig unterwirft. Das müssten Sie diskutieren, aber Sie verfehlen es vollkommen. Denn Ihr Urteil steht schon fest.

Ich vertrete die Ansicht , dass bestimmte gesellschaftliche Strukturen Grausamkeit erzeugen, andere nicht.“

Das könnte ein Teil der Lösung sein, allerdings gibt es auch andere mögliche Erklärungen. Bspw. wundern sich Forscher, warum Schimpansen so überaus grausam sind und die Bonobos (im Grunde auch Schimpansen) ein paar Bäume weiter es schafften, all ihre Differenzen durch Sex zu lösen. Vermutlich ist der ziemlich unüberwindbare Kongo der Grund gewesen, der die Schimpansen der einen Seite ohne größere Nahrungsknappheit beließt, während die anderen um ihre Nahrung kämpfen mussten. Das wäre dann genetisch, geographisch, nicht gesellschaftlich.

Überflüssig eigentlich zu bemerken , dass der Mensch sich weder die gesellschaftliche Struktur aussucht, in die er nun mal hineingeboren wird, noch diese Struktur ad hoc ändern kann.“

Stimmt.

Es ist in unserer "Zivilisation" eine hierarchische Herrschaftsstruktur, die nur Unterwerfung duldet, für all die, die in diese Hierarchie eingegliedert werden oder sich eingliedern lassen. Alles ander ist praktisch Widerstand.“

Das ist in meinen Augen wieder ne ziemlich steile These. Frau Merkel kann ich mit der Aussicht auf Erfolg verklagen, wenn die Klage begründet ist. Versuchen Sie das Spiel mal in Russland, Nordkorea, bei den Saudis oder dem demokratischen Sultan der Türkei.

In letzter Konsequenz wird die Unterwerfung durch Grausamkeit oder deren Androhung erzwungen.“

Echt? Nirgendwo Freiwilligkeit? Keine Kooperation? Nur Zwang und Androhung. Keine Sozialsysteme, kein Mitgefühl nirgendwo? Wo leben Sie?

Wer ist es nun , der sie androht oder praktiziert. Welche strukturelle Parxis führt zur institutioneller Grausamkeit? Wie wird der einzelne in die Praxis der Grausamkeit eingebunden. Wie wird strukturelle Grausamkeit anonymisiert?“

Eine petitio principii jagt die nächste durchs ideologische Inferno. Da wird ne These rausgehauen, von der vollkommen unklar ist, ob sie stimmt und schon im nächsten Satz wird suggeriert – denn mehr als Suggestion ist es nicht, wenn man den ideologischen Bodensatz mal abzieht – dass sie stimmen würde, dass es so und nicht anders ist.

Das sind Fragen und Themen , die zwar erörtert werden, aber doch weitgehend auf irelevant theoretischer Ebene - wie hier gerade, und nicht etwa da wo sie hingehörten, auf dem politischen Parkett.

Wo kämen wir da hin?“

Wir kämen zu einer echten Diskussion, weg vom ideologischen Schützengraben. Aber, wer will das schon, gelle?

Moorleiche 27.03.2016 | 09:56

Hallo Idog.

Wenn sie ein anderen Grund wissen , immer raus damit. Auf was begründet sich Herrschaft ihrer Meinung nach? Welch eandere Dimension der Herrschaft wäre da zB. zu erörtern?“

Hm. Vielleicht sind Sie es einfach nicht gewohnt Dinge anders als ideologisch überfrachtet zu betrachten. Sie springen hier schon wieder kopfüber in ein Thema, nun also Herrschaft und tun so, als sei damit alles klar und gesagt. Auch wenn es lästig ist, man muss, wenn man ernsthaft über was diskutieren will, den Begriff klären.

Was verstehen Sie unter Herrschaft? Was fällt für Sie darunter, was nicht mehr und warum ist genau da die Grenze?

Man kann natürlich auch davon ausgehen, als sei jedem alles klar, aber nach Erfahrungen mit wüsten Diskussionen hat es sich zuweilen als nützlich erwiesen, vorher mal nachzufragen, was man genau meint – und was nicht mehr – wenn man von Macht, Herrschaft, Unterdrückung, Gewalt, Missbrauch und dergleichen redet.

Klar, politisch oder ideologisch motiviert klingt das immer super. Da ist man das für Gerechtigkeit und Freiheit, gegen Armut und Unterdrückung. Toll! Wer kann dazu schon Nein sagen? Leider steckt der Teufel oft im Detail. Ist ein Schulkind eigentlich schon missbraucht? Schließlich will es ja oft nicht in die Schule. Es wird also gegen seinen Willen dazu gezwungen.

Bin ich als Autofahrer unterdrückt, weil er Verkehrsregeln gibt? Hat mich ja keiner gefragt, vielleicht wäre ich lieber links gefahren, Sauerei.

Moorleiche 27.03.2016 | 10:08

Hallo Reinhold Schramm.

Alle bisherige staatliche Gewalt, Rechtsprechung und Justiz, Polizei und Militär, hat die primäre Hauptaufgabe, diese Aneignung fremder Arbeitsleistung zu legalisieren und für die Expropriateure zu sichern.“

Echt? Dann steht das bestimmt auch so im Grundgesetz, wenn es die primäre Aufgabe aller staatlichen Gewalt ist. Können Sie die entsprechenden Passagen mal zitieren, die müssen ja an prominenter Stelle stehen, wegen der hohen Bedeutung.

Es ist ja schön und durchaus diskutabel, wenn das Ihre Lesart ist, aber zu klären, wäre dann, warum genau diese Lesart besser, treffender sein soll um die Welt im Ganzen zu beschreiben (und vielleicht ist sie nicht mal im Ganzen zu beschreiben, sondern besser in einzelnen Systemen, à la Luhmann, Latour usw., wer weiß das schon?).

Wir sind halt alle manipuliert, die Dummen spielen einfach so mit, die Klugen sehen immerhin was gespielt, können aber auch nichts dagegen machen. Außer eben, sich zu vereinigen, Revolution uns so. So geht das Spiel doch, oder?

iDog 27.03.2016 | 11:26

Herr Moorleiche, lassen Sie es gut sein. Ihre Auffroderung an mich hier den philosophischen Grundkurs zu geben kann ich leider nicht nachkommen - dazu fehlt nicht nur die Zeit , sondern hier ist auch nicht der richtige Ort dafür , vielmehr ist er gegebenenfalls die Vorraussetzung, die man selber erfüllen muss. Mit anderen Worten : Wieso sollte ihnen ein anderer das Licht halten? Sie müsen sich schon selber schlau machen. Hätten sie das getan, würden sie hier nicht so rumschwurbeln. Ihr Eiertanz eine begründete Kritik als ideologisch abzutun oder Begriffe als undeffiniert zu bezeichen, zeugt nicht nur von Phantasielosigkeit, sondern leider auch noch von einem Magel an Kenntnissen oder Bildung wenn ich denn ausschleiße, dass sie es aus einer politischen Intention heraus tun.

Bedenken sie : Ich habe es nicht nötig Sie zu überzeugen, jeder überzeugt sich selbst, wer hätte das gedacht? Und wer das nicht tut, meint zwar auch von einer Realtät ausgehen zu können, bildet sich wohlmöglich ein, er sei schon überzeugt, kommt aber genau dann in Verlegenheit, wenn sein Überzeugung durch realistischere Betrachtung oder gezielte Fragen zu einem Häufchen Asche zusammenfällt....

Ihre Meinung ist mir also egal, ich schreibe hier um der Sache selbst willen. Sollten sie eine andere Position vertreten wollen, tun sis das doch einfach anstatt mir unsinnige Frage zu stellen. Sie kennen ja nun meine Position. Sie aber bezeihen nicht mal eine. Schwaches Bild.... sehr bedenklich. Sollten sie keine Meinung habe?

Zur Grausamkeit enpfehle ich den französischer Anthroplogen und Philosofen Haneff, zur Dummheit der Gewalt wie gesagt David Graeber. Viel Spaß dabei. Denn : Truth is more fun than fiction!

Darüber hinaus : Meinen sie nicht , dass sie sich lächerlich machen könnten , wenn sie nach einer Definition des Begriffs Grausamkeit fragen?

Ich sag ihnen was : Sie können es einfach nicht ertragen, feststellen zu müssen , dass sie an ein menschenentwürdigendes Herrschaftssystem glauben. Das kann ich durchaus nachvollziehen, denn wenn man sich das klar macht, den Mut daszu augfbringt, fällt eine ganze Weltanschauung oder sogenannte aber eingeblidetet "Indentiät", vielleicht sogar eine Existenz zusammen. Man meint vielleicht, dass man nicht mehr in den Spiegel schauen kann vor Scham auf solch eine simple Zirkusnummer sein Leben lang hereigefallen zu sein. Aber seien sie beruhigt, so oder ähnlich ist es allen ergangen, die eines Tages verstanden haben wie der Hase wirklich läuft. Es ist nie zu spät sich einzugehstehen , dass man sich geirrt hat. Viel schlimmer ist es, dies nie getan zu haben.

iDog 27.03.2016 | 11:37

"Echt? Dann steht das bestimmt auch so im Grundgesetz"

Jetzt haben Sie aber ihr Pulver endgültig verschossen. Ich weiß nicht wie sie das noch toppen wollen ... das ist comedy pur : sind sie mit der Nummer noch frei?

Also bitte sie Einstein: Lesen sie doch mal Hannah Arend : zB. Viva Activa. Darin die für alle verständliche Erklärung, warum der Kapitalismus das Enteignungssystem ist und nicht etwa der Kommunismus. Um es ihnen einfach zu machen, hier die Erstklässlerfrage: Wer ist es, der den Menschen bis heute ihre Lebensgrundlage unter den Arsch wegstiehlt (privare = rauben), um sie alsdann sein Eigentum zu nennen? Und wer beschützt dieses sogenannte Eigentum dann? Die Antwort auf die letzte Frage ist natürlich im Grundgestzt zu finden. Wo sonst? Warum wohl?

Moorleiche 27.03.2016 | 11:47

Hallo Idog.

Sie müsen sich schon selber schlau machen.“

Hab ich doch und Sie gleich mit. Versuchsweise.

Hätten sie das getan, würden sie hier nicht so rumschwurbeln. Ihr Eiertanz eine begründete Kritik als ideologisch abzutun oder Begriffe als undeffiniert zu bezeichen, zeugt nicht nur von Phantasielosigkeit, sondern leider auch noch von einem Magel an Kenntnissen oder Bildung wenn ich denn ausschleiße, dass sie es aus einer politischen Intention heraus tun.“

Wo und wie haben Sie die Begriffe denn definiert?

Bedenken sie : Ich habe es nicht nötig Sie zu überzeugen, jeder überzeugt sich selbst, wer hätte das gedacht?“

Wir sind Wesen die einander Gründe geben. Die besseren gewinnen. Vielleicht nicht so umfassend, wie Habermas das gerne hätte, aber wenigstens in gebildeten Kreisen gilt da noch.

Ihre Meinung ist mir also egal, ich schreibe hier um der Sache selbst willen.“

Wer hätte das gedacht, dass Ideologen die Meinung anderer egal ist? ;-)

Sollten sie keine Meinung habe?“

Tut mir leid, wenn ich Ihr Schubladendenken nicht adäquat bediene.

Darüber hinaus : Meinen sie nicht , dass sie sich lächerlich machen könnten , wenn sie nach einer Definition des Begriffs Grausamkeit fragen?“

Nein, denn ich habe meine Position ja ausführlich begründet.

Ich sag ihnen was : Sie können es einfach nicht ertragen, feststellen zu müssen , dass sie an ein menschenentwürdigendes Herrschaftssystem glauben.“

Echt?

Das kann ich durchaus nachvollziehen, denn wenn man sich das klar macht, den Mut daszu augfbringt, fällt eine ganze Weltanschauung oder sogenannte aber eingeblidetet "Indentiät", vielleicht sogar eine Existenz zusammen.“

Das ist das geschlossene Weltbild der Ideologen und Fundamentalisten: Ich hab' recht, wer es anders sieht ist dumm oder feige, wahlweise beides.

Ratatörskr 27.03.2016 | 12:09

Allerdings belegen Sie hier selbst, wie Sie nicht zu einer echten Diskussion kommen können.

Um sauber vorzugehen, müssten Sie erst mal denn Begriff klären. Was meinen Sie, Wenn Sie „grausam“ sagen? Prinzipiell hat jeder das Recht jeden Begriff der Welt so zu definieren, wie er lustig ist. Ich könnte ein Auto „Vanilleeis“ nennen und definieren, dass, wann immer ich „Vanilleeis“ sage, damit ein fahrendes Utensil, mit Lenkrad, Kabine, Motor, Reifen etc. meine. Das, was andere eben „Auto“ nennen.

Das ist eine aberwitzige Sprachbeugung, so kann Ihnen niemand absprechen, dass Sie für sich eine eigene Sprachdefinition haben, die zwischen Vanilleeis und Auto für Sie passend ist. Aber kein Richter wird Ihnen abnehmen, dass Sie im VanilleeisAuto stockbetrunken einen Totalschaden bauten. Dann gelten keine mildernde Umstände. Führerschein weg, am Irrenhaus knapp vorbei. So ein Vanilleeis-Auto können Sie zu Ihrem Glück auch nicht kaufen.

Rüdiger Grothues 27.03.2016 | 12:22

In meinem Kommentar hatte ich dargelegt, warum es völlig abwegig ist zu bezweifeln, dass sich Reemtsma mit dem Thema der Gewalt auseinandergesetzt hat, in etwa so abwegig wie die Behauptung, Karl Marx habe sich nicht mit Ökonomie, Paul McCartney nicht mit der Verfertigung von Popsongs und Roger Federer (→siehe auch Joan Robinson; Carole King; Serena Williams) nicht mit den Feinheiten des Tennisspiels auseinandergesetzt.
Ihre Reaktion:
"Ich kenne das Buch nicht, Punkt, kann daher dieses Buch nicht beurteilen und auch nicht ob darin ein Auseinandersetzung mit Gewalt stattfindet. Mir ist so gut wie nichts zu Reemtsma bekannt, jenseits von wikipedianiveau. Den muss man vielleicht auch nicht näher kennen. Ich sehe dass also nicht als Defizit."

Aber damit nicht genug:
"Dass Reeemtsma als Mitglied der Kapitalelite dabei eine schweren Stand hat von Kritikern der Kapitalherrschaft ernst genommen zu werden, ist selbsterklärend."
Wer gehofft hatte, dieser Schlenker bliebe ihm erspart, war ein Narr.
Nun kann kein Mensch etwas dafür, in welche Verhältnisse er hineingeboren wird, zum Beispiel als Nachkomme einer sogenannten Dynastie. Entscheidend ist ja, und eine Binse, was der Mensch aus seinen Möglichkeiten und gegebenfalls auch seiner Last macht. Und auch da wäre ein genauerer Blick auf Remtsmas Schaffen und Aktivitäten sehr hilfreich. Sie jedoch haben ja das theoretische Rüstzeug, das stellt von allen Zweifeln frei und enthebt Sie von allen Mühen der Ebene.
Wer holzschnittartig an einer Kapitalscheide aussortiert, hat natürlich leichtes Spiel, wenn es auch manchmal ebenfalls ein grausames ist.

iDog 27.03.2016 | 12:29

"Wo und wie haben Sie die Begriffe [Grausamkeit] denn definiert?"

Ich brauche ihn nicht zu definieren, er ist definiert und die entsprechende Realität ist ihnen genau so klar wie allen anderen. Das ist ja der Witz und der Grund warum die Elemente der Gesellschaft die Wichtigsten sind , von denen wir nicht wissen , dass wir sie wissen. Sie brauchen also nur von den beiden, an sich für alle offensichtlichen, strukturellen Extremen der Grausamkeiten unserer Gesellschaft ausgehen: Folter einerseits und politische Entmündigung des Individuums andereseits. Totale Abhängigkeit und Ausgeliefertsein und Vernichtung der Würde könnte man das auch nennen....

Es stellt sich also eher die Frage wieso sie so tun als wüssten sie nicht ganz genau was Grausamkeit ist. Anstatt desen schwurbeln sie in Brehms Tierleben rum und wollen damit sozioliolgische und psychologische Phänomene naturalisiern ... oder was?

Herr Moorleiche, sie repetieren hier ein herrschsftkonformistisches Kinderprogramm.

Falls die besseren Gründe gewinnen, was ich bezeweifle, weil schon die Gewalt gewinnt, möcht ich darauf hinweisen , dass die Kapitalherrschaft für alle, inkusive für die Wasserträgern und Vollstrecker der Herrschaft ein Katatsrophe nach der anderen erzeugt, seine ideologischen Versprechen, die fatal an diverse religiöse erinnern, nicht nur nicht einlosen kann, sondern das auch nie vorhatte. Sie führen hier Gründe an, diesen Versprechen und deren absurden Herleitungen Glauben zu schenken. Wo leben sie?

Ihre "Gründe" sind pseudoneutrale Illusionen, was meinen sie wie oft ich diesen Kerempel in den letzte 10 jahren in onlineportalen schon gelesen habe? Es ist immer dieselbe ergeben resignative Leier.

Ich bin kein Philosoph , aber weiß genug, um verstanden zu haben, dass Philosophie immer Ethk ist. Sie ist seit den Vorsokratikern das Phänomen der Kritik an einer grausemen Gewaltherrschaft. Positivismus und Strukturaslismus, Wittgenstein und Konsorten, auch Poststrukturalismus zum Teil , Weber zum Teil, Luhman zum Teil, das ist keine Philsophie und will es meist auch nicht sein. Wir waren logischerweise an der Stelle schon einmal angekommen, wenn ich nicht irre.

Wir machen es uns also einfach : Sie nennen mir den ihrer Meinung nach besseren, gewinnenden Grund, und wenn es nicht die Gewalt ist, sehen wir weiter. Aber tun sie mir einen Gefallen , werfen sie bitte vorher noch kurz einen Blick rundum, auf das Thema diese Blogs und die globale Lage.

iDog 27.03.2016 | 12:36

Ich gebe ihnen bedingt sogar Recht in dem was sie schreiben. Sie verfeheln aber trotzdem leider den Punkt. Ich hatte gehofft sie auf diesen hingewisen zu haben. Es geht nicht um Reemtsma und dessn Ansichten zur Gewalt. Es ging um die Dummheit derselben.

Ihren Ausführungen entnehme ic an sich , dass sie durchaus in der Lage wären diesen Punkt zu verstehen. Sie gehen aber nicht darauf ein. Was nun?

Moorleiche 27.03.2016 | 12:53

Hallo Idog.

Ich brauche ihn nicht zu definieren, ...“

Doch und ich habe sogar erklärt, warum. Es sei denn, Sie haben kein Interesse an einer Diskussion, dann können wir uns das schenken.

Es stellt sich also eher die Frage wieso sie so tun als wüssten sie nicht ganz genau was Grausamkeit ist.“

Vermutlich habe ich mir tatsächlich mehr Gedanken darüber gemacht als Sie, aber um mit Ihnen zu diskutieren, muss ich ja wissen, was Sie dazu denken, es sei denn, Sie möchten sich von mir unterstellen lassen, was Sie denken, denn so machen Sie es ja scheinbar gewohnheitsmäßig auch.

Ich bin kein Philosoph , aber weiß genug, um verstanden zu haben, dass Philosophie immer Ethk ist.“

Ethik ist neben Erkenntistheorie, Logik, Metaphysik, Ästhetik, Wahrheitstheorien und anderen ein Teilgebiet der Philosophie.

Positivismus und Strukturaslismus, Wittgenstein und Konsorten, auch Poststrukturalismus zum Teil , Weber zum Teil, Luhman zum Teil, das ist keine Philsophie und will es meist auch nicht sein. Wir waren logischerweise an der Stelle schon einmal angekommen, wenn ich nicht irre.“

Ja, ich fand Sie da erschreckend inkompetent und vorurteilsbeladen. Sie ließen nur das marxistisch-leninistische Programm gelten.

Wir machen es uns also einfach : Sie nennen mir den ihrer Meinung nach besseren, gewinnenden Grund, und wenn es nicht die Gewalt ist, sehen wir weiter.“

Für die Existenz von Grausamkeiten? Da gibt es viele: Not, Sadismus, weil man es kann, Gedankenlosigkeit, moralisch niedrige Entwicklung, einhergehend mit einem etwas schiefen Bild von sich und anderen, mit Empathimangel. Also oft Eskalationsstufen der Psychopathologie, die ihrerseits wieder viele Gründe hat. Primär das Umfeld, aber auch genetische Dispositionen, vor allem der Affektregulation.

Selbstverständlich spielt auch institutionalisierte Gewalt eine Rolle. Aber das ist nicht nur der Kapitalismus, es gibt bedeutende sozialpsychologische Faktoren, Milgrams Experimente sind hier bekannt. Und all das, wir wissen das u.a. auch durch die Epigenetik, greift fröhlich ineinander.

Aber wo beginnt und endet Grausamkeit? Ist der Zahnarzt grausam, weil er mir Schmerzen zufügt? Ist der Lehrer grausam, weil ich doch lieber spielen möchte?

GEBE 27.03.2016 | 13:38

Auch Ihre affektiv assoziierende Reaktion zu dem von mir verwendeten Begriff ist bezeichnend. Ich lese da nirgends 'Tier' oder tierisch. Anscheinend sind auch Sie nicht in der Lage, zum Begriff über ein vulgäres, begriffliches Reiz-Reaktions-Schemata zu kommen.

Als Tip: vieleicht sollten auch Sie erst einmal die Begrifflichkeit "animalisch" und deren Ursprung mitsamt etymologischer Ableitung zur Kenntnis nehmen; am besten vielleicht auch mal ausnahmsweise nicht über "Wiki", sondern aus seriöser Quelle.

Aber nicht, daß es Ihnen bei der dann womöglich aufsteigenden Erleuchtung den Atem verschlägt.^^ P.S.: Es gab den Begriff übrigens schon vor C. G. Jung.

Gesegnete Ostern!

janto ban 27.03.2016 | 14:59

Das finde ich lustig. Du definierst Nicht-Menschlichkeit unter Zuhilfenahme der Kurzfassung dessen, was man jedem Geschichtsbuch an Infos über das menschliche Wesen entnehmen kann. Und jeder Tagesschau. Schon frage ich mich, ob du und ich und alle demnach überhaupt Menschen sind, wenn wir - deiner Definition folgend - von Unmenschen abstammen.

|| Wer in seinem Handeln nicht an andere Menschen denkt, wie es der Fall ist, wenn über deren Leben und Sterben eigenmächtig hinwegentschieden wird, hat sich vom Menschsein herausgezogen und verabschiedet. ||

Das muss ich mal unserem Bundesminister für Entwicklung und Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CSU) vorlegen und fragen, was er dazu meint. Unter vier Augen.

Es mag schwer zu ertragen sein, Gebe, aber Massenmörder sind auch Menschen. Doch auch der Reflex, sich vom sog. Unmenschlichen in anderen Menschen zu distanzieren, ist allzu menschlich. Menschen, mit allen Höhen und Tiefen, wohin man auch blickt. Was z.B. "Affekte" und "Reiz-Reaktions-Schemata" betrifft, reicht ein Blick auf die Landtagswahlergebnisse von vor zwei Wochen.

iDog 27.03.2016 | 15:01

Milgram ist immer die einzige Hausnummer , die bei diesem Thema dann kommt. Stellen sie sich einfach mal kurz das Milgram Experiment ohne Hierarchie vor ... ach , dann kann es das nicht geben ? Wie merkwürdig. Sie wollen also mit den Folgen der Hierrachie die Existenz der Hiererchie beweisen? Prima , weiter so.

Aber wo beginnt und endet Grausamkeit? Sagt ich, glaube ich, bereits , bei der Entwürdigung des Individuums , und dafür gibt es Millionen Möglichkeiten, die alle nur dann einen Sinn machen , wenn man beherrschen will, was im extrem dann Folter ist.

iDog 27.03.2016 | 15:36

"Sie ließen nur das marxistisch-leninistische Programm gelten."

Das ist natürlich Unsinn, ich denke vielmehr, dass gerade Marx zumindest nicht mehr zeitgemäß ist. Das habe ich ihnen das letzte Mal schon geschrieben. Marxismus ? Meinen sie den der UDSSR oder den von Mao, oder ... ? Von was reden sie überhaupt, das sind doch nur Worthülsen altmodischer, politischer Kampfbegriffe. Die Herrschaft, von der ich rede ist, ist real udn wirklichkeitbestimmend, ganz egal , ob man die aus einem marxisitischen" oder einem neoliberalen oder aus was auch immer für einem Blickwinkel sieht.

Andererseits bin ich Antikapitalist, ganz richtig. Und lese Philosophie aus diesem Blickwinkel. Wieso sollte ich dann Wittgenstein und Foucault etc. bevorzugen. Das wäre unsinnig.

Das Elend der Welt, die von der Kapitalherrschaft erzeugte Misère wird jndess auch ihnen nicht komplett entgangen sein, wenn sie auch versuchen diese Herrschaft hier zu negieren. Wenn sie die Misère ursächlich nicht zuordnen wollen oder können, dann ist das Ihr Problem. Und ob sie mich dann dabei inkompetent finden oder nicht, ist völlig irrelevant, denn es ändert nicht an der Wirklichkeit. Persönlich ist es eher ein Kompliment für mich, denn ihre Allgemeinplätze , ihre "Vision" von Gesellschaft oder ihre Mission, die sie hier bescheiben , möcht ich wirklich nicht teilen müssen. Genau gegen diese Art der Heuchelei kämpfe ich politisch tatsächlich jeden Tag aktiv.

Sie dagegen beschuldigen ursachenbezogene Argumentation zur Kritik an der gessellschaftlichen Realität der Einseitigkeit, weil sich diese auf eine komplett eindimensionale Herrschaftsstruktur bezieht. Das Wort kann ich mir selber beser im Munde umdrehen. Da brauche ich nicht mit ihnen zu debattieren.

Sie haben nicht auf meine Fragen nach weiteren Dimensionen der Herrschaft antworten können. Damit bleibt die dumme Gewalt wohl doch der "Gewinner" in ihrem Wettbewerb der besseren Gründe. Und sie eieren weiter um den heißen Brei herum. Aber nicht mit mir bitte. Das recht jetzt. Der Gemüsegarten ist dann wahrschenlich doch sinnvoller als hier den der besagten Dummheit zu trotzen.

Sie behaupten ich wolle nicht debattieren. Lächerlich , mach ich hier seit tausenden von Kommentaren. Sie kennen meine Position ganz genau während sie nichts als hohle Ausweichmanöver versuchen. Ich behaupte sie haben keine klare Position bezogen udn werden das auch nicht tun - ich kenne das zur Genüge. Von selbstgerechten Strategen wimmelt es hier nur so. Sie wollen ursächliche Kritik diskreditieren und im Krieg der Worte , in dem sie sich mittlerweile mehrfach verplappert haben, ihr Gesicht nicht verlieren. Hauptsache es macht Spaß.

janto ban 27.03.2016 | 15:42

Naja, aber eben auch ein menschlicher Zug. Das ist doch der Wahnsinn. Man will sich gar nicht vorstellen, dass ein sog. Unmensch z.B. ein liebevoller Familienvater sein könnte. Zu groß ist wohl die Angst, dass das, was als unmenschlich erkannt wird, weitergegeben werden könnte.

Die Wurzel des Wunsches, sog. Unmenschen unschädlich zu machen (und ich verwende das Wort auf eigene Gefahr jetzt einfach mal) scheint mir einer schwer zu fassenden Melange aus Angst, Hass und Egoismus zu entspringen. Etwas oder jemanden, das/der dem eigenen (oder kollektiven) Empfinden nach der christlich-landläufigen Definition von (Mit-)Menschlichkeit nicht zuträglich ist, seines (gesellschaftl. betrchtet: unseres) Wirk- und Einflussbereiches zu entziehen, ist ja auch das Prinzip der sog. Freiheitsstrafe. Haargenau betrachtet wird dabei aber dem Täter nicht Freiheit genommen, sondern den Opfern (vergangenen wie potentiell zukünftigen) Freiheit (zurück-)gegeben.

Kein leichtes Thema. Nicht zuletzt weil wir das in der Sprache derer besprechen, denen in puncto politischem Wegdefinieren von Menschlichkeit so schnell niemand etwas vormacht. Das ist das halt.

Nach meiner Meinung gefragt, würde ich übrigens in einer schwer zu fassenden Melange aus Angst, Hass und Egoismus kundtun, dass der radikale Islamismus in Europa unschädlich gemacht gehört. Auf alle Gefahren hin, die diese Aussage birgt. Der Vollständigkeit halber. Ich bin nämlich auch nur ein Mensch ;o)

Pregetter Otmar 27.03.2016 | 16:11

"Echt? Dann steht das bestimmt auch so im Grundgesetz"

Dazu 2 Beispiele:

- der Lissabonvertrag steht ja über dem Grundgesesetz, weil Verfassung der EU. Dort findet sich die mittlerweile durch die Realität entsorgte NO-Bail-Out_Klausel, Art. 125 AEU-Vertrag, wo der Nichtbeistand der EU als auch einzelner Länder gegenüber anderen Staaten als eines der finanziellen Fundamente der Währungsunion niedergeschrieben wurde.

Nun ist es sehr verwunderlich, dass die ehem. Finanzministerin Frankreichs, Christine Lagarde, den Bruch dieser Verfassungsbestimmung öffentlich kundtut - im Wallstreet-Journal, 2010 - Zitat:

"We violated all the rules because we wanted to close ranks and really rescue the euro zone. "The Treaty of Lisbon was very straight-forward. No bailout."

http://www.reuters.com/article/us-france-lagarde-idUSTRE6BH0V020101218

- Buchgeld - Execution in das Vermögen der Kreditnehmer:

das Buchgeld der Geschäftsbanken hat keine gesetzliche Basis - weder in DE (Kreditwesengesetz) noch in unserem Bankwesengesetz.

Nun möchte man meinen, dass dies Allgemeinwissen darstellt, dem ist aber nicht so - im Gegenteil: liest man in den Gesetzen, die die Stellung im Konkursfall eines Unternehmens oder einer Privatperson festlegt nach, so ist man blass erstaunt, denn unmittelbar nach dem Staar und den SV-Trägern kommen die Forderungen dern Banken ?!

Also - es gibt keine gesetzliche Basis, dass die Banken das Buchgeld überhaupt erzeugen d ü r f e n - dennoch wird ihnen im Konkursfall auch noch ein Vorrangstellung gegenüber allen anderern Gläubigern eingeräumt - wie geht dat denn?

- - -

Ich möchte nicht den Begriff - "Herrschaft des Kapitals" - strapazieren, den hat IDOG klar und unmissverständlich erläutert.

Wenn es aber weiterer "Beweise" ... dazu bedarf, sollten sie sich alle Verfassungs- und sonstigen Gesetzesbrüche der Politik + der Banken mal zur Brust nehmen . . .

GEBE 27.03.2016 | 16:21

Jong, loß den Stuß stecke!

Nirgends behaupte oder definiere ich, daß "... wir - deiner Definition folgend - von Unmenschen abstammen."

Allerdings werde ich niemandem widersprechen, der das von sich selbst im Erwägung zieht; ebenso wenig wie ich irgend jemandem widersprechen werde, der der Ansicht ist, er stamme von Affen ab.^^

"Es mag schwer zu ertragen sein, Gebe, aber Massenmörder sind auch Menschen." Klingt human, ist aber eine gedankliche Implosion dadurch, daß die Unterscheidung zwischen Willkür und Freiheit nicht gezogen ist; daran implodiert diese Auffassung; auch wenn sie in noch so all-liebender Attitüde daherkommt und fast schon nach fundamentalistisch-evangelikaler Haleluja-Trance duftet.

So lasset uns alles rundliche in Liebe als Kreise annehmen, denn wahrlich ich sage euch, ein Kreis hat denn weniger und mehr als 360°. Und wer da unter euch ist, der einem Dreieck die Kreisform neidet, der soll fortan ein Quadrat geheißen werden; denn alle Winkel sind des Herrn! Und wer da will unterscheiden zwischen rund und eckig, dem mangelt es an der Liebe des Herrn der Kringel!^^

Pregetter Otmar 27.03.2016 | 16:24

Fatale Eskalation - aus historischer Sicht:

Ursache - ist nicht gleich Wirkung III

das scheint mir DAS Problem in vielen Analysen und Kommentaren zu sein, so wie hier auch. Das Archiv ist ein Hund lautet so ein geflügeltes Wort in der österr. Politik, weil man damit alle Politiker leicht entlarven kann.

In den letzten 200 Jahren wurde weder Europa noch die USA von einem muslimischen Staat angegriffen. Umgekehrt war dies jedoch 60 mal der Fall!

Nur damit keine Missverständniss entstehen: dass die Anschläge ein barbarisches Verbrechen sind, ist unbestritten! Nur sollten wir a l l e endlich damit aufhören, die Muslime generell als "gewalttätig und grausam" zu bezeichnen - wenn die westliche "Wertegemeinschaft" ungleich kriegerischer in (fast) allen Teilen der Welt agiert: nein - wir sind nicht die GUTEN!

1798 – 1801 Ägypten von Frankreich besetzt.

1820 – 1971 Bahrain: Großbritannien erzwingt "Schutzvertrag/Protektorat".

1825 Mauretanien: Krieg Frankreichs gegen die Provinz Trarza.

1830 – 1962 Algerien: Französische Kolonialherrschaft.

1839 – 1967 Jemen: Britische Besetzung von Aden.

1839 – 1842 Afghanistan: Erster Krieg Großbritanniens.

1844 Marokko: Frankreich führt Krieg gegen Marokko.

1855 Mauretanien: Zweiter Krieg Frankreichs gegen die Provinz Trarza.

1856 – 1857 Persien: Großbritannien greift Persien an.

1858 – 1947 Pakistan: Britische Besetzung des indischen Subkontinents.

1859 – 1860 Marokko: Spanien führt Krieg gegen Marokko.

1862 – 1977 Frankreich zwingt Dschibuti einen "Schutzvertrag" auf.

1878 – 1880 Afghanistan: Zweiter Krieg Großbritanniens.

1881 – 1956 Tunesien: Eroberung und Unterwerfung durch Frankreich.

1881 – 1898 Sudan: Großbritannien schlägt antikolonialen Mahdi-Aufstand nieder.

1882 – 1956 Ägypten: Britisches Protektorat.

1884 – 1960 Somalia: Protektorat Britisch-Somaliland (Nordsomalia).

1888 – 1960 Somalia: Kolonie Italienisch-Somaliland (Südsomalia).

1891 – 1958 Oman unter britischer "Schutzherrschaft".

1893 Marokko: Spanischer Krieg gegen Stämme im Rif-Gebirge.

1899 – 1920 Somalia: Briten und Italiener unterdrücken Freiheitskampf der Somalier.

1899 – 1956 Sudan: Britische Kolonialherrschaft.

1899 – 1961 Kuwait unter britischer "Schutzherrschaft".

1901 – 1904 Somaliland: Erster bis vierter militärischer Feldzug Großbritanniens.

1902 – 1960 Mauretanien: Besetzung durch Frankreich.

1909 – 1910 Marokko: Spanischer Angriff auf Melilla.

1911 – 1912 Italienischer Angriffskrieg auf das Osmanische Reich.

1911 – 1943 Libyen: Besetzung durch Italien.

1912 – 1956 Marokko: Französische und spanische Besatzung.

1914 – 1921 Iran: Krieg und Besetzung durch britische und russische Truppen.

1916 – 1971 Qatar unter britischer "Schutzherrschaft".

1917 – 1932 Irak: Unterwerfung Bagdads unter britische Herrschaft.

1918 – 1923 Osmanisches Reich: Zerschlagung und Aufteilung unter den Siegermächten des Ersten Weltkriegs.

1919 – 1922 Osmanisches Reich: Militärischer Angriff durch Griechenland.

1920 Irak: Britische Kolonialisten schlagen Aufstand nieder.

1920 Somaliland: Fünfter militärischer Feldzug der Briten.

1920 – 1946 Libanon: Französische Besatzung.

1920 – 1946 Syrien: Französisch-Syrischer Krieg und Besatzung.

1920 – 1948 Palästina: Britische Besatzung.

1921 – 1926 Marokko: Zweiter spanischer Krieg gegen die Rif-Stämme.

1922 – 1946 Jordanien: Britische Besatzung.

1923 – 1932 Libyen: Krieg Italiens gegen libysche Freiheitskämpfer.

1925 – 1927 Syrien, Libanon: Niederschlagung des Aufstandes gegen die französischen Kolonialherren.

1941 Iran: Anglo-sowjetische Invasion.

1943 – 1951 Libyen: Unterstellung unter britische Militärverwaltung.

1953 Iran: Gewaltsamer US-britischer Umsturz der demokratisch gewählten Regierung.

1954 – 1962 Algerien: Frankreichs Krieg gegen algerische Freiheitskämpfer.

1956 Ägypten: Angriffskrieg Großbritanniens, Frankreichs und Israels.

1986 Libyen: US-Bombardierung libyscher Städte.

1990 – 1991 Irak: Krieg einer westlichen Allianz zur Befreiung Kuwaits.

1998 Afghanistan: US-Militärschlag.

1998 Sudan: US-Militärschlag.

2001 – heute Afghanistan: US-Invasion, Besetzung, Drohnenkrieg.

2002 – heute Jemen: US-Drohnenkrieg.

2003 – 2011 Irak: Krieg und Besetzung durch USA, Großbritannien und die "Koalition der Willigen".

2004 – heute Pakistan: US-Drohnenkrieg.

2007 – heute Somalia: US-Drohnenkrieg.

2011 Libyen: Westliche Bombardierungen mit dem Ziel "Regime Change".

2014 – heute Syrien: Westliche (und östliche) Bombardierungen.

2014 – heute Irak: Westliche Bombenangriffe.

Moorleiche 27.03.2016 | 16:48

Hallo Janto Ban.

Naja, aber eben auch ein menschlicher Zug. Das ist doch der Wahnsinn. Man will sich gar nicht vorstellen, dass ein sog. Unmensch z.B. ein liebevoller Familienvater sein könnte.“

Doch, ich will das, denn das ist ja gerade der Reiz. Mein Favorit ist der nette Vater, der Weihnachten mit der Familie feiert, dann noch mal kurz am Heiligabend weg muss, jemandem, da er Auftragskiller ist, die Birne wegbläst, um dann eine gute Stunde später unterm Baum „Silent night, holy night“ zu singen. Das ist schon fast wieder … was auch immer.

Die Wurzel des Wunsches, sog. Unmenschen unschädlich zu machen (und ich verwende das Wort auf eigene Gefahr jetzt einfach mal) scheint mir einer schwer zu fassenden Melange aus Angst, Hass und Egoismus zu entspringen.“

Und den anderen auf Distanz zu halten. So bin ich nicht. Nie!

Kein leichtes Thema. Nicht zuletzt weil wir das in der Sprache derer besprechen, denen in puncto politischem Wegdefinieren von Menschlichkeit so schnell niemand etwas vormacht. Das ist das halt.“

In der Tat. Den anderen nur noch zum logistischen Problem der Abfallentsorgung zu machen … das ist mir noch mal in aller Vielschichtigkeit in Littells dickem Buch „Die Wohlgesinnten“ aufgegangen. Besonders die Szene, wo man der Held sich, ernsthaft erregt, bemüht die KZ-Insassen möglichst „menschlich“ zu behandeln und gesund zu halten, da man sonst ihr Potential verschenkt. Das hat schon fast wieder die Anklänge, die ich zu sehen nicht in der Lage bin. ;-)

Nach meiner Meinung gefragt, würde ich übrigens in einer schwer zu fassenden Melange aus Angst, Hass und Egoismus kundtun, dass der radikale Islamismus in Europa unschädlich gemacht gehört.“

Es geht ja ohnehin nur um die Wahl der Mittel.

iDog 27.03.2016 | 16:55

Ich möcht sie daran erinneren , dass sie es waren , der meinte, mir etwas sagen zu müssen, mich etwas fragen zu müssen. Da scheinen sie noch gewusst zu haben um was es geht. Ich weiß es übrigens auch jetzt noch. Ist Gewalt(herrschaft) dumm?

Ich habe ihnen übreigens auf ihre Frage geantwortet. Sie haben auf meine Frage(n) nicht geantwortet. Sie machen also schon die ganze Zeit Pause wie es scheint ... während sie trotzdem weiterkommentieren...

Moorleiche 27.03.2016 | 16:56

Hallo Pregetter Otmar.

Ich weiß tatsächlich nicht in welchem Verhältnis EU Gesetze zum deutschen Recht stehen, finde das aber interessant und bedanke mich für den Hinweis.

Ich habe den Eindruck, dass in letzter Zeit die eine oder andere Regel auf die man sich geeinigt hat recht wortlos gekippt oder übergangen wird, vermutlich eine Sache der aktuell gerade passenden Abwägung.

miauxx 27.03.2016 | 18:08

Nicht nur ein "nicht schöner Zug", sondern eine Flucht vor der Wahrheit; ein Nicht-Warhaben-Wollen, das wesentlich getrieben von Angst. Wobei letztere auch verständlich ist. Aber es hilft letzten Endes überhaupt gar nichts, die Welt allein in die "Richtigen" und "Aussätzige" sortieren zu wollen. Damit begibt man sich nicht nur in grobe Selbsttäuschung und stiehlt sich aus der Verantwortung, Täter oder grausames Verhalten entsprechend ernst zu nehmen, sondern ist nahe an einer faschistoiden Grundhaltung. Denn wo hörte das Differenzieren und Sortieren wirklich auf? Wer wäre am Ende noch wirklich sicher, nicht zum Unmenschen erklärt zu werden?

miauxx 27.03.2016 | 18:21

Bemühen Sie doch bitte selbst ein etymologisches Lexikon der deutschen Sprache. Und wenn Sie noch ein Latein-Buch dazu nehmen, werden Sie nicht nur sehen, dass animal "Tier" aber auch "beseeltes Wesen" an sich bedeutet und dass ferner das vorausgehende "animus" eine ganze Menge mehr bedeutet, als worauf Sie es reduzieren wollen (NB: wie die Antike doch christlichen u.a. späteren Perspektiven voraus war, nicht wahr?). Sie werden dabei auch sehen, wie Sie sich mit Ihrem Insistieren auf die Begriffe selbst ins Knie geschossen haben.

Ratatörskr 27.03.2016 | 18:56

Ihre Ideologie platzt dochbereits bei der ersten Frage:

Das Gegenteil, der Umkehrschluss der Herrschaft ist Dienerschaft. Und bei welcher Gelegenheit beweist das Kapital diese Tatsache als unwahr?

Der Kapitalismus ist keine irrationale Spekulation, sondern gnadenloser Fakt der besonderen Art der Wahrheit. In vielen Varianten aber in nur einer Wirklichkeit.

Zahnbelag und Terror ist so putzig wie Vanilleeis vs, Auto.

Moorleiche 27.03.2016 | 19:16

Hallo Miauxx.

Wobei letztere auch verständlich ist. Aber es hilft letzten Endes überhaupt gar nichts, die Welt allein in die "Richtigen" und "Aussätzige" sortieren zu wollen.“

Dasandere große Problem ist, dass die Kriterien von richtig und falsch oft fragwürdig, wackelig und in der Begründung oft zirkulär sind.

Denn wo hörte das Differenzieren und Sortieren wirklich auf?“

Man kann das machen und ich gehöre bekennend zu denen, die das gerne tun. Nur muss man sich eben bewusst sein, dass die Kriterien wackelig sind und keine letztgültige Aussage darüber erlauben, wie man einen Menschen und sein Leben bewerten kann oder darf. Denn ein gutes, gelungenes, erfolgreiches, sinnerfülltes oder glückliches Leben zu führen, sind jeweils eigene Kategorien. Manche unterliegen der Selbstzuschreibung, nur ich kann wissen, ob ich glücklich bin, manche der Fremdzuschreibung, z.B. ob ich erfolgreich bin.

Ein Selbstmordattentäter kann sehr erfolgreich sein, wenn er 200 andere mit in den Tod reißt, er kann das auch sinnvoll finden (andere hingegen sinnlos), aber gut ist das sicher nicht. Soll heißen, entweder man macht das ganz große Fass auf, oder lässt alle zu.

GEBE 27.03.2016 | 19:47

Eine Chose der affizierten Seele

Nun, ich habe kein Interesse, mich mit Ihnen weiter über die Äquivokationvon „anima“ und dessen zugehörigem Adjektiv „animalisch“ zu streiten. Sie bestehen auf Polysemie, ich auf dem ursprünglichen Sinn. Sie möchten es in abgezogener tendenzieller Sonderung als verächtlich auszulegen haben; ich grundsätzlich konstatierend, dem Ursinn nach; d.i.: mit Seelischem begabt.

Die Herabwürdigung auf Tier resp. dessen Adjektiv tierisch, stellt eine vulgäre Grobschlächtigkeit vor und ist das eigentlich Verächtliche innerhalb des Disputs; sie geht erkennbar absichtsvoll ideologisch verdrehend zu Rande mit dem Begriff, um ihn hernach als Kampfbegriff in Positur bringen zu wollen.

Vielleicht hilft Ihnen das Folgende ja auch weiter. (Obwohl ich nicht glaube, erwarten zu können, daß der von Ihnen offensichtlich mit der Befehlsgewalt des Affekts gefaßte Vorsatz, nämlich möglichst nur ideologisch die pejorative Auslegung gelten lassen zu wollen, revidierbar sein wird.)

________________

Seele (psychê, anima), ursprünglich der Lebenshauch, der im letzten Atemzug den Sterbenden zu verlassen scheint, das Prinzip des Lebens und Empfindens, das man (auf Grund der Deutung der Phänomene des Traumes, der Ekstase u.s.w.) sowie infolge der allgemeinen Vergegenständlichungstendenz des Denkens als ein selbständiges, vom Leibe trennbares Wesen (von feinstem Stoffe) auffaßt. allmählich erst entwickelt sich der primitive, animistische Seelenbegriff zu dem Begriff einer immateriellen Substanz oder auch zu dem eines bestimmten, feinen Körpers (Materialismus) oder zu dem des Lebens- und Empfindungsprinzips schlechthin. Empirisch ist »Seele« jetzt nur ein Name für den einheitlichen Inbegriff des psychischen Lebens, für das Bewußtsein selbst. Ein Wesen hat eine Seele, ist beseelt heißt, es ist fähig, zu empfinden, zu fühlen, zu wollen u.s.w. Die Seele ist demnach nicht ein vom Leibe verschiedenes, getrennt existierendes, substantielles Wesen, sie ist auch nicht ein materielles Ding, sondern ein Wesen ist Seele, sofern es Leben und Bewußtsein hat, es ist Körper, sofern es als im Raume ausgedehnt, als undurchdringlich u.s.w. erscheint. »Seele« und »Leib« sind nicht zwei Dinge, doch sind sie auch nicht eins, sondern sie sind Namen, Begriffe für zwei Daseins- oder Erscheinungsweisen, besser für zwei Betrachtungsweisen einer Wirklichkeit. Diese ist Seele (seelisch) vom Standpunkt der unmittelbaren (inneren), sie ist Körper vom Standpunkt der mittelbaren, abstrakt-naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Die Seele kann als das »Innensein«, »Für-sich-sein« eines Wesens bezeichnet werden. Ist nun auch dieses Innensein kein Ding, keine Substanz, besteht seine Wirklichkeit in seiner Wirksamkeit, in der Aktualität des Bewußtseins selbst, so ist es doch nicht bloß ein »Bündel« von Einzelzuständen, sondern einheitlicher Zusammenhang, einheitliches Subjekt und insofern doch substantiell, besser übersubstantiell, ein sich selbst permanent in seinen Akten setzendes Wirken. Metaphysisch ist die Seele das reine Subjekt, die Ichheit, deren qualitativer Charakter ein sich selbst (in einem Organismus) objektivierender, konstanter Wille (s. d.) ist. Zwischen Seele und Leib besteht (empirisch) ein »Parallelismus« (s. d.).

Der Dualismus (s. d.) lehrt die Gesondertheit, Verschiedenheit von Seele und Leib. er betrachtet die beiden als zwei Substanzen oder zwei Arten von Vorgängen. Die Seele gilt hier bald als eine vom Leibe qualitativ, bald als eine nur existentiell verschiedene analoge Wesenheit. Der Monismus (s. d.) betrachtet entweder die Seele als das An-sich der Dinge, als deren Erscheinung den Körper (Spiritualismus, s. d.), oder die Seele als bloße Erscheinung, Funktion des Körpers, der oft selbst als die Seele bezeichnet wird (Materialismus, s. d.) oder es sind ihm Seele und Körper zwei Erscheinungen, Daseinsweisen eines Wesens (Identitätslehre, s. d.). Vom Standpunkt der Substantialitätstheorie ist die Seele eine Substanz (s. d.), von dem der Aktualitätstheorie ist sie der Inbegriff psychischer Prozesse selbst. Die Seele wird ferner als einfach oder sie wird als zusammengesetzt gedacht. Betreffs des »Sitzes« der »Seele« s. Seelensitz.

Zur Etymologie des Wortes Seele vgl. PLATO, Cratyl. 400 A. ARISTOTELES, De an. I 2, 405 b 28. ADELUNG, GRIMM. CARUS, Gesch. d. Psychol. S. 103 ff.. VOLKMANN, Lehrb. d. Psychol. I4, 71. K. K. KRESTOFF, Lotzes met. Seelenbegr. 1890, S. 25.

………………….

Der Terminus »Psychologie« ist erst seit CHR. WOLF gebräuchlich. Früher sagte man dafür peri psychês, de anima u. dgl. später Pneumatologie (s. d.). »Psychologia« zuerst bei MELANCHTHON (in dessen Vorlesungen), GOCLEN (als Titel eines Buches 1590) und CASMANN (Psychol. anthropol. 1594). Vgl. J. EBERT, Vernunftlehre S. 10. Die antike Psychologie ist metaphysisch, Lehre von der Seele (s. d.), forscht nach der Lebenskraft (s. d.), nach Seelenvermögen (s. d.), hat auch einzelne gute empirische Beobachtungen (über Empfindung, Wahrnehmung, Gedächtnis u.s.w.). Ansätze zu einer Psychologie finden sich in den Upanishads, bei HOMER, HESIOD, den ionischen Naturphilosophen, den Pythagoreern, Eleaten, Atomistikern, bei HIPPOKRATES (s. Temperament), bei SOKRATES, PLATO (Phaed., Phaedr., Tim., Republ.). Das erste System der Psychologie findet sich bei ARISTOTELES (peri psychês = de anima, peri aisthêseôs, peri mnêmês kai anamnêseôs, peri hypnou u. a.. vgl. BRENTANO, Psychol. d. Aristotel.). Bei ihm kommt die Empirie, Beobachtung schon mehr zur Geltung. Weiteres psychologisches Material bei THEOPHRAST (De sens.), den Stoikern (vgl. L. STEIN, Psychol. d. Stoa I u. II), Epikureern, Neuplatonikern (vgl. A. RICHTER, Die Psychol. d. Plotin, Neuplat. Stud.h. IV), bei GALENUS u. a.

Die patristische Psychologie hat zur Grundlehre »die Ansicht von der Ewigkeit, Übersinnlichkeit und Freiheit des menschlichen Geistes« (SIEBECK, G. d. Psychol. II 2, 360). Psychologische Bemerkungen bei CLEMENS ALEXANDRINUS, GREGOR VON NYSSA (peri psychês), NEMESIUS (peri physeôs anthrôpou), TERTULLIAN (De anima), besonders bei AUGUSTINUS (De anima, De quantitate animae, De immortal. an., De libero arbitr. u. a.). Die scholastische Psychologie leitet das Psychische aus den Operationen der Seele ab. Man vergleiche: HUGO VON ST. VICTOR (De an.), ALBERTUS MAGNUS (De natura et immortal. an.), THOMAS (Sum. theol., Opuscul., Quaest. disput.), BONAVENTURA (Itinerar. ment.), RAYMUND VON SABUNDE (Viola animae), SUAREZ (De anima) u. a.

Die Renaissancephilosophie betrachtet besonders die Seele als Lebenskraft: AGRIPPA, PARACELSUS, J. B. VAN HELMONT, SIMON PORTA (De anim. 1551) u. a. - Auf Aristoteles stützen sich teilweise ZABARELLA (De anima), MELANCHTHON (Commentar. de anima), GOCLEN Psychologia), CASMANN (Psychol. anthropol.). - Selbständiger ist L. VIVES (De an. et vita), dessen Psychologie die Beobachtung zur Grundlage hat. »Nulla est res alicuius vel praestabilior cognitio, quam de anima, vel iucundior, vel admirabilior« (1. e. praef.). - MICRAELIUS: »Psychologia est doctrina de anima« (Lex. philos. p. 930).

und:

ALFÂRÂBI spricht vom »intellectus agens«, »illam (animam) in actum perducens« (Font. quaest. 41). »Ille intellectus, a materia separatus, post corporis mortem permanet« (l.c. S. 21). Auch vom »intellectus adeptus seu receptus« ist die Rede (vgl. De intell. p. 52). AVICENNA unterscheidet »intellectus infusus« und »adeptus«. »Adveniunt formae vel species intelligibiles in intellectu possibili duobus modis adventus: quorum unus est infusio vel manatio divina absque doctrina et absque acquisitione et sensibus, sicut intellectiones primorum principiorum, sicut intelligere vel assentire, quod totum est maius parte etc. (angeborene, apriorische Urteilskraft, Evidenz der Denkgesetze). - Et secundus modus est cum acquisitione mediante rationali discursu aut cognitione demonstrativa« (De an. 8). Nach AVERROËS gibt es in allen Wesen nur einen (göttlichen) aktiven Intellekt (»unum in omnibus hominibus«). »Existimandum est in anima tres partes intellectus. Prima est ipse intellectus recipiens, secunda vero ipse agens, tertia vero est intellectus adeptus. Et horum duo quidem sunt aeterni, nempe agens et recipiens, tertius vero est partim generabilis et corruptibilis, partim vero aeternus... Ex hoc dicto nos possumus opinari intellectum materialem esse unicum in cunctis individuis« (De an. f. 165a). Der potentielle Intellekt ist »une chose composée de la disposition, qui existe en nous, et d'un intellect, qui se joint à cette disposition, et qui, en tant qu'il y est joint, est un intellect, prédisposé (en puissance) et non pas un intellect en acte en tant qu'il n'est plus joint à la disposition« (MUNK, Mél. p. 447). Der aktive Intellekt formt den potentiellen zum erworbenen. Vgl. Unsterblichkeit, Averroismus.

Nach ALBERTUS MAGNUS ist der aktive Intellekt keine »virtus corporea«, sondern eine »virtus separata« (De an. I, 2, 8). Der Intellekt ist »abstrahens« und »constituens« (Sum. th. I, 60, 3). Durch eine »illustratio« werden die »potentia intellectualia« »actu intellecta« (l.c. I, 15, 3). »Anima rationalis duo in se habet: intellectum possibilem, quo homo coniungitur continuo et tempori, quod est sub se: et intellectum agentem, quo se habet ad illuminationes superiorum« (l.c. II, 5). »Intellectus possibilis in anima est, quo est omnia fieri« (l.c. II, 77, 1). »Intellectus adeptus est, quando anima adipiscitur intellectus rerum intelligibilium per principia prima scibilia« (l.c. II, 93, 2). »Intellectus agentis duplex est actus: unus in abstrahendo intelligibilia et dando eis esse intelligibilium secundum speciem intelligentis: alter est illustratio intellectus possibilis, ut resplendeant in ipso species intelligibilium« (l.c. II, 14, 3). THOMAS versteht unter dem Intellekt (»intelligere quasi intus legere«, Verit.1, 12c; Sum. th. II, 8, 1) das (sinnliche und besonders das übersinnliche) Erkenntnisvermögen. Der Intellekt ist Erfassung »universalium et non singulorum« (Contr. gent. I, 44). Der aktive Intellekt ist »operativus« oder »practicus« »contemplativus« oder, »spekulativus« oder »theoreticus« (Sum. th. I, 14). »Quoniam nihil, quod est in potentia, reducitur ad actum nisi per aliquod ens actu, necesse est in anima praeter intellectum possibilem, quo anima omne fieri potest, constituere intellectum agentem, quo omnia potest facere et intelligibilia potentia ad actum deducere« (Sum. th. I, 79, 3). Der »intellectus agens« ist »separatus a corpore« (De an. III). Er ist »principale agens, quod agit rerum similitudines in intellectu possibili... Intellectus enim possibilis comparatur ad res, quarum notitiam recipit, sicut patiens, quod cooperatur agenti« (Quodl. 8, 2, 3c). »Phantasmata - illuminantur ab intellectu agenti« (Sum. th. I, 85, 1). »Phantasmata per lumen intellectus agentis fiunt actu intelligibilia, ut prosunt movere intellectum possibilem« (Contr. gent. II, 59). »Cum intellectus agens sit virtus animae, necesse est nun unum in omnibus esse, sed multiplicari ad multiplicationem animarum« (Contr. gent., ib., gegen den Averroismus). Der »intellectus adeptus« (»in actu«) ist die aktuelle Denkkraft (Sum. th. I, 79, 10c; Contr. gent. III, 42 f.). DUNS SCOTUS bestimmt: »Modus intelligendi activus est ratio concipiendi, qua mediante intellectus rei proprietates significat, concipit vel apprehendit; modus autem intelligendi passivus est proprietas rei, prout ab intellectu apprehensa« (bei PRANTL, G. d. L. III, 216). WILHELM VON OCCAM erklärt: »Intellectus procedit de potentia ad actum« (In l. sent. I, d. 3, qu. 5). »Intellectus agens et possibilis sunt omnino idem re ac ratione. Tamen ista nomina vel conceptus bene connotant diversa: quia intellectus agens significat animam, connotando intellectionem procedentem ab anima active; possibilis autem significat eandem animam connotando intellectionem receptam in anima« (l.c. 2, qu. 25; vgl. STÖCKL II, 993).

GOCLEN bemerkt: »Intellectus... possibilis et agens non sunt partes aut species animae intellectivae, sed modi et gradus eius secundum rationem differentes. Anima enim intellectiva, ut caret intelligibilibus et potentia est ad illa, dicitur possibilis: ut habet se ut materia. Cum vero singula facta est, habet alium modum seu gradum perfectiorem, et dicitur in actu primo seu habitu... Ac ut lumen facit potentia colores actu colores: ita intellectus agens facit potentia intelligibile actu intellectum« (Lex. philos. p. 249). Nach M. FICINUS ist das »intelligere« ein »ab intelligentia divina formari« (Theol. Plat. XII, 2). Nach MELANCHTHON ist der Intellekt »potentia mentis cognoscens, recordans, iudicans et ratiocinans singularia et universalia, habens insitas quasdam notitias, seu principia magnarum artium. Habens item actum reflexum, quo suas actiones cernit et iudicat« (De an. p. 205 b). Der Intellekt hat drei »actiones«: »apprehensio«, »compositio et divisio«, »discursus« (ib.). Der Satz: »nihil est in intellectu, quod non prius fuerit in sensu« ist falsch (l.c. p. 207 b). HOBBES bringt den Intellekt zur Sprache in Beziehung (De hom. 2). Nach SPINOZA ist der Intellekt ein »modus cogitandi« (Eth. I, prop. XXXI, dem.). Gott (s. d.) ist »intellectus infinitus«, der menschliche Geist ein Teil desselben (»mentem humanam partem esse infiniti intellectus Dei«, Eth. II, prop. XL, coroll.). »Intellectus infinitus nihil praeter Dei attributa eiusque affectiones comprehendit« (Eth. II, prop. IV). Gegen LOCKES »Nihil est in intellectu, quod non prius fuerit in sensu« (Ess. II, ch. 1, § 5) erklärt LEIBNIZ: »excipe: nisi intellectus« (Nouv. Ess. II, ch. 1, § 2). »On peut dire, que rien n'est dans l'entendement, qui ne soit venu des sens, excepté l'entedement même« (Gerh. VI, 488). CHR. WOLF versteht unter »intellectus« die »facultas res distincte repraesentandi« (Psychol. empir. § 275); ähnlich BILFINGER (Dilucid. § 272). »Purus est intellectus, cuius definitio competit simpliciter, hoc est, qui ideas habet non nisi distinctas« (l.c. § 274).

FINIS

janto ban 27.03.2016 | 23:08

|| Es geht ja ohnehin nur um die Wahl der Mittel. ||

Joh. Und der Autor des hier zu besprechenden Artikels (gaaanz oben, wir erinnern uns ;o) schreibt fast immer darüber, wie es nicht geht. Das ist Ausschlussverfahren, quasi. Wie es gehen könnte, beschreibt Augstein hier zwar mal ein bisschen (u.a. Zeit, Geduld, Diplomatie, respektvoller Umgang mit der [sic!] anderen Kultur und Religion).

Was die gerade aufgezählten Punkte betrifft, überzeugt mich das speziell im Umgang mit dem sog. IS und dessen EU-Ausläufern aber nicht mehr als Margot Käßmanns, sorry, wegbeten. Ostern hin, Ostern her, so hart muss ich das sagen. Wenn wir nur säßen, beteten, redeten und warteten, säh's schlecht aus, wie ich meinen will.

Und ich erinnere hier auch noch mal daran, dass sich Augstein nicht gegen eine militärische Lösung ausspricht. Er hält nur nichts von westlichen Interventionen. Aber Russland soll - im Gespann mit Assad - den IS platt machen. (<-- Meine Wortwahl.) Hab' vergessen, wo er das schrieb, aber da sprach er ca. vom Herstellen einer Übermacht-Situation zur Wiederherstellung des Friedens. Und, oh Wunder, die soll Putin herstellen. Der kann und darf das.

Wenn D mit zwei Fliegern über die Region eiert oder unsere (EU-)eigenen, staatlichen Sicherheitsorgane wegen Terroralarm auf Alarmstufe schalten, ist es aber nicht genehm. Im obigen Text spricht er zwar von Polizeiaufgaben, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich dahinter kein in sich auch nur halbwegs geschlossenes Konzept verbirgt.

Das große Problem sind halt die eklatanten Fehler in der Nahost-Politik der Vergangenheit, die alle nicht mehr rückgängig zu machen sind. Aus irgendwie linker Sicht vom (leider leider) nicht wegzubetenden Status Quo aus über Mittel zur Lösung der Katastrophe nachzudenken, muss zwangsläufig irre machen. Mir geht es jedenfalls so. Und deshalb versuche ich mich auch schon gar nicht (mehr) an Vorschlägen. Ich melde nur noch durch, wann und wo ich zu erkennen glaube, dass Irrwege im Denken und Handeln beschritten werden. Mache es also wie Augstein. Denn wat will man sonst auch machen, wonnich.

miauxx 27.03.2016 | 23:16

"Obwohl ich nicht glaube, erwarten zu können, daß der von Ihnen offensichtlich mit der Befehlsgewalt des Affekts gefaßte Vorsatz, nämlich möglichst nur ideologisch die pejorative Auslegung gelten lassen zu wollen, revidierbar sein wird."

Wissen Sie, Sie könnten sich auch einfach erklären, als die Leute, i.d.F. hier nicht nur mich, erst einmal zu beschimpfen. Im Übrigen ist es nicht weniger eine Beschimpfung, wenn Sie sich aufgeblasener Wortungetüme befleissigen. Einer Erklärung und Diskussion weichen Sie aber auch schon dadurch aus, dass Sie sich schlicht um klare Worte drücken. Sie haben nicht erklären können, was Sie denn dann nun mit den "animalischen Affekten" und "Reiz-Reaktion-Schemata" im Zusammenhang mit einer Entmenschlichung bzw. Nicht-Mensch-Sein meinen, sondern uns stattdessen erklärt, welchen "Affizierungen" wir unterlägen; wie wir denn auf die Idee kommen könnten, Ihnen das Wort im Munde zu führen usw. usf. Ich meine, was ist so schwer daran, einfach mal bescheid zu sagen, wie die Dinge in Ihren Augen liegen anstatt nur so ein verquastes Zeug los zu lassen? Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, dass, wenn Sie nicht, oder falsch, verstanden werden, es vielleicht auch Ihnen selbst liegen könnte?

Moorleiche 27.03.2016 | 23:49

„Und der Autor des hier zu besprechenden Artikels (gaaanz oben, wir erinnern uns ;o) schreibt fast immer darüber, wie es nicht geht. Das ist Ausschlussverfahren, quasi.“

Was sein Kollege Füller ja auch anmahnte. Keine Ahnung, ob Augstein das leisten muss. Vielleicht insofern, als er verstärkt sagte, die Diskussionen müssten aufhören, jetzt sei knallharte Politik gefordert. Da würde ich dann auch gerne mehr hören, ja.

„Wie es gehen könnte, beschreibt Augstein hier zwar mal ein bisschen (u.a. Zeit, Geduld, Diplomatie, respektvoller Umgang mit der [sic!] anderen Kultur und Religion).“

Was ja an sich stimmt, für mich aber unter Diskurs fällt. Das ist keine Politik, zumindest nicht in meiner Welt.

„Wenn wir nur säßen, beteten, redeten und warteten, säh's schlecht aus, wie ich meinen will.“

Es braucht klar ne Mehrfachstrategie. Härte gegen den Terror und echter, aufrichtiger Dialog mit den netten Moslems, die je näher man sie kennt, umso weniger anders sind als wir. Die können nicht nur lächeln und grüßen, man kann sich sogar richtig prima mit vielen unterhalten. Manche sind auch beknackt, aber nicht, weil sie Moslems sind, sondern, weil sie beknackt sind. Ich hab's dabei noch nicht mal mit dieser auch für mich übertriebenen Vorstellung von Ehre, aber ich bin eben auf im normallinken Milieu sozialisiert worden, als jeder Lehrer noch als Hobby Sozialarbeiter hatte. Wir müssen mal ein paar Herzen gewinnen, dann klappt's auch mit dem Keil treiben, zwischen die Extremisten und die richtig netten, die aber auch irgendwann verzweifeln. Dass die dritte oder vierte Generation hier das Problem ist, sollte, nein muss uns zu denken geben. Das ist wirklich unser Ding.

„...einer Übermacht-Situation zur Wiederherstellung des Friedens. Und, oh Wunder, die soll Putin herstellen. Der kann und darf das.“

Ich bin weder ein Putin-Freund, noch Feind, aber ich bin jetzt zu faul das zu erläutern. Generell halte ich, Achtung Klischee, Politik für ein schmutziges Geschäft, bei dem es recht utilitaristisch zugeht und da kann man sich seine „Freunde“ nicht aussuchen und generell würde ich mich als Deutschland breiter aufstellen. Privat finde ich so eine Haltung mies, aber ich glaube, dass Politik so läuft und wer da wurschtelt ist ja schon per Eid drauf festgelegt, das Wohl … zu mehren und Schaden abzuwenden.

„Wenn D mit zwei Fliegern über die Region eiert oder unsere (EU-)eigenen, staatlichen Sicherheitsorgane wegen Terroralarm auf Alarmstufe schalten, ist es aber nicht genehm. Im obigen Text spricht er zwar von Polizeiaufgaben, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich dahinter kein in sich auch nur halbwegs geschlossenes Konzept verbirgt.“

Ich habe, ohne das jetzt zu böse zu meinen, auch nicht das Gefühl, dass sich hinter dem meisten was Augstein sagt und schreibt ein geschlossenes Konzept verbirgt. Vielleicht tue ich ihm da Unrecht, aber bislang ist der Selbstwiderspruch im zwei Wochen Takt ein Teil der Show und was ich mag ist, dass er eine Haltung hat (nicht immer meine, aber doch sogar öfter mal), geniale Momente hat, in denen in Zuspitzungen doch sowas wie ne Linie und eine ordentliche Portion Wissen durchschimmert und ich finde ihn tendenziell besser, wenn er assoziativer und spontan agiert, die Texte hauen mich oft nicht weg, aber gut, der muss auch liefern, wir dürfen, so fair muss man sein. Aber ich meine, wer erwartet ernsthaft, dass ein Journalist mal eben die Lösung für alle Probleme der letzten 20 Jahre in 20 Zeilen packt?

„Aus irgendwie linker Sicht vom (leider leider) nicht wegzubetenden Status Quo aus über Mittel zur Lösung der Katastrophe nachzudenken, muss zwangsläufig irre machen.“

Ja, die Situation ist beschissen verfahren, aber auch nicht aussichtslos. Ich habe den Eindruck, dass es kurzfristig mal wieder gar nicht so schlecht läuft, die Frage ist, wer hat de Mut mal in sich zu gehen und wirklich was an der bisherigen Linie zu ändern? Wirklich mal ein netter Staat werden und mithelfen was aufzubauen. Wir haben es ja zum Teil echt drauf, ich bin ja in vielem überzeugter Europäer und Deutscher, aber da Europa nicht tiefer sinken kann, kann man die Chance ja mal nutzen.

Ratatörskr 28.03.2016 | 09:39

Sorry, ich meinte die von Moorleiche vertretene Ideologie des Kapitalismus, die er und andere wohl eher nicht wahrnimmt, weil sie vermutlich zu seinem Weltbild gehört.

Wenn es um Ideolgien geht, geht es gegen den Kommunismus in Korea und sonstwo aber nie um den Kapitalismus in den gelobten westlichen Werteländern, in denen Menschen im Müll um ihr Überleben kämpfen und ganze Familien in Steinbrüchen hausen müssen, ohne Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft.

Das ist animalisch, weil nicht menschlich. Hier stimme ich Gebe vollständig zu. So verstehe ich sie. Es gibt Tiere, die sich in ihrer Fürsorge für ihre Brut besser und in der Herde sozialer verhalten als viele Menschen.

Unsere universelle Leitkultur können doch nur die Menschenrechte sein!

iDog 28.03.2016 | 11:55

ein steht fest : Herr Moorleiche sieht den Balken im eigenen Auge nicht, wenn er Systemkritiker pauschal der "Ideologie" bezichtigt. Das ist eine wenig unzeitgemäß und ich dachte es sei mit der Mc Carthy Aera als das erkannt worde was es ist. Was er versucht ist Wortklauberei , denn es gibt aus seiner Position angesichts der Wirklichkeit keine andere Möglichkeit die "jungfräuliche Empfängnis" zu verteidigen.

GEBE 28.03.2016 | 12:16

Werter Miauxx, ich schätze, neben aller möglichen inhaltlichen Unterschiedlichkeit, Ihren besonnenen Ton. Und nicht, weil ich mich dumm zu stellen bestrebt fühle, erkenne ich in meinen Kommentaren keine Beleidigung; deutliche Positionierung aber gewiß, Sie sind auch bewußt so gewählt, weil ich sie für nötig halte. Und mit Berechtigung stelle ich mich dagegen, wenn von mir gewählte Begrifflichkeiten, die im Grunde faktische Bezeichnungen sind, in einer Weise ausgelegt werden, die ein bestimmtes (pejoratives) Licht darauf werfen sollen, um damit - ich habe es schon geschrieben – Kampfbegriffe gewinnen zu können. Eigentlich geht es mir am Arsch vorbei, wenn so etwas geschieht, aber nicht dann, wenn daraus versucht wird, mich in eine Gesinnungsecke zu positionieren. Davor verwahre ich mich; und sei es auch ruppig. Und was „aufgeblasene Wortungetüme“ angeht, so sehe ich keine verwendeten Begriffe, die nicht Berechtigung hätten den Inhalt zu verdeutlichen, und behaupte ich, daß ich insgesamt meine Ansicht differenzierter ausführe, als gemeinhin. Sich an meinen Satzstellungen zu stoßen, ist Geschmackssache, kann aber nicht Gelegenheit abwerfen den Inhalt für unzutreffend, weil „verquast“ zu erklären. Ich habe hier auch keinen pädagogischen Auftrag, sondern gehe davon aus, daß ich gewisse notwendige Termini voraussetzen kann. Und falls das nicht der Fall sein sollte, immerhin bewegen wir uns hier im Internet, mit allen Möglichkeiten der Recherche. In diesem Sinne …

Gerdtrader50 28.03.2016 | 13:13

Werter Herr Augstein, Ihre Ausführungen sind verständlich. Ob die gewünschten politischen Ansätze der Integrierung bei Islamisten fruchten, darf indes ernsthaft bezweifelt werden. Das deutsche und die anderen europäischen Goverments haben viel durch Inkompetenz dazu beigetragen, dass sich die wirtschaftliche Lage in den EU-Staaten wesentlich verschlechtert hat und insbesondere die der Eurozone-Mitgliedsstaaten. Auch das vielgelobte Deutschland spiegelt eher eine vorhandene gute Konjunktur(nur für Grosskonzerne real) vor, als tatsächlich vorhanden. Viel dazu tragen bei die Statistiklügen der BAG im Auftrag ihres Regimes. Wer 8 Millionen Arbeitslose toleriert und In- und Ausland mit falschen Zahlen der Meinung macht, hier herrsche eine gute Konjunktur, der ist ein Falschspieler. Diese Falschspieler konnten doch noch nicht einmal die Verlierer in der BRD zu vernünftigen Arbeitsplätzen und Entlohnung verhelfen, sondern nur zu befristeten, Halbtagsjobs, 400 Euro-Jobs, etc. p.p. Wie glauben Sie denn wohl, dass diese Hassadeure mit der Existenz von Millionen Einheimischer dann auch noch das Kunststück fertigbringen sollten(und wollten), einreisende Muslime hierzu zu verhelfen? Es wird keine Lösung darstellen und wenn überhaupt, vielleicht in 30 Jahren greifen, was ich auch bezweifele. Keine Antwort gibt es auf die Trauer der Hinterbliebenen der Opfer, weder in Belgien, noch in Frankreich, noch die der früheren Attentate in Spanien und England. Die letzten Leidtragenden waren die in Pakistan. Die klare Aussage der Islamisten: Wir wollten Christen treffen. Damit Kinder töten, die ja nun wirklich für die Dummheit ihrer Eltern nichts konnten, in einem muslimischen Land wie Pakistan öffentlich christliche Feste zu zelebrieren. Die BRD ist ein säkularer Staat und hat diese ganze Religionsgefühlsduselei, egal ob muslimisch, islamistisch oder christlich radikal vom Staat zu trennen, sie hat die Polizei zu unterstützen, auch die Grenzschutzbehörden und wenn sie das nicht tut und diesen ewigen political correct Schwachsinn propagiert, dann braucht sich niemand zu wundern, dass der Normalo für Krieg zu gewinnen ist. Es gibt keine Lösung für diese Problematik. Sie verschärft sich nur durch dümmliche Politik der Übergebildeten Möchtegernepolitiker mit ihrem Master, der aber zu normalen Denken nicht zu führen scheint, sie sind akademisch verbildet. Das sollte nicht sein. Klare Handlungen, Schutz der Einwohner dieses Landes und Kontinentes und keine schwülstigen Political Correctnis Sprüche mehr.

Ratatörskr 28.03.2016 | 14:33

Das sehe ich ebenso. Aber solange auch in den Medien immer noch weiter das Lied von dem bösen Linken und guten Kapitalisten gespielt wird, werden sich viele Menschen weiter in die Irre führen lassen.

Wenn sich überhaupt etwas ändern kann, soll, sogar muss, dann muss sich doch endlich eine Koexistenz der Systeme entwickeln können, die sich gegenseitig anerkennen und ein überparteiliches Streben nach einer humanistischen Weltordnung anstreben, auch mit der Möglichkeit eines dritten Weges. Das schon um ein nur Entweder Oder auszuschließen. Warum sollten sie nicht das Gute des/eines anderen Systems anerkennen und annehmen, fern der poltischen Farbe. Gemäß der Farbenlehre schneidet schwarz schlecht ab.

Aktuell die Politik, die flüchtende Menschen sanktioniert, in dem sie Erdogan die Unsummen unter Vernachlässigung der Menschenrechte zahlt, die sie für die notleidenden Menschen nicht hat! Und jeder weiß, dass, egal was getan wird nicht funktionieren kann, wenn sich die Politik nicht endlich zur menschenwürdigen Verantwortung durchsetzt.

@Roesike Axel hat Recht: "Sanktion meint Zersetzung!"

Es bleibt zu befürchten, dass die EU die Lunte zum Pulverfass gelegt hat. Plötzlich schwimmt Schäuble im Geld und betreibt damit den brutalsten Kapitalismus. Und Sozialdemokraten machen mit. Alle wider besseres Wissen!

Ratatörskr 28.03.2016 | 14:51

"Ob die gewünschten politischen Ansätze der Integrierung bei Islamisten fruchten, darf indes ernsthaft bezweifelt werden. Das deutsche und die anderen europäischen Goverments haben viel durch Inkompetenz dazu beigetragen, dass sich die wirtschaftliche Lage in den EU-Staaten wesentlich verschlechtert hat und insbesondere die der Eurozone-Mitgliedsstaaten."

Das ist weniger zweifelhaft als die Gewissheit eine Tatsache ist, dass es die falsche Politik war und ist, die die Welt in die Situation gebracht hat, in der sie jetzt ist und die sich noch immer nicht von Ihrem Macht- und Wirtschaftsanspruch löst, um eine menschenwürdige Politik durchzusetzen. Geld regiert die Welt, und zwar brutal.

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Ehemaliger Nutzer 28.03.2016 | 17:26

*****

Wenn ich mir überlege, was Relativierung in einer ihrer perversesten Formen sein könnte, dann ist es wohl das Gleichsetzen des Tyrannenmörders mit dem Tyrannen.

Jedoch gibt es eine noch schlimmere Form, das öffentliche Denunzieren vor Ausführung der Befreiungstat.

Glücklicherweise ist die Perversität noch nicht so weit gediehen, dass es Forderungen gäbe, dass es neben einer Stauffenbergstraße oder neben einem Graf-Stauffenberg-Gymnasium gleichermaßen Objektbenennungen oder doch zumindest "Verstehen" für den Tyrannen geben solle, weil der doch ein "Mensch unter uns Menschen" sei.

GEBE 28.03.2016 | 19:22

Danke für Ihre Ausführungen. Ich sehe darin einen sehr wesentlichen Aspekt ausgesprochen: den der Unbekanntschaft mit dem eigenen Wesen.

Ich sehe in dem @ Miauxx’schen Kommentar „(…) Wer wäre am Ende noch wirklich sicher, nicht zum Unmenschen erklärt zu werden?“ etwas ganz, ganz Merkwürdiges im Untergrund schlottern.

Es lesen sich diese pan-humanistischen Aufführungen, als könne jeder, so mir nichts dir nichts, weil es üble Umstände diktieren oder wie aus heiterem Himmel, ein Unmensch werden. Als könne es einen ereilen wie ein Infekt. Sie lesen sich wie flehentliche Abwehrzauber.

Und vor allem schwingt darin ein ganz offensichtlicher Argwohn dem Ideal der Menschlichkeit gegenüber, geradezu wie ein Mißtrauen sich selbst gegenüber, dem eigenen Menschsein, wenn dieses denn einmal als ein belastbares Entweder-Oder-Bekenntnis von einem abverlangt werden sollte, nicht gewachsen zu sein.

Es schlottert sich dieser merkwürdig mißtrauische, diabolische Untergrund nicht deutlicher aus, als in solchen, wie vorsorglich schon als Persilscheine zurechtgelegten Exkulpierungs-Ideologien: alles sei menschlich.

miauxx 28.03.2016 | 22:32

Nach Ihren letzten Ausführungen oben an mich schlage ich vor, die Meta-Diskussion, oder den Streit, wieder zu verlassen - da geht es nicht weiter. Dann steige ich wieder inhaltlich ein; und zwar hier.

"Es lesen sich diese pan-humanistischen Aufführungen, als könne jeder, so mir nichts dir nichts, weil es üble Umstände diktieren oder wie aus heiterem Himmel, ein Unmensch werden."

Nein, nicht Unmensch zu "werden", sondern dazu erklärt werden zu können, schreibe ich oben.

"Und vor allem schwingt darin ein ganz offensichtlicher Argwohn dem Ideal der Menschlichkeit gegenüber (...)"

Ich habe zwar, als ich das Besagte oben schrieb, nicht über das, ein, Ideal von Menschlichkeit geargwohnt, würde aber sagen - wo Sie das so sagen -, dass ich einen solchen Argwohn gar nicht verkehrt finde.

Von einem "Ideal von Menschlichkeit" zu sprechen finde ich aber sehr treffend. Nur - wer wollte, könnte, je, und v.a. ab welchem Grad von, sagen wir mal, Sonderlichkeit Anderer, diesen Menschlichkeit absprechen, wenn wir doch nur ein Idealbild haben? -- Das ist jetzt, zugegeben, auch von mir zugespitzt. Da aber auch gerade Sie penibelst auf die Wahl der Begriffe und Formulierungen schauen, will ich Sie ebenso auf diesem Feld packen. Dass weniger einer Revanche wegen - bin ich doch davon überzeugt, dass wir als Menschen ständig reflektieren müss(t)en, was alles (!) uns als Menschen auszeichnet. Und da hilft es uns eben wenig, wenn wir extreme Ausschläge schlicht als nicht-menschlich kennzeichnen, sie dämonisieren. Damit nämlich werden Problemlösungen verlagert, wenn nicht gar vollkommen verhindert. So will das große Unbehagen nur aussperren und die Konfrontation umgehen.

"Es schlottert sich dieser merkwürdig mißtrauische, diabolische Untergrund nicht deutlicher aus, als in solchen, wie vorsorglich schon als Persilscheine zurechtgelegten Exkulpierungs-Ideologien: alles sei menschlich."

Hier kann auch ich einmal zurückgeben, dass Sie etwas ausgedrückt sehen (wollen?), dass mitnichten geschrieben steht. Selbst wenn ich so deutlich geschrieben hätte, alles sei menschlich, so müsste das nicht zwingend im Sinne einer "Exkulpierungs-Ideologie" (oder -strategie) geschehen sein.

Trotzdem bin ich dafür, etwa Terrorakte oder brutale Morde als auch menschlich zu bezeichnen. Nur eben nicht im Sinne eines "naja, ist halt menschlich" und auch nicht mit der fatalistischen Haltung, der Mensch sei nun einmal so, sondern als Erkennen von Möglichkeiten und Tatsachen, deren Aussperren und Nicht-Wahrhaben-Wollen, wie bereits gesagt, nichts bringt. Ich bin dafür, jegliche extremen Auswüchse, Zivilisationsbrüche etc. als Taten von Menschen wahrzunehmen und entsprechend zu behandeln. Dazu gehörte dann das Ahnden wie auch die Prophylaxe. Die bloße Dämonisierung und, ja, Exkommunikation von der Menschheit dürfte in etwa so hoffnungsvolle Effekte zeitigen, wie das bloße Bombardieren eines IS einhergehenden mit dem Ignorieren der Ursachen.

miauxx 28.03.2016 | 22:57

"Es ist in unserer "Zivilisation" eine hierarchische Herrschaftsstruktur, die nur Unterwerfung duldet (...)"

Solche Strukturen haben aber gerade auch Tierrudel und hatten auch die vorzivilisatorischen ersten Verbünde von Menschen. Ähnlich wie Moorleiche meine ich auch, dass Sie die Frage zu sehr auf's politische Parkett verlegen wollen. Ich glaube auch nicht wirklich, "dass bestimmte gesellschaftliche Strukturen Grausamkeit erzeugen, andere nicht." Ich will Sie da jetzt auch gar nicht nach konkreten Nennungen fragen. Sicherlich gibt es Strukturen, die Grausamkeiten deutlich mehr befördern. Ich wüsste aber andererseits auch keine, die die Grausamkeit von Menschen vollkommen bannen würde. Gleichwohl glaube ich auch nicht, dass der Mensch an sich so, grausam, ist. Aber ich stehe auch etwas ratlos vor der Frage nach dem Ursprung bzw. der Begründung. Eben angesichts der Intelligenz und dem Reflektionsvermögen des Menschen ... Andererseits möchte man doch manchmal meinen, gerade das sei es, was ihn grausam macht. So wie wir Menschen ja auch unsere Lebensumwelt ausbeuten bis zum geht-nicht-mehr - wider besseren Wissens.

iDog 29.03.2016 | 00:20

... daher hatte ich Marcell Haneff empfohlen , der hat dazu einige Interssante Texte geschreiben, bzw es eins seiner Schwerpunktthemen. Nicht nur zu de Sade, den man gesllschaftskritisch-philosophiosch liest, sonderen auch allgemein zum Opfer, Terror , Gewalt und eben Grausamkeit. Viele seiner kürzeren Texte sind auch im Lettre interantional in deutsch erschienen. Die Bücher sind wohl alle übersetzt worden.

GEBE 29.03.2016 | 07:38

[Eigentlich wäre das Nachfolgende es wert, ein eigenes Blog daraus zu erstellen.]

Werter miauxx, worum dreht sich unser Dissens? - Ich will kurz rekapitulieren. Ich schrieb oben, 26.03.2016 | 11:50 "Jedoch wird man sich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen (höchstwahrscheinlich eines Tages äußerst schockiert konstatierend), hinzuschauen, ob alles, was äußerlich wie Mensch aussieht, auch wahrhaftig Menschliches enthält. - Und zwar nicht nur in diesem Zusammenhang."

– und weiter, 26.03.2016 | 13:13: "Wer in seinem Handeln nicht an andere Menschen denkt, wie es der Fall ist, wenn über deren Leben und Sterben eigenmächtig hinwegentschieden wird, hat sich vom Menschsein herausgezogen und verabschiedet. Wo animalische Affekte die Motive für Tun und Lassen bestimmen, wo Reiz-Reaktions-Schemata das Handeln beherrschen, kann von menschlichem Verhalten nicht im wahrhaftigen Sinn gesprochen werden."

Daran entzündete sich Ihre Kritik, die im wesentlichen umfaßt, daß ich damit gewisse, hier in Rede stehende Verhaltensweisen als tierisch bezeichnen würde. (Ich hatte den Begriff ‚animalisch‘ gewählt.)

Des weiteren kritisierten Sie, ich würde damit (meine Worte nun): einer gewissen Ausgrenzung, Exkommunikation, Dämonisierung das Wort reden, und Sie haben Ihrer Sorge Ausdruck verliehen, "Wer wäre am Ende noch wirklich sicher, nicht zum Unmenschen erklärt zu werden?" - Und @ Moorleiche pflichtete Ihnen in dieser Sorge bei.

Ich kann alles das, was in dem Zusammenhang von Ihnen vorgetragen worden ist, durchaus verstehen(!), wenn ich auch kein Verständnis dafür aufbringen kann. Es sind mir solche Gedanken ja selbst nicht fremd; insbesondere gerade wegen der Historie, in der es immer und immer wieder von Ausgrenzungen gewisser Gruppen nur so hagelte. Und ich kann von mir mit Bestimmtheit behaupten, mein Lebtag gegen Diskriminierungen und für Pazifismus tätig eingetreten zu sein und mein Leben danach gestaltet zu haben. (Mit dem nun im Alter als Konsequenz daraus sich ergeben habendem, nicht sonderlich kommodem Ergebnis.)

Ich verstehe sehr wohl die achtsame Besorgnis, es könnten meine Einlassungen etwa Zündeleien sein zu einer chauvinistischen Selektierung von Menschen.

Es ist in keiner Weise rhetorisch gemeint, wenn ich Ihnen sage, daß ich über diese Besorgnis nur noch verblüfft bin. Nicht etwa verblüfft, weil ich mich p e r s ö n l i c h mißverstanden fühlen würde. Ich bin verblüfft, weil Sie es sind, der die eigentliche Auswahl vornimmt, nämlich indem Sie auf einer als sozusagen sittlich gebotener Scheidegrenze zwischen Tier und Mensch bestehen! (Ich selbst bestehe auf einer ganz deutlichen Unterscheidung(!), aber aus anderen Gründen, weshalb ich auch nicht tierisch, sondern bewußt animalisch geschrieben habe.)

Nun, ich will meine Verblüffung noch weiter begründen. Es ist in aller Welt die naturwissenschaftlich als unumstößlich geltende Anschauung vorherrschende Lehre: Der Mensch stammt vom Tier ab! (Ich bin zwar inzwischen schon lange zu der geisteswissenschaftlich begründeten Erkenntnistatsache gereift, daß es genau umgekehrt ist(!), will es aber hier nur bei dieser Erwähnung belassen und nur mit diesen angedeuteten Strichen auf ein Scheunentor deuten.)

Also, diese als naturwissenschaftlich unumstößlich geltende Anschauung: Der Mensch stammt vom Tier ab, bringt mich zu der Verblüffung, da Ihre Kritik ja darauf abzielt zu monieren, ich stellte, Menschen wertend, auf eine unstatthafte Verquickung von Menschlichem und Tierischen ab.

Werte miauxx, daß was Sie als unstatthaft und empörenswert kritisieren, ist die auf ihrem im akademischen Zenit stehende naturwissenschaftlich unumstößliche, weltumfassende Lehrmeinung menschlicher Existenz!

Ich bin auch deshalb verblüfft, weil eigentlich ja doch anzunehmen wäre, nähme ein Mensch diese naturwissenschaftliche Lehrmeinung tatsächlich als wissenschaftlichen Status ernst, er denknotwendiger Weise und anhand der von ihr allein dann als Ableitung möglich definierbaren Modi animalisch-bestialischen Verhaltens eines Gattungsgenossen mit großer Genugtuung eine axiomatische Unterstreichung der These vorfinden müßte(!), nämlich daß der Mensch vom Tier abstammt!

Es müßte einen solchen Menschen dann auch in aller gebotenen, aufrichtigen Konsequenz in Anerkenntnis dieser Lehrmeinung, dabei die respektvolle Achtung vor dem Erbe seines Herkommens hell aufleuchten. Oder wäre das etwa schämenswert, weil kompromittierend?

Aber es hapert, wie zu sehen ist, ganz gewaltig bei der aufrichtigen Anerkenntnis der Lehrmeinung.

Einerseits stimmt man intellektualistisch bejahend zu, andererseits will man mit Anspruchs-Geltendmachung des Sentiments den Menschen als unabhängig von tierischem Herkommen behandelt haben. Immerhin hat sich Ihre Kritik ja genau an diesem (von mir vermeintlich mißachteten) Punkt entzündet.

Da hapert es auf der einen Seite beim vergleichenden Verhältnis nach unten, bezüglich des Animalischen; andererseits hapert es auch noch am Verhältnis nach oben, zum Ideellen. Und letzteres, das Ideelle, darf ja allenfalls nur als zopfige, hypothetische Vorstellung gelten, gegenüber den ach so fest zementierten naturwissenschaftlichen Tatsachen.

Woher aber bitte kommt die offensichtliche und doch insgeheime letzte Scheu, volles Bekenntnis zu den Konsequenzen der weltumfassenden, naturwissenschaftlich als unumstößlich gesetzten Lehrmeinung abzulegen: der Mensch stammt vom Tier ab?

Woher kommen die Aversion gegenüber meiner Konstatierung animalischen Wesens bei bestialischen Taten? - Was ist dabei das Katechon?!

- Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Wochenbeginn! -

iDog 29.03.2016 | 15:00

"Ähnlich wie Moorleiche meine ich auch, dass Sie die Frage zu sehr auf's politische Parkett verlegen wollen"

Je länger ich über ihre Antwort nachdenke desto klarer scheint mir. dass ich damit nichts anfangen kann.

Sie wollen doch nicht im Ernst erzählen, dass man in einer Welt und Gesellschaft , in der alles bis zum letzten Detail, die gesamte "Zivilisation" wie man so schön sagt, durch bürokratische und strukturelle Politik, durch reglementiertes, menschliches Handeln und Entscheiden also bestimmt wird, die Frage nach dem menschlichen Verhalten nicht zu politsch angehen sollte?

Das erstaunt mich doch sehr und ich halte das für nicht nur unsinning , sondern auch für entsprechend konditioniert, also nicht frei gedacht.

Wie irdendwelche Tierrudel sich verhalten oder Menschen in "vorpolitischen" Zeiten , ihre Aussage dazu halte ih zumindest für oberflächlich, sollte eher keinen Einfluss mehr auf heutiges Verhalten haben können, denn der Mensch hat vor allem eine Qualität, die ihn zu dem macht was er ist, nämlich zum Ende der Nahrungkette, und das ist seine schnelle Auffasungsgabe und Anpassungfähigkeit. Diese beiden Faktoren sind wesentlich dominater als als alles was traditionell oder gar biologisch angelegt sein könnte , darüber , schauen sie sich nur um , setzt sich der Mensch schneller hinweg als sie gucken können.

Es gibt grundsätzliches soziales Verhalten , richtig , weil das überlebenswichtig ist. Gewalt und Grausamkeit ist es nicht, im Gegenteil es ist lebensbedrohned und sehr gefährlich. Der Mensch erlaubt es sich erst, wenn er naehzu sicher ist, dass er nichts damit riskiert, dann nämlich wenn er sich schon in scheinbar unangreifbarer Position wähnt. Es ist also im weitesten Sinne Missbrauch, zumindest in den meisten Fällen , oder erwächts aus der Angst selbst zum Opfer zu werden, aus direktem oder indirektem Zwang in ausschließlich hierarchischen Gesellschaften.

Nun gibt es Leute , die sich nichts anders als hierarchische Gesellschaften vorstellen können. Das kann verschiedenste Gründe haben. Zuerst ist es meist ein Wissensdefizit. Das kann man durch die Erkenntnisse der jüngeren Anthropologie duchaus belegen. Die hat nämlich mit jeder Sorte des klassischen Sozialdarwinismus , ob es sich dabei nun um einen offenen oder mittlerweile einen politisch konservativen verdeckten handelt, gründlich aufgeräumt.

Befassen sie sich mit der Grausamkeit und sie werden eins Tages an mich denken und ihre hier vorgebrachten Vermutungen werden sich erledigt haben.

GEBE 29.03.2016 | 15:15

Sagen Sie, werte Moorleiche, lesen Sie gelegentlich auch mal ganze Textzusammenhänge? Denn mir scheint, Sie ziehen dem das patschige Hüpfen von Torfmoosinselchen zu Torfmoosinselchen vor.

Also, sagen Sie an, was es d e n n impliziert!

Und Sie scheinen es auch zu lieben, sich im Ungefähren herumzutreiben. "Die Bemerkung ...", ja ei, welche denn nun genau?! Wie wäre es mit einen genauen Bezug als Zitat? Würden Sie "d i e Bemerkung" angeben, liese sich ja vielleicht noch darüber disputieren. Aber so? Ich bitte Sie!

Moorleiche 29.03.2016 | 15:57

"Also, sagen Sie an, was es d e n n impliziert!"

Gern.

Dass wieder einmal das Tier herhalten muss um das Niederste zu beschreiben...“ (Miauxx)

Das impliziert, dass Miauxx der Meinung ist, dass Tier müsse als Stellvertreter für das Niedere herhalten. Da er auf Ihr Beispiel reagiert, unterstellt er Ihnen, dass Sie es so sehen (was ich nachvollziehen kann). Ob er auch dieser Meinung ist, ist damit nicht gesagt, aber auch nicht ausgeschlossen. Dass er sich später dagegen ausspricht, dass das Tier morden kann, lässt ahnen, dass er Tierisches oder Instinktives beim Tier vermutet, aber nichts Niederes.

Töten kann ein Tier, Mord beihaltet aber weitere Kriterien (die niederen Beweggründe), die in ihrer gezielten Absichtlichkeit über das Töten hinausgehen.

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Ehemaliger Nutzer 29.03.2016 | 17:08

wäre es ohnehin nicht zielführender, nur auf Fragen und Antworten einzugehen, die wenigstens ansatzweise etwas mit dem Threadtitel zu tun haben?

Die fatale Eskalation eines OT-Disputs ist sicher nicht gemeint.

Da kannst Du ja froh sein, dass sich der TE sowieso nicht für den Diskurs hier interessiert, mehr als ab und zu einen Text einstellen den dann aber leider sich selbst überlassen, das ist seit 2 Jahren Fakt.

miauxx 29.03.2016 | 21:02

Es geht mir nicht darum, dass Schreckliche an Menschen (!) wie Hitler nicht benennen zu wollen. Das sollte aus meinem Kommentar, den ich Ihnen verlinkte, doch eigentlich hervorgehen?! Ich bin dabei auch gar nicht dagegen, sie Unmenschen zu nennen. Es ist aber in meinen Augen ein Unterschied, ob ich einen Hitler oder IS-Terroristen Menschliches per se absprechen will oder ob ich versuche, das Betreffende herauszuschälen. Die genannten Grausamen bleiben Menschen; die Benennung Unmensch sollte allenfalls dazu dienen, ihre Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit zu benennen.

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Ehemaliger Nutzer 29.03.2016 | 21:35

"Die genannten Grausamen bleiben Menschen; die Benennung Unmensch sollte allenfalls dazu dienen, ihre Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit zu benennen."

Das sind wir total unterschiedlicher Meinung, ich weigere mich strikt, z.B. Hitler, Stalin und Pol Pot als Menschen zu benennen!

Ich würde niemals einen Satz über Hitler mit den Worten beginnen: "Einer der schlimmsten Menschen war Hitler ...". Ich würde immer nur aus meinem Innersten heraus schreiben können: "Einer der schlimmsten Unmenschen war Hitler ...". Bei der ersten Version würde es mich schütteln!

No way. Keine Kompromisse!

Ich weigere mich, die Menschheit zu beleidigen mit solch einer Bezeichnung. Eine solche Person ist kein Bestandteil der Menschheit, kein Bestandteil meines Bildes über unsere Gattung.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 00:23

Nein, meine Beispiele, wie Hitler, Stalin und Pol Pot als "Viehzeug" oder "Ungeziefer" zu bezeichnen ist definitiv eine Beleidigung der Tierwelt.

Bei mir wird es niemals "Untermenschen" geben, nur überall gleichwertige Menschen. Und leider auch dagegen solche absolut vereinzelten, für die Masse aller Menschen völlig untypischen Teufel wie die von mir genannten Beispiele.

Die genannten sind Teufel Unmenschen deshalb, weil genau diese es sind, die Ethnien und Schichten in "Herrenmenschen" und "Untermenschen" eingeteilt haben möchten und dies grausam in voller Perversion menschlichen Denkens und Fühlens ausleben. Perversion menschlichen Denkens und Fühlens ist unmenschlich! Und wer das voll auslebt mit allen für die anderen Menschen tödlichen Konsequenzen (unmenschlich), ist ein Unmensch.

unmenschlich ---> Realisierung des unmenschlichen ---> Unmensch.

Jeder von den genannten wäre zu vernichten gewesen, d.h. zur Rettung von ungezählten Menschenleben, - und vor allem zur Rettung der von diesen zu "Untermenschen" erklärten - wäre ein Anschlag (Tyrannenmord) auf das Leben dieser Unmenschen das beste, was diesen vielen unschuldigen Menschen zu wünschen wäre.

Und jetzt überlegen Sie mal, wenn man diesen letzten Urteilsschluss zur Rettung von bis zu zig Millionen Menschenleben zieht, dass jemand deshalb durch einen Gewaltakt zum Tode zu befördern sei, dass man es dabei unbedingt vermeiden muss, von diesem als einem Menschen zu sprechen?

Genau diesen Todeswunsch wollen wir doch niemals einem Menschen zuordnen, also kann derjenige, dem wir das zuordnen, doch nur das Gegenteil eines Menschen sein, nämlich ein Unmensch. Nur durch dieses Urteil bleiben wir selbst menschlich.

Es ist die innere Totaldistanzierung von der Unmenschlichkeit!

Moorleiche 30.03.2016 | 08:29

Hallo Bernhard Wettig.

Ich verstehe den Gedankengang und das von Ihnen aufgeworfene Problem, keinen Menschen töten zu wollen.

Ich sehe nur den Unterschied zwischen „Unmensch“ und „Untermensch“ nicht, vor allem hilft er nicht, wenn das Konstrukt dazu dienen soll, dass der andere letztlich irgendwie doch kein Mensch ist. Darum heißt es, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Man kann sie nicht verlieren.

Die Verlockung, „das Schwein“ oder „den Unmenschen“, „das Viehzeug“ aus dem Menschsein zu eliminieren und damit einen Menschen zu dehumanisieren ist groß, weil man Menschen eben nicht so leicht töten und so mies behandeln kann. Wenn "die" aber eigentlich keine Menschen mehr sind, fällt das leichter. Davor muss man sie und uns gleichermaßen schützen. Denn, das ist es auch, was Miauxx meinte, niederträchtig ist nur der Mensch. Vielleicht stimmt es nicht in Gänze, was die Lust am Töten angeht, die kann auch das Tier ereilen, aber allein der Mensch ist es, der in der Lage ist, sich darauf zu verpflichten, den anderen, seine Würde und sein Recht auf Unversehrtheit prinzipiell zu achten.

Das tun wir und das erwarten wir auch von unseren Mitmenschen. Darum muss die Polizei auch bestimmte Straftaten verfolgen, wenn sie Kenntnis von ihnen erlangt, weil es sich nicht einfach um einen privaten Übergriff von A gegen B handelt, sondern ab einer bestimmten Grenze immer auch einen Angriff auf unsere Art zu leben bedeutet. Auch wenn B sagt: „Lass mal gut sein“, wird der Angriff auf uns alle geahndet.

Da das Recht idealerweise symmetrisch ist und also für alle in gleicher Weise gilt, hat auch der Serienmörder oder Tyrann die Menschenwürde zu achten. Wir haben uns entschieden auch den Serienmörder nicht zu töten, außer in Notwehr. Wir können uns privat anders entscheiden, müssen aber wissen, dass wir damit das Recht brechen und verurteilt werden.

Wir haben aber das Problem, dass wir bestimmte Lücken im Strafrecht haben und so sperren wir bestimmte Serientäter weg, indem sie in Sicherheitsverwahrung gehen, was de facto eine Haftstrafe ist, ohne offiziell eine zu sein. Bei der Frage, ob man Terrorführer, bei denen extrem wenig Zweifel bestehen, dass sie ihre Taten fortsetzen werden töten soll, haben sich die USA anders entschieden, als wir. Wobei ich nicht weiß, inwieweit sich das ändert, wenn man im Krieg ist. Das ist die tiefere Problematik bei der Rede vom Krieg. Sie erlaubt bequemes Töten, aber der Terrorismus ist kein Staat und den IS als solchen anzuerkennen, wäre vielleicht nicht auch so toll.

Auch wenn ich Ihnen gute Absichten unterstelle, so finde ich Ihr Vorgehen falsch. Man kann die Entmenschlichung des anderen nicht dadurch kurieren, dass man die Entmenschlicher ebenfalls entmenschlicht.

drummy-b 30.03.2016 | 09:59

Das sind wir total unterschiedlicher Meinung, ich weigere mich strikt, z.B. Hitler, Stalin und Pol Pot als Menschen zu benennen!

Jeder von den genannten wäre zu vernichten gewesen, d.h. zur Rettung von ungezählten Menschenleben

Nur durch dieses Urteil bleiben wir selbst menschlich.

Entschuldigung, aber wissen Sie eigentlich, was Sie da schreiben?Das ist die reinste gedankliche Eugenik. Die Anerkennung jeglichen menschlichen Verhaltens als ebensolches ist die Grundlage eines modernen Rechts & Moralverständnisses. Sie begeben sich auf eine Stufe mit Hexenverbrennern, Rassenhygienikern und, um beim Artikel zu bleiben, IS-Terroristen. Naiv ist es außerdem, jeder von uns hat die Anlage, unter geeigneten Umständen zum "Hitler" zu werden...

Ratatörskr 30.03.2016 | 11:35

Nicht akademisch gebildet, empfinde ich diese Diskussion streckenweise nur abstrakt. Meine Meinung. Ein Mensch kann unmenschlich denken und handeln, er bleibt aber die Persönlichkeit Mensch, zweigeteilt, in eine linke und eine rechte körperliche Hälfte, in einen Verstand und eine Seele/Geist. Und vielleicht als 3. Dimension die Schnittstelle von Verstand und Klugheit der Herzen?

Abstrakte Frage: Ist diese Schnittstelle das Rückgrad des Menschen oder nur ein drittes Standbein?

Wann wird diese Schnittstelle eine Bruchstelle? Schon dann, wenn eine Mutter ihrem 3jährigen Kind in der Metzgerei die Wurstschnitte wegnimmt und der Verkäuferin zurückreicht, weil das Kind nicht "danke" sagt, das noch gar nicht wissen kann, was diese 5 Buchstaben sagen? Ist das nicht die erste pädagogische Fehlschaltung, Grausamkeit, Untat einer Menschenmutter?

Die Natur hat allen Lebewesen den Beschützerinstinkt zur Brutaufzucht mitgegeben. Fehlschaltungen ergeben sich wahrscheinlich in unserer menschlichen Natur häufiger und mit fataleren Folgen. Wenn daraus eine Spaltung entsteht, kann die Reparatur nicht immer erfolgreich sein. Abspaltung, die fatale Banalität des Bösen, eines menschlichen Ungeheuers?

Wenn der Instinkt des Tieres sein artgerechter Verstand ist, der aber sein Fühlen nicht ausschließt, ist das ohne artgerechten Verstand des instinktlosen Handelns des Mensche, der sein Fühlen abspaltet, animalisch im Sinne der Natur.

miauxx 30.03.2016 | 19:32

Sie haben Recht - was Sie hier erneut entfalten, gehörte vielleicht doch besser in einen eigenen Artikel. Ich wollte zunächst weg von der Auseinandersetzung ob sich der Vergleich "animalisch" eignet - und wenn ja, welche Bedeutung dem Wort dabei zugrundezulegen sei. Das uferte hier wohl zu arg aus und wird, wie Ratatörkskr richtig anmerkt, eine zu abstrakte Diskussion.

Mir ist für den Moment v.a. darum zu tun, welchen Sinn und welches Ziel es haben kann, Menschen Menschlichkeit abzuerkennen. Meine Ansicht dazu habe ich, so meine ich, deutlich dargelegt. Moorleiche argumentiert @Bernhard Wettig hier 30.03.2016 | 08:29 auch so ziemlich in meine Richtung. Ich sehe auch nicht, dass ich Ihnen bloß unterstellte, Sie würden einer "Exkommunikation, Dämonisierung" das Wort reden. Nach meinem Dafürhalten sagt eine Forderung wie "hinzuschauen, ob alles, was äußerlich wie Mensch aussieht, auch wahrhaftig Menschliches enthält." zunächst nichts anderes.

Ich möchte Ihnen gar nicht zu viel unterstellen und glaube Ihnen aufrichtig, dass Sie sich immer gegen Diskriminierung und für Pazifismus eingesetzt haben. Ich habe meine Lesart kundgetan und Sie ja auch gebeten, wenn es sich anders verhalten sollte, als ich es lese, Sie Ihre Aussagen doch bitte erklären mögen. Ich meine es auch ernst, wenn ich sage, Ihre letzten Ausführungen seien einen eigenen Artikel nebst Diskussion wert. Hier aber habe ich doch stark den Eindruck, Sie wollen sich um eine klare Erklärung Ihrer initialen Aussagen herumdrücken und weichen deshalb so stark ins Abstrakte aus. Folgend Ihren Worten lege ich Ihnen fortlaufend Aussagen in den Mund. Wie aber konkret darf ich die hier oben erneut zitierte Aussage denn nun verstehen? Das kann man wohl auch erklären, ohne sich erneut am Begriff vom "animalischen Wesen" aufzuhängen!? Hoffe ich.

Mit Grüßen!

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 19:59

"Die Anerkennung jeglichen menschlichen Verhaltens als ebensolches ist die Grundlage eines modernen Rechts & Moralverständnisses."

Sie nennen die Taten der barbarischsten Verbrecher "menschliches Verhalten"?

Für mich ist das unmenschliches Verhalten, da können Sie Hitler, Stalin und Pol Pot noch so sehr mit perversen Gedanken, wie solche an eine "Eugenik" verteidigen, es sind und bleiben Unmenschen.

Der Unterschied zwischen uns beiden scheint zu sein, dass ich mich nach reiflicher Überlegung den Attentätern des 20. Julis angeschlossen hätte, während Sie womöglich wegen Bedenken über "Grundlagen modernen Rechts & Moralverständnisses" eine Anzeige gegen Hitler aufgegeben hätten.

Vielleicht denken Sie darüber mal nach, dass Sie wahrscheinlich genauso wie mehr als 200 Beteiligte an den Plänen dieser Erhebung zu den Hingerichteten gehört hätten.

Die von diesen Unmenschen befehligten Richter und Henker hätten sich einen Dreck um Ihre Rechtshygiene geschert.

"... jeder von uns hat die Anlage, unter geeigneten Umständen zum "Hitler" zu werden..."

Dann kann man ja nur hoffen, dass Sie nicht schwach werden unter "geeigneten Umständen" bei den "Anlagen", die Sie besitzen so wie "jeder" von uns.

Ich kann Ihnen eins versichern, egal bei welchen "Umständen" auch immer hätten Sie mich niemals an Ihrer Hitler-Menschen-Seite.

Es scheint wohl der größte Unterschied zwischen uns beiden zu sein: Ich bin mir sicher, auf welcher Seite ich gegen wen stehen stehen würde.

miauxx 30.03.2016 | 20:06

"Sie wollen doch nicht im Ernst erzählen, dass man in einer Welt und Gesellschaft , in der alles bis zum letzten Detail, die gesamte "Zivilisation" wie man so schön sagt, durch bürokratische und strukturelle Politik, durch reglementiertes, menschliches Handeln und Entscheiden also bestimmt wird, die Frage nach dem menschlichen Verhalten nicht zu politsch angehen sollte?"

Angehen kann, sollte, Politik da schon einiges. Die Ursache an sich ist sie dabei aber weniger. Vielleicht haben wir da aneinander vorbeigeredet - aber mit war, als wäre es um die Grausamkeit im Menschen o. unter Menschen an sich gegangen. Ich hatte den Eindruck, Sie wollten den Ursprung in "unsere Zivilisation" und, vielmehr, so wie ich Ihre Argumentationen ja einigermaßen zu kennen glaube, wohl auch in den Kapitalismus als politisch-gesellschaftliche Struktur verlegen.

Ich hatte ja insoweit beigespflichtet, dass es Gesellschaftsstrukturen gibt, die das Grausame im Menschen qua ihrer Struktur und ihres Funktionierens mehr zu befördern wissen, als andere.

"Wie irdendwelche Tierrudel sich verhalten oder Menschen in "vorpolitischen" Zeiten , ihre Aussage dazu halte ih zumindest für oberflächlich, sollte eher keinen Einfluss mehr auf heutiges Verhalten haben können (...)"

So war das auch nicht gemeint. Ich habe allein auf Ihre Aussage reagiert, Schuld seien "hierarchische Herrschaftsstrukturen, die nur Unterwerfung duldet" und die Sie erst in der Zivilisation erkennen wollen. Und das ist ja eben nicht so. Weil solche Strukturen aber so alt sind, wie es entweder in Rudeln, in Stämmen oder halt in sogenannten Gesellschaften organisiertes Leben gibt, ist der Ursprung auch grausam ausgetragener Wettkämpfe eben nicht so ohne Weiteres auf die Agenda heutiger Politik zu setzen. (Hier muss freilich festgehalten werden, dass menschliche Grausamkeit eine grundsätzlich andere Qualität hat, als die von Tieren; wie bereits oben contra GEBE argumentiert). Politik muss dafür sorgen, dass grausam ausgetragenen Verdrängungswettkämpfen, bzw. solchen überhaupt, Einhalt geboten ist. Ich behaupte, dass wir grundsätzlich gar nicht weit auseinander sind.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 20:21

"Emotional gesehen ist Ihnen zuzustimmen! Wäre doch ein Unmensch, wer nicht so fühlte ..."

Das ist der entscheidende Punkt bei denen, die keine Unmenschen sind. Es sind solche, die nicht nur "rational" denken, sondern auch mitfühlen mit den Opfern.

Das menschliche Fühlen und dabei vor allem das Mitfühlen ist nicht nur der Unterschied zum Unmenschen, sondern auch zur raffiniertesten rationalen KI.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 20:28

Es gibt keine "Unmenschen" infolge auch kein unmenschliches Verhalten, das sollte man in Ihrem Alter eigentlich wissen.

Jedes Verhalten eines Menschen ist menschliches Verhalten, ganz egal wie gut oder böse es ist. Ihre Wertungen sind also für die Begrifflichkeit obsolet.

Genausowenig wie es "Totschlagargumente" gibt, auch wenn Sie solche mit Ihren mehr als fragwürdigen Interpretationen der Kommentare anderer hier als Tatsachenbehauptungen zurecht zimmern, um sie an hier abzusondern.

Lassen Sie es einfach.

Und betrachten Sie meine Reaktion auf Ihre "Kommentare" als eine einmalige.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 20:47

"Darum heißt es, dass die Würde des Menschen unantastbar ist."

Man muss sich bei diesem Gebot nicht nur um die Worte "Würde" und "Mensch" kümmern, sondern auch um das Wort "unantastbar".

Alle drei Worte stehen in dem in diesem Wertegrundsatz dargestellten Zusammenhang. Wenn die Würde des Menschen tatsächlich unantastbar ist, dann darf auch kein Hauch eines Antasten stattfinden.

Das endgültige ultimative Antasten ist das Töten eines Menschen. Wenn wir also den Tyrannenmord befürworten, weil der ansonten weiterhin diesen Grundasatz für alle anderen außer Kraft setzt, so geht das nur, wenn man dem Tyrannen keine Würde mehr zugesteht.

Der menschlichen Würde von uns selbst entspricht es, dass wir es lieber hätten, wenn wir den Tyrannen fangen und vor Gericht stellen könnten.

Und unserer eigenen menschlichen Würde entspricht es, dass wir zumindest in unseren Breiten- und Längengraden schon zur Übereinkunft gekommen sind, dass das Urteil kein Todesurteil sein darf. In den USA z.B. müssen die Gesetzgeber ihre menschliche Würde noch ein Stück weiter entwickeln.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 20:58

"Und betrachten Sie meine Reaktion auf Ihre "Kommentare" als eine einmalige."

Der Chef hat gesprochen und verbittet sich jede weitere Diskussion.

Ein schönes Beispiel menschlichen Verhaltens, "egal wie gut oder böse es ist".

Deshalb müssen Sie doch keine Angst haben, als Unmensch zu gelten. Sie haben einfach nur wie auch ich und die meisten anderen menschliche Schwächen. :-)

Und wenn Sie es befehlen, einigen wir uns also neuerdings darauf, nicht mehr von unmenschlichem Verhalten zu sprechen.

GEBE 30.03.2016 | 22:11

Grüß Gott, miauxx,

Ich hab‘s mir am Abend doch noch abgequält^^:

Wegen der vorherrschenden, naturwissenschaftlich behaupteten Abstammung des Menschen vom Tier, ist mit Denknotwendigkeit daraus ableitbar, daß ein jeder Mensch approximativ ein Tier, in dem einen Fall potentiell mehr, im anderen potentiell weniger.

Unser Disput wäre überhaupt nicht der Rede wert, würde er sich um das „Mehr oder Weniger“ an Tier-Sein drehen. Es würde dazu nicht einmal mehr ein Disput dem Grunde nach um Sein oder Haben möglich sein. Allenfalls könnten wir noch nach gewissen Eigenschaften und Eigenarten Unterscheidungen innerhalb der Tierheit treffen.

Allerdings müßten wir uns dabei ein Denkverbot auferlegen, nämlich dort wo die Potentialität des Tier-Seins als Näherung des Allgemeinen am geringsten wäre, die Abweichung vom Allgemeinen am größten zu konstatieren wäre. Wir müßten uns verbieten, an einem solchen Punkt etwa nach eigentümlichen Gruppiertheiten (Cluster) von Eigenschaften oder deren Fehlen und ganz besonders nach einem Typus zu fragen. Und es wäre geradezu eine Exkommunikation beschrieen bei der Frage nach Quidditas, nach Washeit, nach dem Wesen.

Wir müßten uns, wären wir nur solch konsequente Naturwissenschaftler, für die wir uns ausgeben, und würden wir den Mut aufbringen tatsächlich nur die Erkenntnisse der Naturwissenschaft uneingeschränkt gelten zu lassen, ohne Wenn und Aber letztlich das Menschsein verbieten! Das ist die Konsequenz reiner Naturwissenschaft, das Verbot von Menschentum! Und wer es dennoch wagte, gehörte in ebenso naturwissenschaftlich konsequenter Weise seinen Mittieren, zur Ausübung ihrer Natur, zur verstoffwechselnden Modifizierung übergeben.

Es stünde solch ein Disput ja fest auf dem Boden der Naturwissenschaften, wie der Physik, Biochemie, Neurobiologie, Genetik, Medizin, usf. Aufgrund der tierischen Abstammung durch die Nachweise all diese naturwissenschaftlichen „Künste“ kann von nichts anderem als von modifiziertem Tier gesprochen werden! - Ich will hier gar nicht noch weiter anführen, wie ja mit naturwissenschaftlicher Methoden eben auch freies Denken als eine Illusion, bedingt durch gewisse Partikelkonfigurationen, definiert ist.

Nach naturwissenschaftlichem Bekenntnis gibt es keine Kategorie Mensch. M-E-N-S-C-H ist nur eine semiotische Kategorie, nämlich einer gewissen Approximation von Tier.

Unmensch, Untermensch, Nichtmensch, Gutmensch, usw. usf. sind ebenfalls ausnahmslos nur semiotische Katergorien gewisser Appoximationen von Tier. Jedenfalls wenn naturwissenschaftliche Denke in aller Konsequenz nur angewandt wird.

Also, warum, wozu und wodurch all die hier vorgetragene Aufregung, Empörungen, Sorgen, Verdächtigungen obwohl das in den Kommentaren oben gesagte lediglich die konsequente Anwendung naturwissenschaftlicher Gesetze ist, nämlich, daß „der Mensch“ nach naturwissenschaftlicher Wahrheitsdeutung nur eine Approximation von Tier - ein Säugetier - eben ist?

Und eine letzte Frage: in welchen naturwissenschaftlichen Zusammenhängen darf denn Naturwissenschaft vorkommen, ohne das ihr etwa Hetzpotential beigelegt wird?

Es ist die Zeit des Bekenntnissees zur Wahrhaftigkeit gekommen! Und ganz und gar nicht noch nicht endlich ausgemacht, ob naturwissenschaftliche Denke mehr und mehr sich zur Tierheit auswächst, oder ob sie durch Spiritualität gewandelt wird.

Ich kann jedenfalls nur noch lachen darüber, wie Naturwissenschaft einerseits mit Vehemenz in allen Lebensbereichen als Weltdeutungshoheit vertreten wird und andererseits ihr doch mit schlotterigen Knien das konsequente, letzte Geleit verweigert wird!

Der Trieb zum Bösen entsteht im Menschen nur dadurch, daß er in seinen Gedanken und Empfindungen die Tiefe seines Wesens zum Schweigen bringt.

pleifel 31.03.2016 | 00:15

Auf den Kommentar lässt sich viel entgegnen und wie vorher erwähnt, ein eigener Beitrag setzen, der nun weniger mit Terrorismus zu tun hätte.

Wenn Du erlaubst, nehme ich deinen Abschlusstext auf und möchte auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn Du in dem Zusammenhang von Trieb sprichst, stärkt das eher den Gedanken von tierischer Abhängigkeit (Schwäche) in der Weise, dass diese instinktgeleiteten Antriebe aus der Natur selbst bereits mit etwas „infiziert“ sei, dass mit dem „Bösen“ umschrieben werden kann.

Ist es nicht vielmehr so, dass es gerade „die Tiefe seines Wesens“ ist, die den Menschen über die Tiere soweit erhebt, wie sie in ihrer natürlichen „Unschuld“ gar nicht fähig sind? Denn was ist denn eigentlich tierisch genau, wenn wir es so abwertend benutzen? Es soll doch unsere Distanz, unsere neue Ebene des Seins ausdrücken, und wir uns dadurch in vielerlei Hinsicht das Recht nehmen, das Tier als Objekt behandeln zu können und seine Wertigkeit (Verwertung) bestimmen.

Die „tierische“ Existenz möchte ich aber jetzt nicht weiter vertiefen, aber klar ist wohl, dass die Abgründe des Bösen nicht auf den Tieren lasten und folglich auch nicht daraus zu begründen ist. Das Böse ist eine neue Kategorie unserer Existenz, das wir allein schaffen, erkennen und vermeiden können.

Das also, was der Mensch als das Böse in der Welt sich und den empfindenden Kreaturen antut, ist im engeren Definitionsbereich eine Folge bewusster Handlungen (oder Unterlassungen!), die trotz klarer Erkenntnis der negativen Folgen ausgeführt werden. Es bleibt die Frage offen, warum es dem einen gelingt und dem andern nicht (weniger). Denn bei den Begründungsversuchen ergibt sich sofort die naheliegende Frage, warum man z.B. „sein tieferes Wesen zum Schweigen bringt?“

Es gibt nun mittlerweile genügend Erkenntnisse, die zumindest die positiven Einflüsse auf die Reduzierung des Bösen aufgezeigt haben. Es ist eine kollektive Aufgabe und daraus kann sich eigentlich nur eine Frage stellen, nämlich: Warum handeln wir nicht gemäß diesem Wissen? Da ließe sich sagen, es ist eine der menschlichen Schwächen, die sich aus seinem Hang zum „Bösen“ ergibt: das ist ein Problem!

iDog 31.03.2016 | 00:51

"Ich behaupte, dass wir grundsätzlich gar nicht weit auseinander sind."

Nicht das ich das grundsätzlich bezweifeln wollte, aber in dem folgenden Punkt kann es wohl zumindest noch nicht so sein:

"Ich habe allein auf Ihre Aussage reagiert, Schuld seien "hierarchische Herrschaftsstrukturen, die nur Unterwerfung duldet" und die Sie erst in der Zivilisation erkennen wollen"

Wenn wir diese Aussage mal auseinander bröseln , dann sagt sie :

Hierarchische Verhältnisse dulden nur Unterwerfung. Das ist pauschalisiert bzw. vereinfacht ausgedrückt, denn sie dulden nur Unterwerfung unter die Herrschaftselite oder den Herrscher - je nach Struktur, sowohl von der Masse der Subordinierten als auch von denen die die Einhaltung des Reglements dieser Unterwerfung kontrollieren und garantieren sollen, aber sie ist logisch und faktisch richtig. Jetzt kann man freilich kaum streiten, ob es sich bei einer Gesellschaftsstruktur um eine hierarchische handelt oder nicht. Bei Diktaturen ist das der Fall , bei der akuten Diktatur des Kapitals ebenfalls. Die Demokratie haben "wir", die Menschen, trotz gegenteiliger Behauptung noch nicht praktisch ausprobiert. Nicht mal in der griechischen Polis, die ein sklavenbetriebenes und metökenfinanziertes Modell war.

Ich habe indes nicht behauptet, dass es hierarchische Strukturen erst in den Zeiten sogenannten Zivilisation gab oder gibt, sondern ich habe zumindest gemeint zu erklären, dass es sie in Zeiten der sogenannten Zivilisation, also in der bis dato letzten und striktesten Ausprägung des Patriarchats, ausschließlich nur noch gibt. Der moderne Finanz-Kapitalismus ist diese "alternativlos" nur benannte Ausprägung der hierarchischen Herrschaftsstruktur. Sie duldet keine andere Struktur neben sich, will alles unterwerfen. Vor dem ersten Auftreten des Patriarchats und bis in die Zeiten der Vorsokratiker gab es auch wesentlich andere Gesellschaftsstrukturen, zum Teil allerdings immer vereinzelter in unbeachteten Nieschen soagar bis ins frühe 20te Jahrhundert hinein - da sag ich ihnen sicher nichts Neues.

Heute bleibt eine einzige quais globale hierarchische Struktur, selbst wenn man meint sie sei noch in nationalstaatliche Einheiten bzw. Blöcke aufgeteilt, muss man konstatieren, dass es sich dabei nur um eine Aufteilungen von Märkten und damit kapitalistische Konkurrenz handelt, die lediglich durch inter-elitäre Konkurrenzen voneinander getrennt scheinen, aber dennoch stark interagieren, ja sogar so stark von einander abhängen, dass sie alle am gleichen Strang ziehen, wie man so schön sagt, was aber bedeutet, dass sie alle das selbe Prinzip vertreten: Aufrechterhaltung von Hierarchie.

Wenn man nun zur Grausamkeit zurück kommt so ist zumindest sehr schwer Belege dafür zu finden, dass es Grausamkeit in Form von kompletter Entwürdigung und Unterwerfung des Anderen bis hin zur körperlichen Folter und anhand dieser in nicht hierarchischen Gesellschaften gegeben hätte.

Das ist mein Punkt hier: Das Unterworfensein selbst führt zu Grausamkeit und wird damit erneut zum Instrument der Unterwerfung auch wenn diese initial nicht unbedingt grausam war.

iDog 31.03.2016 | 01:06

"Politik muss dafür sorgen, dass grausam ausgetragenen Verdrängungswettkämpfen, bzw. solchen überhaupt, Einhalt geboten ist."

In diesem Satzt wiederum stimmen wir halbwegs überein , mal abgeshen davon , dass ich ihn im Konjunktiv formulieren würde, denn die politische Realität sieht diametral entgegengesetzt aus: Die Politik behauptet zwar meist das , was sie da sagen , aber führt zum Gegenteil. Und genau das halte ich zB auch schon für eine From von Grausamkeit. Diese Art und Weise wie aktuell der Neoliberalismus in fast jeder Hinsicht scheitert außer in der Aufrechterhaltung der Hierarchie und gleichzietig die Hoffnungen der Menschen zertört man können sich aus dieser miserablen Situation wieder befreien, zB durch entsprechendes Engagement, indem er behauptet, alle anderen möglichen Gesllschaftssystemwe würden noch schlecher funktionieren, was natürlich mit nichts bewiesen ist. Hierarchie hat nun mal die unangenehme Eigenschaft , dass sie nicht in erwägung ziehen kann , dass ein wie auch immer geartetes Misslingen in ihr selber liegen begründet könnten.

Moorleiche 31.03.2016 | 09:38

Hallo Bernhard Wettig.

Die Grundfrage ist ja wie egal dürfen mir Menschen sein, denen anderen Menschen egal sind.

Und wie Miauxx würde ich dabei auch das Recht und die persönliche Auffassung trennen. Es ist klug und richtig, dass das Recht uns vorschreibt, dass die Menschenwürde unantastbar ist.

Inwieweit man dann jeden Sadisten in sein Herz schließt ist ne andere Sache und wenn jemand mir nahe stehende Menschen ernsthaft bedroht, könnte ich nicht garantieren, ob ich mich rechtskonform verhalten würde. Ich weiß auch nicht auf welcher Seite ich in einem Tyrannensystem stehen würde, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass man in Extremsituationen manchmal anders agiert, als man denkt. Aber ich könnte es nachvollziehen, wenn ich angeklagt würde, wenn ich mich gefühlt auch im Recht befände.

Ob der Tyrannenmord bei uns juristisch gedeckt ist, weiß ich gar nicht. Ob und ab wann man sich sein Recht nehmen darf oder sogar muss ist ja Bestandteil vieler Diskussionen, man kann möglicherweise keine letzte Antwort darauf geben. Des einen Terrorist ist bekanntlich der Freiheitskämpfer des anderen und an der Bewertung hängt auch die Deutungshoheit.

Meine Faustregel ist, dass es tendenziell besser ist, wenn einem auch die Menschen, denen die anderen egal sind, nicht in der selben Intensität egal sind.

Ansonsten führt das in bekannte Paradoxien, die Abhören für die Freiheit, Foltern für die Menschenrechte und Töten für das Leben. Ich könnte das immer nur am Einzelfall festmachen, aber in der Lage ist der Gesetzgeber ja nicht.

miauxx 31.03.2016 | 21:14

Sie werden es sich vielleicht denken können - zufrieden bin ich nicht. Das aber nicht, weil Sie mir nicht zustimmen, sondern weil Sie mit Ihrer Antwort wieder allein am Mensch-Tier-Vergleich hängengeblieben sind.

"Also, warum, wozu und wodurch all die hier vorgetragene Aufregung, Empörungen, Sorgen, Verdächtigungen obwohl das in den Kommentaren oben gesagte lediglich die konsequente Anwendung naturwissenschaftlicher Gesetze ist, nämlich, daß „der Mensch“ nach naturwissenschaftlicher Wahrheitsdeutung nur eine Approximation von Tier - ein Säugetier - eben ist?"

Wissen Sie, ich habe mich einmal auf Ihre Wortwahl "animalische Reflexe" bezogen. Die Mehrzahl meiner Kommentarsätze hier sucht eine Argumentation, die davon wieder abgelöst ist; nicht, wieviel "Tier" oder "Animalisches" im Menschen sein kann, sondern, ob "Mensch" auch "Nicht-Mensch" sein kann.

Ich muss aus Ihren Worten und Sätzen schon recht aufwändig extrahieren ... Am Ende, wenn ich Sie richtig verstehe, steht wohl in der Hauptsache und einfach gesagt: Dass wir uns als Menschen der Qualität "Mensch an sich" bewusst sein müss(t)en. Aus dem, wie ich in der Hauptsache dagegen opponierte, Menschen könnten auf eben diese Qualität an sich geprüft und im Zweifel aus dieser entlassen werden (wie sich ja expressis verbis B. Wettig äußert) ziehen Sie aber meines Erachtens die falschen Schlüsse und/oder entziehen sich eines direkten Eingehens darauf. Sie wollen mich nach wie vor auf eine Diskussions-Schiene führen, die ich eigentlich erkenntlich verlassen hatte. Ich meine, es wären Antworten möglich gewesen, die abseits dessen liegen, inwieweit der Mensch entweder doch nur eine Approximation von Tier sei oder eben der Anerkenntnis, dass das nicht so sei.

Ich bin dabei, wie gesagt, gar nicht gegen eine Erörterung dieses Punktes. Aber das wäre eben doch eine Diskussion, die, wie Sie zuletzt selbst Pleifel entgegnen, an anderer Stelle (weiter-)geführt werden könnte. Also, nichts für ungut und trotzdem Dank für Ihre Mühe!

miauxx 31.03.2016 | 21:28

"Hierarchische Verhältnisse dulden nur Unterwerfung. Das ist pauschalisiert bzw. vereinfacht ausgedrückt, denn sie dulden nur Unterwerfung unter die Herrschaftselite oder den Herrscher - je nach Struktur, sowohl von der Masse der Subordinierten als auch von denen die die Einhaltung des Reglements dieser Unterwerfung kontrollieren (...)"

Die Vorstellung, dass es auch gänzlich non-hierarchisch ginge, ist eine wunderbare. Vor allem angesichts dessen, was Hierarchien bisher und in der Regel für Folgeeffekte zeitig(t)en. Trotzdem würde ich ganz "ketzerisch" hinterfragen, ob gänzlich non-hierarchische Strukturen überhaupt möglich wären; ob sie überhaupt für organisiertes Zusammenleben auch nur einen Funken realistisch sind. Es kommt meines Erachtens v.a. darauf an, wie Hierarchien organisiert und strukturiert sind. Hierarchie muss nicht die Formen wie in Diktaturen, Monarchien oder Marktradikalität implizieren ...

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 22:15

"Es ist klug und richtig, dass das Recht uns vorschreibt, dass die Menschenwürde unantastbar ist."

Meine Rede die ganze Zeit.

"Ich weiß auch nicht auf welcher Seite ich in einem Tyrannensystem stehen würde ..."

Ich weiß es ganz bestimmt und unbedingt.

"Ob der Tyrannenmord bei uns juristisch gedeckt ist, weiß ich gar nicht."

Ich weiß es:

Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes gibt ausdrücklich dem Bürger und nicht dem Tyrannen das Recht. Ein Tyrann ist darin als derjenige definiert, der es unternimmt, die vom Grundgesetz bestimmte Ordnung zu beseitigen. Die vom Grundgesetz bestimmte Ordnung ist nämlich das Gegenteil von Tyrannei. Konkret heisst es:

"Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

jeden = auch und erst recht ein Tyrann

alle = jeder einzelne Bürger

wenn andere Abhilfe nicht möglich ist = z.B. nicht durch Rechtsmaßnahmen

"Ich könnte das immer nur am Einzelfall festmachen ..."

Meine Rede ununterbrochen die ganze Zeit.

Niemals von einzelnen Unmenschen auf gesamte Bevölkerungsgruppen schließen, wie Sie und andere es hier getan haben, als sie nur allzu bekannte ekelhafte Begriffe wie "Untermenschen" hier ins Spiel brachten.

Ekelhaft sind diese Begriffe deshalb, weil sie - im Gegensatz zu völlig menschlich untypischen, also absolut die Ausnahme darstellenden einzelnen Unmenschen wie Hitler, Stalin oder Pol Pot - beim Herabwürdigen z.B. als "Untermenschen" durch diejenigen, die solch einen Begriff gebrauchten, immer gegen komplette Nationen, Ethnien, Schichten, Minderheiten usw. benutzt wurden.

Auf der gleichen Schiene befinden sich diejenigen Hetzer, welche schlimme Taten einzelner Flüchtlinge als Vorwand zur Verleumdung aller Flüchtlinge heranziehen.

Ich verstehe nicht, dass das alles von vorn bis hinten nicht so einfach, logisch und klar zu erkennen ist.

iDog 31.03.2016 | 23:46

... und da genau forscht vor allem die Anthropologie. Das ist sozusagen ihre heißestes Thema. Wie genau sich nämlich zB. die Gemeinschaften und Gesellschaften selber , praktisch anarchistisch, organisieren, diese nicht mehr organisiert werden, wenn die Herrschaft "abgereist" ist, will sagen die Region zB. magels Erträgen etc. aufgegeben hat, was nicht zu selten ist ... und die Zukunft vieler sein wird ...

... nur eins ist freilich klar, man müsste sich dafür interessieren, das aber tut ein Gesellschaft zwangsläufig nicht, wenn sie gerade komplett, noch oder sogar totalitär von hierarchischer Struktur beherrscht wird.... bzw. allenfalls erst dann wenn ihr das klar wird und also die ideologischen Fassaden brökeln wie heutzutage ... die ideologischen Lügengebäude zusammenfallen ... zumal dass von der Chance für alle im Kapitalismus oder der Mitbestimmung aller in angelblichen Demokratien, wenn die nackten Tatsachen des Ökonomischen- des Geldsystems, des Kriesenmodells etc. auf den Tisch kommen ....

Diese Disziplin Unsere hat unsere Geschichte mit Hilfe der Soziologie, der Ethnologie und der Archeologie schon längst durchanalysiert. Da gibt es immer weniger Geheimnissvolles, und es steht fest, die Hierarchie ist längst nicht die einzig mögliche Form der Gesellschaft.

Nun würde eine horizontale Gesellschaft aus dem Schutt der Kapitalherrschaft sicher eine andere sein müssen , als irgendwelche historischen Modelle. Genau das ist das interessante daran. Schnee von gestern kann weder motivieren noch retten, noch gerettet werden. Auch wenn dies unangenehm erscheinen mag. Schaut man sich aber vorbehaltlos Geschichte an, dann weiß man, dass es so ist.

Überzeugungen sind von dem Wahnehmungsfenster abhängig, das genutzen wird.

GEBE 01.04.2016 | 14:07

Werter miauxx, mit dieser Antwort möchte ich gerne unser beider Betrachtungen beenden. Wie ich oben schon @ pleifel schrieb, wird es mit anzunehmender Sicherheit noch andere und trefflichere Gelegenheiten und insbesondere geeignetere Orte geben, das Thema nochmal zu behandeln, als in diesem Blog.

Ich verstehe, daß Sie über meine obige Antwort nicht befriedigt sind, nicht sein können. Es fehlt in der Tat ein entscheidender Aspekt, den ich unbeleuchtet gelassen habe. Warum das? Wie gesagt, es ist ein entscheidender Aspekt, der nur in einem anderen Rahmen vorgetragen werden könnte. Wären wir alleine in einem Chat beispielsweise, würde ich es auch getan haben; auch wenn einige User der „dFC“, denen ich uneingeschränkt Ernsthaftigkeit bei solchen Themen unterstelle, daran noch teilnähmen.

Dennoch will ich zum Abschluß versuchen, etwas anzuführen, was (neben meiner zugestandener Maßen - aber durchaus sehr berechtigten(!), weil erkenntnistheoretisch fundieren – Polemik, d.h. im Sinne einer gelehrte Fehde, in Bezug auf die Naturwissenschaften vorgetragen ist), wohl tauglich ist, wenigstens doch die Richtung anzugeben, welcher Art der von mir bewußt ausgelassene Aspekt ist. Es ist ein geisteswissenschaftlicher Aspekt, der im Manichäertum geistesgeschichtlich erstmals aufgetreten ist. Und mit einem kleinen Exzerpt will ich die Charakteristik aufzuzeigen versuchen, welcher Art der ausgelassene Aspekt ist:

„Aber etwas anderes ist noch diesem Manichäismus eigen. Er sieht auf den Menschen hin, und dieser Mensch erscheint ihm keineswegs schon als dasjenige, als was uns heute der Mensch erscheint. Uns erscheint der Mensch wie eine Art Krone der Erdenschöpfung. Mag man nun mehr oder weniger materialistisch oder spiritualistisch denken, es erscheint dem Menschen heute der Mensch wie eine Art Krone der Erdenschöpfung, das Menschenreich wie das höchste Reich, oder wenigstens wie die Krönung des Tierreiches. Das kann der Manichäismus nicht zugeben. Für ihn ist das, was als Mensch auf der Erde gewandelt hat und eigentlich zu seiner Zeit noch wandelte, eigentlich nur ein spärlicher Rest desjenigen, was auf der Erde durch das göttliche Lichtwesen hätte Mensch werden sollen. Etwas ganz anderes hätte Mensch werden sollen als das, was jetzt als Mensch auf der Erde herumwandelt. Dasjenige, was jetzt als Mensch auf der Erde herumwandelt, ist dadurch entstanden, daß der ursprüngliche Mensch, den sich das Lichtwesen zur Verstärkung seines Kampfes gegen die Dämonen der Finsternis geschaffen hat, diesen Kampf gegen die Dämonen der Finsternis verloren hat, aber durch die guten Mächte in die Sonne versetzt worden ist, also aufgenommen worden ist von dem Lichtreiche selbst. Aber die Dämonen haben es doch zuwege gebracht, gewissermaßen ein Stück dieses Urmenschen dem in die Sonne entfliehenden wirklichen Menschen zu entreißen und daraus zu bilden, was das Menschen-Erdengeschlecht ist, dieses Menschen-Erdengeschlecht, das also herumwandelt wie eine schlechtere Ausgabe hier auf Erden desjenigen, was auf der Erde hier gar nicht leben könnte, weil es im großen Geisteskampfe in die Sonne entrückt werden mußte.“

Wie gesagt, es soll dies nur als eine Charakteristik dienen, anzudeuten, woher sich als eine Art Ursprungsgedanke, worauf die Ansicht eines Nicht-Menschlichen sich auch herleiten läßt, und zwar ohne Abgleich mit der Tierheit. Ich habe diese Verknüpfung mit dem Manichäismus deshalb gewählt, nicht etwa, weil ich ihm huldige, sondern weil durch ihn etwas ausgedrückt ist, was eine große Berechtigung hat, was jedoch wegen seiner Bekämpfung sich in Folge nicht hat fruchtbar entwickeln können, sondern zu einem rigiden Skeptizismus einerseits und andererseits zur fatalen, a-spirituellen Konsolidierung kirchlichen Dogmatik über den Umweg über Augustinus als einem hauptsächlichen Kirchenvater geworden ist; in Folge der Materialismus einen seiner wesentlichen Schübe erfahren hat.

Jan Chudak 03.04.2016 | 19:50

"Ich bin bekennender Freund auch breiter und breitester Diskussioenn, solange man wieder zum Thema findet. Aber reine Ideologie oder Gesichtswahrung ist mir zu dröge" schrieb einer hier-,komm nicht gleich auf den Namen, aber dessen Meinung schließe ich mich an. Der thread ufert hier m.E. gewaltig aus. bis jetzt 366 Beiträge - wenn das nicht genug ist, heiß ich ab sofort Kaiser Franz Josef.
"Fatale Eskalation", da könnte auch über der Summe aller dieser Beiträge stehen-.Weniger ist mehr.
In diesem Sinne- vielleicht könnten wir mal die Rolle Genschers thematisieren? Eine Lüge war das Versprechen, die NATO nicht in den früheren Ostblock auszuweiten. EinVersprechen, hinter dem auch der nun verstorbene Genscher stand. Der aber war gewiß nicht so dumm, anzunehmen, das wäre folgenloser Wortbruch.